Kundgebung der Kriegsopfer.
Am Sonntagnachmittag fand in der Turnhalle eine von der Nationalsozialistischen Deutschen Kriegsopferoersorgung einberufene Versammlung statt. Nach einigen flotten Militärmärschen der Reichswehrkapelle und der Be- grüßung durch Kreisobmann Papen (Gießen) sprach zunächst der Landesführer des Kyffhäuser- Bundes, Freund (Darmstadt). Er bemerkte einleitend, daß der restlose Zusammenschluß der Kriegs- opserorganisationen in einem unter nationalsozialistischer Führung stehenden Reichsverband in Kürze erfolgen werde.
In seinem Vortrag betonte der Redner zunächst die innige Kameradschaft der Frontsoldaten während des Weltkrieges. Es sei aber ein Schandfleck für das deutsche Volk, daß es im entscheidenden Moment in der Heimat Männer gegeben habe, die das Internationale über das Nationale gestellt haben. Die Kriegsbeschädigten haben seit Beendigung des Krieges daran gedacht, daß der Leichtbeschädigte leer ausgehen würde.
Die Kriegsopferorganisationen mußten in den letzten Jahren schwere Kämpfe führen.
Ttun dürfe man mit dem vollen Verständnis der Reichsregierung für die Belange der Kriegsopfer rechnen. Allerdings fei Geduld und vertrauen zur jetzigen Regierung notwendig.
Es fei zunächst eine Umstellung und genaue Prüfung der Finanzverhältnisse des Reiches erforber- sich. Der Redner kommt sodann auf die Tätigkeit der Untersuchungsstellen zu sprechen und betont, daß die Klagen nicht gaiu unberechtigt gewesen seien. Der Arzt sei wohl an den Buchstaben des (Be- setzes gebunden, es käme aber auf den Geist an, in dem die Bestimmungen durchgeführt würden. Nie dürfe vergessen werden, was draußen im Felde geleistet worden sei.
Der zweite Redner, Landtagsabgeordneter Z i e flirr (Darmstadt) sprach vom deutschen Soldatentum, das in der Seele eines Marxisten nicht zu finden sei. Deshalb sei auch von dort eine wesentliche Unterstützung der Belange der Kriegsopfer nicht zu erwarten gewesen. Der Redner erwähnte dann die
Frauenarbeit während des Krieges und betonte, daß dieses stille Heldentum ebenbürtig sei dem Hel- bentum der Frontsoldaten. In seinen weiteren Ausführungen wies der Redner auf die nationale Er- Hebung hin und betonte, daß das Führerprinzip auch in der Kriegsopferbewegung durchgeführt werden muffe. Es gehe nicht an, daß Forderungen gestellt würden, die nicht erfüllt werben könnten, denn es gehe nicht um das Einzelschicksal, sondern um das Schicksal des deutschen Volkes.
Die Versorgung der kriegsopser sei keine Staatsangelegenheit, sondern Sache der gesamten Nation.
Die Kriegsopfer wollten nicht bedauert fein, sie kämpften um Achtung und Ehrfurcht. Für die Schwerbeschädigten werbe ausreichende Versorgung geforbert, die Leichtbeschädigten müßten kleinliche Wünsche zurückstellen. Die Versorgung derselben erfolge auf anderer Grundlage wie seither, z. B. durch Bevorzugung bei Vergebung von Stellen, durch Sieblungsmöglichkeiten und Errichtung von Eigenheimen durch den Staat sowie Bevorzugung kriegsbeschädigter Gewerbetreibender bei Vergebung von Arbeiten. Der Redner erläuterte bann in großen Züaen bie neue Heeresversorgung, die an stelle der Kriegsopferoersorgungsgesetze treten solle; er sprach weiter von der Bedeutung der Arbeits- dienstpflicht für die Jugenderziehung und erwähnte, daß die nationalsozialistische Kriegsopferorganisation nicht nur die Belange der Kriegsopfer vertrete, sondern auch am Aufbau des neuen Deutschland mit- helfen wolle.
Nach dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel- Liedes sprach Kreisleiter Papen noch das Schlußwort, in dem er der Gefallenen des Weltkrieges und der Opfer der nationalsozialistisch^ Freiheitsbewegung gedachte. Nachdem die Musik bas Lied vom guten Kameraden gespielt hatte, brachte der Redner ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Reichskanzler Adolf Hitler und den Reichspräsidenten von Hindenburg aus. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes fand die eindrucksvolle Kundgebung ihren Abschluß.
Tag der Jugend und (Sonnwendfeiern auf dem Lande.
Lleberall in den Ortschaften der Provinz wurden am Samstag und am Sonntag auf den Hügeln und Hängen, auf den Bergen und nahe den Dörfern und Städten Sonnwendfeuer abgebrannt. Die Bevölkerung nahm überall regsten Anteil und in den meisten Ortschaften begab man sich in geschlossenen Zügen, an denen in erster Linie die Organisationen der nationalsozialistischen Bewegung, insbesondere aber die Zugendgruppen. sowie auch die Vereine beteiligt waren, zu den Festplayen. 3n Ansprachen wurde der Sinn des Ta^s der Sonnenwende hevvorgehoben. Gleichzeitig wurde der nationalen Erhebung gedacht und ihre tiefe Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft unseres Vaterlandes umrissen. Die Führer des Reiches, der ehrwürdige Reichspräsident von Hindenburg und der Volkstanzler Adolf Hitler wurden durch man« ches begeistert aufgenommene „Sieg-Heil!" geehrt, während die Flammen zum dunkel ver- fiangcncn Rachthimmel emporloderten. Die ®e- angvereine verschönten die Feiern mit vaterländischen Liedvorträgen. Das Deutschland- und das Horst-Wesscl-Licd erklang vielfach an den Abenden des Samstag und des Sonntags aus vielen Kehlen.
Der Tag der Jugend wurde am Samstag- Vormittag in den Schulen festlich begangen. Vor
den versammelten Klassen wurden unter dem Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel- Liedes die schwarz-weih-roten Fahnen und die Hakenkreuzflaggen gehißt, während von Rlitgsie- dem des Lehrkörpers auf den Sinn des Tages hingewiesen wurde. Die Kinder fanden sich dann zu gemeinsamen Spielen zusammen. Gedicht- und Gesangsvorträge, allerlei Spiele und Aufführungen verschönten und ergänzten sowohl die Feiern zum Tag der Äugend, wie auch die Feiern der Sonnenwende. Leider litten die Veranstaltungen fast durchweg unter der schlechten Witterung.
In Anbetracht der Fülle der uns vorliegenden Berichte aus Oberhessen und den angrenzenden preußischen Gebieten, in Anbetracht auch des nahezu überall gleichgearteten Verlaufs der Feiern des Iugenbtages und der Sonnenwende, ferner mit Rücksicht auf den uns nur beschränkt zur Verfügung stehenden Raum, nicht zuletzt aber auch, um keine der Ortschaften in irgendwelcher Form zu benachteiligen, müssen wir es uns versagen, auf die Feiern in den Orten unseres Verbreitungsgebietes im einzelnen einzugehen.
Schweres Segelflugzeugunglück bei Mainz.
Mainz, 25. 3uni. Heute nachmittag ereignete sich auf dem Flugplatz Großer Sand ein schweres Segelflugzeugunglück. Als der bekannte 26jährige
Segelflieger Hans O 11 aus Mainz-Gustavsburg mit dem 22jährigen Segelflieger Paul D r eite n b a ch aus der Kostheimer Siedlung einen Autowindenstart untemahm, überschlug sich plötzlich aus bis jetzt noch unbekannter Ursache da- mit dem Ra men .Mainzer Bub" bezeichnete Segelflugzeug in einer ungefähren Höhe von 40 bis 60 Metern und stürzte ab. Das Flugzeug wurde vollkommen zertrümmert. Die beiden schwerverletz^m Flieger wurden sofort ins Krankenhaus gebracht, wo Breitenbach bald nach seiner Einlieferung starb. Die Verletzungen Otts sind derart, daß mit seinem Ableben gerechnet wird. Die Kriminalpolizei fand sich sofort an der Unfall Stelle ein und befaßte sich mit den notwendigen Feststellungen.
Schweres Motorradunglück durch einen Hund.
Schotten, 26. Juni. (WSN.) Der Schindler- meister Konrad Wolf aus Meiches kam auf einer Geschästsfahrt mit seinem Motorrad dadurch schwer zum 5tun, daß ihm ein Hund in das fahrende Motorrad sprang und ihn mit der Maschine ummarf. Er erlitt dabei erhebliche DerletzungenamKopfe, an den Armen und Beinen und mußte in bewußtlosem Zustande von einem schnell herbeigerufenen Arzt nach seiner Wohnung gebracht werden.
Taten für den 27. Juni.
1848: gestorben der Schriftsteller Heinrich Zschogge auf Blumenhalde in der Schweiz (geboren 1771). — 1856: gestorben Joseph Meyer, Gründer des Bibliographischen Instituts in Hildburghausen (geboren 1796). — 1880: geboren die Schriftstellerin Keller in Puscambia. — 1919: gestorben der rumänische Staatsmann Peter Earp in Tzibaneschti (geboren 1837). — 1923: gestorben der Schriftsteller Päül Schreckenbach in Klitzschen bei Torgau (geboren 1866).
G. A Sport.
Tisch-Tennis der Sp.-Vg. 1900.
TTC. Frankfurt.west I — 1900 I 8:7.
Erwartungsgemäß kannte sich die 1. Tischtennismannschaft der Spieloereinigung 1900 gegen den TTC. Frankfurt-West nicht durchsetzen und unterlag knapp mit 8:7 Punkten. Die recht gut spielenden Gießener lieferten den Frankfurtern, die durch den Düsseldorfer Spitzenspieler Ulrich und die beiden besten Spieler des Frankfurter IB.-Sportverein und des Tennisklubs Forfthausstraße wertvollen Zuwachs erfahren haben, äußerst hartnäckige Kämpfe. Nach den Einzelspielen führte 1900 sogar 6:4, da aber von den 5 Doppelspielen 4 von den Frankfurtern, die hier besser eingespielt waren, gewonnen wurden, blieben die Gastgeber im Gesamtergebnis glückliche Sieger. Nachstehend die Ergebnisse (Frankfurt jeweils zuerst genannt):
Einzel: Schäfer -- Dietrich 21:15, 21:8, 21:18; Ulrich — Beil 21:15, 10:21, 21:19, 12:21, 18:21; Neuland — Gebhard 22:24, 20:22, 22:20, 19:21; Kapphan — Reichel 16:21, 12:21, 13:21; Kleiner — Berger 11:21, 15:21, 22:20, 14:21; Jung — Petsch 21:7, 21:18, 21:6; Deneke — Jung 21:9, 21:19, 21:12; Kurz — Arzbächer 18:21, 19:21, 21:6, 21:16, 16:21; Schott — Gros 13:21, 16:21, 17:21; Raith — Fr. Hauser 21:16, 21:18, 18:21, 21:17.
Doppel: Ulrich-Jung — Dietrich-Iung 19:21, 21:18, 21:17, 22:20; Deneke-Neuland — Gebhard- Berger 26:28, 17:21, 21:18, 26:24, 21:11; Schäfer- Kleiner — Beil-Reichel 12:21, 18:21, 21:18, 21:18, 21:18; Kapphan-Raith — Gros-Petsch 22:24, 19:21, 21:19, 21:18, 14:21; Raith-Schott — Fr. Hauser- Arzbächer 16:21, 21:17, 21:14, 22:20.
Das Turnier gegen den IB.-Sportverein Frankfurt mußte ausfallen.
Wirtschaft.
Rmdermarll in Gießen.
Auf dem heutigen Rinder- (Nutzvieh-) Markt in Gießen standen 817 Stück Großvieh, 191 Fresser und 228 Kälber zum Verkauf. Es kosteten Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 320 dis 370 Mark, 2. Qualität 180 bis 240 Mark, 3 Qualität 110 bis 140 Mark; Echlachtkühe a) 130 bis 250 Mark, b) 50 bis 120 Mark, Rinder, 34- bi» jährig, 50 bi» 110 Mark ,%• bis 2jährig 70 bis 160 Mark, tragend 150 bis 300 Mark; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 20 bis 28 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: schleppend, Uebcrstand.
Frankfurt fester.
Frankfurt a.M., 27.Juni. (WTB. Drahfrnel- dung.) Die freundliche Stimmung, die schon am gestrigen Abend eingesetzt hatte, war auch an der heutigen Mittagsbörse zu bemerken. Da das Geschäft noch keine größeren Ausmaße annahm, genügten einige wenige Kauforders, um das Kurs-
Denkt an die „Stifiung für Opfer der Arbeit"!
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niveau um bis zu 1 v. H. steigen zu lasten, zumal nur wenige Verkaufsaufträge Vorlagen. Recht wirksam war auch die neuerliche Festigung an den Aus- landbörsen; besonders die festere Verfassung der Warenmärkte war viel beachtet. Im Vordergrund standen Montanwerte, die teils in Reaktion auf die Einbußen während der Angelegenheit der Stahloer- cinsobligationen, teils im Hinblick auf die Arbeits- befdjaffung und die Beruhigung über das Rusten- geschäft wieder anzuziehen beginnen. Die Gewinne gingen jedoch nicht über den allgemeinen Rahmen hinaus. Durch größere Erholungen fielen lediglich Rheinekektro Mannheim (je 1,5 v. H.) und Aku (1,65 v. H.) auf, während Hapag 0,40 v. H., Metall- gesellfchaft und Schuckert je 0,5 o. H. und Siemens 1 v. H. nachgaben. Norddeutsche Lloyd lagen 0,13 v. H. höher. Im Verlaufe blieb die freundliche Verfassung bei kleinem Geschäft erhalten. Zur Anregung trug bei, daß man sich heute früh in Lon- don wieder gegen eine Abkehr vom Goldstandard in den in Frage kommenden Ländern ausgesprochen hat. — Am Rentenmarkt lagen Deutsche An- leihen etwas vernachlässigt, später konnten Altbesitz den kleinen Anfangsverlust wieder einholen. Neubesitz schwankten etwas unter dem Vortagsniveau. Schutzgebiete waren etwa unverändert, ebenso Reichsschuldbuchforderungen. Stahloereinbonds blieben behauptet. Von fremden Werten war einiger Umsatz in Türken, Rumänen und Mexikanern zu bemerken, von denen letztere etwa 0,13 vH. bester lagen. Am Pfandbriefmarkt hatten die Werte der Rheinischen Hypotheken-Bank eine kleine Besserung zu verzeichnen. Sonstige Werte blieben etwa unverändert.
Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. Neune r.
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Wleseck, den 27. Juni 1933.
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Zum Zeichen der Ablehnung des vor 14 Zähren beschlossenen Diktats von Versailles und zum Ausdruck der Trauer, daß das deutsche Volk noch immer unter dem harten Druck dieses Diktats sieht, setzen am Mittwoch, dem 28. Juni 1933, alle staatlichen und gemeindlichen Behörden die schwarz-weißrote Zahne und die Hakenkreuzstagge auf Halbmast. Mr bitten die Bürgerschaft, sich dem Vorgehen der
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