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26/10/1933 Drittes Blatt
 
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Nr. 251 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheflen) Donnerstag, 26. ©Hoher (955

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Gegen Hereros unk» Hottentotten.

Deutschlands Kämpfe um Südwest-Afrika vor 30 Zähren.

Don Dr. Theodor Biegler.

Am 25. Oktober sind 30 Jahre vergangen, seit sich der durch seine List und Verschlagen­heit bekannte Stamm der Bondelzwarts in Warmbad Deutsch-Südwest-Afrika ge­gen die deutschen Truppen erhob. Heute, da die alten Ideale wieder lebendig werden, ist es eine Pflicht nationaler Besinnung, jener heldenhaften deutschen Kolonialkämpfer zu gedenken, die in der glühenden Steinwüste Südwestafrakas für die Größe ihres Vater­landes ihr Leben einsetzten.

Im Oktober des Jahres 1903 begannen die er­bitterten Kämpfe, die von den Eingeborenen gegen die deutschen Kolonialtruppen geführt wurden, über­all mit erneuter Stärke. Die Hereros, ein hoch- gewachsener, dunkelhäutiger Menschenschlag, der einen gewissen natürlichen Adel mit hohen kriege­rischen Fähigkeiten vereinigte, machten den Deut­schen im Bunde mit den kleinen, sehnigen und ver­schlagenen Hottentotten viel zu schaffen. Heute, da Deutschland rokber auf dem Wege ist, ein gro­ßer und m*d*«ger Staat zu werden, sollen die un­erhörten Leistungen unserer wackeren Kolonial­truppen nicht vergessen sein. Nur wer weiß, wie sehr das unerträglich heiße Klima und die gebirgige Gegend Südwestafrikas den an Zivilisation und Behaglichkeit gewöhnten Europäer zermürben, kann die Größe der Strapazen ermessen, die von den weißen Soldaten in freiwilliger Opfergemeinschaft auf sich genommen wurden. In Hunderten von hartnäckigen Kleinkämpfen und waghalsigen Sturm­angriffen, die sich auf einem schwierigen und un­gangbaren Gelände abspielten, wurden die wilden Stämme, die sich immer wieder verzweifelt zur Wehr setzten, zurückgeworfen. Viele deutsche Männer sind das Opfer qualvoller Hitze geworden. Nur der uner­müdliche, wahrhaft heldische Angriffsgeist ließ sie un der Vollendung ihres kolonisatorischen Werkes nicht verzagen. Der Krieg, der damals unter den schwierigsten Verhältnissen geführt wurde, läßt sich mit den heutigen fortgeschrittenen Kampf- Methoden in keiner Weise vergleichen. Die per­sönliche Tapferkeit spielte eine ausschlaggebende Rolle. In zermürbenden Märschen mußten die Ko- lonialtruvpen durch gebirgige Felspfade mit primi­tiven Ochsengespannen ihre Geschütze und ihr Kriegs­material transportieren, immer der Gefahr ausge­setzt, aus irgendeinem verborgenen Winkel von den Eingeborenen beschossen zu werden. Ungeheures leistete der deutsche Soldat im Nahkampf. Da die modernen Luft- und Gaswaffen noch nicht bekannt waren, mußte der Gegner meist in einem drama­tischen Kampf von Mann zu Mann unschädlich ge­macht werden. Aus der Zeit jener erbitterten Schlachten zwischen Eingeborenen und Weißen sind uns erschütternde Berichte erhalten, die von den soldatischen Tugenden der Deutschen ein ehrenvolles Zeugnis oblegen.

Der Feldzug gegen die Bondelzwart- Hottentotten, mit dem eine neue Aera blutig­ster Aufstände eingeleitet wurde, dauerte vom 25. Oktober 1903 bis zum 25. Januar 1904. An einem der letzten Oktobertage traf überraschenderweise in Keetmannshoop eine Eilpatrouille ein, die in 2'/r Tagen ungefähr 300 Kilometer zurllckgelegt hatte, und meldete aus Warmbad, daß dort der Bcmdelzwartkapitän sich gegen die schwache deutsche Besatzung erhoben habe und Leutnant I o b st eine Verstärkung für nötig halte. Dieser heroische Eil­ritt war das Alarmsignal für eine Folge ununter­brochener Kämpfe, die erst im Jahre 1907 ihr Ende finden sollten, nachdem viele Hunderte deutscher Krieger ihr Blut für Deutschlands Macht und Ehre vergossen hatten. Kaum hatte sich die Nachricht von der Rebellion der Bondelzwarts verbreitet, als bald darauf der schwarze Diener des Leutnants Jobst auf schäumendem Pferde dahergejagt kam

und von jenem heroischen Kampfe in Warmbad berichtete, bet dem der heldenmütige Leutnant Jobst mit feinem tapferen Sergeanten fiel. Der Tod dieses Mannes wirkte aufrüttelnd wie ein Fanfaren- stoß. Sofort stellte Hauptmann von K o p p y eine kleine Patrouille aus 15 Deutschen und drei Ein­geborenen zusammen und unternahm einen wage­mutigen Ritt durch feindliches Gelände zur Be­freiung der in Warmbad Eingeschlossenen, die ihm auch am 1. November glücklich gelang.

Wie gefährlich die damaligen Kämpfe waren, und welche Unerschrockenheit dazu gehörte, um die wilden Stämme niederzuringen, erhellt aus einem dramatischen Bericht, den ein ehemaliger Leutnant der südwestafrikanischen Schutztruppe hinterlassen hat: Da sprengt, wie rasend, vom Wege, den wir gekommen sind, ein Reiter an. Ich sehe, wie er sich krampfhaft an die Mähne klammert ein Hagel von Geschossen begleitet ihn. Jetzt biegt er um das Haus, wo unsere Pferde notdürftig gedeckt sind und fällt vom Pferde in unsere Arme! Sprechen kann er nicht mehr! Sein Pferd ist über und über mit Blut bedeckt und bricht bald zusammen. Er selbst hat zwei Schüsse durch den Rücken. Es ist der Reiter Hofmann, der unserem Wagen ent­gegengeschickt worden ist. Die Hereros empfingen mich mit einem mörderischen Feuer, so schildert der Schwerverwundete später selbst sein Erlebnis, eine Kugel streifte und verletzte das rechte Schulter­blatt, während eine andere mir mehrere Rippen sowie das linke Schulterblatt völlig zerschmetterten und die linke Lunge verletzten. Nur mit der größ­ten Anstrengung vermochte ich mich noch auf dem Pferde zu halten. Aber ich kannte das Schicksal, bas mich erwartete, wenn ich jetzt nicht meine Energie zusammennahm. Also, die Zähne aufein­ander und vorwärts!

Am 12. Januar 1904 war der überraschende Ausbruch des Herero-Aufstandes der Anfang endloser Gefechte und zähester Kämpfe, die

Ministerialrat Ringshausen teilt als Gau- obmann des NSLB. u. a. mit: Der NSLB. ist eine Arbeitsgemeinschaft und fordert von jedem Angehörigen den Einsatz seiner ganzen Kraft. Er gliedert sich in folgende Arbeitsgruppen (beigefügt die Gauarbeitsleiter):

pf lidjfgr uppen:

1. Volksschule: Rektor Heinrich Schäfer (Offenbach); 2. Höhere Schule: Oberstudiendirektor Ratz (Worms); 3. Eugenik: Dr. Graf (Rüsselsheim), Studienrat; 4. Turnen und Wehrsport: Turnoberlehrer Klenk (Friedberg); 5. Berufsschule (Allgemeine, Gewerb­liche, Landwirtschaftliche): Rektor Peter Born (Darmstadt); 6. Kaufmännische Berufs- und Dipl.- Handelsschule: Handelsschulstudiendirektor Dr. Lauer (Mainz); 7. Maschinenbauschule: Direktor F. Schenk (Bingen); 8. -Bauschule: -Direktor Mindner (Darm­stadt); 9.Musik: Schulrat Adam Born (Darmstadt);

10. Zeichnen und Kunst: Dipl.-Jng. Zum Winkel (Darmstadt)..........

Wahlgruppen:

11. evangel. Religionsunterricht: Studienrat Geng- nagel (Darmstadt); . 12.. kath. .Religionsunterricht: Studienrat Schnabel (Mainz-Zahlbach); 13. Licht­bildwesen: Lehrer Lortz (Darmstadt); 14. Steno­graphie: Kammerstenograph Winkler (Darmstadt); 15. Luftschutz^ Lehrer Harn (Darmstadt).

die Ermordung von vielen Weißen und die Zer­störung ihres Besitzes zur Folge hatten. Der Auf­stand, der im äußersten Süden des Schutzgebietes mit einer verhältnismäßig unbedeutenden Rebellion begonnen hatte, erstreckte sich immer tiefer in das Land. Wie entsagungsreich das afrikanische Feld­leben gewesen ist, davon gibt die folgende Schilde­rung, die uns erhalten blieb, ein erschütterndes Zeugnis: Ein von feinem Zuge herbeigerufener Leutnant der Batterie stürmt plötzlich in hochgradi­ger Raserei heran. Er hatte unterwegs schon zwei Tage überstanden, ohne einen Tropfen Wasser zu trinken und feine Batterie darauf mitten im Ge­fecht in höchst kritischer Lage wiedergefunden. Neue Anspannung und neuer Durst erschöpften vollends seine Kraft. Am ganzen Leibe zitternd, schreit er: Was kann ich dafür, daß ich noch lebe?" Dann wehrt er sich plötzlich gegen einen Vorwurf, den niemand gegen ihn erhoben hatte.Ich bin nicht feige!" schreit er. Mit Mühe zwingen wir ihn an einen schattigen Platz nieder. Bebend springt er wieder auf:Ich muß zu meinen Geschützen!" Nur schwer ließ er sich besänftigen.

Wechselvoll und aufregend sind die Schicksale ge­wesen, denen die weißen Kolonisten ausgesetzt röa- ren, seit zum erstenmal die deutschen Missionare von Elberfeld-Barmen das noch wenig erforschte Land betreten hatten. Wechselvoll wie die Schicksale der Männer, die sich ein unkultiviertes Land in mühsamer, unverdrossener Arbeit erwarben, ist auch das Schicksal dieses Landes selbst gewesen. Jahr­zehnte sind inzwischen vorübergezogen, die Welt hat ein anderes Gesicht bekommen, die (Erinnerung an deutschen Fleiß und Kampfwillen wurde von einer Zeit begraben, die für den Idealismus unserer Kolonialkämpfer wenig Sinn batte. Das furchtbare Weltgeschehen des letzten Krieges hat mit brutaler Hand in die Verhältnisse eingegriffen, und manches, was einst die Herzen unserer Väter bewegte, ist für immer vernichtet worden. Ein geknechtetes Volk, das durch feine ko­lonisatorische Tätigkeit wertvolle Kulturgüter ins Leben gerufen hat, ist durch den Ablauf einer zer­störenden Zeit damit beschäftigt, innerhalb seiner verstümmelten Grenzen Ordnung zu schaffen und jenen unvergänglichen Geist und Lebenswillen wieder aufzubauen, von dem unsere alten Kolonial­kämpfer durchdrungen waren.

Jedes JlSCB.-ZHlfglieb ist verpflichtet, sich einer der 10 ersten Gruppen anzuschließen; darüber hinaus kann eine Wahlgruppe als ZweUgruppe gewählt werden.

Aus dem Wissen um die fundamentale Bedeutung der Erblichkeitslehre, der Rassenkunde und der Nassenhygiene bestimme ich, daß bis Ende Dezem­ber von allen 10 Pflichtgruppen durchgearbeitet werden die vier Schriften: 1. Die Bildungs- und Erziehungslehre der Erblehre, Erbpflege und Ras­senkunde (Dr. Graf, Lehmann-Verlag, München); 2. Erziehung zu eugenischer Lebensführung als Auf­gabe der Volksschule (Emil Jörns, Metzner-Verlag, Berlin); 3. Von deutschen Ahnen für deutsche Enkel (Prof. Dr. Kuhn und Dr. Kranz, Lehmann- Verlag, München); 4. Volk in Gefahr! (O. Helmuth, Lehmann-Verlag, Münchn).

Zum Gauhauptarbeitsleiter ernenne ich den Pg. Dr. Leip (Darmstadt).

Am Sonntag, den 29. Oktober, 10 Uhr, findet in Frankfurt im GasthausZum Storchen" (am Dom) eine Sitzung statt, zu der zu erscheinen haben: 1. die Kreisobleute; 2. ihre Stellvertreter; 3. die Gau­arbeitsleiter. Heute bereits weise ich darauf hin, daß im Rahmen des Reichsbundes Volkstum und Heimat in den Dienst der Volksstunde, der Heimat­pflege des Naturschutzes, der historischen Forschung usw. zu stellen und sich damit ebenfalls dem Dienst am Volke zu widmen.

Der Nationalsozialistische Lehrerbund als Arbeitsgemeinschaft.

Drama und Roman im neuen Kunstbewußtfein.

Von Or. Ferdinand Zunghans

Von alters her haben die Aesthetiker und Kunst­philosophen eine Stufung im Rang der Dichtungs- arten anerkannt. Nach der antiken Anschauung war die dramatische Kunst die oberste Dichtungsgattung und die oberste Kunst überhaupt; die übrigen Gattungen folgten auf einer Rangstufenleiter, die bis zur Musik abwärts führte, des Kunftbewußt- seins der europäischen Völker wie ein unveräußer­liches Gesetzesgut bis heute weilergetragen worden. Die Kunsttheoretiker aller Zeiten haben das Drama als bevorzugten Gegenstand ihrer denkerischen Tätig­keit angesehen. In unmittelbarer Verbindung mit der griechischen Philosophie diskutieren die großen Aesthetikers Frankreichs, Batteux, Boileau, Diderot, zuerst und vor allem wieder die Ge­setze des Dramas, und der berühmte Streit um die drei klassischen Einheiten" zieht sich von Aristo­teles in einer wahrenIlias von kritischen Kämpfen" wie August Wilhelm Schlegel einmal gesagt hat vom Altertum ununterbrochen bis in die jüngste Gegenwart.

So ist denn auch der große Prestige-Kampf der Dichtkunst zwischen Frankreich und Deutschland, den Lessings künstlerisches Nationalbewußtsein ent­fesselt hat, auf dem Gebiet der Theorie des Dramas ausgetragen worden. Immer wieder war die Dra­matik die Krone der Dichtungsgattungen. Die Gründe für eine solche Vorrangstellung lassen sich auf zwei Tatsachenurücfführen: Das' ist erstens jene Wesens tatsache, daß sich im Drama unter unmittelbarem Mitspielen einer Volksgemeinschaft die metaphysischen Bedürfnisse und Sorgen der Gesamtheit kämpferisch ausleben; und es ist zwei­tens die F o r m tatsache, daß die dramatische Kunst auch äußerlich im Theaterspiel einen ganz besonde­ren Oeffentlichkeitsgrad bekommt. Seiner inneren Und äußeren Form nach ist die dramatische Kunst dem Schicksal und Leben der Nationen am nächsten.

Man kann auf diesem Betrachtungswege nicht nur zur Rangordnung der Dichtungsgattungen, sondern auch zu einer Rangordnung der Staaten gelangen. Wenn man den Staat als die oberste mögliche Lebenseinheit völkischer Gemeinschaft be« K, so wird das Dra.na als die künstlerische

isform der Gemeinschaft geradezu ein Wert­messer für die gesunde Ausdruckskraft des Staates. Diese Beziehung hat jüngst Gustav S t e i n d ö h -

m e r in seinem BuchStaat und Drama" mit historischer Weitzügigkeit dargestellt.

Epik und Lyrik stehen in einem weit weniger engen Zusammenhang mit dem völkischen Kunst­bewußtsein. Sie sind weniger Objektivierung eines Gesamtheitsschicksals, als individuelle Schöpfungen einer persönlichen Weitsicht. 'Am deutlichsten wird das bei der Lyrik. Lyrik ist die Kunst der unmittel­baren Ich-Aeußerung und wird nur dann eigent­licher Ausdruck und Besitz der Gesamtheit, wenn der Dichter sich mit seinem privaten (Erleben und in der sprachlichen Formung einmal bis zur ewigen Gültigkeit erhebt, die ein Goethe in sich trug, als er die Verse schrieb:Ueber allen Wipfeln ist Ruh, in allen Gipfeln spürest du kaum einen Hauch..Wer wollte bestreiten, daß diese Lyrik mit der Seltenheit eines göttlichen Wunders in der Geschichte der europäischen Dichtung steht!

*

Es gehört zu den auffallenden Kennzeichen der abgeschlossenen Nachkriegsepoche Deutschlands, daß in dieser Zeit der Versuch gemacht wurde, die alte Rangordnung der Dichtungsgattungen zu ändern. Dramatische und epische Kunst tauschten gleichsam ihre Rollen. Einerseits versuchte man nicht ohne scheinbare Erfolge, den Roman im Kunstbewußt­sein des Volkes an die erste Stelle zu setzen, und andererseits gelang es beinahe, dem Drama seine Vorrangstellung im künstlerischen Leben der Kultur­gemeinschaft zu nehmen.

Zwar konnte der Roman niemals Gegenstand eines tatsächlichen Gemeinschaftslebens werden. Aber was wesentlich unmöglich war, das wurde scheinbar bewerkstelligt. Die Geschwindigkeitssteige­rung und die zahlenmäßige Verbreiterung des Konsums brachten es dahin, daß Hunderttausende sozusagen gleichzeitig ein und dasselbe Buch lasen, und in dieser Addition der Leser glaubte man einen Ersatz gefunden zu haben für die Gemeinschaftlich­keit des Erlebens, die das Drama kennzeichnet. Die Masse wurde stellvertretend für die Gemeinschaft. Wenn man darüber hinwegsah, weil man von kulturellerGestalt" (das ist Masse, die durch Strub tur zurEinheit" geworden ist) nichts verstand, so war der Roman nun tatsächlich dem Drama schon voraus. Freilich fehlte da von der Kunstseite her noch etwas zum endgültigen Rangwechesel: die Objektivität; die epische Kunst ist subjektiver als das Drama, in dem der Dichter ganz hinter den Vorhang zurückzutreten scheint.

Der entgegengesetzte Vorgang trat auf dem Ge­biet des Dramas ein. Die Grundlage der Kultur­gemeinschaft wurde für die dramatische Kunst ver­

gessen und geleugnet. Filme und Romane wurden dramatisiert", als ob eine solche Uebertraaung ins Dramatische durch einen technischen Umschaltungs- oorgang bewältigt werden könne. Die Spielstätte des Dramas, das Theater, wurde von der völki­schen Gemeinschaft fort- und zu den reinen Konsum- gruppen hinorganisiert. Und auch hier fehlte die Theorie nicht, die diesen unnatürlichen und ver­hängnisvollen Prozeß zu stützen suchte: Es war die Theorie vomepischen Drama", die ausdrück­lich alle dramatische Kunst ins Gebiet des Epischen rücken wollte.

Es entspricht den gesunden (Erneuerungen des öffentlichen Bewußtseins, die von der nationalen Revolution wachgerufen worden sind, daß die alte Hierarchie der Dichtungsgattungen wieder herge­stellt wird. Das Drama tritt unter der Führung von Dramatikern, die wahrhaft Dichter dieser be­sonderen Kunstsorm der Gemeinschaft sind, wieder in seine eigentlichen Rechte. Der Roman aber wendet sich von der Massenspekulation zurück zu den Pflichten der episch-individuellen Besinnung und erfährt dabei die erste große (Erneuerung durch die Wiederentdeckung der Landschaft. Die epische Kunst wird den Menschen in seiner gegenständlich engen Welt wiederfinden, das Drama aber die Gemeinschaft in ihren großen völkisch-staatlichen Schicksalen.

Eiderdaunen-Ernie.

Unter den zahllosen Inseln und Inselchen, an denen der Reisende bei einer Fahrt an der norwegi­schen Küste Doübertommt, befindet sich ein langes, schmales niedriges Eiland namens Melstenen, d. h. Der Pfeil"; nur Gras wächst hier, aber wenn das Schiff nahe genug herankommt, kann man zwischen den Felsen graue Gegenstände sehen, die wie Dächer von kleinen Häusern aufragen. Nur wenige wissen, worum es sich bei diesen grauen Dächern handelt, und selbst die Schiffsoffiziere müssen meist erst den Lotsen fragen. Der Lotse, der alles genau an der Küste kennt, wird dann erklären, daß das eine Eider- enten-Farm ist, und daß die Eiderenten jeden Früh­ling an die Küste kommen, um ihre Eier zu legen. Bekanntlich umgibt die Eiderente ihre Eier mit einer warmen Hülle von Daunen, die sie von ihrer eigenen Brust abrupft. Das Einsammeln dieser Daunen für Steppdecken ist eine wichtige Einnahmequelle für die arme Fischervevölkerung dieser einsamen Inseln. Von jedem Nest darf nur einmal gesammelt werden jo lautet die gesetzliche Vorschrift. Die Ente wird

Bekanntmachungen des Persvnalamts.

Ernannt wurden

durch den Herrn Reichsstatthalter in Hessen auf Vorschlag der Hessischen Regierung:

am 21. September 1933: der Vortragende Rat im Hessischen Staatsministerium, Ministerialabteikung I c. Justiz, Oberjustizrat Adolf Th ür e, mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 zum Landgerichts­direktor beim Landgericht der Provinz Starken­burg. Er wurde zugleich beauftragt, auch weiter­hin die Stelle eines Vortragenden Rates im Hessi­schen Staatsministerium, Ministerialadteilung I c, Justiz, zu versehen;

am 30. September 1933: der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Darmstadt, Karl Heckler, mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 zum Landgerichts­direktor beim Landgericht der Provinz Rhein­hessen. Er wurde zugleich beauftragt, bis auf weiteres die Stelle eines Landgerichtsdirektors bei dem Landgericht Darmstadt zu versehen;

der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Worms, Dr. Otto ßemfer, mit Wirkung vom 1. Orto­ber 1933 zum Amtsgerichtsdirektor bei diesem Gericht;

der Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Pro­vinz Oberhessen, Dr. Wilhelm Wodaege, mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 zum Oberstaats­anwalt bei diesem Gericht;

am 19. Oktober 1933: der Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Startenburg, Dr. Ernst Mickel, mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 zum Amtsgerichtsdirektor bei dem Amtsgericht zu Gießen;

am 6. Oktober: der Gerichtsvollzieheraspirant Kanz­list Franz Wendel in Langen zum Gerichts­vollzieher mit dem Amtssitz in Darmstadt mit Wirkung vom 1. August 1933;

am 3. Oktober: der Lehrer i. R., Philipp Weil, zu Mörfelden, Kreis Groß-Gerau, zum Lehrer an der Volksschule zu Mörfelden, Kreis Groß- Gerau, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an;

am 13. Oktober: der Lehrer a. D. Heinrich Hotz zu Rommelshausen, Kreis Büdingen, zum Lehrer an der Volksschule zu Nieder-Moos, Kreis Lau­terbach, mit Wirkung vom Tage des Dienstan­tritts an.

Amtsgericht Gießen.

Ein Handwerksmeister von Gießen erhielt einen Strafbefehl wegen Verletzung der Schankordnung, weil er als Vorsitzender eines hiesigen Vereins dul­dete, daß Nichtmitglieder des Vereins in dessen Lo­kalitäten bewirtet wurden. Der gegen den Straf­befehl eingelegte Einspruch führte zur Frei­sprechung, da das Gericht auf Grund der Be­weisaufnahme eine Übertretung der beschränkten Konzession nicht für gegeben erachtete.

Ein Kraftfahrzeugführer erhielt wegen Verstoßes gegen die Kraftfahrzeugordnung einen Strafbefehl. Der dagegen eingelegte Einspruch wurde verwor­fen, da der Beschuldigte in der Hauptverhandlung nicht erschien.

In dernächstenNummerderGießener Familienblätter beginnen wir mit der Veröffentlichung eines neuen Romans: Riesele von Nikolaus Schwarzkopf

Der hessische Dichter, der früher schon mit der ErzählungDas Domkind bei uns zu Worte kam, schildert in dieser liebens­werten,mitwarmemHerzenfürdieFreuden und Leiden der stummen Kreatur geschrie­benen Erzählung die bunten Schicksale eines kleinen Pferdes

die gestohlenen Daunen durch einen frischen Vorrat

von ihrer Brust ersetzen, aber sie kann dies nur ein

zweites Mal tun, und würde man ihr dieses warme

Bett wieder rauben, so wäre es um die Eier ge­

schehen. Auf der Pfeil-Insel werden die (Enten zum

Dank für die Hergabe ihrer Daunen gefüttert und

untergebracht. Die kleinen grauen Dächer sind Ver­

schlüge, in die die Tiere kriechen, um ihre (Eier zu

legen. Sie sind hier so heimisch geworden, daß sie

jedes Jahr wiederkehren und ihr Brutgeschäft betrei­

ben. Im Juli und August sieht man viele von ihnen

mit ihren Jungen um die Insel herumschwimmen.

Die Eiderente ist ein Vogel der nördlichen Meere

und sucht selten Unterschlupf an der Küste; sie geht

nur sehr schlecht und ist nur in und unter dem

Wasser recht zu Hause; hier gewinnt sie auch ihre

Nahrung, die hauptsächlich aus Schalentieren besteht.

Nur in der Brutzeit kommt die Ente an die Küste

und wird ein Landvogel, aber auch dann hält sie sich

so nahe wie möglich am Wasser; sie bevorzugt dis kleinen Inseln aus Furcht vor Füchsen und anderen Raubtieren, die ihr nachstellen, und wegen ihrer Liebe zum Wasser. Die Brutstätten finden sich haupt­sächlich an den Küsten und Inseln des nördlichen Atlantischen Ozeans. Im Herbst verlassen jung und alt die Inseln und ziehen wieder aufs offene Meer; sie verbringen den Winter in den stürmischen Gewässern des Polarmeeres und der Nordsee; manche kommen wohl auch an die deutsche Küste. Die Insel, deren Eiderdaunen-Ernte wir beobachte­ten, heißtDer Pfeil" wegen einer uralten Sage: In fernen Zeiten badeten einmal die sieben schönen Töchter eines Königs mit einer Freundin namens Lekamoe in einer Bucht an der Märcheninsel Lande- gode und wurden von dem Westfjord aus von Heft- manden beobachtet, demPferdemann", dem bösen Sohn eines Königs der Lofoten-Inseln. Hestmanden stieg sofort zu Pferde und jagte über den Westfjord. Die sieben Schwestern und ihre Freundin flohen süd­wärts, bis die Schwestern erschöpft niedersanken. Lekamoe rannte weiter und Hestmanden hinter ihr her. Als er sah, daß er sie nicht erreichen konnte, schoß er mit einem Pfeil nach ihr, aber ein alter König, der das sah, warf seinen Hut dazwischen; der Pfeil blieb in dem Hut stecken und fiel ins Meer. Als die Sonne aufging, da waren alle Helden und Heldinnen dieser Sage nebst dem Hut und dem Pfeil in Stein verwandelt. Man zeigt an der Küste die Hügel, die die sieben Schwestern darstellen; der Pferdemann liegt versteinert im Meer, und nicht weit davon ragt ein Felsen hervor, der die Form eines Hutes und ein Loch gerade durch die Mitte hat. Das ist der mit dem Pfeil durchbohrte Hut, der Tvrghatten genannt wird.