Sturmbann führen wird. Wir alle haben ihn in der Zeit der Kämpfe liebgewonnen und schätzen g'errü, denn unter einer rauhen Schale verbirgt bei chm ein prächtiger Kern. Ich fordere alle meraden auf, mit einzustimmen in den Ruf: „Unferm bisherigen Sturmführer und jetzigen Sturmbannführer Franz S o l d a n ein dreifaches „Äampf- Heil!" Donnernd stimmten die Kameraden ein, und es erklang zum letztenmal für R. 11/116 das Sturmlied.
Der Führer des neuen Sturmbannes dankte mit herzlichen Worten für die ihm dargebrachte Ehrung und brachte ein dreifaches Sieg-Heil auf unser deutsches Vaterland, unseren obersten Führer Adolf Hitler und den greifen Generalfeldmarfchall von Hindenburg aus. Sodann erflangen der erste Vers des Deutschland-Liedes und de» Horst-Wesfel- Liedes. Mit dieser eindrucksvollen schlichten Feier löste sich der Reservesturm 11/116 auf.
•• Da s Rauchen während des Dienstes verboten. Durch Verfügung des Herrn Staats- minifter» ist das Rauchen innerhalb der Diensträume während der Dienststunden allen Beamten, Angestellten und Arbeitern Der staatlichen Behörden und Betriebe verboten. Die gleiche Anordnung gilt auch für die Beamten, Angestellten und Arbeiter Der
Gemeinden. Die Bürgermeister sind dafür Deren!» wörtlich, daß Die Anordnung befolgt wird.
•• Auszeichnung junger Handwerksmeister Aus dem Bezirk Oberhesfen wurden drei Meister, die zu den 25 besten Meisterprüflinaen des Rhein-Maingebietes gehörten, anläßlich Des Rhein-Mainischen Handwerkertaaes am vergangenen Sonntag bei der Feier in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. freigesprochen, und zwar Buch- öruefmeifter Karl Thrist, Metzgermeister Adolf M ö h l j r., beide aus Gießen, und Ludwig Z ö r b, Schmiedemeister aus Allendorf a. d. Lahn.
•• Hitler-Jugend und S A. und SS. Entgegen den in Der Tagespresie durchgelaufenen Meldungen hinsichtlich Der Ueberroeifung von Mitgliedern Der Hitler-Iugenb in Die SA. unD SS. weist Die Oebietsfübrung Der Hitler-Jugend Darauf hin. Daß Die Ueberroeifung von Hitler-Jungen in Die SA. unD SS. erst nach VollenDung Des 18. (nicht 17.) Lebensjahres beantragt werden kann.
•* Zwiegespräch über Kriegsbeschä- Digten-Versorgungsfragen. Am 26. Oktober um 18.30 Uhr findet im Rundfunk ein Zwiegespräch zwischen Dem (Bauobmann Wagner unD Dem Propaganbawari Finkenauer über .Hriegsbeschäbigten - Versorgungsfragen" statt. Es roirD hierauf ausDrücklich hingeroiefen!
ÄerMchluß der vandwerks-Wervewoche
Am Sonntagvormittag nahmen anläßlich des Abschlusses der H a n d ro e r k s - W e r b e- rooche die Gießener Innungen mit ihren Fahnen am Dormittagsgottesdienst in Der Stadtkirche teil. Nachmittags versammelten sich die Mitglieder Der Innungen zu einer gemeinsamen Feierstunde im Loft Leib. Pg. Malermeister L. S kühler richtete an die Versammlung herzliche Worte der Begrünung und ging sodann in seiner Ansprache noch- mals in kurzen Zügen auf den Sinn und den Zweck der Handwerker-Werbewoche ein. Zugleich ermahnte er seine Zuhörer, stets mit allen Kräften unseren Führer und Volkskanzler Adolf Hitler zu unterstützen, damit er sein schweres Werk Der Deutschen Wiederaufrichtung nad) innen unD außen erfolgreich vollenden könne. Im Anschluß an Die Ansprache wurde mit starker Spannung die Uebertra- gung Der HanDwerkerfeier in Der Frankfurter Paulskirche angehört. Hierauf wurden Die ReDen Des Pg. PräsiDenten W. G. S ch m i D t (WiesbaDen) unD des Syndikus Der Berliner Handwerkskammer Dr. Schild von Schallolatten übertragen. Mit dreimaligem, freudig aufgenommenem „Sieg-Heil" auf Den Führer unD mit dem Gesang des ersten Verses des Horlt-Wessel-Liedes alng Die Abschlußfeier Der HanDwerkerwoche zu Ende.
Aus verschiedenen Gegenden Der Provinz Oberhesfen unD Der preußischen Kreise liegen uns Berichte über Abschlußfeiern vor, zu denen sich Die Handwerksmeister mit ihren Familien und Betriebsangehörigen, sowie mit zahlreichen Gästen am Sonntag zusammengefunden hatten. In Ansprachen von Mannern des Handwerks, Vertretern der NSDAP., NS.-Hago-Führem, Bürgermeistern, Pfarrern ufro. wurde rückschauend noch manches gute und treffliche Wort über das Handwerk, leine Bedeutung für das deutsche Volkstum und feinen hohen Rang im Rahmen Der deutschen Volkswirtschaft gesprochen. In manchen Orten forgte flotte Musik von SA.-Musikern für gute Unterhal
tung, daneben erfreuten gehaltvolle Vorträge heimatlichen Eharakters in Ernst und Frohsinn Die Besucher, Dolkstän-je und Reiaen deutschen Charakters trugen ebenfalls zur Verschönerung des xages bei, mancherorts wurde auch noch einmal ein Umzug des Handwerks veranstaltet. Der roieDerum lebhaftem Interesse begegnete.
Im Hinblick auf Den stark in Anspruch genommenen Raum müssen wir es bei Diesem summarischen Ueberblick beroenDen lassen. Wir bitten von Der Ein- senDung weiterer Berichte Dieser Art abzusehen. Erfreulicherweise kann gesagt werden, daß Die Werbewoche des Handwerks, die hoffentlich für Die Handwerkskreise auch einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Erfolg gebracht hat, einen ebenso erhe- benben Abschluß wie Auftakt gefunden hat.
Der Oanf des hessischen Handwerks.
Von der Hessischen Handwerkskammer in D a r m ft a b t wirb uns geschrieben:
Die Reichswerbewoche bes deutschen Handwerks hat die kulturelle, foaiale und wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks im Rahmen der deutschen Volksgemeinschaft zu lebendiaem Ausdruck gebracht. UeberaU in Stadt und Land legte man in edlem Wetteifer für diese Verbundenheit Zeugnis ab.
Allen denen »sei aufrichtig gedankt, die mit Rat und Tat zum Gelingen der Werbewoche beigetragen haben. Ein besonderer Dank gilt den Volksgenossen aus anderen Berufen, die durch Schmücken ihrer Häuser tätigen Anteil nahmen.
Die Aufgabe der Reichswerbewoche ist richtunggebend für die Zukunft. Möge der Ruf „Deine Hand dem Handwerk'^ aller Orten nachklingen und dem schwergeprüften Handwerk Aufträge zuführen. Das bedeutet zugleich wertvollste Unter- stützuna im Kampfe des Führers gegen die Ar- beitslosigkeit, und wird der Sendung gerecht, die das deutsche Handwerk gerade im Dritten Reich zu erfüllen hat.
Gasschutzübung in Gießen
Dem gestrigen Bericht über Die Jubiläumsfeier Der Kolonne ist berichtigend nachzutragen. Daß es bei Den Namen Der mit Den Ehrenurkunden Der StaDt ausgezeichneten sechs TOitbegrünDcr der Kolonne nicht KonraD Baulich, sondern Konrad Graulich heißen mußte.
Line nach Tausenden zählende Menschenmenge hatte sich am Sonntag gegen 14 Uhr an Den Eis- wiesen bei Der Moltkestraße eingefunDen, um Zeuge Der Hebungen zu sein, Die Die Freiwillige Sanitätskolonne vorn Roten Kreuz in Verbindung mit Den Freiwilligen Feuerwehren und Der Technischen Nothilfe veranstaltete. Die Organisationen hatten sich die Aufgabe gestellt,
KeHungsmafonabmen bei Gasunfällen und Gas- gesahren Im kleinen
oorzuführen. Obwohl den Organisationen, die sich mit Dem Gasschutz zu befassen haben, keine großen Mittel zur Berfüguna standen und nur Die notwendigsten Schutzgeräte beschafft werden konnten, sollte doch aezeigt werden, wie bei sachgemäßer Anwendung der vorhandenen Gasschutzgeräte manches zum Schutz Der in Gasgefahr befindlichen Mitmenschen getan werden kann. Die ersten Schritte für den Gasschutz in Gießen seien, wie Kolonnenführer Kratz ausführte, zwar getan, vieles bleibe aber noch zu tun übrig. Vaterländische Pflicht sei es für jedermann, feinen Teil beizutragen zu dem Ausbau des Gasschutzdienstes. Im Rahmen der Veranstaltung sah man
vier verschiedene Gasschuhübungen.
Für die e r ft e U e b u n g war folgende A n • nähme zugrunde gelegt: Im Keller des Hauses an der Eisbahn entstand bei Ausschachtungsarbeiten ein Gasrohrbruch, wobei durch ausftrömendes Leuchtgas einige Arbeiter bewußtlos wurden. Durch die Entzündung des Gase» entstand eine Erplosion und in Der Folge ein Brand, der mit der teilweisen Verschüttung der Arbeiter im Keller verbunden war. Die Gießener Feuerwehr, die Freiwillige Sa- nitätslolonne und die Technische Nothilfe wurden zur Hilfeleistung alarmiert. Gleichzeitig wurde die Polizei benachrichtigt. Die Feuerwehr löschte Den entftanDcnen „Brand", übernahm in Verbindung mit Der Technischen Nothilfe Die Bergung der „Verunglückten", Die Der Freiwilligen Sanität»- kolonne übergeben wurden. Die Sanitäter nahmen Dann Die WieDerbelebungsversuche (künstliche Atmung) auf, Die teilweise Durch die Hand, teils durch Den UBieDerbelebungsapparat geschahen, in einem bcfonDeren Falle aber, bei einem „Brustverletzten" (eine heftige Bewegung Des Brustkorbes mußte vermieden werden) mit Dem Sauerstoffgerät. Eine Das Atemzentrum anregende Einspritzung von Der Hand Des Arztes förderte Diesen WieDerbelebungsversuch. Der Abtransport Der „Verletzten" unD „Verunglückten" gestaltete sich befonDers schwierig Dadurch, daß Die „Verunglückten" nicht am brenenden Hause vorbei, sondern über Böschungen hinauf In Den Krankenwagen gebracht werden mußten.
Die a ro c i t e Hebung zeigte Den (Basrcttungs- trupp Der Freiwilligen oanltdtsfolonne. Die Hel- fer hatten, mit Den verschieDensten Geräten ausge- stattet, in einen vergasten Keller elnzuDringen. Da» geschah mit aller notroenbigen unD voraus,usetzen- den Vorsicht. Soweit die Helfer nicht durch ihren Apparat von Der Lußenlust völlig unabhängig waren, würben sie befonber» burch oeile gesichert. Nach klaren unb ganz bestimmt formulierten Kommando» wurde der (Basrettungstrupp eingesetzt.
Die dritte Hebung brachte Die Bergung von „Verunglückten" aus einem Gärkeller, in dem durch die Verdrängung bes Sauerstoffes Der Lust durch
Kohlensäure der normale Aufenthalt für Menschen unmöglich war. Besonders wurde bei Dieser Hebung Darauf hingewiesen, daß eine Rettung aus einem solchen Raum mit einem Filtergerät nicht möglich ist, sondern nur mit einem schweren Gasschutzgerät (Frischluftgerät, Kreislaufgerät) durchgeführt werden kann.
Mit besonderem Interesse wurde die als vierte U e b u n g durchgeführte Rettung aus Dem Bereich von ätzenden und lungenschädigenden Gasen ver- folgt. Hier wurde besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die von' lungenschädigenden Stoffen betroffenen Verunglückten vor allem sich ruhig verhalten müssen, da sich durch irgendeine körperliche Anstrengung die Wirkung des Giftes verschlimmert unb baburd) bie Lebensgefahr um ein Vielfaches erhöht wird. Außerbem sollen bie Verunglückten sehr warm gehalten werben, da auch dadurch die Wirkung eingeatmeter Gase beschränkt bleiben kann. In besonders schweren Fällen kann Den lebensbedrohlich Verletzten durch einen Aderlaß von ärztlicher Hand eine Hilfe zuteil werben. Bei b?r Hebung gingen bie Sanitäter zunächst mit Behelfs- mafjnahmen vor, bie barin bestanden, daß den Verunglückten als Atemschutz Zellstoff (als Filter wirksam) vor Mund und Nase befestigt wurde, der ein weiteres (Einatmen giftiger Gase verhinderte. Einzelne Uebungen wurden in ganzen Schutzan- Aügcn ausgeführt. Die von Spritzern der Aetzstoffe Betroffenen wurden durch (Entfernung von Kleidungsstücken vor weiteren Schädigungen geschützt, da bie Aetzstoffe biese sehr schnell burchdringen. Nachbem bie Gasschutztruppe ber Freiwilligen Sani- tätsfolonne bie Rettung ber „Verletzten" bewerkstelligt hatte, wurde die Technische Nothilfe eingesetzt, Die bie Entseuchung Des betroffenen Geländes mit Hilfe von Chlorkalk durchführte. Diese Arbeit vollzog sich besonder» rasch dadurch, daß sich die Teno mit einfachen Mitteln sinnreiche Vorricht'in- gen schuf, die das Bestreuen der verseuchten Fläche in kürzester Zeit gestattete
Die Technische Nothilfe hatte im Rahmen der Uebungen in kurzer Zeit eine vorbildliche Brücke über die Wiefeck gebaut, bie bem Abtransport ber Verletzten bienen sollte
Die Uebungen gaben Den Zuschauern einen Ueberblick über Die notroenDigen Maßnahmen, wertvolle Anleitungen zum richtigen Derhalten In Fällen Der Gefahr und Damit Da» wissen um Die Vermeidung der Gefahr für Leib unb Leben im Ernstfälle.
Die Freiwillige Sanitätskolonne, bie Feuerwehr unb bie Technische Nothilfe bewiesen, baß sie sich mit allen ersorberlichen Maßnahmen aufs Beste vertraut gemacht haben.
Kolonnenführer Kratz forberte zum Schluß auf, bem Deutschen Luftschutzounb beizutreten unb burch bie Beitragsleistung von jährlich einer Mark ba;u beizutragen, ben Luftschutz weiter ausbauen zu können.
Schulungskurs«- des Evangelischen Bundes.
Am vorigen Samstagvormittag fanb im Markus- faal in Gießen em Schulungsfur s u s bes Evangelischen Bunbes statt. Nach Den Be- grüßungsworten sprach Der Vorsitzende
LandeSlischenrat Berck, Boßdorf
über „Das Programm bes Evangelischen Bunbes". Der Rebner betonte u. a., baß bie von Abolf Hitler geforberte Erziehung zum deutschen Menschen für bie Evangelischen nur bie Erziehung zum beutschen Brate ft an- t e n fein kann. Der Evangelische Bunb wirb im Dritten Reich immer mehr einen Bunb gläubiger Menschen sammeln müssen. Voran muß stehen Die religiöse Kraft bes Evangeliums: soll es an ben beutschen Menschen herangebracht werben, so muß es gereinigt werben von allem Jübischen unb Romanischen. Der heroische Christus als ber Christus ber Wahrheit muß herausgestellt werben-, es ist göttliche Fügung, baß 1933 auch bas Lutherjahr gebracht hat. Neben bem süßlichen Iesusbilb (Hofmann u. a.) muß auch das süßliche Lutherbilb bem echten weichen. Die geistige Auseinanbersetzung mit Rom ist vielleicht in bas Zeichen bes Endkampfes getreten. Der Marxismus ist zurückgebrängt, aber ber Romanismus hält sich länger. „Was Dünkel euch um Christus?", Diese wichtigste Frage will gelöst sein. Im Jahre Der Ausstellung Des heiligen Rocks zu Trier unb bes Luther-Iubiliäums sollte ein Kreuzzug für Christus unb sein Evangelium sich anheben mit bem Ziel: Deutschlanb muß evangelisch werben! Als Bestes ist bie Wahrheit Gottes zum unentbehrlichen Halt bem neuen Reich zu bringen; das Nationale darf das Evangelium nicht verdecken; das ist auch im Sinn von Adolf Hitler, der erst jüngst bekannt hat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein". Schulter an Schulter mit der „(Blau- bensberoegung deutsche Christen" wird der Evangelische Bunb stehen, ber nicht nur Kirche will, sondern auch Kirche werden will. Alle evangelischen Verbände sollten unter einem sie führenden einheitlichen Willen sich zusammenfinden-, dann wäre ein Reichskonkordat nicht au fürchten. Der Kampf gegen kirchliche Sektiererei (an 300 im deutschen Protestantismus) bleibt Aufgabe; dazu der Kampf gegen alte und neue Heiden. (Eine große Gefahr liegt in den völkischen Extravaganzen und den germanischen Religionen, die als Gegner des Evangeliums auch Gegner des Volkstums sind. Diese Schwarmgeisterei des Subjektivismus, losgelöst von jeder objektiven Grundlage, muß energisch bekämpft werden. Wir haben zu lange bie Grabenstücke oerteibigt unb den Angriff versäumt. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an.
Pfarrer Or. Bergsr-Oarmstadi
sprach nachmittags über „Die Technik ber evangelischenBunbesarbeit". Das Main
zer Christkönigfest, ein Ersatz bes Wiener Katho» likentags. bringt die feierliche Einsetzung ber katholischen Aktion, also bie Fortsetzung der Zentrum», arbeit. Am 10. November bars nicht das Wertvollste aus Luther herausgebrochen werden. Der Evangelische Bund wird bas Außenministerium, bie „Glau- bensberoegung Deutsche Christen" bas Innenministerium fein müßen Es gilt mehr Menschen, als Maßen zu gewinnen mit fanatischem (Eifer. Die ftäbtifdjen Zweigvereine müssen Unterführer au»- bilden; Darmstadt kann hier von guten Erfahrungen berichten. Auch in kleineren Gemeinden und in den Dekanaten muß bie Schulung roeiiergetneben werben, Sorgfalt in organifatoriftpen Dingen walten. Das Ringen um bie Kirche kann nicht anberen überlasten bletben, um be» Erbes ber Reformation willen; ber Gegner muh geistig überwunden werben. Beim Neubau ber Kirche müßen bie Leute be» Bunbes an mafjgebenber Stelle stehen. Für bas „hinein in bas Volk" kann man viel von Aböls Hitler lernen; (Bemeinbe- und Tagespresie, Lichtbild und Film sind hier willkommen. Die reiche Literatur des Evangelischen Bundes mußte ganz anders ausgeroertet werden.
In der Aussprache wurde das Verhältnis von Evangelischem Bunb unb (Blaubensberoegung Deutsche Christen als das von Kindern derselben Mutter, ber Reformation, klargestellt, bie niemals in Konkurrenz zu treten brauchen. Beiber Arbeit ist Dienst an Kirche und Nation. Auch ber Führer erwartet bie einheitliche Front bes Protestantismus, baß bas beulsche Gewißen fromm und romfrei wird.
©r. Brauns Darmstadt
berichtete über „Die Organisation bes Hessischen Hauptvereins". Der Provinz- leiter soll in jeber Provinz bie Berbinbung zwischen bem Bunbcsleiter, ben Dekanatsoertrauensleuten unb ben Zweigvereinen Herstellen; nicht fremb fein bei ber Regierung, ber NSDAP, unb anberen amtlichen Stellen; er hat ein Inspektionsrccht. Der Dekanatsvertrauensmann ist als Führer für fein Dekanat verantwortlich; ihm liegt neben ber Organisation bie Propaganba ob. Der Führer bes Zweig- Vereins sollte bestimmt werben, bavei ein Führ errat. Aus ben nach einem Plan angesetzten Mit- glieberversammlunaen gestaltet sich bie Arbeitsgemeinschaft; bazu kommt ber Gemeinde- ober tra- milienabenb, bei befonberen Anlässen bie Runb- gebung zusammen mit anderen evangelischen Verbänden, Arbeit mit der örtlichen Presse, Schulung evangelischer Männer unb Frauen, Versuche zur Bilbung einer evangelischen Einheitsfront, Ueber- wachung ber Gegner, verantwortliche Unterführer; wichtig ist bie Zellenarbeit.
Auch biefem Vortrag folgte eine lebhafte Aussprache. Mit einem Schlußwort bes Vorsitzenbrn schloß ber Kursus.
Hinter den Kulissen des Kvndiioreigewcrbes.
Die sichtbaren Erscheinungsformen bes Konbitoreigewerbes sind jebem Volksgenossen geläufig, unb die Beliebtheit bes Äonbitors bei allen Alters- klassen hat ihre guten (Brünbe, benn meist finb es angenehme (Bebanlenoerbinbungen, bie uns mit ihm verknüpfen. Aber Erinnerungen unb Augen- bliefsbilber können kein rechtes Urteil über ben alten, echt beutschen Hanbwerkszweiq bes Äonbitors geben. Wir müssen schon einen Blick hinter bie Äuliffen tun, wenn wir bie Äonbitorei als Beftanb- teil unserer Volks- unb Ernährungswirtschaft, als Probuktionsgebiet, als Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennen lernen wollen. Deswegen wollen wir einmal bie bekannten Verkaufsräume einer Konditorei mit ihren leckeren Auslagen, bie allen Geschmacksrichtungen Rechnung tragen, unb bie an- ijeimelnben Gasträume, in benen biese appetitlichen unb wohlschmeckenben Erzeugnisse ihrem Bcftim- mungszweck zugeführt werben, als unsichtbare Zuschauer burchschreiten.
Zunächst betreten wir bie Kaffeeküche, in ber in Maschinen mobernster technischer Einrichtung der Kaffee ebenso wie andere heiße Getränke zuberei- tet werden. Automatische Spül- und Abwaschvor- richtungen sorgen für Zeitersparnis unb trotzdem für die Innehaltung aller Erfordernisse der Hygiene und Sauberkeit. In den Hauptverkehrszeiten herrscht hier ein eifrig klapperndes Leben; benn bie Kaffeeküche ist heute ein unentbehrlicher Bestandteil jedes Konditoreibetriebes. Keinem Konditor ist es noch möolid), lediglich vom Bestellaefchäft und Ladenverkauf — dem Verkauf über die Straße, wie man zu lagen pflegt — sich aufrecht zu erhalten.
Wir aelanaen nun in die Backräume, in denen hauntfädjlid) für ein exaktes Ineinandergreifen des fi-riMfungsbetriebes unb ber jeweiligen Nachfrage im Laden und Cafö Sorge getragen werden muß.
'n er Mneingerotihfe wirb überrnfchl Irin von der Menae ber Maschinen unb Vorrichtungen, beren eine auf ber Höhe ber Zeil flehen De flonblforri bebarf.
Fleißige Hänbe sehen wir sich regen unb mit Geschick an biefen Maschinen und mit diesen Werkzeugen hantieren. Das ist feine geringe Mühe In ber stellenweise zur Tropenglut gesteigerten Temperatur.
Wie sich stets die Gegensätze berühren, so weben uns, inbem wir jetzt ben Äühlrum betreten, winterliche Äältegrabe entgegen. Auch in bem Äühlraum finden wir neben Roheisblöcken maschinelle Anlaaen zur Erzeuauna künstlicher Kälte ober auch einfache transportable Kühlvorrichtungen. Gefrierformen unb Eiskonservatoren, alles Anlagen, bei bereu Einrichtung unb Snorbnunq hier wie bort von vornherein auf bi* zweckmäßigste Hanbhabung unb In- ftanbhaltuna Bedacht genommen wurde.
In ben Vorratsräumen, In ben wir nunmehr Umschau halten, sinb vielerlei B*barfsartifel bes Äonbitoreiaeroerbes aufqefpeidiert, Rohmaterial, so- wie Halbfabrikate, für beren Herstellung sich ganze Inbustriezweige herausgebildet haben.
Nicht bas Mehl Ist es etwa, bas bie Haupt- unb Grunbsubstan, ber Äonbltorriroare ausmacht unb mrift in Pubersorm anqrrotnbd wirb, eher ist es ber Zucker, besten Behandlung durch kochen bi» ja ben verschiedensten Graden unb Weiterverarbeitung hohe Aufmerksamkeit unb Sachkenntnis erforbert.
Ueberaus zahlreich unb mannigfaltig sinb bie Beftanbteile unb Zusätze, bie ber Äonbitor bei Ausübung seiner Kunst verwenben muh: (Eier, Milch, Sahne. Süßrahmbutter, frische unb konservierte, elngebünftete unb glasierte Früchte, Fruchtmark unb Fruchtgelees, wie sie sich ber Äonbitor auch jetzt noch vielfach selbst herstellt. Hierzu kommen Hasel- unb Walnüsse, Honig unb Rosinen. Vanille. Zimt. Zitronat unb Manbeln. benen e’ne 1 befonbere Bcbeutung zukommt al» Grundbestand
teil bes Marzipans, welches in ungeheurer Vielseitigkeit unb Formgebung in ben Konbitoreierzeug- nisten wieberkehrt unb bem Äunftgeroerbe bes Konditors als Material für Plastiken von höchster BoUenbung bient, Marzipan! — nicht zu verwechseln mit bem Persipan, bas einen Ersatz barstellt unb aus entbitterten Aprikosen- unb Pfirsichkernen hergestellt wirb.
Außer bem Herstellungsbetrieb kommen noch weiter in Frage bie Warenannahme unb -Ausgabe an Hanb bes täglich aufzustellenben sogenannten Backzettcls unb ber Bestellungen, für bie in größeren Konbitoreicn eine eigne Bestellungsannahme vorhanden ist, die Expedition, für bie bei Lieferung aus bem Hause in einem großen Teile ber Geschäfte Automobile benutzt werben, ba es auf rasche unb frische Lieferung ankommt. Cnblich sinb auch für Den (Eingang unb bie Ausgabe von Waren Kontroll- einrichtungen vorgesehen, benen bei bem hohen Werte Der Materialien eine befonbere Bebeutung zukommt.
Wenn wir so unseren Runbgang beenbet haben, jo werben wir jetzt manche irrtümliche Vorstellung, bie wir mit uns herumtragen, berichtigen.
Dor allem werben wir erkennen, baß ftonblto- reierzeugnisse nicht etwa nur ein Luxus sind. Sie sinb vielmehr ausnahmslos aus Stoffen unb Zutaten von höchstem Nährwert unb feinstem Würzgehalt unter Nutzbarmachung ber Errungenschaften ber Ernährungswissenschaft unb ber Technik aufs sauberste unb appetitlichste hergestellt. Da biese abwechslungsreichen Nährstoffe bekömmlich sind unb mit Appetit verzehrt werben, kommen sie auch restlos ber Blutbilbung zugute. Die aromatischen Stoffe aber wirken wohltuend auf bie physiologischen Vorgänge im Organismus ein. Wie notwendig der Genuß solcher Erzeugnisse Ist, haben uns bie schweren Entbehrungsjahre ber Kriegs- unb Nachkriegszeit in empfinblicher Weile erkennen lasten.
Strafkammer Gießen.
Die Straffammer hatte sich gestern mit einer umfangreichen Diebstahlsaffäre zu befaffen. Angeklagt waren ber SHährige Mathias Jeppel aus Mühlheim, zuletzt in Gießen als Hausbiener tätig, und der 2ä,ahrige Hermann Plaut, sowie dessen Mutter wegen Hehlerei, bzw ebenfalls des Dieb- stahl».
Jeppel, ber bereits wegen einfachen und schweren Diebstahls, sowie wegen Hehlerei oft vor- beftrajt Ist, war im wesentlichen in 4 0 Fällen g e ft a n b i g. Es bandelte sich, abgesehen von einigen Einbruchsbiebstählen, um leichtere Diebstähle in Gießen unb anderen Orten, wobei meiftens Wäsche. Nahrungsmittel unb kleinere Gebrauchs- gegenftänbe entroenbet wurden. Ieppel gab an, in Not gehandelt zu haben, ba er zur Zeit ber tat eine geringfügige Unterstützung erhielt.
Plaut ftanb im bringenben Verbacht ber Mittäterschaft. Außerdem war er ber Hehlerei angeklagt, da er Wäsche unb Kleibungsstücke erhalten unb sie an seine Mutter versankst hatte. Ta bie Angeklagte Plaut nicht erschien, würbe ba» Verfahren gegen sie abgetrennt.
Nach umfangreicher Beweisaufnahme stellte ber Staatsanwalt iolgenbe Anträge: Für den Ange- Maaten Ieppel 2'/, Jahre Zuchthaus, für P l a u t R Monate Gefängnis. Da» Gericht erfannte gegen Je vpel auf 2*/. Jahre, gegen Plaut auf 7 Monate Gefängnis Beiden werben drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Strafmildernd roirfte für Ieppel fein hobel Alter unb bie gute Führung seit seiner letzten Strafe.


