Ausgabe 
27.5.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Unter Zustimmung zu diesen Grundzügen der Verfassung der deutschen evangelischen Kirche bezeugen die in ihr vereinigten Christen von dem Gemeinsamen, das sie auf Grund des Wortes Gottes und der reformierten Bekenntnisse verbindet:

Unser ganzes Vertrauen sehen wir auf den allmächtigen Gott, unseren Vater im Himmel. 2hm und seinem Gebot sind wir jeden Augen­blick und überall verantwortlich. Wir bekennen, dah wir vor Gott mit unserer bösen und ver­kehrten Art verloren sind. In fester Zuversicht blicken wir aber auf unseren Herrn Iesus Christus den Sohn Gottes, der für uns auf Erden ge­kämpft und gelitten bat, gestorben und aufer­standen ist. In ihm haben wir Vergebung und Freiheit, Leben und Seligkeit. Gottes heiliger Geist ist der Geist der Wahrheit und der Kraft- Er verpflichtet uns als Glieder der Kirche Iesu Christi in Wort und Wandel aller Orten Be­kenner und Streiter unseres Heilands zu sein, vor allem in Familie und Beruf, in Volk und Vaterland. Unter den Sorgen und Nöten des irdischen Lebens warten wir in Vertrauen und Verantwortung. Christus kommt wieder und bringt eine ewige Vollendung im Reiche seiner Herrlichkeit!"

Die Krage des Reichsbischofs. Die GlaubensbewegungDeutsche Christen" hält an Wehrkreispfarrer Müller fest.

Berlin, 2b. Oltci (ERB.) Die Rei:')sleitung der Glaubensbewegung Deutsche Christen teilt mit:Die Kirchenführer sämtlicher deutschen evangelischen Kirchen waren heute nachmittag versammelt und hörten einen Vortrag des Schirmherrn der Deutschen C h r i st e n Wehrkreispforrer Müller, welcher mit ganzem Ernst zu der Frage des Reichsbischoss Stellung nahm. Der Eindruck dessen, daß wir nicht eine Kirchenpartei im alten Sinn, sondern die kirchenerneuernde Bewegung sind, wird, so hoffen wir, sich auch in jenem Kreis von Kirchenmännern gefestigt haben. Un­sere Linie liegt unverrückbar fest. Für uns gibt es nur eine Lösung: Wehrkreis- Pfarrer Müller wird Reichsbischos. Die Verantwortung für das, was kommt, fällt von jetzt ab auf den Kreis jener Männer. Ent­weder sie gehen mit uns, die wir bereit sind zu jeder Mitarbeit, und finden so die für den weit überwiegenden Teil des Kirchenvolks einzig tragbare Lösung, oder dieses Kirchenvolk steht, wie es die Stunde von ihm verlangt, be­reit zu einem unerbittlichen Kampf."

Am Samstag, dem 27. Mai, von 21.45 bis 22 Uhr wird Wehrkreispfarrer Müller im Deutschen Sender zu der Frage des Reichs­bischoss Stellung nehmen.

Ein Aufruf der Zungresormaiorischen Bewegung.

Berlin, 26.Mai. (TU.) Zu der Nominie­rung Friedrich v. Bodelschwinghs als Kandidaten für den Reichsbischof nimmt die Jung- re f o r m a t o r i f ch e Bewegung in einem Aufruf Stellung, in dem es heißt: Ein tausendfäl­tiges Echo aus allen Teilen des Reiches bekundet, daß die Nennung dieses Namens weithin be- freiend gewirkt hat und dah mit diesem Mann der wahre Volksbischof gefunden ist. Für die Jungreformatorische Bewegung ist es selbstverständ­lich, daß sie sich hinterdiesenBeschlußder Kirchcnleitung stellt, denn wir erwarten, daß die Führung der Kirche durch Bodelschwingh eine große rind tiefgehende Einheit schafft.

Die heute in Bad Blankenburg (Thüringen) ver­sammelten theologischen Berufsarbeiter der I n n e- r e n Mission Deutschlands haben sich hinter den zum Reichsbischof ausersehenen Dr. Friedrich von Bodelschwingh gestellt.

Roosevelt will Frankreich unter Druck nehmen.

Amerika droht sich ganz zurückzuziehen.

Washington, 27. Mai. (havas.) Gestern Abend hat sich Präsident Roosevelt direkt mit Sir John Simon in telefonische Verbindung gesetzt und, über die aus Genf kommen- den Nachrichten immer stärker beun- ruhigt, den englischen Außenminister daran er­innert, dah im Falle des Scheiterns der Abrüstungskonferenz die vereinigten Staa­ten sich an sämtlichen Angelegenhei- ten kontinental-europäischer Art voll­ständig desinteressieren, den Ereignis­sen ihren Lauf lassen würden und höch­stens eingreifen würden, um gegebenenfalls ihre besonderen Interessen zu schützen. Präsident Roosevelt habe ferner darauf hingewiesen, dah eine von der englischen Regierung abgegebene gleich­lautende Erklärung wie die Roosevelts einen sehr starken Druck darstellen würde, der zur Förderung der Genfer Verhandlungen beitra­gen könnte. AuchJournal" spricht von diesem Schritt Roosevelts, den er ein außergewöhnliches Ereignis nennt. Der persönliche Schritt Roosevelts bei Sir John Simon bezwecke nichts weniger, als zu versuchen, eine Einheitsfront Eng- londund Amerika zu schaffen, um einen Druck auf Frankreich auszuüben.

Kleine politische Nachrichten.

Bon den Schlageterfeiern wird nur die Weihe­ft u n d e am Grabe Schlageters in Schönau vorn Rundfunk übertragen werden. Die Feier, dieinderNachtvom27. zum28. Mai um 24 Uhr stattfindet, wird vorn Stuttgarter Sen­der auf alle deutsche Sender übernommen Es werden voraussichtlich der preußische Kultus- Minister R u st und der badische Minister Dr. Wacker Ansprachen halten.

*

Reichspropagandaminister Dr. Goebbels wird Samstag, 21.31 Uhr, mit seiner Gattin vorn An­halter Bahnhof nadj 91 o m abreifen. In der Begleitung des Ministers befinden sich sein persön­licher Referent Hanke, sein Adjutant Prinz S ch a u rn b u r g - L i p p e und Dr. Ley.

Der österreichische Ministerrat hat mit Rücksicht auf die staatsgefährliche und illegale Tätigkeit der Kommunistischen Partei das Verbot die­ser Partei in Oesterreich ausgesprochen.

Dem Gedächtnis Schlageters.

Eine Gedächtnisausstellung in Düsseldorf.

Düsseldorf, 26. Mai. (TU.) Die großen Schla- geter-Gedächtnisfeiern wurden am Freitag mittag mit der feierlichen Eröffnung der Schlageter- Gedöchtnisausstellung im Stadtgeschicht­lichen Museum eingeleitet. Nach einem Vorspruch sprach als Erster Oberbürgermeister Dr. Wagen- führ, der die Heldengestalt Schlageters als ein Mahnzeichen zu deutscher Einigkeit eingehend wür­digte. Freikorpsführer H a u e n ft e i n, in dessen Reihen Schlageter kämpfte, gab der Erwartung Ausdruck, daß die Ausstellung auf ihrer Wander­fahrt durch die deutschen Lande zu einem eindrucks­vollen Akt der deutschen Nachkriegszeit werden möge. Kreisleiter Keyßner erklärte dann die Aus­stellung mit dem RufeDeutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen" für eröffnet. Die Aus­stellung zeigt die verschiedenen Etappen der Frei­heitskämpfe der Nachkriegszeit. Immer wieder wird die Wirksamkeit Schlageters und seine echtdeutsche Gesinnung überzeugend dargestellt. Hier steht der Besucher vor dem Schandurteil, das über Schlageter gefällt wurde, dort sieht er das Kurzisix, das ihn auf feinem letzten Wege begleitete, das Eichenkreuz von der Richtstätte, ferner unter der Kriegsflagge der Sarg Schlageters, umgeben von dunklem Grün. Man sieht endlich eine Reihe kleiner persönlicher Dinge, die au teueren Heiligtümern aus jener Zeit geworden sind. Eine Zigarettenschachtel, die Schla­geter in der Gefängniszelle als Kalender benutzte, mehrere Briefe, u. a. der letzte an feine Eltern.

Ehrungen inder Reichshauptstadt

Berlin, 26. Mai. (CNB.) Am heutigen Todes­tage Albert Leo Schlageters zeigten die Straßen Berlins reichen Flaggenschmuck. Am Ehrenmal Unter den L i nd en zog die Wache auf. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden und wartete auf den feierlichen Augenblick, wo die Ka­pelle das LiedIch halt' einen Kamera- d e n" spielte, während die Kompanie das Gewehr präsentierte. Kurz zuvor war eine Abordnung des Reichsverbandes der Rheinlän­der erschienen und hatte einen großen Kranz am Ehrenmal zum Andenken an den gefallenen Frei­heitskämpfer niedergelegt.

Der Berliner TV. (Kartellverband der far­bentragenden katholischen deutschen Studentenver­bindungen) beging die Gedächtnisfeier für seinen Kartellbruder Albert Leo Schlageter, der in Frei­burg beiFalkenstein" aktiv gewesen ist und dem

CV. bis zu seinem Tode angehörte, mit einem feierlichen Gedenkgottesdienst in der St. - Hedwigs-Kathedrale. Das feier­liche Reguiem zelebrierte Kartellbruder Domkapi­tular Msgr. B a n a s ch unter Assistenz der Kar­tellbrüder Pater Siebert und Domvikar T k o t s ch. Rach dem Requiem formierte sich der Teilnehmerzug und zog über den Franz-Iosephs- Plah zum Reichsehrenmal, wo der Se­nior der präsidierenden VerbindungHansea" einen Lorbeerkranz mit Schleifen in den nationalen Farben schwarzweihrot und Hakenkreuz, umschlun­gen von dem weihgrünorangeweißen Burschenband der VerbindungFalkenstein"-Freiburg nieder- legte.

Arn Freitag abend fand in der Wilhelmsaue in Wilmersdorf die Enthüllung eines Schlageter- gedenkfteins statt. Es beteiligten sich sämtliche 17 Ortsgruppen des Kreises II der NSDAP., Gau Groß-Berlin, die Standarte 7, der Sturmbann 17, die Fliegerstaffel, ferner Abordnungen des Vereins für das Deutschtum im Auslande, der Schutzpolizei und der Technischen Nothilfe.

Unter den Klängen des LiedesIch halt' einen Kameraden" fiel die Hülle. Dann marschierten die Verbände zum Adolf-Hitler-Platz, um dort Reichs- minifter Dr. Goebbels als ehemaligen Rhein- und Ruhrkämpfer zu ehren. Am Fenster feiner Wohnung begrüßte der Minister den endlosen Fackelzug.

Ein Schlageter - Heim aus Trümmern der gesprengten Brücke.

In der Rähe der kleinen Eisenbahnbrücke über den Haarbach in der Gemeinde Groß- Wittlaer bei Kalkam, die während der Desahungs- zeit im März 1923 gesprengt wurde, die Sprengung war der unmittelbare Anlaß der Er­schießung Leo Schlageters, soll nun einSchla - geter - Heim erstehen. Der Plan hierzu ging von dem Förster Kurz aus, der seinerzeit die Trümmer der gesprengten Drücke sammelte und verborgen hielt. Diese Trümmer sollen zu der Errichtung des Ehrenheimes ver­wendet werden. Außerdem ließ Kurz aus Schla­geters Heimat in Schönau im Schwarzwald von dessen Bruder, der dort ebenfalls Förster ist, junge Fichten und Tannen kommen, die den Grundstock zum Schlageter-Heim bilden sollen. Das Heim ist in seinen rohen Tlmrissen bereits fertiggestellt. Die feierliche Einweihung soll voraussichtlich am 26. Mai 1934, dem 11. Todestag Schlageters, statt­finden.

Aus aller Well.

Neugliederung der deutschen Heilmittelindustrie.

Unter Mitwirkung des Kommissars im Reichs­ministerium des Innern für Berufs- und Der- bandsfragen im Heil- und Heilmittelwesen, Dr. Hörmann, ist der Rationalverband der Deutschen Heilmittelindustrie er­richtet worden. Der nach dem Führerprinzip auf­gebaute geschäftssührende Vorstand besteht aus den Herren Gregor Strasser (Schering-Kahl­baum AG.), Dr. Werner H e y l (Heyl & Co AG.), Hermann Zech (C. Tosse & Co.). Der neue Ver­band umfaßt alle Gruppen der deutschen Heil­mittelindustrie.

Drei lote, fünf Schwerverletzte wegen eines verbotenen Stierkampfes.

Wie das spanische Innenministerium mitteilt, ist es in dem Dorfe Zarga de Granadilla (Pro­vinz Caceres) zu blutigen Zusammen­stößen gekommen. Die Bevölkerung hatte trotz des Verbotes der Regierung versucht, auf einem öffentlichen Platz einen Stierkampf zu ver­anstalten. Als die Polizei den Platz säubern wollte, fielen plötzlich aus der Menge heraus Schüsse, durch die ein Polizist schwer verletzt wurde. Darauf feuerte die Polizei in die Menge, und es wurden drei Personen getötet und vier verletzt.

horatio Vottomley gestorben.

Der berüchtigte englische Journalist und Finanz- swwindler Horatio Vottomley ist in London im Alter von 73 Jahren g e st o r b e n. Vottomley, der auch einmal von 1906 bis 1912 Abgeordneter des Unterhauses war, ist durch seine erpresserischen jour­nalistischen Erzeugnisse und durch üble Finanzkunst­stückchen, die er besonders in Ausnutzung der Nach- kriegspsychose unternahm, bekannt geworden. Er wurde im Jahre 1922 zu sieben Jahren Zwangs­arbeit verurteilt.

100 Jahre Petrischule zu Leipzig.

Wie wir erfahren, feiert das älteste sächsische Real­gymnasium, die Petrischule zu Leipzig, im Mai 1934 ihr lOOjähriges Bestehen. Alle alten Pe- triner werden hiermit aufgefordert, ihre jetzigen An­schriften an die Petrischule zu Leipzig zu richten und gegebenenfalls bekannte Anschriften anderer ehemaliger Petriner sowie Meldungen über Ver­storbene oder Gefallene an die gleiche Stelle weiter­zuleiten.

Feierliche Papftmesse In der Lateran-Basilika.

Am Vormittag des Himmelfahrtstages fand in der Basilika St. Johann im Lateran in Anwesen­heit des Papstes ein feierliches Pontifikalamt mit der Capella Papale statt. Auf dem großen Platz vor der Basilika hatten sich Tausende versammelt, die im Innern der Kirche keinen Raum mehr fan­den. Im Freien wurden zwei Messen gelesen. Der Papst erteilte an die Massen den Segen. Nach etwa einer Stunde kehrte der Papst nach dem Vatikan zurück, den er zum vierten Male seit dem Abschluß des Lateranvertrages verlassen hatte.

Unlergrundbohnunglück in USA. 1 Toter, 29 verletzte.

3n der Stadt Brooklyn ereignete sich ein schweres Tlntergrundbahnunglück. Ein llntergrundbahnexpreh überfuhr die Halte­signale und fuhr auf einen die Station Brooklyn- Museum gerade verlassenden Antergrundbahn- zug auf. Dabei wurde der Führer des Expreß- zuges getötet und vier Reisende schwer und 25 leicht verletzt. Ein Hilfswagen mit Polizei und Feuerwehr begab sich sofort zu der Tin- glücksstelle und barg die Verletzten, die zum Teil aus den Trümmern der Wagen herausgesägt I werden mußten.

Fritz Roller aus Liechtenstein geflohen.

Fritz Rotter, der Tieberlebende der beiden Brüder, die bei der Flucht verunglückt sind, ist,

wie von gutunterrichteter Seite mitgeteilt wird, aus Vaduz (Liechtenstein) geflohen. Er lag noch im Krankenhaus wegen seiner Fußverletzung und hat anscheinend davon Kenntnis erhalten, dah das Verfahren in Deutschland abgeschlossen sei und nun Liechtenstein gegen ihn ein Ver­fahren einleiten werde auf Grund des Vertrages mit Deutschland. Seine Auslieferung an die deut­schen!) Behörden befürchtend, ist er wahrscheinlich nach Frankreich oder der Schweiz entflohen. Er besah die Staatsangehörigkeit Liechtensteins und genoh dort Asylrecht.

Italienisches Flugzeug verunglückt. Zwei Tote.

Ein auf der Strecke BarcelonaGenuar verkeh­rendes italienisches Wasserflugzeug wurde bei Ma- rignane mit drei Mann Besatzung und drei Passa­gieren im Augenblick des Starts von einer scharfen See erfaßt und umgeworfen. Der sinkende Ap­parat konnte von einer italienischen Barkasse ins Schlepptau genommen werden. Der Bordfunker er­lag einem Herzschlag, und ein amerikanischer Passagier ertrank. Die Piloten und ein Passagier wurden leicht verletzt, ein weiterer Passagier er­litt einen Schädelbruch. Die Leiche des Ameri­kaners konnte später geborgen werden.

Sprengstoffanschlag auf wichtige Telegraphenkabel in Steiermark.

In einer der letzten Rächte ist in der Rähe von Bruck in Steiermark auf einer in der Rähe der Stadt gelegenen Mur-Insel ein Spreng­st o f f a n s ch l a g auf die staatlichen Telegraphen» und Telephonkabel verübt worden. Es handelt sich um das Fernkabel von Wien über Klagen­furt nach Italien, dann ein zweites Fernkabel von Bruck nach Linz an der Donau und ein Lokalkabel von Bruck nach Leoben. Der tief in die Erde versenkte gemauerte Kabelschacht ist anscheinend mit D Y n a m i t in die Luft gesprengt worden. Die zwei inländischen Kabelleitungen sind vollständig zerstört. Das für den Verkehr nach Italien dienende Kabel ist bis auf einige Adern ebenfalls ' auseinandergerissen worden. Die Ausbesserungsarbeiten sind im Gange, so dah der Verkehr nach kurzer Tlnterbrechung wieder in voller Stärke wird durchgeführt werden können. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Fast 225 000 Selbstmorde in 14 Jahren.

In feiner großen Rede vor dem Reichstag hat Reichskanzler Hitler mit Recht darauf hingewie­sen, daß die von ihm genannte Ziffer von 224 900 Selb st morden in noch nicht 14 Jahren eine furchtbare Anklage gegen den Ungeist des Versailler Friedensdiktats darstelle. Es ist interessant, im Zu- iammenhang mit den Ausführungen des Kanzlers Die Bewegung der Selbstmordstatiftik feit 1919 zu verfolgen. Es zeigt sich, daß die Selbst- mordziffern vor allem in den Jahren der Wirtschafts­krise ständig zugenommen haben. Geradezu bedenk­lich stimmen die Zunahmen seit dem 1. Januar 1931, also seit jener Zeit, da Arbeitslosigkeit und soziales Elend in Deutschland einen Rekord aufzuweisen hatten. Von 1920 bis 1923 lag die Selbstmordziffer um 13 000 (pro Jahr). Sie stieg 1924 auf 14 330, 1925 auf 15 273, 1926 auf 16 480, um dann einen leichten Rückgang im Jahre 1927 auf 15 974 zu er­fahren, vom Jahre 1928 aber sprungartig bis auf 17 880 im Jahre 1930 zu steigen. Zieht man nun die Summe der amtlichen Ziffern bis zum Jahre 1930 von der Gesamtzahl der 224 900 Selbstmordfälle ab, so bleibt für die Zeit von Januar 1931 bis Mai 1933 eine Selbstmordziffer von 53 745. Das heißt also, daß wir im Jahresdurchschnitt dieser 2% Jahre mehr als 21 000 Selbstmorde in Deutschland zu ver­zeichnen hatten. Gegenüber dem letzten Kriegsjahr 1918 bedeutet diese Durchschnittsziffer mehr als eine Verdoppelung der Selbstmorde. Prozentual berechnet ergibt sich aus den Schätzungen eines Berliner Blat­tes gegenüber der Vorkriegszeit, daß heute in Deutschland auf 100 000 Einwohner mehr als 31

Selbstmorde fallen gegen 24 vor 1914. Nicht uner­wähnt soll bleiben, daß die Zahl der Selbstmorde weiblicher Personen seit 1923 ständig zugenommen und sich bis 1930 bereits verdoppelt hat. Ein erheb­licher Teil der Selbstmorde entfällt auf die Groß­städte, in denen Wirtschaftsnot und soziales Elend gerade in den letzten Jahren sich besonders bemerk­bar gemacht haben.

Die deutschen Lebensmittelchemiker unter national- sozialistischer Führung.

Auf der am 24. Mai in Eisenach tagenden Versammlung des Vereins deutscher Lebensmittelchemiker wurde folgende Resolution gefaßt:Der amtlichen Lebens­mittelkontrolle ist mit dem Tlebergang der Regie- rungsgewalt in die Hände des Volkskanzlers eine besonders verantwortliche Aufgabe zuge­fallen. Adolf Hitlers Sorge um Arbeit und Brot legt den Lebensmittelchemikern Pflichten auf, die eine restlose Hingabe an den Beruf erfordern. Sie tragen einen großen Teil der Verantwortung dafür, daß die Lebensmittel, auch wo sie vorüber­gehend nur knapp zur Verfügung gestellt werden können, wenigstens in einwandfreier, vollwertiger Beschaffenheit und preiswert zur Verteilung kommen. Die beamteten Chemiker werden die Lebensmittelkontrolle so handhaben, dah dem Aermsten sein Recht wird und daß daneben auch die wirtschaftlichen Belange der Erzeuger einen gerechten Ausgleich finden Diese Aufgabe im Rahmen des Volksganzen kann aber nur dann ihre Erfüllung finden, wenn die Organisation der Lebensmittelkontrolle auf eine einheitliche Grundlage gestellt wird. Bisher ist sie noch unvollkommen, ein Abbild der politischen Zer­rissenheit unserer Vergangenheit. Eine einheit­liche, lediglich auf das Wohl der Bevölkerung gerichtete Durchführung der Lebensmittelüber­wachung in die Wege zu leiten, ist eine große und dankbare Aufgabe der nationalsozialistischen Führung des Vereins deutscher Lebensmittel­chemiker. Heil Hitler!"

4% Millionen Auslage desArbeitertums".

Die ZeitschriftA r b e i t e r t u m, Blätter für Theorie und Praxis der Rationalsozialistischen Detriebszellen-Organisation und amtliches Organ der Deutschen Arbeitsfront, erscheint jetzt in einer Auflage von4,5 Millionen Exemplaren und hat damit die höchste Auflageziffer aller Zeit­schriften der Erde. Das soeben herausgekommene erste Iuniheft bringt Aufsätze der Reichstagsab­geordneten S t ö h r über den Aufbau der neuen Arbeitsfront, des Leiters des Presseamtes der Arbeitsfront, Hans B i a l l a s , über das neue Staatsbürgerrecht, von Gerhard Starke über Adolk Hitler als den Schirmherm der Arbeiter und Bauern und von -Ernst Pfister über die weltgeschichtliche Bedeutung des nationalsozialisti­schen Freiheitskämpfer

Das Gesamtwerk

der evangelisch-kirchlichen Frauenarbeit.

Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kir- chenausschusses D. Dr. Kapler hat die Vorsit­zende der Vereinigung Evangelischer Frauenver- bände Deutschlands, Frau D. v o n T i l i n g, als Bevollmächtigte des in dieser Bereinigung ein­heitlich zusammengefaßten Gesamtwerkes evangelisch-kirchlicher Frauenar­beit ernannt und dieses Gesamtwerk evan­gelisch-kirchlicher Frauenarbeit der Kirche verantwortlich zu geordnet. Das Ge­samtwert wie die Arbeitsaufgaben der einzelnen Verbände sollen in enger Verbindung einerseits mit dem deutschen evangelischen Kirchenbundesamt andererseits mit der Leitung der einzelnen evan­gelischen Landeskirchen durchgeführt werden. Die Selbständigkeit der einzelnen Ver­bände im Bezug auf ihre Organisation und Arbeit bleibt erhalten. Durch diese Er­klärung wird ausdrücklich bestätigt, dah die sämt­lichen in der Vereinigung Evangelischer Frauen- verbände Deutschlands zusammengeschlossenen Vereine ihre Arbeit als Glied und im Menst der Kirche und in voller Verantwortung ihr gegenüber ausführen.

Heinrich Sklarz erneut wegen Betruges angeklagt.

Der Kaufmann Heinrich Sklarz, der zur Zeit eine Gefängnisstrafe von einem Iahr sechs Monaten wegen Betruges im Zellengefängnis Berlin verbüht, ist jetzt wiederum von der Staats­anwaltschaft angeklagt worden. Ihm wird Be­trug in drei Fällen zur Last gelegt. In einem Falle hat Sklarz einen Berliner Fabrikan­ten zum Verkauf einer Thermosflafchenfabrik ver­anlaßt, die Kaufsumme nicht bezahlt und die Vorräte der Fabrik geplündert. Zur gleichen Zeit verstand es Sklarz, das Vertrauen eines Me­chanikers zu gewinnen unb diesen um seine ge­samten Ersparnisse im Betrage von nahezu 12 000 Mark zu bringen. Schließlich hat Sklarz einem Kleinrentner zur Tlebergabe von Wertpapieren im Betrage von etwa 1000 Mk. bewogen und ihn um den größten Teil der Summe gebracht.

Marga von Etzdorf zu einem Australienflug gestartet.

Die bekannte deutsche Ostasienfliegerin Marga von Etzdorf ist vorn Flugplatz Staaken bei Ber­lin Samstag früh 3.15 Uhr zu einem neuen F e r n - flug nach Australien gestartet. Marga von Etzdorf fliegt eine Klemm-Maschine mit Argus- rnotor. Die Fliegerin wird sich voraussichtlich län­gere Zeit in Siam aufhalten, da ihre Route für Australien noch nicht genau festliegt.

DDI.-Tagung in Friedrichshafen.

Die 21. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure nahm in Fried­richshafen ihren Anfang. Etwa 1300 deutsche Ingenieure aller Fachrichtungen und zahlreiche Gäste aus Oesterreich, der Schweiz, Dänemark, Holland, England, Rußland usw. nahmen an der Hauptversammlung teil. Mit dem Luftschiff Graf Zeppelin" unternahmen unter Führung von Kapitän Lehmann etwa 35 Tagungsteilnehmer eine dreistündige Schweizfahrt. Anschließend star­tete das Luftschiff zu einer zweiten Fahrt in die Schweiz mit ebensoviel Fahrgästen. In der Er­öffnungssitzung des Vorstandes wurde der neue Vorstand gebildet, der sich wie folgt zusammen­setzt: 1. Vorsitzender Dr. Schult, Berlin, stell­vertretender Vorsitzender Diplomingen. Reuter, Mannheim, Kurator Prof. Dr. R ä g e I, Dres­den, Beisitzer Direktor F ihn er, Breslau, Prof. B i e r h a l s, Essen, Dr. T i e f k a l k. Höchst, Re­gierungsbaumeister Kloth, Köln, Dr. Lange, Berlin, Staatssekretär Ohnesorge, Prof. Pe­tersen, Berlin, Dr. R o s d e ck, Düsseldorf, Prof. Garbotz, Berlin.

Türkische Fähre gefenferf. 33 Tote.

3n der großen Handelsstadt und Karawanenstation Tokat im Vilajet Sivas ist eine Fähre, auf der sich 59 Passagiere befanden, mitten auf dem Kilkit-Fluß gekentert. 33 Fahrgäste sind ertrunken, zahlreiche Personen werden vermiß.