Frankfurt o.M., 26. Febr. (Lpd.) In einer Zentrumslundgebung, die die Festhalle füllte, sprachen am Sonntag die Führer der Bayerischen. Dolkspartei und des Zentrums. Zunächst führte Staatsrat Dr. Schäffer etwa folgendes aus: Durch die Ereignisse der letzten Zeit ist das Wort von der Mainlinie wieder aufgekommen. Bayern, das wie alle deutschen Länder für das Reich gelitten und geblutet hat, braucht sich gegen den Borwurf des Separatismus nicht zu verteidigen, es tut, was dem deutschen Bolke gut ist, auch wenn es einer Partei nicht paßt- Die Stellung Bayerns zu seinem alten Herrscherhaus ist zu betrachten aus der Tatsache heraus, daß zwischen Bolk und Herrscher immer ein besonderes Vertrauens» Verhältnis bestanden hat. Wenn Bayern sieht, daß im Reich die Berfassung weit ausgelegt wird und dann aufbraust, so hat das mit Separatismus nichts zu tun, sondern das ist dann die Ablehnung eines Parteien st aa- t e s. „Was wollen wir in Bayern? E i n S t a a t des Rechtes und der Freiheit im Rahmen des Reiches bleibenl‘ Der Redner erklärte dann: Es liege ein Brief des Reichspräsidenten vor, aus dem hervorgehe, das; Gewaltakte gegen die Länder nicht unternommen werden sollen, wenn die Länder in Ausübung ihres staatlichen Rechts von ihren Zuständigkeiten Gebrauch machten. Wenn unter altem Regime das System des Rechtsstaates verstanden wird, so will Bayern die Ord° n u n g s z e l l e bleiben, als die es bezeichnet wurde.
Aalikfmler WaWndgebung des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei.
Prälat Kaas
führte dann u. a. aus: Unser Ziel muß die große Sammlung sein, die wir ichon im vergangenen Wahlkampf im Oktober vorigen Jahres versucht
haben. Ehe wir damals mit den Nationalsozialisten verhandelt haben, haben wir bei allen bürgerlichen Parteien Umschau gehalten, um diese große Sammlung zu verwirklichen. Und nicht Herr Hitler ist es gewesen, der diese große Sammlung mit dem Zentrum abgelehnt hat, sondernHerrHugen- b e r g. Vor der heutigen Regierung haben wir keine Angst und sie Macht uns auch keine Sorge. Sorgen machen uns nur d i e Kräfte, die hinter der Regierung st ehe n. Prälat Kaas wandte sich dann gegen den Vorwurf, daß in den vergangenen 14 Jahren alles drunter und drüber gegangen sei. Wenn man Geschichte machen wolle, dann dürfe man nicht mit der Nachkriegszeit beginnen, sondern auch die Kriegsgeschehnisse mit in Betracht ziehen. Man müsse auch der Vergangenheit gerecht werden, denn es werde auch noch die Zeit kommen, wo man die gewaltigen Aufgaben würdigen werde, die innen- und außenpolitisch erzielt worden seien. Wenn man von dem Trümmerhaufen spreche, der zurückgelassen worden sei, so bedürfe es der näheren Bezeichnung, ob damit der vom Anfang oder Ende der 14fährigen Herrschaft des Marxismus gemeint sei. Man dürfe die historische Wahrheit nicht umbiegen wollen. Prälat Kaas zählte dann die Verdienste au, die sich der ehemalige Reichskanzler V r ü n i n a um die außenpolitischen Erleichterungen erworben habe und kam auf die Abstimmung in Genf zu sprechen, die die deutsche Niederlage ge- bracyt habe. Daraus müsse die Schlußfolgerung gezogen werden, daß auf den Po st en der deutschen Vertretung in Genf wieder ein Mann von internationalem Format gehöre, ein Mann wie Brüning. Prälat Kaas schloß: Wir denken nicht daran, unsere Fahnen herunterzuholen, im Gegenteil wir werden wciterkämpfen bis das Ziel der großen Sammlung aller Deutschen erreicht ist. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied schloß die ruhig verlaufene Kundgebung.
Oingeldey über die Politik der ODP. Dresden, 26. Febr. (ERD.) In einer Wahlversammlung der Deutschen Volkspartei sprach am Sonntag der Reichsparteiführer der DVP. und Spitzenkandidat für Ostsachsen, Dingel- bei). Die Deutsche Voltspartei führe den Kampf um eine
innerpolitische Neuregelung für Freiheit, Macht und Ehre und den Wiederaufbau eines in sich gefestigten, geordneten, sauberen Staatswesens feit vielen Iahren. Dieser Kampf könne nicht gemeinsam mit dem Marxismus auf Grund der Irolch.en der Weimarer Revolution geführt werden. Er könne nur geführt werden durch den Zusammenschluß aller glaubensmäßig zusammengehörenden Deutschen. Wenn Hindenburg, das verbindende Symbol der Einigung der nationalen Kräfte, die DVP. frage, ob sie bereit sei, zum gemeinsamen Kampf und zur nationalen Arbeit, so antworte diese mit einem freudigen 2 a. Rationalsozialiften und Deutschnationale allein würden die absolute Mehrheit nicht erhalten. Man brauche die ausgleichende Kraft der DVP. ober auch für die praktische Arbeit, denn die Gegensätze müssen überbrückt werden, wenn nicht das Ganze Schaden leiden solle.
Dingeldey wandte sich gegen die Kontingentierungspolitik, von der die sächsische Cxpv.tindustrie besonders stark betroffen werde. Eine Absperrung der Grenzen könne der Landwirtschaft nicht helfen. Die DVP. wolle eine Wirtschaftspolitik, bei der jeder leben könne.
Die Deutsche volksparlei trete für eine starke, organische Reichsgewalt ein. die aber das gesunde Eigenleben der Länder ohne bittere Not nicht beschränken dürfe. Die Einheit zwischen Reich und Preußen müsse unter allen Umständen erhalten bleiben.
Das Beamtentum müsse als unabhängiges Berufsbeamtentum w'.ederhergestellt werden. Weiter setzte sich der Redner für den Mittelstand ein. Die DVP. sei national und liberal. Sie führe mit aller Energie den Kampf gegen den staats- und kultur-zersetzenden Bolschewismus. Die Namen Stresemann, Heinhe und v. Seeckt seien aus diesem Kampfe nicht wegzudenken. Die DVP. wolle aber keine Uniformierung und Reglementierung von oben, sondern Selbständigkeit und Geistesfreiheit im Sinne des Luthertums. Im Mittelpunkt ihres Demens stehe die Persönlichkeit. Die Haßbotschaft lehne sie ab gegenüber der Botschaft eines deutschen Verständnisses. Ihre Parole sei: Unter Schwarz-Weiß Rot mit Hindenburg für ein besseres Deutschland!
Eia Zahr G.sänoms für Brolat.
Berlin, 23. Februar. (TU.) Das Schwurgericht beim Landgericht III verurteilte am Samstag den ehemaligen BDG.-Direktor Fritz Brolot unter Anwendung des Milderungsparagraphen 157 StGB, wegen Meineids zu einemJahr Gefäng- n i s und zwei Jahren Ehrverlust. Den Haftbefehl gegen Brolat hielt das Gericht wegen Fluchtverdachts aufrecht.
In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, das Gericht fei zu der Ueberzeugung gelangt, daß Brolat in drei Punkten feiner Vernehmung wissentlich etwas unrichtiges ausgesagt und damit einen Meineid geleistet habe. Zweifellos sei bei Brolat das Motiv vorherrschend gewesen, seine Beziehungen zu den Sklareks und den Stadtbankdirektoren zu bagatellisieren. Milde gegen Brolat sei nicht am Platze gewesen. Wenn auch durch den Meineid Brolats niemand geschädigt worden sei, so sei der Meineid doch in einem Verfahren geleistet worden, in dem habe aufgeklärt werden sollen, wie es möglich gewesen sei, daß die Stadt Berlin durch die Sklareks um über 10 Millionen Mark habe geschädigt werden können. Hinzukomme, daß Brolat. ein Mann sei, der sich aus kleinen Verhältnissen her- i aus zu einer angesehenen Stellung emporgearbeitet I habe. Brolat sei ein Mann von großer Gewandtheit, I giT—nrz......na ■in1 iws———MM—a—
Gießener Gtadttheaier.
„Zirkus Krönchen" und Nachtkabarett.
Das Theater ist in diesen Tagen ganz und gar auf Fastnacht eingestellt. Das sogenannte närrische Treiben begann am Samstagabend mit einer großen Galavorstellung des „Zirkus Krönchen". Das -Orchester unter Kapellmeister Moehl intonierte das Programm mit einem schwungvollen Marsch und sorgte auch sonst für eine zünftige Zirkusmusik. Ernst Heck als „Re- co.nmandeur" hielt im Ton des Iahrmarkts- ausrufers eine drollige Ansprache ans Volk. Cffla- buine El riede (W alther-Lederer) produzierte sich zum allgemeinen Ergötzen als Wahrsagerin, während. dem Phänomen (Ton auf der zweiten Silbe!) Ras Safari aus dem Orient vor den Augen der schaudernden Zuschauer ein dicker Nagel in den Bauch geschlagen wurde. Die Kassiererin W i e l a n d e r hatte mit dem 25. Besucher Nieren eine stürmische Unterhaltung über ermäßigte Preise, während Ernst Heck als Kunstschütze einem Herrn aus dem Publikum die brennende Zigarette vom Munde wegschoh. Das eigentliche Manegenprogramm wurde mit einem korrekten Drahtseilakt von Anton Stür- z e n b a ch eingeleitet, der sich als ein sehr sauber arbeitender, vielseitiger Artist erwies und auch mit einer überaus wackligen „Flaschen-Nummer" und einem aufregenden Trapezakt zum Schluß lebhaften Anklang fand. Die Herren Deibel und Von-Ci ff (G. R. V. 1885) zeigten ihr großes Können als Kunstradfahrerduo: es war erstaunlich, wieviele Nuakicen und Tricks sie in ihrer lebhaft beklatschten Nummer unterbrachten. Wie es sich in einem richtigen Zirkus gehört, trieben zwischendurch die Clowns B ä u l k e, Bechstein, Sieten, Nieren und Wrede ein beträchtliches Allotria, während Herr Tünnes Wahlen als Stallmeister fungierte. Sehr hübsche Leistungen zeigte die lustige Reckriege vom Tv. 1843. „Der schöne Ewald" (D ä u l k e) gab eine stürmische Tanzeinlage zum Besten. „Zwei Dolbertis" sind ausgezeichnete Parterxe- Akrobaten; sie erschienen später nochmals mit Assistentin als „Three Beltows“ und zeigten einen Leiter- und Stahlstangen-Alt, der sich getrost an einem großstädtischen Variete hätte sehen lassen können. Eine hübsche Dressureinlage: die kluge Polizeihündin Cilly, die ihren Herrn von den Fesseln befreit. Frl. Flemming als La Tangolita steuerte einen rassigen spanischen Kastagnettentanz bei, während Liset (Beling) und Ernesto (Heck) sich als Kunstradfahrer von
Intelligenz und Tüchtigkeit, dem nicht nur allein die Zugehörigkeit zur SPD. auf diesen Posten gebracht habe. Wenigstens werde es sich nicht nachweisen lassen, daß Brolat allein die Parteizugehörigkeit zu seinen Aemtern geführt habe. Aber ein solcher Mann habe der Wahrheit viel mehr die Ehre geben müssen, als irgend ein kleiner Wicht, der es mit der Wahrheit nicht so genau nehme. Aus diesem Grunde habe das Schwurgericht zunächst eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren für Brolat als angemessen gehalten. Da Brolat aber der Strafmilderungsparagraph 157 Strafgesetzbuch zur Seite stehe, da er bei wahrheitsgemäßer Aussage mit einem gegen sich eingeleiteten Strafverfahren habe rechnen müssen, seien diese zwei Jahre in eine Zuch'haus- ftrafe von acht Monaten und diese wieder in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr umzuwandeln gewesen. Wegen der ehrlosen Gesinnung, die Brolat an den Tag gelegt habe, habe das Schwurgericht auch auf zweijährigen Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte gegen Brolat erkannt.
Aus aller Welt.
Auto rast in eine nationalsozialistische Gruppe. — Zwei verfehle.
Als dieser Tage die Krefelder SA.-Kapelle auf dcr Gladbacher Straße einem Kameraden ein Ständchen brachte, fuhr ein Auto in rasendem Tempo in die Zuhorermenge. Während ein SA.» Mann einen Armbruch davontrug, wurde ein anderer etwa tausend Meter weit mitges-H'.eift und blieb dann mit einem Schädelbruch hilflos liegen. Obwohl Polizeibeamte Schüsse auf das Auto abgaben, konnte es nicht zum Halten gebracht werden, so daß ein bereitstehendes Tleber- fallk mmend) d e Verso g;r.g cufn hm rnd schließlich das Auto auch stellen konnte. Der Chauffeur, ein erwerbsloser Kraftwagenführer aus Düsseldorf, wurde fest genommen. Der am Arm verletzte SA.-Mann konnte nach ärztlicher Be-
IMI IIIHIIIIIHI >11 IUI III Ml ■ III iniMIII — !III III ' ~TTI. IHM ~irii li|i. IW "MIIW überraschender Vielseitigkeit erwiesen, wozu sie doch beide vertraglich kaum verpflichtet sind. Ein besonders lustiger Einfall: die parodistische „Hohe Schule" alten Stils, geritten von Madame Wielander, unterstützt vom kleinen Paul (W rede). Das große, abwechslungsreiche, sichtlich mit Lust und Liebe aufgezogene Programm gefiel allgemein. Man amüsierte sich glänzend und spendete wohlverdienten Beifall. —
Am Sonntag: Nachtkabarett unter künstlerischer Leitung des Dramaturgen Kühne. Nach einem Vorspiel der Hauskapelle (Moehl) eröffnete Kühne als Ansager das neue Programm mit Wilhelm Buschs Versen „Von den schönen Künsten". Konzertmeister Schmidt spielte die Zigcunerweisen von Sarasate: eine sauber und elegant dargebotene, ausgesprochene Publikums- Nummer. Anschließend Frl. Flemming und Herr F i e r m e n t mit einem Duett aus dem „Ball im Savoy". Dann sprach Frau Walther- Lederer in einem ältbayerischen Kostüm etliche Dialcitgedichte von Professor M. D i n g l e r mit liebenswürdigem Humor. Ewald B ä u l k e zeigte seine neueste Tanzfck öpfang: eine exotische Kostüm- Pantomime. Annemar.e O 11 m e r brachte zwei tadellos vorgetragene Koloratur-Lieder. Kapellmeister Moehl präsentierte einen eigenen Eng- lish Waltz, gespielt von der Jazzband, gesungen von vier Mitgliedern des Ensembles. Als Beschluß des ersten Teils ein literarischer Scherz von Hans von Gumppenberg; er heißt „Der Nachbar" und ist eine mehr als blutige Moritat in einem Satz; Mitwirkende: Heyser, Fas- sott, Koch, Berger, Beling, Bruck, Sieten, Wielander. Sehr komisch. Nach der Pause: die Hauskapelle mit dem Schlager für 1933. Herr Nieren rezitierte ein Gedicht von Endrikat im Stil der „ZehntenMuse". Anschließend zwei Klaviersoli: Herr Moehl mit Orchester. Liesel Beling hatte sich als Köchin frisiert und sang zur allgemeinen Freude einen Schlager aus den „Drei alten Schachteln". Während Herr Kühne einen Aufsatz von Karlchen Ettlinger unter die Leute brachte, erschien Herr Druck als Nowotny und fang ein Couplet von den Leuten, die heute keine Zeit mehr haben. Ernst Heck als Manager vom Zirkus Krönchen warb mit beschwörenden Worten für die zweite Vorstellung. Als schwungvoller Ausllang: ein Schlagerpotpourri, das die Mehrzahl der Solisten dieses Abends noch einmal mit je ein paar Takten Revue passieren ließ. — Es gab viel freundlichen Beifall und einige Wiederholungen.
hth.
Handlung wieder entlassen werden, der andere SA.-Mann ist noch nicht vernehmungsfähig. Das Auto wurde s'.chergestollt.
Zuchthaus für einen Ueberfall auf einen Briefträger.
Das Schwurgericht in Breslau verurteilte den Maurer Franz, der im Oktober 1932 einen Briefträger auf dem Bcstcllgang aus d e rn Hinterhalt erschossen hat, wegen vorsätzlicher Tötung zu 12JahrenZuchthaus.
Unterschlagungen
bei der Ortskrankenkasse Aschaffenburg-Land.
Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Aschaf- fenburg-Land sind Veruntreuungen in Höhe von 5500 Mk. aufgedeckt und von dem flüchtig gegangenen schuldigen Geschäftsleiter auch brieflich eingestanden worden. Die Verfehlungen datieren vom Iuni vorigen Iahres und waren so verschleiert, daß sie nur öur</ eine fachmännische Prüfung feftgestellt werden konnten. Als Grund der Veruntreuungen wird wirtschaftliche Bedrängnis des betreffenden Angestellten angegeben. Der ungetreue Geschäftsleiter ist mit sofortiger Wirkung entlassen worden- Der Schaden ist, soweit sich bis jetzt fest* stellen läßt, gedeckt.
Drei Kinder auf dem Els elngebrocheu und ertrunken.
Auf dem schwachen Eis des rechten Regnitzarrnes ereignete sich, wie aus Nürnberg gemeldet wird, ein schweres Unglück. Drei Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren brachen ein und ertranken, ohne daß jemand davon etwas bemerkte oder ihnen zu Hilfe eilen konnte. Auf d em schneebedeckten Eis waren noch Spuren zu sehen, aus denen heroorgeht, daß die Kinder Hand in Hand auf dem Eis dahingelaufen fein müssen, bis sie an einer sehr dünnen Stelle einbrachen und unter der Eisdecke verschwanden. Als die Kinder am Abend nicht nach Hause kamen, ging man auf die Suche. Nach längerer Zeit wurden in der Nähe der Einbruchsstelle die Lei
Goeihe-Bund.
Gastspiel des Kölner Hänneschen-Theakers.
Am Kamevalssonntag, einem der höchsten Nationalfeiertage seiner engeren Heimat, wiederholte das berühmte, originale und weitgereiste Kölner Hännes- chen sein vorjähriges Gastspiel, das allgemeinen Anklang gefunden hatte, mit einem neuen Programm. Der Theoterdirektor und Hänneschen-Vater, Dr. N i e ß e n , begrüßte das kleine Publikum und hielt eine kurze Ansprache zum Willkommen und zur Einführung. Er erzählte, daß das Hänneschen eine lange Reije hinter sich habe, daß es weit in Deutfch- lano herumgekommen sei, und daß es überall alte und neue Jfceunbe gefunden habe, unter denen insbesondere die Rheinländer ihre- heimatliche Volksbühne mit Jubel und Dankbarkeit ausgenommen hätten. Nur einen Tag könnten sie diesmal in Gießen bleiben, denn morgen wollten sie alle zum Rosenmontag wieder daheim am Rhein sein. Dr. N i e ß e n ging dann kurz auf die nun 130jährige Geschichte des Hänneschen-Theaters ein, das von einem armen Kölner Handwerker namens Winters erfunden und eingeführt worden ist; Dr. Nießen erklärte die dreiteilige Bühne, auf der man in der Mitte als Prospekt das Bild des heiligen Köln erblickt; links ist die Stadt mit Apotheke und Gefängnis; rechts liegt das Dorf Knollendorf, wo das Wirtshaus steht und der „Mehlwurmspitter" wohnt und alle die volkstümlich-typischen Figuren des Spiels: das Hänneschen an der Spitze, der Tünnes mit der dicken Nase, der Besteva und die Maritze- bill und das Väroelchen. Alle diese Figuren sind, im Gegensatz zu anderen Marionetten, sogenannte Stockpuppen, und als solche charakteristisch für die Kölner Puppenbühne. Nach solchem Prolog begann die erste Nachmittagsvorstellung für Kinder und große Leute: es gab diesmal zu sehn: „Hänneschen und die Wunderlampe, orientalisches Märchen in drei Akten mit Gesang, lanx und Schlägerei" aus den Bezirken von „Tausend und einer Nacht". Hier werden beweglich und luftig geschildert die mancherlei Heldentaten des Hänneschen und der Seine am Hofe des Kalifen Harun al Raschid zu Bagdad. Dessen Tochter trauert um den Verlust ihrer Wunderlampe, die ihr von einem bösen Mohren geraubt wurde und von allerlei wilden Dämonen in der Zauberhöhle versteckt gehalten und bewacht wird. Hänneschen macht sich auf, die Lampe zu suchen, findet sie und bringt sie nach schrecklichen Abenteuern glücklich der Prinzessin zurück, wofür er vom Kalifen fürstlich belohnt wird. Die Heimkehr nach Knollendorf und das Wiedersehen mit der
chen von zwei Kindern geborgen. Die Leiche des dritten Kindes konnte noch nicht gefunden werden.
Als blinder Passagier halb erfroren.
Während der Schnellzug Dortmund—München in Lohr am Main hielt, entdeckte man unter einem Personenwagen einen blinden Passagier namens Stephan Tabak aus ülngarn. Der Mann hatte sich in Aachen in dem Unterbau des Wagens festgesetzt und bei der grimmigen Kälte eine furchtbare Fahrt mitgemacht. In halb erfrorenem Zustand wurde er unter dem Wagen hervorgeholt und ins Gefängnis eingeliefert.
Feuer im Bahnpostwagen.
In dem von München kommenden, über Stuttgart nach Saarbrücken rollenden beschleunigten Personenzug 900 war im Bahnpostwagen Feuer ausgebrochen, das aber rechtzeitig entdeckt wurde. Racy der Ankunft auf dem Stuttgarter Bahnhof wurde der brennende Wagen sofort abgekoppelt und auf ein freistehendes Gleis geschoben. Die Berufsfeuerwehr konnte auch ein weiteres älmsich- greifen verhindern. Der Wagen war mit Palet- post von Bayern, vor allem aus München, für ganz Württemberg, Baden und die Pfalz beladen. Wohl über luOO Pakete dürften durch Feuer und Wasser gelitten haben. Das Feuer ist vermutlich durch Selbstentzündung eines feuergefährlichen Gegenstandes in einem Paket entstanden. Explosionsunglück auf Spitzbergen. — Zehn lote.
In dem sowjetrussischen Kohlenbergwerk in Gru- mant-City (Spitzbergen) hat sich eine Explosion ereignet, bei der 10 Bergleute ums Leben k a - m e n. Die Bergungsarbeiten waren erst von Erfolg begleitet, als der Eisbrecher „Lenin" mit Gasmasken aus Barensburg auf Spitzbergen eintraf.
Deckeneinbruch in einem Wartesaal.
In dem Wartesaal des Bahnhofes Saarlouis brach eine Rabitzdecke ein. Drei Personen erlitten Verletzungen.
Dollar-Falfchgeld aus Sowjetrußland.
Bundesagenten haben festgestellt, daß hundert Millionen Dollar Falschgeld allein im letzten Monat in Chikago in Hunderdollarnoten in Verkehr gebracht worden sind, die aus Sowjetrußland stammen. Die Fälschungen wurden von fünf Banken in Chikago unbeanstandet angenommen. Sie werden von der amerikanischen Polizei als fast vollkommen erklärt. Die amerikanische Polizei glaubt, daß die Fälschungen von dem im Januar verhafteten Sowjetagenten Gregory V. Burton stammen, der an der Neuyorker Poliklinik als Arzt tätig war. Es wird angenommen, daß Burton mit den ebenfalls im Januar in Neuyork bei einer Flug- xeualanbung aus Kanada verhafteten angeblichen deutschen Staatsangehörigem Hans B u e l o w zusammenarbeitete. Beide befinden sich jetzt in Chikago in Untersuchungshaft. Buelow soll bereits ein Geständnis abgelegt haben. Beide behaupten, daß es sich um Banknoten handele, die chnen von Schnapsschmugglern angeschmiert worden seien.
Mllionenschiebungen bei der litauischen Post.
Wie das „Memeler Dampsboot" meldet, sind in Kowno große Schiebungen mit Briefmarken aufgedeckt worden. An diesen Schiebungen, die etwa drei Millionen Lit betragen sollen, sind dem Vernehmen nach einige hohe Beamte der Kownoer Post beteiligt. Diese sollen in den letzten Iahren künstliche Fehldrucke hergestellt haben, die die Briefmarkensammler wegen ihres Seltenheitswertes besonders gern kaufen. In den Text verschiedener Markenserien sind absichtlich Druckfehler und Veränderungen der Lage des Klischees hineingebracht worden. So ist z. B. bei einer Serie der Vytautias-Iubiläums- marke aus dem Iahre 1930 absichtlich das Bild gegenüber dem Text auf den Kopf gestellt worden. Für diese Marken sind bis 400 Lit pro Stück bezahlt worden. Bisher konnten acht Schuldige sestgestellt werden, die die Briefmarken in verschiedenen Ländern verschoben haben. Die Zentrale für diese Schiebungen soll in Berlin gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hat eine eingehende Prüfung aller Markenausgaben der litauischen Postverwaltung in den letzten 13 Iahren angeordnet und ist auch mit verschiedenen Briefmarkenhändlern des Auslandes in Verbindung getreten.
Braut Bärbelchsn bildet den Beschluß und wird mit einem fröhlichen Tänzchen beschlossen. Den Kindern machte der für Erwachsene fast grotesk anmutende Kontrast zwischen dem orientalischen Märchenzauber und dem rheinischen Volkshumor weniger Eindruck als die handgreiflichen Begegnungen der KnolleN- borfer Weltreisenden mit einem verblüffend realistischen Kamel, einem wilden Krokodil, dem Ziegenbock, dem Affen und einer sprechenden Ente: in diese Tiergestalten waren die unterirdischen Geister ein« gegangen, mit denen das mund- und schlagfertige Hänneschen siegreich fertig wurde. Die Kleinen spielten mit hellen Stimmen kräftig mit und kamen vollauf auf ihre Kosten. Die , Wunoerlampe" wurde dann am Nachmittag noch einmal wiederholt. Die Abendvorstellung war für Erwachsene gedacht und zeigte mit der Legende von der Pfalzgräfin Genoveva, einem „Trauerspill zum Dullache in fünf Akten mit Gesang, Tanz und Schlägerei", daß bas Kölner Hänneschen-Theater sich auch die ältesten und berühmtesten Stoffe der Weltliteratur auf seine Weise zu eigen zu machen versteht. Das Gastspiel der Kölner fand bei groß und klein freundliche Ausnahme und dankbaren Beifall. —
Carusos erster Triumph.
Caruso, der unvergessene Sänger, hat seinen ersten Triumph auf den Brettern, auf denen er dann so viele andere feiern sollte, einem seltsamen Llmstand zu verdanken gehabt, von dem seine Witwe Dorothy in dem ErinnerungsbuH „Flügel des Gesanges" ausführlich berichtet. Sie hat diese Erzählung aus dem Munde ihres Gatten' selbst vernommen. Caruso war damals nur Ersatzmann für den Tenor einer kleinen italienischen Truppe. Der Zufall wollte es, daß er gerade in eine Stadt, in der er Freunde hatte und mit ihnen das Wiedersehen mit reichlichem Wein gefeiert hatte, zur Vertretung des Tenors auf die Bühne gerufen wurde. Das Resultat war, daß der völlig Betrunkene ausgezischt und von seinem Direktor schmählich entlassen wurde. Als er am nächsten Tage traurig beim Wein saß, erschien ein Bote des Direktors und erklärte: „Komm schnell! Im Theater ruft das Publikum, der betrunkene Tenor soll wiederkommen und pfeift deinen Nachfolger aus." Caruso folgte dem Ruy der nach dem „Trunkenbold" erscholl und feierte dann feinen ersten großen Triumph. Später aber wollte er nie mehr in der Oper fingen, in der er damals aufgetreten war...


