Ausgabe 
26.9.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Oer Luchs.

Von Otto Alfcher.

Es schien, als ob sich der Felsvorsprung bewegte. Doch nun wurde ein runder Tierkopf mit breitem Backenbart und spitzen Pinselohren erkennbar, der sich gegen den Abendhimmel abzeichnete; hochbeinig ragte das Tier, auf, ein federnder Sprung in die Tiefe der Luchs begann seinen nächtlichen Jagdgang.

Rasch, doch unhörbar, gleitet er hin. Manchmal verhofft er, lauscht minutenlang, aber bis auf den dumpfen Ruf eines Uhus am Hange der Schlucht und dem unsichtbaren Flappen eines Ziegenmelkers irgendwo im Grau des Himmels schweigen noch die Geräusche des nächtlichen Waldes.

Der Luchs wendet sich der Tiefe der Schlucht zu. Himbeeren und Nesseln wuchern zwischen den Stämmen, es raschelt da und dort, pfeift Mäuse sind es. Doch nun sinkt der Luchs jäh in sich zu­sammen, reglos klebt er im Fallaub, dann schiebt er sich hin, wie ein Schatten, der allmählich weiter­rückt, bis er vor einer dichten Hecke von Ranken und aufstrebendem Jungholz wieder zur Unbeweg­lichkeit erstarrt.

Ein Tappen, ein Zupfen in der Hecke. Ranken werden herabgezogen, das mahlende Geräusch eines äsenden Tieres ist vernehmbar, lieber die Rücken­haare des Luchses huscht es wie ein glättender Luft­hauch, sein kurzer Stummelschwanz zuckt vor Be- gieroe, noch ein kurzes Näherschieben, jetzt ein mächtiger Satz mitten in die Hecke hinein schlägt das Raubtier. Doch er landet nicht auf dem Boden, die Ranken der Brombeeren sind wie ein Netz, der schräge Stamm einer Jungesche wirft ihn zur Seite unter ihm fährt entsetzt der Hase heraus und poltert davon.

Aller Jagdeifer war in dem Luchs versunken. Er ließ ein mißmutiges Mauen hören, trabte noch eine Strecke hin, schwang sich dann auf einen Stamm, wo er sich trüg und unlustig ausstreckte. Es war, als wolle er seinen Taaschlaf fortsetzen, denn er bewies keinerlei Aufmerksamkeit.

Plötzlich kam über die Schlucht, vom jenseitigen Bergrücken, das Klagen eines Rehkitzes. Es brach entsetzt los, wurde dünn und stechend vor Schmerz, erstickte dumpf, schrillte wieder auf, zerriß im durch­dringenden Flehen, konnte nicht ersterben, immer wieder von neuen Qualen aufgejagt. Lange dauerte es bis der letzte Jammerruf verhallt war.

Er wußte genau, wo sich die Stelle befand, von der der Todesschrei des Rehkitzes erklungen war. Mit einer den Menschen unbegreiflichen Deutlichkeit

Oer neue Polizeidirektor in Gießen.

Gestern nachmittag übernahm der neuernannte kommissarische Polizeidlrektor Jost, der bisher m gleicher Amtseigenschaft in Worms wirkte, die Ge- schäfte der Gießener Polizeidirektton. Aus diesem Anlaß begrüßte Poli^eidirektor I o st gestern nach- mittag die vor dem Polizeiamtsgebaude aufgestell­ten Beamten der uniformierten Polizei, der Kri­minal-, Staats- und Verwaltungspolizei, sowie das Sonderkommando bei der Gießener Polizeidlrektion. 3u Ehren des neuen Polizeichefs waren an Den Flaggenmasten vor dem Polizeigebäude die Fah­nen der nationalen Erhebung gehißt.

Kurz nach 17.30 Uhr betrat Polizeidlrektor I o st, vom Kreisamtsgebäude kommend, den Hof des Polizeigrundstücks. Hier meldete ihm der Leiter des Außendienstes, Polizeioberinspektor Hoffmann, die angetretenen Beamten der Polizei und das Sonderkommando. Hierauf richtete Pg. Bull­mann, der z. b. B. zum Polizeiamt Gießen kommandierte Wormser Kreisleiter, eine kurze Be­grüßungsansprache an den neuen Polizeichef. Pg. B u l l m a n n brachte zunächst den Dank an das Ministerium für den neuen Polizeidirektor, d. h. für den Polizeidirektor an sich zum Ausdruck. Er wies dann darauf hin, daß nunmehr im Gegen- fatz zu dem System Leuschners und des Liberalis­mus ein anderer Geist auch im Dienste der Poli­zei zur Geltung gekommen sei. In dem neuen Po­lizeichef habe man einen SA. - Mann vor sich, für den der Geist des Nationalsozialismus bei sei­ner Amtsführung bestimmend fei. Pg. B u 11 - mann begrüßte sodann den neuen Polizeidlrektor Pg. Jost namens der Angehörigen der Polizei- direktion und hieß ihn herzlich willkommen.

Polizeidirektor 3oft dearühte die PolAibeamten und das Sonderkommando als feine Kameraden und dankte Pg. Bullmann für die herzlichen Worte der Begrüßung. Der neue Polizeichef gab sodann der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, daß zwischen ihm und den Angehörigen der Gieße­ner Polizei stets ein gutes Zusammenarbeiten im Geiste des neuen Deutschland Platz greifen mochte, das uns durch die nationalsozialistische Revolution freigemacht habe. Im Geiste des SA.-Mannes solle für den neuen Staat gearbeitet werden, der uns wieder zu Größe und Stärke führen werde. Ge- meinsam müßten alle Kräfte zum-Wohle unseres Vaterlandes eingesetzt werden, das Ziel dabei heiße immer nur: Deutschland.

Im Anschluß an seine eindrucksvollen Worte schritt Polizeidirektor I o st die Front der Beamten und des Sonderkommandos ab, wobei er jeden einzelnen durch Handschlag begrüßte, damit auch zugleich zur Mitarbeit im Sinne des neuen Chefs verpflichtete. Der denkwürdigen schlichten Feier wohnten auf dem Platze vor dem Polizeigebäude auch zahlreiche Bürger bei.

Bekanntmachungen des Personalamtes

Aus Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederher- stellung des Derufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurden am 21. September 1933 mit sofortiger Wirkung aus dem hessischen Staatsdient ent­lassen:

der Amtsgerichtsrat in Friedberg, Burkhard Erwin Friedrich Georg Thurn:

der Oberjustizsekretär in Worms, Philipp Weckler; der Staatsanwalt in Darmstadt, Dr. Hans Meu - sezahl;

der Oberbuchhalter bei der Hauptstaatskasse Darm­stadt, Franz K r a e g e zu Darmstadt;

die Kanzlistin bei der Hauptstaatskasse Darmstadt, Rosa Groß zu Darmstadt;

der Förster bei dem Forstamt Bad-Nauheim, Bern­hard Jacob zu Ober-Mörlen;

der hessische Notar Dr. Alfred Andrae zu Vilbel; der Kanzleiassistent beim Amtsgericht Alzey, Paul

Friedrich zu Biebelnheim;

der Gerichtsreferendar zu Gau-Odernheim, Ernst K ö h m ;

der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Vilbel, Johannes Adam Schreiber zu Vilbel;

der Justizinspektor bei dem Amtsgericht Vilbel, Georg Wilhelm Giegerich zu Vilbel;

prägte sich jede Richtung, jede Entfernung eines ge­hörten Lautes in feinem Wahrnehmungsvermögen ein. Darum legte er die letzte Strecke schon schlei­chend zurück, um den Räuber überraschen zu können, falls dieser ihm gewachsen war. Doch der andere mußte ein scharfes Gehör haben, denn schon vernahm der Luchs, wie er sich schleichend verzog. Da jagte er wie ein Pfeil hin.

Er erreichte das tote Rehkitz, das der Räuber xurütfgelaffen. Jäh verhasste er, denn ein ihm noch fremdes Tier hatte das gerissen. Seine Witterung war, scharf von Blutgeruch und Grausamkeit durch­mischt, zurückgeblieben. Das war ein Tier, artnahe, aber viel tückischer, schlauer und unbarmherziger als er und auch weit gefährlicher für die schwachen Tiere des Waldes. Ein^Tier, Das ihm ähnelte und doch als Feind ihn umschlich.

Ferner von seinem Jagdbezirk hatte er wohl die Spur dieses Tieres gefunden, nie aber hatte sich dieses in sein Revier gewagt, ihm die Vorherrschaft streitig zu machen. Die Wölfe, der Bär jagten ja auch in diesem Walde, doch das waren Artfremde, die ihm nicht glichen, nicht wie er in den Felsen und in den Wipfel die Beute zu suchen vermochten. Dieses Tier war aber so behend wie er, berührte überall seinen Weg und ließ nichts für ihn zurück.

Der Luchs empfand dies alles nicht mit klarer Erkenntnis, aber es stand vor ihm wie eine per­sönliche Bedrohung. Seine Schnurrhaare zitterten, sein Fell war gesträubt, er fauchte mit scharfem, harten Ton und knurrte rasselnd. Als wäre er plötzlich seiner Freiheit beraubt worden, schäumte die Raserei in ihm auf, der Wille zu vernichten, um sich Raum, Ungebundenheit zu schaffen. Und schon schnellte er los. Er, der nie sein Opfer jagte, nie zähe einer Spur folgte, wie die anderen Raub­tiere, es nur in jäher Ueberraschung bewältigte, be­gann die Wildkatze zu Hetzen. Er hörte sie nicht mehr, doch der scharfe Blutgeruch wies ihm den Weg zum Versteck, in das sie sich gedrückt hatte, um die Entfernung des Störers abzuwarten.

Bald hörte der Luchs den Sprung, mit dem die Wildkatze vom Baume herabschoß, um zu flüchten. Sie hatte wohl den Verfolger erkannt, der hinter ihr her war, und wußte, daß es eine Flucht auf Leben und Tod galt.

Die Katze suchte über die Schlucht hinweg die Felsen zu erreichen, um sich dort verklüften zu können. Aber der Luchs erkannte ihre Absicht und suchte, ihr den Weg abzuschneiden. Schon war er seitwärts in gleiche Höhe mit ihr gekommen, da fand die Katze einen Fuchsbau, in den sie rasch ein­fuhr. Der Luchs wollte ihr folgen. Die Röhre jedoch war eng, ihre Wandungen Fels uni) auch die

Goldene Früchte.

Die Schwalben und Störche haben uns verlassen. Still und einsam wird es in der Natur. Die Laub- bäume ziehen ihr buntes Gewand an, das bald vom Sturmwind abgerissen und fortgefegt werden wird. Es kommt nun ein Atemschöpfen der Natur. Alles muß einmal vergehen, helfen, daß andere kommen können.

Aber bevor die Bäume ihr Laub abwerfen, schenken sie uns ihre gotdnen Früchte. Die leuch­tende Sonne der letzten Woche hat sie gereift und köstlich gefärbt. Was wir einst von der Blüten­pracht im Mai erwarteten, ist zwar nicht überall eingetroffen, die Fröste waren zu stark und zerstör­ten die zarten Blüten. Aber gar mancher Baum hängt voll von schönen Aepfeln, und Zwetschen gibt es soviel, daß die Aeste gestützt werden mußten, sonst würden sie unter der Last zusammenbrechen.

Aller Ueberfluß und alle Güte des Lebens hat sich in prächtiger Farbe und süßen Duft verwan­delt. Von den Wandspalieren leuchten purpurrote Trauben, mit bunten Blättern dazwischen, die spa­ten Pfirsiche mit ihrer samtweichen Haut locken, grüne Hasel- und Walnüsse wollen geerntet sein, die Bronzefarbe der Birnen schimmert matt, aber alles ist durchglüht von den leuchtenden Farben der Aepfel. Es ist ein Reichtum von Farben, der wohl an die Sommerblumen erinnert, aber doch in seiner zarten, matten Schönheit ganz anders wirkt.

Ist eine solche reife Frucht nicht etwas Wunder- bares? Sehen wir einmal einen reifen Apfel genau an! Er stellt in seiner Formeinmal ganz kugelig, dann wieder breit und abgeplattet, wieder ein an­derer länglich hoch und in seiner goldenen Farbe etwas Kostbares dar. Er lockt das Auge, es zuckt in unfern Händen. Wir müssen zugreifen, ihn fest- halten, aber nicht wie die kleinen Kinder gleich hineinbeißen, sondern ihn erst einmal Aart und liebevoll in Händen halten. Manche haben so dünne, empfindliche Schalen, daß jeder Druck sofort sicht­bar wird. Andere wieder besitzen eine hauchdünne Wachsschicht, die ihnen hilft, daß sie recht lange fest und prall bleiben und nicht Runzeln ansetzen, wie alte Männlein und Weiblein.

Dann nehmen wir die Frucht am Stiel und stel­len uns noch einmal vor: So hing er am Baum, viele Wochen lang, zuerst klein und grün, dann von Tag zu Tag mehr anschwellend. Er ließ Regen­schauer über sich ergehen, trotzte den stärksten Win­den, ließ sich schaukeln auf feiner luftigen Höhe, blieb aber fest hängen. Die Vögel tarnen zu Besuch und fangen ihm ihre Lieder vor, am freudigsten aber begrüßte der kleine Apfel die Sonnenstrah­len, die ihm halfen, ein aoldenes Festaewand an- zulegen, im Innern aber Das kostbare Aroma und das würzige Fleisch anzusammeln.

Oder ist es mit den gelben, schmelzenden Birnen, mit den duftenden Zwetschen, vom hellblauen Schutzkleid umgeben, innen aber goldgelb und süß, anders? Immer wieder kommt uns die Frage: Wie ist es möglich, solche Farben und Gewürze aufzu­speichern, solch köstlich frisches Fruchtfleisch zu er- zeugen? Wir Menschen können Maschinen und Brücken bauen, wir fahren im Auto, in Luftschif­fen, wir stellen die empfindlichsten Apparate her, wir besiegen eine Krankheit nach der andern, aber eins werden wir niemals können: Das ist die Fabrikation" auch nur des kleinsten Apfels.

Darum beugen wir uns in Demut vor der schöpfe­rischen Natur und nehmen dankbar und bescheiden die Früchte entgegen, die sie uns schenkt. Der Herbst ist die Zeit zum Lobsingen und Danken.

Und keine Ernte verläuft so leicht und fröhlich wie die Obsternte. UeberaU lachende Früchte, jubelnde Kinder und frohe Gesichter der Obstbauern. Die Leitern werden angestellt, die Früchte kommen in kleine Körbchen, werden ausgelesen in große, weichgepolsterte Behälter, gleich sortiert und heim- gefahren. Und über dem bunten Gewimmel der Herbsthimmel. Am Abend kommen zarte Nebel und breiten sich vor den dunklen Bäumen wie lange Schleier aus. Es wird still um die Obstbäume. Ihrer Früchte ledig, können sie nun auch zur Winterruhe eingehen. G.

der Vermessungssekretcir Jacob Friedrich Storck beim Vermessungsamt Nidda; f

der Verwaltungsobersekretär in Schotten, Wilhelm De?Direhor der Chemischen Prüfung-Anstalt für die Gewerbe, Untersuchungsamt für Nahrungs­mittel, Darmstadt, Willy Prager, zu Darm- ftabt; Ä

ber Mebizinalrat zu Bübingen, Dr. Friedrich Wil- Helm Eduard Balser;

der Amtsgerichtsrat in Gießen, Franz R e u t t e r, zu Gießen;

der Rechnungsrat bei der minifterialabteiluna I d (Finanzen) Wilhelm Hammann in Darmstadt;

der Rechnungsbirektor (Gerichtskostenrevtsor) Hein­rich Koch zu Darmstabt.

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Auf Grunb bes § 2 bes Gesetzes zur Wiederher- stellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurden am 21. September mit sofortiger Wirkung aus dem hessischen Staatsdienst entlassen: der Werkmeister Karl Pracht beim Hessischen

Staatsbad Bad-Nauheim;

der Parkwart Quirin Stephan beim Hessischen Staatsbad Bad-Nauheim;

der Ministerialobersekretär bei der Ministerialab- teiluna I b (Innern) Philipp Weyland zu Darmstadt;

der Notar in Sprendlingen (Rhh.) Karl Albert Theodor Schröder.

Auf Grund des § 3 des Gesetzes zur Wiederher­stellung des Berufsbeamtentums oont 7. April 1933 wurde am 21. September 1933 der Gerichtsassessor Steffen, Friedberg, zur Zeit Berlin-Steglitz, aus dem hessischen Staatsdienst entlassen.

NSDAP. Gießen.

In der Ortsgruppe Gießen-Süd findet heute, Dienstag, 20.15 Uhr, im Physiologischen Institut der zweite Luftschutzabend für die Zellen Bahn« Höfe (5) und Schiffenberger Tal (6) statt. Pg. Dr. Eichler spricht überErkennen von Gaskampf­stoffen". Alle Volksgenossen sind dazu eingelaben.- Im Cafö Leib findet am nächsten Samstag, 20.15 Uhr, die Fahnenweihe der Ortsgruppe statt.

Morgen, Mittwoch, in der Ortsgruppe Gießen« Nord Dlockabend in der Wirtschaft Nohl, Eder« straße.

Die NS.-Frauenschaft Gießen-Nord hat heute, Dienstag, 20.30 Uhr, für die Zellen 4, 5, 6, 7 Zellenabend im Cafä Ebel. Pg. Michel spricht. Für die Zellen 1, 2, 3 findet morgen, Mitt­woch, 20.30 Uhr, Zellenabend im Cafä Ebel statt.

Die Geschäftsstelle des N S K K. 11 6 G i e ß e n befindet sich jetzt Bismarckstraße 24, Telephon 3100.

Die Teilnehmerinnen an der Tagung des B d M. in Köln müssen das Fahrgeld von 5 Mark bis Donnerstag, 12 Uhr, den zuständigen Schar­führerinnen abliefern, die es bis nächsten Sams­tag, 16 Uhr, bei der Führerin, Frau Elfriede Fischer, abzugeben Haden.

Vorbildliche Spende für die NS-Volkswohlfahrt.

Die NS.-Frauenschast des Kreises Gießen hat als ihre erste Spende für die NS.-Dolkswohlfahrt den Betrag von 700 Mark abgeführt. Diese vorbildliche Spende verdient alle Anerkennung und sei zur Nachahmung empfohlen. Weitere Spenden werden auf das Konto 4513 bei der Bezirkssparkasse Gießen erbeten.

Oer deutsche Erntedankiag.

Oer erste Großkampftag gegen Hunger und Kälte.

Schon die wenigen Tage, die seit der würdigen, von Kampfgeist und Verantwortungsbewußtsein getragenen Eröffnungskundgebung für das große Winterhilfswerk des deutschen Volkes vergangen sind, haben erfreuliche Beweise der Begeisterung und Einmütigkeit geliefert, mit denen sich das gesamte deutsche Volk zu diesem Kampf gegen Hunger und Kälte bekennt.

Die eingegangenen Spenden, besonders aus den Kreisen der Wirtschaft, beweisen schon jetzt deullich, daß die Notwinter der vergangenen Jahre und die Zersetzungspolitik des alten Parteienstaates nicht vermocht haben, die Opferbereitschaft des deut­schen Volkes und den Geist der Verbundenheit mit den Aermsten unserer Volksgenossen zu zerstören.

Aber jeder Kampf braucht Höhepunkte, Großkampftage, an denen aus den Trägern des Kampfes das Letzte an Leistung, Willenskraft und Einsatzbereitschaft herausgeholt wird. Auch der Kampf gegen Hunger und Kälte bringt solche Groß­kampftage, an denen das deutsche Volk als Träger des Winterhilfswerks feine Anstrengungen ver­doppelt und verdreifacht, um den grimmigen und würgenden Feind, der Millionen unserer Brüder und Schwestern zermürben und vernichten will, aus dem Feld zu schlagen.

Der erste Großkampftag dieser Art ist der 1. Oktober, der Tag. an dem gleichzeitig der ..Deutsche Lrntedanktag" in Stadt und Land feierlich begangen wird. Der Tag des deutschen Dauern soll gleichzeitig ein Tag des Gebens werden, lieberaD in Stadt und Land soll gleichzeitig mit dem Dank für Gottes Segen das Gedenken an die Aerm­sten unseres Volkes verbunden fein. 3n ganz Deutschland soll jeder, der sich heute wieder mit Stolz ein Deutscher nennen und voll Hoffnung in die Zukunft blicken kann, fein Aeuhersies einsehen, um den groß angelegten Kampf gegen

hunger und Kälte zum Siege zu verhelfen.

UeberaU sollen die nationalsozialistischen Kämpfer mit alter Begeisterung und Siegeszuversicht den ersten großen Angriff gegen Elend und Not vor­antragen. Die Führer des deutschen Bauerntums

werden an diesem Tage vor den Führer des neuen Deutschland treten und ihm die Mengen an Lebens­rnitteln und anderen Spenden melden, die von den deutschen Bauern in der kurzen Zett von einem halben Monat für ihre notleidenden Volksgenossen schon aufgebracht worden sind. Eine tiefe symbo­lische Bedeutung wird in dieser Handlung liegen; zeigt sie doch die innige Verbundenheit des deut­schen Nährstandes, des deutschen Bauerntums mit dem gesamten Volke, besonders mit seinen not­leidenden Schichten.

Aber auch die Städte werden in einer gewaltigen Krastanstrengung beweisen, daß sie den Ruf der Führer verstanden haben und wissen: Kämpfen heißt Opfer brin­gen! Die der 1. Rial, so soll auch der 1. Oktober weit über den selbst gegebenen Raum hinaus ein Symbol der neuer­st andenen Einheit des Volkes fein. Jeder, aber auch jederfollfichandief frm Tage ein Opfer auf erlegen, foll fparen und das Ersparte dem Winterhilfswerk zuführen.

U. a. soll diese Opferbereitschaft auch im Essen gezeigt werden. Am 1. Oktober soll in ganz Deutsch­land, auch in den Hotels, Gastwirtschaften und Speisewagen, nur ein einfaches Mittagessen, e i n billiges Eintopfgericht (äußerstenfalls zum Höchstpreise von 50 Pfennig für jede Person) auf den Tisch kommen. Mindestens das, was von den Familien und Einzelpersonen durch diese Selbst» bescheiduna gegenüber anderen Sonntagen e r» spart wird, ist von ihnen für den Kampf gegen Hunger und Kälte zu spenden (Postscheck-Konto Berlin 77 100 NS.-Dolkswohlfahrt Reichsführung, Konto Winterhilfswerk oder das gleichlautende Konto bei der Reichsbank). So soll der Kampf gegen Hunger und Kälte das Hirngespinst der internationalen Solidarität des Proletariats endgültig zerstören und durch eine höhere Idee ersetzen: durch den Gedanken der nationalen Solidarität aller schaf­fenden Stände des deutschen Volkes!

anderen Ausgänge boten keine Möglichkeit des Ein­schlupfes für das große Tier.

Den Luchs befiel eine tobende Raserei, daß ihm der Feind entgangen war. Er riß große Erdbrocken aus, fauchte, knurrte und konnte sich nicht fassen vor Enttäuschung. Die Katze aber, die sonst durch wütendes Trommeln jeden Gegner abzuschrecken sucht, verhielt sich ganz still, gelähmt vor Furcht.

Mit der Zeit wurde Der Luchs ruhiger, legte den Kopf auf die Pranken, seine Lichter glühten un­verwandt in das Dunkel des Fuchsbaues und er schien, ganz wieder seine Natur, die Katze belagern zu wollen. Aber bald darauf kam er zu anderer Einsicht. Er ließ ein gelangweiltes Plärren hören und entfernte sich bergwärts.

Nicht weit zog er weg, in dem Wipfel eines niedergebrochenen Baumes legte er sich auf die Lauer. Lange verharrte er so. Die Nacht schritt vor, die Wölfe hatten schon längst zu heulen auf- gehört, Rehe wechselten unweit vorbei, ein Hase hoppelte unter ihm weg, der Luchs aber regte sich nicht, tat keinen Sprung nach der leichten Beute. Bis dann die Eulen wieder reger wurden, das Zirpen der Fledermäuse verstummte, Vögel wie erwachend wisperten und der dumpfe Ruf des Uhu den Morgen ankündigte.

Da vernahm der Luchs ein ganz leises Geräusch. Es kam vom Fuchsbau her. Wie ein Schatten glitt der Luchs auf den Boden herab und wand sich langgestreckt hin. Doch die Katze beeilte sich, zu Der verlassenen Beute zu kommen und der Luchs mußte ihr rascher folgen. Da hörte ihn die Wildkatze. Der Vorsprung war zu gering, als daß die Wildkatze dem viel schnelleren Feind auf dem Boden hätte entkommen können. Wie der Blitz fuhr sie eine Buche hinauf. Und als der Luchs ihr auch da folgte, flog sie mit weitem Satz in die Nachbarwipfel hin­über.

Prasselnd ging die Hetze. Manchmal auf dem Boden, Dann wieder in den Wipfeln. Doch der Zwi­schenraum blieb immer der gleiche, denn die Wild­katze war viel behender im Klettern als der Luchs.

Wieder schwang sich die Verfolgte auf einen Nach­barbaum hinüber. Sie hatte es jedoch nicht beachtet, daß dieser eine Weißpappel war, deren Holz spröde und leicht brechend ist. Der Ast, auf den sie sich warf, splitterte ab, mit Gepolter fiel sie in die Tiefe. In dem Augenblick, da die Katze den Boden berührte, landete auch der Luchs neben ihr und ging sofort zum Angriff über.

Die Katze war ein starker Kuder, der den Gegner mit scharfen Prankenhieben empfing. Dieser mußte auf feiner Hut fein, um nicht in die Lichter ge­troffen zu werden im Sprung warf er sich über

den Kater hinweg, ihn von rückwärts zu fassen. Blitzschnell fuhr dieser herum, stand wieder abwehr­bereit. Wie ein Kreisel drehte sich der Kuder, fauchte, hieb nach dem Feind, der immer wieder über ihn hinwegsetzte.

So waren sie in dicht aufschießende Buchensäm­linge geraten, die die Katze in ihren Bewegungen behinderten, die der Luchs aber leicht übersprang. Und als die Katze wieder einmal herumfahren wollte, hatte sie sich in den Schößlingen verfangen schwer schlug der Luchs auf ihren Rücken nieder.

Es nützte Dem Kuder nichts, daß er mit den Hinterpranken die Läufe des Luchses zu fassen be­kam. Der hatte sein Gebiß in den Nacken des Fein­des geschlagen, immer tiefer drangen feine Zähne ein, schwächer wurde die Verteidigung der Katze, Dann kam Der ToDesschrei, lang unD klagend, bis jäh die Nackenwirbel am Gebiß des Luchses knackten und sich die Katze verzuckend zu strecken begann.

Der Luchs hatte von dem toten Feinde abge­lassen. Er fauchte einige Male in der Nachwirkung seiner Wut, aber er schnitt die Beute nicht an, um sie zu verzehren, schob sie auch nicht spielend mit den Pranken umher. War auch der Feind tot, so war doch sein Haß noch nicht gestillt, der grenzen­lose Zorn ob dem artnahen, ebenbürtigen Feind, der es gewagt hatte, ihm die Herrschaft streitig zu machen.

Als er sich dann wieder auf feinen Deutegang begab, um noch vor Tag seinen Hunger zu be­friedigen, tat er es knurrend, als empfinde er noch immer jene gefährliche Begegnung seines Lebens- kreises, gegen die er hatte ankämpfen müssen, um sich jene starke, alle Tiere der Wildnis überragende Unbänbigteit, in welcher allein seine Wesenheit wurzette, bewahren zu können.

Achthunderijährige Farnilieniradiiion.

Eine der ällesten Familien Deutschlands Dürfte die Familie Domizlaf f sein, die in Stettin ihren Familientag abhiett und auf ein achthundertjähriges Bestehen zurückblicken kann. In einem Kirchen­fenster in Der Jacobikirche in Stettin ist die Taufe der Söhne des Edlen Domizlaff durch den Bischof Otto von Bamberg am 25. Oktober 1124 DargefteUL Diese beiden, Tepitz und Borante Domizlaff, waren die ersten Pommern, die sich nach Der Einführung des Christentums taufen Hetzen. An der Stelle, an ber bie Taufe ftattfand, steht heute die Sankt- Peterkirche, die älteste Kirche Stettins. Der Senior ber Familie ist Der aus Dem Weltkrieg als Chef des deutschen Feldpostwesens bekannte frühere Präsi- dent der Oberpostdirektion, Leipzig, Geheimer Ober­postrat Georg D o m i z l a f f.