Problem der Beseitigung deS Kampfes zwischenEisenbahn undKraftwagen. Gerade unter dem letzten Gesichtspunkt ist zu begrüßen, daß der Kraftverkehr im Reichsverkehrs- ministerium bleibt, denn dadurch wird die Einheitlichkeit der künftigen Verkehrsentwickelung besonders gewährleistet.
Entlastung der Hochschulen.
Eine Verein »arung der Länder über die VerminderungdcsAl.drangeszumLtndi m
Berlin. 24. März. (WTB.) Amtlich. 3m Zentralblatt für die Llnterrichtsverwaltung in Preußen erscheint folgende Vereinbarung der Länder wegen Regelung des Zuganges der Abiturienten zu den Hochschulen:
Angesichts der großen Zahl der Abiturienten, der Heberfüllung der Hochschulen und des akademischen Arbeitsmarktes werden die Hnterrichts- verwaltungen von Ostern 19 3 3 ab folgende Regelung des Zuganges der Abiturienten zu den Hochschulen übere.nstimmend durchführen:
1. Die Prüfungskommission jeder Schule stellt für jeden einzelnen Abiturienten aktenmäßig fest, ob ihm nach seinen menschlichen und geistigen Anlagen, seinen Reigungen und Leistungen vom Hochschulstudium abzuraten ist.
2. Die Schulleitung teilt den Erziehungsberechtigten solcher Abiturienten, denen vom Studium abgeraten ist, diese Entscheidung mit.
3. Die höhere Schule teilt der Hochschule auf Anfordern die von der Prüfungskommission getrogene Entscheidung mit. Anderen Stellen darf diese Entscheidung nicht bekanntgegeben werden.
4. Auf Schulfremde finden die Vorschriften der Ziffern 1 bis 3 entsprechende Anwendung.
5. Wer trotz des Abratens ein Hochschulstudium ergreift, kann nicht damit rechnen, irgendwelche Studienvergünstigun- g e n zu erhalten.
6. Es ist damit zu rechnen, daß die Eignung derjenigen Abiturienten, denen vom Hochschulstudium abgeraten worden ist, im Laufe der ersten drei Semester nachgeprüft und daß diese Rachprüfung bei allen weiteren Prüfungen und bei der Zulassung zu Seminaren und Hebungen gewertet wird.
Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bemerkt dazu u. a. noch folgendes: Die preußische Hnterrichtsverwaltung hat dieser Vereinbarung der Länder zugestimmt, durch die der übermäßige Andrang der Abiturienten zum Hochschulstudium einge- dämmt werden soll. Wenn auch den für ein Hochschulstudium nicht besonders geeigneten Abiturienten der Besuch einer Hochschule nicht verwehrt werden solle, so müßten diese Abiturienten doch mit allem Ernst auf die wahrscheinlichen nachteiligen Folgen einer dem widersprechenden Wahl eines akademischen Berufes hingewiesen werden.
Auflösung der Wehrver- bände in Bayern.
Nur LS-, SA. i nd S ahlhelm bleiben.
München, 24. März. (TH.) Der kommissarische bayrische Innenminister Adolf Wagner hat eine Verordnung erlassen, wonach sämtliche sogenannten Wehrverbände außer der SA., der SS. und dem Stahlhelm sofort aufzulösen sind. Sie haben alle in ihr.m Besitz befindlichen Waffen nebst Munition den örtlichen Sonderkommissaren des obersten SA.-Fuhre:s abzuliefern. Wer nach dem 31. März noch einer der aufzulösenden Garnisonen an gehört, unterliegt der Bestrafung.
Amtlich wird dazu mitgeteilt, oah Verbände aus der ehemaligen Einwohnerwehrzeit nunmehr ihre Zeit gekommen glaubten, unter der Sonne der nationalen Revolution neu zu erblühen. Trotz abgegebener T.euvers cherungen känneeine Lebensnotwendigkeit für sie nicht
erkannt werden. Die Regierung stehe nicht an, einen Teil von ihnen, insbesondere ihren Kämpfern Dank und Anerkennung für ihr vaterländisches Wirken in der Vergangenheit zu sagen. Jedoch müsse heute an Stelle der Zersplitterung die Einheit treten. Ein Reuausziehen längst abbaureifer Vereine komme nicht in Frage. Jeder deutsche Mann und Kämpfer gehöre heute in die S A., dort müsse er für Volk und Vaterland Wirkern Reben der SA. und SS. stehe lediglich der Stahlhelm als Kampfverband der nationalen Front.
Das Ermächtigungsgesetz in Kraft.
Berlin, 24. März. (DDZ.) Das vom Reichstag und vom Reichsrat mit verfass u n g s ä n d e r n d e r Mehrheit angenommene Ermächtigungsgesetz für die Regierung der nationalen Erhebung ist noch am Freitagfrüh vorn Reichspräsidentenunter- zeichnet, am Freitag spät abends in der Gesetzsammlung abgedruckt worden und damit i n Kraft gesetzt. Staatsrechtlich ist damit vor
allen Dingen die wichtige Aenderung herbeigeführt worden, daß die Regierung nicht nur ohne Reichstag und Reichsrat Gesetze schaffen und in Kraft setzen kann, sondern daß sie auch nicht der Hnterschrift des Reichspräsidenten für die Vollziehung von Gesetzen bedarf.
3ur Verhaftung Gerekes.
Berlin, 24. März. (TU.) Die deutschnationale Pressestelle teilt u. a. mit: „Durch Presseoeröffent- lichungen anläßlich der Verhaftung Dr. Gerekes wird der Eindruck erweckt, als ob Dr. Gereke der Deutschnationalen Volkspartei angehört. Demgegenüber ist festzustellen, daß Dr. (9e- reke im Zusammenhang mit der Umgestaltung der DNDP., die später zur Wahl Hugenbergs als Parteiführer führte, aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgeschieden ist. Dr. Gereke ist dann zur Landvolkpartei übergetreten, in der er eine maßgebende Rolle spielle, und als deren Abaeordneter er 1930 in den Reichstag kam.
Das Auslandsecho der Kanzlerrede.
Das neue Klima.
Tas fas^.iftische Echo der Hitler-Nede.
Rom, 24. März. (TH.) Die „Tribuna“ faßt ihre Berichte über die Regierungserklärung Hitlers im Reichstag und über die außenpolitische Rede Macdonalds im Hnterhause unter den Heberschriften zusammen: „Die italienische Geschichte wird zur europäischen Geschichte. — Am selben Tage, an dem vor 14 3 ahrett Mussolini die faschistischen Kampfbünde gründete, erkennt Macdonald im Hnterhaus, und Hitler im Reichstag die Politik Mussolinis als grundlegende Voraussetzung für eine neue europäische Gemeinschaft an. Auch Macdonald trage in seiner politischen Persönlichkeit das Zeichen der Erneuerung, das der Faschismus vorweg genommen und angekündigt habe, als er noch zu Hnrecht als eine ausschließlich italienische Erscheinung betrachtet worden sei. Macdonald habe sich von dem Klassenegoismus seiner Partei losgelöst und gebe einem Kabinett von Konservativen und den letzten Liberalen sein Gepräge. 3m Reichstag des neuen Deutschlands habe der Reichskanzler Hitler, der Führer einer Bewegung, die als Zeichen deS Glaubens den Arm auf römische Art hebe, den festen Vorsatz ausgesprochen, sich im Rainen der gefährdeten europäischen Kultur aus dem üblen Klima desMißtrauensundHasses zu erheben, um an das Werk des Wiederaufbaues des Friedens heranzugehen, dessen Grundlage im Wussoliniplan bestehe. Sogar in jenem Frankreich, das sich noch in der Selbsttäuschung einer unweigerlich zum Krige führenden Politik befinde, kündige sich das „neue Klima" an.
Aufhorchen in Paris.
Paris, 24. März. (WTB. Funkspruch.) Zu der gestrigen Rede des Reichskanzlers bemerkt „Petit Parisien", die programmatischen Ausführungen des Reichskanzlers hätten nur sehr entfernt dem geglichen, was der Propagandist Hitler noch vor nicht allzulanger Zeit verkündet habe. Dies müsse man feststellen und zur Kenntnis nehmen. Was aber der Ausdruck „Ausgleich" wirklich bedeute, werde Frankreich erst an dem Tage wissen, an dem die deutsche Diplomatie ihre Karten offen aufdecken werde. Das katholisch-demokratische Blatt „L'Aube" hält die Forderung nach Gleichberechtigung Deutschlands für richtig. Es sei auch nicht weiter überraschend, wenn der Reichskanzler vielleicht übertriebene Forderungen nach einer radikalen und allgemeinen Abrüstung der modernen Völker erhebe. Der Wille, gute Beziehungen zu allen Mächten, sei es auch die Sowjetunion, zu unterhalten, und der Wunsch, mit Frankreich die schwebenden Fragen zu regeln, seien aber doch
ein Beweis dafür, daß der Kanzler sich u m einen Ausgleich bemühe. Diese Tatsache sei wohl dazu angetan, die streng orthodoxen Marxisten etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen.
„Homme Libre" knüpft an die Ausführungen des Reichskanzlers zu den Besprechungen in Rom an und erklärt, der deutsche Regierungschef habe die wenigen Punkte aufgehellt, die der fron* zösifchen Öffentlichkeit, obwohl sie einen T.ilder Zusammenhänge dieser Besprechungen durchschaut habe, dunkel geblieben seien. Das Blatt glaubt aus den Ausführungen des Kanzlers entnehmen zu können, daß London undRom in vollem Einvernehmen mit Berlin gehandelt hätten. Dieser Vorgang stelle eine ernste Warnung für Paris dar. Durch Hitlers Ausführungen werde volles Licht auf die „Verschwö- run'g von Rom" geworfen. Frankreich habe nicht mehr das Recht, nicht verstehen zu wollen. Das nativnalistische Cotyblatt „Figaro" meint zwar, es sei in der Kanzlerrede viel vom Frieden gesprochen worden, hält sich aber zu der Bemerkung für befugt, daß es sich dabei nur um einen Frieden unter deutscher Hegemonie handeln werde.
Das Blatt des Ministerpräsidenten, die radikale „R 6 p u b I i q u e", schreibt u. a.: In der Rede des Reichskanzlers Hitler sei der Wunsch nach einer Verständigung und nach Verhandlungen mit Frankreich zum Ausdruck gekommen. Diese Tatsache dürfte um so weniger vernachlässigt werden, als gleichzeitig eine eigene Initiative der italienischen Presse fcstzustcllen sei und Ministerpräsident Gömbäs den Friedenswillen Ungarns bekundet habe. Die Nachrichten aus Washington ließen die Annahme zu, daß ein Schuldmoratorium bewilligt werden konnte, wenn ein Wirtschaftsabkommen ausgearbeitet fei. Schwierigkeiten blieben zwar bestehen, aber d i e Atmosphäre fei wieder f o geworben, daß man atmen könnte. Die Stunde fei also gekommen, wo man handeln müsse. Es gälte, diese Windstille auszunützen.
Eme (stimme aus der Schweiz.
Berlin, 24. März. (WTB.) In der Gazette de Lausanne schreibt Prof. Rossier: Wird das von der Reichsregierung eingeleitete Unternehmen Erfolg haben? Das ist eine Frage, über die die Zukunft entscheiden wird. Wir haben in der Tat allen Vorteil davon, im Herzen Europas an Stelle eines aufgewühlten und unzufriedenen Volkes ein solches in glücklichen und wohlhabenden Verhältnissen zu sehen. Angesichts der gegenseitigen Abhängigkeit aller ökonomischen Bedingungen wird das Wiederaufblühen Deutschlands für den ganzen Kontinent nur heilsame Wirkungen haben. Freilich sind noch zahlreiche Hindernisse zu überwinden.
Käpten Ktaus
hat ein böses Däumchen.
Don Hans Jtiebau,
Die Geschichten, die letzten Freitagabend am Stammtisch in For ns.'eas T)dd.;hall erzählt wurden, waren ungewöhnlicher als je. Linstown, seit zwei 3ahren Vertreter von Lloyds, früher aber Wcllsischfängerkapitän, hatte berichtet und beschworen, dah sie damals, als die „Herbetta" vier 3ahre im Eis eingefroren war, pflanzenfressende Eisbären im Laderaum gezüchtet und sie spater für tausend Mark das Stück an Hagenbeck verlaust hätten. Hnd Schadenluk, Steuermann vom Eeeschlepper „Falke", hatte — ohne mit der Wimper zu zucken — erzählt, was sie vor zwei 3ahren mit einem Fischkutter auf der Weser erlebt hatten. Der Fischlutter, den Schadenluk im Schlepp hatte, war bis oben hin voll von lebenden Aalen gewesen. Hnterwegs war Windstärke 10 aufge» kommen. Die Trossen — was sollten sie auch anders machen? — rissen, und der Fischkutter sank. „Tagelang haben wir gesucht", hatte Schadenluk gejagt, ..aber der Kutter war — trotzdem wir genau wußten, wo er abgesackt war — nicht zu finden. Fünf Monate später kam ein Telegramm aus Südamerika. Der Kutter war in der Santa-Rosa-Bai bei Maccapo geborgen."
Am Stammtisch hatten sie dagesessen, als wenn sie alle einen Schlag vor den Kops bekommen hätten. .Santa-Rosa-Bai?' flüsterte Linstown. „wie kommt ein gesunkener Kutter von der Weser nach Südamerika?"
„Ganz einfach", räusperte sich Steuermann Schadenluk, „der Kutter war — hab' ich es nicht gesagt ? — voll von lebenden Aalen. Alle Aale aber schwimmen — da gibt es gar nichts zu lachen, meine Herren - zur Laichzeit nach Südamerika. Hnd weil sie nun alle zusammen im Laderaum waren unb nicht raus konnten, da haben sie" — Steuermann Schadenluk fing an, sich den Hinterkopf zu kratzen — „da haben sie eben den Kutter mitgenommen."
3n diesem Augenblick hatte Kap'tän Klaus eingegriffen. „Re, Kinners", sagte er, „allens was recht is. Aber so was von Aalen hab' ich mein Lebtag nich gesehen. 3ch bün für Wahrheit, Herr Steuermann Schadenluk, un da wir grade von Maccapo reden, will ich euch jetzt erzählen, wie ich, der beste Schwimmer Donner Handelsmarine, in der Santa-Rosa-Bai um ein Haar ertrunken bün. Abers ich sage euch" — Kap'tän Klaus legte die Faust auf den Tisch — .all bat, waS ich
erzähl', is — dreimal Ehrenwort auf große Fahrt! — wahr und wahrhaftig so passiert.
„Denn man to", nickte Steuermann Harms. Schadenluk aber konnte es sich nicht verkneifen und sagte: „3n der Santa-Rosa-Bai, Käpten Klaus, da sind so um zehntausend Haie herum. Da braucht man erst gar nicht zu ertrinken, da wird man gefressen."
Kap'tän Klaus rührte in seinem Grogglas. ..Hn ich', hob er die Stimme, „bün in der Santa- Rosa-Bai nicht beinahe gefressen, sondern beinahe ertrunken. Herr Steuermann Schadenlur!"
„Man los!" rief Harms.
»Tjä", murmelte Klaus, „ich weiß gar nich recht, wo ich nun anfangen soll. 3.)r müßt wissen, toenn ich mehr als zehn Glas getrunken hab', un ich geh' zu Bett, dann fang' ich an zu träumen. 2ch träum' aber nich wie sonst un wie sich das gehört, sondern, während ich träum’ weih ich ganz genau: All bat, was da nun so Passiert, is ein Traum! 3ch brauch' mich bann bloß mit ber Faust in den Magen zu stoßen, un ich wach' auf.“
„Kenne ich", nickte Steuermann Harms. „So hab' ich früher auch oft geträumt.“
„Das is ganz spassig", fuhr Kap'tän Klaus fort, „ich maa)’ dann im Traum Sachen, die man so im Leben nich macht. 3ch schlag da Schaufensterscheiben ein, tneif’ die vornehmen jungen Damen, die auf der Straße herumlaufen, daß sie quietschen, alarmier' die Feuerwehr un ziehe den Schutzleuten die Helme über die Ohren. Hn toenn ich es denn doch mit ber Angst krieg', un der Traum toirfr immer schlimmer, un ich komm' ins Gefängnis ober so, dann stoß' jch mich einfach mit der Faust in den Bauch un denn —“
„QHan to", wurde der Stammtisch ungeduldig. „Du sängst ja schon wieder von vorn an.“
,.Tjä", nickte Kap'tän Klaus. „Also, was ich denn sagen wollte: Das war in der Santa-Rosa- 2aL Die „Anna-Alberta" lag da auf der Reede von Maccapo vor Anker. Cs war abends um neun un nach dem dreizehnten Grog. 3ch lag auf dem Liegestuhl an Deck, un dann schlief ich cm, un dann träumt’ ich. 3hr wißt ja nun Bescheid. 3ch träumte, daß ich in der Gig saß un mich nach bet Stabt rüber rudern ließ. .Schöner Traums bacht. ich und freute mich ordentlich, -letzt w:ll ich mal Maccapo auf den Kopf stellen? Kamn bun ich an Land, kommt da der Lotse Alegro aus mich zu. Alegro, müßt ihr wissen, hat ein Gesicht, daß es jedem Fahrensmann in den Fausten juckt. Komm, alter Zunge', sagte ich un hielt mich nich lange bei ber Vorrebe auf. Hn schon lag Alegro, der Lotse, knockout hinter dem Zollschuhpen. Fünf Minuten später war ich
in der „City of Antwerp“, wo ich immer hin- gehe, toenn ich in Maccapo an Land gehe. .Whisky?' flötete die Senhora hinter der Dar.
„Whisky, jawoll", rief ich, „aber Gnade euch Gott, wenn es wieder der verfluchte brasllianische Tapto.a-Schnaps is!"
Die Senhora schenkte ein. 3ch Probierte. Es war, wieder der verfluchte Tapio:a-Schnaps.
Die Flasche knallte gegen die Decke, der Bartisch fiel um. 3rgenb jemand packte mich. 3ch aber — 3hc müßt wissen, wenn ich träum’, hab ich immer ein Schießeisen zur Hand — ziehe memen Revolver, drücke ein paarmal ab, un es wird muckLmäuschenstill. „Zwanzig Conto!", rief ich. „Her damit! Hm so viel habt 3hr mich in fünf 3ahcen mit Eurem falschen Whisky bet o en.“
Die Senhora wirft mir die Scheine, schmutzige b a-ne Lappen, herüber. „Feiner Traum", denk' ich, stecke das Geld ein un geh' weiter. Aus der Straße halte ich ein Auto an. „Grand- Hotel". befehle ich.
„Parioval". schreit der Chauffeur, ..das hier ist kein Taxi, das ist der Wagen des Vizegouverneurs."
„Grade to*8 ich brauche", lache ich. ziehe mein Schießer,cn, u t wir fahren zum Grand-Hotel.
„Hnd oist du nun beinahe ertrunken^', fragte Steuermann Harms.
..^inen Augenblick“, fuhr Kap'tän Klaus fort. „3m Grand-Hotel hat es natürlich auch Krach gegeben. Den Direktor hab' ich die Treppe runtergeschmissen. Den französischen Konsul hab' ich gebeten, das Großkreuz ber Ehrenlegion ab- zubinden un in die Schiissll mit ber Remoladen- fauce $u legen, un a.s da in endlich die Polizei — gleich acht Mann aus einmal — kam. dacht' ich: „So, nun is es genug.“ Wie ich aber die Faust balle, um mich vor den Magen zu stoßen, packt mia.) ein Polizist von hinten. 3ch reiße mich los, und — ob ich w ll ober nich — ich muß laufen. 3d) renne die Treppe hinunter, spring' burd) ein Fenster, bann über bie Gartenterrasse, ncfjme ein Fahrrad, das da steht, und schon bün kch toicber im Hafen. Da liegt auch meine Gig un — wie sich bas für einen anständigen Traum gehört — die beiden Matrosen sind auch noch da. un fünf Minuten später bün ich an Bord. -Jetzt tvird es aber Zeit", überlege ich un balle jum zweiten Male bie Faust, um endlich mal wieder aufzuwachen. „Halt stop", sagt da Michel- sen, der zweite Offizier un hält meinen Arm fest. „3a) glaube, Käpt'n, Sie nehmen erst mal ein) Dad. Es ist schon alles fertig.“
„Komisch", denk ich, „warum kommt immer etwas dazwischen, toenn ich aufwachen will? Hn bann
Oer Widerhall in Polen.
Berlin, 24. März. (TU.) Die Regierungserklärung Hillers wirb von ber Warschauer Presse fast durchweg in inhaltsreichen Angaben veröffentlicht. Der große Ginbrud, ben bie Rebe in Polen hervor- gerufen hat, ist nicht zu verkennen. Die offiziöse „Gazctta Polska" hebt bie Tatsache hervor, daß Hitler über P o l e n«n ichts gesagt habe. Der nationalbemokratische „Kurier Warszawski" sagt, bas erste Auftreten Hillers als Reichskanzler im Reichstag habe gezeigt, baß Hitler nicht nur ein agitatorischer Redner sei. Die gestrige Reichstagssitzung fei ein imposanter A k t ber bereits vollzogenen Einigung bes Volkes.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident empfing das neugewählte Präsidium des Reichstages, ben Reichstagspräsidenten Göring und die Vizepräsidenten Esser, Graef-Thüringen und Zörner, ferner den deutschen Gesandten in Bern Adolf Müller, und den Präsidenten des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg, Krogmann, ber von dem hamburgischen Staatsrat Ahrens und bem Gesandten Hamburgs in Berlin E i f f e begleitet war.
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Der Deutsche Rundfunk überträgt auf allen Sendern heute, Samstag, von 19.20 bis 19.55 Hhr, nochmals die Aufnahmeder Debatte r e d e, die Reichskanzler Hitler am Donnerstagabend im Reichstag gehalten hat.
Der Oberbürgermeister ber Stadt Kassel, Dr. Stadler, ist von seinem Amte zurückgetreten. Die Stelle des Oberbürgermeisters wird nicht neu besetzt. Vielmehr wirb Bürgermeister Dr. Lahrn e y e r die Geschäfte übernehmen. Ferner soll die Sperrung der Pension für den ehemaligen Oberbürgermeister Philipp Scheidemann veranlaßt werden.
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Der ehemalige preußische 3nnenminister Severin g, der vor dem Reichstag zu Vernehmungen festgenommen worben war, ist toiebec auf freien Fuß gesetzt worden, muß sich aber zur weiteren Verfügung der Behörde halten.
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Der Kasseler Rechtsanwalt und nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Dr. Roland Freister ist zum Ministerialdirektor im preußischen 3ustizministerium ernannt worden.
Kunst und Wissenschaft.
Professor Max v. Schilliogs übernimmt die Leitung ber Städtischen Oper in Berlin.
Zwischen dem Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm und Professor Max v. Schillings sanden Verhandlungen über die He^ernahme der Leitung der Städtischen Oper inChar- lotienburg (an Stelle von Professor Kall Ebert) statt. Da eine grundsätzliche Einigung erzielt worden ist, kann mit einer endgültigen Heber* nähme der Leitung für die nächsten Tage gerechnet werden.
Jnlendantenwechfel
an den württembergischen Landestheatern.
Der Generalintenbant ber Württembergischen Lanbestheoter in Stuttgart, Albert K e h m, ist von seinem Posten zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde ber bisherige stellvertretende Intendant Der Berliner Städtischen Oper, Otto Krauß, ernannt — Der neu ernannte Generalintendant ist 1890 in Heilbronn geboren. Nach dem Kriege, den Krauß als Offizier bis zum Schluß mitmachte, begann er feine Laufbahn als Regisseur am Stadttheater in Heilbronn. Von dort kam er als Opernregisseur nach Rostock, weiterhin nach Nürnberg und Karlsruhe. Von dort wurde er vor vier Jahren nach Berlin berufen. Er ist Mitglied der NSDAP, und gehört feit Jahren dem „Kampfbund für deutsche Kultur" an.
zieh ich mich aus un steig in die Badewanne."
Der Stammtisch räkelte sich. „Langweilige Geschichte“, rief Steuermann Echadenluk, „was soll man mit son'm dusseligen Traum anfangen ?“
„Einen Augenblick", hob Kap'tän Klaus die Hand. „Also ich steig auf die Badewanne. Aber wie ich zum drittenmal die Faust ballen will, fallen mir doch mit einem Mal die Augen zu, un ich schlaf ein.“
„3a. und —T fragte Steuermann HarmS.
„Als ich wieder auswachte", fuhr Kap'tän Klaus fort, „hat mich der Steward beim Wickel, un ich spucke Was,er aus Wund un Rase." „Hm Gottes Willen, Herr Kapitän", sagt der Steward, „beinahe waren Sie ertrunken!"
3ch stieg aus der Badewanne un wußte nich: Träum ich noch, ober bin ich schon wach? Aber da sah ich mein Zeug liegen. Ein Aerrnel war von de- 3ade gerissen, un aüs der Tasche guckten die schmutzigen braunen Kontoscheine, die mir die Senhora in der „City of Antwerp" gegeben hatte. „Also denn", denke ich, nehme meine Faust un stoß sie mir in den Magen. „Cs tat bannig weh, meine Herren" — Kapll n Klaus seufzte — „aber auf^ewacht bin ich nich ..."
„Hnd die ganze Fahrt nach ber Stadt —T* rief Steuermann Harms.
„Die ganze Fahrt nach ber Stabt", sagte Kap'tän Klaus, und seine Stimme sank zu einem Flüstern herab, „hatte ich überhaupt nich geträumt, un am nächsten Morgen is bann wirklich und wahrhaftig die Polizei gekommen."
„Haha", lachte der Stammtisch, bah die Gläser klirrten.
Rur Steuermann Schadenluk war nicht zufrieden. „Was ist das für ein Hnfinn', schüttelte er ben Kopf. „Sie troll.cn erzählen, wie Sie beinahe in der Santa-—osa-Boi, wo es mehr Haifische als Was.er gibt, ertrunken sind, und nun war es nur eine Badewanne!"
„Aber meine Herren", sagte Kap'tän Klaus, „was wollt ihr denn? Die „Anna-Alberta" — mit ber Badewanne an Bord — lag doch in ber Santa-Rosa-Bail"
tiocbfdnilnadiricbten.
Auf ben Lehrstuhl der Augenheilkunde an ber llni- oersität Rostock ist Professor Dr. Wilhelm E o in - berg in Berlin berufen worben: er hat bereits seine Ernennung zum Ordinarius erhalten.
Der Tübinger Extraorbinarius Professor Dr. von Freyberg hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Mineralogie unb Geologie an der Universität Erlangen erhallen.


