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183. Jahrgang
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Fnedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange,- für Feuilleton Dr fj.Ibgnot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und^ür^eiAn. geigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (ßiejen.
Oie Parteiführer über ihre Ziele.
Hitler in Nürnberg.
Nürnberg, 25. Febr. (TTl.) Heute veranstaltete die NSDAP, in der Festhalle eine Kundgebung, die von etwa 25 000 Personen besucht war. Nach dem Einzug der Sturmfahnen und der Standarten erschien Reichskanzler Hitler, von der Menge stürmisch umjubelt. Nach kurzen Degrüßungsworten des Abgeordneten Streicher führte Hitler u .a. aus: Die Gegner fragen nach einem Programm. Wir müssen darauf antworten- Es ist nicht die Zeit, Dah ihr fragt, was wir wollen, sondern es ist unser Recht, zu fragen, was ihr getan habt. Die Gegner müssen heute Rede und Antwort stehen über das, was sie in 14 Jahren verbrochen haben. Sie redeten im November 1918 von Schönheit, Freiheit, Würde, von Brüderlichkeit .unö Gerechtigkeit, von Volkssrieden, von Weltabrüstung und VerstänDigung, von Neuaufbau im Innern, von sozialem Glück. Nach 14 Jahren haben sie das Gegenteil von alledem zurückgelassen. Heute reden sie von Unterdrückung und jammern über Presseverbote. 14 Jahre lang • haben sie uns unterdrückt und verboten und unsere Zeitungen beschlagnahmt. Mir selbst war jahrelang das Reden untersagt. Sie redeten vom sozialen Aufbau, und wir haben als Ergebnis:
Der Bauer Ist ruiniert, der Mittelstand verelendet, ein Drittel aller Arbeiter ohne Arbeit. Dazu kommt die katastrophale Lage der öffentlichen Finanzen. Ueberall Zersetzung, überall Aushöhlung: Das ist das Ergebnis dieses ^jährigen Regiments. Sie hätten die Pflicht, von selb st abzutreten. Sie wollen das nicht tun. Das deutsche Volk muh daher das Notwendige erzwingen. Ich trete nicht vor die Nation, willens nach dem 5. März das Schicksal des Bolles wieder denen zu übergeben, die 14 Jahre lang gesündigt haben. Deutschland wird in die Hände dieser Verderber nicht mehr zurückfallen. Kein Programm kann ein Volk retten, das nicht selbst einmütig denkt und einmütig handelt. Heber die Stände, über Besitz und Kapital, über Reichtum und Armut, über Bildung und Beschränkung und über Konfessionen hinweg muh wi.der eine gemeinsamePlatt- f o r m gefunden werden. Sie kann nur liegen in der Zurückfindung zum Begriff „Volkstum" und „M u t t e r e r d e".
Heber allem muh stehen: Deutschland als Reich, das deutsche Volk als Gemeinschaft. Ich fühle mich als Repräsentant des süddeutschen Stammes, und ich werde die Einheit des Reiches verteidigen gegen jeden Angriff. Wir schützen die christlichen Bekenntnisse, indem wir den Marxismus vernichten. Dir werden nicht dulden, dah Deutschland erneut in einen Krieg der Konfessionen verfällt.
Die Gegner sagen: Sie reden von vier Jahren. Ja, wenn ich lügen würde, wie sie es getan haben, hätte ich gesagt: deutsches Volk gib uns deine Stimme am 5. März, dann werden wir am 15. März eine Notverordnung zu deiner Rettung herausbringen. Das wäre einfacher gewesen. Man wird Jahre brauchen, um wieder aufzubauen, was verwüstet wurde. Die Gröhe der Katastrophe ist einzelnen Volksgenossen gar nicht klar. Es werden Jahre notwendig fein, um die Grunderkenntnisse in das Volk hineinzupflanzen, dah mahgebend für das Gedeihen eines Volkes die Existenz seiner Dauern ist. Genau so muh man eintreten f ü r den Arbeiter. Man muh den anderen Ständen klarmachen, dah es ohne den Arbeiter keinen Wiederaus st ieg geben kann. Als Dritter muh zu dieser Gemeinschaft der Arbeiter der Stirn stohen. Man wird sich auch loslösen müssen von den Theorien, die in der Welt alles suchen und in der Heimat nichts zu sehen vermögen. Man wird wieder eine gesunde Volkswirtschaft aufbauen, um auf ihr die weltwirtschaftlichen Beziehungen zu begründen. Man muh aber auch eintreten für die geistige Gesundung.
Deutscher Geist und deutsche Seele müssen wieder unsere Kultur beherrschen.
Wir werden dafür eintreten, dah das Volk frei wird von den falschen Göttern des marxistischen Materialismus. Wir werden Deutschland säubern von den Erscheinungen der Fäulnis und des Zerfalltz. Am 5. März habe ich das Volk zu diesem Bekenntnis aufgerufen. Es soll einmal heihen, dah wohl einzelne den Kampf begonnen haben, dah aber das Volk hinter sie trat#
Göring in Dortmund.
Dortmund, 25. Febr. (Täl.) 3n der überfüllten Westfalenhalle sprach Samstagabend Re'chsminister Göring. U. a. ging er auf die politischen Aufgaben seines Ressorts ein und sagte: Die wichtigsten Fragen seien die Säuberung des preußischen Beamtentums und die Neuknüpfung der Fäden zwischen Staat und Volk. Die marxistischen Minister hätten alle Verantwortung von sich abgewälzt und auf die kleinen Beamten abgelabcn. Diese Methode werde von Grund auf geändert. „Ich bekenne mich zu dem, was ich anordne", so sagte Göring. Die Verantwortung trage ich allein. Ich bin Soldat und habe gelernt, dah das Fehlgreifen in der Wahl der Mittel nicht so schlimm ist, wie das Unterlassen aller Wittel. Das erkläre ich meinen toten Vorgängern: die Schuld, die meine Beam
ten üben, ist meine Schuld, wenn sie schießen, ist das meine Kugel. Weiter setzte sich Göring dasür ein, dah der deutschen Sitte wieder Geltung verschafft werde. Er werde die Großstädte von dem geistigen Unrat des Systems freifegen. „Wenn", so fuhr Göring fort, „sogar schwarze Zeitungen, die uns Antichristen nennen, uns beschimpfen und behaupten, wir trieben zum Kulturkampf, so frage ich sie, wo waren eure Herren, al$ sie Arm in Arm mit den roten Brüdern gingen, wo war eure Religion und Kulturkampf damals? Seid ihr es gewesen, oder war es die heutige Regierung, die die weltlichen S ch u - l e n abfchuf, die dafür sorgte, dah die deutschen Kinder nicht wie Negerstroiche aufwachsen? Wir l'ssen nicht zum zweiten Wale Deutschland in einen Religionslrieg hineinpeitschen."
Der Redner wandte sich dann gegendenKom- m u n i s m u s , dem er Kampfmitallen Mitteln ansagte. Wenn hier Aufbau und dort Vernichtung stehen, bin ich nicht da, um Gerechtigkeit zu üben, sondern um die Vernichtung a u s= zurotten. U. a. erklärte er weiter: „Jetzt haben Die Herrschaften die Frechheit, zu sagen, die sozialen Belange würden angegriffen, Das Slrbeitsminifterium werde umgebildet. Jawohl, euere Bonzenherrschaft
wird umgebildet. Ihr habt zerstört, was man einen wahren Sozialismus nennen kann: 'Arbeit und Verdienst. Nur eine Zahl will ich nennen: Die gesamten Ausgaben der Personalverwaltung der Krankenkassen betragen heute 15 5 Millionen Mark (Pfuirufe) und die Ausgaben und Verwaltungskosten des gesamten preußischen Staates mit allen Ressorts, allen Beamten und Angestellten machen 7 6 Millionen aus. (Hört? Hört!) Wir wollen verhindern, dah der Arbeiter in Zukunft weiter so ausgesogen wird.
Unsere Bundesgenossen kennen uns als einen Gegner im Kampf. Jetzt sollen sie uns i n Treue als Verbündete kennenlernen. (Stürmischer Beifall.) Wo immer der Marxismus siegt, zerbricht ein Volk, geht eine Nation zugrunde. Wem das Beispiel unseres Volkes nicht genügt, der blicke nach Osten. Auch dort ist ein Volk untergegangen, weil der Marxismus in feiner legten Form, dem Bolschewismus, Sieger geworden ist. Die nationalen Kräfte, die heute Schulter an Schulter stehen, der feldgraue Stahlhelm und die braune SA., sind die Säulen, auf denen wir aufbauen müssen. Sie werden uns die Kraft geben, den Bolschewismus zu überwinden."
Llnienrdische Verließe der KPD.
Katakomben und geheime Gänge im Karl-Liebknecht-Haus. — Große Mengen revolutionärer Schriften aufgefunden.
Berlin, 25. Febr. (END.) Im Karl» Liebknecht - Haus, dem Zentralhaus der KPD., das seit zwei Tagen polizeilich geschlossen ist, wurden von der Polizei zahlreiche unterirdische Gewölbe mit großen Mengen Hochverräter.schen^Matcrials gefunden, ferner wurde ein unterirdischer Gang ausgedeckt, durch den bei allen Durchsuchungen von der Polizei gesuchte Personen verschwanden. Die Katakomben und der unterirdische Gang waren bisher der Polizei bei allen Durchsuchungen entgangen. Das Ergebnis der Durchsuchung des Karl-Lieb- knecht-Hauses ist als sensationell zu bezeichnen.
Ls hat sich gezeigt, dah die KPD. und ihre llnterverbände ein zweites illegales Dasein unter der Oberfläche führten und eine auhecordentlich rege Agitationstätigkeit entfalteten, deren Quelle der Polizei geheim blieb.
Schon in früheren Jahren fiel es auf, daß bei politischen Zusammenstößen gesuchte Personen ins Karl-Liebknecht-Haus liefen und bei Durchsuchungen dort nicht mehr gefunden werden konnten. Obwohl man nachforschte, konnte man bisher nicht entdecken, auf welchem Weg die Gesuchten das Haus wieder verließen.
Die mit großem Aufgebot an Kriminalbeamten jetzt vorgenommenen Durchsuchungen brachten des Rätsels Lösung. Man entdeckte im sogenannten Wachraum, in dem eine kommunistische Wache lag, unter den Schlafpritschen der Wache eine Falltür, durch die man über eine Leiter in einen Kellerraum kam. Von diesem Kellerraum aus geht ein Labyrinth von Gängen nach allen Richtungen. Ferner schließt sich ein unterirdischer Gang zur Dartelstraße an, der dort in einem Haus endet und das unbemerkte Betreten und Verlassen des Karl-Liebknecht-Hauses ermöglichte.
3n den unterirdischen Räumen liegen viele hundert Zentner hochverräterischen Materials, das auf den Druckmaschinen Im Karl-Liebknecht haus gedruckt worden sein dürfte.
In den Druckschriften wird zum bewaffneten Umsturz, zur blutigen Revolution aufgerufen. Schriften über die russische Revolution dienen zur Anlernung und Ausbildung der kommunistischen Staffelführer. Es wird gezeigt, wie zunächst bei Ausbruch einer Revolution überall angesehene Bürger fest genommen und erschossen werden sollen. Andere Schriften enthalten weitere Ratschläge und Anordnungen. Die gefundenen Geheimräume waren von den der Polizei bekannten Kellern des Hauses auf geschickte Weife getrennt worden. Man hatte sie mit verkleideten Türen, Regalen und großen Zeitungsballen verrammelt, so daß sie bei den zahlreichen Durchsuchungen des Hauses bisher nicht bemerkt wurden.
Interessant ist, daß im ganzen Karl Liebknecht- Haus ein raffiniertes Alarmsystem besteht, durch das bei jeder Durchsuchung sofort alle im Haus befindlichen Personen gewarnt wurden. An der Außenfront des Hauses liegt zunächst der Wachraum, dessen Fenster durch Zeitungsballen und Matratzen barrikadenartig verbaut sind. Daneben liegt ein Pförtnerraum, der durch Spiegel so gesichert ist, daß der Pförtner alle Vorgänge vor dem Haus bemerken kann, ohne selbst gesehen zu werden. Die große Einfahrt ist durch mehrere eiserne Tore gesperrt, wie denn auch im Haus an wichtigen Stellen eiserne Tore eingebaut sind.
3m haupteingang fand man in der Portierloge unter dem Ladentisch an der kante einen Alarmknopf und auf dem Fußboden eine Alarmklingel. Mit Hilfe ves Knopfes konnte beim Erscheinen der Polizei unauffällig die Zugangstür zum Haus automatisch versperrt werd.m, während die Alarmklingel den Hausinsassen das Er
scheinen von Polizei ankündigte. Die Polizei war bei den Durchsuchungen meist gezwungen, die automatisch versperrten Türen durch Schlosser öffnen zu lassen. 3n der Zwischenzeit hatten die im Haus tätigen Personen genügend Zeit, belastendes Material verschwinden zu laufen und durch den unterirdischen Gang das Haus zu verlassen.
Im fünften Stock fand man an der Front des Hauses einen etwa einen halben Meter hohen Kanal, der von den einzelnen Zimmern aus durch Abnehmen von Holzvekleidungcn zugänglich gemacht werden konnte. Durch diesen Kriechgang konnten gesuchte Personen ebenfalls im Falle der Not verschwinden, ferner wurden Ge- heimaktcn in diesem Gang gefunden.
Em kommunistisches Waffen- lager entdeckt.
Freiburg, 25. Febr. (WTB.) Wie wir erfahren, wurde heute morgen im Vorort Haslach ein kommunistisches Waffenlager entdeckt. Außer zwei Pistolen und hundert Schuh Munition konnten 80 selbstgefertigte Sprengkörper beschlagnahmt werden. Es handelt sich, wie von amtlicher Seite hinzugefügt wird, um den größten Waffenfund, der bisher in Freiburg gemacht wurde. Die Sprengkörper sollen nach den bisherigen Ermittelungen eine besonders hohe Sprengwirkung besitzen. Einige Verhaftungen von Angehörigen Der KPD. rourDen vorgenommen.
Große Mengen Flugblätter
• beschlagnahmt.
'S e r I , 25. Febr. (TLI.) Die Berliner Poli" zsi hat an vielen Stellen der Stadt riesige! Mengen aufreizender und zersetzender Flugblätter auf gefunden und beschlagnahmt. So wurden in der „Vorwärts"- Druckerei allein 40 Zentner gefunden und beschlagnahmt. In den Lagerräumen des internationalen Arbeitsverfages in der Stallschreiber- straße 100 000 Stück, in Der kommunistischen City- öruderei 280 000 Stück, und in einem Lagerraum in Der Fischerstraße 21000 Stück. Ferner tourDe in Neukölln eine Druckerei ermittelt und geschlossen, Die Flugblätter aufrcizenDen Inhalts her- ftellte. Schließlich würben noch 25 000 Exemplare Des Witzblattes „Roter Pfeffer" in Der Ritterstrahe wegen strafbaren Inhalts beschlagnahmt. / Görings polizeierlaß.
Befriedigende Aussprache zwischen Göring und Adenauer.
Berlin, 25. Febr. (VdZ.I Der Preußische Staatsrat hatte in feiner letzten Vollsitzung beschlossen, Daß Der Staatsratspräsident ADenauer um einen Empfang beim Reichs- Präsidenten nachsuchen uno den Reichspräsidenten bitten möge, den Erlaß des Reichskommissars, für das preußische Innenministerium Göring von sich aus aufzuheben. Cs handelt sich Dabei um Den Erlaß Des Reichskom- missars, worin Die Polizeibeamten ersucht werben, mit Den nationalen Organisationen ein gutes Einvernehmen zu pflegen, gegenüber staatsfeind- lichen Elementen, insbesondere den Kommunisten, wenn notwendig, rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, hat Vizekanzler von Papen in Der Angelegenheit Des Staatsratsbeschlusses eine Vermittlungsaktion Durchge ührt, Die Den Erfolg hatte, dah eine Direkte Aussprache zwischen dem Reichskommissar Göring und dem Staatsratspräsidenten A D e n a ue r am Samstag ftattfinöen konnte. Es verlautet, daß Präsident Adenauer in dieser ilnterrebung hinsichtlich Des Erlasses zufriedenstellende Erklärungen erhalten habe.
Hugenberg spricht von Benin aus.
Kassel, 26. Febr. (£tf.) Am Sonntagnachmittag sand in Der Kasseler Stadthalle eine große Kundgebung der Kampffront Schwarz- Weih-Rot statt. Reichsminister Dr. Hugenberg war infolge Unpäßlichkeit am persönlichen Erscheinen verhindert. Die Rede wurde deshalb Dom Arbeitszimmer Hugenbergs in Berlin aus telephonisch über Lautsprecher in die Kasseler Stadthalle übertragen. Hugenberg seinerseits wurde gleichzeitig durch Lautsprecher ü^er die Vorgänge in dem Versammlungsraum unterrichtet. Hugenberg führte u. a. folgendes aus: ilnfer aller Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dah die Reinigungsarbeit eine so gründliche ist, dah Sie nachher auf Jahre hinaus Ruhe vor Wahlkämpfen un*b Wahltagen haben! Volk, Staat und Wirtschaft tut ein längerer Zeitabschnitt not, in dem nicht die Wahllampsagi- tation das Feld beherrscht, sondern die sachliche Arbeit. Deshalb will der Kampfblock Schwarz-- Weih-Rot nochmals alle Kraft einsehen, um alle noch zögernden Volksgenossen mitzureihen zu dem großen Reinigungsakt. Der 3 0. Januar bedeutet eine Staatsumwälzung, wobei er sich aber von Der Staatsumwälzung Des 9. November 1918 DaDurch unterscheidet, Dah Diese nur auf Zersetzungsmomenten, auf Hoch- und Landesverrat aufgebaut war, während die llcbertragung der Macht an die nationale Opposition auf gesetzmäßigem Wege vor sich ging. Das amtliche Deutschland und das Deutschland des nationalen Willens sind zum ersten Male seit Der Revolution toieDer eins gctoorDcn!
Der Pazifismus, die Gottlofenbewegung und die sonstigen Lntartungserfcheinungen haben nicht mehr auf Förderung durch den Staatsapparat zu rechnen, sondern Darauf, daß die Staatsgewalt ihnen aufs schärfste entgegentritt.
Man möchte mir Den Vorwurf wirtschaftspolitischer Einseitigkeit machen, weil meine ersten Maßnahmen auf Dem Gebiete Der Agrarpolitik liegen. AuH allem, was ich gesagt ober ge- sch.ieben habe, geht hervor, Dah ich mir keinen anderen Weg zur Beseitigung der deutschen Wirtschaftskrise denken kann, als den der Wiederherstellung der deutschen Landwirtschaft. Es ist nicht möglich, der Industrie eine Millionenarmee von neuen Käufern zu geben und damit die Möglichkeit, die ertoerb-Hofen Arbeiter und Angestellten wieder einzustellen, wenn der erste Schub dieser Käuferarmee nicht durch Die Deutschen Bauern unD LanDarbeiter gestellt wird.
Deshalb gehört eine zielbewußte Agrarpolitik zu den besten Kampfmitteln gegen die großstädtische Arbeitslosigkeit. Ferner ist es unerläßlich, den gewerblichen Mittelstand zu stützen und zu fördern.
Eine gesunde Privatwirtschaft ist nur dann möglich, wenn Die Schicht Des Mittelstandes nicht weiter verkümmert, sondern aufblüht. Der Wert einer starken Privatwirtschaft wird nicht durch Die Gröhe Der Konzerne unö Durch eine ungesunde Zusammenballung spekulativer Kapitals.räste begründet, sondern durch Die Zahl unD Den Wohlstand von Millionen von Bauern, HanD- werkern, Kaufleuten unD felbftänDigen Menschen Der freien Berufe. In Der Linkspresse unterstellt man mir mangelnDes VerstänDnis für Arbeiter unö Angestellte unö Feindseligkeit gegen jede soziale Gesetzgebung. Das Gegenteil ist richtig.
Allerdings bin ich der Meinung, dah nicht diejenigen sozial handeln, die den Arbeitnehmer zum Erwerbslosen machen und ihn dann notdürftig durch Almosen unterstützen, sondern dah wahrhaft sozial der handelt, der Arbeit schafft.
Im übrigen bekenne ich mich zu der sozialen Gesetzgebung Kaiser Wilhelms I. und Bismarcks, die wir nicht zerschlagen, sondern von den Schäden des.marxistischen Bonzentums befreien wollen. Wir wollen eine Arbeiterschaft, die sich in Die Volksgemeinschaft eingliedert. Daneben wollen wir eine Angestelltenschaft, der wir ihre Sonderstellung in der Wirtschaft erhalten wollen. Alle diese Aufgaben lassen sich aber nur lösen, wenn eine starke nationale Regierung unbelastet von parteipolitischen Ränken auf lange Frist ihren Weg planmäßiger Arbeit gehen kann.
Ausruf
an die akademische Lugend.
Halle, 25. Febr. (WTB.) Rektor unö Senat Der Vereinigten Friedrichs-Ustiversität Halle-Wittenberg richten an Die Studentenschaft foigenden, Aufruf:
Die Deutsche Hochschule hat unD wird in ihrer wissenschaftlichen Arbeit nie vergessen. Daß sie Die deutsche Jugend für Den Dien ft am Deutschen V o I k zu bilden hat, unD daß sie vor allem berufen ist. Der Größe Der Deutschen Nation zu Dienen. Dieser unserer hohen Aufgabe gedenken wir Hochschullehrer besonders in einer Stunde wie Der gegenwärtigen, in Der Der entschlossene Wille zum WieDeraufbau und zur nationalen Gesundung über Die Grenzen von Parteien hinweg m^ch* tig zutage tritt unD unter Der Führung unseres Der* ehrungswürdigen ReichspräsiDenten, Des Feldmar- schalls von HinDenburg, Wege aus unserer 92 o t sucht. Wir rufen jeDen Deutschen, in erster Linie unsere Studierenden auf, in Dieser StunDe hintanzusetzen, was uns trennt unD nichts gelten zu lassen, als Die Liebe z u Volk unD BaterlanD.
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