Ausgabe 
27.5.1933 Erstes Blatt
 
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Aus der provinziashauvtstaDt

Oer Besuch des Heichsstatihaliers in Gießen.

Bei seinem morgigen Besuch in Gießen wird der Herr Reichsstatthaller und Gauleiter Sprenger nach der Begrüßungsfeier aus dem Landgraf-Phi» lipp-Plah durch folgende Straßen wetterfahren: Landgrafenstraße. Hitler-Wall, WalUorslrahe, Lin­denplatz, Kirchplatz, Schulstraße, Reuen Baue, Hin- denbura Wall Goethestraße, Ludwigstraße und Kai-

Der Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger schreitet in Michelstadt t. O. die Front ab.

ser-Allee in Richtung Grünberg. Während der Fahrt durch die Straßen werden die Schulkinder Spalier bilden.

Wie uns von Herrn Kreispropagandaleiter Hop- Je nm ülier mitgeteilt wird, wird nicht er, wie nfolge eines Mißverständnisses heute früh berichtet wurde, die Begrüßungsansprache an den Herrn Reichsstatthalter halten, sondern der Kreis­leiter der NSDAP. Herr Dr. H a r t h wird sprechen. Die Ansprachen werden von einem Podium aus durch Lautsprecher auf den garuen Matz übertragen werden. Der Landgraf-Philipp-Platz wird zum Emp­fang des Herrn Reichsstatthalters festlich geschmust, sein.

Es sei noch einmal an die Bürgerschaft appel­liert, aus Anlaß des Besuches des Herrn Reichsstatt. Halters die Straßen der Stadt mit den Fahnen der nationalen Erhebung festlich zu schmücken. Die Stadtverwaltung fordert in unse­rem heutigen Anzeigenteil die Bürgerschaft ebenfalls auf, durch Flaggenschmuck ihrer Freude über den Besuch des Herrn Reichsstatthalters Ausdruck zu geben.

Grob und fein.

Die Her^enshöflichkeit, die nicht gesellschaftlichen Gewohnheiten, sondern einer Güte des Herzens entspringt, ist etwas Positives, dafür ist sie selten. Die andere Höflichkeit aber muß immer irgendwie gerechtfertigt werden. Wer nichts als höflich ist, wird vom gesunden Sinn ebenso ab- gelehnt wie der, der nichts als grob ist. Die Zivilkourage ist bekanntlich selten, aber sie findet sich oft bei Leuten von Herzenshöflichkeit. Ihr Widerspiel, den Drückeberger, hat der Geschichts­schreiber Heinrich v. Treitschke einmal in Derse gebracht:

Ich sag' nicht so und sag' nicht so. denn sagte so ich oder so, so könnte einer sagen:

Du hast so oder so gesagt:

und kriegte mich, Golt sei's geklagt, beim Kragen."

Als Aapoleon I. einst, wie üblich, wie ein Fuhr- knecht schimpfte und Talleyrand, seinen berühmten Diplomaten, anfuhr, sagte dieser sonst sehr diplo­matisch-höfliche Aristokrat:Sire, es ist schade,

Oie Gleichschaltung im Verkehrsverein.

Gestern abend versammelte sich der von der jüngsten Generalversammlung neugewählte Aus­schuß des Verkehrs- und Verschönerungs- Vereins Gießen im Gasthaus Hindenburg, um satzungsgernäh aus seiner Mitte den D o r st a n d des Vereins jju bestimmen und dabei der er­forderlichen Gleichschaltung gerecht zu wer­den.

Zu Besinn der Sitzung gedachte der Dereinsvor- sitzende, Apotheker Schwieder, mit herzlichen Worten der Ehrung und der Dankbarkeit des Frei- heitskämpsers Albert Leo Schlageter, zu des­sen Ehren sich die Versammlung von den Sitzen er­hob. Das leuchtende Beispiel dieses vorbildlichen deutschen Mannes in der selbstlosen Hingabe beim Dienst für die Gesamtheit der deutschen Nation wurde von Herrn Schwieder allen Volksgenossen als nachahmenswertes Beispiel vor Augen gestellt.

Sodann wurde mitgeteilt, daß die Leitung des Hapag-MER-Reisebüros im Torhaus am Seltersweg ab 1. Juni von dem bisherigen Inhaber Kaufmann Loeb auf Herrn Dr. Kreger, seit­her in Stuttgart, übergeht.

Weiterhin wurde festgelegt, daß wiederum eine Anzahl Ruhebänke aufgestellt werden sol­len, und zwar auf dem Rodberg, in der Alicestraße, auf dem neugeschafsenen Promenadenweg auf dem Trieb entlang der Grünberger Straße und an der Straßenbahn-Haltestelle Marburger Straße ' Ecke Wiesecker Weg, letztere Bank wird vom Städtischen Elektrizitätswerk ausgestellt, alle übrigen Bänke vom Vcrkehrsoerein

Fernerhin beschäftigte man sich kurz erneut mit der Frage der Straßenbahnfahrpreise, über die demnächst von der Stadtverwaltung im Zu­sammenwirken mit dem zuständigen Betriebsaus- schuß des Stadtrats entschieden werden wird.

Nach einer längeren Aussprache über Eisen­bahnfragen und Angelegenheiten der Wirt­schaftsbelebung kam die Versammlung zu der Neuordnung des Vereinsvorstandes im Sinne der Gleichschaltungsbestimmungen Der neue Vorstand wurde wie folgt zusammengesetzt: 1. Vorsitzender Bürgermeister Dr Hamm, 2 Vor­sitzender Oberforstmeister Nicolaus, Schriftführer und Rechner Verwaltungsoberinspektor Müller, Beisitzer: Stadtratsmitglied S o l d a n , Redakteur Dr Röder, Redakteur B l u m s ch e i n, Kaufmann H o r st, kommissarischer Vorsitzender der Handwerks­kammernebenstelle Gießen Kaufmann Schimmel, Direktor des Elektrizitätswerks Stolte, Kaffee­hausbesitzer Schwarz, Kaufmann F a l k e n st e i n, ferner je. ein Vertreter der Reichsbahn, der Reichs- post und des Polizeiamts. Die Berufung der neuen Vorstandsmitglieder erfolgte in völliger Ein­st i m m i g k e i t und gab dadurch ein eindrucksvolles Bild des geschlossenen Willens für die Fortführung einer gedeihlichen Verkehrswerbung zum Nutzen unserer Stadt.

Sodann wurde die Durchführung eines CB l u - menschmuck-Wettbewerbs einstimmig be­

schlossen. Anmeldungen zur CBctciligung an dem Wettbewerb sind an den Dorstand zu richten. Be­sonderes Gewicht wird vom Dorstand daraus ge­legt, daß auch der kleine Wann, der viel­leicht nur ein Fenster mit Blumen schmücken kann, sich an dem Wettbewerb beteiligen soll und dabei in voller Würdigung seiner Leistungen für die Verschönerung des Strahenbildes bei der Preisverteilung berücksichtigt werden wird: es braucht sich also niemand, der nur in kleinem Umfange Blumenschmuck anbringen kann, von dem Wettbewerb zurückzuhalten.

Lieber die Durchführung einer Werbever- anstaltung im Herb st soll in einer erneu­ten Sitzung eingehend beraten werden.

2lm Schlüsse der Sitzung sprach der neue Führer des Vereins, Bürgermeister Dr- Hamm, dem bisherigen Vorsitzenden Apotheker Schwieder unter lebhafter und einhelliger Zustimmung der Dersammluna herzlichsten Dank und wärmste An­erkennung aus für feine hingebungsvolle Arbeit im Dienste der Derkehrswerbung für unsere Stadt, der er in jähriger Mitgliedschaft im Derkehrs- nerein und in Sjäbrigcm Wirken als Vereins- Vorsitzender eine starke Stütze gewesen ist. Der neue Dereinsführer hob besonders hervor, daß Herr Schwieder sich allezeit die größte Mühe gegeben habe, den Aufgaben des Vereins die beste Erfüllung zu verschaffen, und daß fein jetziges Ausscheiden aus dem Vorstand in keiner Weise als ein Mißtrauen gegen ihn an-usehen sei, sondern auch der neue Vorstand Wert darauf lege, die reichen Erfahrungen und Kenntnisse des Herrn Schwieder in vertrauensvoller ilntcr- stühung noch oft genießen zu können. Seine Tätigkeit im und für den Derkehrsverein solle und werde nie vergessen sein-

Herr Stadtratsmitglied S o l d a n hob in ein­drucksvollen Worten hervor, daß die Erklärungen des Herrn Bürgermeisters Dr. Hamm an Herrn Schwieder ihm voll aus der Seele gesprochen seien. Auch er habe stets die Arbeit des Herrn Schwieder für den Verkehrsverein bewundert und anerkannt, und er hoffe gern, daß der Verkehrs- Verein Herrn Schwieder in nicht zu ferner Zeit wieder in der Führung des Vereins sehen könne. Er bat gleichfalls Herrn Schwieder, feine wertvolle Kraft dem Verein durch Bat und Tat noch oft zu widmen und dabei versichert zu fein, daß man sein Wirken stets in dankbarer Anerken­nung zu würdigen wissen werde.

Herr Schwieder dankte beiden Herren und dem Ausschuß, der die Erklärungen der beiden Redner durch lebhaften Beifall sich einstimmig zu eigen gemacht hatte, in kurzen und herzlichen Worten für die Anerkennung und lieh dabei er­kennen, daß der Verkehrsverein auch künftighin in ihm einen treuen Förderer und Berater, auch durch die Tat. haben wird.

daß ein so großer Mann so schlechte Manieren hatl" Die geistreiche Grobheit ist die salonfähige Grobheit. DerSonnenkönig" Ludwig XIV., der unsere schöne Pfalz und das Heidelberger Schloß niederbrennen ließ, bildete sich ein, ein Dichter zu sein und die Höflinge lobten ihn. Der größte Kritiker der Epoche, Doileau, wird zu Hos be­fohlen, der König übergibt ihm seine Meister­werke, Boileau lieft die Verse still und gibt sie mit den Worten zurück:Cw- Majestät ist nichts unmöglich. Es hat Ew. Majestät beliebt, schlechte Derse au machen, und der Dersuch ist unübertreff­lich gelungen.

Der Wirklichkeitssinn des Volkes hat sehr richtig bemerkt, daß auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört, und dieses Bild ist sehr sinnfällig, weil der grobe Klotz bei richtiger Anwendung des Keiles Acrfpringt. Eine Lüge aus Höflichkeit wird, wo es Darauf ankommt, mit einer goldenen Rückfichtslosig. feit, die bekanntlich auch der zarte Dichter Theodor Storm erfrischend wie Gewitter nannte, beantwortet werden. Als Bismarck Gesandter am Frankfurter Bundesrat war, verteidigte der österreichische Ge­sandte o. Prokesch einst eine österreichische Behaup­tung und meinte:Wenn das nicht wahr wäre, da hätte ich ja im Namen der K. und K. Regierung ge­logen!" Bismarck, der die betreffende Stelle im Bundesratsprotokoll für Preußen abträglich hielt und sie geändert haben wollte, sagte nur:Aller- dmgs, Exzellenz!" Worauf alle Gesandten die

Augen niederschlugen und taten, als hätten sie nichts gehört. Die Stelle im Protokoll aber wurde still­schweigend geändert.

Es ist nicht ganz richtig, daß man immer im Deut­schen lügt, wenn man höflich ist, aber Shakespeares Percy Heißsporn weiß eine ganz gute Richtschnur: Redet wahr und lacht des Teufels". Pas schließlich wieder auf oben bemelbete Zivilkourage heraus- komrnt und, wenn es nicht plumpe Grobheit fein soll, entweder mit Geist oder Herzenshöflichkeit oer- bunden werden muß.

Bornotizcri.

TageskalenderfürSamstag: Stadt- theater, 19.30 bis 22.30 Uhrßifelott". Gleiberg- verein, 16 Uhr, Gleiberg, Generalversammlung. Bund der Frontsoldaten, 17 Uhr Festakt, 20 Uhr Stahlhelmheim, kameradschaftliches Zusammensein. - GDA., 20.30 Uhr,Hess. Hof", Monats-Versamm­lung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Mei­sterdetektiv". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: Sprung in den Abgrund".

Tageskalender für Sonntag: Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung.Der Stahlhelm , Bund der Frontsoldaten, ab 7 Uhr, Gau-Wehrsport- Treffen. VereinUferkritik" Gießen 1922, 17 Uhr, Bootsplatz des Gießener RuderklubsHassia" 1906, großes Militärkonzert. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Oer Meisterdetektio". Astoria- Lichtspiele, Seltersweg:Sprung in den Abgrund".

Deutscher Abend unb Stander- Weihe des Motorsturmes 1/116 und der NSKK. Der Motorsturm 1/116 Gießen ver­anstaltet am morgigen Sonntag, 20.30 Uhr, im Cas6 Leib in Verbindung mit dem NSKK. (Nationalsozia­listische Kraftfahrkorps) einen Deutschen Abend, mit dem die Weihe eines Standers verbunden sein wird. Für den Abend haben verschiedene Künstler des Stadtheaters (Frl. B e l i n g , die Herren M i - d) e l, Mieten, öierment, Wrede, C u j 6 und Zimmer) ihre Mitwirkung zugesagt. Die Spielleitung liegt in Händen von Heinrich Hub. Die Standartenkapelle 116 bestreitet Den musikali­schen Teil der Veranstaltung. Die Rede zur Stan­der-Weihe hält Standartenführer E n g m a n n. Den Beschluß des Abends bildet die Aufführung des deutschen LustspielsDer Nachtwächter" von Theodor Körner. Näheres ist aus der heutigen An­zeige ersichtlich.

Penftonierung als nationale Tat.

Der Hess. Minister für Kultus und Bildungswesen gibt bekannt:

Unter besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns traten folgende Lehr­personen in den Ruhestand:

Stadtschulrat Karl Maurer, Offenbach a.JW. Stadtschulrat Bach, Darmstadt.

Lehrer Kabel, Mümling-Grumbach.

Rektor Ioh. Thomas, Fränkisch-Crumbach. Lehrer Heinrich Saal, Pfungstadt.

Lehrer Wilhelm Izel, Rumpenheim.

Lehrer Anton Schuchmann, Langen.

Lehrer Ioh. Huth, Sprendlingen, Rheinh. Lehrer Otto Lentz, Geiß-Nidda.

Lehrer Wilhelm Schmeck, Bruchenbrücken. Lehrer Fr. Römer, Großen-Linden.

Lehrer Wilhelm Schäfer, Nieder-Ohmen.

Studiendirektor Zörb, an der Realschule Neu- Isenburg.

Studiendirektor L u l e y, an der Realschule Bad Wimpfen.

Oberstudiendirektor Krauß, am Gymnasium Worms.

Oberstudienbirektor Z u l a u f, am Realgymnasium Mainz.

Oberstudiendirektor Lauteschläger, am Lud- wia-Georg-Gymnasium Darmstadt.

Oberstudienrat Bergmann, an der Viktoria- schule Darmstadt.

Oberstudienrat Krämer, am Realgymnasium Gießen.

Dberftubienrat Noll, an der Oberralschule Gießen.

Dberftubienrat Meyer, am Realgymnasium Mainz.

Dberftubienrat Matthes, am Adam-Karrillon- Gymnasium Mainz.

Dberftubienrat Sartorius, am Adam-Karil» lon-Otjmnafium Mainz.

Dberftubienrat Biebenkopf, an der Adolf- Hitler-Dberrealschule Groß-Umstadt.

Der Abschied vorgenannter Lehrpersonen ist nach meiner Verfügung vorn 8. Mai 1933 mit einer wür­digen Feier zu umrahmen.

Auflösung der früheren Gießener Freimaurerloge.

In einer Mitgliederversammlung der Bauhütte (frühere Freimaurerloge)Ludewig zur Treue", die gestern abend ftattfano, wurde die Auflösung mit sofortiger Wirkung einstimmig be­schlossen.

* Schwerer Unfall. Gestern nachmittag er­eignete sich im nahen Watzenborn-Steinberg ein schwerer Unglücksfall. Der 9jährige Sohn des Pfla- ftcrermeifters Dörr, Rudolf Dörr, glitt in Der elterlichen Scheune so unglücklich von einem Heu­haufen herab, daß er hart auf Den Scheunenboden stürzte und einen schweren Schädelbrucy erlitt. Der bedauernswerte Junge mußte durch die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die hiesige Chirurgische Klinik gebracht werden.

** Iahresfeste der D e k a n a t s - K i r - chengesangvereine. Auf die am morgigen Sonntag in Leihgestern, Steinbach und Treis an der Lumda stattfindenden Iahresfeste der Kirchen- aesangvereine des Dekanats Gießen fei auch an dieser Stelle hingewiesen. Festprediger sind in Leihgestern Pfarrer Schultheis (Großen- Linden), in Steinbach Pfarrer Weise! (Heu­chelheim), in Treis a. d- Lda. Pfarrer Hau- mann (Alten-Duseck).

wettere Cofalnad)rid)ten im 2. Blatt.

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kennt und schätzt der Raucher seine Ramses. Er weiß, daß dieserMangel einen großen Vorzug bedeutet, genießt er doch so unbeeinträchtigt und rein das köstliche Aroma seiner Lieblingscigarette