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26.9.1933 Frühausgabe
 
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Dienstag, 26. September 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

Ur. 225 Drittes Blatt

Die ReichssühreMimg des Sichlhelms in Hannover

Bilder vom ersten Spatenstich zur Autobahn

Der Reichskanzler begrüßt Die Arbeiter.

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ers begangen, der (einen raßeUnter den Linden'

Die Ankunft der Führer im Hindenburg-Stadion. In der Mitte: Reichskanzler Adolf Hitler: links. Stabschef Röhm; neben Hitler rechts: Bundesführer S e l d t e ; ganz rechts: Reichswehrminister von Blomberg.

Der Reichskanzler mit Reichsstatthalter Sprenger (ganz rechts); Reichswehrminister o. Blomberg (links vom Reichskanzler); Reichsverkehrsminister Freih. Elz o. Rübenach (in Zivil); Staatssekretär Feder

Das neue GauheimAdolf-Hitler-Haus" in der Gutleutstraße zu Frankfurt a M

Oer Mord an dem SA-Mann Handwerk vor dem Schwurgericht.

Eine alte und zwei neue Standarten des Stahlhelms beim Aufmarsch.

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, Marburg kommend: etea am Tage der Enthül- in AMlometer langem

Der Lahn beginnend, dm es Reiches treueste Truhe m -erzen unbegrenzte Jin- Neubau des Reiches. Für Stier. Für den Bezirk tiirmnart' auterbach beginnend, us der Rordostecke des Do- »g hoherodskopfes, wir MAbend de-18. Fun, i Vergpredigt unstres Fuh us dm alt-n h^enstMen sstadt Adast Sp'°b ij"*

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Frankfurt a. M., 25. Sept. (WER.) Heute vormittag begann vor dem Schwurgericht der Mordprozeß Reitinger und Genossen. In einer Ecke hat sich erstmalig in einem Frankfurter Gerichtssaal ein Photograph aufgebaut. Die Der- Handlung wird vom Landgerichtsrat E r d n i ß ge­leitet, die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Rausch, die Verteidiger sind von den Angeklag­ten nicht selbst gewählt, sondern pflichtgemäß vom Gericht gestellt. Es fungieren als Offizialverteidi­ger die Rechtsanwälte Sundermeyer (für Rei­tinger), Engelhardt (für Götte) und Wei­gand (für Kniedel).

Kurz vor 9 Uhr wurden die drei Angeklagten aus der Untersuchungshaft oorgeführt, von denen nur Reitinger ein jugendliches Aussehen hat. Der Verhandlung wohnt die Mutter des getöte­ten SA. - Mannes Hans Handwerk als Nebenklägerin bei, ferner ist der verletzte SA.» Mann Friedrich Handwerk als Nebenkläger zu­gelassen und durch Rechtsanwalt Dr. Wirth ver­treten.

Oie Anklage.

Aus der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses ergibt sich, daß der 1913 in München geborene Kochlehrling Josef Reitinger des Mordes an Hans Handwerk, des Mordversuches an Friedrich Handwerk, ferner des Mordver­suches mittels hinterlistigen Ueberfatls an dem SS-Mann Willi Weißenborn und dem Kom- muniften Karl Kutschka, der Körperverletzung und des schweren Landfriedensbruches beschuldigt wird. Der 1909 in Siegen in Westfalen geborene kaufmännische Angestellte Erich Götte soll Rei­tinger Begünstigung geleistet und der 1904 gebo­rene Fuhrmann Ernst Kniedel aus Oberrad sich des Landfriedenbruches schuldig gemacht haben.

Oie Tatvorgänge

erstrecken sich auf Ereignisse, die sich am 24. Juni und am 4. Juli v. I. abspielten. In Gräfs Garten hatte am 24. Juni eine nationalsozialistische Ver­sammlung stattgefunden, deren Teilnehmer durch die Breitegasse nach der Zeil zogen und von Kommuni st en verfolgt wurden. Es wurde scharf geschossen. Der schwarzgekleidete K u t s ch k a , der vermutlich von seinen Parteiangehörigen für einen SS.-Mann gehalten worden ist, erhielt einen Schuß in den Oberarm und einen Bruststeckschuß. Der SS.-Mann Weißenborn wurde in die Hüfte getroffen. In der Nacht des 4. Juli wurde am

Als der Angeklagte aufgefordert wird, sich zum Fall Handwerk zu äußern, schildert er, wie er mit der Waffe in der Tasche am Abend des 4. Juli sich in der Altstadt befand, wo Demonstra­tionen roarerr. Nächst dem Allerheiligentor say er etwa 50 Reichsbannerleute, die riefen:Die Nazis wollen das Gewerkschaftshaus stürmen". In der Nähe von Gräfs ©arten will er Horn getroffen und diesem seine Pistole übergeben haben. Horn verschwand dann in der Menge am Städelshof. Eine Weile später habe er sich dort auch eingefunden, es war bereits eine Schlägerei im Gange. Dieser will Reitinger zugesehen Haden. Auch will er gesehen haben, wie Horn schoß. Der Angeklagte will sich dann aus der Menge entfernt haben. Arn Aller- Heiligentor habe ihm Horn die Waffe wieder zuge- steckt. In der Nähe des Würzburger Ecks traf man Vogt. Horn habe ihm gesagt, wenn er, Reitinger, Vogt treffe, dann solle er ihm sagen, er, Reitinger, habe auch geschossen. Horn, der noch äußerte: W er uns verrät, der fällt", sei gleich fort­gegangen.

Reitinger wurde am 11. Oktober v. I. in Hast genommen und am 3. November wieder ent­lassen. Horn hatte ihm die Weisung gegeben, vor dem Untersuchungsrichter nichts zu sagen, ehe er mit einem Anwalt gesprochen habe. Am 19. Mai d. I. kam Reitinger wieder in Haft. Während Reitinger in der chauptverhandlung dabei bleibt, nicht geschossen zu haben und Horn als Den Täter bezeichnet, hat er vor der Polizei angegeben, daß er an dem Abend baden gewesen sei. !öor Der SA. hat er zugegeben, daß er in der Hans-Handwerk- Strahe gezchosjen habe. Er habe fünfmal geschossen und Der sechste Schuß sei infolge Ladehemmung nicht losgegangen. Bei einer Vernehmung am 10. Mai sagte er, daß er im Falle Handwerk die Schuld auf sich nehme, aßer er tue es nicht, um Die SchulD eines anDeren zu Decken, Das würde er feiner Mutier zuliebe nicht tun, Da er Das Gefchäft seiner Mutter nicht ruinieren wolle. Vor Der Staatsanwaltfchast sagte Reitinger, Daß er Die Tat eingestehe, weil er nicht wolle. Daß Vogt belastet werDe. Dem Untersuchungsrichter gab er am 20. Mat an, Daß er sein GestanDnts aus freiem Willen abgelegt habe. Jetzt will Reitinger sich nicht Derart geäußert haben. Bei feiner Vernehmung vor Der SA. will er unter einem gewissen Druck geftanDen haben.

Angeklagter Götte.

Darauf wurDe Der Angeklagte Götte vernom­men. Er ist Der Sohn eines Siegener SchneiDers, Der 1914 nach Frankfurt zog. Der Angeklagte war längere Zeit als kaufmännischer Angestellter tätig. 3m Frühjahr vorigen Jahres kam er mit feinem SchulfreunD Horn zusammen. Der ihn in kom­munistische Kreise einsührte. Zu Den Ereignissen in Der Breitegasse will Götte nur zufällig hinzuge- kommen sein. Er behauptet. Daß Die Dort gefallenen Schöffe nur von Horn herrühren konnten. Der auf Die Mitte der Straße gesprungen fei und ge­schaffen habe. Am folgenden Tage habe er Horn getroffen, der ihm sagte, er habe nur Angst machen wollen, scharf geschossen habe er nicht Er habe Drei Tage vor Den Ereignissen Die rechte HanD ge­brochen und sei nicht in der Lage gewesen, zu schießen. An dem Vorfall in der Hans-Handwerk- Straße will Götte nicht beteiligt gewesen sein. Seme Aussage vor der SA. bezeichnet er als unwahr.

Oer Angeklagte Kniedel befand sich in Fürsorgeerziehung und kam dann in eine Spenglerei. Später wurde er Fuhrmann. Er trat der KPD. bei, wurde aber später wegen Stceikbruchs wieder ausgeschlossen. Aus einem

Städelshof, einer kleinen Seitenstraße der inzwi­schen zur Hans - Handwerk - Straße umbenannten Langestraße, Hans Handwerk erschossen. Er kam mit seinen beiden Brüdern von einer na­tionalsozialistischen Kundgebung in Westhausen. Als man nach der Wohnung im Städelhof einbog, er­folgte ein U e b e r f a 11, bei dem Friedrich Handwerk schwer verletzt worden ist. Rei­tinger soll die Schüsse abgegeben haben.

Oer Angeklagte Oettinger

ist noch unbestraft. Er war viereinhalb Jahre in einem Waisenhaus in der Oberpfalz, dann eine zeitlang bei Verwandten und betätigte sich als Maurer. Als das Gerede ging, er habe feine Groß­mutter bestohlen, bat er feine in Frankfurt woh­nende Mutter, ihn aufzunehmen. Die Mutter be­treibt eine Restauration. Er sollte Koch werden, fand aber keinen Geschmack an diesem Berus und ging zu einem Installateur in die Lehre, wo er es ein Jahr aushielt. Die Beschäftigung kam ihm lang- wellig vor und er fing an, sich politisch zu betäti­gen, wozu ihn Freunde animierten, die Kommu- nisten aus der Altstadt waren. 1931 trat er der Internationalen A r b e i k e r h i l f e und nach zwei Monaten der Kommunistischen Partei bei, schließlich gehörte er auch dem schon verbotenen Rotfrontkämpferbund an, bei dem er zum Hauptkassierer ernannt wurde.

Oie Vernehmung Peitingers.

Vorsitzender: Wollte Ihre Partei Revolu­tion machen? Angeklagter: Es hieß, es gehe bald los. Der Angeklagte bekundet bei feiner weite- ren Vernehmung, daß eine unausgesprochene Auf­forderung, sich Waffen zu b e s ch a f f en, be­standen habe. Er schilderte den Vorfall am 24. Juni. Eben waren die Nationalsozialisten von der Zell in die Breitegasse eingebogen, da fiel ein Schuh und er hörte, wie gerufen wurde:SS. vor, Straße frei". Da habe er auch geschossen.Ich gab'Zwei Schüsse ab, weil ein anderer geschossen hat. Vor­sitzender: Es war einer von Ihren Leuten. Angeklagter: Gesehen habe ich ihn nicht. Ich habe nicht gezielt und auch nicht mit der Möglich­keit gerechnet, jemand zu treffen.

Dem Angeklagten wurde vorgehalten, daß nach dem Sachverständigen-Gutachten das Kaliber, mit dem die Leute verletzt wurden, mit dem Kaliber Der Waffe Reitingers übereinstimmt. Der Ange- klagte behauptet, es könne nicht fein, Daß er Ge­troffen habe.

Spaziergang mit feiner Frau kam er ans Aller­helligentor.Hier ist dicke Luft, da will ich nichts mit zu tun haben", jagte er zu feiner Frau und entfernte sich nach der Langestraße.Meine Frau blieb stehen." Der Angeklagte will am Städelshof an die Wand gedrückt worden sein. Gleich darauf seien Schüsse von der gegenüberliegenden Seite ge­fallen. Der Angeklagte, dem Landfriedens» d r u ch zur Last gelegt wird, will dann gesehen haben, wie zwei Reichsbannerleute Schösse auf die Nationalsozialisten abgaben. Als er gefragt wird, ob er sich schuldig bekenne, zuckt er die Achseln.

Damit war die Vernehmung Der Angeklagten be« enDet. Am Dienstag beginnt Das Zeugenveryör.

Kunst und Wissenschaft.

Die Grönland-Expedition von Lauge koch.

Die Expedition unter der Führung von Dr. Lauge Koch, ist, wie bereits kurz gemeldet, an Bord der beiden FahrzeugeGustav Holm" undGustav Godthaab" aus Grönland zurückgekehrt. Dr. Koch äußerte sich Pressevertretern gegenüber außerordent­lich befriedigt und betonte, daß die Expedition un­gewöhnlich gute Arbeitsbedingungen vorgefunden habe. Der DampferGustav Holm" sei bis zu 79,10 Grad nördlicher Breite oorgedrun- ?en, was einen Rekord bedeute, da bisher noch ein Schiss soweit nördlich gewesen sei. Man habe Untersuchungen auf einem Gebiet oorgenommen, das vorher kein menschlicher Fuß betreten habe. Bei der Umfliegung der grönländischen Nordost- küste seien vollkommen kahle, wöstenähn- liche Landstriche ohne Niederschläge und da­her auch ohne Eisbildung oder Schnee entdeckt worden. Dort gebe es weder Pflanzen- noch Tier­leben. Bei einem Erkundungsflug in nördlicher Rich­tung habe man die nördlichen Teile von Christian- IX.-Land untersucht und die Beobachtungen des deutschen Fliegers von Gronau in Bezug auf wette Landstrecken bestätigt gefunden. Es gebe dort mindestens vier Gebirgsmassive mit Bergspitzen von 4000 bis 4300 Meter Höhe. Im ganzen sei es von der Luft aus gelungen, 3 0 0 000 qkm zu kar­tieren Um diese gewaltige Arbeit zu ermög­lichen, mußten die Flugzeuge 40 000 km zurücklegen. Was die Goldfunde anbelangt, so dürfe man sich keinen übertriebenen Hoffnungen hingeben. Die Goldmengen seien zu gering, um praktischen Aus­beutungswert zu besitzen. Sehr reich sei die Aus­beute an Versteinerungen aus der Devon-Periode und besonders wissenschaftliches Interesse komme den vierbeinigen F i s ch e n zu, die man in Mengen gefunden habe und jetzt nach den Ver­steinerungen genau beschreiben könne. Außerdem habe man den Stammvater aller zurzeit lebenden Fischarten entdeckt. 20 000 Exemplare der verschie­denen versteinerten Uebergangsformen habe er in 50 Kisten mitgebracht. Die Untersuchung werde meh­rere Jahre in Anspruch nehmen. Der Dampfer Gustav Godthaab" sei von Skoresbysund aus in einen Fjord eingedrungen, der nicht weniger als 300 Kilometer lang und 1450 Meter tief fei; man habe es hier also zweifellos mit dem tiefsten und längsten Meereseinschnitt der Welt zu tun.

Vortrag von Professor Herzog in Athen.

Professor Dr. Rudolf Herzog, der klassische Philologe und der derzeitige Kanzler der hessischen Landesunioersität Gießen, hielt in der Athener Universität in deutscher und in neugriechischer Sprache einen Vorttag über das Deutschland von 1933. Der Vortrag fand starken Beifall; ein Hoch auf Deutschland und Griechenland beschloß die Ver» anstaltung.

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