Nr. 72 SvühaussaVe
183. Jahrgang
Samstag, 25. März (933
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Chesredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyr.ot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und 'ür denAn- zeigenteil i.D. TH.Kümmel sämtlich in (ßie ;en.
Oer römische Pakt.
Außenpolitische Umschau.
Don Dr.Oltotzoehsch,n ö. Prof, der Geschicke an d r nioerfifät Berlin
3n bcr großen Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler am Potsdamer Tage steht zur Außenpolitik b:r machtvolle Sah: „5>er Weit gegenüber wollen wir, die Opfer des Krieges von einst ermessend, ousrichtige Freunde sein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden". Unzweideutig ist so der Wille der nationalen Re- gicrung zu einer Friedenspolitik ausgesprochen, die zunächst in sich schließt aber die deutschen Forderungen nach Gleichberechtigung in der Rüstung und nach Sicherung friedlicher Revision der Friedensverträge. 3n dieser Linie läuft nun die große Aktion, die M a c d o n a l d im Bunde mit Mussolini oder (vielleicht kann man es auch umgekehrt ausdrücken) Mussolini im Bunde mit Mac- donald in Gang gebracht hat.
Aeuherlich ist die 3nitiative von M a c d o - n a l d ausgegangen, der gleichzeitig in Gens und in Rom sich der Gefahr entgegenstellte, daß die Abrüstungskonferenz scheiterte und damit unmittelbare Gefahren für den europäischen Frieden aufstiegen. 3n der etwas improvisierenden Art, die ihm eigen ist, hat der englische Ministerpräsident auf zwei Geleisen begonnen. 3n Gens legte er einen neuen A b r ü st ung s-Konven- tiionsentwurf mit einer großen Rede am 16. März vor. Er ist präzis, gut abgewogen, und enthält auch den Artikel 53 des ersten Konven- tionsentwurses nicht, der für Deutschland die Annahme des ganzen ausschloh. Dafür bestimmt er, daß die Konvention zusammen mit späteren Abmachungen die e nt sprechen de nTeileder Pariser Friedensverträge ersetzen soll. Der Entwurf stellt ein vollständiges Abkommen in 93 Artikeln auf allen Rüstungsgebieten dar und im Unterschied vom ersten Entwurf und über ihn hinausgehcnd, schlägt er auch b e st i m m t e , ^Ziffern für die Heeresbestände und die Dc- Xjränlung des Kriegsmaterials vor.
Er gliedert sich in: Sicherheit, Abrüstung, Rach- richtenaustausch, chemischer Krieg, ständige Abrüstungskommission. Die Sicherheit sucht er in einem „Konsultativpakt" der Mächte des Kellogg- paktes, mit dem eine Art neuer Bölkerbund entstünde. Für die Abrüstung nimmt er den französischen Gedanken der Heercsorganisation, der M i - liz - Armee, für das kontinentale Europa auf. Für Deutschland wird dabei die Zahl von 203 C00 Mann in Aufsicht genommen: es würde in E u - r o p a (die überseeischen Truppen sind besonders gerechnet) darin Frankreich, Polen und der Tschechoslowakei zahlenmäßig glcichstehen. Doch sind alle Ziffern nur Anregungen. Artillerie und Tanks sollen auf bestimmte Grenzen herabgesetzt, alles davon Abweichende in einiger Zeit zerstört werden. Der Bombenabwurf aus der Luft wird verboten. Zahl und Art der Militärflugzeuge werden festgelegt, herabgesetzt, doch f e h l t a n dieser Stelle Deutschland, das also wohl Militärflugzeuge nicht bekommen soll. Der chemische Krieg ist verboten. Das Abkommen soll auf fünf 3ahre gelten. Wie weit es für Deutschland annehmbar ist, ist noch zu prüfen. 3m Augenblick ist der Vorschlag mehr nur schätzbares Ma- tcricl. d:r h'n er d r r ö m i s ch e n Zusammenkunft vom 18. bis 20. März zwischen Macdonald und Mussolini weit zurücktrttt.
Hier trafen nicht nur die beiden Staatsmänner und nicht nur die beiden Großmächte zusammen, sondern auch zwei Befriedungs- oder Sicherheitspläne. Der Plan Macdonalds ist durch jenen kurzen Sah bezeichnet. Mussolini ober hatte schon in seiner Rede in Turin anläßlich der zehnjährigen Feier des Faschismus erklärt, daß ihm ein Zusammenschluß der vier europäischen Großmächte (Deutschland, England, Frankreich, 3talien) als das beste Mittel erscheine, und er hat dafür einen eigenen Pakt ausgearbeitet und vorgeschlagen. Dieser neue Patt von Rom" ist im Wortlaut nvch nicht bekannt. Auch die Korrcspondenteü-Mitteilungen sind nicht vollständig. Offenbar soll der Pakt auf zehn 3ahre zunächst von den vier Großmächten geschloffen, aber auch anderen zugänglich werden, einen Richtangriffspakt im Kellogg-Sinne wiederholen und die beiden springenden Punkte: Gleichberechtigung derBesicgten in Rüstungsfragen und Revision der Friedensverträge gemäß Völker- bundspakt verpflichtend festlegen. Daneben ist wohl auch an die Kolonialfrage gedacht. Mussolini will die Entscheidung über Europa in die Großmächte Verlag rn, wobei uns die Bezeichnung »Westmächte" w:der sachlich zutreffend noch für Deutschland vorteilhaft und richtig erscheint. Das wäre gegenüber dem Völkerbünde ein Wiedererstehen nicht der Mächtegruppierungen vor dem Kriege — durchaus nicht, das ist auch nicht Mussolinis Absicht — sondern das, was man früher in der großen Politik das „europäische Konzert" nannte.
Die Frage für Deutschland ist, ob dieser Vier- mächtcblock zustande kommt. Das hängt von Frankreich und von Deutschland ab. England und 3talien haben sich geeinigt. Macdo- nald kommt in seinem Abrüstungsentwurf den italienischen Anregungen weithin entgegen, versucht so zwischen Frankreich und 3talien zu vermitteln und dann auch zwischen Deutschland und Frankreich. 3n dieser Vermittlungsaktion liegt zugleich die Schwäche des Gedankens in unserem Sinne. Sie bindet nämlich die beiden vor-
Umfassende Neuordnung der Fettwirischast.
Beschränkung der Margarine-Erzeugung auf 60 Prozent der vorjährigen. — Monopol sür Oele und Jette.-Fetiverbiiligungskarten für die minderbemittelte Bevölkerung.
Berlin, 24.März. (TU.) Amtlich. Der große Plan für die Ordnung der Fettwirtschaft ist nunmehr in Kraft gesetzt worden. Die schritt- weise Verwirklichung des Planes wird zu einer Gesundung der unerträglich gewordenen Lebensbedingungen auf dem Lande, daraus folgend zur Erschließung neuer Arbeitsmöglichkeiten in alten Wirtschaftszweigen führen, die auf die Dauer das Maß jeder künstlichen Arbeitsbeschaffung überschreitet und schließlich auch neue Möglichkeiten f ü r eine aktive Außenhandelspolitik eröffnet.
Der Plan selbst geht von der Erkenntnis aus, daß die deutsche Fetlprobukt'on (Buller, Schmalz, Talg ufro.) in stärkstem Maße unter dem Druck der Einfuhr ausländischer Felle jeglicher Art stehl. Ausland- f e 11 soll deshalb vom deutschen Marli zurück- gebrängt und durch deutsche Fette erseht werden. Insbesondere wird die Erzen- gungvonMargarine.die fast ausschließlich aus ausländischen Rohstoffen hergestellt wird, und deren Probuklionsstätten zu einem fefjr erheblichen Teil im Besitz internationalen Finanzkapitals sind, auf 60 v. h. des bisherigen Umfangs beschränkt. In der gleichen Weise wird gegen alle für die Margarine in Frage kommenden Lrsahfelte vorgegangen. Auf diesem Wege wird Raum für die hochwertigen deutschen Fette, wie Butler und Schmalz, geschaffen. Zur Sicherung dieses Zieles wird nach bcr Art des Maismonopols ein Monopol für Oele und Felle errichtet. Ferner werden Oelfrüdjte, Oelfämereien und Oelkuchen in das bestehende Maismonopol einbezogen. Line Berteuerung der Oelkuchen wird bei den gegenwärtigen
Milch- und Butterpreisen nicht erfolgen.
Außerdem enthält das Gesetz noch besondere Ermäcytigungen zur Regelung der Her - stellung von Margarine und das Recht in die Preisgestaltung der Margarine einzugreifen, einen Lieferzwang bestimmter Sorten zu verordnen usw. Diese letzten Bestimmungen dürften jedoch im wesentlichen vorbeugenden Charakter haben und bei loyalem Verhalten der Margarineindustrie wenig zur Anwendung gelangen. Schließlich wird eine Ermächtigung zur Einführung eines Verwendungszwanges von inländischem Talg bei der Herstellung von Seifen geschafften.
Für die Landwirtschaft, deren vollständige Unrentabilität bei den derzeitigen Preisen weitgehend die Ursache unserer Wirtschaftsnot ist, ergibt sich die Bedeutung des Fettmarktes aus seinem maßgeblichen Einfluß auf alle Agrarpreise. Die Getreidepreise lassen sich nicht halten, wenn ausländische Futtermittel, wie bisher unbeschränkt und zu Weltmarktpreisen hereinkommen. Eine Erhöhung der Futtermittelpreise ist aber bei dem heutigen Tiefstand der Milchpreise nicht möglich. Der Milchpreis wird wiederum durch den Futterpreis und dieser wieder durch die Einfuhr an Auslandcfett, insbesondere durch den Preis des in großen Mengen zur Margarineerzeugung verwandten Walfischtrans bestimmt. Der Fettpreis beeinflußt auch über das Schmalz den Schweineireis, über den Talg den Rinderpreis usw., ). h. das gesamte Gebäude unserer Landwirtschaft teht und fällt mit der Fettverwertung. Der nunmehr einsetzende Generalangriff gegen die Aus- lanbefette packt also *bie Not unserer Bauern a n ihrer Wurzel an.
Den Verbrauchern werden keine untragbaren Opfer jugemufet Für die von der Rot besonders schwer (Betroffenen wird gleichzeitig
wärtsstrcbcnden Partner, 3talicn und Deutschland. Das Bedenkliche dabei ist nicht die Bindung an den Kcllogg-Pakt, sondern die ganz offenbar in Aussicht genommene Erneuerunz der Bindung an die Locarno-Verträge und die Bindung derRevision. Letztere nicht an sich, aber so belastet durch die Verbindung mit dem Völlerbund, daß zum mindesten die Hoffnungen nicht groß sind, daraus werde viel werden. Eine Bindung in militärischer Bez ehung liegt, wie betont, natürlich unter der Voraussetzung im deutschen Sinne, daß sie absolut gleich zu gleich erfolgt.
Macdonald sprach mit Mussolini und sodann mit den französischen Staatsmännern. D e u ts ch - land scheint lau.end informiert worden zu fein, aber verhandelt mit ihm im Sinne eines Entschlusses oder Richtentschlusses ist noch nicht worden. Wir sind natürlich nach allen Erfahrungen mißtrauisch. Die drei Mächte gehen zunächst ohne Deutschland vor, Macdonalds Abrüstungs- Plan kommt zwar 3talien entgegen, aber Deutschland nicht ausreichend, während Frankreichs Standpunkt fast auf allen Gebieten berücksichtigt ist. Würden, was wir nicht wissen, dieser Pakt von Rom und Macdonalds neuer A b r ü - stungs - Entwurf von vornherein miteinander völlig verbunden, so entstünde im ganzen eine
eine umfassende Aktion zur Verbilligung der Felle eingeleitet durch Ausgabe von F e 11 - oerbllligungstarten. Um die hierfür erforderlichen Mittel zu beschaffen, sollen die Margarine- und deren Lrsahfelle einer Ausgleichsabgabe von 25 Pf. je Pfund unterworfen werden. Dadurch wird gleichzeitig verhindert, daß die durch die vorgesehenen Maßnahmen einlrelende Verteuerung der Margarine, kunstspeiseselle ufro. der Margarineindu- ftrie zugulekommt. — Die notleidenden Teile des Volkes werden ihren Fetlbedarf also auch in Zukunft im wesentlichen z u den bisherigen Preisen decken können. Irn übrigen war der Rückgang der Fellpreife in den letzten Iahren wesentlich stärker als die Verminderung der Einkommen un erer Bevölkerung. Die Fettpreise gingen um mehr als 50 Prozent, die Einkommen seit dem Höchststand nach den (Ermittlungen des Institutes für Konjunkturforschung dagegen nur um 26 bis 34 v. h., die gebundenen Preise (ftartellpreife) sogar nur um
18 Prozent zurück.
Die getroffennen Entscheidungen sind auch wehrpolitisch von besond rer Bedeutung. 3n folge der falschen Agrarpolitik der letzten 14 3ahre deckt die deutsche Landwirtschaft unseren Fettbe- dars nur noch z u e t w a 4 0 v. H. Diese Abhängigkeit findet eine weitere Verstärkung darin, daß die deutsche Buttererzeugung mit einem Verbrauch von 2,3 Millionen Tonnen eingesührter Futtermittel zu einem erheblichen Teil a u f ausländischer Futterbasis beruht. Unsere Ahängigkeit in der Fettversorgung vom Auslande ist mit einer 3ahreseinfuhr von fast 700 Millionen Reichsmark gegenwärtig so ungeheuer, daß im Ernstfälle unser Volk binnen kurzer
Zeit in schwerste Rot gebracht werden könnte. Das neue Fettprogramm wird auch hier Wandel schassen. Das Vorgehen gegen die Fett« einfuhr trifft zum weitaus überwiegenden Teile Länder, denen gegenüber unsere Handelsbilanz stark passiv ist.
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Staatssekretär vonRohr erklärte zu der Reuregelung der Fettwirtschaft: Gastwirtschaften, die mit Margarine kochen und braten, müssen dies in Zukunft a u f ihren Speisekarten vermerken. Was die Verbilligung der Fette für die minderbemittelte Bevölkerung anbetrifft, so erhält jeder Käufer einen Gutschein, Den er beim Kauf von Fett in Zahlung geben kann. Die Steuer hat nicht den Sinn, die Margarine zu verteuern, fonbem der minderbemittelten Devö I • kerung die Verteuerung möglichst wenig fühlbar zu machen. Die Kontingentierung und die Zvllerhöhung treten am Montag in Kraft. Die Steuerbestimmungen werden erst in etwa drei bis vier Wochen erlassen. Gleichzeitig mit diesen Bestimmungen wird auch das sogenannte „Fett- g e l d" herausgegeben. Die Grenze für die Bezieher dieses Fettgeldes wird der Reichswirtschaftsminister festsehen.
Zollerhöhungen für Margarine.
Berlin, 24.März. (ERB.) Rach einer im heutigen Reichsanzeiger veröffentlichten Verordnung wird der Zoll für Margarine usw. von 30 auf 75 Mark je Doppelzentner erhöht, der Zollsatz von 63 Mark nach dem Obertarif entfällt damit. Der Zoll sür M a r g a r i n e- käse usw. erfährt gleichfalls eine Erhöhung von 130 auf 75 Mark je Doppelzentner. Der Zollsatz für Kun st speisefett beträgt in Zukunst 75 Mark anstatt bisher 12,50 Mark. Die Verordnung tritt mit dem 29. März 1933 in Kraft,
Die nächsten Arbeiten der nationalen Regierung.
Oie Kabinettssihung.
Tie Ne oidnu g des Gcwerkschaflswesens noch nicht spruchrci,.
Berlin, 24.März. (TU.Amll.) DasReichskabinell beschäftigte sich in feiner heutigen Sitzung zunächst mit der politischen La g e. Rachbern Reichs- minifter Dr. hugenberg namens ber übrigen ka- binetlsmitglieber bem Herrn Reichskanzler für bas einbrucksvolle unb erfolgreiche Auftreten im Reichstage gebankt Halle, berichtete Reichsinnen- minifter Dr. Frick über bie in Vorbereitung be- finblichen innerpolilifchen Aufgaben, zu benen u. a. eine Gleichschaltung in ben Cänber- unb S t a b t p a r l a m e n t e n mit bem Reichstag gehören wirb. Die Aufgaben bes bisherigen Reichskommiffars für Arbeitsbeschaffung übernehmen bie beteiligten Refforts, bis eine enbgültige Reuregelung erfolgt ist. Die auf bcr Tagesorbnung stehenben sozialpolitischen Fragen, insbesonbere bie Reu- geftaltung bes G e w e r k f ch a s 1 s w e s e n s konnten noch nicht zum Abschluß gebracht werben.
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3n der Oefsentlichkeit ist ja in der letzten Zeit viel die Rede von der Monopolstellung der drei G e w e r k s ch a f t s r i ch t u n g e n gewesen, die in allen sozialen Fragen bisher den Ausschlag gaben. Don Bedeutung ist dieser Einfluß vor allem bei den Schlichtungsausschüssen, den Arbeitsgerichten, den Arbeitsnachweisen, den Wahlen in der Sozialversicherung, den Vertretungen der Arbeitnehmerschaft im Reichswirt
schaftsrat, im Reichskohlenrat und im Reichskalirat. Einer Reuregelung werden auch d i e Wahlen z u den Betriebsräten unterzogen werden. Die Monopolstellung der Gewerkschaften lieb bisher andere Arbeitnehmervertretungen nicht aufkommen. Ramentlich handelt es sich um nationale Arbeitnehmervereinigungen, die nationalsozialistischen Betriebszellen und die Stahlhelm-Selbsthilfe. Die Reuordnung wird die Gleichstellung auch dieser anderen Gruppen bringen, damit zunächst eine Uebcrgangsregelung herbeigeführt wird, durch die die endgültige Klärung des gesamten Gewerkschafts- und Sozialwesens sinngemäß vorbereitet wird.
Neuordnung
des Krastverkehrswesens.
Berlin, 24. März. (WTB.) Die Leitung der Kraftverkehrsabteilung im Reichsverkehrsministerium hat der Reichsverlchrsminister dem' Ministerialdirektor D.-3ng. e. h. Brandenburg übertragen.
Damit wird eine Zentralstelle für daS ganze Reich geschaffen, die die Zusammenfassung und Förderung der gesamten 3nteres en des Kraftverkehrswesens zum Zweck hat. Alle Fragen, die das Automobilwefen betreffen, werden einheitlich von der neuen Stelle bearbeitet: Richt nur der Kraftwagen als solcher, vielmehr Gesetze und Verordnungen, Gestaltung der Automobilsteuer, Versicherungs- we'en Garagenproblem. Wegegestaltung, technische, sportliche und wissenschaftliche Förderung des Kraftfahrwesens und schließlich das große
wenig erwünschte »fertige Tatsache", der Deutschland gegenüber gestellt würde.
Daß Polen schon darüber unruhig ist, ist nicht so wichtig, auch, was Amerika dazu sagt, kommt erst in zweiter Linie. Die Hauptsache ist, daß England und3talien ve.ftrchten, durch den Genfer Rehel hindurchzustoßen, zu einer neuen, sehr ernsthaft gemeinten Friedensorganisation. Unb Genf hat es sich selber zuzuschrciben, daß damit die Leitung ihm aus der Hand genommen wirb. Dem entspricht es, daß auf Vorschlag des Präsidenten und unter Zustimmung Deutschlands die Abrüstungskonferenz bis zum 26. April, also bis nach Oftern, vertagt wird. Die Verhandlungen verlegen sich in ein neues Gremium der Viermächte und sollen in ihm die Meinungen dieser Vier in Übereinstimmung bringen. Es ist nur logisch, daß, so gut Macdonald mit Mussolini und mit Frankreich sprach, die direkte Fühlung zwischen dem deutschen Reichskanzler und Mussolini Wohl bald hergestellt wird.
Die Aufgabe für die deutsche Diplomatie ist freilich sehr schwierig. Man denke sich nur das schon vorliegende Material scharf durch unter den Gesichtspunkten: wirkliche deutsche Gleichberechtigung, Locarno, Anschluß Oesterreichs, Westmächte, unb man sieht, wie viele Fallen auf diesem Wege liegen oder liegen können. 3n jedem Falle
aber ist ein neues Kapitel der großen Politik über Genf hinaus damit eröffnet.
Die Lage wird dadurch erleichtert, daß Polen, unter Druck des VLl».erbundsrates, die Verstärkung seiner Besatzung auf der Westerplatte zurückgezogen hat. Der Standpunkt Danzigs hat einen vollen Erfolg erzielt. Ferner schlägt im» Augenblick derfernöstlicheKonflikt nicht irgendwie bedenklich in die europäische Politik herein. 3apan wird im Geheimen Rat unter Vorsitz des Kaisers am 27. März den Austritt beschließen, der ja erst nach zwei 3ahren, wenn die Satzung so lange besteht, Krast erhielte. Es will freilich dabei die Mandatsgebiete in der Südsce annektieren, aber diese Frage ist im Augenblick auch noch nicht dringend. Rehmen wir dazu die sehr klare und unzweideutige Aeuherung des Reichsministers Göring über die deutsch- russischen Beziehungen und deren Ausnahme in Moskau, so ist im ganzen drinnen unb draußen das Feld frei für eine energische deutsche Außenpolitik, konzentriert auf die beiden zentralen Forderungen der Rüstungs-Gleichberechtigung und der Friedensvertrags-Revision. Mögen die diplomatischen Kräfte, die Deutschland dafür einsetzt, darin zu vollem Erfolge kommen!


