Ausgabe 
25.4.1933 Erstes Blatt
 
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Gemeinsame Besprechung Macdonalds und Hern'ots mit Roosevelt.

Washington, 25. April. (Reuter. Funkspruch.) 3m weihen hause fand am Montagnachmittag d i e erste gemeinsame Besprechung zwi­schen Roosevelt, Macdonald ukd her- r i o t statt. Später halte Macdonald mit herriot und dem französischen Botschafter eine private Unter­redung. Beim verlassen des weihen Hauses erklärte herriot sich äuherst befriedigt und sagte, Präsident Roosevelt habe offenbar gründliches Ver­ständnis für Frankreich und seine Probleme. Die Besprechungen seien sehr herzlich und von durchaus allgemeinem Charakter gewesen. Der Reuter-Ver­treter fügt hinzu, die Mitglieder der französischen De­legation seien allerdings nicht so hoffnungs­voll wie der Führer gewesen, herriot erklärte, Roosevelt habe ihm ein vollständiges Programm vorgelegt, das die Stabilisierung der Weltwirtschaft, die Abrüstung und die Revision der Kriegsschulden berücksichtige; er habe alle diese Gegenstände mit ihm erörtert.

Der Korrespondent derTime s" in Washing­ton erklärt, auf dem Gebiete der Abrüstung eben­so wie auf dem der Währungsstabilisierung seien unbe stimmte Amrisseeines allgemei­nen englisch-amerikanischen Einver­nehmens zu entdecken, aber wie dieses Ein­vernehmen praktische Gestalt annehmen werde, hänge von Faktoren ab, über die beide Seiten keine Macht hätten. Auf dem Ge­biete der Währungspolitik herrsche Einigkeit dar­über, daß beiden Regierungen möglich sei, ihrem Geld einen festen Kurs zu geben. Cs sei aber noch unsicher, wie sich die amerikanische Wäh­rungspolitik gestalten werde. Dies werde erst klar werden, wenn Präsident Roosevelt auf Grund der ihm vom Kongreß zu erteilenden Vollmachten seine Position deutlich mache. Dei der Ab­rüstung verhalte es sich ähnlich. Die Anwesen­heit einer französischen Mission in Washington sei eine Erinnerung daran, daß die an und für sich undeutlichen englisch-amerikanischen Ideen in den nächsten Tagen vielleicht wieder eine andere Gestalt erhalten könnten. In ge­wisser Beziehung sei ein Einvernehmen vorhan­

den, wonach eine möglichst weitgehende po­litische Befriedung als Vorbedingung der wirtschaftlichen Befriedung erstrebt werden müsse.

Paris baut vor.

, Pressesturm gegen eine Revision der Verträge.

Paris, 25. April. (WTB. Funkspruch.) Die Be­richterstatter der französischen Presse behaupten, daß bei der Besprechung, die Roosevelt und Mac- donald am Sonntag auf einer Pacht gehabt haben, auch der Gedanke des Konsulativpaktes und der Revision der Verträge erörtert worden sei. Rach demMatin" soll Macdonald versucht haben, Roosevelt zu beweisen, daß das englische Abrü­stungsmemorandum dem Problem am besten Rech­nung trage. Nachdem gestern bereitsParis Midi" wegen einer möglichen Revision der Verträge Alarm geschlagen hatte, wird heute die gesamte fran­zösische Presse mobil gemacht, um Her­riot auszufordern, in keiner Weise den etwa an chn herantretenden Forderungen in dieser Richtung nachzugeben. LautEcho de Paris" werde sich auch die französische Regierung in der Frage des polnischen Korridors weigern, den fried­lichen Weg einer Revision zu beschreiten. Sie bleibe dem Grundsätze treu, daß eine Greuzänderung nicht ohne Einwilligung der daran interessierten Mächte vorgenommen werden könne.

Amerikareise des Reichsbankpräsidenten ör. Schacht

Berlin, 25. April. (OB. Funkspruch.) Die Reichsregierung Hot auf die Einladung der amerikanischen Regierung hin, der Reichskanzler oder ein Kabinettsmitglied bzw. ein Beauftragter der Reichsregierung möge nach Wa­shington kommen, den Reichsbankpräsiden- ten gebeten, die Vertretung Deutschlands zu übernehmen. Dr. Schacht wird auf dem hapag- dampferDeutschland" am 5. Mai in Ncuyork ein­treffen. Lin Vertreter der Reichsbank und ein lei­tender Beamter des Reichsfinanzministeriums wer­den ihn begleiten.

unerträglich. Die Vorstandsmitglieöer der DRDP-, die sich der Führung Adolf Hitlers anvertrauen, wollen durch ihren Schritt den ParteikampfinDeutschlandzuihrem Teil vermeiden, da sie als nationale Vor­kämpfer seit dem Rovemberverbrechen von 1918 einig gehen in der Bekämpfung der Fremdherr­schaft und des Klassenkampfes. Hugenbergs unvergängliche Verdienste als Weg­bereiter und Mitarbeiter zur Schaffung der na­tionalen Front finden freudige Anerkennung, die Stunde aber gebietet Einheit der Führung und deshalb die Einmündung des deutschnationalen Kampfwillens in das große und starke Bett des rühm- und erfolgreichen Na­tionalsozialismus.

Eine Erklärung -er -eutschnationalen Parteileitung.

Berlin, 25. April. (CNB.) Zu den Vorgängen in Braunschweig erklärt die Parteileitung der DNVP.; Schon vor einigen Tagen wurde seitens der Partei der Führer des Landesverbandes Han­nover-Süd, Oberstleutnant a. D. o. Feldmann, als kommissarischer Führer des Lan­desverbandes Braunschweig eingesetzt, weil der bisherige Vorsitzende des Landesver­bandes, Studienrat Baumann, nicht mehr die Gewähr für eine energische und zielbewußte Füh- runa des Landesverbandes bot. Auf Grund des noch ausstehenden Berichts des kommissarischen Landes­führers werden die notwendigen Maßnah­men getroffen werden.

polizeiliche Säuberungsaktion bei der Derop.

Berlin, 24. April. (ERB.) Das Verwal­tungsgebäude der Derop, Deutsche Vertriebsge­sellschaft für russische Oelprodukte AG., wurde von einem Polizeiaufgebot einer gründlichen Durchsuchung unterzogen. Besonders eingehend kontrolliert wurden auch die Personalien der Angestellten. Auf Anordnung des preußischen Innenministeriums wurde ein Kom­missar für die Derop eingesetzt, um Verwal­tung wie Angestelltenschaft von komm uni st i- schen Elementen zu reinigen. 20 deut­sche Angestellte, die sich in kommunistischem Sinne betätigt haben, sind in Gewahrsam genommen worden. Wie die Polizei erklärt, hat die Durch­suchung in eindeutiger Weise bestätigt, daß in­nerhalb der Derop unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Interessen eine weit­verzweigte kommunistische, staats­feindliche Betätigung stattgefunden hat.

Oie Volkszählung am 16.3unil933.

Berlin, 21. April. (ERB.) Zum Gesetz vom 12. April zur Durchführung der Volks-, Berufs­und Betriebszählung ist die Ausführungsverord­nung erlassen worden. Die Zählung sollte ur­sprünglich schon im Iahre 1930 stattfinden, sie muhte aber aus Gründen der Finanzierung und aus anderen Gründen verschoben werden. Rach der Gleichschaltung aller Instanzen hat die Reichsregierung das Iahr 1933 als den richtigen Moment angesehen, um durch eine Zählung eine Inventuraufnahme des ganzen Dolkskörpers und der Wirtschaft vor- zuuehmen. Rach Abschluß des wirtschaftlichen Echrmnpfungsprozesses dürfte dieser Zeitpunkt auch für die wirtschaftspolitische Aufgabe der Zählung richtig gewählt sein. Die Zählung soll das bevölkerungs- Wirtschafts- und sozialpoli­tische st zeug für den Wiederaufbau der kommenden Iahre geben. Zu der Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni sollen noch gewisse st a t i st i s ch e R a ch - erhebungen auf dem Gebiete der In­dustrie und Landwirtschaft treten, die im einzelnen noch nicht endgültig festgelegt sind.

Oie stummen Gäste von Zweilinden

Roman vonAnny vonpanhuys.

Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold.

24. Fortsetzung. Rachdruck verbotent

17.

Angela verkaufte am nächsten Morgen ihre Blu­men wie immer und rang sich mühsam ein Lächeln ab, wenn sie gutmütige Kundinnen fragten, ob ihr etwas fehle sie sehe heute so bleich und erschöpft aus. Die Bäckersfrau, in deren Hausflur sich der Blumenstand befand, riet ihr, sich doch lieber auf den Heimweg zu machen und sich hinlulegen; es erbarme einen ja, wenn man sie nur anschaue.

Angela wehrte ab und erklärte, ihr fehle gar nichts. Sie faß doch lieber hier hinter den Blumen und hing ihren traurigen Gedanken nach, als daß sie zum Vater nach Hause ging und das Geschehene, Unabänderliche noch tausendmal schlimmer empfand. Ihre Armbanduhr aus Nickel, die chr der Vater zu Weihnachten geschenkt, zeigte gerade auf zehn und Angela malte sich aus, jetzt ungefähr würde Konrad von Zweilinden kommen, wenn sich ihr Vater nicht eingemischt hätte. Sie reichte einer alten Frau, die lange ausgewählt, die gewünschten Rosen und sann verzweifelt, wovon sie seit dem gestrigen Abend nicht mehr loskam: nun sah sie Konrad von Zwei­linden nie wieder. Niemals, im ganzen Leben nie wieder.

Die alte Frau legte ihre Kupfermünzen fein säu­berlich nebeneinander auf das kleine Zahlbrett und ging, die Blumen sorgfältig vor sich tragend, wie eine Zerbrechlichkeit.

Angelas Augen schweiften müde umher fanden plötzlich ein Ziel. Sie taumelte hoch, und als Konrad von Zweilinden vor ihr stand, brach es wie ein Jauchzen von ihren Lippen:Nun sind Sie ja doch gekommen, oh, wie schön ist das, und wie froh bin ich!"

Der Mann bemerkte deutlich, über das feine Ge- sicht waren viele Tränen geflossen, seit er es gestern zuletzt gesehen. Er schüttelle den Kopf.

Sie freuen sich über mein Kommen? Und haben mir doch geschrieben, ich möchte Sie nicht durch das Abholen des Armbandes aufhalten, Sie hätten zu- viel zu tun, um die Zett mit üoerflüssigern Geplauder zu verzetteln."

Angelas Augen hingen an dem Munde des Mannes.

Das hätte ich Ihnen geschrieben?" Sie wiegte den Kopf langsam hin und her.Nein, das habe ich Ihnen nicht geschrieben." Sie bekannte ehrlich: Mein Vater hat an Sie geschrieben, aber ich wußte nichts davon, ich erfuhr es erst, nachdem er gestern abend zurückkehrte. Er hatte das Armband ins Hotel

Nationale Front in Oesterreich

Wien. 22. April. (ERB.) Zwischen der österreichischen RSDAP. und dem Deutsch-Oesterreichischen (Steierischen) Heimat- schuh ist ein Abkommen geschlossen worden, in welchem auch der Heimatschuh sich zu Adolf Hitler als den Führer der deutschen Ration bekennt.

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, daß beide Organisationen beschlossen haben, eine enge Kampfgemeinschaft auf allen Gebie­ten und für jeden Fall einzugehen. Aus den Bedingungen ist noch hervorzuheben, daß ein älnterstellungsveryältnis von Heimat­schuhführern unter die Leitung der RSDAP. oder umgekehrt nicht besteht, wohl aber für beide die Pflicht zu enger und reibungsloser Zusammenarbeit. Zur größtmöglichen Er­höhung der Schlagkraft beider Organisationen wird die taktische Gliederung dieser Einheiten bei Wahrung der traditionellen Eigenarten in eine übereinstimmende Form gebracht. Die Angehöri­gen des Deutsch-Oesterreichischen Heimatschutzes tragen künftig wieder neben ihren Verbandsab­zeichen am Stahlhelm das Hakenkreuz.

Als nächstes Ziel ihres Kampfes erklären beide Organisationen die Schaffung einer star-

,Ritz' getragen und mit ein paar Zeilen dort beim Portier abgegeben. Mein Vater erklärte mir, er wolle Sie nicht unnütz hierher bemühen, ich würde durch Ihren Besuch nur Zeit versäumen." Sie be­kannte weiter:Ich weiß nicht, warum mein Vater so seltsam handelte, aber es tat mir sehr leib, als ich es erfuhr."

Konrad von Zweilinden holte einen kleinen Brief­bogen aus der Brufttasche, drückte ihn Angela in die Hand.

Lesen Sie den Brief selbst, den ich gestern abend mit dem Armband erhielt."

Er beobachtete die Lesende genau und sah, wie das Blut in ihren Wangen kam und ging.

Angela las:

Sehr geehrter Herr von Zweilinden!

Anbei sende ich Ihnen das Armband zu, damit Sie sich in der Sache nicht mehr zu bemühen brauchen. Meine Zeit ist zu sehr in Anspruch ge­nommen, um sie durch überflüssiges Geplauder zu verzetteln. Auf die Belohnung verzichte ich gern."

Angela atmete schwer. Der Brief war direkt un­höflich: eine Unterschrift fehlte völlig.

Eigentlich war es ein Wunder, daß Konrad von Zweilinden dennoch gekommen war.

Sie lächelte gequält:Mein Vater hat etwas gegen Sie, das wird mir immer klarer, aber was, das weiß ich nicht."

Er erwiderte nachdenklich:Vielleicht hat er da­mals, als ich mit in Ihrem Heim war, bemerkt, daß ich Sie zuviel ansah. Väter sind oft eifersüch­tiger als Liebhaber, habe ich einmal sagen hören."

Sie heftete ihre großen Augen auf sein Gesicht.

Mag der Grund zu seinem Handeln sein, welcher es will, Sie sind gekommen, und ich freue mich darüber."

Glut lohte über ihr Gesicht. Zeigte sie dem Manne nicht allzu deutlich ihr Empfinden, war das nicht, als hielte sie ihm ihr Herz mit ausgestreckten Händen entgegen?

Eine Kundin schob sich vor.

Konrad von Zweilinden war etwas beiseite ge­treten. Er begriff Angelos Vater nicht völlig, aber es saß sicher hinter allem nur Vaterangst, und die hatte ihn dazu gebracht, diesen Brief zu schreiben, um damit den Eindruck zu erwecken, Angela hätte ihn geschrieben.

Als die Kundin gegangen war, bekannte er:Es trieb mich hierher, ich wollte Sie noch einmal sehen, wenn auch nur von weitem. Aber Ihr Blick er­mutigte mich, Ihnen näherzutreten. Morgen reifen Mutter und ich heim."

Angela lächelte krampfhaft-mutig. So nahe also stand die Abreise bevor. Aber sie konnte es nicht verhindern, daß wieder ein feuchter Schimmer in ihre Augen trat, und ihr Kinn bebte wie bei einem Kinde, das zu meinen anfangen will.

Es gehörte jetzt wahrhaftig keine Diplomatie dazu, um zu wissen, was in dem schönen Mädchen vorging.

ken Regierung der nationalen Kon­zentration und verlangen als deren Vor­aussetzung die sofortige Auflösung des ge­genwärtigen Rationalrats und unver­zügliche Ausschreibung von Reuwahlen.

Holland feiert den 400. Geburstag Wilhelms von Oranien.

Amsterdam, 24. April. (WTB.) In der mtt Flaggen geschmückten holländischen Hauptstadt wurde heute der 400. Geburtstag des Prinzen Wilhelm von Oranien-Nassau, des ersten Statthalters der Nieder­lande, in festlicher Weise begangen. Bei einem Vor­beimarsch zahlreicher vaterländischer Verbände vor der königlichen Familie erregten je eine Fahnenabo-dnung der holländischer, Natio- n a l s o z i a l i st e n , die in der braunen Uniform d^r deutschen SA. erschienen, und der holländischen Faschisten besonderes Aufsehen. Am Nachmittag fand eine große offizielle Gedenkfeier im Konzertgebäude statt, zu der u. a. sämtliche Mitglieder des Kabinetts und des diplomatischen Korps erschienen waren: u. a. bemerkte man den deutschen Gesandten Graf Zech, den deutschen Generalkonsul Dr. o. Hahn sowie eine Abordnung aus Nassau, dem Stammland der holländischen Dynastie. Der fran- zösische Gesandte im Haag überreichte der holländi-

Konrad von Zweilinden war es, als flüstere ihm eine innere Stimme zu: Sei kein Narr, nimm das Glück, das sich dir in so verlockender Gestalt bietet!

Konrad von Zweilinden bog sich ein wenig über das rotbraun gestrichene Brett, auf dem die Gläser mit den verschiedenen Blumen standen. Er raunte: Wie schade, daß wir uns hier unter so vielen Men­schen befinden. Ich möchte Ihnen etwas sagen, An­gela, was nicht in diese Umgebung paßt. Ein wenig Stille wünschte ich mir für uns beide."

Angela dachte, er wollte hier vor all den vielen Leuten nicht Abschied von ihr nehmen. In seinem Blick lag Zärtlichkeit, ihr Herz ward weit von einer seligen, unklaren Hoffnung. Sie erwiderte mit ge­senkten Wimpern:Ich schließe den Kiosk für ein Weilchen, wir gehen ein Stückchen am Bahndamm entlang."

Er nickte:Ich danke Ihnen, Angela."

Sie sann, während sie das Kioskfenster hinunter­ließ, wie wunderschön doch ihr Name von seinen Lippen geklungen.

Zwei Minuten später trat sie schon aus dem kleinen Kiosk, und sie gingen stumm, aber wie selbst­verständlich, nebeneinander her.

Am Bahndamm war es still. Kein Mensch küm- merte sich hier um das Paar. Ein paar alte Leute sonnten sich, ein paar Kinder spielten. Der Himmel war tiefblau und die Luft so sonnendurchglüht, daß es den beiden schien, als sei der herrliche Frühlings­tag nur für sie beide geschaffen.

Konrad von Zweilinden blickte seine Begleiterin von der Seite an. Ihr Profil war von hinreißendem Schwung. Wie eine Prinzessin aus einem Märchen­buch des Morgenlandes sah das schöne Mädchen aus, fand er.

Er sagte sanft:Ich habe es für mich behalten wollen, Angela, was ich für Sie empfinde, aber nun geht das Schweigen doch über meine Kraft. Ich Hobe Sie lieb, Angela, und mir ist, als könnte es nicht anders sein, als müßten auch Sie mich liebhaben."

Das letzte klang wie eine Frage.

Da wandte sich das hübsche Gesicht ihm voll zu, und die dunklen Augen strahlten ihn an, der hübsche Mund aber lächelte sein Bekenntnis:Ich habe cs erst nicht begriffen, was in mir vorgegangen ist, bis ich verstanden habe, daß ich liebe."

Er fragte hastig drängend:Liebst du mich?"

Sie lächelte zurück:Ich liebe dich!"

Ihre Augen liebkosten fein Gesicht.

Ach du!" Der Mann rief es laut, und er nahm ihre Linke, preßte sie im Ueberfchwang f'iney Emp­findens fest in der seinen.Angela, ich mußte dich liebhaben auf den ersten Blick. Ich wollte abreifen, ohne dich noch einmal zu sehen, aber ich brachte es nicht fertig. Angela, ich bin Herr meiner Entschlie­ßungen, ich bitte dich, werde meine Frau."

Sie erwiderte seinen Blick mit Liebe, als sie zurück­gab:Du bist ein vornehmer Herr, und ich bin nur eine kleine Blumenverkäuferin, die ihre künstlichen

schen Thronfolgerin Prinzessin Juliane hn Namen seiner Regierung das Groh-Kreuz der Ehrenlegion.

Meine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empfing den preußischen Ministerpräsidenten Göring zur Mel- düng und zur Berichterstattung über seine Romreise. Hieran schloß sich eine längere Aussprache über ver­schiedene politische Fragen.

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Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht jetzt die Be­stimmung über die Standarte des Reichs­präsidenten. Die Standarte ist ein gleichseitiges, schwarzweißrot gerändertes, gold­gelbes Rechtecks darin der Reichsadler schwebend, nach der Stange gewendet.

In Berchtesgaden starb an den Folgen eines Schlaganfalls der frühere deutsche Botschafter in Paris, Freiherr Wilhelm von Schoen, im Alter von 82 Jahren.

Das Gesetz über den P ä ch t e r s>ch u tz regelt die Kündigungsbedingungen der landwirtschaftlichen Pächter neu und bringt gewisse Erleichterungen. Wenn ein Verpächter seinem Pächter kündigt, kann auf Antrag des Pächters das Pachteinigungsamt die Kündigung aufheben. Neu gekündigt kann nur nach einem längeren Zeitpunkt werden, wenn der Pächter mit seinen Verpflichtungen erheblich in Ver­zug geraten ist, oder ein besonderes Verschulden vorliegt. Im übrigen wird der Pachtvertrag zunächst um ein Jahr verlängert.

Der Verein Frankfurter Presse wähtte in seiner Jahreshauptversammlung gemäß den in Berlin ausgestellten allgemeinen Richtlinien zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten die Herren Dr. Winter (Telegraphen-Union) und Dr. De- b u s (Frankfurter Volksblatt). Schriftführer und Kassenwart blieben Mösinger (Freier Jounalist) und Peters (Frankfurter Generalanzeiger).

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Wie dieRote Erde" berichtet, haben Ver­handlungen zwischen den bisherigen Besitzern des Dortmunder Generalanzeigers" und den Bauftragten der Gauleitung Westfalen-Süd der RSDAP. dazu geführt, daß derDortmunder Generalanzeiger" restlos in den Besitz der Gau­leitung Westfalen-Süd der RSDAP. übergegan­gen ist.

Der Hindenburg-Bund, in dem die Iu- genbgruppen der Deutschen Volkspartei zusammen­geschlossen waren, hat sich von der Deutschen Volks­partei getrennt. Er bleibt als selbständiger, parteiloser Jugendbund bestehen.

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3tr Vorsteher des Gewerkschafts oundes der Ange st eilten Gustav Schneider hat sich beurlauben lassen. Aufsichtsrat und Bundesvorstand haben den bisherigen stellvertretenden Bundesvor­steher M. R o e s s i g e r mit der Führung des Bun­des beauftragt. .

In Deuthen (Oberschlesien) verfügte der Sonderstaatsanwalt für Korruptionsfälle die In­haftierung von Oberbürgermeister Dr. K n a k - r i d und Generalintendant Illing vom Ober­schlesischen Landcstheater. Mehrere führende Magistratsmitglieder sind in Schutzhaft genom­men worden. Bei Dr. Knakrid und Illing besteht der Verdacht der Aktenunterschlagung und Akten­beseitigung. Illing hat im Zuge Selbstmord be­gangen.

Die Untersuchung der Geschäftsführung bei der Vereinigten Ortskrankenkasse der Handwerker in Köln ergab, daß der An­teil der Verwaltungskosten am Beitragsaufkom­men der Kasse die ungewöhnliche Höhe von 30 Prozent erreichte, während er sich normaler-

Blumen an der Straße freihält, die früher mit ihren Blumen um die Markthalle herumgelaufen ist, um sie zu verkaufen, und die Reißaus nehmen mußte, wenn der Ordnungspolizist auftauchte. Eine wie ich, paßt nicht zu dir. Aber ich bin schon glücklich, daß du mir von deiner Liebe gesprochen hast. Ich will fortan immer daran denken, damit läßt du mir etwas sehr Schönes zurück, wenn du fortreifen wirst."

Er überlegte. Ein einziges Leben nur gehörte ihm, ebenso wie allen andern Menschen. Und sollte er sich aus kleinlichen Gründen dies einzige, kurze Leben verpfuschen, sollte er einem Glück entsagen, das ihn» wertvoller als alles Sonstige schien. Er beschwor das Bild der hübschen Baronesse Rückert heraus: es erschien ihm matt und reizlos.

Er lächelte:Du paßt doch zu mir, Angela! Was dir noch fehlen sollte an Bildung, um die Stellung als meine Frau auszufüllen, kannst du lernen. Ein paar gute Allgemeinkenntnisse genügen. Du bist klug genug, glaube ich, dir keine Blößen zu geben?

Angela sagte ein bißchen betont:Ich glaube, ich weiß mehr, als du mir zutraust. Vater hat mich nebenher beim Blumenmachen unterrichtet. Er ver­fügt über Gymnasialbildung und brachte mir von allem etwas bei. Geographie und Geschichte, einige Literaturkenntnisse und Botanik. Ich lernte auch Französisch von ihm und"

Hör auf, Angela", wehrte er lächelnd ab,schließ­lich weißt du mehr als ich. Aber wie konnte ich auch ahnen, daß eine kleine Blumenverkäuferin über solche Bildung verfügt."

Sie gingen Hand in Hand und wußten es kaum. In Angelas Augen blitzte Stolz auf.

Ich will dir noch mehr verraten, etwas, was nur wenige Menschen wissen. Mein Vater heißt nicht Esperao, wie die Spanier seinen Namen veränderten, sondern Speerau, Graf Wulf Speerau."

Graf Wulf Speerau", wiederholte Konrad von Zweilinden langsam: ihm schien der Name bekannt, nur wußte er nicht, bei welcher Gelegenheit er ihn schon gehört hatte. Vielleicht führte ihn auch nur ein ähnlich klingender Name irre.

Er lächelte überrascht:Also bist du ein wasch­echtes deutsches Komteßchen, Angela!" Er scherzte: Daan bin ich vielleicht nicht vornehm genug für dich, meine wunderschöne Angela?" Er blickte sie bewundernd an.Eine, die so aussieht wie du ist immer Königin, auch wenn sie den schlichtesten Namen trägt."

Er war nicht hochmütig, ihm war es gleich, wie Angela hieß, aber um Angelas willen war es bester so, sie konnte all den Herrschaften um Zweilinden herum mit einem klingenden Namen aufwarten. Ein Titel deckt allerlei zu, und ihr Vater hatte ziemlich weit in die Lebensniederungen hinuntersteigen muffen.

(Fortsetzung folgt.).