Nr. 147 SkühansgavL
185. Zahrgang
Dienstag, 27. Juni 1953
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; fü; Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn» zeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich in (fließen.
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Genf und die Arbeitsdiensipflicht.
Don Dr. Graf zu Trauimannsdorff.
Am 12. Juni faßte der Effektiv-Ausfchuh der Abrüstungskonferenz gegen die Stimmen Deutsch- land-S. Oesterreichs, Ungarns und Italiens den Beschluß, daß die Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht als solche untersagt sei.
Man fann wohl annehmen, daß dieser Beschluß auf Betreiben Frankreichs zustande kam. Bon einer unbegründeten Furcht vor Deutschland geleitet, hat Frankreich etwas in die Wege zu leiten versucht, was allem menschlichen Empfinden Hohn spricht. Der Welt ist bekannt, wie ungeheuer drückend die Arbeitslosigkeit auf unserem Bolk lastet und wie zerstörend sie auf Moral und Sitte eines jeden Volkes wirken muh. Fünf Millionen arbeitswilliger Menschen stehen heute in Deutschland auf der Straße, werden in kärglichster Weise vom Staate unterstützt, weil sie sonst verhungern müßten, und trotzdem wird gegen die. Einführung der Arbeitsdienstpflicht von der Welt Sturm gelaufen. Man spielt in Frankreich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit mit dem Worte „Humanit6". Wir fragen: Ist es menschlich, einem Staate eine Institution au verbieten, die dahin zielt, feine Iugend, die sonst langsam verkommend auf der Straße liegt, zu Zucht und Ordnung zuArbeit und nicht zuletzt zu körperlichem Wohlergehen zu führen? Die Arbeitsdienstpflicht ist und kann niemals eine militärische 2 n st i t u t i o n fein, denn der Spaten ist keine Waffe gegen äußere Feinde, wohl aber kann er, und zwar einzig und allein gegen die Verlotterung der Iugend infolge der Arbeitslosigkeit, zur Waffe werden. Der Spaten ist ein Instrument der Menschlichkeit im Arbeitsdienstpflichtgesetzt, ein aufbauendes Werkzeug also, nicht ein zerstörendes, wie das Militärgewehr.
Der Efsektiv-Ausschuß in Genf hat am selben Tage beschlossen, daß bei der Iugendausbildung solcher Staaten, die eine bereits organisierte I u g e n d a u s b i l-d u n g nicht haben — auch dieses zielt gegen Deutschland — das Militärgewehr verwendet werden kann. Lind so fragen wir mit Recht: Wie reimt sich dos zusammen? Auf der einen Seite der Spaten, das aufbauende Werkzeug, und auf der anderen Seite das Militärgewehr, dos in seiner ursprünglichen Bedeutung Menschenleben zerstörend wirken kann? Man hat als Argument gegen die Arbeitsdienstpflicht angeführt, daß bei ihr die D i s z i p l i n gefördert würde, und daß die Arbeiterkolonnen in geschlossenen Formationen antreten müßten. Da die Arbeitsdienstpflicht als ein erzieherisches Moment zu werten ist, ist es wohl selbstverständlich, daß bei einer größeren Anzahl Iugendlicher, und darum handelt es sich, Disziplin herrschen muß, weil sonst keine Möglichkeit besteht, auf erzieherischer Grundlage die jungen Menschen zu erfassen. Dasselbe gilt für die geschlossenen Formationen, die nur dann in Erscheinung treten, wenn es sich darum handelt, zur oder von der Arbeitsstätte geführt zu werden.
Man führt von gegnerischer Seite an, daß man den erzieherischen Zweck auch im freiwilligen Arbeitsdienst verfolgen könnte. Dies ist jedoch nicht richtig, weil im freiwilligen Arbeitsdienst heute meist jene Elemente zu finden sind, die von vornherein staatsaufbauend und staatsbejahend sind. Um aber jene jungen Leute, die bolschewistischen Einflüssen zugänglich sind und gerade einer autoritären Führung bedürfen, er- fassen zu können, ist cs nötig, die gesamte Jugend eines Jahrganges pflichtmäßig zu erfassen, um dann auf sie in der Arbeitsdienstpflicht dergestalt erzieherisch wirken zu können, daß man den jungen Menschen klar macht, daß Arbeit und Opfer, und sei es auch nur körperlicher Art, Lebensaufgabe des Menschen sei.
Der Beschluß des Effektiv-Ausschusses gegen die Arbeitsdienpflicht spricht dem Menschlichkeitsgefühle Hohn, verkennt voll und ganz, wie das Ausland überhaupt, die tatsächliche Lage in Deurschland. Das Ausland weiß nicht, daß hier auf Gedeih und Verderb für die ganze Welt einKampfgegenden Marxismus geführt wird, und will nicht ein- sehen, daß, wenn Deutschland nicht Herr über den Marxismus wird, einst die ganze Welt unrettbar dem Kommunismus verfallen muß. Jeder Schlag, der von den Gegnern des nationalen Deutschland gegen dieses geführt wird, unterstützt indirekt die Ausbreitung des Bolschewismus. Unser Appell zur Bernunst und Einsicht geht demnach a n j e n e E l e- mente in der Welt, die nicht von chauvinistischen Haßgefühlen befanden sind, sondern wirklich aufbauend im Sinne jener Verständigung zwischen den Völkern wirken wollen, die dahin zielt, daß alle Völker, und nicht zuletzt Deutschland, in voller Gleichberechtigung zueinander stehen.
Deutscher Proteststurm in Genf gegen die „roten Fliegers
(B c n f, 26. Juni. (IDIB.) Das Völkerbunds- f e r r e t ar i a t teilt mit, daß aus Deutschland nahezu 7 0 Telegramme eingetroffen seien, in denen gegen die lieberfliegung deuI- idjen Gebietes durch fremdeFlugzeuge auf das entschiedenste protestiert und um Schaffung eines ausreichenden Luftschutzes für Deutschland ersucht wird. Die Telegramme stammen aus vielen großen Städten, Organisationen, Handelskammern ufro., aus allen Teilen des Reiches.
Oie Ankurbelung der Weltwirtschaft.
Oie Grundprobleme der Londoner Konferenz. — Hebung des Preisuweaus, Stärkung der Kaufkraft, Arbeitsbeschaffung, internationale Verschuldung.
London, 26. Iuni. (TU.) Schahkanzler Chamberlain gab vor dem Währungsaus- schuh eine Erklärung über das Problem der Ber- schuldung ab. Bevor die internationalen Anleihen wieder ausgenommen werden könnten, seien neben der Wiederherstellung des Vertrauens in die innere Stabilität Europas auch gewisse zusätzliche Sicherungen notwendig. Dies ergäbe sich aus ucn Erfahrungen der letzten zehn Iahre, in denen oft eine unkluge Anlcihepoltiik verfolgt worden sei. Eine Zerstörung des Vertrauens und der Preissturz hätten zu den gegenwärtigen Schwierigkeiten mancher Schuldnerländer geführt. Man müsse Verständnis für die Schwierigkeiten der Schuldnerstaaten haben, besonders derjenigen, deren Hauptreichtumsqucllen die Dodcnerzeug- nisse sind. Wenn die Schuldnerstaaten eine innere Finanzpolitik verfolgten, die ihren Kredit auf dem Weltmarkt ungünstig beeinflusse, so könnten dadurch leicht die Bemühungen zum normalen Arbeiten des weltwirtschaftlichen Systems gefährdet werden. •
Eine allgemeine Preishebung könne die Lage sehr leicht zugunsten der Schuldnerstaaten beeinflussen. Auf der anderen Seite müsse man erkennen, daß in einigen Fällen zeitweilige Berichtigungen notwendig seien, um fron Schuldnern bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen soweit wie möglich beizustehen. Diese Berichtigungen könnten sich aber je nach der besonderen Lage ändern. Allgemeine Grundsätze könnten auf sie nicht angewandt werden. Cs fei Aur Wiedergesundung der internationalen Kreditgewährung unbedingt notwendig, daß Gläubiger- und Schuldnerländer vollen Aufschluß über ihre jeweilige wirtschaftliche Lage geben, damit die Kapitalanleger über die Sicherheit ihrer Anlagen ausreichend orientiert wären. Auch die Auflegung von Anleihen müsse der Kontrolle der Gläubiger- und Schuldnerländer unterworfen werden. Der ungarische Vorschlag über die Schaffung einer großen inte rnationalen Organisation, die über alle Kreditfragen zu verhandeln hätte, scheine reichlich verwickelt zu fein. Besser wäre es, wenn alle Staaten selb st Kredit k ö r p e r sch a f t e n ins Leben riesen, die dann zu gemeinsamen Sitzungen zusammenkämen. Ieder Versuch aber, eine einzige internationale Korporation zu schaffen, sei wegen der Verschiedenartigkeit der Bedingungen zu mißbilligen.
Amerikas Auffassung.
Nach Chamberlain sprach der amerikanische Senator Coucens, der unter Erwähnung der deutschen Erklärungen auf der Weltwirtschafts- tonferenz auf die Uebereinstimmung zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Standpunkt hinwies, daß innere Sanierungsmaßnahmen den internationalen Maßnahmen vorausgehen sollten. Er glaube, wie dies auch von der deutschen Abordnung betont wurde, nicht, daß eine Preisgebung allein durch eine Währungsaktion zustandegbracht werden könne oder daß die wirtschaftliche Erholung nur von einer Preishebung
abhänge. Die Struktur der Verschuldung müsse geändert werden. Obwohl er mit vielem, was Chamberlain sagte, übereinstimme, müsse er doch sagen, daß die Schuldenlasten erleichtert werden müßten. Die Gläubiger und Schuldner müssen den Tatsachen ins Gesicht sehen und sich über eine Schuldenabmachung einigen. Amerika sei mit gutem Beispiel voran- gegangen und habe das größte Arbeitsbeschaffungs- Programm der Welt in Angriff genommen. Wenn eine 2ßiebererl)olun$ kommen solle, dann müsse es zunächst Arbeit geben, eine erhöhte Nachfrage für Rohstoffe und einen erhöhten Verbrauch. Andere Industriestaaten sollten ähnliche Maßnahmen wie Amerika zur Wiederbelebung des Verbrauches und der Nachfrage ergreifen. Man stehe vor einer Epoche, während der die Negierung die Führung im Wirtschafts- leben übernehmen müsse, damit die privaten Unternehmer wieder die gleichen Funktionen übernehmen könnten, die sie auch früher ausgeübt hätten. Erhöhte Nachfrage nach Rohstoffen biete mehr Aussicht auf Gesundung der Weltwirtschaft als ein Abbau der Zollsätze für Fertigwaren, in denen Staaten hochgradig konkurrieren.
Die ^Beratungen der Weltwirtschaftskonferenz werden in dieser Woche in der Hauptsache unter Ausschluß der Öffentlichkeit vor sich gehen. Sensationelle Entwicklungen sind kaum zu erwarten. Wenn die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen hinreichend gediehen sind, werden die entsprechenden Entschließungen den öffentlichen Voll- itzungen der Ausschüsse und schließlich der Vollkon- crenz zugeleitet werden. Amtliche britische Kreise ind mit den Fortschritten der Beratungen zufrie- den, zumal die Konferenz das gegenwärtige Stadium eine Woche früher erreicht hat, als man erwartete.
Die Verwaltungsbehörde der Londoner City hatte die Delegierten der Weltwirtschaftskonferenz heute abend zu einem Festmahl geladen, an dem die Vertreter von 66 Staaten teilnahmen. In seiner Erwiderung auf den Trinkspruch des Lordmayors sagte der belgische Delegierte Hymans u. a.: Wir wissen alle, w i e viel Verantwortung auf unseren Schultern liegt, und daß unsere Pflicht, ja in gewisser Weise sogar unsere Ehre uns die Notwendigkeit auferlcgt, zu einer endgültigen Lösung der uns gestellten Ausgaben zu gelangen.
Zweijährige Bewährungsfrist für neue Mitglieder der NGDAp.
Vorher feine Berechtigung zum Tragen des Braunhemdes.
Berlin, 27. 3uni. (OB.) Der „Völkische
Beobachter" veröffentlicht folgende .Verfügung der Reichsleitung der R S D A P.: Rach dem 30. Januar 1933 erfolgten zahlreich: Reuanmeldungen zur NSDAP. Da eine Gewähr für d i e unbedingte .Zuverlässigkeit der neuhinzugekommenen Mitglieder im nationalsozialistischen Sinne nicht mehr gegeben ist, wird verfügt: Mitglieder der RSDAP., die nach dem 30. Januar 1933 ihren Beitritt erklärt haben, werden einer zweijährigen B e - Währungszeit unterworfen. Erst nach Ablauf dieser Zeit wird ihnen an Stelle der Mitgliedskarte das Mitgliedsbuch als Zeichen der endgültigen Ausnahme in die Bewegung ausgehändigt, sofern sie sich bewährt haben.
vor ihrer endgültigen Ausnahme steht ihnen nicht das Recht zu, das Braunhemd zu tragen. Ausnahmen können nur in außergewöhnlichen Fällen seitens der Reichsleitung auf Antrag der zuständigen (Bauleitung genehmigt werden, von dieser Regelung werden nicht berührt die für die SA. und SS. betroffenen besonderen Bestimmungen. Die Verfügung tritt am 1. 3uli 1933 in Kraft. Ls wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ein unberechtigtes Tragen des Braunhemdes strafbar ist.
Die Verfügung bezweckt keine Degradie
rung der neu zur Bewegung gekommenen Mitglieder, unter denen sich eine große Anzahl befindet, die nicht der Konjunktur folgend, fondern aus innerer Ueöerjeugung sich heute zur Freiheitsbewegung des deutschen Volkes bekennen, auf Grund der Erfolge des Führers als Kanzler. Die Verfügung soll lediglich etwa nach der Machtergreifung in die NSDAP, gesandten Provokateuren die Arbeit erschweren, sowie die Geschlossenheit und Schlagkrastder Bewegung auch sürdie Zukunst sichern.
Der kleine Konvent der Deutschen Arbeitsfront.
Berlin, 26. Juni. (TU.) Wie der „Zeitungsdienst" meldet, hat der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. L e y, die Berufungen in den Kleinen Ardeitskonoent der Deutschen Arbeitsfront vorläufig abgeschlossen, so daß dem Konvent nunmehr angc- hören: Dr. Ley, Schmeer, Schuhmann, Forster, Muchow, Dr. Frauendorfer, Biallas, Ghodes, Brinkmann, Müller, Peppier, Otto, Klapper, Dr. Waae- ner, Dr. von Renteln, Marwitz, Dr. Lorenz, Dr. Albrecht, Zeleny, Wild, Dr. Brauweiler, Röttgen und Dr. Erdmann. — Ferner hat der Führer der Deutschen Arbeitsfront den Gauleiter des Gaues Essen der NSDAP., Joses Terbooen, und den (flau- betriebszellenleiter Iuh 1 itz in bea Großen Konvent der Deutschen Arbeitsfront berufen.
Ein Volk — ein Reich.
Riesenkundgebung für das Deutschtum im Wiener Stadion.
Wien, 25. Juni. (CNB ) Daß die Sache des Deutschtums in Oesterreich in besten Händen ist und daß die Hetzer die Verbundenheit Oesterreichs mit dem Reich nicht zerreißen können, bewies der Jugendturntag des Deutschen Turn- bundcs im Wiener Stadion. Das Stadion, das 60 000 Zuschauer faßt, war bis auf den legten Platz gefüllt. 12 000 Jugendturner legten Zeugnis dafür ab, daß neben der körperlichen Ertüchtigung auch die Pflege des deutschen Wesens nicht zu kurz kommt. Das ergab sich aus der s p o n- tonen Huldigung für Deutschland, die in den letzten Strophen des Jugend-Weiheliedes erfaßt wird: „Frisch und fromm, froh und frei, des Volks bewußt und der Heimat treu, bauen wir mit Herz und Hand unser einig Vaterland." Der Jubel- sturm wiederholte sich immer wieder und das Deutschlandlied wurde angestimmt.
Den Höhepunkt erreichte die Begeisterung bei dem Sonnenwendfestspiel, das in vier Bildern einen kurzen Abriß der Geschichte des Deutschtums in Oesterreich in der Vorkriegs- und Nachkriegszeit gab. Auch beim zweiten Bild „der österreichische Soldat" brauste großer Jubel im Stadion auf, der sich wiederholte, als im Schlußbild dargestellt wurde, wie sich das deutsche Volk seiner großen Vergangenheit erinnert und aus Jahns Vermächtnis neuen Lebensmut schöpft. Von drei Seiten zogen die Turner mit brennenden Fackeln in das Stadion und bildeten auf dem grünen Rajen das aus den vier „F" bestehende Wappen der österreichischen Turner. Bei dem Ab- marsch der Turner wurden sie mit nicht endenwollenden Heilrufen begrüßt und immer wieder das Deutschlandlied gesungen. Auch auf dem Heimweg der Massen hört man immer wieder völkische Lieder und Heilrufe auf Deutschland und Hitler. Noch dem Turnerfest im_Stabion kam es von feiten der Teilnehmer in der Stadt- und Stra- |
ßenbahn zu mehrfachen Kundgebungen, wobei Parteiparolen gerufen wurden. Die Polizei nahm 30 Verhaftungen vor.
Oie Auswirkung der Grenzsperre für Tirol.
Wirtschaftliche Katastrophe, die Kdlge der Tollfutz-Polilik.
Innsbruck, 25. Iuni. (CAB.) Der Tiroler Anzeiger, das Organ »der Christlich-Sozialen in Tirol, veröffentlicht Die Forderungen, die der Landesverband der Gewerbeverbände u n d G e we rb e ge n o s sen s cha f ten für Tirol dem Bundeskanzleramt und dem Finanzministerium als Notstandsmaßnahmen unterbreitet hat. Einleitend wird ausgeführt, daß die Sperre der Grenze durch die Einführung der Einreisegebühr von 1 000 Mark sich für die gesamte Tiroler Wirtschaft, die mit dem Fremdenverkehr eng verbunden sei, geradezu katastrophal auswirke. Ein weiteres Andauern dieses Zustandes würde im Sommer z u unabsehbaren Folgen führen. Aus allen Landesteilen erhöben sich schon jetzt e r s ch ü t - ternde Hilferufe der Handels- und Gewerbetreibenden, die durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ohnehin in ihrer Widerstandskraft geschwächt seien und durch das Ausbleiben des Zustromes der reichsdeutschen Sommergäste um die Hoffnung auf Bettung ihrer Existenz gebracht würden. Es folgen dann die Forderungen, die vor allem Stundung der Steuern, Nachlaß von Steuerrückständen, Stundung von hypothekaririschen Zinsen usw. betreffen.
Groß angelegter Werbefeldzug für das Handwerk.
Berlin, 26. Juni. (Vd;.) Besprechungen zwischen dem Reichsministerium für Volksaufklärung
und Propaganda und der Presse- und Propagandastelle des Reichsstandes und des Reichsverbandes des deutschen Handwerks haben ergeben, daß in kürzester Zeit eine ganz spezielle Werbeaktion für das deutsche Handwerk in Angriff genommen wird. In Arbeitsdienstlagern, Fach-, Berufs-, Gewerbe- und Fortbildungsschulen werden z. B. Lichtbilderoorträge gehalten werden, die die kulturhistorische Entwicklung und den ethischen Wert des deutschen Hand- werksstandes beleuchten werden, um vor allem d i e deutsche Jugend wieder für das Handwerk zu interessieren, daneben aber auch das Verständnis für die Kleinkunst des Handwerks zu wecken. Das Ziel all dieser Bestrebungen ist, das deutsche Handwerk wieder zu der großen Blüte einer vergangenen glorreichen' Epoche zurückzuführen, was nur durch die Wiedergewinnung des Interesses und der Achtung des Volkes vor der Handwerkskunst möglich ist. Das Handwerk begrüßt es außerordentlich, daß seinen Interessen ein so reiches Verständnis seitens des Ministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda entgegengebracht wird. Das Handwerk ist ein sehr wichtiges Glied der deutschen Gesamtwirtschast, umfaßt es doch 1,25 Millionen Handwerksbetriebe mit Meistern, Gesellen und Lehrlingen und mit sechs bis acht Millionen Angehörigen.
Führertagung der deutschen Architekten und Ingenieure.
Am Samstag und Sonntag sand in Weimar eine Führertagung der deustchen Architekten und Ingenieure statt, an der die Amtswalter des Kampfbundes Deutscher Architekten und Ingenieure sowie Vertreter des Reichsbundes Deutscher Technik teilnahmen. In einer öffentlichen Kundgebung in der Weimarhalle sprachen Diplomingenieur Feder und Pros. S ch u 1 z e - N a u m b u r g vor etwa 12<>0 Teilnehmern aus dem ganzen Reich. Gottfried Feder wies darauf hin, daß es keine Technik im politisch- luftleeren Raum gebe, fondern es bedürfe ernster


