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27.2.1933 Erstes Blatt
 
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Montag, 27 Zebruar M3

183. Jahrgang

Nr. 49 Erstes Blatt

GietzenerAnMer

Im Kampf um -en neuen Reichstag

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des modernen Grabenkrieges und besagt nichts

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Vorbereitung erneut vorzutragen. Wem das zu militärisch gesehen ist. der bedenke, daß die Poli­tik nichts anderes ist als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

schaftlicher Produkte Stadt und Land zum Wiederaufleben bringen würden. Die Unter­stützung der landwirtschaftlichen Schuldner durch Vollstrcckungsschutz werde, wenn sie lang an- daucre, den Agrarkredit vernichten und die Finanzen von Reich, Ländern und Gemein­den erschüttern.

Die Reichsfinanzen seien im Jahre 1931 32 notdürftig unter ungeheuren, aber un- vermeidbaren Härten für das ganze Volk ge­ordnet worden. Sie vertrügen aber keiner­lei Experimente und neue Ausga­ben. Außenpolitisch hätten die Vorgänge in Genf, wo Deutschland von allen, auch von Italien, im Stich gelassen worden sei, gezeigt, wie gefährlich unsere Isolierung bereits wieder sei. Die Staatspartei glaube nach wie vor an die verfassungstragenden Faktoren des Reichspräsidenten und der Reichswehr. Rur wenn Verfassung und Recht gesichert seien, könnte im vereinten Ringen aller Volks­teile um die großen nationalen Ziele der Gleich­berechtigung und der Geltung unter den Völkern mit Erfolg gekämpft werden.

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.'Innahme von Mnjetge.» für die lagesnummer Dti zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Neichspsennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20. mehr.

Thefredakteur.

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in (Biegen.

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vor dem Hotel Atlantik, wo sich am Alsterufer eine riesige Menschenmenge eingefunden hatte, einen Fackelzug.

Dietrich auf einer Berliner Kundgebung derEtaatspartei

B e r l i n , 26. Febr. (CNB.) Die Deutsche Staats- Partei veranstaltete in der Philharmonie eine Wahlkundgcbung, in der Rcichsfinanzminister a. D. Dietrich u. a. ausführtc, die Methode, für alle Schwierigkeiten und Röte die 14jährige Regierung der sogenannten Marxisten verant­wortlich zu machen, sei geeignet, den Blick der Wähler davon abzulenkcn, daß die Regierungen nach Brüning mit denselben Sorgen und den gleichen Röten hätten kämpfen müssen, wie er, ohne besondere Erfolge zu verzeichnen. Vielmehr könne nur helfen die Wiederauf- richtung der Weltwirtschaft, die allein sechs MilUonen Arbeitslose wieder in Lohn und Brot bringen könnte, die dann ihrerseits mit einer Lohnsumme von mindestens sechs Milliarden als Käufer vornehmlich landwirt-

Das Namensschild derEmden" dem Reichspräsidenten überreicht

L e r l i n, 27. Februar. (WTB. Funkspruch.) Reichspräsident o o n S) i n d e n bürg empfing heute den australischen Bevollmächtigten in London The Right Honourable Stanley Melbourne Bruce, der im Austrage der australischen Regie­rung das Namensschild des im November 1914 ge­gen den australischen KreuzerSidney" unterlegenen deutschen KreuzersEmde n" überbrachte. In einer längeren Ansprache kennzeichnete der Minister die­sen Akt nicht nur als eine Ehrung für dieEmden" und ihre ritterliche Besatzung, sondern auch a l s ein Zeichen der Freundschaft des australischen Volkes für das deutsche Volk. Der Herr Reichspräs ident dankte mit herz­lichen Worten und sprach die Ueberzeugung aus, daß diese Tat wesentlich zur Vertiefung der sreund- schaftlichen Beziehungen der beiden Länder beitra­gen werde. An dem Empfang nahmen der britische Botschafter Sir Horace R u m b o l b und der bri­tische Marine-Attache Brigattenkapitän H am e s sowie der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder teil.

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festgelegt. Die Form kann wechseln, der An- I griffswille bleibt. Es gibt keine Verstän» 1 bigung zwischen Gleich und Gleich; es gibt nur die ilntertoerfung Deutschlands. Ist eine Ver­ständigung nicht möglich und ist eine Unterwer­fung ausgeschlossen, so bleibt nur der Kampf. Die­ser ist Deutschland seit Hunderten von Iahren aufgezwungen und er dauert heute noch an. Frie­densschlüsse beeinflussen nur seine Form. Gleich nach dem Frankfurter Frieden hat Frankreich ihn wieder ausgenommen und in immer sich erneu­ernder Weise weitergeführt, bis die Weltlage den offenen Krieg erlaubte. Der Versailler Frieden gab ihm zum zweiten Male das im Gegenan­griff verlorengcgangene Elsaß-Lothringen, öffnete das Tor des Saargebiets, für den Freund das von Cupen-Malmedy und erbaute das Glacis vor der eigenen Grenze. Der größte' Erfolg der fran­zösischen Politik war die Schaffung des zweiten Armes der Klammer in Polen. Seit diesem Frieden geht der Kamps weiter. Deutschland be­findet sich wie stets in einem Abwehr­kampf gegen die dauernde Vergewaltigung. Frankreich nennt die in sein Land vorgetrage­nen Stöße von 1814, 1815, 1870 und 1914 räu­berische Einfälle, gegen deren Wiederholung es

-sich schützen müsse, und wird nie zugeben, daß es nur Gegenangriffe eines Verteidigers waren. Daß es die neu gewonnene Stellung mit allen Mitteln ausbaut, entspricht den Grundsätzen

Weg und Ziel der neuen Sozialpolitik.

Eine 2Rci)c des Reichsarbeiismmisters Seldie vor der Siahlhelmselbsthilfe.

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvck mtb Verlag: vrLHI'sche Universilölr-Vuch« und Steinörudcrel K Lange in Gletzei. Schristlettnng und Seschästrstelle: Zchulffraße 7.

Vizekanzler von Popen in den Hansestädten.

Bremen. 26. Febr. (WTB" Vor 3000 bis 4000 Zuhörern sprach in einer Versammlung der Kampffront Schwarz-Wciß-Rot Vizekanzler von Papen, der u. a. aussührte.

In den letzten 15 Iahren ist außerordentlich wenig geschehen, den deutschen Volksgeist und den deutschen Volkskörper zu kräftigen, die Proleta­risierung nur wurde weitgehend vorangetrieben, die Folge war ein allgemeines Denken und Füh­len nur in Geld und Geldeswert. Das sind die Früchte der marxistischen Politik. Die furchtbarste Folge und die furchtbarste Gefahr ist das akade­mische Proletariat.' Es ist ja nicht wahr, daß der deutsche Arbeiter alles sozialisieren möchte, im Grunde hat er die Sehnsucht, etwas Eige­ne s zu besitzen und folgt ganz dem Instinkt sei­ner Ahnen, die auch auf eigener Scholle gesessen haben. Wir müssen daher die große Entwurzelung abbremsen und eine neueZeit der Einwurzelung anbahnen.

Wir sind weit davon entfernt, den nationalen Gedanken in Erbpacht zu nehmen. Wir machen vielmehr die Arme weit auf für die alle, die mit­zukämpfen bereit sind. In diese Front gehört vor allem der deutsche Arbeiter, der mit uns vier Iahre in den Schützengräben Opfer ge­bracht hat. In unserem Lager stehl heute die deutsche Iugend, die sicherlich keiner reak- aktionären Gesinnung verdächtig ist, die keine Standesvorurteile kennt. Aber diese deutsche Iu­gend bekennt sich zum Gedanken der Wehrhaftig­keit. Am Ende unserer Entwicklung muß die Zertrümmerung der Parteien stehen, oder diese Epoche der deutschen Geschichte würde völlig ihren Sinn verloren haben. Der Bund, der am 30. Ianuar geschlossen wurde und über den der Geist des Reichspräsidenten v. Hinden­burg seine segnende Hand gehalten hat, wird nicht zerbrechen an dem älngeist des deutschen Parteilebens. Wer etwas an- deres glaubt, der wird eine ,grausame Enttäu­schung erleben. Möge in den Stunden des 5. März der Geist des alten Reichspräsidenten v. Hindenburg mit uns sein, so schloß Herr v. Papen unter stürmischem Beifall der Versam­melten, der einst zu mir sagte:Von Par - teienwillichnichtswissen.dasganze Deutschland soll es sein!"

Am Sonntagabend sprach der Vizekanzler i n Hamburg, wo er u. a. erklärte: Aus der großen Sackgasse, in die Deutschland geraten ist, kann uns nur das Handeln der nationalen Rech- t e n befreien. Das gewaltige Kapital an nationa­lem Stolz, das sich jetzt zeigt, muß genutzt werden. Das alte Ideal der Hanse, möglichst vielen Besitz und Verantwortlichkeit zu verschaffen, die Beto­nung des Wertes der Persönlichkeit, das ist auch das deutsche Ideal. Unsere Parole heißt: Heraus aus der Vorstellungswelt der Weimarer Ver­fassung. Ich selbst habe mich nie in den Pferch der Parteien begeben, ich kämpfe in der ersten Front, die geistige Revolution dieser Taae voranzutreiben. Ich weih, daß es schwer sein wird, einen Ausgleich der sich vielfach widerstrebenden Interessen zu fin­den. Sicher ist, daß die Regierung dem Gedanken folgen muß, daß nur d i e Privatinitiative des deutschen Unternehmers die Wirt­schaft wieder ingang setzen kann. Da ich gewisser­maßen als der Treuhänder der neuen Regierung gelte, muß ich der Welt und Deutschland sagen, daß der Bund, den zu fügen ich helfen durfte, auch nach dem 5. März nicht zusammendre - ch e n kann. Diese Regierung und ihre Arbeit sind an kein Wahldatum gebunden. Diese Regierung wird das Heute lange überdauern, weil sie eine große Aufgabe zu erfüllen hat: Dienst am deutschen Volk und sonst nichts, der deutschen Zwietracht mit­ten ins Herz. Die Rede wurde mit starkem Bei­fall ausgenommen. Im Anschluß an die Kundgebung brachte der Hamburger Stahlhelm dem Vizekanzler

rniui nung

B e r I i n, 26. Februar. (WTB.) Der Erste Bundessührer des Stahlhelms, Reichsarbeitsminister Seldte, hielt am Sonntag auf einer Kund­gebung der Stahlhelm-Selb st Hilfe eine auch durch den Rundfunk verbreitete Rede, in der er u. a. ausführte: Am 3. September d. I. roirb, ber Stahlhelm in Hannover, im Lande und in der Stadt Scharnhorsts, aufmarschieren. Aber nicht nur aus diesem äußerlichen Grunde wird der diesjährige 14. Reichsfrontsoldatentag im Zeichen des Freiheits­kämpfers, des großen Heeresreformators und Schöp­fers der allgemeinen Wehrpflicht stehen. Der Stahl­helm, der vom ersten Tage an stärkster Träger des Wehrgedankens war, wird im deutschen Volk erneut die alte Stahlhelmforderung w e h r p o l i t i s ch e r Gleichberechtigung wachrufen. Die soziale Besserung hat die nationale Befreiung und damit die Wehrhaftigkeit zur Voraussetzung. Die Ein­gliederung des Arbeiters in Staat und Gesellschaft sehe ich als die wichtigste soziale Aufgabe an. Aus dem Gedanken der Front­kameradschaft heraus fühlen wir uns mit der deutschen Arbeiterschaft eng verbün­de n, und gern habe ich als Erster Bundesführer des Stahlhelms das Amt des Treuhänders der Arbeitnehmer im Reichskabinett übernommen. Ich bin im Fabrikleben groß gewor­den, bin in meiner Ausbildungszeit selbst Arbeiter gewesen, habe jahrelang unter Arbeitern gelebt und habe schicksalsgemäß als Kompanieführer im Felde oroie als Stahlhelmführer nach dem Kriege der Arbeiterfrage menschlich immer nahe gestanden.

Deutschland ist das Land der Arbeit und der Ar­beiter, Arbeiter freilich nicht als Klasse gesehen, sondern im Sinne der £ ei ft u n g und des Wertes, in dem roi r alle Arbeiter sind, wo wir auch stehen. Der Mechanisierung, dem Kollektivismus, der protetarifierung sehen wir den Gedanken der Leistung, der organischen Gliederung, der persönlichen Verantwortung ent­gegen. Deshalb bejahen wir den Gedanken des derufs ständischen Aufbaues unter Ausschaltung der Parteien und Klaffen.

Eine meiner ersten Amtshandlungen war, denen eine Erleichterung ihrer schweren Lage zu verschaffen, die vor allen anderen darauf Anspruch haben: den alten Soldaten und ihren Hinterblie- benen. Es ist weiter das Bestreben unseres Ka­binetts, gewisse im Vorjahre unvermeidlich gewor­dene und zwangsläufig eingetretene Härten möglichst

zu mildern. Ich habe seit jeheh. auch{ die Arbeit­nehmer d i e Forderungnach Besitz und Eigentum erhoben. Ich bin der Auffassung daß schon die erste gesparte Mark Besitz ist, und daß sich letzten Endes um diesen Begriff Besitz, Eigen alles bewegt: Kultur, deutsche Sitte, .eigene Scholle, Hei­mat, und daß von der Heimatliebe der Weg führt zur Vaterlandsliebe.

Dem Freiwilligen Arbeitsdienst gilt meine besondere Sorge. Die Verbindung von Arbeit und Dienst haben wir aus unserm Front- folbatentum heraus schon feipT13 Iahren nicht nur als Idee, sondern auck/durch j)i£ Tat vor- gelebt. Unter den Trägern des Freiwilligen Ar­beitsdienstes steht der Bund der Aontsokdaten mit seinen mehr als 409 geschlossenen Lagern an der Spitze.

Wer gesehen hat, wie der Arbeitsdienst aufl blassen, unterernährten, verzweifelten Arbeits­losen wieder helläugige, stramme Kerle gemacht hat, wie er den durch die Arbeitslosigkeit aus dem Leben Ausgestoßenen wieder Zutrauen zu sich selbst gegeben und ihnen das Erlebnis der Gemeinschaft und Kameradschaft geschenkt hat, wer den Widerhall gehört hat, den der Ge- dante des Freiwilligen Arbeitsdienstes in allen Lagern der Iugend gefunden hat, dec weiß, daß dieser Gedanke nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist, sondern daß er alle Förderung und energische Weiterentwick­lung verdient- Der Arbeitsdienst wirkt der so­zialen Rot unserer Tage gerade dort entgegen, wo sie sich für die Zukunft unseres Volkes am ge'ahrlichsten auswirkt, bei der Iugend Den singen, dec Schule entwachsenen Iahrgängen, die .m Arbeitsdienst stehen, wird die Möglich­keit gegeben, überhaupt erst einmal arbeiten zu lernen.

Die großen Vorarbeiten, die der Stahlhelm auf dem Gebiete des Arbeitsdienstes feit Iahren ge­leistet hat, werden Grundlagen für den weiteren Ausbau fein. Wir wollen dabei kein Monopol für den Stahlhelm, sondern die Zusammenfassung und den Einsatz aller nationalen aufbauwilligen Kräfte. Wie auf allen anderen Gebieten, so lehnen wir auch hier aus der Idee der Volks­gemeinschaft das Monopol einer Partei oder Gruppe ab.

selbstverständliche Voraussetzung ist, so muß auch die klare Erkenntnis von dem Nutzen vorhanden sein, den der Partner sich von der Abmachung verspricht. Freiwillig abgeschlossene Staatsverträge jeder Art haben doch nur dann Wert und Aussicht auf gewisse Dauer, wenn die aus ihnen sich er­gebenden Vorteile beiden Teilen zugute kom­men. Solange man die Vorteile der Gegenseite nicht ebenso klar erkennt wie die eigenen, wird Miß­trauen am Platze sein. Es könnte sonst der Fall eintreten, daß man gegen einen kleinen eignen, dem Partner einen weit größeren Vorteil verschalst, der früher oder später zum eigenen Nachteil ausschlagt. Wirtschaftlich mag eine Verständigung zwi­schen Frankreich und Deutschland auf bestimmten Gebieten von Nutzen für beide Teile sein; nichts wird dem entgegenstehen, sich über solchen Fall zu ver­ständigen. Es gibt auch Taus ch o bjek t e in der Politik, und gegen Geschäfte mit ihnen wird sich keine grundsätzliche Einwendung erheben lassen. Das sind Fragen der Tagespolitik und Aus­gaben der Diplomatie. Grundsätzlicher Widerspruch ist einem Glauben entgegenzustellen, der eine dauernde Verständigung zwischen den bei­den Staaten für möglich hält, und einer Politik, welche von diesem Glauben ausgeht.

Frankreich kann seine Kampfstellung gegen Deutschland nicht aufgeben, feine Politik ist ge- schichts- und erdgebunden, sie kann erst aufhören, wenn die Lebenskraft Frankreichs versiegt. Cs aibt Episoden stärkerer und geringerer Er- , uv» iiiuutimui wluuchh-icucö «hl, pansions kraft, die Hauptlinien der Politik sind j gegen die Absicht, den Angriff nach gründlicher

Zwischen Ost und West.

I.

Das deutsch'franzosische Verhältnis.

Don Hans von (Seedf, Generaloberst.

Bei der Hanseatischen Verlagsanstalt Ham­burg erscheint eine neue Schrift des Schöpfers der Reichswehr: Deutschland zwischen Ost und West, die einen interessanten Aufriß unserer außenpolitischen Situation gibt.

Wir befinden uns Frankreich gegenüber im Zustand der Verteidigung. Eine Verständigung im Großen ist damit ausgeschlossen; sie könnte nur in völliger Unterwerfung bestehen. Wo deren Grenzen zu suchen wären, ist schwer zu sagen. Der Begriff eines gesättigten Frankreichs, das auf jede Aus- dehnung seiner Macht verzichtet, ist nicht vorstell­bar. Es mag ehrlich den Frieden wünschen, solange es ein französischer Machtfriede ist. Es gibt auch genug politische Eroberungen mitten im formalen Frieden. Es gibt auch Pausen in der Aneignungs­politik; man könnte von Verdauungspausen sprechen, denen dann neuer Hunger folgt. Je nach diesem Zustand wechseln die Methoden, wechseln die Mittel der Politik. Das Ziel, die Ausdehnung der Macht Frankreichs nach Osten auf ft o ft e n Deutschlands, bleibt stets das gleiche, daran ändert der Name nichts, den zufällig der Sei­ler der Politik hat. Man spricht dem Franzosen/ mit Recht oder Unrecht ist gleichviel das Ver­ständnis für andere Nationen ab. Für die deutschen Zustände hat er stets ein gutes Verständnis be­wiesen und stets verstanden, die stch bietenden Schwächen, auch die von Personen, auszunutzen. Auf je geringeren Widerstand er glaubte zu stoßen, um so stärker wurde sein Druck. Er wäre nicht der geschickte Politiker, der er ist, wenn er nicht ver­stände, ein sich bietendes Hindernis zu umgehen, wenn es nicht fortzuräumen ist, und auch einen besseren Moment abzuwarten, wenn die Konstella­tion ungünstig ist; aber sein Ziel verliert er nicht aus dem Auge. Frankreich hat als der glückliche Besitzende mehr Zeit als das in seiner Not fordernde Deutschland.

Manche Leute in Deutschland glauben, _ daß Frankreich den Höhepunkt seiner Macht über­schritten habe und wollen das Knistern im Ge­bälk hören. Solche Prophezeiungen sind von zweifelhaftem Wert. Wären sie zutreffend, so wäre für uns doppelte Sorge am Platze; denn was läge näher, als daß Frankreich die noch vorhandene llebermacht schnellstens ausnuhte, um für die Zeit des kommenden Abstiegs sich noch größere Sicherheit vor Deutschland zu verschaffen? Andere Befürworter eines deutschen Anschlusses an Frankreich weisen auf die wirt- schaf tlichen Vorteile, die beiden Ra­tionen aus einer Verbindung erwachsen würden, hin, und sehen, auch über die Kreise unmittel­bar an solchen Abmachungen interessierter In­dustrieller hinaus, die Zustimmung weiter Teile zu einer vorausgehenden oder gleichzeitigen Verständigung über alle politischen Fragen voraus. Es fehlte jeder Beweis, daß Frankreich durch die Verhältnisse gezungdn wäre, seine politischen Ziele wirtschaftlichen Vorteilen zu opfern, ganz abgesehen davon, daß diese doch auch Deutschland zugute kommen müßten, was wiederum Frankreichs Interesse nicht zuließe.

In Deutschland ist man sogar im Anschluß- und Derständigungsbedürfnis so weit gegangen, von einem Militärbündnis zwischen Frankreich und Deutschland zu sprechen und die Bereitwil­ligkeit Frankreichs gegenüber diesem Vorschlag, ja sogar eine Aufrüstung Deutschlands zu diesem grotesken Plan als selbstverständlich vorauszuset­zen. Ganz abgesehen von einem tatsächlichen Ein­verständnis Frankreichs mit solchen Ideen, für das kein beweiskräftiges Anzeichen vorliegt, ent­steht doch zunächst die Frage, was Frankreich bei solcher Abmachung gewinnen würde. Für wel­chen Zweck sollte es den hohen Preis einer Aufgckbe seiner militärischen Aeberlegenheit be­zahlen? Gegen wen das ist bei jedem Mi­litärbündnis die erste Frage soU dieses Bünd­nis gerichtet sein? Gegen England, gegen das Frankreich wirklich keine Linkerstühung durch eine Landmacht gebraucht? Oder vielleicht gegen Ruß­land? Hier liegt wohl ein Gedanke, und zugleich ein Wunsch vor, der solchen Vorschlag für Frank­reich überhaupt diskutierbar machen könnte. Frei­lich steht auch diese Annahme auf schwachen Fü­ßen; denn eine Geneigtheit Frankreichs zu einer militärischen Intervention gegen den Sowjetstaat scheint keineswegs zu bestehen, wie die jungften Abmachungen zwischen beiden Staaten bewiesen haben. An das Schicksal Deutschlands als Auf- marschgebiet einer französischen Arm^e gegen Ruß­land, an die Rolle des deutschen Hilfskorps un­ter französischem Kommando darf man dabei nicht denken.

Vielleicht tut man solchen Plänen zu viel Ehre an, wenn man sich überhaupt mit ihrer Wider­legung ernsthaft beschäftigt; sie sind nur der Aus­fluß einer Stimmung, deren Verbreitung nicht zu verkennen und nicht'zu unterschätzen ist und aus der heraus nach einem Ausweg aus unserer Not gesucht und dabei der falsch^ und gefährliche gewählt wird. Das gibt solchen Auswüchsen der Phantasie ein gewisses Gewicht. Der Glaube an die Derständigungsmöglichkeit und die Verständigungs­bereitschaft auf der französischen Seite scheint un­ausrottbar; sonst würden nicht immer wieder neue Versuche in dieser Richtung von den Berufenen und den Unberufenen unternommen werden. Wir erleben es immer wieder, daß ein neuer Mann glaubt auf neuen Wegen zu dem ersehnten Ziel zu kommen. Wenn der Glaube an den eige­ne n Nutzen bei solcher Verständigung man kann auch von Bündnis, Entente, Vertrag sprechen

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24-Februar 1933

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