Ausgabe 
27.4.1933 Frühausgabe
 
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Ser Tag der Nationalen Arbeit in Gießen.

Unter dem Vorsitz des Kreisleiters der. NSDAP. Abg Dr. Harth fand gestern abend im Sitzungssaale des Kreisamtes eine Bespre­chung der Kreisleitung der NSDAP, mit den Vertretern der Behörden über die Vestal- I tung desTages der nationalen Ar­beit am l. Nlai in Giehen statt.

Kreisleiter Dr. Harth wies einleitend daraus hin. bah es sich an diesem Tage um eine von der NSDAP, veranstaltete Feier handelt, bei der den deutschen Arbeitern der Stirn und der Faust Ge­legenheit gegeben wird, ihre Verbunden­heit als deutsche Arbeiter irn na­tionalen Deutschland zu zeigen.

Sodann machte der Kreis-Propagandaleiter Hopfenmueller Mitteilung von dem nach­stehenden

vorläufigen Programm:

7 Uhr: Decken.

9 Uhr: hissen dec Hakenkreuzfahnen auf den Betrieben, verbunden mit Ansprachen.

Anschließend Abmarsch der Beleg­schaften unter Dorantritt der JtSBO. zum candgraf-PHUipp-platz.

10 Uhr: Jdbgottcsöienff:wir treten zum Be­ten, Choral (IHilitärrapeUe). Predigt: Pfarrer Lenz.Die Himmel nit)- tnen des Ewigen Ehre, Choral (Zfiili- törtapelle). predigt: Dr. hemme». Ich bete an die Macht der Liebe.

kurze Pause.

11 Uhr. Am gleichen Ort: weihe der Fahnen der JISBO. Weiherede: pg. Hermann Wagner, Kreisleiter der 2TSBO.

1213 Uhr: Platzkonzert am Hitler-Wall (noch nicht bestimmt).

15 Uhr: Festzug. Antreten ab 14 Uhr in Stein- stratze und Werner-Wall (Korbanlage). Der weg des Zuges wird noch befannt- gegeben.

Anschließend Kundgebung vor der Dolkshalle auf dem Trieb. Rede: pg. Dr. Wagner, M. d. R.

19 .30 Uhr: Deutsche 2H a Lf e i e r in der Dolks­halle, Konzert der Reichswehrkapelle, Gesangsvorträge eines großen Chors der Gießener Gesangvereine.

Uebertragung der Kundgebung auf dem Tempeihoser Feld in Berlin, Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler.

Ansprache: pg. Hermann Wagner, Kreisleiter der J15B0. Gießen.

Oie Aussprache

fand in den erläuternden Bemerkungen von Herrn h o p s e ii m u e I l e r ihr Fundament. Zusammen­fassend ist (evtl. Aenderungen Vorbehalten) zu be­merken:

Das Wecken wird von dem Spielmannszug der SA. ausgeführt.

Das hissen der hakenkreuzfahnen erfolgt vor allem aus den großen Betrieben wie Gaswerk, Elektrizitätswerk, Bänninger usw., in

denen nationalsozialistische Belriebszellcnorgani- sationen bestehen, oder Nationalsozialisten maß­geblich an der Leitung der Betriebe beteiligt sind, damit verbunden sind kurze Ansprachen der Be­triebs- oder Werkleiter.

Nach dem hissen der Fahnen erfolgt der Abmarsch zum Landgras.Philipp-Platz zum Feldgottes- dienst. Dieser wird etwa s Stunde dauern.

Anschließend folgt auf dem Landgraf-Philipp- Platz die Weihe der Fahnen der NSBO. Diese Feier schließt mit dem Gesang des Deutsch­land-Liedes und des horst'Wessel-Liedes.

Zum Festzug um 15 Uhr wird in der Stein- stroße und angrenzenden Straßen Aufstellung ge­nommen: die Spitze an der Marburger Straße. Näheres hierüber wird die Kreisleitung der NSDAP, noch bekanntgeben. An dem Festzug wer­den schätzungsweise 6000 Menschen teilnehmen. Es wird Wert darauf gelegt, daß auch die Arbeit­geber inmitten der Arbeitnehmer ihrer Betriebe mitmarschieren, um dadurch die Verbundenheit am gemeinsamen Werk zu bekunden. Aus dem Trieb wird in großem Kreise ausmarichicrt, dann wird der Staatskommissar für die hessische Lanwirtschaft, Reichstagasabgeordneter Dr. Wagner die Fest­ansprache halten. Der gemeinsame Gesang des Deutschland-Liebes und des Horst-Wessel-Liedes wird die Feier beenden. Der Abmarsch erfolgt in aufgelöster Ordnung.

Üm 19.30 Uhr beginnt in der Volkshalle die Deutsche Maifeier, in deren Mittelpunkt die Uebertragung der Kundgebung auf dem Tem- pelhoser Feld in Berlin mit der Rede des Füh­rers. Reichskanzlers Adolf Hitler stehen wird. Die Rede des Führers wird durch Lautsprecher auch nach außen zum Platz vor der Dolkshalle übertragen.

Uebcr eine große Reihe von Einzelfragen wurde in der umfangreichen Aussprache, an Der sich zahlreiche Herren beteiligten, Klarheit er­zielt. Näheres hierüber werben die Mitteilungen der Kreisleitung der NSDAP, als der Veranstal­terin in den nächsten beiden Tagen noch bekannt­geben. Unseren Lesern möchten wir heute schon empfehlen, auf diese Mitteilungen besonders zu achten.

Eine gewisse Menge frisches Grün aus den städtischen Waldungen zum Schmuck der Häuser wird durch die Kreis­leitung der NSDAP, verfügbar fein. Die Zeit der Abgabe wird noch bekanntgegeben.

Die fruchtbare Sitzung wurde von Kreisleiter Dr. h a r t h mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, in das die Ver­sammlung stehend kräftig einstimmte, geschlossen.

Teilnahme von Vereinen am Tag der Nationalen Arbeit.

Die Kreisleitung der NSDAP. Die­tz e n teilt mit:

Am Donnerstag, 27. April, 18 Uhr, findet im Sitzungssaal des Stadthauses, Bergstraße 20, eine Besprechung statt, die die Teilnahme von Vereinen jeglicher Art, Innungen usw. am Festzug am 1. M a i zum Gegenstand hat. Die in Betracht kommenden Vereinigungen werden um die Ent­sendung je eines Vertreters ersucht.

9er Derkehrsbnnb Oberhessen inüahre 1932.

Reliefkarte von Oberheffen. Rege FremdenverlehrSwerbung.

In dem Tätigkeitsbericht des Vorstandes des Verkehrsbundes Oberhessen über das Geschäftsjahr 1932, der wie schon kurz be­richtet in der ordentlichen Hauptversammlung am 24. April erstattet wurde, wird u. a. mit­geteilt:

Im Mittelpunkt der Arbeit des geschästsfüh- renben Vorstandes des Verkehrsbundes Oberhes­sen während des Geschäftsjahres 1932 stand

die Herausgabe der Reliefkarte von Oberheffen.

Eine Sonderkommission, die unter der Leitung des 2. Bundesvorsihenden, Herrn Bürgermeister Dr. Ising-Alsfeld, zur Bearbeitung der Reliefkarte eingesetzt war, hat im Laufe des Be­richtsjahres in einer großen Zahl von Sitzungen eifrig und gut gearbeitet. Dabei wurde die Eonderlommission von dem geschäftsführenden Vorstand in regster Weise unterstützt, ferner auch durch den Vorstand des Hessischen Ver- kehrsverbandes in Darmstadt weitgehend geför­dert. Die Hauptlast der Arbeit lag aus den Schultern des Konnnissionsvorsiyenden, Herrn Bürgermeister Dr. D ö l f i n g Alsfeld. Der ge­schäftsführende Vorstand nimmt nunmehr, nach­dem

die Reliefkarte im Druck ist und in wenigen Tagen der Oeffentlichkeit übergeben werden kann,

gerne Veranlassung, Herrn Bürgermeister Dr. D ö l s i n g und der Reliefkarten-Kommission, aber auch dem Vorstand des Hessischen Der- kehrsverbandes herzlichsten Dank auszusprechen für die mühsame und wertvolle Arbeit im In­teresse der Provinz Oberhessen. Die Reliefkarten- Kommission und insbesondere ihr Vorsitzender haben sich durch die hingebungsvolle Arbeit an diesem großen Werk ein bleibendes Verdienst ct- worben. Aufrichtiger Dank ist auch dafür aus­zusprechen. daß aus den Mitteln des Hessischen Staates eine Beihilfe von 2000 Mark zur Heraus­gabe der Reliefkarte zur Verfügung gestellt wurde. Erst durch diese staatliche Unterstützung, die eine finanzielle SondeU.istung der Mitgliedsiörper- schaften des Verkehrsbundes Oberhessen und eine besondere Leistung der Dundeskasse zur unerläß­lichen Voraussetzung hatte, ist es möglich gewor­den, das große Werbemittel der Reliefkarte un­serer Provinz zur Verfügung zu stellen.

Dir erhoffen von diesem Werbemittel, das auf Bahnhöfen, in Derkehrsbüros, Auskunftsstellen für Fremdenverkehr ufro. aufgehängt werden soll, daneben aber auch gegen ein geringes Ent­gelt an private Interessenten zum Dersand an Freunde und Bekannte abgegeben wird, eine neue starke Förderung des Fremdenverkehrs in der Provinz Oberhesfcn und damit eine wirt- schaftliche Stärkung der oberhessifchen Bevölke­rung.

Die Reliefkarte von Oberhessen bildet auch eine wertvolle Ergänzung zu den Reliefkarten von

Starkenburg und Rheinhessen und damit eine Voll­endung der plastischen Bilddarstellung des Hessenlandes. Die guten Erfolge, die mit der früheren Herausgabe der Reliefkarten von Starkenburg und Rheinhes'en gemacht wurden und die ein Ansporn für unser Werk waren, dürften sicherlich in nicht allzu ferner Zeit auch für die Provinz Oberhessen in Erscheinung treten.

Oie Werbung durch Zeitungsanzeigen, die wir im Verlaufe des Jahres 1931 mit gutem Erfolge durchsührten, wurde im Berichtsjahre un­terlassen, um die Geldmittel der Bundeskasse in möglichst weitgehendem Ausmaß zur Finanzierung der Reliefkarte bereit zu halten. Durch diesen Ent­schluß verzichtete der Vorstand bewußt auf einen Teil seiner Werbemittel, um ein größeres Werbe­unternehmen auf lange Sicht hinaus finanziell möglich zu machen. Dieser Verzicht hatte zur Folge, daß im Berichtsjahr die Nachfrage aus den Kreisen der Reiseinteressenten nach unserem Werbematerial einen gewißen Rückgang gegen­über den Vorjahren mit Zeitungswerbung erlitt. Aus dieser Beobachtung muh die Schlußfolgerung gezogen werden, daß nunmehr nach dem Erschei­nen der Reliefkarte

die Werbung durch Zeitungsanzeigen in den bisher als besondere Interessengebiete festge- stellten Bezirken nach Maßgabe unserer Geld­mittel wieder aufgenommen werden muß.

Seit einigen Monaten hat sich eine neue Werbe­möglichkeit gezeigt, die für die Tätigkeit des^Ver- kehrsbundes Oberhessen zur Förderung des Frem­denverkehrs in unserer schönen Provinz sofort nutz­bar gemacht wurde. Wagners Korrespondenz-Büro (Filiale von Wolffs Telegrophen-Büro) in Frank­furt a. M. hat einen

Heimat-Bilderdienst

eingerichtet, der sich die Verbreitung von Bildmate­rial aus dem Arbeitsbezirk dieses Büros durch die Presse zur Aufgabe gemacht hat. Da die Provinz Oberhessen zu diesem Arbeitsbezirk gehört, wurde aus dein Bildmaterial des Aerkehrsbundes Oberhes­sen und von einer Anzahl Mitoliedsstädte, sowie von gemeinnützig gesinnten Freunden unserer Bundes­arbeit eine ganze Anzahl guter Photos dem Büro zur Verfügung gestellt, damit die Preise in geeig­neten Fällen mit Matern von diesen Bildern ver­sehen werden. Den Verkehrsverbänden und -Ver­einen bietet sich hierdurch die Möglichkeit, durch Her­gabe guten Bildmaterials das Publikum auf die Be­sonderheiten und Schönheiten der engeren Heimat aufmerksam zu machen. Der Vorstand hat seine Mit­wirkung für dieses Arbeitsgebiet bereitwilligst zuge- saot und nach besten Kräften bisher zur Tat werden lassen. Es wird auch weiterhin eine vordringliche Aufgabe fein müßen, dieses Gebiet der Werbemög­lichkeit mit aller Kraft zu betreuen.

Eine umfassende Werbung durch Bildmaterial hat der Vorstand auch dadurch in die Wege ge­leitet, daß er feine Mitarbeit an einem

Bildhest von Oberheffen

das von der Univcrsurn-Verlagsanstalt G m. b. H Berlin ohne Kosten für den Verkchrsbund Obcr- hessen herausgegeben wird, bereitwilligst zur Ver­fügung stellte. Der Vorstand hat in Gemeinschaft mit einer Anzahl Mitgliedsstädte gutes Bild­material geliefert. Dabei wurde ebenfalls von Freunden der Dundesarbeit in uneigennütziger Weise eine Anzahl Bilder hergcgcbcn, wofür den Stiftern der gebührende Dank zum Ausdruck gebracht wurde. Auch von diesem Werk darf eine beachtenswerte Förderung der oberhessifchen In­teressen erwartet werden.

Natürlich hat sich der Vorstand des Verkehrs» bundes Oberhessen auch für die Bildausstattung des vom Hessischen Derkehrsverband herausgc- gebenen

Heffenkalenders für 1933 stark interessiert. Die Herstellung von Druck- stocken für dieses Kalenderwerk wurde zu einem Teil aus Mitteln des Verkehrsbundes Oberhessen finanziert- Als erfreuliches Ergebnis kann ver­zeichnet werden, daß der Hessenkalender 1933 weitaus mehr Bilder von Ober hessen enthält, als die früheren Hessenkalender.

Da dieses Druckwerk vom hessischen Derkehrs­verband die weikeske Derbreitung erfährt, kann auch hierdurch eine gute Werbung für unsere Provinz erwartet werden.

Dem Hessischen Verkehrsbund gebührt dankbare Anerkennung für die vorbildliche Arbeit, die er mit dem Helsenkalender für das ganze Hessenland und insbesondere auch für die Provinz Oberhessen wieder geleistet hat.

Im Berichtsjahr waren auf Anregung des Hessischen Verkehrsverbandes auch Bemühungen im Gange, den Rundfunk für den Dienst der Werbung für dasHessenland nutz­bar zu machen. Cs wurde die Veranstaltung eines

HeffenabendS durch den Rundfunk vorgeschlagen, bei dem durch kurze Vorträge von berufener Seite, durch unterhaltende Darbietun­gen volkskundlicher und landsmannschaftlicher Eigenart usw- das Interesse für das Hessenland unter den Rundfunkhörern geweckt bzw. verstärkt werden sollte. Der geschäftsführende Vorstand des Verkehrsbundes Oberhessen hat die Anregung des Hessischen Verkehrsverbandes sofort aufge­nommen, von sich aus für den Bereich des Ver- . kehrsbundes Oberbe.fen alle erforderlichen Schritte getan und vor allem als guten Kenner Ober­hessens und der landsmannschaftlichen Eigenart des oberhessischen Volkstums Herrn Amts­gerichtsrat Gros in Gießen um die Ausarbei­tung eines Rundfunkvortrages gebeten. Herr Amtsgerichtsrat Gros hat dieser Bitte in bereitwilligster Weise entsprochen. Der Verkehrs- bund Oberhessen ist ihm dafür zu herzlichem Dank verpflichtet. Der Vortrag des Herrn Amts­gerichtsrat Gros und weiteres zur Auswahl ge­eignetes Material für den Hessenabend wurde an die Leitung des Rundfunks weitergegeben. Leider ist vom Rundfunk aus bisher noch nichts weiter geschehen, auf wieder­holte Anfrage des Hessischen Verkehrsverbandes und des Aerkehrsbundes Oberhessen wurde viel­mehr der Bescheid gegeben, die Veranstaltung werde voraussichtlich im Mai 1933 durchgeführt werden. Wir können heute nur der Hoffnung und der Forderung Ausdruck geben, daß nunmehr

vom Rundfunk die Deranffaltung auf die Dor- tragsfolge gesetzt und baldmöglichst durchgeführt werden möge.

damit sie noch zu einem Zeitpunkt an die Rundfunk. Hörer herangetragen wird, der fur die Fremdenvcr» kehrswerbung erjolgveriprcchend ist.

3m Berichtsjahr sind wiederholt von Mitglieds- städten und vom gcschäftsführcnden Vorstand

Wünsche an die Reichsbahndircktion Frankfurt a. M.

herangetragen worden. Zum größten Teil handelte cs sich dabei um Fahrplanangelegenheiten, Sonn- tagskartenausgabc und um die Lchafsung von guten Verbindungen für den Ausslugsverkebr. Leider ist diesen Wünschen, die a. T. von den Städten direkt vorgebracht und von dem geschäftssührendcn Vor­stand nachdrücklichst unterstützt wurden, zum größ­ten Teil nicht der erhoffte Erfolg beschiedcn ge­wesen. Unter Hinweis auf die Finanzlage der Reichsbahn verhielt sich die Reichsbahndircktion Frankfurt a. M. den Wünschen gegenüber in den meisten Fällen ablehnend. Ferner hatte der geschäftsführende Vorstand im Lause des Winters bei den Reichsvahndirektionen Frankfurt a. M. und Mainz die Veranstaltung von sogenannten

Fahrten ins Blaue nach Städten in Ober­hessen

angeregt. Beide Reichsbahndirektionen erklärten sich bereit, unsere Anregung vorzumerken und gegeben falls vom Frühjahr 1933 ab zu verwirklichen. Da nunmehr die Zeit der Ausflüge und der Gesellschafts­fahrten heranrückt, wird die nächste Ausgabe des Vorstandes fein, bei den Reichsbahndirektionen Frankfurt a. 111. und Mainz erneut Schritte zu un­ternehmen, um derartige Fahrten nach Oberhessen zustandezubringen und dadurch der Wirtschaft in Oberhessen soweit wie möglich Auftrieb zu ver­schaffen.

Eine größere Fahrplankonferenz unter Leitung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. fand am 11. April 1933 im Sitzungssaal der In­dustrie und Handelskammer Gießen statt. Der Kon­ferenz lag der Fahrplanentwurf der Reichsbahn für 1933 34 mit den von dem 1. Vorsitzenden des Hessi schen Verkehrsverbandes, Herrn Dr. R o e f c n c r, und den vom Verkehrsbund Oberhessen unterbrei­teten Vorschlägen zugrunde. Der Verkchrsbund Ober­hessen war auf dieser Konferenz durch den ersten Bundesvorsitzenden und den Bundesschriftführer ver­treten. Das Ergebnis der Konferenz hinterließ bei uns leider unerfüllte Wünsche, für die trotz ener­gischen Eintretens zu unserem Bedauern keine posi­tive Entscheidung zu erzielen war. (Das Ergebnis der Konferenz wurde in der Hauptversammlung wie schon berichtet mündlich bargelegt und er­läutert.)

Oas Gesamtergebnis.

In der Gesamtheit betrachtet ist festzustellen, daß das Berichtsjahr 1932 für den geschästsführenden Vorstand, wie auch für die Mitglieder der Relief­karten-Kommission außerordentlich umfangreiche Ar­beit gebracht hat, der sich alle Kräfte stets gerne unterzogen haben.

Es konnten erfreuliche Fortschritte in der Dcr- kehrswerbearbeit gemacht werden, dennoch bleibt noch viel zu tun, um der wirtschaftlichen Auf­wärtsentwicklung unserer Provinz auch von der Seite der Derkehrswerbung her die Dege zu ebnen.

Zum Schluß fei noch dem Hessischen Ver­kehrsverband in Darmstadt, sowie allen staat­lichen und den Gemeindebehörden herzlicher Dank ausgesprochen für die wertvolle Förderung, die sic der Arbeit des Derkehrsbundes Oberhessen allezeit angedeihen ließen.

Sie Geschichte eines berühmten Liebesromans.

Zur Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Liszt und der Gräfin d'Agoult.

Es ist gerade ein Jahrhundert her, daß der be­rühmteste Liebesroman jener Zeit seinen Anfang nahm, nämlich die Beziehung von Franz Liszt zu der Gräfin Marie d ' A g o u 11. Bis vor kurzem kannte man Einzelheiten dieses Romans nur aus den Angaben dritter und aus einzelnen Aeußerun- gen Liszts. Balzac hat in dichterischer Umhüllung dieses Verhältnisses in seinem RomanBeatrix" ge­staltet. Vor einiaen Jahren erschienen dann die Me­moiren der Gräfin, die auch ins Deutsche übertragen wurden. Doch das erste und einzige authentische Zeugnis wird uns erst jetzt bargeboten burch bie Veröffentlichung bes Briefwechsels ber beiben Lie­benden aus den Jahren 1833 bis 1840, bie von bem Enkelsohn Liszts' und ber Gräfin, Daniel Olli- vier, bem Sohn ihrer älteftep Tochter Blanbine, besorgt würbe. Ollivier klagt in ber Einleitung über bie zahlreichen Lücken bes Briefwechsels, ber sich in großer Unorbnung unb ziemlich schlechtem Zustanbe fanb. Die Rücksicht auf seine Großeltern mag noch manche anbere Beschränkungen veranlaßt haben. Im ganzen aber wirb hier zum erstenmal ber Schleier von biefem romantischen Bunbe gezogen, ber bie bamalige Gesellschaft in so große Aufregung ver­setzte, unb nicht minder wertvoll sind diese Schrei­ben daburcy, baß sie ein Helles Licht auf bie geisti­gen Kreise Europas in ber ersten Hälfte bes 19. Jahr- hunberts werfen. Schritt für Schritt kann man den Aufstieg unb bie Entfaltung bes Genies Liszt ver­folgen. Er war 23 Jahre att unb schon ein welt­bekannter Virtuose, als er bie 28jährige Gräfin d'Agoult kennenlernte. Sie war bie Tochter bes Grafen F l a v i g n y , eines früheren Pagen der Königin Marie Antoinette, ber als Emigrant währenb ber Revolution in Frankfurt lebte unb hier bie Tochter bes bekannten Bankiers Bethmann, Marie Elisabeth, heiratete. Die Tochter war also Französin vom Vater her unb Deutsche burch bie Mutter. Aus ihrer frühen Kinbheit erinnerte sie sich noch an Goethe: bann war sie in Frankreich aufgezogen worben.

Durch ihre Ehe mit bem 20 Jahre älteren Ka­vallerie-Obersten Charles d'Agoult trat bie schöne, reiche unb geistvolle Frau in bie ersten Kreise ber Pariser Gesellschaft ein. Die Begegnung mit Liszt würbe ihr Schicksal, bas sie aus äußerem Glanz in Elenb, Leiben unb Schmach führte. Die ersten Briefe, bie aus bem Jahre 1833 stammen, zeugen von ber Stärke «mb Leidenschaft ihrer Ge­fühle. Das Jahr darauf erleidet Marie den unge­heuren Schmerz, ihr Töchterchen Louison zu ver­lieren. Sie halt dies für eine Strafe für ihre sünde, und ihre Zärtlichkeit wird dadurch noch vertieft. Liszt schreibt ihr:Du hast während dieser beiden Tagen beständig an mich gedacht sagst Du mir. Du hast an mich gedacht am Bett Louises. Gestern, heute ... Verzeihe, arme unb verzweifelte Mutter, biesen Hin­weis auf das, was an Lebendigstem, Intimstem unb Mächtigstem an bem Sterbebett Deiner Tochter in unfern Seelen unb Körpern wohnt." Sechs Monate später verläßt Marie ihre beiden Kinder, ihren Gatten, ihren Reichtum unb ihre hohe Stellung, um

mit Liszt nach Genf zu fliehen. Ein ungeheurer Skanbal wirb baburch entfesselt. Sie hat alles ge­opfert, um bem, ben sie liebt, ben Weg zum höch­sten Künstlertum zu bahnen. Liszt widmet sich an ber Genfer Akabemie bem Unterricht unb seinem musikalischen Schassen. Doch das mitgenommene Geld ist erschöpft, bie Not klopft an ihre Tür. Enbe bes Jahres wirb Blanbine geboren Liszt ist ge­zwungen, seine Konzerte unb Prioatstunben roieber aufzunehmen. Sein unstetes Virtuosenleben beginnt roieber unb bamit bie Verführung burch schöne Frauen, bie sich um ben verwöhnten Liebling drän­gen. Die beiben kehren nach Paris zurück: bie junge Frau lebt bei George Sanb in Nohant, währenb Liszt seinen Wettkampf mit bem berühmten Pia nisten T h a ( b e r g ausficht, ber so ungeheures Aus­sehen erregt. Eine zweite Tochter wird geboren, Co­sima, bie spätere Gattin Bülows unb Wag­ners. Die furchtbaren Uederschwemmungen in Un­garn treiben Liszt nach Wien, wo er mit wenigen Konzerten 25 000 Gulden für seine Landsleute er­spielt. Die Anstrengungen machen ihn krank. Marie ruft ihn verzweifelt nach Venedig. Sie reifen in Italien. Ein drittes Kind, der früh verstorbene Da­niel, wird geboren. Die Gräfin ahnt die Untreue ihres Geliebten. Sie schreibt ihm:Das dauert nun fünf Jahre, und es ist vielleicht genug, laß mich von Dir gehen. Wenn Du mich rufst, werde ich wiederkehren. Ich werde niemals mehr jemanden lieben, ober warum fall ich Dich einer Liebe be­rauben, die vielleicht für Dich eine' neue Quelle des Lebens werden kann? Augenblicklich herrscht ein Zwang zwischen uns, und ich fürchte, daß bas er stickte Bedürfnis schlimme Spuren hinterläßt, inbem es in uns eine moralische Krankheit hervorruft. Man darf nichts hindern, was eine größere Entfaltung Deiner Fähigkeiten bringt." Liszt widerspricht mit Feuer, und Die Beziehung geht weiter. Unterdessen reist er wieder von Ort zu Ort, trifft sich mit Marie vorübergehend in einem verlassenen Kloster bei dem Städtchen Nonnenwerth, läßt sie bann in Paris zurück, wo sie ihre Familie roieberfiebt unb in einem Kreis von Schöngeistern verkehrt. Immer tätig für ben Ruhm Liszts. Man munkelt baoon, daß auch sie eine andere Verbindung eingegangen sei, nennt den Namen des englischen Dichters Bul- roer unb anbere. Liszt aesteht ihr von Debenburg aus eine Untreue ein. Sieben sie sich noch? Man weiß es nicht. Aber bie Briefe werben weniger zärt­lich, zeigen eine beutliche Entfrembung. Als Marie sich bei einer weiteren Begegnung in London oer nachlässig! sieht, kehrt sie krank unb verzweifelt nach Hause zurück. ,^3ch kann in diesem Augenblick unb wahrscheinlich für immer nichts anberes tun, als völlig allein zu leben", schreibt sie an Liszt. Dieser erroibert:Eine Fülle von Gebanken bewegt mich unb beunruhigt mich. Werbe ich zu Dir sprechen können? Ich weiß es nicht, aber vielleicht, unb wirb bann noch einmal mein Wort Dich verführen" Leb wohl, ich bin nicht verzweifelt" Das sind bie letzten Worte biefes einzigartigen Briefwechsels,