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„Ich bin kein Krämer", hatte er ihr finster erwidert. „Die Möbel können in ein paar unbenutzten Zimmern zusammengestellt werden."
Da hatte sie nichts mehr erwidert. Die neue Einrichtung kam, die Rechnungen dafür aber lieft Edelgarde nach Gollwern zu ihrem Dater schicken, der sie stillschweigend bezahlte. Harry von Achern aber kam sich seitdem vor, als sei er bei sich selbst nur zu Gaste. Und Edelgarde entfaltete nach und nach ihr sprunghaftes, unberechenbares Wesen immer mehr. Einmal überschüttete sie ihn mit Liebkosungen, das andere Mal wieder sticft sie ihü zurück. Wenn er dann stolz und verschlossen ihr gegenüber war, dann weinte sie und klagte, dah feine Liebe zu ihr schon erloschen sei. Harry von Achern wuftte, dah er mit dieser Heirat den grötzten Irrtum begangen, doch nach auften hin lieft er sich nichts werten. Herr Ängsten war einmal in Achern, hatte eine kleine Meinungsverschiedenheit des Jungen Paares mit angehört und meinte dann später zu Achern:
„Sie hat viel von der Mutter. Ich habe geglaubt, eine tiefe, große Liebe würde vieles ändern können. Biclleicht, wenn sie ein Kindchen hat, wird ihr das Leben mehr Inhalt geben."
Harry von Achern lächelte bitter zu den Worten seines Schwiegervaters. Er dachte an Edel-
„Er muß fort! Er ist mir unsympathisch. Seine feindlichen Blicke habe ich nur zu wohl bemerkt."
Achern hatte ihre Hände in die feinen genommen.
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und dachte: Was berührt daS Chauffeur denkt!
Herr von der Ledde neigte
Joseph Wimpert besaß Bildung. Er haßte die junge Frau, aber es fiel ihm nicht ein, in Gegenwart eines anderen Dienstboten davon zu sprechen. Der Kutscher nickte mit dem Kopf und machte sich so allerlei Gedanken.
Währenddessen fuhr Edelgarde mit dem leichten Iagdwagen nach Gollwern. Eie hatte keine FurchL Die Tiere gehorchten ihr auch, und der leichte Wagen, rollte jetzt auf der Landstraße dahin. Ein Auto kam ihr entgegen. Als Edelgarde etwas langsamer fuhr, sah sie, daß auch der Herr im Auto stutzte. Er ließ halten, und auch Edelgarde fuhr Schritt. Der Herr lüftete freudig erstaunt den Hut.
„Gnädige Frau, ich bin entzückt. Ihnen hier zu begegnen."
Edelgarde lachte. Sie hielt und streckte ihm die Hand im eleganten Wildlederhandschuh entgegen.
„Ich will gerade nach Gollwern", sagte Herr von der Ledde. „Ich habe doch nicht etwa das Bergnügen, mit Ihnen zusammen hinfahren zu dürfen? Ja? Aa, da soll einer noch behaupten, es gebe keine Glückspilze! Darf ich mich zu Ihnen sehen? Mein Chauffeur kann vorausfahren."
Nachdem er die Erlaubnis hatte, mit im Iagdwagen Platz zu nehmen, gab er seinem Chauffeur Anweisung. Der fuhr davon. Edelgarde ärgerte sich plötzlich über den hämisch-verstehenden Blick, den der Mann ihr noch zuwarf. Glaubte der vielleicht gar, sie habe sich hier mit seinem Herrn verabredet?
Dann warf die junge Frau den Kopf zurück
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meldete?"
Sie lachte ihn aus.
„So? 2!a, ich habe aber wenig davon gemerkL Fräulein Osterroth gefiel Ihnen doch sehr, — warum heiraten Sie sie nicht?"
Er wehrte erschrocken ab.
„Fräulein Osterroth? Aber ich bitte Sie, Gnädigste, das war ja alles nur.. M nachdem ich sah. daß Sie mir verloren waren."
Edelgarde kam es plötzlich zum Bewußtsein, daß es doch wohl nicht schicklich sei, dah sie hier allein mit diesem tollen Menschen, von dem man sich die unglaublichsten Dinge erzählte, nach Gollwern fuhr. Was sollten sie dort denken? Lind Harry! Mein Gott, Harry, wenn der das wüßte! Er hatte manchmal eine Art, vor der sie sich fürchtete. Aber nun hatte sie sich einmal leichtsinnig in diese Situation begeben, nun mußte sie auch zusehen, die Sache mit Geschick unauffällig zu Ende zu führen.
(Fortsetzung folgt.)
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zu ihr.
„Wissen Sie auch. Gnädigste, war, als man mir Ihre Derlobung mit Achern
gardes Worte:
„Ein Kind? Bein. Harry, ich will kein Kind. Alle Frauen sind alt, sobald sie ein Kind haben, und ich will immer jung und schön sein. Ich mag Kinder überhaupt nicht. Mich würde ein solcher Schreihals nur stören."
Der letzte Achern!
Es war, als riefe eine höhnische Stimme eS aus allen Ecken des alten Schlosst, als f '
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„Der letzte Achern!"
Den ersten ernstlichen Auftritt hatte ihr, als sie darauf bestand, daß der alte Wimpert entlassen werden sollte. Achern hatte seine Frau erstaunt angesehen.
„Wimpert? Aein, er bleibt! Was hat er getan? Wimpert ist ein Stück von Achern. wird nicht fortleschickt."
Das klang sehr bestimmt. Sie bäumte sich unter den festen, bestimmten Worten.
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Neuanschaffungen meiner Garderobe bezahlen." Er sah sie einen Augenblick lang fassungslos an. dann stieg ein wilder Zorn in ihm auf.
„Mir scheint, du hast dir nicht nur daS Land- leben, sondern die Ehe überhaupt falsch vorgestellt. Eine Frau gehört zu ihrem Mann. Ich habe nicht die geringste Lust, eine lächerliche Figur abzugeben. Du wirst hier bleiben, Edelgarde: ein weiteres Wort darüber zu verlieren, wäre zwecklos. Wenn du dir Mühe gibst, dann wirst du mit der Zeit auch unserem alten, schönen Achern Geschmack abgewinnen können. S'.eh dich nach ein paar kleinen Pflichten um, damit es dir nicht langweilig wird. Lind nun wollen wir diese LlNterredung beenden, sie war unerquicklich genug."
Er reichte ihr die Hand, die sie trotzig übersah. Er seufzte unmerklich und ging.
Als Cdelgarde allein war, stampfte sie mit dem Fuß auf.
„Lind ich werde doch reisen! Papa wird mir Geld geben. Wie verhaßt mir Harrys stolze, herrische Art ist! Papa hat mir nie einen Wunsch abgeschlagen, und er wagt, mich schulmeistern zu wollen?"
Die junge Frau ging in ihr Ankleidezimmer, räumte Schränke und Kästen aus. Warf ihre kostbare Garderobe durcheinander und brachte ihre Zofe zur Berzweislung.
Eine Stunde später fuhr sie nach Gollwern hinüber. Sie kutschierte selbst. Der alte Kunscher sah ihr entgeistert nach.
Dann bekreuzigte er sich heimlich. In das stille Schloß war ein anderer Geist gekommen! Der gnädige Herr machte jetzt auch immer solch düste- res Gesicht. Langsam ging der alte Mann in das Wirtschaftsgebäude zurück. Er konnte dies auch nicht ändern. Die gnädige Frau hatte ihm die Zügel aus der Hand gerissen und war selbst auf den Sih hinaufgeklettert. Ihre herrische Stimme: „Ich will jetzt keine Lakaienseele um mich haben!" klang ihm noch jetzt in den Ohren. Lind dabei waren es die neuen Pferde. Die waren lange nicht so fromm wie die zwei Braunen. Wenn mir da kein Llnglück passierte! Die gnädige Frau hatte die Gäule geschlagen, und das hatte ihm der gnädige Herr streng untersagt. Sie wurden dann störrisch und gingen durch. Aengstlich schlich der Kutscher ins Leute- zimmcr, wo Joseph Wimpert gerade Kaffee trank. Er trank sonst stets drüben im Schloß bei der Mamsell in der Küche, aber ab und zu kam er doch zu einem Plauderstündchen herüber. Wimpert hatte es bald genug heraus, was seinen alten Freund drückte. Er nickte mit dem Kopf.
„Ja, ja, es ist kein Glück mit ihr gekommen. Der gnädige Herr ist tagelang auf der Jagd, oder er sitzt allein in seinem Zimmer und arbeitet. An, vielleicht wird noch einmal alles gut, man darf die Hoffnung nicht verlieren. Der gnädige Herr wird wohl auch so denken."
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„Edel, fei doch vernünftig. Der alte Mann kann dock dir zulieb sein Gesicht nicht ändern. Er hat mich stets bedient, ich würde ihn sehr vermissen."
Sie hatte ihre Hände befreit, hatte ihn trotzig angesehen.
„Er soll fort!"
Achern war einen Schritt zurückgetreten. Auf seinem Gesicht war der finstere, ablehnende Zug. den sie schon längst an ihm haßte.
„Liebertreibe deinen Hochmut nicht, Edelgarde. Die Leute haben es dir noch nicht vergessen, daß du ihnen bei deinem Einzug hier nicht einmal die Hand reichtest. Hier in Achern hat man die Leute immer als gleichberechtigte Menschen betrachtet: du darfst dich nicht wundern, wenn sie dir nun keine Liebe entgegenbringen. Sie lieben Pia — warum dich nicht?"
In ihren Augen loderte Hatz.
„Pia? Was geht mich dieses Findelkind von der Straße an? Ist es nicht schon schlimm genug, daß mir ihre Anwesenheit hier im Schloß zugemutet wird? Daß ich sie als gleichberechtigt an- erkennen soll? Warum willst du mir dieses Mädchen als Borbild hinstellen?"
Er mühte sich, so ruhig wie möglich zu bleiben. Aber es fiel ihm schwer.
„Edelgarde, Pia ist meine Schwester. Sie wurde als solche von meinen Eltern erzogen. Mein Vater hat gewußt, wen er erzog, das muß dir genügen. Ich wünsche, daß du dich mit Pia verträgst. sie kommt dir ganz gewiß entgegen und bleibt dir fern, wenn du es wünschst, doch mit deinem Haß verfolge sie lieber nicht, du würdest nur verlieren in meinen Augen."
„Ach ja, ich muß mich wohl mit ihr vertragen, du wirst ja allen Grund haben, daß du das viele Geld für ihre Heilung ausgegebcn hast. Aur, mein Freund, düpieren lasse ich mich nicht, — daß du das weißt. Denkst du, ich weiß nicht, dah sie dich liebt? Männer lassen sich so etwas ja immer gern gefallen, sie verlangen nur von der Frau die eheliche Treue. Aun, ich bin nicht eifersüchtig auf die Kleine. Aber, wie gesagt, du sollst wenigstens erfahren, dah ich Bescheid weih."
Mit hartem Griff faßte er ihre Hand.
„Du wirst dich nicht noch einmal vergessen, solche Sachen zu behaupten. Ich warne dich, Edelgarde. Ich bin nicht so geduldig, wie es dein Dater deiner Mutter gegenüber war."
Er war brutal geworden und bereute es schon Im nächsten Augenblick. Vichts war ihm so verhaßt als derartige Auseinandersetzungen. Er strich sich über die heiße Stirn. Seine Augen gingen an ihr vorüber. Leise sagte sie:
„Otty Weiler hat mich so dringend eingeladen, ein paar Wochen zu ihr nach Bo lin zu kommen. Hättest du etwas dagegen? Cs ist mir zu langweilig hier. Ich habe mir das Landleben nicht so gräßlich vorgestellt. Ich konnte dann mit Otty Bälle und Theater besuchen. Papa wird gern die
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