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26.10.1933 Zweites Blatt
 
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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

llr.251 Zweites Blatt

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loren sind Mittwoch nachmittag zu einer

Albert S a r r a u t.

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Paris, 25. Oft. (TU.) Der Präsident der Re­publik Lebrun hat am Miltwochnachmittag den bisherigen Kriegsmarineminister im Kabinett Dala- dier und radikalsozialistischen Senator Albert Sac­ra u t mit der Bildung des Kabinetts be­auftragt.

Die radikalsozialistischen Abgeordneten und Sena-

späten Abendstunden wurde folgende Ministerliske in parlamentarischen Kreisen als aussichtsreich be­sprochen:

Sarraut, Ministerpräsident und Auhen- minister,

Ehautemps, Innenminister, D a l a d i e r , Kriegsminister, Senator Steeg, Unterrichtsminister, Senator B a r t h o u , Kriegsmarineminister, Senator Laval, öffentliche Arbeiten, D a l i m i e r, Kotonialminister, p i e t r i, Haushaltsminister, Bonnet, Finanzminister.

Diese Kombination würde sich auf rund 300 Stim­men in der Kammer stützen können, die v o n den Reusozialisten bis einschließlich der Gruppe Flandin reichen würden.

der Küste mit sich bringt, ganz genau. Sie werden sich gehütet haben, unter solchen Umständen den sicheren Turm zu verlassen. Gründliche Nachforschun­gen bestätigten, daß die zuerst gewählte Erklärung nicht in Betracht kommen kann. Der Sturm hatte nämlich am 12. und 13. Dezember getobt, am 14. ging nur noch eine steife Brise, am 15., dem Tage des Verschwindens, war die See ruhig. Die drei Wächter können also nicht in dem Sturm umge­kommen sein. Möglich wäre ja nun, daß McArthur am 15. Dezember verunglückt ist, und daß Ducat und Marshal an diesem Tage bei Rettungsver­suchen ihr Leben eingebüßt haben. Aber: wie be­merkt, der Landungsplatz lag voll Taue, und die Beiden hätten dem Kameraden gewiß ein Tauende zugeworfen, ohne sich selbst der Brandung auszu­setzen. Kein Seemann stellt Rettungsversuche auf andere Weise an. Das Rätsel bleibt ungelöst.

Sitzung zusammengetreten und haben in einer Ent­schließung ihren mit der Regierungsbildung beauf­tragten Parteigenossen Sarraut ihrer vollsten Sympathie versichert, eine eingehende Stellung­nahme sich aber bis zur Bekanntgabe der endgültigen IHiniftertifte Vorbehalten.

Albert Sarraut hat am Mittwoch gegen 22 Ahr seine Beratungen mit politischen Persönlichkeiten abgeschlossen, ohne sich zu einer endgültigen An­nahme des Auftrages des Präsidenten der Republik schon entschlossen zu haben. Er erklärte Pressever­tretern, daß er noch über die Ergebnisse seiner Ver­handlungen nachdenken müsse, ehe er eine end­gültige Antwort erteilen könne. Am Donnerstagfrüh wird Sarraut vor den radikalsozialistischen Parla­mentariern sein Programm entwickeln. 3n den

Verhandlungsgrundlage bildenden alten 2H a c bo­na l b p l a n im Sinne bet letzten engli- schen Vorschläge umzuarbeiten und die in der Zwischenzeit zwischen den einzelnen Mächten direkt geführten Besprechungen jetzt festzulegen.

In der Sitzung ist über den Austritt Deutschlands oder etwaige Verhandlungen mit Deutschland mit keinem Wort gesprochen worden. Jedoch ist in der Aussprache deutlich die Auffassung zum Ausdruck gekommen, baß jetzt grundsätzlich die Tür für direkte Ver­handlungen zwischen den einzelnen Mächten und damit unausgesprochen auch mit Deutschland offen gelassen werden muß. Der äußerst elastisch gehaltene Auftrag an das Prä­sidium ermöglicht Verhandlungen zwischen den ein­zelnen Mächten oder im Rahmen bestimmter Grup­pen von Mächten, die jedoch nicht vom Präsidium selbst zu führen sind. Damit will man offensichtlich ohne unmittelbare Einschaltung des Präsidiums alle Wege offenlassen, um in der Zwischenzeit bis zum 4. Dezember die Besprechungen zwischen den einzel­nen Mächten zu ermöglichen. Das Präsidium ist

Ser HauMSschuß der MriistiingSlonserenz bis zum 1 Dezember vertagt

Genf, 25. Oft. (TU.) Das Präsidium der Abrüsiungsfonferenz trat Mittwoch nachmittag zum ersten Male seit dem deutschen Austritt unter dem Vorsitz von Henderson zu einer geheimen Sitzung zusammen, um über die neue äußerst schwie­rige und heikle Lage der konseren; zu beraten und die Beschlüsse für den am Donnerstag zusammen­tretenden Hauptausschuß vorzubereiten. Der deutsche Sih blieb leer. Die englische Regie­rung war durch Staatssefretär Eden, die franzö­sische durch M a s s i g l i und die Vereinigten Staa­ten durch Hormon Davis vertreten. Die Eröss- nungsrede Hendersons fand als grundsätzliche Ausführung zu dem gegenwärtigen Stand und den Zufunftsausfichten der Abrüstungskonferenz starke Beachtung. Henderson hat hierbei u. a. folgendes ausgeführt: Das Präsidium der Abrüstungskonfe­renz muß in seinen weiteren Arbeiten jetzt zwei wesentlichen Gesichtspunkten Rechnung tragen:

1. Die Abrüstungskonferenz hat die Aufgabe, ein Abrüstungsabkommen auszuarbeiten.

2. Der ursprüngliche englische Ab­kommensentwurf muß die Grundlage dieses Abrüstungsabkommens bilden.

Es wäre für die Abrüstungskonferenz geradezu vernichtend, jetzt eine Politik einzuschlagen, die als Beweis der Unfähigkeit oder des fehlenden Willens, ihre Aufgabe zu er­füllen, ausgelegt werden könnte. Eine derartige Politik würde ein vernichtender Schlag für den Völkerbund, die Abrüstungssache sowie auch für die Ehre der Abrüstungsfonseren; jein, und würde denjenigen in die Hände spielen, die seit vielen Monaten schon behaupten, daß gewisse Mächte ihre Rüstungen nicht herabzusehen oder zu beschränken gewillt sind. In der Oesfentlichkeit ist in der letzten Zeit viel über eine 23 e r t a g u ug der Konferenz bis zum näch sten Jahr gesprochen worden. Mit größter Offenheit muß ich daher erklären, daß ich mich einem derartigen Entschluß mit all en Kräften widersehen werde.

In der längeren Aussprache ist eine lleberein- stimmung über folgende zwei Punkte zustandegekom- men:

1. Der Hauptausschuß vertagt sich bis zum 4. Dezember.

2. Das Präsidium wird vom hauptausschuß be­auftragt, in der Zwischenzeit einen neuen geschlossenen Text ausjuarbeiten, der sodann dem Hauptausschuß am 4. Dezem­ber zur Verhandlung vorgelegt wird.

Die Vertagung der Konferenz zum 4. Dezember wurde auf den Vorschlag der Vertreter Englands und Frankreichs hin beschlossen. In größter Ueber- einftimmung betonten die meisten Regierungsver­treter, daß eine friftlofe Vertagung der Konfe­renz unter den gegenwärtigen Umständen als ein Zusammenbruch der Abrüstungskonferenz aufgefaßl werden würde. Der hauptausschuß soll daher am Donnerstag lediglich die heutigen Beschlüste des Präsidenten ohne sachliche Verhandlungen ratifizie­ren und sich fodann dis zum 4. Dezember vertagen. Die Entscheidung über die in der Zwischenzeit zu führenden Verhandlungen war weit schwie­riger. hierfür lagen verschiedene Vorschläge vor. Das Präsidium einte sich auf eine äußerst elastische Formel, nach der jetzt der hauptausschuß das Prä­sidium beauftragt: 1. den noch immer die alleinige

Vielleicht gibt es dennoch eine Erklärung. Wie Dr. I. W. Wurfdain mitteilt, der sich neuerdings mit dem Geheimnis von Eilean Mor beschäftigte, hat man bei dem westlichen Landungsplatz der Insel einige Jahre nach den erzählten Begeben­heiten eine merkwürdige Naturerscheinung beob­achtet, ohne äußere Veranlassung stieg die See innerhalb weniger Sekunden um mehrere Meter, und dieses Phänomen, das auf vulkanische Tätig­keit zurückgeführt wird, hat sich später noch einige Male wiederholt. Möglicherweise sind die drei Leuchtturmwärter diesem, ihnen unbekannten N- turereignis zum Opfer gefallen.

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Sarraut mit her Kabinettsbildung beauftragt

Noch keine Entscheidung. Eine erste Ministerliste.

damit den Wünschen Frankreichs und der Kleinen Entente, nach denen die Arbeiten jetzt sofort und ausschließlich im Rahmen der Abrüstungskonferenz ge­führt werden sollen, nicht gefolgt und hat sich im wesentlichen den angelsächsischen und italie­nischen Tendenzen angepaßt. Die Hoffnung auf eine Einigung mit Deutschland bildet daher den wahren Hintergrund des heutigen Ver­tagungsbeschlusses. Man ist offensichtlich, wie auch von französischer Seite betont wird, allen Beschlüssen aus dem Wege gegangen, die zu einer weiteren Verschärfung der Lage und einer Erschwerung der .Verhandlungen mit Deutschland führen oder die zu einer deutschen Isolierung beitragen könnten. Man will in den nächsten Wochen einen engeren Redaktionsausschuß einsetzen, der sich auf die Ausarbeitung eines einheitlichen Textes auf der Grundlage der Entwicklung der letzten Monate beschränken soll. Ausdrücklich ist betont worden, daß bindende Beschlüsse oder Entscheidungen jetzt nicht fallen sollen. Die Vertagung des Haupt­ausschusses bis zum 4. Dezember erfolgte bezeich­nenderweise unter der Bedingung, daß bis dahin wesentliche Fortschritte erzielt sind.

Erfolgt jetzt in den nächsten Wochen die Einigung mit Deutschland nicht, und wird Deutschland die grundsätzliche sachliche Gleichberechtigung nicht ge­währt, so ist damit, wie sich aus den heutigen Be­schlüssen des Präsidiums eindeutig ergibt, das Schick­sal der Abrüstungskonferenz endgültig besiegelt.

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Dieser Ufa-Tonfilm, der ein unheimliches' Geld gekostet haben muß, vereinigt in seiner Handlung ungefähr alle Elemente, die man von einem raffi­niert angekurbelten Sensationsstück erwarten kann: hier hat man Kriminalaffäre, Spionagefall und Liebesgeschichte in einem; man muß die Erfindungs­gabe der Hersteller (Drehbuch: Philipp Lothar M a y r i n g) bewundern, welche die erstaunlichsten Tricks und Ueberraschungen zu einem abenteuer­lichen Roman gemischt haben. Schüsse krachen, ein Auto stürzt, sich überschlagend, den Felsabhang hinunter; ein italienischer Ingenieur hat eine hoch­aktuelle Erfindung gemacht, die jedes Flugzeug im Umkreis von zehn Kilometern zur Landung zwingt; ein gewisser Herr Gran, der angeblich Artist ist, hat ein Geheimtelefon in seinem Hotelzimmer; dann segelt er in einer schnittigen Jacht über den blauen Lido und fischt eine hübsche junge Dame aus den Fluten; man kann ihn aber auch in die einsam»

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hinter den Worten; aber iehen zu dürfen. Sein Herz (Fortsetzung folgt.)

Sarraut ist weder durch rhetorische noch sonstige Gaben, die ins Auge fallen und zündend wirken, hervorgetreten. Er gilt, wie sein etwas links stehen­der Freund Daladier, als sachlicher Kopf, der in verschiedenen Kabinetten einmal Marineminister, dann Kolonialminister und zuletzt auch Kriegs­minister gewesen ist. Im berühmten und bald ver­unglückten Kabinett der nationalen Konzentration Poincarös von 1926 war er Innenminister. Sarraut galt aber hinter den Kulissen als hauptein- peitscher der Radikalsozialisten, die in Wirklichkeit das Kleinbürgertum vertritt und in Sarrauts Heimat, Bordeaux, dem Lande der Sonne und des Weines, Sarraut immer wieder gewählt hat. Die Sarrauts sind die Besitzer des größten französischen Provinzblattes, derD 6 peche de T o u l o u s e". hier tarn hin und wieder eine etwas fortschrittlichere Betrachtung des Verhältnisses zwi­schen Frankreich und Deutschland zum Ausdruck, so im Januar 1932, als das Blatt für die Schulden­streichung, also das Ende der Reparationen ein trat und damals als bete noire von der ganzen Pariser Presse angesehen wurde, während nur Daladiers Republique" ihr zustimmte. DieDepeche" ver- langte eine Abkehr von der Haßpolitik und einen ehrlichen Verständigungsoersuch. Tat­sächlich hat im Herbst vorigen Jahres die Lausanner

Das Geheimnis des Leuchtturms.

23on Victor Klages

Das Rätselhafte, Unentschleierbare, das oft mitten in den Alltag fällt, hat die Menschheit von je stark gefesselt, und gerade in unseren Tagen zeigt sich ein lebhaftes Interesse für diese Dinge, wohl des­halb, weil die fortschreitende Maschinisierung des Daseins von selbst seelische Gegengewichte auslöst. Der Drang nach dem Geheimnisvollen ist mächtig, aber man braucht, um auf seine Kosten zu kommen, keineswegs ins Exotische zu schweifen, man braucht nicht alte Kriminalfälle auszugraben oder gar in die vierte Dimension abzuirren. Gewisse reale Vorgänge, so einfach sie sind, bergen manchmal mehr der Span­nung als erklügelte Romane. Eine der seltsamsten Begebenheiten hat sich um die Jahrhundertwende auf der Felseninfel Eilean Mor zugetragen, und noch heute ist man über den Ablauf des Geschehens durchaus im Unklaren.

Der Nordwestküste von Schottland ist eine Reihe kleiner Inseln vorgelagert:Die sieben Jäger". Es find hohe Felsen, die ziemlich unvermittelt aus der See wachsen und kleine Lebensmöglichkeiten bieten; daher sind sie auch unbewohnt. Nur Sturm­vögel nisten auf den wilden Zacken, brüten dort ihre Eier aus. Die größte dieser Inseln ist Eilean Mor. Fast immer herrscht in dieser Gegend schlechtes Wetter, die See kommt selten zur Ruhe, und es ist erklärlich, daß der schottische Küstendienst im Jahre 1895 beschloß, zur Sicherung der Schiffahrt auf Eilean Mor einen Leuchtturm zu errichten. Der schwie»ige Bau wurde erst 1899 vollendet. Vier Leuchtturmwärter 1 auften nun auf dem sturmum­wehten Felsen, unu zwar war der Dienst so einge­teilt, daß drei von ihnen gleichzeitig für den Unter­halt des Blinkfeuers sorgten, während der Vierte zur Erholung auf dem Festland weilte. Alle 14 Tage kam der Regierungsdampfer ,^)esperus", brachte den Urlauber nach Eilean Mor und holte einen ande­ren der Wächter ab. Ein Jahr, nachdem der Leucht­turm in Gebrauch genommen war, ereignete sich der merkwürdige Vorgang, von dem hier die Rede sein soll, und mit dem auch die Geschichte des Blink­feuers auf Eilean Mor endet.

Am 26. Dezember 1900 kam derHesperus" zur Ablösung. An Bord befand sich der Leuchtturm­wärter Joseph Moore, während die drei anderen, James Ducat, Thomas Marshal und Donald McArthur, auf der Insel ihren Dienst versahen. Man hatte zwei Landungsplätze angelegt, einen auf der Westseite, einen im Osten des Felseneilan­des. Der Dampfer näherte sich von Osten und gab

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das übliche Sirenensignal. Die Wächter hatten die Gewohnheit, die Ankunft des Fahrzeuges, das auch Briefe brachte, am Ufer zu erwarten, aber diesmal regte sich nichts, und kein Mensch war zu sehen. Moore ging an Land. Niemand kam ihm entgegen, und so begab er sich geradenwegs zu dem Leucht­turm. Die Tür war eingeklinkt, aber nicht verschlos­sen. Er rief. Keine Antwort. Im Wohnraum der Wächter brannte kein Feuer, obwohl es mitten im Winter war; die Uhr stand still. Es war niemand anwesend. Moore holte Leute aus dem Boot, das ihn an Land gefetzt hatte, und gemeinsam suchte man die ganze Insel ab. Von den drei Leuchtturm- Wärtern war keine Spur zu finden.

Man stand vor einem Rätsel. Die genauere Un­tersuchung ergab, daß Ducat am 15. Dezember, morgens 9 Uhr, die letzte Eintragung in das Turm­buch gemacht hatte. Die Lampen waren geputzt, keinerlei Unordnung war zu bemerken. Aus dem Umstand, daß Töpfe und Pfannen zum Anrichten des Essens bereitgestellt waren, konnte man unge­fähr den Zeitpunkt bestimmen, an dem die Wächter den Turm verlassen haben mußten; Es wird zwischen 10 und 12 Uhr vormittags gewesen sein. Spater wurde die Richtigkeit dieser Berechnung erwiesen, denn der Kapitän Holmann vom DampferArcher der in der Nacht vom 15. zum 16. Dezember Eilean Mor passierte, hatte kein Feuer wahrgenommen. Die Lichter des Turms waren also schon am Abend des 15. Dezember nicht mehr angezundet worden. Wo aber waren Ducat, Marshal und McArthur hinqeraten? ..

Die Oeljacken und Seestiefel der beiden Ersteren konnten nicht gefunden werden, und das gab einen Anhaltspunkt. Denn Moore erklärte, sie hatten diese Sachen immer angelegt, wenn sie zum Landungs­platz gegangen seien. Man durchsuchte also die Lan­dungsplätze. Auf dem östlichen war gar nichts 3U entdecken; im Westen dagegen fanb man beträcht­liche Spuren eines wilden Sturmes. U. a. war eine Kiste mit Tauwerk, die hoch oben in dem Felsen 110 Fuß über dem Meeresspiegel, verstaut gewesen war, herabgeschleudert worden. Der gange Lan­dungsplatz war mit Tauwerk bedeckt. Auch einen großen Steinblock, wohl eine Tonne schwer, hatte der Sturm losgoschlagen. Um eine Erklärung für das Vorgefallene zu finden, griff man zum Nächst­liegenden. Man nahm an, daß einer der Wachter, vermutlich McArthur, während des Sturmwetters verunglückt fei, und daß die beiden anderen, bet dem Versuch, ihn zu retten, ihr Leben hatten lassen müssen. Aber diese Erklärung war von vornherein wenig stichhaltig. Im Seedienst ergraute Leute, wie diese Drei, kennen die Gefahren, die etn Orkan an

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Donnerstag, 26. Oktober 1955

Konferenz das Ende der Reparationen gebracht und dem Blatte Sarrauts, nicht feinen krakeelenden Geg­nern, Recht gegeben. Man wird sich erinnern, daß auch Daladier entgegen der aufgehetzten öffentlichen Meinung nicht an eine Ueberwindung der Hah- pfychofe gegen uns verzweifelte, wenn er sich auch nicht direkt für eine Verständigung einzusetzen wagte. Wie weit Sarraut, wenn es ihm gelingt, für die innerpolitifdje Aufgabe die entsprechende Mehrheit zu finden, einen außenpolitischen Kurs der Ver­ständigung und Vernunft einschlägt, ist bei der La­bilität der französischen Politik natürlich nicht vor­her zu umreißen.

Aus oder Wett.

Graf Zeppelin" unterwegs nach Lhikago.

Die Landung desG r a f Z e p p e l i n" in Akron (USA.) erfolgte am Mittwoch unter Regen und Hagel nach einer bei scharfen Winden zurückgelegten Nachtfahrt. Um 6.50 Uhr war das Luftschiff in der Halle untergebracht. Das Luftschiff ist heute (Don­nerstag) früh 5.35 Uhr (MEZ.) in Akron zum Fluge nach Chikago aufgestiegen. An Bord des Luftschiffes befinden sich zahlreiche Vertreter der Luftfahrtbehörden, des Heeres, der Marine, des Handelsamtes und verschiedener Industrieunter­nehmen.

In den Vereinigten Staaten herrscht größtes Interesse und einhelligeBewunderung für die neue große Leistung desGraf Zeppc - I i n". Die Zeitungen berichten genau über alle Einzelheiten der Fahrt. Den gewaltigsten Eindruck jedoch machte die erste große Rundfunküber­tragung des Luftschiffes vom Atlantischen Ozean in Höhe von Haiti nach Amerika über 3000 Kilometer nach Riverhead auf Lang Island, dec amerikanischen Empfangsstation für Kurzwellen.

Schneestürme über Kanada.

lieber Montreal (Kanada) ist ein schwerer Schnee st urm hinweggefegt, wie er seit 20 Jah­ren nicht so frühzeitig mehr aufgetreten ist. Der Schneesturm legte das ganze Geschäftsleben lahm. Der gesamte Verkehr, in erster Linie die Eisenbahn und Straßenbahn, wurde empfindlich gestört, so daß die Belieferung der Stadt mit landwirtschaft­lichen Erzeugnissen verhindert wurde. Sogar die Telefon- und Telegraphenlinien wurden unter­brochen. Aus der kanadischen Hauptstadt Ottawa werden ähnliche Zustände gemeldet.

Betrunkener Autofahrer rast in eine hitlerjungengruppe.

In der Nähe der schlesischen Ortschaft Piskorsine fuhr der aus Wohlau stammende Versicherungs- beamte Blümel mit seinem Personenkraftwagen in eine Kolonne von 20 Hitlerjungen. Sieben Hitler- jungen wurden schwer verletzt; vier davon haben Schädelbrüche erlitten. Der Autofahrer war angetrunken.

Raffinierte Betrügerbande festgenommen.

Seit Anfang dieses Jahres haben, wie die Köl­ner Kriminalpolizei mitteilt, in Köln, Augsburg, München, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Essen, Leip­zig, Berlin und Hamburg zwei Gruppen von Be­trügern eine Anzahl von Buchmachern dadurch erheblich geschädigt, daß sie die Ergebnisse aus­ländischer Rennen, bevor sie amtlich verbreitet, wurden, durch einen geheimen Kurz­wellensender übermittelt bekamen, und auf die Siegerpferbe Wetten anlegten. In dieser An­gelegenheit hat die Kriminalpolizei in Köln vier Personen festgenommen. Ein nach Augsburg ent­sandter Kölner Kriminalbeamter hat dort die Fest­nahme von weiteren vier Personen bewirkt und das dort hergestellte Empfangsgerät sichergestellt. Mit diesem Empfangsgerät, das z. T. im Kraft­wagen eingebaut war, haben sich bann bie Be­trüger in ber Nähe von Wettannahmestellen auf» gestellt unb bie Rennergebnisse, bie nach einem be- sonders vereinbarten Cobe gefunkt würben, abge­hört. Die Festnahme einer weiteren beteiligten Per­son erfolgte in Berlin.

Villa an ber Via Appia einbringen sehen unb wenig später sogar an einem fremben Gelbschrank herumboktern; bann blitzen wieber Schüsse im Dunkel; eine Zünbschnur glimmt unb verursacht eine Explosion; halb steht bas ganze Haus in Flam­men, aber im letzten Augenblick springt noch ein rauchgeschwärzter Mann aus ben Trümmern, schwingt ein aus ben Flammen gerettetes Oelbilb, mit bem es natürlich auch seine Bewanbtnis hat, stürzt sich ins Auto unb rast baoon; wenn man bie oberste Malschicht bes Bilbes abkratzt, kommen merk- roürbigerroeife Konstruktionspläne zum Vorschein; und zu allerletzt segelt ein gewisser Herr Gran, ber in biesem Wirbel von oerroirrenben Ereignissen eine so wichtige Rolle spielte, wieber über bie blaue Abria unb hat sich aus bem Abenteuer sogar noch eine Frau mitgebracht. Mehr können Sie wirklich nicht verlangen. Die Regie Gerhard Lamprechthat die verführerisch südliche Szenerie (Venedig und Rom bilden die wichtigsten Schau­plätze) in prachtvollen Aufnahmen eingefangen und ist übrigens bemüht, im sprunghaften Wechsel ber Szenen unb Gesichter ben Zuschauer ben Zusam­menhang minbeftens ahnen zu lassen. Ein gewisser Herr Gran: Hans Albers; ber ist hier in seinem Element, macht ben Hochstapler, ben Taschenspieler, ben Fassabenkletterer, unb ist mit trockener Schlag­fertigkeit ben verfänglichsten Situationen gewachsen. Der große Gegenspieler: Albert Bassermann; er kommt erst verhältnismäßig spät zum Zug, ober er beherrscht bann mit seiner kavaliermäßigen Er­scheinung unb feinem gepflegten unb höchst akzen­tuierten Spiel jebe, auch bie kleinste Szene, in ber er erscheint. Von ben drei Frauengestalten macht bie Ts ch e ch o w a in einer jener unburchsichtig- schillernben Rollen, bie ihr so gut liegen, ben stärk­sten Einbruck. Neben ihr Karin H a r b t unb Rose <5 t r a b n e r. Aus bem großen Ensemble finb mit tüchtigen Leistungen außerbem vor allem Speel - mens unb Hubert v. Meyerinck zu nennen. Hermann Schulenburg schrieb bie Musik, von ber einem bie einschmeichelnde oenetianische Sere­nade im Ohr bleibt. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. Im Beiprogramm: bis Wochenschau unb ein japanischer Kulturfilm.

Hochschulnacknchten.

Professor Dr. Julius Stenzel, Drbinarius für Philosophie an ber Universität Stiel, würbe m gleicher Eigenschaft an bie Universität Halle ver­setzt. f

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