Ausgabe 
27.7.1933 Erstes Blatt
 
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drücke. Das Bühnenbild des ersten Aktes stammt noch aus den Festspielen 1931. Der erste Auszug ist damals nach aufgesundenen Entwürfen Siegfried Wagners neugeschaffen und für die diesjährigen Festspiele in seiner alten Form vollkommen belassen worden. Max Lorenz hielt als junger Siegfried anfänglich mit dem stimmlichen Einsatz zurück, ging dann Tm zweiten Auszug viel klarer aus sich heraus und beschloß mit der Brünhilde der Frieda Leider den Abend im herrlichen Zwiegesang. Rudolf Bockelmann als Wanderer war von guter Cha­rakteristik. Auf das Schärfste prägten Erich Zim­mermann Den Mime und Robert Burg den Alberich. Irmaard Scheidemantel sang klar den Waldvogel.

Umfangreiches Bauprogramm der Firma Merck.

Darmstadt. 26. Juli. (WSR.) Die Firma S. Merck in Darmstadt teilt mit. daß sie im Ginne des Arbeitsbeschassungsprograrnms der Regierung ein außerordentlich umfangreiches Bauprogramm im lausenden und nächsten Jahr durchführen wird. Es handelt sich um eine An­zahl Umbauten und Neubauten, deren Durchführung an sich betrieblich erwünscht war, zu deren beschleunigter Dornahrne in erweiterter

Form sich die Firma aber in diesem Frühjahr entschlossen hat. um auch ihrerseits im ent­scheidenden Stadium des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit mit Aufträgen für das Bau- aewerbe und dessen HilfSgewerbe auf dem Ar- beitSmarkt zu erscheinen. Aach den angestcllten Berechnungen wird die Durchsuhrung des Bau- Programms etwa 23 000 Arbeitstage er­fordern, was bedeutet, daß bei 40stündiger Ar­beitszeit 103 Arbeitnehmer saft ein 3ahr an diesen Bauten beschäftigt sein werden.

Universitäts-Professor zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Frankfurt a. M., 26.3uli. (MSN.) 3m S ch ne ll v erfahren verurteilte das Kleine Schöffengericht den hiesigen 44jährigen Universi­tätsprofessor Prof. Dr. Georg S t ü v e wegen öffentlicher Beleidigung des Frank­furter Polizeipräsidenten zu zwei Monaten Gefängnis. Dem Beleidigten wurde Publikationsbesugnis zugesprochen. Der Angeklagte hatte in der Nacht zum Montag in nicht völlig nüchternem Zustand sich gegenüber Polizeibeamten in beleidigender Weise geäußert, nachdem zuvor ein Bekannter des Angeklagten festgenommen worden war. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängnis beantragt.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Unser Stadtbild,

* Don Prof. Dr. K. Ebel.

Unter dieser Ueberschrift hat In Rr. 170, Erstes Dlatt desGießener Anzeigers" Herr Reg.-Baurat Steinbach einen schönen und warmen Artikel zugunsten der Wiederher st ellung unserer alten F Fch w e r k b a u t e n veröffentlicht. Ich freue mich und bin dankbar, daß mir endlich aus der Bürgerschaft heraus Unterstützung kommt in meinen Bestrebungen, zu retten, was noch von Altertümlichem in unserer Vaterstadt zu retten ist. Seit vierzig Jahren bin ich in Wort und Schrift, in vielen Vorträgen über unser altes Gießen, in denen ich in Lichtbildern gezeigt habe, welche Schönheiten ohne Rot zerstört worden sind, in zahllosen Zeitungsartikeln, in Aufsätzen, in Sam­melwerken über Hessen und wo sich Gelegenheit bot, für die Erhaltung des schönen Alten einge­treten. Ich bin meist auf Verständnislosigkeit ge­stoßen, habe Spott und Hohn über mich ergehen lassen müssen, wie beim Kampf um die Erhaltung der ehemaligen Torhäuschen, und habe oft die läp- pische Frage zu hören bekommen:Möchten Sie in so einem alten ,©dörr' wohnen?" Wie habe ich mich bemüht, um die Freilegung eines Fachwerks an der Mausburg; das scheiterte in Der bösen In- flationszeit an den Kosten; wie um die eines Hauses am Kreuz, das ein ganz wunderbarer Fachwerk­bau, vielleicht der schönste in der Stadt, ist. Warum hier nicht die Liebe zur Heimatkunst gesiegt hat, warum hier ein stolzer Marmorunterbau geschaffen werden mußte, ich weiß es nicht. Wie rühmlich ist dagegen die Wiederherstellung der Fachwerkhäuser in Det Sonne, in Den Neuenbäuen, im Neuenweg, auch in Der Kaplansgassel Aber Damit Ist auch Die Aufzählung beenDet, unb Doch stecken noch so viele alte Häuser unter Demscheußlichen Spritzbewurf". Herrn Steinbachs Aufforderung schließe ich mich von Herzen an: herunter mit ihm!

Die ForDerung, Die hier aufgestellt ist, kann unD muß aber noch erweitert werden. Die Fachwerk- Häuser sind nicht das einzige Altertümliche, das wir noch reiten können, wir haben auch noch Stra- ß e n z ü g e, Die uns eigentümlich sinb und Die vor moDerner Verbreiterung und Dem Zugriff DerVer- kehrsinteressen" geschützt roerDen müssen. Ich bin lange genug Stabtverorbneter gewesen, um zu wis­sen, was Der Verkehr, was moDerne Hygiene unD anDerc Rücksichten verlangen. Aber ich weiß auch, daß vieles geopfert roorDen ist, weil an Den zu­ständigen Stellen kein Sinn war für Die Notwen, digkeit Der Erhaltung, kein Sinn für Pietät unD keine H e i m a t l i e b e. Der Seltersweg ist in [einem süDlichen Teil verschwunDen, an Die Ver­bretterung Des Stückes Kreuz Plockstraße wirD gedacht, wenn Die alten Pläne nicht inzwischen fal- len gelassen sein sollten. Man denke sich Doch nur einmal Diesen Straßenzug, Die Mäusburg, Die Marktstraße, Die eigentlid? NeustaDt heißt, Das Durch Die Beseitigung Der Zozels- unb Flügelsgasse schon angegriffen ist, in Diesem Sinne umgestaltet! Was blieb bann vom alten Gießen? Nichts als ein langweiliges Nest, wie es taufenb anbere gibt. Zu unseren alten Fachwerkhäusern gehören untrennbar unsere alten eigensinnigen Straßenzüge, die Dem, Der geschichtlich den- ken kann, ein Bild von Der Entstehung unserer Stadt geben, so eindrucksvoll wie in anderen mittel­alterlichen Städten auch. Hinter diesen brauchen wir uns nicht zu verkriechen. Diesen Forderungen sollte Der Derkehrsoercin (jawohl, Der Ver- kehrsverein!), ein starker Helfer sein. Langweilige, breite unD geraDe Straßen haben viele Stähle, aber mittelalterliche Straßenzüge unD Fachwerk­häuser sinD so augenfällig meist nur in kleineren Städten erhalten, unD eine kleinere StaDt sinD wir ja Golt sei Dank noch und wollen es dem Charak- ter nach auch bleiben. Darum: Der Verkehrsoerein gehört auf unsere Seite, weil er mit Hervorhebung des Altertümlich-Schönen Den Verkehr heben kann, nicht Durch BeanstanDung eines TaDels über Die Verballhornung unseres einst so schönenBranDes"- Verzeihung, desLandgraf-Philipp-Plakes". Von den neuen Herren im Stadthaus Darf erwartet werden, baß sie bei ihrer starken Einstellung für das Geschichtliche unb Heimatliche diesen Fragen erhöhte Aufmerksamkeit unb Liebe zürnenden. Hier heißt es, zunächst Zerstörung von U n e r - feftlidjem zu verhindern und dann beim Anbruch besserer Zeiten städtische Mittel zur Ver- fügung zu stellen, um Die Besitzer alter Fachwerk­bauten in Der WieDerherstellung ihrer schönen Häu­ser zu unterstützen.

Oie bienenwirtschastliche Ausstellung in Bad-Nauheim.

Schulferien sind zwar anaesagt, aber in der Stadtschule von Lad-Nauheim ist ein Betrieb wie selten jemals in einer Pause, wenn alle Jungen unb Mädels aus- unb einftrömen. 130 Aus­steller bringen ihr Gut. Mehrere in ganzen (Eifern bahnwagenlabungen, andere wieder mit eigenen Lastautos, Dazwischen Der Bahnhof-Spediteur mit seinen Gespannen und Die einfachen Imker mit Dem Rucksack.

Elektromonteur, Dekorateur, Maler, Tischler, Zimmerleute, Gärtner, kurz alles ist im Wirtschaften begriffen, fo daß einem Der Kopf Dumm werDen könnte, wenn man nicht wüßte. Daß hier viel Hoff­

nungsfreubigkeit, Wissen unb Können zusammenge- kagen wirb, um etwas Rechtschaffenes zu leisten. Schon sieht man aus leuchtenden Honigglasern wir­kungsvolle Aufbauten werben, schon enthüllen sich die großen Stiften bes Reich sausschusses für Bienenzucht aus Berlin, bie allerlei Darftellun flen vom Wert bes Honigs unb Der Bienenzucht ,n sich bergen. Schon laben Inschriften zu Den aUerDings noch nicht vorhandenen K o st p r o b e n in bie Honigküche ein. Dazwischen stehen bie Grup­pen Der Imker, Die allmählich aus Dem ganzen Reich zusammengekommen sinD unD nun herzliche HanDschläge unD FreunDesworte tauschen. JeDer empfindet Die große Ausstellung als Fest. Es gibt ja auch Feste Der Arbeit unb sie sollen nicht Die schlechtesten fein. .

Am Donnerstagmittag soll alles fertig fein. Am Freitag um 17 Uhr wirD Die Ausstellung für Die Besucher geöffnet. Inzwischen werDen Die Preis- richter ihres Amtes walten.

rvornotizen.

TageskalenDer für Donnerstag. Bergschenke: 20 Uhr, Künfllerkonzerl. Lichtspiel­haus (Bahnhofstraße):Wege zur guten Che".

Hohensolms Greifen st ein Braunfels. Das Postamt Gießen veranstaltet am fommenDen Sonntag wieder eine der mit Recht beliebten Kraftpost-Ausflugsfahrten, Die Diesmal von

OaS Los.

Ist es Zufall oDer nicht vielmehr in Der Tiefe Deutschen Lebensgefühls begrünDet, Daß unsere Mut­tersprache Diesem Wort einen Doppelten Sinn gibt? Daß es Damit Das Schicksal Des Einzelnen unD jeDen Glücksfall ins große Spiel Der naturhaften, der nationalen Kräfte einorDnet? Und war je einLos" sinnbildlicher als dieser braune Schein derDem Deutschen Volke geroiDmeten" Nationalsozialistischen

Arbeitsbeschaffungs-Lotterie?

Der Volksschrei nach Solidarität, nach Gefolg- schäft im Geiste des Führers äußert sich im Opfer, zunächst im bescheidenen Opfer einer einzigen Mark, kann aber reichlich Lohn unb Glück für Den Ein­zelnen roerDen, wie JeDer Beitrag es bestimmt für Die Gesamtheit ist.

Gießen aus nach Hohensolms, nach Greifenstein und nach Braunfels führt. Die Abfahrt erfolgt um 7.45 Uhr vom Postamt I aus, unb um 19 Uhr kommen Die Teilnehmer wieder In Gießen an. Der Fahrpreis beträgt 3 Mark. Auf bie heutige Anzeige sei beson­ders hingewiesen.

Fahrt ins Blaue." Das Gießener Hapag-Reisebureau veranstaltet am kommenden Sonntag, 30.3uli, eine unterhaltsame Fahrt. Wohin die Reise geht, wird man erst bei An­kunft am Reiseziel erfahren.

Soviel kann jedoch heute schon verraten wer­den, daß jeder auf feine Rechnung kommen wird. Für solche, die einen Badeausenthalt suchen, steht ein herrliches Strandbad zur Beifügung. Der Fahrpreis beträgt nur 1,40 Mark (für Kinder von 4 bis 10 3ahren die Hälfte). Fahrkarten find schon jetzt im Hapag-Rcisebureau im Tor- häuschen am Seltersweg erhältlich.

Gictzener Wochcnmarktprcise.

* Gießen, 27. Juli. Auf dem heutigen Wachen- marft kosteten: Üanöbutter, bas Pfund 1,20 bis 1,25 Mark, Kochbutter 1,, Matte, das Pfund 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Wirsing (grün), bas Pfunb 10 bis 12 Pf., Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 20, Römifchtohl 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 15 bis 20, Erbsen 12 bis 15, Mischgernüfe 10, To­maten 25, Zwiebeln 12, Rhabarber 8, Pilze 25, Kar­toffeln (neue) 4, Pfirsiche 40, Himbeeren 20 bis 30, Birnen 20, Kirschen 35, Heidelbeeren 28 bis 30, Stachelbeeren 12 bis 15, Johannisbeeren 12 bis 15, Pflaumen 25 bis 30, Mirabellen 30 bis 35, junge Hähne 75 bis 80, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 45 bis 50, Eier (Inländische) 8%, Blumen­kohl 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurfen 10 bis 40, Einmachgurken 1 bis 6, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bund 5 bis 10 Pf., Kartoffeln (neue), Zentner 3, Mark.

** VomReichsstandderPreffe. Von dem Vorsitzenden des Zeitungsverlegeroereins von Hef- ^fen-Naffau und Hessen wird nochmals darauf hin­gewiesen, daß Diejenigen Zeitungsverleger, die zwar dem Deutschen Buchdruckeroerein, nicht aber Dem Verein Deutscher Zeitungsverleger angehören, sich selbst außerhalb Des Reichsstandes Der Presse stellen. Die einzige von Der Regierung anerkannte Berufs­organisation ist der V. D. Z. V. mit seinen Kreis- oereinen.

** (Ein Zweiundachtzigjähriger. Der Stellwerksmeister i. R. Joseph Schmi11Diel, der während der Jahre 1894 bis 1920 im Bahnhof Gie­ßen Dienst tat und nach seiner Versetzung in den Ruhestand nach Wetzlar zog, kann am heutigen Don-

Heue Heichshüse für HauSlustaudsehung.

Die außerordentlich guten Erfolge, die die Reichszuschüsse für die 3nstandfetzung von Wohn­häusern gezeitigt hat. haben die Reick>Sregierung veranlaßt, weitere 50 Millionen Mark für den flleichen Zweck zur Verfügung zu stellen. Bisher Ind zusammen i03 Millionen Mark an Zuschüssen für Hausinstandfetzungen bereitgestcllt und ver­braucht worden. Die günstigen Wirkungen, die dadurch auf dem Arbeitsmarkt ausgeübt worden sind, werden allgemein anerkannt und gerühmt. Ramentlich ist es das Bauhandwcrk, das dieser Form der Arbeitsbeschaffung eine wesentliche Belebung verdankt.

Durch Die neuberoiUigtcn 50 Millionen Mark ist eine Fortsetzung der Instandsehungsarbeiten und damit auch ihrer den Arbeitsmarkt entlastenden Wirkungen gewährleistet.

Die Inanspruchnahme der Reichszuschüsse ist ge­rade in diesem Jahre außerordentlich lebhaft, so daß der bewillrgte Betrag voraussichtlich sehr bald wieder ausgebraucht fein wird.

Die Bedingungen für den Bezug der Reichs- zuschüsse zur Hausinstandssetzuna sind in einigen Punkten abgeändert worden. Der Reichszuschuß wird für alle Instandsetzungen von Wohngebäu- den bewilligt, ganz gleich, ob es sich um Alt- ober Ncuwohnungen handelt, ob sie also vor ober nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworben sinb.

Voraussetzung ist nur, baß bie Instandsetzungs­kosten für ein Grundstück mindestens 100 Mark betragen haben.

Dabei werben mehrere Wohngebäude dann als eines angesehen, wenn sie einen einheitlichen Baublock bilden. Den Wohngebäuden gleichgestellt sind land­wirtschaftliche Betriebsgebäude. Dagegen dürfen für Gasthäuser, Hotels, Kurhäuser, Sanatorien usw.

keine Reichszuschüsse gegeben werben, soweit sie lediglich geroerbltdjen Zwecken bienen.

Der Reichszuschuß beträgt bekanntlich 20 Prozent der aufgewendeten Instandsetzungskosten. Im allge­meinen wird er nur für größere Bauarbeiten, wie z. B. Abputz ober Anstrich bes Hauses, Umdeckung des Daches, Erneuerung Der Dachrinnen und Ab­flußrohre, Beseitigung von Hausschroamm, Neuan- lage von Licht unb Gas, Kanalisation, Badestuben usw., bewilligt. Doch werben kleinere Jnstanb- sctzungen bann in Den Reichszuschuh eingezogen, wenn sie gleichzeitig mit größeren Instandsetzungen ausgeiührt roerDen. Kein Zuschuß wirb aber für log. Schonheitsreparaturen, wie Tapezieren unb Fuß­bodenstreichen, gegeben, weil es sich hier ja um laufcnbe Reparaturen, nicht um einmalige Jnstand- setzungsarbeiten handelt.

Dagegen werben Teilungen unb Umbauten von Wohnungen den größeren Instandsetzung», arbeiten nicht nur gleichgestellt, sondern cs wird für sie sogar ein höherer Reichszuschuß gewährt.

Für diese besonders zu sörderndcn Bauvorhaben beträgt der Zuschuß nämlich 5 0 Prozent der entstehenden Gesamtkosten, allerdings höchstens 600 Mark für jede neugewonnene Wohnung. Auch Anbauten und Aufstockungen werden als WohnungSumbauten angesehen, wenn dadurch neue Wohnungen entstehen.

Alle Anträge auf Bewilligung von 3nstanb- fetzungSzuschüssen müssen baldmöglichst unter Be­nützung der amtlichen Formulare an die zuständige Gemeinde gerichtet wer­den. Rach dem 31. August eingehende Anträge können nicht mehr berücksichtigt werden. Den Anträgen ist ein Kostenvoranschlag beizufügen. Die Arbeiten selbst müssen vor dem 1. September d. 3. begonnen werden und am l.März 1934 vollendet sein.

nerstag bei guter geistiger unb körperlicher Frische seinen 82. Geburtstag feiern.

" Derkehrsunfall. Gestern gegen 17 Uhr geriet ber 18jährige Heinz Otto Jahn von Darm- o°bt, ber mit feinem Motorrad (mit Beiwagen) Durch Lc Walltorstrahe fuhr, gegen einen stehenDen Lie­ferkraftwagen. Der Unfall kam dadurch zustanbe, baß ber Fahrer einen kleinen Hunb, ben er im Bei- wagen hatte, am Herausspringen hindern wollte, ha­bet aber anscheinend bie Herrschaft über Das Kraft- raD verlor. Der junge Mann mußte mit einer Kopf­verletzung In Die Chirurgische Klinik gebracht wer­ben. Sein Besinben ist ben Umftänben entsprechen!» gut.

Amtsgericht Gießen.

Für Forstfrevel (Fclstdiebstahl, Forstbeschädigung, Forstpolizeiübertretungen) lieht bie Hessische Forst- strafgesetzgebung wegen ihres häufigen Vorkom- mens, ihrer Gleichartigkeit unb zum Teil auch we­gen ihrer Geringfügigkeit ein vereinfachtes beson­deres Gerichtsverfahren vor. Für ihre Untersuchung und Aburteilung sind nicht die ordentlichen Gerichte zuständig: es find vielmehr hierfür Sondergerldjte mit einem Einzelrichter unb ohne Laienzuziehung eingerichtet. Die Forstsrevlern angedrohten Strafen sinb im Vergleich zu ben entsprechenden im Reichs- strafgesetzbuch angebrohten Strafen gering. Der tief eingewurzelten, wohl auf längst vergangene Zelten, in denen die Erzeugnisse und Tiere des Waldes gleichsam als Allgemeingut angesehen wurden, zu- rückzuführenden Volksanschauung, wonach nament­lich ber Forstbiebftahl viel milber beurteilt wirb als ber gemeine Diebstahl, ist in ber Partikulargesetz- gebung im weitgehendsten Maße Rechnung getragen morden. Doch wirkt es straserschwerend auch hier, wenn Der Frevel gemeinschaftlich oDer unter Anwen- Dung einer Waffe oDer eines Werkzeugs (Beil, Säge u. Dgl.) ausgeübt wirD, im letzteren Falle unter llmftänDen wohl auch wegen Der Gefahr, Der bas reoidierende Forftperfonal beim Ertappen Der Frevler auf frischer Tat ausgesetzt ist. In Feld- unb Forstrügesachen beibe unterscheiben sich im gro­ßen unb ganzen nur Durch Den Ort Der '.Begangen- ichaft gehen Den Frevlern zunächst vereinfachte Strafbefehle zu. Die etwa Dagegen erhobenen Ein­sprüche pflegen in ein unD Derselben Sitzung er­ledigt zu werden. In ihr hat früher, jetzt nicht mehr, in Forstrügefachen ber zuständige Beamte der Forst- Verwaltung die Funktionen der Staatsanwaltschaft ausgeübt. Nach Zurücknahme aller übrigen Ein­sprüche stand letzthin nur noch eine Forststrafsache zur Verhandlung. Die beiden oben erwähnten Straf» schärfungsgründe lagen vor. Drei Einwohner eines Nachbarortes sollten in einer nahen Waldgemar» kung an einem Holzlesetag Fichten durch Absägen zu Fall gebracht unb sich angeeignet haben. ®ie wurden aber sämtlich freigesprochen, weil auf Grund Der langwierigen Beweisaufnahme immerhin Die, wenn auch entfernte, Möglichkeit Der Täterschaft eines anDeren offen blieb.

Die für Den Schluß Der Sitzung noch vorgesehene VerhanDlung gegen einen schon Dreimal wegen Un­terschlagung vorbestraften ReisenDen, Der sich wie- Derum wegen Unterschlagung von für seinen Chef vereinnahmten GelDern zu verantworten hatte, mußte ausgesetzt roerDen. Der Angeklagte war aus­geblieben, unD es rourDe gegen ihn, zumal er slucht- verDächtig war, Haftbefehl erlassen.

Acht Monate Gefängnis wegen Verhöhnung des Papstes.

WSR. Frankfurt a. M., 26. 3uli. Der antifaschistische Kampfbund und Kommunistische Partei veranstalteten am 27. 3anuar d. 3. im Allcehaus in Tlnter-Liederbach eine Liebknecht- unb Rosa-Luxemburg-Feier, zu der etwa 150 Per­sonen, darunter auch viele Kinder, erschienen waren. Die Deranstaltung wurde von drei Po­lizeibeamten überwacht. Don der Bezirksleitung der KPD. war die sogenannte rote Truppe, die schon in Hanau, Worms, Frankfurt gastiert hatte, zur Mitwirkung ausgefordert worden. Es Han- oelte sich um etwa acht Personen, darunter ein Mädchen. Nachdem der Ansager der Truppe, der junge Tapezierer H a u b r i ch, Höchst, die Truppe vorgcstellt hatte, wurde ein Theaterstück, »Links", gegeben, unb dann folgte eine Revue, bei der ein Mitglied auch als Papst mit dem Kreuz en den gefalteten Händen auftrat. Die Kinder johlten. Die Polizei, die einfchritt und sich Hilfe kommen ließ, löste die Deranstaltung auf. Der Tapezierer wurde verhaftet und der öffentlichen Beschimpfung einer Einrichtung der christlichen Kirch« angeklagt, da in dem Verhalten der Truppe eine Derhöhnung des Papstes gesehen wurde. Der Tapezierer bestritt in der Schöffengerichts­verhandlung, daß er der Leiter der Truppe gewe­sen sei, und daß er gewußt habe, um was es sich

überhaupt handelte. Der Ltaat-anwalt bean­tragte eine Gefängnis st rase von einem 3 ahr, da- Gericht erkannte auf acht Monate Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungs­haft. Don der Strafe werden vier Mockütc be­dingt auSgesetzt. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte bei der Truppe irgendeine leitende Stelle innehatte und daß hier eine Dolksver- Hehung tm schlimmsten Sinne stattgesunden habe. Es sei nur bedauerlich, daß nicht auch die anderen Mitglieder ber Truppe gefaßt wurden. Ein Hanauer Fabrikant ins Ausland

geflüchtet.

WSN. Hanau, 26. Juli. Staatskommissar Sand» rat Löser hatte die Unternehmerschaft in Hanau unb Umgegend zu einer Besprechung über die F ü h - rung des Kampfes gegen die Arbeits­losigkeit in Hanau unb Umgegend ein- berufen. In biefer außerorbentlich wichtigen Be­sprechung, in ber Angelegenheiten der verschieden­sten Art erörtert würben, bchanbclte er u. a. auch ben Fall bes Fabrikanten Jakob UH mann, In­haber eines Drahtwerkes unb einer (Sprungfedern- fabrik in Hanau. Der Inhaber sei ins Auslanb ge- flüchtet und versuche von dort aus über die Hanauer Fabrik Geschäfte zu machen, nachdem er sich am deutschen Volke schwer vergangen habe Die Fabrik werbe durch einen Treuhänder weitergeführt. Gegen ben flüchtigen Fabrikanten Ist von der Staatsan­waltschaft Hanau Haftbefehl wegen D e d i senschieberei erlassen morden. Vermögens­werte bes flüchtigen Fabrikanten tm Werte von etwa 70 000 Mark sinb für bas Reich sichergeftellt worden. In ber gleichen Zusammenkunft betonte Staatöfom- missar Löfer weiter, daß im letzten Jahr im Land­kreis Hanau runb sieben Millionen Mark Unter ft üßungsmlttel aufgebracht wer­ben mußten.

Oer Kegler-Festwirt rückt aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.

WSR F r a n k s u r t a. M., 26. 3ull. Der Gast­wirt Eckermann, der während des Deutschen Bundcskcgelns auf dem Zestplatz eine ganze An­zahl Betriebe bewirtschaftet hat, war unter M i t- nähme seiner ganzen Einnahmen unb Hinterlassung einer Schuldenlast von 50000 Mark geflüchtet. Der Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, den Aufenthalt des Ge­flüchteten im Odenwald zu ermitteln unb ihn fest zunehmen. Lein Inventar hatte Öder- mann mehrfach übereignet. Er wurde dem Richter vorgeführt.

Ebert-Gedenkstein wird entfernt.

Dillenburg, 26.3uli. (WER.) Auf An­trag der RSDAP. wurde von der Rachbar­gemeinde Oberscheld der Beschluß gefaßt, den Ebert-Gedenkstein zu entfernen. Das Relief mit dem Bildnis des ersten Reichspräsi­denten wurde schon vor einiger Zeit aus dem Stein gebrochen, ohne daß man es wieder­finden konnte.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck über Süddeutschland hat nach Dem Mittelländischen Meer unb ben Balkanländern hin zugenommen unb sich somit räumlich wesentlich vergrößert. Gleichzeitig aber hat bie Störung im Westen sich nach jzrankreich unb Englanb hin weiter entwickelt. Es wirb Dadurch mehr ein Umdrehen der Winde auf Süden zu erfolgen, so Daß Die Hitze noch weiter zunimmt unb sich DaDurch Gewitterstörungen bilDen dürften.

Aussichten für Freitag: Heiß, meist heiteres Wetter, später aufkommende Gewitter­störungen.

Lufttemperaturen am 26. Juli: mittags 28,4 Grad (Eelfius, abends 20,5 Grad- am 27. Juli: morgens 17,2 Grad. Maximum 28,4 Grad, Minimum 13,5 Grad. (Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 26. Juli: abends 29 Grab: am 27. Juli: morgens 20,6 Grad Celsius. Sonnenscheinbauer 13% Stunden.

Verantwortlich für Politik: t. V.: Ernst Blumschein.

Sonnenqebräunte Haut

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oder aber

ÖL

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