Ausgabe 
27.6.1933 Frühausgabe
 
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Erziehung der Ingenieure zur nationalsozialistischen WeltanschauunH. ferner solle die Organisation des geistigen Prinzips in der Technik eine der vornehm­sten Aufgaben des Kampfbundes Deutscher Archi­tekten und Ingeniure sein. Zum Schluß unterstrich er die Notwendigkeit der zentralen Arbeitsbeschaf­fung durch den Staat, die durch den Bau von Fern­straßen begonnen worden sei.

Prof. Schulze-Naumburg sprach über Zcitgebundene und blutgebundene Kunst". Zeit­gebunden und blutgebunden, so führte er aus. beleuchten unmittelbar die Gegnerschaft zweier Weltanschauungen: Den von der Umwelt her eindringenden Kräften steht gegenüber der Mensch mit seinen körperlichen und geistigen Anlagen: Die Nasse. Niemals kann der Künstler frei im Raume schweben. Unsere zukünftige deutsche Kunst wird das Wunschbild unseres Führers durch­dringen und sie so prägen, daß sie ihre höchste Weihe durch die Herausbildung ihres rassischen Zielbildes erlangt. An den Volkskanzler Adolf Hitler wurde am Schluß der Kundgebung ein Begrüßungstelegramm gesandt.

Nie Aktion gegen die Bayrische Bolkspartei.

München, 26. Juni. (WTB.) Der Polizei- pressebericht meldet: Wie schon berichtet wurde, hat die bayerische Politische Polizei vor einigen Tagen bei den Funktionären der Bayerischen Volkspartei Haussuchungen v o r ge­nommen, da der begründete Verdacht bestand, daß die BVP. in eng st er Fühlung mit der Dollfuß-Regierung und der Heimat­wehr in Oe st erreich stehe, und daß sie für das Verbot der NSDAP, in Oe st erreich mit verantwortlich sei. Bei den Haus­suchungen wurde umfangreiches Material gefunden. Aus Grund der Ergebnisse der vorläufig gesichteten Schriften sah sich die bayerische Politische Polizei

genötigt, die Festnahme der Reichs-. und Landtagsabgeordneten der BVP. fo- wie weiterer wichtiger Funktionäre in ganz Bayern anzuordnen.

Die Aktion gegen den politischen Katholizismus hat eindeutig den Beweis erbracht, daß es diesen Kreisen mit ihren Beteuerungen, sich restlos hinter die nationale Regierung zu stellen und am Neuauf­bau Deutschlands mitzuarbeiten, in k e i n e r Weise e r n st ist. Die Untersuchungen haben viel­mehr ergeben, daß der politische Katholizismus be­strebt ist, in jeder Weise die Anordnungen der Negierung zu sabotieren und ihr sogar entgegenzuarbeiten. Es steht fest, daß diese Kreise jede Gelegenheit, insbesondere sich etwa ergebende politische Krisen dazu ausnutzen werden, ihre verlorene Machtstellung wiederzuge­winnen. Es ist ferner festgestellt worden, daß Ver­sammlungsverbote umgangen und daß verbotene Wehrorganisationen ille­gal weitergeführt werden. Es wurden Nach­richten durch Herausgabe illegaler Zeitungen syste­matisch verbreitet, wodurch der Greuelpropa- g a n d a und der Verbreitung unrichtiger Meldungen Keller und Tor geöffnet sind. Die Angehörigen der Bayernwach t wurden aufge- fordert, dcmStahlhelm beizutreten, nicht etwa um diese Organisation zu stärken, mit der sie sich ja ideologisch in keiner Weise verbunden fühlen, sondern um diese Organisation zu durchsetzen und dann als Sprungbrett für ihre politischen Machtgelüste zu benutzen.

Unter den in München in Schutzhaft ge­nommenen BVP.-Mitgliedern befinden sich der ehe­malige Staatsrat Fritz Schäffer, der Bayern- wacht-Führer v. Lex, der Generalsekretär der BVP. Dr. Pfeiffer, Stimmer, F ü r st Karl o. W r e d e , Baron Hirsch v. Planegg und Dr. Hundhammer. In Bamberg wurde der Führer der Reichstagsfraktion der BVP. Prälat Leicht ebenfalls feftgenommen.

Dr'e Evangelische Kirche Preußens unter kommissarischer Verwaltung.

Ein weiterer

Erlaß des 6taatskommissars.

Berlin, 26.3unt (WTB.) Der Staats­kommissar für die Evangelische Kirche in Preu­ßen Jaeger gibt folgenden Erlaß bekannt:

1. Für die Abwendung des bolsche­wistischen Chaos schulden wir Gott und seinem Werkzeug Adolf Hitler Dank. Nur das Bestehen der Nation ermöglicht das Bestehen einer Kirche.

2. Die heute bei mir versammelten, gestern ernannten Bevollmächtigten der evan­gelischen Kirchenprovinzen und Lan­deskirchen in Preußen sind beauftragt, die Neubildung der aufgelösten gewählten kirch­lichen Vertretungen im Hinblick auf das Ziel einer Deutschen Evangelischen Kirche durchzu­führen. Gleichzeitig übertrage ich auf diese Be- rollmächtigten sämtliche Befugnisse aller aus den gewählten kirchlichen Vertretungen hervorgegan­genen Ausschüsse. In Zweifelsfällen entscheidet mein Bevollmächtigter.

3. Wit sofortiger Wirkung beurlaube ich den Generalsuperintendenten der Kurmark D. Dibelius.

Eme Erklärung der evan eüschen Kirchenleilung.

Berlin, 24. Juni. (TU.) Von amtlicher kirchlicher Seite wird mitgeteilt: Die in Eisenach als Vertreter der Altpreuhischen Kirche anwesen­den Mitglieder des Kirchensenats ha­ben in einem Telegramm an den Kultusminister gegen den bisher nicht substantiierten Vorwurf des preußischen Kultusministers, daß die evan­gelische Kirche der Altpreuhischen Union den Rechtsboden verlassen habe, und gegen die daraus hergeleiteten Folgerungen feierlich

Tonfilm:SA.-Rann Brand."

Lichtspielhaus.

Der FilmBlutendes Deutschland", der vor eini­ger Zeit an dieser Stelle ausführlich besprochen wurde, gab im objektiven Bildbericht einen histori­schen Aufriß der Entwicklung der nationalsozialisti­schen Bewegung in Deutschland seit dem Kriegsende. Der FilmSA.-Mann Brand", der erst in den letz­ten Tagen in Gegenwart des Reichskanzlers Adolf Hitler und des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels in Berlin seine Uraufführung erlebte, und den wir gestern auch hier in Gießen gesehen haben, ist der erste nationalsozialistische Spielfilm.

Was der FilmBlutendes Deutschland" als histo­risch entwickelten Ausschnitt aus der deutschen Zeit­geschichte in großen Zügen in Einzelbildern, Massenszenen und Reden vermittelte, wird hier alsEin Lebensbild aus unseren Tagen" in einer geschlossenen Spielhandluna geschildert, jo zwar, daß hier wie dort der innige Zusammenhang mit einer von jedem Besucher persönlich und intensiv mit­erlebten deutschen Gegenwart vom ersten bis zum .letzten Bild gewahrt bleibt. Die außerordentliche, gleichsam mit Händen zu greifende Aktualität des Stoffes, die Begeisterung für die nationalsoziali­stische Idee, aus der heraus der Film geschrieben und gedreht wurde, und seine für die Bewegung werbende Wirkung sind kennzeichnend für das Wesen dieses jüngsten Werkes der Bayerischen Film­gesellschaft in München.

Die Handlung führt sofort und ohne Umschweife in die Dinge hinein, die hier behandelt werden: in .ein großstädtisches Kommunistenviertel, in dem die junge, noch von allen Seiten bedrohte und ver­folgte Bewegung des Nationalsozialismus um Tod und Leben kämpft für ihre Idee, für ihren Führer und für ein neues Deutschland. Vorkämpfer auf diesem winzigen Teilabschnitt der inneren Front ist der SA.-Mann Fritz Brand, ein junger Arbeiter im Geiste und nach dem Vorbild Horst Wessels. In den Sorgen, Nöten und Kämpfen dieses jungen Mannes und seiner vorerst noch kleinen Gefolgschaft von Kameraden und Gesinnungsgenossen spiegelt sich die Bewegung, die wir in den letzten Jahren und Monaten in Deutschland haben entstehen, wach­sen und groß werden sehen bis zum siegreichen Durchbruch und zur endgültigen Machtergreifung.

In einer lebendig und fließend abrollenden Hand­lung, in einer schnellen Folge realistisch zupackender Szenen wird hier ein Schauspiel gezeigt, das wir

Verwahrung eingelegt. Der Evange­lische Oberkirchenrat hat sich diesem Schritt angeschlossen. Da nicht ersichtlich ist, aus welchen Bestimmungen des Staatsvertrages mit den evangelischen Kirchen oder irgendeines in Frage kommenden Gesetzes eine Begründung die­ses Vorwurfes hergeleitet werden kann, hat der Evangelische Oberkirchenrat den Minister um B e - gründung seiner Rechtsauffassung gebeten. Gleichzeitig hat der Evangelische Oberkirchenrat auf Artikel 12 des Staatsvertrages hingewiesen, in dem die Vertragspartner sich verpflichtet haben, etwa zwischen ihnen entstehende Meinungsverschie­denheiten über die Auslegung einer Bestimmung des Staatsvertrages auf freundschaftliche Weise zu beseitigen.

Nie Gründe für die Einsetzung des Giaatskommisfars.

Berlin, 26. Juni. (TU.) Das Preußische Kul­tusministerium teilt zur Einsetzung des Kirchen­kommissars folgendes mit: In den letzten Monaten und Wochen machte sich in steigendem Maße im Kirchenvolk der evangelischen Landeskirchen Preu­ßens eine erhebliche Unruhe und Verwir­rung bemerkbar. Diese geht in ihren Ursachen zu­nächst darauf zurück, daß die Kirchenbehörden dem in den letzten Kirchenwahlen deutlich zutage getrete­nen Willen des Kirchenvolkes keine Rech­nung tragen. Die notwendige Folge war eine starke Spannung zwischen weiten Teilen des Kirchenvolkes und der Kirchenbehörde. Dies trat anläßlich der Frage der S ch a ffung einer R e i ch s k i r ch e und eines Reichsbischofs nach dem natio­nalen Umschwung besonders klar zutage und steigerte die Zerrissenheit im Kirchenvolke erheblich. Es dürfte noch in Erinnerung sein, daß es sogar zu Störungen von Gottesdiensten kam.

Das preußische Kultusministerium, das di^er Entwicklung nur mit Sorge folgen konnte, hat

alle kennen, das man in seinen Einzelheiten in Dutzenden von Zeitungen nachlesen und sich wieder­holen kann als lebendige und miterlebte Wirklich­keit. Es sind unsere eigenen Dinge, nah und gegen­wärtig, die da vorüberziehen; das gibt dem Film seine unmittelbare und zündende Wirkung. Scharf sind die feindlichen Fronten abgegrenzt, die Ver­kehrslokale und die Wohnqartiere der National­sozialisten und der Kommunisten. Die Gegenspieler, SA.-Führer und kommunistischer Drahtzieher, wer­den samt den Trägern einer vermittelnden Zwischen- Handlung und den mit sicherem Blick aus dem Alltag herausgehobenen Episodenfiguren in plastischen Ge­stalten lebendig. Unheimlich die nächtlichen Schieße­reien, die Feuerüberfälle der Kommune, die Ver­suche, den nationalsozialistischen Sturmführer un­schädlich zu machen und ins gegnerische Lager her­überzuziehen. Dramatische Höhepunkte: die Aus­hebung des kommunstischen Waffenlagers, die Er­schießung des Hitlerjungen Erich Löhner und zuletzt der mächtige Fackelzug der siegreichen National­sozialisten. Mit diesem AuÄlang mündet die Film­handlung unmittelbar in die jüngste Vergangenheit ein.

Der Regisseur Franz Seitz, bisher nur mit der Inszenierung von Lustspielen bekannt geworden, war hier zum ersten Mal vor eine ernsthafte Auf­gabe gestellt, und er ist damit auf eine Art und Weise fertig geworden, die ihm alle Ehre macht. Obwohl er sich nicht scheut, gelegentlich komische Pointen und heitere Episoden einzulegen (die auch ihre Wirkung keineswegs verfehlten). Er hat er­kannt, worauf es hier ankam: ein lebendiges Bild aus unserer Zeit zu geben; die Umwelt, die Stim­mung, die. Gestalten zu erfassen und sichtbar wer­den zu lassen; in einem Ausschnitt, der als typisch gelten kann, ein Bild jener aus kleinen Anfängen mächtig anschwellenden Bewegung zu geben, die heute Schicksal und Zukunft unseres Volkes in Hän­den hält.

Von den Darstellern sind uns nur wenige aus früheren Filmen vertraut; unter den seither unbe­kannten ist Heinz Klingenberg als Brand an erster Stelle zu nennen: ein begeisterter junger Mensch, besessen vom Glauben an seine Idee und den Sieg seiner Sache, Führer und Vorkämpfer auf fast verlorenem Posten, Pionier des Dritten Reichs, aufrecht und unerschütterlich. Max Weydner gibt mit scharfer Eharakterzeichnung den wichtigsten Gegenspieler, den Sowjetagenten Turrow. Eine vor­zügliche Leistung: Otto Wernicke, den wir früher schon hier gesehen haben, als Vater Brand. Sehr frisch und herzhaft Rolf W e n k h a u s als Hitler-

Das Staatsbegräbnis für die ermordeten Köpem'cker SM.-Männer.

Reichsminister Goebbels spricht am Grabe.

Berlin. 26.3uni. (TH.) Am Montagnach­mittag erfolgte in Köpenick das feierliche Staats­begräbnis für die von marxistischer Mörderhand gefallenen SA. - Männer Robert Gleuel und Walter Apel. Die Feierlichkeiten gin­gen unter gewaltiger Anteilnahme der natio­nalen Verbände und der Bevölkerung im Bei­sein einer großen Zahl von Vertretern der höchsten staatlichen Stellen vor sich. Nach Heber* führung vom Köpenicker Krankenhaus wurden die mit der Hakenkreuzflagge und den Mühen der Gefallenen bedeckten Särge im Saal des im Köpenicker Stadtteil Hhlenhorst gele­genen Sturmlokals aufgebahrt, wo eine ergreifende Totenfeier stattfand. Sechs Sturm­kameraden der Gefallenen und zwei Polizei­beamte hielten neben der Standarte und der Sturmfahne die Totenwacht. Zwischen Lorbeer­bäumen leuchteten die Bildnisse der beiden SA.- Männer hervr. Neben den Angehörigen waren zu der Feier die Bertreter der Regierung und Behörden, die Sturmkameraden der Ermordeten, die Führer der SA. und der in gewaltiger Zahl teilnehmenden Verbände, die sich auf dem nahen Sportplatz gesammelt hatten, erschienen. An der Spitze Rcichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Göbbels.

Pfarrer Kessel hob in seiner Gedenkrede her­vor, daß ein gemeinsames Band diese beiden Toten mit den Gefallenen von Lgngemarck ver­binde. 3n dem Geist hingebender Treue, so schloß er, die diese Männer bis zum Tode beseelte, bekennen wir uns in dieser Stunde des bitteren Abschieds zu dem Ruf, zu dem sie sich so oft bekannt haben: Die Fahne hoch! Harmoninm- spiel und Chorgesänge umrahmten die schlichte Feier.

Dann setzte sich unter Trommelwirbel und mit Trauermusik der gewaltige Zug in Bewegung zum Friedhof. Eine unübersehbare Fülle herrlicher Kranzspenden wurde mitgeführt. Schweigend und mit erhobener Hand standen die Massen zu beiden Seiten des langen Weges, der durch ganz Köpenick zur Friedhof führte. Voran schritten SA. und SS., Abordnungen der Polizei im Stahlhelm, zahlreicher anderer natio­naler Vereinigungen, der 3ugendverbände und der Fachschaften aus staatlichen und privaten

Behörden. Den weit über 100 umflorten Fahneir die geschlossen im Zuge mitgeführt wurden, folgte« zu Fuß die Bertreter der staatlichen Behörden mit Reichsminister Dr. Goebbels an der Spitze. Unter anderen sah man den Berliner Polizei­präsidenten v. L e v e h o w, den SA.-Gruppen« sichrer Berlin-Brandenburg E r n st, den SS.* Gruppenführer-OstMinisterialdirektor D a l u e g e, Oberführer Prinz August Wilhelm.

An der Gruft auf dem Köpenicker Friedhofs hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine von tiefer innerer Bewegung getragene Rede, die eine zornerfüllte Kampfansage an die Feinde des Va­terlandes war und mit der Erklärung schloß:Wir werden das Reich halten und wir werden die Feinde der Nation in den Staub werfen. Wir werden keine Gnade kennen, wenn es um Deutsch­land geht. So erhebt die Fahnen und schwört cs an dem Grabe der Toten: ,Wir wollen das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich, wollen predigen und sprechen von unserm Deutschen Reichs." Beim Spielen des Liedes vom Guten Kameraden wurden drei Ehrensalven über der offenen Gruft abgegeben. Zahllose Kränke wurden dann niedergelegt, so daß die Gruft bald in ein Meer von Blumen und Blüten gebettet war. Der Vorbeimarsch der Teilnehmer des rie­sigen Trauergefolges an der Gruft nahm meh­rere Stunden in Anspruch und endete erst beim Einbruch der Dunkelheit. 3m Anschluß an die Beisetzungsfeier begab sich die SA. zurMord- st e l l e am Dahlwiherplatz, wo eine Gedächtnis­kundgebung stattfond. Gleichzeitig wurden der Dahlwitzer Platz in Robert-Gleuel-Platz und die Alte Dahlwitzer Straße in Walter- Apel-Straße umbenannt.

Ein drittel- SA.-Mann a!s Opfer des Köpenicker Lteberfalles gestorben.

Berlin, 27. Juni. (CRB.-Aunkspruch.) Der bei dem köpenicker JeuerüberfaU auf SA.-Leule schwer verletzte 52L-2Hnnn klein ist heute früh im ktan- kenhaus seinen Verletzungen erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der bei dem ruchlosen lleberfall ge­töteten SA. Leute auf drei. Reichsminister Dr. Goebbels hatte dem nunmehr Verstorbenen noch gestern im Krankenhaus einen Besuch abgeffattef.

trotzdem in Ansehung der Freiheit der Kirche niemals irgendwie eingegriffen. Diese Lage wurde von Grund auf geändert, als der Kirchen­senat der evangelischen Landes­kirche der Al t - P r e u h i s ch e n Union vor wenigen Tagen an Stelle des zurückge­tretenen Präsidenten des Evangelischen Ober­kirchenrats Kapier, einen Kommiss ar zum Nachfolger einsetzte, ohne sich um den Staat im geringsten zu kümmern. Damit war eine offene beabsichtigte Verletzung des Artikels? des Konkordats vom 11. Mai 1931 mit dem preußischen Staat vollzogen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch Die Be­stellung eines Vertreters auf Grund des Kon­kordats nicht ohne vorherige Zustim­mung des preußischen Staates vor­genommen werden konnte, um so mehr, als ge­rade dieser Vertreter vielleicht die wichtigsten Aufgaben zu erfüllen hat, die jemals einem Prä­sidenten des Evangelischen Oberkirchenrats ob­lagen. Diese offene Kampfansage der Kirchen­behörden fügte der Verwirrung, und der Zer­rissenheit im Kirchenvolk nun auch noch einen Bruch der Beziehungen zwischen der Kirchenver­waltung und dem Staate hinzu.

Die schleppende und sich widersprechende Erledi­gung der Kirchenfrage, die sich aus dem Bruch des Konkordats ergebende Tatsache, daß die Träger der Kirchenoerwaltung dem neuen Staat zum Teil durchaus widerstrebend gegenüberstanden, gefähr­dete die von der nationalen Negierung soeben geschaffene Volksgemeinschaft aufs ernst­hafteste. Der preußische Staat sah sich daher i n

einem Notstand, demgegenüber jedes längere Zögern verhängnisvoll geworden wäre. Der Ein­griff des preußischen Kultusministers Rust, d. h. die Bestellung eines Staatskommissars, b e z i e h t l i ch - lediglich auf die Fragen der irdiscyen kirchlichen Organisation und deren Verhältnis zum Staat. Das Eigenleben und die Eigengesetzlichleit der Kirche, des Glaubens und des Bekenntnisses werden dadurch in keiner Weise berührt. Damit ist auch ausgesprochen, daß eine sogenannte Staatskirche in jeder Form abgelehnt wird.

Der für die Herstellung der Ordnung und der ge­regelten Beziehungen zwischen der Kirchenverwal­tung und dem Staats eingesetzte Kommissar hat da­her eine vorübergehende Aufgabe, die gelöst ist, wenn das innere Gleichgewicht innerhalb der Kirche geordnete Be­ziehungen zum Staat wiederherge- stellt hat. Dem entschlossenen zielbewußten und doch Maßvollen Eingreifen des preußischen Kultus­ministers R u st und des von ihm beauftragten Staatskommissars Jäger ist zu danken, daß d i e drohende Spaltung zwischen Kirche und Staat und die Verwirrung und Zerrissenheit im Kirchenvolk überwunden ist. Die unablässig beim preußischen Kultusministerium einlaufenden z u - stimmenden Telegramme aus allen Bevölkerungskreisen beweisen, daß das Volk eher als mancher kirchliche Verwaltungsbeamte begriffen hat, daß das chriflliche Evangelium sich dort am freiesten wird entfalten' können, wo die Kirche in offenen und geregelten Beziehungen zum Staate lebt.

junge. Eine Reihe gut und knapp umriffener Ge­stalten: Vera Liessem (Anni), Hedda Lembach (Frau Löhner), Elise A u l i n g e r (Frau Brand) und Joe Stöckel (Huber).

*

Zur Erstaufführung hatte das Lichtspiel­haus eine außergewöhnlich stark besuchte Festvor- stellung veranstaltet, zu der eine größere Anzahl von Ehrengästen geladen und erschienen waren. Die gesamte SA.-Kapelle der Standarte 116 unter Lei­tung von Kapellmeister N i e b e r g a 11 bereicherte die Vortragsfolge der Festoorstellung mit einer Reihe schneidig zu Gehör gebrachter Märsche, die herzlichen Beifall fanden. Als Bühneneinlage sah man eine von Oskar Sauer verfaßte und darge­stellte melodramatische SoloszeneDer November­verbrecher", als Auftakt ferner einen von Walter B e ft fürSA.-Mann Prand" verfaßten Prolog, der von Pg. Richter wirkungsvoll zu Gehör ge­bracht wurde; beide Darbietungen fanden ebenfalls lebhaften Anklang. Im Beiprogramm gab es (an­läßlich der Luftfahrt-Werbe-Woche) den Flieger- FilmHochstraßen der Luft"; die Wochenschau und ein Vorspann für den neuen Ufa-Kriminalfilm Eine Tür geht auf" rundeten das vielseitige Fest­programm ab. Die Erstausführung des Tonfilms SA.-Mann Brand" war der stärkste Erfola, den das Lichtspielhaus seit langem zu verzeichnen hatte; das neue Programm dürste eine Woche lang volle Häuser machen. 'r

Erkennt das Tier seine eigene Stimme?

Daß der Mensch seine eigene Sprache im Gram­mophon nur in seltenen Fällen wiedererkennt. ist kürzlich durch Untersuchungen gezeigt worden. Wie ist es beim Tier? Auf diese Frage antwortet der bekannte Münchener Tierpsychologe Prof. Bastian Schmid in einem Aufsatz der Frankfurter Wochen­schriftDie Umschau-. Eine bekannte Tatsache ist es ja, daß Tiere die Stimme ihrer Artgenossen und auch die anderer Arten erkennen. Ein Hund unter­scheidet die Stimme eines lieben Spielgenossen von der eines ihm feindlichen Hundes, auch wenn er keinen von beiden sehen kann Ja, selbst die Sprache einer Katze, mit der er sich gut verträgt, vermag er von der einer fremden, ihm verhaßten ausein­anderzuhalten. Prof. Schmid hat nun zunächst das Verhalten der Tiere beobachtet, wenn sie die Stim­men anderer Tiere im Grammophon hören. Dabei wurde, wenn es sich um Tiere mit ausgeprägtem Geruchsinn handelte, das Abhören in einem an­dern als dem Aufnahnteraum vorgenommen, da­

mit der tierische Hörer ausnahmslos nur noch durch den Gehörsinn an das andere, nicht mehr vorhan­dene Wesen erinnert wurde. Das klagende Miauen einer Katze wurde z. B. einem kahenfeindlichen Fox­terrier vorgeführt, der sofort in jene Erregung ge­riet, wie sie nur die Anwesenheit von Katzen in ihm Hervorrufen konnte, obwohl er lediglich durch das Ohr an sie erinnert wurde. Unter stürmischem Gebell sprang er in großen Sähen durch den Raum, und als er zufällig den Schalltrichter entdeckte, wollte er sich in diesen stürzen. Eine Katze hörte im Gram­mophon den klagenden Ton einer Artgenossin; sie fah sich ruckartig um, horchte gespannt auf und be­gann Dann in derselben Weise in Den Apparat hineinzumiauen. Manche Hähne brechen in ein leb­haftes Gackern aus, wenn Die vom Legen kommende Henne ihr bekanntes Gegacker ertönen läßt. Ein solches Hennen-Gackern wurde nun ausgenommen und Dann im Apparat einem Hahn zu Gehör ge­bracht. Kaurn hatte er Die ersten Laute vernommen, so begann er auf seine Weise zu gackern, und es war sehr lustig, wie Die Henne im Apparat und Der Hahn auf Dem Hose um Die Wette ihre Töne vernehmen ließen. Rach all Diesen Beobachtungen unterliegt es keinem Zweifel, Daß Die Tiere Die Sprache anDerer Tiere und besonders ihrer Genos­sen im Grammophon erkennen. Erkennen sie aber auch ihre eigene? Das untersuchte Der Gelehrte durch folgende Experimente: Er nahm von einem Wach­hund Bell-Laute auf, Die men mitAnschlagen­bezeichnet. Dann wurde der Hund in einen andern Qxaum gebracht und hörte nun seine Stimme in dem ersten Zimmer. Sichtlich betroffen, sah er sich erstaunt nach der Herkunft der Laute um und be­gann dann scharf zu bellen, aber in einer ganz andern Art als im Grammophon, mehr so, wie Hunde einen Eindringling empfangen. Ein junger Brull-Affe Durfte ebenfalls vor Dem Grammophon ferne eigene Stimme hören. Auch er war sehr er- ftaunt. Dann sing er zunächst leise zu brummen und bald zu brüllen an, aber in ganz anderer Art als das eigene Phonogramm. Das Affenkind lief auf­geregt im Raum umher, um nach Der Schall-Quelle 3U suchen. Nach etwa Drei Minuten wurde es ru* f)iger, versuchte ähnliche Laute hervorzubringen, wie sie von Der Platte kamen, und blieb Dann bis jum Schluß der Vorführung bei dieser Lautart. Man hatte den deutlichen Eindruck, daß der Brüll- Affe mit Dem unsichtbaren Tier gewissermaßenmit* fingen wollte. Das Verhalten aller Tiere, Die ge- prüft wurden, ergab, daß sie Die eigene Stimme im Grammophon nicht erkennen.