Nr. 122 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Samstag, 27. Mai 1953
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General-Anzeiger für Oberhessen
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WillAankleichdieAbriistung?
Cs ist nicht zu leugnen, daß dieGenferAb- rüstungstonferenz, die Anfang des Monats Mai schon hoffnungslos festgefahren schien, neuen Antrieb erhalten hat. Dazu haben in erster Linie die Botschaft des Präsidenten Roosevelt und die große außenpolitisch« Programmrede des Reichskanzlers Adolf Hitler im Reichstag wesentlich beigetragen, ebenso wie die Erkenntnis, daß. wenn vor dem Beginn der Weltwirtschastskonferenz in London man in Gens zu irgendwelchen greifbaren Ergebnissen kommen will, man keine Zeit zu versäumen hat. So ist es auch dem Konferenzvor- sihcnden Henderson gelungen, durchzusehcn, daß die Beratungen ohne Unterbrechung sortgesührt werden und selbst an den Feiertagen keine Pausen eintreten sollen. Allerdings mußte er sich gefallen lassen, daß auf Frankreichs Betreiben dieses löbliche Borhaben bedenklich verwässert wurde. Man hat sich über die Methode der Fortführung Der Beratungen auf ein Kompromiß geeinigt, das, wie diese Woche bereits schlagend erwiesen hat, Den französischen Obstruktionsversuchen Tür und Tor öffnet. Cs sollen nämlich im Hauptausschuß der Konferenz nebeneinander, also abwechselnd Tag für Tag die Frage der materiellen Abrüstung, also die Beschränkung des Kriegsmaterials, und Das Sicherheitsproblem verhandelt werden. Aus Diesem Nebeneinander droht durch die französische Taktik ständig die Gefahr eines Durcheinander zu werden, waS Frankreich ja im Grunde bezweckt, um mit Hilfe seiner immer wieder vorgeschobenen Sicherheitsforderungen irgendwelchen Zugeständnissen auf dem Gebiet der materiellen Abrüstung so lange wie möglich ausweichen zu können und schließlich eine Situation herbeizuführen, die es ihm erlaubt, mit einem Schein des Rechts die ganze Konferenz an der Nichterfüllung der französischen Sicherheitswünsche durch das halsstarrige und aufrüstungslüsterne Deutschland überhaupt auffliegen zu lassen.
Eine solche Sabotage den Franzosen nicht leicht zu machen, ist der feste Wille der deutschen Delegation und man kann heute schon sagen, daß sie, ausgehend von der großen Linie, die der Kanzler in seinen grundsätzlichen Ausführungen vor dem Reichstag abgesteckt hat, durch eine Politik kluger Mäßigung Deutschland aus der zeitweiligen Bereinsamung geschickt herausbugsiert hat, wogegen Frankreichs Lage jetzt in die wenig beneidenswerte geraten ist, vor einem konzentrischen Angriff der übrigen Mächte sich in eine Sackgasse gedrängt zu sehen, aus der es schließlich nur noch durch ein brutales „Rein!" einen Ausweg gibt. Der Führer der deutschen Delegation, Botschafter Radolny, hat diesen Schluhkampf in Genf mit der Erklärung eröffnet, daß Deutschland den englischen Entwurf nicht nur wie bisher als Diskussionsgrundlage, sondern als Grundlage für die abzuschließende Abrüstungskonvention selber annimmt. Dieser neuen Haltung entspricht auch die Zurücknahme der von Deutschland eingebrachten Abünderungsanträge, ohne daß damit nun Deutschland darauf verzichtet, auf das Ziel eines vollständigen Verbots und der restlosen Vernichtung der schweren Angrisfswaffen hinzuarbeiten. Deutschland hat mit diesem Entgegenkommen seinen Verständigungswillen erneut unter Beweis gestellt und die Annahme der Bestimmungen des englischen Planes über die Beschränkung der Artilleriewaffe in erster Lesung ermöglicht.
Aber hier machte sich schon die französische Gegenwirkung unangenehm bemerkbar. Diese erste Lesung gilt nämlich als noch durchaus unverbindlich für die endgültigen Entscheidungen. Und wie wenig besonders Frankreich gesonnen ist, sich daran ge- Kunden zu erachten, bewies der französische Außen- Minister Paul-Boncour schon in der gleichen Sitzung, als er mit einem Handgriff wieder Abrüstung und Sicherheit miteinander verflocht und ohne jede Anerkennung für das deutsche Entgegen- kommen mit Hilfe ältester Requisiten seines eigenen inzwischen längst zu den Akten gelegten Sicherheitsplans forderte, daß man die schweren Angriffswaffen dem Völkerbund zur Verfügung stellen müsse, als dessen „Treuhänder" natürlich Frankreich gerne erbötig wäre, ihre Lagerung zu beaufsichtigen. Wenn Paul-Boncour dann noch die Zustimmung Frank- reichs zur Beschränkung der Angriffswaffen von der Errichtung einer scharfen Kontrolle der Rüstungen, wie der Waffenfabrikation und des Waffenhandels abhängig machte, so kann Deutschland darauf Hinweisen, daß cs sich durch den Mund seines Kanzlers bereit erklärt hat, sich jeder Rüstungskontrolle auch der schärfsten Art zu unterwerfen, die auch die andern Mächte für sich gelten lassen wollen. Der französische Pfeil, der natürlich angebliche deutsche Geheimrüstungen treffen sollte, fliegt also auf den Schützen zurück. Es ist nichts mit versteckten Verdächtigungen und hinterhältigen Anwürfen. Deutschland spielt mit offenen Karten und fordert nichts als gleiches Recht für alle, wobei es sogar den hochgerüsteten Staaten eine Uebergangsfrist zubilligen will, die eine etappenweise Angleichung auf ein allgemein gültiges Rüstungsniveau gestattet. Aber darauf kommt es Frankreich eben im Ernst gar nicht an. Der französischen Rechten geht Paul- Boncours Taktik schon viel zu weit. Sie wittert in dem ehemaligen Sozialisten einen Gegner ihrer eigenen Unnachgiebigkeit, und ihre Presse wirft dem in Genf in vorderster Front kämpfenden Minister unverzeihliche Schwäche und unangebrachte Versöhnlichkeit vor. Gleichzeitig erklärt der'Kabinettschef und Kriegsminister D a l a d i e r, daß es im Augenblick illusorisch sei, an eine Verlangsamung der militärischen Vorbereitung zu denken, solange man nicht wisse, ob die andern Völker bereit seien abzurüsten, müsse Frankreich vorsichtig sein. Der Senat hat dem
Keine Einigung über die Flottenabrüstung.
Scharfe Gegensätze zwischen den großen Seemächten. — Oer deutsche Standpunkt.
Genf, 26. Mai. (WTB.) Der Hauptausschuh der Abrüstungskonferenz hat heute den ganzen Seeabrüstungsteil des englischen Konvcn- tionscntwurss in erster Lesung erledigt. Auf die sehr komplizierten und detaillierten Einzelbestimmungen des Entwurfes ist dabei überhaupt nicht cingegangen worden, und der Präsident Henderson hat sogar entgegen dem bisherigen Verfahren davon abgesehen, den Entwurf Artikel für Artikel zu besprechen. Bei diesem merkwürdigen summarischen Berfahren, das sich nur aus dem unbedingten Bestreben Hendersons, weiterzukommen, erklären läßt, ist es selbstverständlich, daß das Ergebnis dieser ersten Lesung, in der nicht ein einziger Beschluß gefaßt wurde, für die endgültige Gestaltung des Konventionsentwurss praktisch bedeutungslos ist.
Es lagen verschiedene Abänderungsanträge zum englischen Entwurf vor, die der eng" lisch« Vertreter Llnterstaatssekretär Eden hartnäckig bekämpfte, wodurch er zunächst erreicht hat, daß diese Abänderungsanträge größtenteils bis zur zweiten Lesung zurückgestellt wurden, inzwischen soll auf dem Weg privater Besprechungen geklärt werden, in welcher Weise den Wünschen, die insbesondere von kleineren See-- Mächten vorgebracht worden sind, in dem eng" lischen Plan Rechnung getragen werden kann.
Die Wünsche Deutschlands, das sich in einer Sonderstellung befindet, wurden von Botschafter Radolny noch einmal kurz Dargelegt. Gegenüber, der Aufforderung Edens, der einen ostentativ freundlichen Charakter trug, Den deutschen Antrag bezüglich des Ersahbaues eines Linienschiffs zurückzustellen, hat Botschafter Radolny nicht nachgegeben, sondern sich die A u f - rechterhaltung seinesAntrags für Die zweite Lesung, ebenso wie es Iapan tat, Vorbehalten. Indem Deutschland sich jetzt bereit erkläre, ein Linienschiff bis zum 31. Dezember 1936 auf Stapel zu leg?tt,*b[ e tbeeSin vollem Einklang mit Den Grundideen des englischen Plans und fordere nur das, was für die Sicherheit der Schiffsbesahung und die Aufrechterhaltung des regulären Ersahturnus in der auf ein Minimum abgerüsteten deutschen Flotte notwendig sei. Zum Schluß brachte Radolny die alten Vorschläge zur qualitativen Abrü-
st u n g in Erinnerung, die Deutschland am Anfang der Konferenz im letzten Iahr vorgeschlagen hatte. Deutschland halte an diesen Vorschlägen heute noch fest. Wenn die Konferenz in Der qualitativen Seerüstung noch weitergehen würDe, würde Deutschland dies mit Begeisterung aufnehmen.
Japan beantragte das bisherige Machtverhältnis zwischen den Flotten der drei großen Flottenmächte von 5 zu 5 zu 3 zu Gunsten Japans unzu- stellen. Japan beansprucht in Zukunft mit England und den Vereinigten Staaten in den Linienschiffen gleidjgeftellt zu werden. Die englische Regie- rung lehnte diese japanische Forderung nachdrück
lichst ab. Zum Schluß gab M a s s i al i eine an Ablehnung und Kritik alle früheren Reden übertreffende Erklärung ab, nach der Frankreich die eng- lischen Flottenvorfchläge für sich als unannehmbar ansieht und auch auf diesem Gebiet somit jede praktische Abrüstung verweigert. Die Lage ist durch die Behandlung der Flottenfrage noch verwor- rener und schwieriger geworden und hat die bisherigen oberflächlich verdeckten Gegensätze zwischen den großen Flottenmächten jetzt in aller Deutlichkeit zutage treten lassen. Der Hauptausschuß beginnt am Sonnabend die Generalauvsprache über die ßuftrü ft ungen.
Endgültige Ausgabe des Goldstandards in USA.
Wirtschaftliche Tatsachen werden legalisiert.
Washington, 26. Mai. (WTB.) Präsident Roosevelt teilte mit, daß die Vereinigten Staaten den Goldstandard „statutenmäßig" verlassen werden. Er ersuchte daher den Senator Steagall, den Vorsitzenden des Bankkomitees des Repräsentantenhauses, eine entsprechende Vorlage im Repräsentantenhaus einzubringen. Wie Steagall erklärte, sind nach Annahme des entsprechenden Gesetzentwurfs weder Bonds noch Regierungsobligationen oder sonstige Verpflichtungen irgendwelcher Art in Gold oder zum Goldwert zahlbar. Das Gesetz befreie die Vereinigten Sta a t e n von den Hemnifsen des Goldstand a r d s , es sei ein Teil des Nothilfeprogramms Roosevelts und werde eine Devalvation des Golddollars gemäß den Bestimmungen des Goldgesetzes unnötig machen. Mit der Annahme der Vorlage sei einer der wichtig st en Schritte zur W ä h r u n g s ft a b i l i f i e r u n g in den USA. getan. Die Vorlage sei der letzte endgültige Schritt zur Hebußg der Geschäftstätigkeit und zur Wiederherstellung der Prosoerität.
Man ist der Auffassung, daß die Vorlage den Zweck verfolgt, Roosevelt volle Handlungsfreiheit auf der Weltwirtschaftskon- s e r e n z zu geben. Im Weißen Hause wurde erklärt, die Vorlage bezwecke de jure die ftlarftellung des bisherigen Tatbestandes, nämlich
daß nicht mehr in Gold gezahlt werde. Dies betrifft in erster Linie die offiziellen auf Gold lautenden Schahanweisungen Der Bereinigten Staaten, bezieht sich aber auch auf alle privaten, auf Gold lautenden Wertpapiere sowie a u f ausländische Goldverpflichtung en,die entweder an die amerikanische Regierung oder an private amerikanische Gläubiger zu zahlen sind. Dieser offizielle Schritt dürfte u. a. Die Zahlung der alliierten Kriegsschulden und der deutschen kurzsristigenKre- dite erleichtern.
Weiter bereitet man sich auf eine geeignete Position auf der Londoner Weltwirtschaftskonferenz vor, indem man in das Jndustriekontroll- gesetz verschiedene erhöhte Zollsätze ausgenommen hat, deren internationale Harmlosigkeit man damit zu erklären versucht, daß bei einer allgemeinen Hebung der Weltmarktpreise, die man auf Der Londoner Konferenz vertrete, der flatus quo ungeändert bleibe. Dies bedeutet unzweifelhast Aufgabe des früher von Staatssekretär Hüll vertretenen Standpunktes, daß Schutzzölle ein Hindernis gegen den Welthandel und für die einheimische Wirtschaft nutzlos seien. Auch in der noch schwebenden Farmkreditvorlage sind Zölle vorgesehen, die die inländische Steuer auf Verarbeitung von Agrarprodukten ausgleichen sollen.
auch bereitwillig Rechnung getragen und trotz der Finanzklemme, in der Frankreich sich befindet, dös Kriegsministerium als einziges von einer allgemeinen Ausgabenkürzung um 5 Prozent ausgenommen. Der Zynismus, der in diesem Vorgang als Begleitmusik zu den Genfer Beratungen liegt, ist kaum zu überbieten.
Es gehört schon eine gute Portion böser Wille dazu, den wahren Feind der Abrüstung noch länger zu verkennen. Aber die angelsächsische Presse schwingt sich gegenüber dem verhätschelten Schoßkind Frankreich auch heute noch selten genug zu einer ernsteren Mahnung aus, meist bleibt es bei gütlichem Zureden, wo gegenüber Deutschland im gleichen Falle längst schwerstes Geschütz aufgefahren worden wäre. Aehn- lich äußern sich leider auch die Delegierten Amerikas und Englands in Genf. Allzu selten fällt ein deutliches Wort gegen Frankreichs offen zu Tage liegende Abrüstungssabotage, und meist ist man darauf bedacht, es im Nachsatz mit einer drohenden Geste gegen Deutschland wieder abzuschwächen. So hielt es auch der amerikanische Sonderbotschafter Norman Davis für zweckmäßig, zwar die in den Friedensverträgen übernommene Pflicht der hochgerüsteten Staaten, also Frankreichs und seiner östlichen Trabanten, zu einer in Etappen durchzuführenden Senkung ihrer Rüstungen anzuerkennen, ebenso wie Deutschlands Recht auf Sicherheit, um aber dann in betont scharfer Form Deutschland die Verantwortung für den erfolglosen Ausgang der Konferenz zuzuschieben, falls es ihm einfallen solle, auf seinem Recht zum Wiederaufrüsten zu bestehen auch wenn andere Mächte „bedeutungsvolle und wirksame Abrüstungsmaßnahmen" ergreifen. Herr Norman Davis kämpft wie Don Quichotte gegen Windmühlen, denn wann hätte jemals Deutschland es abgelehnt, konkrete Beweise für seine friedlichen Absichten zu geben und auf seinem Recht zum Wiederaufrüsten zu bestehen, wenn die andern Mächte ihrerseits ihren WUlen zur Abrüstung auch nur in die kleinste Tat umgesetzt hätten? Aber wo sind denn die „bedeutungsvollen und wirksamen Abrüstungs- Maßnahmen" der Andern, von denen der Amerikaner emphatisch spricht? Grade Deutschland ist es ja, das vor vierzehn Jahren mit der Abrüstung begonnen hat und heute noch auf die erste wirksame Abrüstungsmaßnahme feiner Versailler Vertrags- kontrahenten wartet.
Wenn also die Amerikaner trotz des Genfer Anschauungsunterrichts immer noch nicht von falschen Vorstellungen loskommen, so zeigt doch ihre Zustim- mung zu dem im englischen Entwurf enthaltenen Konsultativpakt, daß die Vereinigten Staaten gewillt sind, jetzt endlich die aus ihrer Beteiligung am Weltkrieg ihnen erwachsene Verantwortung für den Unfrieden Europas mitzuübernehmen. Amerika ist demnach also künftighin bereit, bet Verletzung des Kelloggpakts mit den anderen.Mächten zur Erhaltung des Friedens zusammenzuarbeiten. Da auf Wunsch der Kleinen Entente und Polens der Völkerbund als beratende Instanz eingeschoben worden ist, so bedeutet das Ganze zweifellos eine Annäherung Amerikas an das Völkerbundssystem, wie es
ja praktisch auch schon im chinesisch-japanischen Konflikt zur Auswirkung gekommen ist. Da ferner die Vereinigten Staaten sich verpflichten wollen, an einer Aechtung des Angreifers sich zu beteiligen, wenn dieser von den übrigen Mächten übereinstimmend festgestellt wird, so hat Frankreich damit nun endlich eine Sicherheits-Garantie, wie es sie stärker und bindender von Amerika gewiß niemals wird erhalten können, ist es doch ohnehin noch fraglich, ob der amerikanische Kongreß unter dem Einfluß der öffentlichen Meinung einer so weitgreifenden Verpflichtung gegenüber den europäischen Mächten seine Zustimmung neben wird. Aber das Angebot Amerikas liegt jedenfalls vor und Sache Frankreichs ist es nun, durch entgegenkommendes Verhalten in den Fragen der materiellen Abrüstung die Ehrlichkeit feiner Sorge um die Sicherheit und den Frieden Europas unter Beweis zu stellen. Treibt es auch weiterhin eine Politik reiner Negation, so wird es sich sagen müssen, daß das ganze Geschrei nach Sicherheit eitel Spiegelfechterei war, gut genug, um jeder ernsthaften Entscheidung in der Abrüstungsfrage auszuweichen und die Uebernahme irgendwelcher konkreter Abrüstungsverpflichtungen zu vermeiden. Bis zum Beginn der Weltwirtschaftskonferenz ist nur noch eine kurze Zeitspanne, soll bis dahin ein Ergebnis zuftandegebracht werden, von dem neues Vertrauen in die politische Stetigkeit und den Friedenswillen der Völker in die Welt aus- strahlen kann, so wird man den Herren in Genf dringend raten müssen, bei Frankreich auf den Dusch zu klopfen und es zu zwingen, endlich Farbe zu bekennen.
Neuland durch den ArbeitSdiensf.
Berlin, 26. Mai. (WTB.) Unter dem Vorsitz Des Staatssekretärs v. Rohr tagte heute der Reichsausschuh für Moorkultur und Oedlander- schließung gemeinsam mit der Reichsleitung des Deutschen Arbeitsdienstes. Staatssekretär v. Rohr wies darauf hin, daß es jetzt gelte, das Zuwenig an Futtermitteln und Zuwenig an Fett zu beseitigen. Zur Bewältigung dieser großen nationalwirtschaftlichen Ausgabe sei eine großzügige Gewinnung von Reuland durch Kultivierung brachliegender Moor- und Oedlandflächen erforderlich. Hier könne der Arbeitsdienst seine große national- und volkspolitische Misison verbinden mit einem für unsere gesamte Volkswirtschaft gleich wichtigen Werk.
In der Generalaussprache wurde darauf hingewiesen, daß noch drei bis dreieinhalb Millionen Hektar Moor- und Oedländereien urbar zu machen seien, was gleichbedeutend sei mit der friedlichen Eroberung einer Provinz von der Gröhe der Mark Branden» bürg. Ein Vertreter der Reichsleitung des Arbeitsdienstes erklärte, daß die Landeskulturarbeiten die für den Arbeitsdienst wichtigste und geeignetste Aufgabe seien, und teilte mit, daß bis zum 30. September D. 2. vom Arbeits
dienst etwa 300 000 Freiwillige, ab 1. Ianuar 1934 etwa 350 000 Arbeitsdienstpslichtige, und ab 1. April oder 1. Juli 1934 etwa 700 000 Arbeitsdienstpflichtige erfaßt sein würden. Zur ständigen Sicherung der Zusammenarbeit der in Frage kommenden Behörden und Stellen wurde ein kleiner Ausschuß vom Reichsernährungsministerium, Reichsarbeitsministerium und Arbeitsdienst gebildet.
Die Grundziige der neuen evangelischen Kirchenverfassung.
Eine Kundgebung der Loccumcr Bevollmächtisiten.
Berlin, 26. Mai. (TU.) Die Bevollmächtigten des deutschen Evangelischen Kirchenausschusses erlassen folgende Kundgebung, die das Ergebnis der Beratungen über die kirchliche Neugestaltung in Loccum zusammenfaht:
„Unser heißgeliebtes deutsches Vaterland hat durch Gottes Führung eine gewaltige Erhebung erlebt. In dieser Wende der Geschichte hören wir als evangelische Christen im Gauben den Rus Got- tes zur Einkehr und Umkehr, den Ruf auch zu einer einigen deutschen evangelischen Kirche.
Diese deutsche evangelische Kirche, vereinigt in einem feierlichen Bunde g l e i d) bered) t i g t e r Bekenntnisse, ist berufen, das im deutschen evangelischen Kirchenbund erst begonnene Werk der Verfassung des deutschen Gesamprotestantisrnus zu Ende zu führen. Das Bekenntnis ist ihre unantastbare Grundlage. Der Dienst an ihm bestimmt und begrenzt di« Vollmachten, deren die Kirche für ihre Sendung an diese Welt, vornehmlich an das deutsche Volk im Inland und Ausland bedarf.
Die räumliche Zersplitterung des deutschen Protestantismus wird sie beseitigen, aber alle kräftigen Landeskirchen sind ihr willkommene Helfer. Lin Reichsbischof lutherischen Bekenntnisses steht an ihrer Spitze. 3hm tritt ein geistliches Ministerium zur Seite. Dessen Mitglieder haben In Gemeinschaft mit dem Reichsbischos und wo es die Mahrunz und Pflege eines anderen als jetzt von ihm vertretenen Bekenntnisses erfordert, an feiner Stelle die Kirche zu leiten. Einer deutschen Rationalsynode liegt ob die Mitwirkung bei der Gesetzgebung und der Bestellung der Kirchenleitung. Die Synode wird durch Mahl und Berufung eines Kreises von Persönlichkeiten gebildet, die sich im kirchlichen Leben hervorragend bewährt haben. Beratende Kammern verbürgen den im deutschen evangelischen Volkstum lebenden Kräften die freie schöpferische Mitarbeit im Dienste der Kirche an Volk und Reich.


