Reichskanz'erAbolMler besucht d-e Lantwirtschastsausstellung.
Berlin, 26 Mai. (TU.) Reichskanzler Adolf Hitler stattete heute früh um 7 Uhr der großen -Landwirtschaftsausstellung am Kaiserdamm einen Gesuch ab. Der Kanzler befand sich in Begleitung des stellvertretenden Parteiführers Heß, des Staatssekretärs Lammers und des Führers des Deutschen Bauernstandes, Walter DarrL. Der Besuch des Reichskanzlers dauerte mehrereStun- d e n. Der Kanzler wurde am Eingang vom Präsidium der DLG. empfangen. Dre Sohn des Vizepräsidenten für den Ausstellungsgau, Rittergutsbesitzer von Opper^-Dannenwalde in SA.-Uniform, überreichte dem Reichskanzler einen Blumenstrauß. Dann begann die Führung, die zunächst durch die Abteilung der deutschen Tierzucht führte. Es folgte ein Rundgang durch das große M a sch i n e n f e l b und die übrigen Abteilungen der Ausstellung. Der Reichskanzler bekundete für alle Darbietungen lebhaftes Interesse und ließ sich wiederholt nähere Erklärungen geben. Auch die Kolonialausstellung, die Gartenbau- ausstellung und das Haus der Milch wurden besichtigt. Der Rundgang schloß mit einem B e - such des Hauses der NS. -Bolkswohl- fahrt e. V. Der Reichskanzler sprach der DJG. Anerkennung für den Aufbau und die Durchführung der Schau aus und gab seiner Freude über die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft mehrfach Ausdruck. Ueberatl wurde er von deki Ausstellungsbesuchern mit lebhaften Heil-Rufen und großer Begeisterung begrüßt. Bei den Ställen hatte eine Abordnung der Saarländer unter Führung ihres Kammerdirektors zu einer besonderen Huldigung Aufstellung genommen. An vielen Stellen überreichten Kinder dem Kanzler Blumen.
Hohe italienische Ehrung für Ministerpräsident Göring.
Berlin, 26. Mai. (ERB.) Am Donnerstagabend gab der italienische Botschafter Cerutti ein Galadiner. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Botschafter im Namen des Königs von Italien in Anerkennung ihrer langjährigen Bemühungen um die deutsch-italienische Freundschaft dem Ministerpräsidenten Göring das Großkreuz (Gran Cardone) des Heiligen Mauritius und Lazarus und dem Staatssekretär Körner das Großoffizierskreuz (Grande llfficiale) des Heiligen Mauritius und Lazarus. Die gleiche Auszeichnung erhielt auch Staatssekretär Milch. Ministerialrat Bolle wurde das Kommandeurkreuz (Commenda- tore) des gleichen hohen italienischen Ordens überreicht.
Oer „Bund Deutscher Osten" gegründet.
Berlin, 26. Mai. (CNB.) Nach längeren Vorverhandlungen ist jetzt als eingetragener Verein der „Bund Deutscher Osten" gegründet worden, der die gesamten Ost verbände in einer Organisation zusammenfassen soll. Der neue Bund wird ganz besonders den Heimatgedankenpflegen und eine intensive Kulturpolitik im deutschen Osten betreiben. Bundesführer des „Bund Deutscher Osten" ist der bekannte Ostmarkvorkämpfer und Ostmarkdichter Dr. Frand Lüdtke. Die Geschäftsstelle des Bundes befindet sich Berlin W. 35, Motzstraße 22.
Der Bund hielt im Volksdeutschen Klub zu Berlin seine erste Arbeits- und Führertagung ab, die ein machtvolles Bekenntnis zum deutschen Osten und eine Absage jeder Zersplitterung war. An der Tagung nahm eine große Zahl von Führern der bisher bestehenden Verbände teil, so des Deutschen Ostbundes, des Deutschen Ostmarkenvereins, der Heimattreuen Ost- und Westpreußen, des Reichsbundes der Posener, j des Neichsbunbes der Schlesier und der Heimattreuen I Oberschlesier. Am Schluß der Tagung wurde eine Entschließung angenommen, in der sich alle diese Ostführer vorbehaltlos mit ihren Organisationen dem „Bund Deutscher Osten" einglie
dern und sich zur Verfügung stellen. Dem von Alfred Rosenberg, dem Leiter des Außenpolitischen Amts der NSDAP., eingesetzten Führer Dr. Franz Lüdtke wurde eine besondere Vertrauenskundgebung zuteil.
Verordnung über den landwirtschast- lichen Vo lstreckungöschutz.
Berlin. 26. Mai. (WTD.) Es ist als Mißstand empfunden, daß die Vorschriften, wonach zur Wahrung des Vorrangs vonAn- sprüchen für den Fall der Zwangsversteigerung die Beschlagnahme des Grundstücks binnen einer bestimmten Frist zu erfolgen hat oder der Antrag auf
Zwangsversteigerung oder Zwangsverwaltung binnen bestimmter Zeit nach Aufhebung des Sicherungsverfahrens gestellt werden muß, den Gläubiger zwingen, zur Wahrung seines Vor- rangs den Antrag auf Zwangsversteigerung zu stellen. Durch die Vierte Ausführungsverordnung über den landwirtschaftlichen Vollstreckungsschutz ist nun bestimmt worden, daß derartige Rangrechte auch dann gewahrt bleiben, wenn der Antrag auf Zwangsversteigerung, Zwangsverwaltung usw., binnen drei Monaten nach Außerkrafttreten der Rotverordnung über den Vollstreckungsschuh (31. Oktober 1933) gestellt wird Soweit das Rangvorrecht zur Zeit des Inkrafttretens der Vierten Ausführungsverordnung bereits erloschen war, bleibt es erloschen.
Staat und Wirtschaft im neuen Reich.
Außen- und wirtschaftspolitische Kragen vor dem^fleichskabineti
Berlin. 26. Mai. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts erstattete zunächst Reichsbankpräsident Dr. Schacht einen Bericht über seine Reise nach Amerika und England und über die mit dem Präsidenten Roosevelt sowie mit amerikanischen und englischen Bank- kreisen gepflogenen Verhandlungen.
Das Reichs'abinett beschäftigte sich alsdann in einer fast fünfstündigen Sitzung mit außen- und wirtschaftspolitischen Fragen. Verabschiedet wurden ein Gesetz zur Gleichschaltung der Aufsichtsräte von Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie ein Gesetz über die Einziehung kommuni st ischen Vermögens. Bei diesem Enteignungsgesetz gegen die Kommunisten ist man von dem Paragraphen 40 des Strafgesetzbuchs ausgegangen, wonach Gegenstände eingezogen werden können, die durch Verbrechen oder Vergehen hervorgebracht oder zur Begehung eines Verbrechens oder Vergehens gebraucht oder bestimmt sind. Diese Bestimmungen gelten für jedes Verbrechen, also auch für den Hochverrat. Da die kommunistische Tätigkeit generell als Hochverrat zu betrachten ist, erfolgt auch die Generalkonfiskation des gesamten kommunistischen Vermögens.
Verabschiedet wurde ferner ein zweites Gesetz zur Aenderung des Reichs st atthal- tergesehes, durch das das Beamten-Ernen- nungs- und -Entlassungsrecht, sowie das Begnadigungsrecht in bestimmten Fällen zur Entlastung des Reichsstatthalters auf die Landesregierungen übertragen werden kann. Schließlich wurde ein Gesetz über Ablösung der Kraftfahrzeug st euer verabschiedet und beschlossen, der Seeschiffahrt einen Betrag bis zu 20 Millionen Mark aus Reichsmitteln zur Verfügung zu stellen. Der vom Reichsernährungsministerium vorgelegte Entwurf zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse macht noch weitere Vorbesprechungen erforderlich und soll in der nächsten Kabinettssihung behandelt werden.
Das Gesetz über die Ablösung der Kraftfahrzeug st euer ist insbesondere dazu bestimmt, der Wertminderung der Altwagen in gewisser Weise Einhalt zu gebieten, da durch den Paragraphen 2a des Kraftfahrzeug- steuergesehes vom 11. April d. I. alle nach dem 25. März zugelassenen Personenkraftwagen und Personen-Motorräder von der Steuer befreit sind. Der Altwagenhandel ist dadurch naturgemäß beeinträchtigt worden, da niemand mehr einen alten Wagen kaufen wollte. Das Gesetz über die Ablösung der Kraftfahrzeugsteuer sieht nun vor, daß auch Altwagen gegen Zahlung einer Ablösungssumme von der Kraftfahrzeugsteuer ganz befreit werden rönnen. Das würde praktisch dazu führen, daß die Altwagenhändler die Ablösungssumme selbst bezahlen und die Wagen dann steuerfrei verkaufen.
Nach dem Gesetz kann jeder am 1. April in Betrieb gewesene Personenkraftwagen bzw. jedes Der- sonenkraftrad dergestalt befreit werden, daß vor dem 1. April 1933 zugelassene Fahrzeuge das dreifache der Jahres ft euer als Ablösung bezahlen, in der Zeit vom 1. April 1931 bis zum 1. April 1932 zugelassene Fahrzeuge das zweieinhalbfache, in der Zeit vom 1. April 1930 bis zum 1. April 1931 zugelassene Fahrzeuge das doppelte und in der Zeit vom 1. April 1929 bis zum 1. April 1930 zugelassene Fahrzeuge das eineinhalbfache des Jahresbetrags der Kraftfahrzeugsteuer entrichten. Die Anträge müssen bis zum 1. Oktober 1933 beim zuständigen Finanzamt gestellt sein. Der Betrag kann in zwei Hälften entrichtet werden, und zwar Die Hälfte bei Antragstellung, die zweite Hälfte ein Vierteljahr später.
NGBO. und Gewerkschaften.
Ein klärender Erlaß Schuhmanns
Berlin, 26. Mai. (TU.) Der Führer des Gesamtoerbandes der Deutschen Angestelltenverbände, Walter Schuhmann, legt in einem Erlaß das Verhältnis zwischen NSBO. und den Gewerkschaften klar. Es heißt darin: Die Gewerkschaft stellt die wirtschaftliche, die 9kSBO. die politische Vertretung der Arbeiterschaft in den Betrieben dar. Der NSBO. steht ein Eingriffsrecht in die gewerkschaftliche Verwaltung nicht zu. Die Beauftragten der NSBO. empfangen ihre Weisungen nur von d er Deutschen Arbeitsfront oder den Beauftragten der NSBO. bei den Zentralstellen der einzelnen Verbände. Insbesondere sind aus der NSBO. b i € für d i e Führung der Gewerkschaften und deren Ausbau erforderlichen Amtswalter zu nehmen. Die NSBO. ist und bleibt der Vortrupp des deutschen Ar- beitertums. Es ist deshalb unerwünscht, daß gewerkschaftlich organisierte Arbeiter jetzt noch in die NSBO. eintreten.
Im Einzelnen wird angeordnet: Es ist den Be; auftragten der NSBO. bei den Zentralstellen der einzelnen Verbände verboten, selbständig Rundschreiben an die ihnen unterstellten Gliederungen herauszugeben. Rundschreiben bedürfen der vorherigen Genehmigung des Führers des Gesamtverbandes der deutschen Arbeiterverbände. Desgleichen hat sich jeder NSBO.-Beauf- tragte jeglicher Stellungnahme und Eingriffe in die NSBO.-Arbeit zu enthalten. Er hat sich lediglich an die ihm vom Führer des Gesamtoerbandes der deutschen Arbeiterverbände oorgeschriebenen Anordnungen zu halten. Darunter fallen auch alle Fragen der Beitragshöhe, Beitragszahlungen sowie Tarife oder Lohnsenkungen. Keine Beauftragten der NSBO. dürfen sich in Zukunft noch Kommissar nennen. Wer das trotzdem tut, wird seines Amtes enthoben. Er ist der Beauftragte der NSBO. zur vorläufigen Leitung des betreffenden Verbandes.
Die NSBO.-Beauftragten haben das Recht, die bis zum 15. Mai 1933 nicht gezahlten Beiträge niederzuschlagen, sofern das frühere Mitglied seine Mitgliedschaft wieder auf nimmt. Diese Vergünstigung gilt bis zum
15. 9 u n t 1 9 3 3. Das NSBO -Mitglled, das zugleich Gewerkschaftsmitglied ist, soll künftig an die Gewerkschaft einen um den NSBO.-Beitrag gekürzten Beitrag zahlen. Besondere Anweisungen hierüber werden noch ergehen.
Kunst und Wissenschaft.
Generalmusikdirektor Heinz Bongarh nach Kassel verpflichtet.
Generalmusikdirektor Heinz Bongarh, der seit einer Reihe von Jahren als erster Kapellmeister während der Saison in Bad-Nauheim tätig ist und in den letzten Jahren im Winter in Gotha wirkte, ist nach erfolgreichem Gastspiel (Wagners „Lohen- grin") als musikalischer Oberleiter an das Staatstheater Kassel verpflichtet worden.
Dichtertag auf der Wartburg.
In der Kemenate der Hl. Elisabeth auf der Wartburg fand vor geladenem Kreise der zweite Dichtertag der Wartburg-Stiftung statt, der feine besondere Weihe durch die feierliche Verleihung der Wartburg-Rose an vier deutsche Dichter fand. Ausgezeichnet wurden Hans Friedrich Blunck, bekannt durch feine Balladen und Romane, insbesondere durch den Roman „Volks- wende", ferner die Dramatiker Max Dreyer und Hanns Johst, der Dichter des „Schlageter", sowie die ostpreußische Balladendichterin Agnes M i e g e l. Mit der Verleihung der Wartburg-Rose will die Wartburg-Stiftung Dichter auszeichnen. Im Vorjahre wurde der verstorbene Paul E r n st, ferner Kolben. Heyer, Börries, Freiherr von Münchhausen, Hermann Stehr und Heinrich L i l i en- fein zu Rosen-Rittern ernannt. Vor der Verleihung, die mit alten Chorgesängen der Eisenacher Kurrende umrahmt war, hielt der 70jährige Max Dreyer eine Ansprache, in der er die Wartburg als das Symbol feierte, zu dem die deutsche Jugend heute wieder wie in den Hochzeiten des Deutschtums voll gläubiger Andacht und froher Begeisterung aufblicke.
was will die „Deutsche Bühne"?
Der Reichsleiter des Reichsverbandes „Deutsche Bühne EV." km Kampfbund der Deutschen Kultur, Dr. Walter Stang, sprach in Berlin vor Vertretern der Presse über Organisation, Ziele und Aufgaben der „Deutschen Bühne". Dr. Stang führte u. a. aus: Die verschiedenen Besucherorganisationen der vergangenen Jahre hatten stark weltanschauliche Motive. Sie hatten sich sehr schnell zu einem Selbst- zweck entwickelt. Alle Schäden zu überwinden, hat sich die „Deutsche Bühne" zum Ziel gesetzt aus der Erkenntnis heraus, daß das Theater eine künstlerische Einheit, ein Organismus des Volkstänzen ist, von dem der Besucher einen wesentlichen Teil abgibt, zu dem aber Darsteller und Dichter hinzukommen. Erst, wenn diese drei Faktoren in eine lebendige Wechselbeziehung gebracht werden, kann das Theater neu erstehen. Die „Deutsche Bühne" will dem deutschen Theater eine ideelle und wirtschaftliche Grundlage geben, auf der zunächst seine weitere Daseinsmöglichkeit geschaffen und durch unentwegte Werbung für ein neues deutsches Volkstheater das Volk an das Theater herangeführt wird.
Die „Deutsche Bühne" hat aber auch die Möglichkeit, eine ganze Reihe von wichtigen Aufgaben des deutschen Theaterlebens selbst anzupacken. Es sei hin- gewiesen auf die Neuorganisierung i) es Provinztheaterwesens und des Wander- thcaterwesens. Im Zusammenhang mit den Aus- führungen von Dr. Stang wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß die „Deutsche Bühne" die einzige von Der NSDAP, amtlich anerkannte und ermöglichte einheitliche Besucherorganisation des deutschen Volkes ist. Sie ist dazu bestimmt, alle vorhandenen Besucherstämme in fich aufzunehmen und ein» zugliedern. Die Deutsche Bühne wird der schöpferischen Initiative der Bühnenleiter und ihrer Dramaturgen nicht in die Zügel fallen. Selbstverständlich werden alle ihre Organisationen auf einen würdigen deutschen Spielplan bringen und nur den Aufführungen dieser Art ihren Besucher zuführen.
Die Jagdgeschwader im Weltkriege.
Von Reichsmimster Hermann Goering.
Wir entnehmen den nachfolgenden hoch- bedeutsamen Aufsatz des Reichsministers H. Goering mit Erlaubnis des Verlages I. F. Lehmann, München 2 SW, dem Buche „3n der Luft unbesiegt" (2. Auflage. Herausgegeben von Mcyor P. G. Reumann. Geheftet 3.L0 Mk., Leinwand 4,50 Mk.) Deutschland besitzt zur Zeit zwar keine Angriffswaffen im Flugzeug; aber der von Minister Goering geschaffene Reichs- luftfchuhbund beweist, wie ungeheuer wichtig es für uns ist, sich mit allen Fragen der Luftfahrt, und besonders des Luftkrieges, vertraut zu machen. Das Buch von Reumann „In der Luft unbesiegt" ist für diesen Zweck unentbehrlich.
Rachdem sich im Weltkriege mit rasender Geschwindigkeit die Erkenntnis Bahn gebrochen hotte, daß der Kampf gegen die uns schwer schädigende feindliche Luftmacht nicht durch Abwehrgeschütze vo der Erde aus geführt werden konnte, sondern day wir den Flieger durch den Flieger bekämpfen mußten, entstand die Kampf- bzw. Iagd- fllegerei. Man ging daran, rasch steigende, kleine Flugzeuge zu schaffen (Iagdeinsiher), die von großer Wcndiglctt und Geschwindigkeit bei guter Bewaffnung (Maschinengewehr) die Möglichkeit boten, den Gegner durch Luftkampf zu vernichten. Rachdem nun das Werkzeug hergestellt war, galt es, dieses taktisch richtig auszunutzen. Hierbei besaß man jedoch keinerlei Erfahrung. Und so waren es zunächst nur einige wenige, besonders ausgezeichnete Flieger, denen man diese Kampfflugzeuge anvertraute und die nun damit noch eigenem Ermessen den Luftraum durchkreuzten, den Gegner aufsuchten und vernichteten und somit in freier Jagd den Kampf in der Luft selbst aus- führten. Daher entstand der Rame Iagdfliegerei. Do der Gegner jedoch dasselbe Mittel anwandte und infolge seiner zahlenmäßigen Überlegenheit sehr bald die Luftherrschaft an sich riß, mußten auch wir daran gehen, die Iagdfliegerei in größerem Maße auszubauen. Die Erfahrungen unserer kühnen Helden Immelmann, Bölcke und anderer boten nunmehr eine taktische Grundlage. Man ging dazu über, die Iagdketten (drei Flugzeuge), Iagdschwärme (sechs Flugzeuge) und schließlich Jagdstaffeln (zwölf Flugzeuge) zu bilden. 3m Juli 1917 wurde versuchsweise das erfte
Jagdgeschwader zusammengestellt, welches aus vier Jagdstaffeln bestand. Hierbei waren zweierlei Gründe maßgebend. Erstens hatte es sich gezeigt, daß der Engländer in seinen Luftschlachten in Flandern oft gleichzeitig mit über 50 Flugzeugen erschien und wir dieser Masse keinen einheitlich geleiteten Kampfverband von ausreichender Stärke entgegensetzen konnten. Zweitens war in der Person des Rittmeisters Freiherrn v. R i ch t h o f e n ein Jagdflieger entstanden, dessen höhere Führerbegabung in größe- rem Umfang., als es bei einer Jagdstaffel möglich war, ausgenüht werden muhte. Es folgten diesem Jagdgeschwader später noch einige andere. Der -3toed dieser Jagdgeschwader war, sie an Brennpunkten der Hauptkampffronten einzusehen, um Dort die feindliche Luftüberlegenheit zu brechen. Dre Taktik dieser Jagdgeschwader war eine außerordentlich schwierige. Galt es doch, rund 50 bis 60 Flugzeuge nach einheitlichem System und klaren Richtlinien in den Kampf zu bringen. Es blieb jedoch die Ausnahme, daß das gesamte Geschwader geschlossen eingesetzt wurde. Im allgemeinen erfolgte durch den Kommandeur der ftaffcltoeife Einsatz. Im allgemeinen war also die Taktik der Jagdgeschwader folgende:
-.J^Pf Grund der einlaufenden Meldungen mußte sich der Kommandeur darüber klar werden, welche Streitkräfte er einzufehen hatte, um den Luftraum zu beherrschen. Dies geschah meist derart, daß eine Staffel nach der anderen eingesetzt wurde und somit immer eine gewisse Streitmacht über der sront kreuzte. Selbstverständlich ist dies nicht so aufzufassen, als ob es sich lediglich um Sperrefliegen handelte. Dieses Sperrefliegen hatte sehr bald den Kampfgeist der Staffeln ab- genutzt und abgestumpft. Aus diesem Grunde beschrankte sich der Einsatz lediglich auf zeit- toeife erhöhte feindliche Fliegertätigkeit, im Vorstoßen eigener Crkundungsflieger und der Deglei- tu.ng eigener Erdangriffe. Rur in besonders Ml'gen Fallen wurde das Jagdgeschwader geschlossen in den Kampf geführt. Die Taktik war im allgemeinen so, daß sich jede Staffel für sich sammelte und in sich geschlossen blieb. Diese geschlossenen Staffeln gruppierten sich dann- um den am tiefsten und allen vorausfliegenden Kommandeur derart, daß eine Staffel ihm im unmittelbar folgte, während die zweite nlttnfbtÄ Hn-fß °ben etwas zurück gestaffelt wurde und. die vierte Staffel über den drei anderen als Hauptreserve und Rücken- ^dung anzusehen war. Der Angriff eines solchen Geschwaders mußte mit ungeheurer Wucht und Stoßkraft geführt werden. Der Kommandeur suchte das Angriffsobjekt aus und gab dann das
Signal zum Kampf. Während bisher im Fluge das Geschwader selbst eine dicht geschlossene Masse bildete, galt es, den Angriff rechtzeitig zu entwickeln, die Abstände zu vergrößern, um für den Einzelkampf beweglicher zu sein. Es war dann etwa so, daß die mittlere Staffel in den Kern des gegnerischen Geschwaders stieß und dieses auseinanderzusprengen versuchte, während gleichzeitig die beiden Flügelstaffeln den Gegner zu umfassen und aüzuschneiden suchten und die Reservestaffel diesen Kampf gegen weitere feindliche Angriffe von oben deckte bzw. auf abgesplitterte oder aus dem allgemeinen Kampffeld herausgetretene Einzelgegner stürzte, um diese zu vernichten. War der Kampf beendet, so sammelten die Staffelführer, indem sie über einen bestimmten Platz kurvten, um die in dem Kampf selbst auseinandergekommene Staffel wieder zu einer festen Formation zufammenzufchliehen. Diese führten sie dann dem Geschwader-Kommandeur in derselben Gliederung wie vorher zu, so daß das Geschwader für einen neuen Kampf bereinigt war.
Außer diesen Luftkämpfen hatten die Geschwader noch eine zweite Aufgabe zu lösen. War es ihnen gelungen, die Luftherrschaft zu erringen, und der Gegner selbst aus dem Luftraum weggefegt, so blieb es für den Kommandeur eine dankenswerte Aufgabe, mit feinem Geschwader in den Erdkampf einzugreifen. Dies geschah derart, daß auf fein Signal die vier Staffeln in breiter Front aufmarfdjierten und im Sturz- fluge auf das Erdziel losgingen: auf marschierende Kolonnen, auffahrende Artillerie, rückwärtige Batteriestellungen und vor allem auf die der Infanterie so gefährlichen Tanks.
Ich will mich befchränken, m diesem kurzen Umrih über die Taktik der Jagdgeschwader nur baä zu erwähnen, was in dem vergangenen Weltkrieg tatsächlich ausgeführt worden ist, und an dieser Stelle nicht darauf eingehen, wie auf Grund der gemachten Erfahrungen die Taktik der Jagdgeschwader noch weiter ausgebaut worden wäre. Aber wir wissen alle, daß wir bezüglich der Tätigkeit der Luftwaffe noch ungeahnte Möglichkeiten vor uns hatten und daß das vorhin Gesagte lediglich die erste Anwen- dung und die Grundbasis der Zusammensetzung und Taktik der Jagdgeschwader bildete. Jetzt da wir durch den Schandvertrag von Versailles vorläufig über keine Luftmacht verfügen, erscheint es auch müßig, sich mit den erweiterten taktischen Problemen dieser Waffe zu befassen. Dies wird die grandiose Aufgabe der Führer fein, die in dem zukünftigen gewaltigen Ringen, dem Entscheidungskampf um Deutschlands Freiheit, be- I rufen sind, unsere Kampfgeschwader zu denselben |
Siegen und den gleichen Erfolgen zu führen, wie es ein Richthofen verstanden hat, das erste deutsche Jagdgeschwader zum Schrecken seiner Feinde zu machen.
Viel Lärm um Nichts.
St. Bürokratius wird augenscheinlich nirgends so verehrt wie in Frankreich. Das zeigt wieder einmal eine Geschichte, die Pariser Blätter erzählen- Eine Frau C., die Witwe eines im Südosten Frankreichs verstorbenen Herrn, der ein Konto bei einer Post-Eparbank hatte, wurde durch ein offizielles Schreiben dahin unterrichtet, daß eine Summe von 0,03 Francs, also von '/, Pfennig, sich noch auf dem Konto befinde. Das denkwürdige Schriftstück lautet: »3ch habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß nach dem Tode des Herrn Louis C. sein Konto aufgelöst wird und von diesem die Summe von 0,03 3red. den Erben ausgezahlt werden muh. Diese Zahlung erfolgt nach Einreichung einer gestempelten Vollmacht, die direkt an die Bank gesandi werden muh. Diese Vollmacht kann auf dem Rathaus in Empfang genommen werden, nachdem allen Formalitäten genügt ist. Das Dokument muh die Schluh- Summe der Dankrechnung, die Rümmer des Kontos und die Ramen der Erben enthalten. Rach Empfang erfolgt die sofortige Auszahlung durch Scheck. R S. Wenn diese Vollmacht nicht eingereicht wird, dann wird die Summe nach Ablauf von 10 Jahren Eigentum des Staatsschatzes."
Oie Wunderuhr auf -em Eiffelturm.
Der Eiffelturm hat jetzt eine neue Sehenswürdigkeit erhalten, nämlich eine Uhr, die manche Besonderheiten besitzt. So soll sie die Größte der Welt sein, denn die Zifferblätter der berühmten Uhr von Chicago haben nur einen Durchmesser von 14", m, während der Durchmesser derjenigen der Eiffelturm- Uhr über 20 m beträgt. Das eine Zifferblatt liegt auf der Seite des Turms, die nach dem Trocadero gerichtet ist, während das andere nach der Place de la Concorde hinüberblickt; sie befinden fich zwischen der zweiten und der dritten Tlatt- form und liegen an ihrem tiefsten Punkt 269 m übet dem Erdboden. Die Zifferblätter, die eine starke Leuchtkraft haben, sind nur im Dunkeln sichtbar; fie besitzen keine Zeiger, sondern ein Kreis von Lampen zeigt die Stunden und Minuten an, und zwar flammt immer eine Reihe Lampen für jede Stunde unö eine andere für jede Minute in grünem und rotem Licht auf. Diese Lichter sind bei gutem Wet- ter vom Montmartre aus, etwa 5 km entfernt, zu sehen.


