Ausgabe 
27.4.1933 Frühausgabe
 
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ausschuß aus den Justizministern Bayerns, Preu­ßens und Sachsens wird für alle Justizverwaltun­gen die notwendigen Verhandlungen führen und ein lebendiges Bindeglied zwischen den Reichsstellen und der Länderpraxis darstellen. Es wird daher in Zukunft in allen aroßen gesetzgeberischen Fragen nur einheitliche Ausführungsbestim- mungcn und Durchführungsregelun- gen für das ganze Deutsche Reich geben.

Weitere große Aufgaben werden dem Reichs­justizkommissar im Aufbau der Gerichts- organisation und der Personalpolitik gestellt sein. Im vollsten Einvernehmen mit dem Reichsjustizministerium wird der Reichsjustizkom­missar auch auf dem Gebiete der Reichsreform im Sinne der allgemeinen Zielrichtung der deut­schen Entwicklung die notwendigen Arbeiten durch­führen.

Das deutsch-niederländische Wirtschaftsabkommen.

Berlin, 26. April. (ERB.) lieber die in den deutsch-niederländischen WirtschaftsbesprechuEn er­zielte Einigung wird folgendes mitgeteilt: Reichs­minister Dr. Hugenberg ist bei den Verhandlungen davon ausgegangen, den notwendigen Ausgleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und der E x p o r t i n d u st r i e zu finden. Das Ab­kommen sichert der deutschen Landwirtschaft den not­wendigen Schutz auch weiterhin zu, läßt aber an­dererseits der niederländischen Wirtschaft die Mög­lichkeit zur Einfuhr, die sich auf dem deutschen Markte bei Berücksichtigung von Angebot und Nach­frage ergibt. Der Fehler der früheren Handelspolitik, wahllos Zollsätze langfristig zu binden, ist vermie­den worden. Nur da, wo ein Einfuhrbedürfnis noch anerkannt werden kann, sind Zugeständnisse gemacht worden. Aber auch in diesen Fällen ist durch zweck­mäßig gestaltete Kontingentierung sowie durch Ver­einbarungen über Preissicherungen dafür Sorge ge­troffen worden, daß die notwendige Organisation des Absatzes deutscher Waren durch die Einfuhr nicht beeinträchtigt werden kann.

Damit ist tx»r erste Beweis erbracht, daß eine zweckmäßig geführte Handelspolitik sehr wohl die deutschen Ausfuhrmöglichkeiten erhalt und steigert, ohnedie notwen­dige Kräftigung des Binnenmarktes zu gefährden. Dieses Abkommen zeigt, daß ein für die Weltwirtschaft so bedeutsames Land, wie die Riederlande, BertrauenindieEnt- Wicklung des neuen Deutschland hat. Die Reichsregierung wird auf diesem Wege einer vernünftigen Reuordnung der Handelspolitik ziel­bewußt weiter fortschreiten.

Ein wichtiges Verhandlungsergebnis ist ferner, daß der Zinssatz, den die Riederlän­dische Staatsbank dem bei ihr für die deutsche Industrie eingeräumten Rohstoffkredit zu Grunde legt, mit Wirkung vom 1. Iuli 1933 von 51/2 a u f 4 Prozent herabgesetzt wer­den'soll. Diese Zinsgestaltung ist der Beginn einer Verwirklichung der seit langer Zeit von Minister Hugenberg verfolgten Bestrebungen, das interna­tional für Deutschland geltende Zinsniveau we­sentlich herabzudrücken.

Reichskanzler £ fier Ehrenbürger von München.

München, 26. Apr'.l. (TU.) Der neue Mün­chener Stadtrat trat am Mittwochnachmittag zu ferner ersten Einung zusammen. Der kommissa­rische Erste Bürgermeister F i e h l e r wurde mit 37 von 43 abgegebenen Stimmen zum Ersten ehrenamtlichen Bürgermeister ge­wählt. Im Laufe der Sitzung schlug Bürger­meister Fiehler vor, den Reichskanzler Adolf Hitler und dcn Reichsstatthaller General Rit­ter von Epp das Ehr enbür gerrech t de r Landeshauptstadt zu verleihen. DerStadt- rat trat diesem Vorschläge bei. Die Sozialdemo­kraten waren nicht im Saale anwesend. Ferner beschloß der Stadtrat, daß die B r i e n n e r Straße vom Odeonsplah bis zum Königsplah in Adolf - Hitler - Straße umbenannt wird,

Heue Msmaßnahmen für die Landwirischast.

Berlin, 26. April. (WTB.) Die Reichs regierung hat auf Vorschlag von Relchsminister Dr. Hugenberg weitere für die Landwirtschaft bedeutsame Maßnahmen beschlossen. Es handelt sich dabei

1. um ein Gesetz zur Senkung der Ge­bühren and en Vieh - und Fleisch­mär k l e n und zur Vereinheitlichung des Votierungswesens an diesen Märkten, um die Ermächtigung für das Reich, den Schluß- scheinzwang im ganzen Reichsgebiet ein­zuführen. Diese Maßnahmen dienen vor allem der bäuerlichen Viehwirtschaft;

2. um ein Gesetz zur Versorgung des wein-, Obst-, Gemüse- und hop- seubaues und der Forstwirtschaft mit Schädlingsbekämpfungsmit­teln und Hopfebindematerial;

3. um neue Maßnahmen über die Zwangs- verwallung landwirtschaftlicher Grund st ücke, den Vollstreckungs- schuh für Pächter und die Ausdehnung des Vollstreckungsschuhes auf Landarbeiter- eigenheime.

Die Gebühren der Schlachtviehmärkte. Schlacht­häuser und Fleischgroßmärkte liegen überwie­gend um 30 bis 60 Prozent, in einigen Fällen sogar um 100 Prozent und mehr über dem Vorkriegsstand. Durch das neue Gesetz wird infolgedessen festgelegt, daß sämtliche Gebühren für die Schlachthausbenutzung die entstehenden Unkosten nicht über­steigen dürfen. Einer Verbesserung des für den gesamten Viehabsatz außerordnetllch wich­tigen Preisnotierungswesens an den Viehmärk­

ten dient ferner die nunmehr der Reichsregie­rung erteilte Ermächtigung, im gesamten Reichs­gebiet den Schlußscheinzwang einzuführen.

Zur Sicherung der Versorgung von Forstwirt­schaft. Wein-, Obst-, Gemüse- und Hopfenbau mit Schädlingsbekämpfungsmitteln und Hopfen­bindematerial wird ferner durch Gesetz das Früchtepfandrecht zur Sicherung der notwendigen Kreditierung in gleicher Weise eingeführt, wie dies bei Düngemitteln und Original-Saatgut bereits früher geschehen ist. Die Einführung des Früchtepfandrechtes ist ebenso wie bei Düngemitteln auf die Ernte des Iahres 1933, bei Forstschädlings­bekämpfungsmitteln auf den anfallenden Holz­einschlag in dem vom 1. April 1933 bis 31. März 1934 l ufenden F. rstwirtschaftsjahr beschränkt.

Das Gesetz über die Zwangsverwaltung landwirtschaftlicher Betriebe ver- folgt besonders das Ziel, die entstehenden Ko­sten der Zwangsverwaltung geringzuhal- t e n. Deshalb ist grundsätzlich der landwirtschaft­liche Betriebsinhaber zum Zwangsver­walter zu bestellen. Außerdem legt das Gesetz fest, daß im Falle der Zwangsverwaltung eines landwirtschaftlichen Betriebes der Schuldner Anspruch auf Gewährung des not­wendigen Lebensunterhaltes für sich und seine Familie hat.

Landarbeiter - Eigenheime genießen in Zukunft ohne Rücksicht auf die Größe des zu­gehörigen oder zugepachteten Ackerlandes den Vollstreckungsschutz. Bei Zwangsversteigerungen von Landarbeiter-Eigenheimen in letzter Zeit er­teilte, aber noch nicht rechtskräftige Zuschläge wer­den aufgehoben. Die Verordnung findet auch für noch anhängige Zwangsvollstreckungen Anwen­dung.

weil das Wirken Adolf Hillers mit diesem Stra- | ßenzug eng verbunden ist.

Tagung der nationalsozialistischen Führerschaft in Berlin.

B e r I i n, 26. April. (WTB.) Wie die Reichspresse­stelle der RSDAP. mitteilt, f. nd heute im Reichstagspräsidentenpalais unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Göring, eine Zusammenkunft der preußischen Gauleiter der RSDAP., der höheren SA.° und SS.-Führer mit dem Stabschef Röhm an der Spitze, der füh­renden politischen Funktionäre der Partei, so­wie der Schriftleitungen der nationalsozialistischen Presse in Preußen statt, zu der auch Adolf Hitler, Dr. Goebbels und zahlreiche der NSDAP, angehörende Länderminister erschienen waren. Die Tagung, auf der nach zweistündiger Rede des Ministerpräsidenten Göring Adolf Hit­ler das Wort zu richtunggebenden, politischen Ausführungen nahm, trug parteiinternen Charakter. Im Anschluß begrüßte der Füh­rer die ebenfalls im Deichstagspräsidentenpalais versammelten nationalsozialistischen Mitglieder des Preußischen Staatsrates, die vom Fraktions­führer Sprenger, M. d. R., vorgestellt wur­den.

Oankielegramm des Reichsministers Or. Goebbels an die Stadt Rheydt.

Berlin, 26. April. (TU.) Reichsminister Dr. Goebbels sandte auf seinem Heimfluge nach Ber­lin an den Oberbürgermeister in Rheydt folgen­des Telegramm: Von Bord derD 1297. Auf dem Heimflug nach Berlin kehren meine Gedanken tiefbewegt und dankerfüllt in unsere liebe Vaterstadt zurück. Der ganzen Bürgerschaft von Rheydt unsere Grüße und unsere guten Wünsche und heißen Dank für den so herzlichen Empfang. Cs wird mir immer unvergeßlich bleiben. Der Himmel segne unser Volk und Reich. Gott allezeit mit Rheydt.

gez.: Reichsminister Dr. Goebbels.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichskanzler hat den Vertreter der Bischofskonferenz, den Bischof von Osna­brück Dr. Wilhelm Berning und den Gene­ralvikar und Domprobst Prälat Dr- Stein- mann zur Aussprache über schwebende Kirchen­fragen empfangen.

Die Deutsche Dolkspartei Dill, Lahn, Westerwald (ehemaliger Dillkreis, ehemaliger Kreis Biedenkopf, Oberwesterwald- kreis und Kreis Westerburg) hat in einer Ver­sammlung der Vertrauensmänner und Mitglie­der beschlossen, die Organisation der DDP. au f- zulösen und den Mitgliedern den Anschluß an die RSDAP. zu empfehlen.

Rachdem die Reichsregierung der Regierungs­kommission des Saargebiets mitgeteilt hat, daß gegenwärtig die schwarzweißrote Fahne und die Hakenkreuzflagge als die deutschen Rationalflaggen anzusehen sind, wird das Ver­bot dieser Flaggen auf gehoben. Die schwe­benden Strafverfahren, die in der Zeit anhängig gemacht worden sind, in welcher das Hissen die­ser Flaggen im Saargebiet ungesetzlich war, wer­den eingestellt.

ImReichsanzeiger" wird die Liste der zur Vertretung vor dem Reichspatentamt vorläufig zugelassenen Patentanwälte veröffentlicht. Die in die Liste nicht aufgenommenen Patent­anwälte dürfen neue Vertretungen vor dem Reichspatentamt nicht übernehmen. Die laufenden Vertretungen sind bis zum 30. September 1933 wieder zu lösen. Die Liste nennt Anwälte u. a. auch in Gießen, Darmstadt, Frankfurt a. OK., Kassel, Offenbach a. M., Wiesbaden.

Im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Gründung der Görreshaus AG- Köln ist auch der Vorsitzende der rheinischen Zentrumspartei

Iustizrat Dr. Moennig verhaftet worden, ebenso wie der ehemalige Direktor der Deutschen Bank in Köln Dr. Brüning.

Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, Dr. Perlitius, ist von seinem Amte als Landwirtschaftsschuldirektor in Glatz von der Riederschlesischen Landwirtschaftskammer beurlaubt worden.

Oberlandesgerichtspräsident Dr. Anz-Kassel hat mit Rücksicht auf die bei der Iustiz erforder­liche Gleichschaltung feine Beurlaubung be­antragt. Die Entscheidung des Ministers ist noch nicht eingetroffen.

Kunst und Wiffenschaft.

Reichsminister Dr. Goebbels in Reubabelsberg. Lin Ralionalpreis für den besten deutschen Film.

Am Mittwochabend stattete Reichsminister Dr. Goebbels den Ufa-Ateliers in Neubabelsberg einen Besuch ab. Die Besichtigung umfaßte die ge­samten technischen Betriebe. Die NSBO.-Betriebs­zelle Neubabelsberg, sowie Abgesandte der NSBO.- Betriebszellen Ufa-Zentrale und Tempelhof hatten sich in der Nordhalle der neuen Tonfilmanlagen ver­sammelt. Reichsminister Dr. Goebbels hielt hier eine kurze Rede. Es sei behauptet worden, daß durch die Tatsache der nationalen Revolution Un­ruhe in das Filmschaffen gekommen sei. Demgegen­über fordere er alle Filmschaffenden auf, diesen Ge­rüchten auf das schärfste entgegenzutreten, da ge­rade die Männer der deutschen Revolution der deut­schen Filmproduktion ganz neue und große ethische Impulse gegeben haben. Man könne versichert sein, daß er aus tiefstem und begeistertem Herzen der Fürsorger der deutschen Filmschaffenden sei; Voraussetzung dieses Filmschaffens sei allerdings die völlige Gleichschaltung mit den Ideen des neuen Staates. Er werde jedem nationalsozia­listisch denkenden Menschen sicher nichts Neues sagen: daß nunmehr die Blütezeit des deutschen Filmschaffens heraufziehe. Bereits heute könne er verraten, daß am 1. Mai für das kommende Jahr ein Nationalpreis für den besten deut­schen Film ausgesetzt werde.

Geheimrat Professor Dr. Deyerle f.

Im Schwabinger Krankenhaus ist in einer der letzten Nächte der ordentliche Professor für deutsches Privatrecht an der Universität München, Geh. Hofrat Dr. Konrad B e y e r l e, im 60. Lebensjahr gestorben. Er gehörte mehrere Jahre dem Reichstag als Mitglied der Bayerischen Volks­partei an.

Ein Greifswalder Unioersitälsprofefsor in Untersuchungshaft.

Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde der Universitätsprofessor Dr. Braun in Unter­suchungshaft genommen. Näheres muß im Interesse der Untersuchung der Oeffentlichkeit noch oorenthal- ten werden. Bereits am Dienstag hat die Greifs­walder Studentenschaft verlangt, daß Dr. Braun im Interesse des Ansehens des Lehrkörpers seine Vorlesungstätigkeit ein stellt, da gegen ihn ein Ermittlungsverfahren bei der Staats­anwallschaft schwebt.

Morgen beginnen wir in den Familien­blättern mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romans unter dem Titel

Die Dame mit dem Otterpelz

Das ist die spannende Geschichte eines abenteuerlichen Kriminalfalles, ge­schrieben von Caren, einer begabten deutschen Schriftstellerin, deren Selbst­porträt heute im Feuilleton erscheint

(Soren stellt sich vor.

Oie Verfasserin unseres neuen Romans Oie Dame mi Cem Oiterpelz"

Arn Freitag beginnt in den Familien­blättern ein großer spannender Kri­minalroman:Die Dame mit dem O 11 e r p e l z" von Caren.

Mein Geburtsjahr möchte ich vorsichtshalber verschweigen, für den Fall, daß ich in zehn Jahren genötigt sein sollte, es zu ändern. Immer besser, etwaigen Einstimmigkeiten rechtzeitig vor­zubeugen! Ich habe in Straßburg im Elsaß das Licht der Welt erblickt. Vom Vater her bin ich in der Camargue beheimatet, im Lande des Mi­stral und der Zigeuner, wo meine Großmutter ein Landgut besaß und alljährlich aus chrer statt­lichen Rinderzucht die Corrida in Arles und Rimes mit Stieren belieferte. Mein Vater hat seine fruchtbare Heimat schon mit achtzehn Iäh­ren verlassen und in Straßburg eine Fabrik gegründet, um ein paar Iahre später eine deutsche Professorentochter zu heiraten, die mir ihre deutsche Tüchtigkeit und ihre Grundsätze vererbt hat.

Hm meine Erziehung haben sich mit mäßigem Erfolg die Schwestern vomBonpasteur in Straßburg bemüht. Später wurde ich nach Darm­stadt verpflanzt und sollte auf Wunsch meiner Mutter, der die Pädagogik im Blut lag, mein Lehrerinnenexamen machen. Gott hat den deut­schen Rachwuchs davor bewahrt, indem er mich mit noch nicht fünfzehn Iahren auf den glo­riosen Einsall brachte, meinen ersten Roman zu schreiben, der in einem Dresdner Verlag in Buch­form erschien, in allen Buchhandlungen Darm­stadts mit meinem Bild und dem VermerkVer­fasserin geht hier zur Schule" versehen, aus­lag und mir das Mißtrauen meiner Lehrer ein­trug, so daß ich schon binnen kurzem genötigt war, mich nach einer anderen Zukunft als der teuer Lehrerin umzusehen. Das war im Augen­blick nicht gerade leicht für mich, denn von der Schriftstellerei hatte ich vorläufig genug. Ich fand, daß eine künstlerische Tällgkeit, die mit so­viel Ohrfeigen verbunden war, wie ich sie da­mals für mein Erstlingswerk von meiner Mutter bekam, denn doch kein geeigneter Beruf für mich sei. Ich wandte mich also ziemlich enttäuscht von dieser unerfreulichen Kunstgattung ab und einer andern Muse zu der Schauspielkunst.

Ein bekannter Theatermann entdeckte mein Ta­lent, und eh' ich mich dessen versah, war ich bei der Bühne. Ich habe fast zehn Iahre lang in Graz und Wien und an den Münchener Kammer­

spielen das jugendliche Charakterfach gespielt. Ich habe immer die Kunst geliebt, aber nie so recht das Theater. Reisen war von jeher meine Passion. Ich bin schon von Kindheit an viel gereist, habe eine Menge Schönes von der Welt gesehen, Frankreich, Italien, Griechenland und fast den ganzen Balkan. Man bekommt zu­letzt immer das, was man wirklich will, und ich glaube, ich habe es bekommen. Als ich vor ein paar Iahren heiratete, habe ich das Theater aufgegeben, um meinem armen Mann nicht durch Star-Launen das Leben zu verbittern.

Weil ich aber ganz unmöglich auf die Dauer ohne irgendeine künstlerische Betätigung sein kann, habe ich -- eigentlich bloß so für mich wieder ein bißchen zu schreiben begonnen und gleich mit den ersten schüchternen Versuchen bei den Redaktionen mit kleineren Arbeiten, Humores­ken, Satiren und Grotesken zumeist, überraschende Erfolge erzielt. Bald war ich ständige Mitarbei­terin bei einer Reihe von führenden Blättern, bis ich mich in den letzten zwei Iahren hauptsäch­lich auf Romane verlegt habe, um meine Be­gabung an einem größeren Format zu messen.

Wenn den Lesern meine Arbeiten nur halb so viel Spaß machen, wie mir das Schreiben, werde ich sehr froh sein. Und so hoffe ich denn, daß mein lehtgewählter Beruf oder besser gesagt, mein wiedererwählter, mich nicht mehr ent­täuscht. Oder mir doch wenigstens keine Ohrfeigen mehr einbringt! ... Caren.

Italienische Pfadfinder.

Besuch im Lager der Balilla.

In keinem anderen Lande hat die Pfadfinder­bewegung unter der Iugend einen so schnellen und mächtigen Aufschwung genommen wie in dem Italien Mussolinis. Hier ist sie fest ein­gegliedert in das ganze Erziehungssystem, und es ist daher kein Wunder, daß sie heute bereits über 3,5 Millionen Knaben und Mäd­chen umfaßt, wenngleich der Beitritt freiwillig ist Lord B a d e n - P o w e l l, der Schöpfer der Psadfinderbewegung, hat bei feinem letzten Aufenthalt in Italien sich eingehend mit dieser Entwicklung beschäftigt und schildert seine Ein­drücke, die ihn mit hoher Bewunderung für die Organisation erfüllt haben, in einem Londoner Blatt.

Die Balilla wie sie sich nach ihrem jugend­lichen Heldenvorbild von Genua nennt ist in | drei Gruppen gegliedert: die eigentliche Balilla, die Knaben und Mädchen im Alter von 8 bis 1 13 Jahren umfaßt, die Avanguardisti, das ist die

Abteilung der 14- bis 18jährigen, und die Cadetti, der die 18° bis 20jährigen zugehören. Bei feinem Eintritt in die letzte Gruppe wird der junge Italiener mit feierlichen Zeremonien, zu denen auch die Verleihung eines Gewehrs zählt, in die freiwillige Miliz eingereiht. ' Zwei Iahre später empfängt er im Heer seine letzte militärische Ausbildung innerhalb von 18 Monaten.

Die Uniform, die die jugendlichen Pfadfinder tragen, übt mit ihren unterscheidenden Abzeichen natürlich eine lebhafte Anziehungskraft auf alle Kinder- und Iünglingsherzen aus. Sie hat ihren hohen erzieherischen Wert durch die äußere Auf­hebung aller sozialen Unterschiede und durch die Weckung des Gefühls der Ein­gliederung in ein Ganzes. Sie besteht für die Jugendlichen aus einem schwarzen glatten Hemd, blauem Halstuch sowie grau-grünen kurzen Hosen und Strümpfen. Die Kosten für die Uniform muß jeder selbst tragen; dadurch wird in ihm von früh ab das Bewußtsein erweckt, daß er für sich selbst sorgen muh und nicht Geschenke vom Staat erwarten darf. Großes Gewicht wird auf alle körperlichenUebungen und auf die Kräf­tigung der Gesundheit gelegt, doch wird auch hier, wie bei dem übrigen Unterricht, den Neigungen des einzelnen unbehinderte Entfaltung gewährt. Spiele in freier Luft, wie Fußball, Baseball, Hockey, nehmen im Erziehungsplan einen ebenso breiten Raum ein wie Wettkämpfe im Schwimmen oder in athletischen Sportarten. Aber auch jede Handgeschicklichkeit und jedes Steckenpferd kann in den Freistunden nach Schulschluh sich ausleben. Sonntags werden große Paraden abgehalten.

Ein typisches Iugendlager, das Baden-Powell in einer italienischen Provinzstadt besichtigte und das rund 80 000 Mitglieder ausbildete, umfaßt Abteilungen für Leibesübung, militärische Aus­bildung zu Lande und zur See, sowie eine den weiblichen Pfadfindern vorbehaltene Gruppe. Das ganz modern eingerichtete Gebäude enthält auch eine wohlausgestattete ärztliche Klinik mit La­boratorien für Röntgen- und ultraviolette Strah­lenbehandlung, sowie Abteilungen für Zahn-, Ohren-, Augen-, Hals- und Rasenleiden. Ueber jeden Knaben und jedes Mädchen wird ein ärzt­liches Journal geführt. Regelmäßige Un­tersuchungen stellen den Gesundheitszustand fest, um, wenn es nötig ist, die Kinder an dia See oder in die Berge zu verschicken, wo Er­holungsbedürftige in Heimen untergebracht wer­den können.

Werkstätten für Rundfunk- und elektrische Bast­ler sind ebenso vorhanden, wie der Freund des Automobilfahrens, des Zeichnens oder Modellie­

rens alles Rötige für diese Betätigungen vor­findet. Ein Gleitflugzeug wie ein Aeroplan in voller Gröhe stehen den künftigen Fliegern zur praktischen Hebung zur Verfügung. Ein Theater und ein grohes Kincr_^ehlen ebensowenig wie weiträumige Schlafsäle für durchreisende Gruppen der Balilla, die auch über zahlreiche Turnplätze in der Stadt und in den ländlichen Teilen der Provinz verfügt. Die Zahl dieser ländlichen Turnplätze beträgt 3763 in Italien.

Die Offiziere der Balilla werden so­wohl nach ihrer körperlichen Eignung wie nach ihrem Verständnis für die jugendliche Psyche ausgewählt. Aus dem Forum Mussolini in Morn ist eine neue Bildungsstätte entstanden, in der 400 künftige Offiziere der Balilla im Alter von 18 bis 25 Iahren in einem zweijährigen Kursus ausgebildet werden. Ihre Studienfächer um­fassen u. a. Psychologie, nationale Geschichte, kör­perliche Ertüchtigung, die Kunst, ein Lager auf- Zuschlägen, und militärische Ausbildung. All die jungen, kräftigen Männer, die hier herangebildet werden, sind durchdrungen von dem Bewußtsein ihrer hohen Berufung, dem Vaterlande an wich­tiger Stelle zu dienen, indem sie mitwirken dürfen an dem Aufbau einer neuen kraftvollen und ge­einten Ration. O. M.

Wo gibt es die meisten Erfinder?

Bis zu einem gewissen Grade kann man die Er­findertätigkeit in einem Lande nach der Anzahl der erteilten Patente messen. Für das Iahr 1932 wurde soeben eine amtliche Liste veröffentlicht, die alle Patente aufzählt, wie sie von den Kultur­staaten der Welt ausgetellt wurden. Unter diesen Ländern sind nur allerdings einige, die jedes Pa­tent ohne besondere Vorprüfung erteilen. Es bleibt den Interessierten überlassen, gegen die Erteilung Einspruch zu erheben, wenn eigene Patentrechte durch die Reugewährung verletzt worden sind oder verletzt werden könnten. Die meisten Länder ver­anstalten jedoch, wie beispielsweise Deutschland, erst eine gründliche Vorprüfung, ehe sie das Pa­tent erteilen. In den Vereinigten Staaten von Rordamerika wurden 79 981 Patente beantragt und 52 161 erteilt. In Deutschland wurden 25 846 Anträge genehmigt, aber 72 688 Patenle waren nachgesucht worden. Frankreich erteilte ohne Vorprüfung 24 000 Patente, England genehmigte 21 949 von insgesamt 36117 Anträgen. Ohne Prüfung erteilten Italien 10 907, Belgien 9 072 und die Schweiz 7 384 Patente. Rach Prüfung bewilligten Oesterreich 5 300, Japan 4 318, die Tschechoslowakei 3 650 und Australien 3 041 Pa­tente.