Auch die Giaatspartei aus -en Parlamenten ausgeschlossen.
Berlin, 27.Juni. (VDZ. Funkspruch.) Gemäß den preußischen Ausführungsbestimmungen zu dem Betätigungsverbot der SPD. fallen darunter auch alle Mitglieder des Reichstages, des Landtages, des Staatsrates, die auf Grund von Wahlvor- schlügen der Sozialdemokratischen Partei gewählt worden sind. Da die st a a t s p a r t e i l i ch e n Mitglieder des Reichstags und Preußischen Landtags gemäß dem Wahlabkommen zwischen Staatspartei und SPD. tatsächlich auf sozialdemokratischen Listen in die Parlamente gewählt worden sind, hat der Präsident des Preußischen Landtags, Justizminister K e r r l, daher angeordnet, daß auch die drei staatsparteilichen Abgeordneten, der frühere Handelsminister Dr. Schreiber und die Abgeordneten Nuschle und Frau Professor Hartwig die Mitteilung erhalten, daß sie ihre Abgeordnetenausweise zurückzugeben haben, keine Diäten mehr bekommen, und daß ihnen der Zutritt zum Landtagsgebäude verboten ist. Es ist anzunehmen, daß in dieser Weise das Betätigungsverbot auch auf die fünf staatparteilichen Reichstagsabgeordneten ausgedehnt werden wird. Dagegen dürfte noch nicht geklärt sein, ob auch eine Vermögensbeschlagnahme erfolgen kann, da die grundlegende Verordnung lediglich bon einem Vorgehen gegen die SPD. spricht.
Oie Innere Mission unter kommissarischer Führung.
Berlin, 26. Juni. (TU.) Das neuernannte Kommissariat für Innere Mission bringt folgende Ausführungen zur Veröffentlichung: »Der Herr Bevollmächtigte des Reichskanzlers für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche und der Herr Kommissar für sämtliche evangelischen Landeskirchen Preußens haben uns z u k o m m i s - sarisch en Bevollmächtigten für den Zentralausschuh für die InnereMis- s i o n und die ihm angeschlossenen Verbände und Anstalten ernannt.
Der Inneren Mission erwachsen im neuen Deutschland schwerwiegende neue Aufgaben. Wir fordern darum alle dem Zentralausschuh für Innere Mission angeschlossenen Stellen der Inneren Mission (Ausschüsse, Vereine, Verbände, Anstalten u. dgl.) aus, unter unserer Führung ihren evangelischen Dienst im Volk mit Ernst und Freudigkeit zu tun. Die Geschäfte werden bis zur kommenden Reuordnung in bisheriger Weise weitergeführt. Wir sind uns der schweren Verantwortung, die uns auferlegt ist, voll bewußt. Wir werden unseren Auftrag erfüllen als Treuhänder unseres Herrn Iesu Christi.
Berlin, 25. Iuni. gez. Themel.
gez. S ch i r m a ch e r."
Gleichschaltung der evangelischen Arbeitnehmer-Verbände.
Berlin, 26. Juni. (TU.) Der Bevollmächtigte der Deutschen Arbeitsfront für die evangelischen Arbeitnehmeroerbände und staatliche Bevollmächtigte für die Innere Mission, Sozialpfarrer Themel, und der kirchliche Bevollmächtigte für die evangelischen Arbeitnehmerverbände, Pfarrer Knüppel, haben folgende Anordnungen getroffen:
1. Die staatlichen Bevollmächtigten für die Innere Mission: Hierdurch ernennen wir Herrn Pfarrer Herbert K n ü p p e l-Magdeburg zum kommissarischen Bevollmächtigten des Reichsoerbandes EvangelischerArbeitnehmerverbände und seiner sämtlichen angeschlossenen Organisationen, Verbände und Einrichtungen.
2. An die Mitglieder der E. A. V.: Die nationalsozialistische Revolution ist in ihren zweiten Abschnitt eingetreten. Sie fügt die freien Verbände des geistigen und kirchlichen Lebens in die Einheit der neuerwachten Volksgemeinschaft und der neuzubauenden deutschen evangelischen Kirche ein. Die E. A. V.° Bewegung (die im Reichsverband Evangelischer Arbeitnehmerverbände Deutschlands ^usammenge- schlossenen Evangelischen Arbeitervereine, evangelischen Arbeiterinnenvereine, Evangelische Gesellenvereine) hat daran teil. Die Mitglieder in den einzelnen Gliederungen schließen sich selbstverständlich der für ihren Berus zuständigen Gruppe der Deutschen Arbeitsfront a n. (Nähere Anweisungen folgen.) Die Landesverbände bzw. Ortsgruppen bleiben vorläufig bestehen. Sie treiben ihre gesinnungsbildende Arbeit weiter unter Führung der G l a u b e n s b e w e - gung Deutsche Christen. Auch der Arbeiter des neuen Deutschlands braucht die Lebenskräfte des Evangeliums. Wir erwarten, daß das Bekenntnis zum neuen Staat und zur neuen Kirche in die Tat umgesetzt wird.
Kunst und Wissenschaft.
Veränderungen im Reichsarchiv.
Die Oberreichsarchivräte Professor Dr. Veit Valentin, Professor Dr. Ludwig Berg- sträher und Reichsarchivrat Professor Dr. Martin H o b o h m sind in den Ruhestand versetzt worden.
Ehrensenat
im Reichsverband Deutscher Schriftsteller.
Im Reichsverband Deutscher Schriftsteller wurde ein Ehrensenat gebildet. Als erste Mitglieder wurden Walter B l o e m , Rudolf P r e s b e r, Heinrich S o h n r e h , Fedor von Zobeltih, Ah von R h y n, Oberregierungsrat Dr. G l a - senapp, Ricarda Huch, Agnes Miegel, Ina Seidel, Lulu von Straus undTor- netz und Hermann Stehr ernannt.
Wettervoraussage.
Die Luftdruckoerteilung hat sich kaum geändert. Im Grenzgebiet zwischen den Störungen im Nord- osten und dem hohen Druck im Westen liegen weitere ozeanische Luftmassen südwärts, so daß das Wetter noch keine Beständigkeit erhält. Wenn auch zwischen- durch Aufheiterung einfetzt, so kommt es doch wieder zum Aufzug von Bewölkung, wobei auch einzelne Schauer niedergehen, die mitunter von Gewitterstörungen begleitet sind. Die Temperaturen nehmen immer noch keine sommerlichen Werte an.
Vorhersage für Mittwoch: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm und noch einzelne Schauer.
Vorhersage für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung.
Lufttemperaturen. Am 26.Iuni, mittags: 21,2 Grad Cels., abends: 15,8 Grad Cels - am 27. Iuni, morgens: 13,2 Grad Cels. Maximum 22,3 Grad, Minimum: 12,6 Grad. Sonnenscheindauer: 9’/2 Stunden.
Halle die Treue ,, .
deinem angestammten Heimatblatt!
'Zn Treue hat auch zu dir und zu deinen Vorfahren der G-eßener Anzeiger gestanden durch beinahe zwei Jahrhunderte hindurch! Erneut sind wir zu dieser Erinnerung gezwungen infolge des Vorgehens von Zeilungswerbern, die einen starken Druck ausüben, um die Bezieher des Gießener Anzeigers zur Abbestellung zu veranlassen.
Wie diese auch anderwärts hervorgetretenen Mißstände von der großen nationalsozialistischen presse beurteilt werden, ergibt sich aus nachstehender Erklärung, bie der „Völkische Beobachter" und der „Angriff" veröffentlicht hatten.
Verlag Pes Gießener Anzeigers.
Verschiedene Beschwerden über Abonnenten-Werber, die versuchen, durch unlautere Methoden bei der Werbung von Abonnenten unsere Zeitungen in Mißkredit zu bringen, veranlassen die unterzeichneten Verlage zu folgender Erklärung:
„Wir lehnen es als unvereinbar mit dem Ansehen unserer Zeitung ab, neue Abonnenten durch Anwendung von irgendwelchen Drohungen über eventuelle Folgen bei einer Absage werben zu lassen. Die für uns tätigen Werber sind angewiesen, ihre Tätigkeit für unsere Zeitungen ausschließlich nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten auszuüben. Wir bitten unsere Leser und Parteifreunde, uns in jedem Fall davon zu verständigen, wenn Werber ihre Befugnisse überschreiten." „Völkischer Beobachter" - „Angriff".
Aus der Provinzialhauptstadt.
Siebenschläferiag.
Der Siebenschläfertag, der seit den Zeiten Karls des Großen auf den 27. Iuni festgelegt ist, geht in seinem Ursprung auf eine Legende zurück, die mit dem Volksglauben und damit der Bedeutung dieses Tages für das Wetter der darauffolgenden sieben Wochen, außer der Siebenzahl, eigentlich nichts gemein hat. Der 3u» sammenhang der Siebenzahl, und daher auch ihre Heiliggeltung, besteht schon seit den Babyloniern, die bekanntlich gute Astronomen waren und die siebentägige Dauer der einzelnen Mondphasen festgestellt hatten.
Die Legende um den Siebenschläfertag weiß von sieben jungen Männern zu berichten, die während der Christenoerfolgungen unter Kaiser Decius, um das Jahr 250 n. Chr., nachdem.sie mutig Zeugnis für ihren Glauben abgelegt hatten, aus der Stadt Ephesus flohen und sich in einer nahen Höhle verbargen. Sie wurden jedoch aufgespürt, und der Kaiser ließ den Eingang vermauern. Sie kamen aber nicht um, sondern erwachten unter Kaiser Theodisius II., nach einem todähnlichen Schlaf von beinahe 200 Jahren wieder, um vor diesem Herrscher, der ein eifriger Bekämpfet des Heidentums war, und dem Bischof Martin von Ephesus erneut für den christlichen Glauben zu zeugen und wieder zu entschlummern, bis zu dem Tag ihrer Verklärung beim Jüngsten Gericht. Zu Kaiser Karls Zeiten wollte der Gelehrte Rabanus Maurus den Tag des Erwachens und Wiedereinschlafens als den 27. Juni erforscht haben. Soweit die Legende, die teilweise auf einen vorchristlichen Ursprung in Vorderasien zurückgeführt wird.
Daß sich nach alter Bauernregel am Siebenschläfertag das Wetter der kommenden sieben Wochen offenbart, hat den tatsächlichen Kern längerer Beobachtungen für sich, die gezeigt hatten, daß erfahrungsgemäß der Sommersonnenwende auch eine Wende der Witterung zu folgen pflegt. Auch daß ein solcher Wetterumschlag gewöhnlich anhält, haben die Herren Laubfrösche im Laufe der Jahrhunderte herausbekommen und mit der Siebenzahl ihren Vers auf den 27. Juni gemacht. Sicher haben sie mit ihren Voraussagen manchmal ins Schwarze getroffen, und diese Zufälle wurden dann zur Kalenderregel. Und weshalb sollte nicht auch ein Laubfrosch einmal das Korn finden, das vom Sprichwort sonst dem blinden Huhn vorbehalten ist? Kig.
Psarrer-Schulungslebrgang der Theologischen Fakultät Gießen. Im Studentenheim eröffnete gestern nachmittag Professor D. Dr. Cordier, Gießen, den Pfarrer- Schulungs-Lehrgang mit einer Ansprache: So wie Offiziere die Front verlassen, um in gemeinsamer Aussprache zu beraten, was zu tun, zu erörtern, wie die Stimmung in der Front sei, so soU der Lehrgang die Pfarrer sammeln zur Besinnung auf Volkstum und Staat. Sein Gruß galt besonders H.'iun Superintendenten D. Wagner, sein Dant der Kirchenbehörde für die gewährte finanzielle Beihilfe. Diesen Dank gab der Vertreter des Landeskirchenamts an die Theologische Fakultät zurück.
Im ersten Vortrag behandelte Prof. D. Born- kämm „Rasse und Volk bei Martin Luther". Der Redner führte u. a. aus: Der volkhaft bestimmte Mensch ist für Luther ein Stück Natur mit einem Gesetz in sich und über sich, dem Evangelium verkündigt werden soll. Luther stand im Aufbruch einer Zeit starken völkischen Erwachens. Die Germanen werden im Zusamenstoß mit den Männern ihrer Rasse bewußt; in der Stauferzeit (Walter von der Vogelweide) wacht das gemeindeutsche Gefühl wieder auf. Mit den Romfahrten der Kaiser löst sich immer mehr das Volkstum vom Kaisertum. Bei den deutschen Humanisten war viel schwärmerische Nei- aung für das Kaisertum. Karl V. schied sich in Worms 1521 von der deutschen Volksbewegung, Hutten machte Arminius zum ersten deutschen Volkshelden, das Kaisertum enttäuschte vollkommen. In den ersten deutschen Volksliedern kommt nun der Ton: „Frisch auf du deutsche Nation". In den Nationen der Konzilien und in den Landsmannschaften der Universitäten bekommt das völkische Gefühl Gestalt. Luthers Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation zeigt das Volk noch mehr als eine Vielheit von Menschen. Er machte sich viel Gedanken um das deutsche Volk wegen seiner Uneinigkeit; er sah in ihm die Macht des Saufteufels. Von den deutschen Dialekten schätzte er besonders den hessischen; er beobachtete sehr sein die einzelnen Stämme. Rasse tritt ihm entgegen im Romanen, im Türken und im Juden. Die Schrift „Daß Jesus Christus ein Jude sei", fordert zur Judenmission auf und verlangt ihnen geaenüber christliche Liebe (1523). Seine Hoffnungen hier erfüllen sich nicht und 1536 wird das Judentum aus dem Kurfürstentum Sachsen ausge- wiesen. Im „Brief wider die Sabbater" und „Wider die Juden und ihre Lügen" macht er einen scharfen Schnitt, um diesen und jenen noch zu retten. Der
beste Rat wäre, wenn sie wieder in ihr Land zögen. Schmähbücher auf Christus und die Christen taten das ihre, so daß Luther in Eisleben noch drei Tage vor seinem Tod alle „Gemeinschaft und Geduld mit den Lästerern unseres lieben Heilands und Wucherern" ablehnt; erst den Bekehrten gehört Brüderlichkeit. Ihre Zahlenkabbalistik ist ihm wie die Sakramentspraxis Roms Lästerung Gottes, gegen die die Obrigkeit einzuschreiten habe. Luthers Ziel ist „scharfe Barmherzigkeit", nicht Rache.
Vom Grundgefühl der Volksgemeinschaft her baut sich Luther seinen Gedanken vom Staat auf; der Staat ist ein Stück Schöpfung. Die Stände (Vater, Mutter, Knecht, Obrigkeit usw.) sind göttliche Stände. Volk ist ein Stück Ratur, Obrigkeit ist zweite Schöpfung. Luther ist nicht Anhänger eines Raturrechts. Staat und Christenheit treffen sich, wo beide das Volksgeseh verkündigen; es gibt ein völkisches Evangelium, soweit es antwortet auf ein völkisches Gesetz, wie auch ein allgemeines Evangelium für ein allgemeines Gesetz.
Eine lebhafte Besprechung half zu weiterer Klärung. Im kleineren Kreis wurde abends die kirchliche Lage erörtert.
Ehrensingen des Lahntalsängerbundes in Marburg.
Aus Anlaß des 70jähr. Bestehens des Männergesangvereins „Liedertafel" Marburg hielt am 25. der Lahntalsängerbund ein Ehrensingen ab. Rund 1200 Sänger aus 22 Bundesvereinen, die teils per Sonderzug aus Gießen, teils mit Autobussen in Marburg eingetroffen waren, füllten vormittags den großen Stadtsaal, wo jeder Verein einen selbstgewählten Chor zum Vortrag brachte. Mit den großen Chören der Vereine aus Marburg, Kirchhain, Wetzlar, Gießen usw. wetteiferten oie kleineren aus Butzbach, Bad-Rauheim, Grünberg usw., um die schönsten Perlen aus dem deutschen Liederschatz zu Gehör zu bringen. Allgemein können die Leistungen der Chöre dahingehend beurteilt werden, daß das deutsche Lied in dem nunmehr 73 Iahre bestehenden Lahntalsängerbund eine seiner besten Pflegestätten besitzt.
Am frühen Rachmittag versammelten sich die Sänger auf dem Marktplatz zu einer großen nationalen Kundgebung, bei der Bürgermeister Voß für die Stadt Marburg, Dr. Walz im Ramen der nationalsozialistischen Kreisleitung, Dr. Wendler, Bad-Rauheim, für den Hessischen Sängerbund, und Bundesvorsitzender Gengnagel, Grünberg, für den Lahntalsängerbund sprachen. Aus allen Ansprachen, die von Massenchören und Musikvorträgen der Marburger Deichswehrkapelle umrahmt waren, war zu entnehmen, daß die deutsche Sängerschaft freudig mit ins neue Reich marschiert, nachdem sie in den vergangenen 14 Iahren durch das'deutsche Lied die Herzen zukunftsfreudig und wach erhielt. Bei dem anschließenden gemütlichen Zusammensein konnten noch viele Sänger für langjährige Sängertätigkeit durch Verleihung von Ehrennadeln geehrt werden.
Kifchenbaumeist^r Baurat Ludwig Hofmann gestorben.
Eine im Regierungsbezirk Wiesbaden und weit darüber hinaus auch in Gießen bekannte Persönlichkeit, Kirchenbaumeister und Baurat Ludwig H o f m a n n, ist im Alter von 71 Iahren in Herborn verstorben. Auf dem Gebiete der Kirchenbaukunst war der Verstorbene eine sehr geschätzte Persönlichkeit. Lieber 150 evangelische Gotteshäuser verdanken ihm die architektonische Gestaltung. Sein letztes bedeutungsvolles Betätigungsfeld fand Baurat Hofmann beim großen Schloßumbau m Herborn. Durch seinen wertvollen Rat war es möglich, das Herborner Schloß als eines der ganz wenigen Beispiele für eine noch heute in allen wesentlichen Teilen erhaltene Burganlage des Mittelalters zu erhalten. Dadurch wurde der Bestand des Herborner Schlosses wieder für einige Jahrhunderte gesichert. Ieht befindet sich bekanntlich tm Herborner Schloß das Evangelische Predigerseminar für Rassau. Auch an der Gestaltung öffentlicher Baulichkeiten wgr Baurat Hofmann wiederholt maßgeblich beteiligt, so u. a beim Bau des Bahnhofsgebäudes in Gießen.
Stellt Hausgehilfinnen ein!
mühungen,
Die Reichsregierung hat in Fortsetzung ihrer Bemühungen, um eine Entlastung des freien Arbeitsmarktes durch Mehreinstellungen von Hausgehilfinnen zu erreichen, verordnet, daß außer dem Wegfall der Beiträge zur Arbeits- osenoerslcherung und der Ermäßigung der Bei- trage für die Invalidenversicherung auch die Arbeits- lofenhilfe fortfallt und jede Hausgehilfin gleich einem minderiahrigen Kinde in Bezug auf die Einkommensteuer anzurechnen ist.
Mit diesen neuen Bestimmungen wird erreicht, oatz minftestens die gesamten Soziallasten, die für
eine Hausgehilfin zu tragen sind, gedeckt, und daß darüber hinaus auch noch in einzelnen Fällen ein Teil des Barlohns mitgetragen wird. Unter diesen Umständen wird der erstrebte Erfolg der Reichs- regierung, mindestens 200 000 junge Mädchen als Haugehilfinnen zusätzlich unterzubringen, zweifellos erreicht werden.
OasNS.-ReichS-Symphonie Orchester in Gießen.
Das Nationalsozialistische Reichs-Symphonie-Or- chester, das bereits vor einiger Zeit in Gießen ein Gastspiel gab, wird am kommenden Sonntag, 2. Juli, 20.30 Uhr, in der hiesigen Volkshalle unter der Leitung von Kapellmeister Adam wiederum ein großes Konzert geben. Zur Aufführung gelangen die 4. Symphonie in Es-Dur von Anton Bruckner, die Ouvertüre zu „Oberon" von Carl Maria von Weber und die Ballettsuite von Mar R e - g e r. Vor Beginn des Konzertes wird der Äeichs» Statthalter in Hessen, (Bauleiter Sprenger, eine Ansprache halten.
„Arzt und Volk."
Vortrag vor Gießener Aerzlen und Klinikern.
Am Montag, 3. Juli, wird der Leiter des neuen Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege bei der deutschen Aerzteschaft, Dr. med. W. Groß, vor der Gießener Klinikerschaft und der
gesamten Aerzteschaft einen Vortrag halten über „Arzt und Volk". Dr. Groß (im Bild), der 1904 in Kassel geboren ist und seine Jugend in Posen verlebte, wo er Gelegenheit hatte, die völkischen Kämpfe des Grenzlandes von klein auf zu verfolgen, um später nach Niedersachsen zu übersiedeln, hat sich politisch bereits früh betätigt. Seit dem Herbst 1922 gehört er aktiv der NSDAP, an, zunächst als Medizinstudent und später als Assistent in (Böttingen und Braunschweig. Seit Juli 1932 ist er in der Reichsleitung der NSDAP, und Anfang Mai 1933 zum Leiter des Aufklärungsamtes berufen, das im engsten Einvernehmen mit dem Reichsministerium des Innern und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda arbeitet.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 27. Iuni. 'Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 120 Pfennig. Kochbutter 103, Matte 25, Wirsing (grün) 12, Weißkraut 10 bis 15, Spinat 15, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 30 bis 40, Spargel 20 bis 45, Erbsen 20, Mischgemüse 10, Zwiebeln 12, Tomaten 40 bis 50, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln (alte) 3,5 (Ztr. 2,50 bis 3 Mk.), (neue) 10, Kirschen 25 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 30 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 90 bis 100 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier (inländische) 8,5 bis 9, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 4 bis 10, Salatgurken 20 bis 35, Einmachgurken 8 Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Käse 4 bis 10 Pf. pro Stück; gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Radieschen 5 bis 10 Pf. pro Bd.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Frauengruppe VDA., 20 Ähr, Gasthaus „Hindenburg", Mitglieder- und Werbeversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „SA.-Mann Brand".
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** Flaggen auf H a l b m a st! Die Bürgermeisterei Gießen fordert im heutigen Anzeigenteil die Einwohnerschaft auf, sich dem Vorgehen der Behörden anzuschließen und am morgigen Mittwoch, 28. Januar, zum Zeichen der Ablehnung des vor 14 Jahren beschlossenen Diktats von Versailles auf Halbmast zu flaggen. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht.
** .Die Sprechstunden beim Ministerium für Kultus und Bildungs- wesen. Der Hessische Minister für Kultus und Bildungswefen weist in einem Schreiben an die Direktoren und Leiter der höheren Schulen und der gewerblichen Änterrichtsanstalten, sowie an die Staht- und Kreisschulämter erneut darauf hin, daß Besuche in seinem Ministerium nur an Amtstagen zu erfolgen haben. In diesem Schreiben heißt es weiter: Rach meiner seitherigen Beobachtung habe ich allerdings feststellen müssen, daß diese Anordnung nicht streng genug eingehalten wird. Infolge der starken Inanspruchnahme meiner selbst und meiner Mitarbeiter erwarte ich, daß alle Besuche und persönlichen Rücksprachen auf ein Mindestmaß beschränkt wer- den und ordne an, daß ab 1. Iuli 1933 nur noch der Mittwoch als Amtstag gilt, und zwar in der Zeit zwischen 9 und 13 Ähr.
** Der „Tag des Deutschen Liedes". Der Tag des Deutschen Liedes, der inzwischen zu einer schönen und begrüßenswerten Sitte geworden ist, wurde auch am vergangenen Sonntag in unserer Staöt in der bisher üblichen Form begangen. In Der letzten Vormittagsstunde sammelten sich die Sänger der hiesigen Vereine auf verschiedenen Plätzen der Stadt und brachten unter der Leitung ihrer Dirigenten schöne alte Volkslieder zu Gehör. Die Bevölkerung nahm regen Anteil und nahm die Gesangsdarbietungen sehr freundlich auf. Der Bauerscye Gesangverein sang unter der Leitung von Universitäts-Musikdirektor Professor Dr. T e m e s - v a rt)„ vor der Universität, die Gesangvereine „Hei- terkeit" und „Liederkranz" fangen unter der Leitung ihres Dirigenten Musiklehrer Schüttler in der Johannesstraße, unmittelbar an der Einmündung der Plackstraße, und der Gesangverein „Concordia^ (Leitung Musiklehrer Groß, Wieseck) hatte auf dem Lindenplatz Aufstellung genommen, um einige L'eder zu Gehör zu bringen. Der Tag des Deutschen Liedes trug sicherlich dazu bei, schönes altes Volks- gut im Lied in manchem der Zuhörer wieder lebendig werden zu lassen.


