Hr. 277 Drittes Blatt
(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 25. November (955
al? den Kameraden in Zeit und Ewigkeit. Wir | theater Gießen das Schauspiel: sind Les Herrn und darum sind wir in diesem Leben Karl Lerbs unter der Spie
dazu da, unseres Herrn Liebe auf Erden durch unser Tun zu beweisen.
Es ist ein runder schneeweißer Kieselstein, den vergräbt es nachts in die Erde, und zuletzt pflanzt es noch einen Baum darüber, damit er das Herz behüte und mit seinen Wurzeln festhalte.
, , 3a, und nun hat das Mädchen also kein Herz
Phantasie, daß ihm unversehens I mehr in ber Brust, nun muß doch alles gut sein.
Das vergrabene Herz.
Bon K H Waggerl.
Das ist die Geschichte von dem Mädchen, das fein Herz vergraben hat. Wirklich, ein Mädchen, ganz allein in der Welt, ganz arm und verlassen. Wozu trage ich dieses Herz mit mir herum, denkt das Mädchen, es klopft und liegt mir wund in der Brust, ich habe nur Kummer von meinem Herzen.
Und bann geht es also hinaus und sucht einen Stein auf dem Felde, du sollst mein Herz sein, sagt das Mädchen.
Es geschieht dann, daß nachts jemand an das Haus kommt und klopft, ein fremder Mensch. Oder viel- lelcht ist es der Bruder, doch, vielleicht hatte das Mädchen noch einen Bruder in der Fremde der ist jetzt heimgekehrt und will bleiben, das Herz hätte es wissen müssen. Wer das Herz ist vergraben, und darum geht der Bruder wieder und wandert traurig fort in die fremde Welt.
3m andern 3ahr ist es eine Frau, die abends am Brunnen vor dem Hause sitzt, das Gesicht in der Hand verbirgt und weint! 3ch bin deine Schwester, sagt sie, sei barmherzig!
Das Mädchen läuft in der Nacht auf das Feld und fragt den Baum, fragt den Stein in der Tiefe hift es die Schwester? Aber das Herz ist zu tief oer-' graben, es schweigt auch dieses Mal. Geh wieder sagt das Mädchen zur Frau am Brunnen. Ich kenne dich nicht.
Und das Haus bleibt lange leer. Die Vögel ziehen alle fort, sogar die Blumen am Fenster verwelken, das Mädchen sieht mit toten Augen zu, wie ringsumher alles stirbt. Sie ist verflucht, meinen die Manner. Nein, sie hat kein Herz im Leibe, sagen die Frauen, die es besser wissen.
Aber einmal im Frühling ist es so weit, daß der Baum auf dem Felde zu blühen anfängt, und da geht ein junger Mensch vorbei, der sieht den Baum, wie er blüht, weiß und rot und über und über Und darum tritt der junge Mensch an das Fenster des Mädchens, um zu fragen. Wie kommt das, fragt er, warum blüht nur dieser einzige Saum auf dem Felde und alle anderen sind kahl? Und warum hast du so traurige Augen, bist du verflucht?
Das Mädchen schweigt. Der junge Mensch hat nach dem Baum gefragt, nach ihrem Herzen unter dem Baum, das rührt sie seltsam an. Sie kann ihn nicht bitten, daß er bleibe, aber sie sieht nicht gern, daß er geht.
3n der folgenden Nacht kommt der junge^Mensch wieder an das Fenster. 3ch liebe dich, sagt er jetzt unb lächelt ihr zu. 3a, du gefällst mir, mit deinem blühenden Baum!
Allein das Mädchen kann ihm auch dieses Mal nichts antworten, es ist das Herz, das die Worte gibt, und das Herz liegt begraben. Das Mädchen borf den Schritt des Fremden in der Nacht verhallen. Geh nicht fort, denkt das Mädchen, verlaß mich nicht! Vielleicht ist alles gut, der Baum blüht ja doch. Komm wieder, vielleicht ist mein Herz noch nicht tot, wenn er so blühen tonn!
Der Hess. Evang. pfarrverem an den Reichsbischof.
Angesichts der von dem Studienassessor Dr. Krause (Berlin) gehauenen, den Bekenntnis- grunblagen der Evangelischen Kirche widersprechenden Rede, auf die eine bedeutsame öffentliche (Er- Marung des Reichsbischofs folgte, sind aus allen Teuen des Reiches zahlreiche Zustimmungserklärungen bei dem Herrn Reichsbischof eingelaufen Auch der Hessische Evangelische Psarr- o e r e i n hat es für seine Pflicht gehalten, hier nicht zu schweigen, .und hat an den Herrn Reichs- blschof folgendes Schreiben gerichtet:
„Zu Ihrer Kundgebung vom 15. November über Die Treue zu Schrift und Bekenntnis stehen wir Unterzeichneten im Namen des Hessischen Pfarr- oereins in heißem Dank und unwandelbarer Gefolgschaft.
Für den Vorstand des Hessischen Pfarrvereins: gez. Widmann, Vorsitzender, Dekan unb erster Pfarrer zu Schotten.
gez. K n o b t, Schriftführer, Pfarrer zu Offenbach."
,U-3oot 116."
Aus bem Stabttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 26. November, kommt im Stabt-
DeutscheZugend amTotensonntag
Bekenntnis eines Gießener H.tlerjungen.
-------- —Ir.„: „U-Boot 116" von Karl Lerbs unter ber Spielleitung von Kurt Lupke erstmalig zur Aufführung. Die 3ntenbanz gleicht mit bieser Erstaufführung ben Spielplan bem ernsten Charakter bes Totensonntags an. Wir erleben bie Wiebergeburt bes nationalen Gebankens in einer Dichtung ohne Hurrastimmung unb ohne Phrase. Dieses deutsche Helbenlieb ist eines ber aufwühlenbsten Dramen bes Zeittheaters. Lerbs übernimmt mit ber Dramatisierung ber Tobesfahrt des letzten von ben 1918-Meuterern nicht besetzten freien U-Bootes bie vornehmste Aufgabe ber Bühne, das heldische Geschehen als Erschütterung, Reinigung und Aufrichtung darzustellen. Ihm wird der Opfertod ber Männer vom U-Boot 116 „erschüt- fernbes, zutiefst packenbes, emporweisenbes Sinn- bilb: 3nbegriff einer Gemeinschaft von Männern, die ihre Bestimmung zu Ende benfen, ihren Willen zur fugenlosen Einheit oerbinben, ihren Gemein- schaftsgebanken zur Tat werben lassen". Der Dichter formte einen Stoff, bem eine wahre Begebenheit ,3u Grunbe liegt, mit starker Gestaltungskraft zu einer von jeher tenbenziösen Entgleisung freien Einheitlichkeit. Dieses beutsche Helbenlieb, bas „Grabmal ber unbekannten U-Boot-Besatzung" enthält bie kategorische Forberung: „Das Leben bem Vaterlanbe , ein beutsches Stück, wie unser Volk es braucht. Zur Feier bes Tages wirb bei Dieser Erstausführung am Totensonntag bas Orchester bes Stabttheaters unter Leitung von Kapellmeister Cuj6 bie Ouvertüre zu dem Trauerspiel: „Hamlet" von E. Bach zu Gehör bringen. Die
Aus Der provinzialhauptftaDt.
Heute und die Ewigkeit.
Don Superintendent £ic. ^orrmann.
Ein Tag im Fahre ist den Toten frei. Der Totensonntag i|t’s. Das ist wenig — einer von den vielen -tagen bes langen Jahres, nur ein Tag, um all unserer Toten uno all ihrer Liede zu gedenken Aber wenn Dieser eine Tag, den wir mitten im rauichenben Leben unseren Toten widmen auch viel zu wenig ist, um ihrer recht zu gedenken, so wollen wir diesen einen Tag doch remt begehen damit er werde ein Tag lebendigen Geoenkens an uniere Toten und damit ein Tag des Lebens für uns selber. 1
So gedenken wir unserer Toten. Ob wir sie erst in diesem Fahre zur Ruhe betten mußten, oder ob mir scyon manches Fahr einsam wandern — cn diesem Tage brechen alte Wunden auf, wird der bricht wieder bejonöers bitter und schwer zu tragen, [ließen wieder die Tränen der Dantbarteit für aüe Lieve, die sie uns schenkten und durch die sie unser Leden einst so reich machten.
Wir gedenken an diesem Tage erneut auch in heißer Dankbarkeit unserer toten Helden, die, auf öen Lippen und im Herzen das heilige Wort „Deutschland", für dieses Deutschland im großen xriege [ielen. Und wir gedenken der anderen Helden, die ,ich opferten Jahr für Fahr, um die nationale Erhebung vorzubereiten und durch ihr Opfer Deutschland aus der Nacht der Schande in das Morgenrot neuer Freiheit unb Große zu führen. Gottlob, daß wir heute um biefe Helden im feld- grauen und im braunen Kleid nicht mehr zu trauern brauchen, als waren sie umsonst gefallen! Wir ha- den es erlebt unb dürfen es immer wieder neu erleben, wie die heilige Saat ihres Sterbens reifte unö reift zur heiligen Ernte, die beschlossen ist in Dem einen großen Wort „Volksgemeinschaft".
Aber Himer unseren Toten sehen wir das Antlitz des Todes selber. Wie rasch zerbricht vor bieie.n gewaltigen Herrscher menschliche Größe, wie jäh sinkt vor dem Schnitter Tod menschliches Glück dahin! Gott sei Dank!, auch tiefstes Menschenleid geht einmal unter im lobe. Vorüber, vorüber, das ist die schmerzlich-schöne Melodie aus dem Munde des Todes.
Aber diese Melodie ist ja nicht Wahrheit. Mit dem Tode ist ja gar nicht alles aus, so sagt uns gerade am Totensonntag mit Gewißheit eine innere Stimme. Hinter dem Tode blickt die Ewigkeit uns an. Und was wird aus uns und unserem armen Leben, was wird aus deinem und meinem „Heute" in der Ewigkeit? Denn aus der Ewigkeit sieht Gott, der Herr der Ewigkeit, auf uns hernieder. Sein heiliges Auge steht an diesem Tage ganz besonders ernst auf uns. Unb es ist gut, wenn wir wenigstens an diesem Tage das große Erschrecken lernen vor dem ewigen Gottesauge und die wichtigste Frage stellen: Wie kommt mein Meines Heute unb bie große Ewigkeit in bie rechte Verbindung zu- einander? ö 0
Es tft eine Verbindung geschaffen zwischen unserem Heute und der Ewigkeit. Wir haben Gewißheit über jenes unbekannte Land. Wohl stehen wir am Strand dieser Zeit, unb unser Auge, so sehr es sich anftrengt, sieht fein jenseitiges Ufer. Da aber werfen bie Wellen zu unseren Füsten eine Frucht ans Land, wie sie noch niemand auf Erden fal). Nun steht uns fest: Jenseits des Meeres liegt ein ander Land, in dem diese Frucht gewachsen ist. Sie ist uns Bote und Bürge des unbekannten Landes. Dieser Bote unb Bürge aus der Ewigkeit heißt Jesus Christus. Er hat bem Tode die Macht genommen unb das Leben unb damit ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht und uns die Ewigkeit entschleiert als das Land ber göttlichen Liebe unb des ewigen Lebens.
Durch und mit Jesus Christus wirb unser Heute in dieser Erkenntnis gelebt als ein Leben, dessen Schwerpunkt im ewigen Leben ruht. Ader gerade darum wird es gelebt als ein Leben ber Liebe ganz für bie Menschen, bie mit uns auf bem Wege zur Ewigkeit finb. Unsere Beziehungen zueinander müssen geheiligt werden durch die Liebe, die den Lebensgefährten mit dem Blick ber Ewigkeit anschaut
Erstaufführung ist zu ermäßigten Preisen und dauert von 19.30 bis 21.30 Uhr.
LS Jahre Buchhandlung pilgermission G eßen.
Am heutigen Samstag, 25. November, kann dis Buchhandlung Der Pilgermission in Gießen auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Von dem im Mai 1927 verstorbenen Stadtmissionar Friedrich Herrmann am 25. November 1908 gegründet, hatte die Buchhandlung ihr erstes (3e- schäftslokcll in dem Hause Kreuzplatz 6. Der Tat- kraft des Gründers gelang es, mancherlei Schwie. rigteiten des jungen Unternehmens glücklich zu überwinden und der Buchhandlung einen guten Aufstieg zu ermöglichen. Dabei kam Herrmann wnd der jungen Buchhandlung zustatten, daß es in unserer Stadt bis zu jener Zeit keine Buchhand- lung gab, die Taschenbibeln und Testamente in Auswahl, sowie ernste christliche Literatur auf den Büchermarkt brachte. Schon zwei Jahre später mußte der Arbeitsraum der Buchhandlung durch die Inanspruchnahme eines größeren Lokales im Neuenweg 10 erweitert werden. Missionar Herrmann hatte es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, Männer mit dem Evangelium und mit guten christlichen Schriften von Haus zu Haus zu schicken, wegen Mangel an geeigneten Kräften mußte er aber diesen Plan bald wieder aufgeben. Unermüdlich arbeitete er Dennoch an seinem Werke weiter, wobei er sich auch besonders der Blättermission widmete. Er gründete zu diesem Zwecke das anfangs monatlich erscheinende Evangelisationsblatt „Aufwärts", um damit denen, die kein Gotteswort mehr hörten, die Botschaft des Heilands nahezubringen. Dieses Blatt fand in der evangelischen Welt starken Anklang, so daß es im Jahre 1928 in einer Auflage von über 40 000 und heute mit über 50 000 Stück erscheint. In Verbindung mit dieser Verlagsarbeit nahm die Buchhandlung der Pilgermission immer mehr an Wirkung in die Tiefe und in Die Breite ZU, woDurch es notroenDig wurde, im Jahre 1919 das Geschäftshaus Plockstraße 4 käuflich zu er- werben und im gleichen Jahre dort den Brunnen- Verlag der Buchhandlung Pilgermission anzugliedern. Von der Ausdehnung der Arbeit dieser Buchhandlung erhält man einen eindrucksvollen Begriff, wenn man hört, daß die im Verlag der Buchhand- lung der Pilgermission erschienenen Bücher der Dora Rappard bisher in einer Gesamtauflage von über 300 000 Exemplaren erschienen sind und das Werk „Zündel, Johann Christoph Blumhardt" in über 50 000 Exemplaren herausgebracht wurde.
Weite Kreise der evangelischen Bevölkerung in Oberhessen und in den benachbarten preußischen Kreise, Darüber hinaus aber auch im Reiche haben aus der segensreichen Arbeit der Buchhandlung der Pilgermission großen inneren Gewinn verzeichnen Dürfen, der am heutigen Jubiläumstage der Buchhandlung ein dankbares Gedenken rechtfertigt.
NG-Kriegsopferversorgung,
Am Totensonntag, 11 Uhr, findet auf dem Ehren- nedhof eine stille Gedenkfeier für die Gefallenen tatt. Die Mitglieder ersuche ich um rege Betelli- 9un9- gez. M ö ll, Ortsgruppenobmann.
SN Volkewohlsahrt Ortsgruppe Gießen-Süd.
Die Ortsgruppe Gießen-Süd der NSV. häll an olgenDen Tagen Sprechstunden in Angelegen» heuen des Winterhilfswerkes:
Montags, Mittwochs und Freitags von 17 bis 19 Uhr im Hotel Hopfeld, Eingang zum Saal Wetzlarer Weg.
völlig zwecklos, in den Wohnungen irgendwelcher Amtswalter vorzusprechen. Auch das Ein- reichen mehrerer Anträge von ein und derselben iserfon oder Familie bedeutet unnütze Arbeitsbelastung und wird Dem Antragsteller keinesfalls bevorzugte ErleDigung feiner Sache sichern. Gleichzeitig bittet Die Ortsgruppe nochmals um lechweise Uederlassung einer gebrauchten Schreibmaschine, sowie eines Schreibmaschinentisches und eines Schrankes.
Heil Hitler!
__________gez.: F r i e D e l, Orfsgruppenroalter
Die Fahrt
Des Tauchbootes,,U B116".
23on Karl Lerbs.
Zur Aufführung des Schauspiels „U-Boot 116" wird uns vom Stadttheater die folgende Einführung des Verfassers zur Verfügung gestellt, her unseren Lesern bereits aus zahlreichen Beiträgen im Feuilleton bekannt ist.
Dus Tauchboot „U B 116", geführt vom Kapitänleutnant E m s m a n n, ist, obzwar Sinnbild, keine Erfindung: Es fuhr zu Beginn der Revolution gegen öie Engländer, und es ging unter. Sinnbild, sage 'eh; erschütterndes, zutiefst packendes, emporweisendes Sinnbild. Inbegriff einer Gemeinschaft von Männern, die ihre Bestimmung zu Ende denken, ihren Willen zur fugenlosen Einheit verbinden, ihren Gemeinschaftsgedanken zur Tat werden lassen. Sie bezahlen diese Verwirklichung einer Idee mit dem Tode — wollen sie mit dem Tode bezahlen, um durch diese letzte Folgerung zu beweisen, was ein klnr erkannter und einheitlich gewollter Gemein- schaftsgebanke vermag: nämlich über die verständliche Ichsucht des einzelnen hinaus aufzuwachsen zur Größte eines fortwirkenden und fortzeugenden Sym- bols. Wägen, aber dann wagen: erkennen, aber Dann handeln; nicht wieder den gemeinschaftlichen Willen zerfasern lassen vom Jnfusorienstreit der Einzelwünsche; nicht reden — tun.
ms!?'" grauer Tag. Gebe und leer die Landschaft, •alles Leben verschwunden, keine Blume, kein Blatt, nichts mehr. Nur der Herbstwind streicht über die Felder. Er ist jetzt her Beherrscher Der Natur q- D°5 T?Sen noch lebte, alles ist jetzt tot. Der -too ist über das Land gegangen; wo seine Senfe btntraf, da vernichtete sie Leben, da kehrte Das Sterben em. So ist es Sonntag geworden. Einer jener kurzen, kalten, nebligen Novembersonntaae. ein Sonntag, der dem Tode voll und ganz gehört. ,,T o t e n f o n n t a g." Es paart sich das Sterben Draußen in der Natur mit dem Gedenken an die, welche ernst genau so lebten wie wir, am Leben Freude hatten, und die heute unter der Erde ruhen, wahrend der Herbstwind über ihre Gräber streicht.
Unsere Zeit, die erfüllt ist von Hast und Eile, ge- Denft an diesem Tage ihrer Toten. Wenn am Sams- taa noch Die RaDer Der Fabriken ihr herrliches Lied gesungen haben, wenn der Handwerker bis zum (paten Samstagabend seiner Arbeit nachgegangen ist, so liegt heute, am Tage der Toten, über all Dem jo etwas unsagbar Müdes, etwas Fremdes. Die Toten regieren. Wenn dann die Glocken mahnen und ihr Klang über das öde Land hinschwingt. Dann beschäftigen wir Menschen uns mit her Vergangenheit. Dann denken wir zurück an unsere eitern, an unsere Geschwister, an Angehörige unb an alle bte Menschen, bie uns einst nahestanben. Wir sehen sie im Geiste vor uns, so wie sie gelebt unb gewirkt haben.
Unsere Gebanken gehen weiter, gehen von ben Menschen, bie uns nahestanben, zu benen, bie für uns alle gelebt unb gestorben finb. Manche Mutter weint über bem Silbe ihres gefallenen Sohnes ober Eheaatten bittere Tränen. Als Volk, als einiges beutsches Volk gehenfen wir ber Wegbereiter unseres heutigen Deutschlanb, gebenfen her Hunberte von Helben, bie ihr Leben freubig für bas Dritte Reich gegeben haben. Vor unseren Augen ersteht bie Felbherrnhalle in München. Wir gehen still zu ihren Grabern, schmücken ihre Ruhestätten unb roanbern still nach Hause.
Immer noch verkünben bie Glocken ben Tag ber Toten. Immer noch streicht ber Herbstwinb über bie oben Felber. Immer noch liegt biefe feierliche Stille über bem Lanb.
»Ihr Toten, bie ihr uns einst nahestandet, ihr, bie wr euer Leben für Deutschlanb im Weltkriege geopfert habt, ihr, bie ihr für bie beutsche Freiheitsbewegung gefallen seib, unb alle ihr anberen Toten, pabt einst gelebt unb habt mit biefem Leben einen Lebenszweck erfüllt."
Das ist es, weshalb wir geboren finb, weshalb exfüüeri aUPt leben, baß wir biefen Lebenszweck
,,Jhr seid gestorben an ber Erfüllung biefes eures Lebenszweckes, seib Märtyrer geworden für uns, für euer Volk. Unb wenn ihr nun heute über uns regiert, so sei bies eine Mahnung für uns Es ift ganz gleich, ob ihr braußen im Felbe für Deutsch- lanb geftorben seib, ob ihr für bie beutsche Frei- heitsbewegung euer Leben ließet, ob euch ber Tod m hohem Alter ereilte. Das alles ist ganz gleich. Ihr habt gelebt, habt in biefem Leben euere Pflicht getan, habt ben Sinn eueres Lebens erfüllt. Unb Deshalb gehört euch bieser graue Novembertag. An biefem Tage sollt ihr uns mahnen, sollt uns auf- rütteln, sollt uns Lebenbe an ben Sinn unseres Lebens erinnern. Ihr Toten habt uns ein Erbe hinterlassen. So stehen wir jungen Menschen, mir, bie beutsche Jugenb, heute vor euch und sehen als euer Erde ein einiges Deutsches Reich. Wir sind aus ber ungeheueren Verantwortung bewußt, bie mir emst zu übernehmen haben, wenn man bas Reich in unsere Hände legt. Dieser Zeitpunkt liegt noch in weiter Ferne. Wenn einst aber die Geschicke bes beutschen Vaterlanbes in unseren Hänben liegen, bann wollen wir unsere Pflicht tun, angesichts eurer Taten, angesichts ber ungeheuren Verantwortung, bie wir übernommen haben. Unb genau so wie ihr eure Pflicht tatet, wie ihr ben Sinn, ben Zweck eures Lebens erfüllt habt, genau so wollen auch wir unsere Pflicht tun."
So ist ber Tag ber Toten zugleich ein Tag ber Jugenb. „Wenn wir, ihr Toten, einst auch zu euch gehören, bann wollen wir euch Rechenschaft ablegen über bas Erbe, bas ihr uns hinterlassen habt. Unb bann wollen wir gemeinsam vor unseren Richter treten unb über uns unb unser Werk Gericht halten lassen."
Ein grauer Tag. Debe unb leer bie Felher. Nur Der Herbstwinb streicht über bas Lanb...
A. R.
Unb in ber zweiten Nacht wartet bas Mäbchen gar nicht mehr auf ben flopfenben Finger, sie läuft auf bas Felb unb kniet hin unb gräbt mit ben ganben in ber Erbe, sucht unb gräbt. Aber ber ®aum gibt bas Herz nicht zurück, o nein. Er hält es fest mit allen feinen Wurzeln.
Unb so kommt ber frembe Mann zum letzten Male in ber brüten Nacht. Er klopft gar nicht mehr — ich gehe jetzt! ruft er laut bunt) bas Fenster Du hast kein Herz im Leibe, sagt er, unb bein Baum hat abgebluht!
Nein, bleibe hoch! ruft bas Mäbchen in seiner Angst, aber ber Mann hört es nicht mehr.
steht auf bem Felbe vor bem Baum unb schneidet einen Zweig heraus, einen Stock für den Weg, weil er doch seine Liebe verlassen unb wan- öern muß. Unb nun springt plötzlich ein Brunnen ■ölut aus bem Saum, o mein Gott, ein breiter Brunnen Blut!
Darüber erschrickt ber Mann, unb er läuft zurück m bas Haus. Was ist bas, will er sagen bein Baum blutet ja, sieh her! Aber bas Mäbchen lieat schon still unb weiß auf feinem Bett.
Er schnitt nur einen Stock für bie Wanberschaft aus ihrem Baum, ba rann ihr ganzes Herzblut in bas Gras Ja, still und tot, das ist bie Geschichte von Dem Mäbchen, bas fein Herz vergrub.
Ieiischrifien.
Im Auftrage bes Reichsluftschutzbunbes erscheint eine neue große illustrierte Zeitschrift„D i e <S i r e n e" vornehmlich den Fragen bes Luftschutzes gewib- 'net -st- Sie brmgt alles Wissenswerte über ben zollen Luftschutz unb ben Selbstschutz ber Zioilbe- Dolferung. Dabei wirb burch Wort und Bilb bie-
«'»Sterne Sachgebiet ansprechenb unb lesenswert gefialtet. Die Forberung bes Reichsluftfahrtministers
o.rlst g' oaß ber Reichsluftfchutzbunb in erster time Die moralischen Voraussetzungen schaffen solle, ohne bie ein Volk nicht fähig ist einen mobernen
er 3U ertragen, erfüllt bie Zeitschrift Durch pflcglufje Darstellung besten, was vor ber Luftwaffe
"lutzt werben muß, die deutsche Heimat, die beut- aje Kultur unb bas deutsche Volkstum. Neben dem Geleitwort ber Präsibenten bes Reichsluftschutzbun- )es unb umfangreichen Bilbartikeln über ben Luft- chutz unb bie Luftwaffe ber Anberen bringt bie oorliegenbe erste Nummer einen Heimatroman, einen spannenden Tatsachenbericht, eine klassische Novelle, Beiträge über das bedrohte deutsche Grenzland. über die letzten deutschen Adler und vieler 'mehr.
Der sehr geschätzte und schätzbare englische Schriftsteller C. S. Forester griff den Vorfall auf und machte daraus ein oielgefpieltes Theaterstück: „U 97". Eine noble Sache; gerecht und „gentle- manlike". Bestes englisches „fair play". Eine sehr saubere Schilderung der deutschen Tauchbootleute, Die mit einer schlichten und geraden Heldenhaftig- feit in den Tod gehen, weil ihre Verzweiflung über den Zusammbruch keinen anderen Ausweg sieht und ihr Ehrgefühl sich der Schändung durch die Friedensbedingungen entziehen will. Daß Forester in seinem sympathischen Stück bei ber Schilberung bes „Milieus" zu etlichen Malen banebengriff, entschuldigte sich selbst mit Unkenntnis. Es bleibt erfreulich, daß aus Englanb ein so nachbrücklich um Unparteilichkeit unb menschliche Erfassung bemühtes Seekriegsstück tarn. Die Berichtigung offensichtlicher Schilberungssehler verstanb sich für ben beutschen | Bearbeiter von selbst. .
Dem beutschen Bearbeiter aber fuhr bie Sache so I tief in Herz unb Phantasie, daß ihm unversehens I
ein völlig neues Stück entstand, das mit der ersten Form nicht mehr als die Namen der Handelnden und den Ablauf der Handlung gemein hatte. Mit herzbewegender Gewalt drang die Deutung auf ibn em. Was der kühle Theaterinstinkt des Engländers als wirksamen Stofs aufgefpürt hatte, enthüllte sich mächtig aufwachsend als bahnweisendes Sinnbild deutschen Schicksals. Aus der Tat von damals und ihrer Triebkraft ließ sich die Idee für das Heute geroinnen. (An den Rand geschrieben: Hat unser Theater — und nicht nur das Theater — nicht allzuoft den Fehler gemacht, Ideen von heute auf Menschen von gestern zu pfropfen?) Das Stück wirbt mit aufrichtiger Absicht um rechtes Verständnis. Es ist niemandem zuliebe und niemandem zuleide geschrieben; es will keinem der geräuschvoll sich befehdenden parteipolitischen und weltanschaulichen ismen" dienen. Es bestrebt sich, unverzerrt und mit dem Einfühlungsvermögen blutnahen Begreifens die Menschen von damals in ihrer Bedingtheit und Unbedingtheit zu schildern. Der Einzelfall, durch seine besondere Artung eindrucksvoll aufwachsend aus der Fülle heldischer Leistungen, soll den Gedanken verkörpern, der allein imstande ist, ein schassendes Volkstum frei und groß zu machen: Tatbereite Volksgemeinschaft im Ringen mit dem Schicksal. Der Eindruck des Stückes wird Die Ergriffenheit unD Ueberzeugtheit beweisen, mit ber ich in ber beispielhaften Opfertet von „U B 116" bie Macht eines schöpferischen Glaubens verkörpert sah, eines Glaubens, ber Berge versetzt.


