Vie sittliche Erneuerung nur zu erreichen ist, wenn der katholische Volksteil maßgebenden Anteil daran hat, deshalb werbe ich dafür, daß der deutsche Katholizismus sich in dieser entscheiden- den Stunde in die Front dec nationalen Erhebung eingliedert. Wir erleben einen inneren Werdegang von umstürzender Bedeutung. Wenn nicht am Ende dieser Entwicklung die Zertrümmerung des Parteien st aates steht, werden wir auch die geist'aen Krä-te nicht aufbringcn, um die Fesseln von Be.sailles abzustreifen. Die nationale Erhebung sock der Auftakt einer neuen Epoche sein, und unser letztes Ziel ist der wahre Friede. Aber der Weg dahin ist-Kampf! Wer glaubt, daß nach dem 5. März die nationale Front zusammcnbrechen werde, der gibt sich einer grausamen Enttäuschung hin. (Stürmischer Beifall.) Am 5. März werden wir uns zum Angriff gruppieren wie e nst in den Tagen des großen Krieges, und diese Angriffstruppen werden auf ihr Banner das Wort schreiben: „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herzl" Ter Vizekanzler schloß unter stürmischem Beifall mit dem Aufruf „Auf zum Kampf mit Hindenburg, dem alten getreuen Eckart des deutschen Volkes, für das neue Deutsche Reich der besseren Zukunft!" Dem Vizekanzler wurden stürmische Ovationen dargebracht.
Oie süddeutschen Besorgnisse.
Eine Rede des württembergischen Ltaatspräsidenterl.
Stuttgart, 24. Febr. (TU.) In einer Zentrumsoersammlung erklärte Staatspräsident Dr. Bolz u. a.: Man schiebt uns in die Schuhe, daß das Kabel bei der Uebertrogung der Stuttgarter Hitler-Rede unterbrochen worden sei. Man sucht förmlich nach Gründen, um vorgehen zu können, und, was das Bedauerliche dabei ist: daß die Nationalsozialisten, mit ihren Abgeordneten an der Spitze, uns fortgesetzt in Berlin denunzieren, wenn irgendwo in einer Zeitung, in einem Flugblatt und in einem Plakat ein Wort steht, das der Reichsregierung parteipolitisch viel- leicht nicht genehm ist. Und das einem Lande gegenüber, das in jeder Beziehung seine Pflicht gegenüber dem Reiche erfüllt hat, das jetzt und in Zukunft gewillt ist, seine Pflicht dem Reiche gegenüber getreu zu erfüllen. Glaubt man etwa, daß Bayern sich gutwillig einem Reichskommissar fügen würde? Man müßte in Berlin doch ein Empfinden dafür haben, welch einen gewaltigen Widerspruch man bei dem ganzen bayerischen Volk erfahren würde. Warum kommt der Reichskanzler Hitler nicht einmal mit einer Erklärung, die Süddeutschland beruhigen könnte? Warum rückt er als der verantwortliche Staatsmann nicht von dem unverantwortlichen Gerede ab, durch das ganz Süddeutschland in so ernste Unruhe versetzt wird? Statt dessen hört man nur Drohungen. Man droht uns z. B. damit, daß die Kraft der Reichshoheit auch zu Maßnahmen in Süddeutschland ausreiche. Wir machen uns über diese Dinge ernste' Sorgen, aus denen heraus uns die Fackelzüge und Siegesfeiern wie eine Fastnachtskomödie erscheinen. Was unser Volk braucht, ist Ruhe, Brot und Ar- beit. Die Voraussetzungen dafür schafft man aber nicht dadurch, daß man einen Volksteil mit Ausrottung bedroht, daß man die Länder zum Widerspruch herausfordert und alle vorhandenen Schwierigkeiten noch erhöht.
Eine Held-Hede in Bamberg.
Bamberg, 25. Febr. (ERB. Funkspruch.) Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held betonte in einer Versammlung der Bayerischen. Volkspartei, daß auch der politisch organisierte katholische Lolks- teil Deutschlands durchaus national gesinnt sei. Dr. Held unterstrich, daß er von jeher eine entschiedene Rechtspolitik vertreten habe. Auch die Bayerische Bolkspartei verlange volle Gleichberechtigung in der Abrüstungsfrage. Wie sie den Frieden wolle, so wolle sie auch für Deutschland die Machtmittel und die Wehrhaftigkeit, damit sich Deutschland im Falle der Not und Gefahr mit eigener Kraft fremden Angriffen entziehen könne.
Rach polemischen Auseinandersehungen mit verschiedenen Maßnahmen der Reieysregierung erklärte der Redner, es sei ganz gleich, welchen Ramen ein Kabinett führe. Man müsse sichzu - sammenfinden wollen, um mit einander zu arbeiten und das deutsche Elend zu bannen suchen. Aber er müsse sagen, es sei verhängnisvoll zu glauben, man könnte gegenteilige Meinungen durch Gewalt unterdrücken. Bayern halte nicht deswegen am eigenen Staate fest, weil es nicht über die Grenzen sehen könne, sondern weil es der Meinung sei, daß das Prinzip des Föderativstaates dem deutschen politischen Bilde entspreche. Bayern könne keine Vormundschaft ertragen, wenn es auch damit keine Drohung aussprechen wolle. Bayern werde aber wissen, wie es seine Freiheit zu schützen habe. Wir lassen der Reichsregierung ihre Rechte, wünschen, daß sie davon einen möglichst guten Gebrauch mache, und wollen sie bis zum letzten unterstützen.
Eine Mahnung an Bayern.
Düsseldorf, 23. Febr. (CNB.) Die „Düsseldorfer Nachrichten" schreiben: Der bayerische Löwe erhebt seine Stimme augenblicklich allzu laut. Nicht daß man dem zweitgrößten Bundesstaat des Reiches, dessen föderalistische Grundgesetze anerkannt bleiben und von niemand angetastct werden sollen, das Recht bestritte, in dem Kampfe der Meinungen und Anschauungen, um die es heute mehr geht als je, sich zu äußern oder zu wehren, falls er sich in seiner Stellung bedroht oder benachteiligt fühlt — d i e Form dieser Abwehr scheint leider geeignet, gerade im Auslande Wirkungen zu erzeugen, die auch in München sicherlich nicht gewollt werden. Schließlich handelt es sich um inner- politische Auseinandersetzungen, zu deren Regelung auch ein anderer Weg gefunden werden könnte als die öffentliche Behandlung in Volksversammlungen, in denen die verantwortlichen Lenker der bayerischen Politik sich so gebärden, als gebe es keine Brücken mehr über den Main und der Staat Bayern befände sich bereits in einem offenen Derfasfungskriege mit dem Reich und mit Preußen. Ein solches Auftreten erweckt peinliche Erinnerungen an 1866 und bestärkt dos uns mißgünstige Ausland in Vermutungen und Wünschen, die sich keineswegs im Sinne des deutschen Einheitsgedankens bewegen. Mit dieser Versammlungspolitik ist der deutschen Sache, um die es uns allen, im Westen wie im Osten, im Norden und im Süden, gleich aufrichtig zu tun ist, f e i n g u t e r Dienst erwiesen worden. Nach wie vor ist Deutschland von Feinden umgeben, die nur ihre Methoden, ober nicht ihre Gesinnung geändert haben und in jedem unüberlegten Wort, in jeder mißverständlichen Handlung ein Zeichen der inneren Uneinigkeit und neue Keime der Zwietracht erblicken, auf die sie ihre Hoffnungen setzen.
Deutsche Volkspartei und die Kampffront Schwarz-Weiß-Äot
Ein Brie wechsel Dmgeldeh—Papen.
Berlin, 24. Febr. (CRD.-Funkspruch.) Die Dokumente über d'.e Verhandlungen zur Bildung einer b ü r g e r l i ch ° n a t i on a l e n Front berichten von einer im Anschluß an die Kabinettsbildung am 30. Ianuar und die Auflösung des Reichstages erfolgte Besprechung des vviksparteilichen Darte.führers Dingel- d e y mit dem Vizekanzler v. Papen am 2. Februar. Der Inhalt dieser Besprechung wurde in einem Brief Dingeldeys an den Vizekanzler vom 4. Februar bestätigt, in dem es u. a. heißt: „Auch nach Ihrer Tieberzeugung ist es die selbstverständliche Aufgabe der gegenwärtigen politischen Situation, alle auf nationalem Boden stehenden erreichbaren bürgerlichen Kräfte zusammenzufassen, und den in ihnen verkörperten wirtschaftlichen und staatspolitischen Auffassungen ein genügendes Cewicht bei der kommenden politischen Entwicklung zu sichern. Auf die Frage, ob die Deutsche Bolkspartei grundsätzlich bereit sei, zu diesem Zweck im kommenden Wahlkampf an der Bildung eines großen national-
bürgerlichen Blockes unter Verzicht' auf alle parteipolitischen Sonderheiten mitzuwirken, habe ich Ihnen geantwortet, daß ein solches Ziel den Ideen der Deutschen Vollspartei durchaus entspricht, daß die Erreichung dieses Zieles aber selbstverständlich zur Voraussetzung habe, daß alle national-bürgerlichen Gruppen, also auch die Deutschnationale Volkspartei sich in diesem Block unter Verzicht auf irgendwelche Prestigeforderungen e i n f ü g e n."
Die deutschnationale Pressestelle habe am 8. Februar in einer Rotiz an die Presse darauf hingewiesen, daß wegen der kurzen Fristen, die bis zur Einreichung der Liften noch gegeben seien, die Möglichkeiten eines Zusammengehens mehrerer Parteien auf einer Liste nicht mehr in Frage komme. Nachdem inzwischen am 10. Februar die Kampffront Schwarz-Weih-Rot gegründet worden war, richtete, wie es in den volksparteilichen Dokumenten weiter heißt, der Parteiführer Dingel- dey am 18. Februar ein neues Schreiben an den Vizekanzler v. Papen, in dem er zunächst um Beantwortung seines Briefes vom 4. Februar bat und weiter Verwahrung gegen die Behauptungen einlegte, daß die Bildung einer national-bürgerlichen Einheitsfront an den übertriebenen Forderungen der Deutschen Volkspartei gescheitert sei.
Am 21. Februar gab Vizekanzler v. Papen dem Führer der Volkspartei Dingeldeh eine Antwort, in der es u. a. heißt: Ich darf Ihnen noch einmal bestätigen, daß unser gemeinsamer Wunsch, auch die Deutsche Volkspartei in den großen Block der Kampffront Schwarz-Weiß Rot einzubeziehen, lediglich gescheitert ist an der technischen äln möglich leit, innerhalb der wenigen zur Verfügung stehenden Tage eine Vereinbarung über gemeinsame Listen zu erreichen. Richtsdestoweniger gebe ich mich der Hoffnung hin, daß die Deutsche Volkspartei im Rahmen der nationalen Front positiv mit wirkt und daß wir insbesondere für die Zeit nach den Wahlen zu einem geschlossenen Einsatz aller nationalen Kräfte gelangen.
Der Reichswahlvorschlag der NSDAP.
Mü n d) e n, 24. Febr. An der Spitze des Reichs- wahloorschlags der NSDAP, steht Reichskanzler Adolf Hitler. An zweiter Stelle folgt Reichsinnenminister Dr. Frick, an dritter Reichsminister ©oering, 4. Dr. Goebbels, 5. Generalleutnant a. D. Ritter von Epp, 6. Hauptschriftleiter Rosenberg, 7. Graf Reoentlow, 8. S t o e h r , Handlungsgehilfe, 9. Heß, Privatsekretär, 10. Amann, Derlagsdirektor, 11. Schwarz, Derwaltungsoberinspektor, 12. B o u h l e r , Reichsgeschäftsführer, 13. Esser, Schriftleiter und Stadtrat, 14. Hierl, Oberst a. D., 15. Buch, Major a. D., 16. H i m m l e r, Dipl.-Landwirt, 17. Dr. Frank II, Rechtsanwalt, 18. Klagges, Staatsminister, 19. Feder, Dipl.-Ingenieur, 20. von Levetzow, Kontreadmiral a. D., Polizeipräsident von Berlin, 21. v. Pfeiffer, Hauptmann a. D. Die Reichsliste enthält im ganzen 41 Namen, darunter an bekannteren noch Dipl.-Landwirt 2) a r r 6, Professor Schulze- Naumburg, Baldur von Schirach und Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont.
Oie (Stuttgarter Kanzterrede.
Berlin, 24. Febr. (WTB) Zu der Störung der Stuttgarter Rundfunkrede des Herrn Reichskanzlers am 15. Februar teilt das Reichspost- m i n i ft e i u m amtlich mit: Die Untersuchung hat ergeben, daß die Maßnahmen des Telegraphenbauamtes Stuttgart zur Sicherung der Rundfunküber- tragungsleitung nicht ausgereicht haben. Das beteiligte Personal des Bauamtes ist z u r e ch t - gewiesen und der verantwortliche Amtsvorsteher Oberpostdirektor M ö s s i n g e r aus dienstlichen Gründen auf ein anderes Amt versetzt worden. Gegen den Referenten der Oberpostdirektion Stutts gart Postbaurat Feucht und den technischen Betriebsleiter des Südfunks Dr. K o f e s hat die
Untersuchung nichts Belastendes ergeben. Beide haben ihre Dienstgeschäfte wieder ausgenommen.
/ Hilfspolizei in Preußen.
Ein Erlaß Görings über Einberufung und Verwendung von.^ilfspol zetkräften.
Berlin, 24. Febr. (WTB.) Amtlich. Lieber die Einberufung und Verwendung von Hilfspolizei ist vom Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern folgender Erlaß ergangen:
„Die zunehmenden Ausschreitungen von linksradikaler, insbesondere kommunistischer Seite haben zu einer unerträglichen ständigen Bedrohung der öffentlichen Sicherheit, wie des Lebens und Eigentums der staatsbewußten Bevölkerung geführt. Die vorhandenen Polizeikräfte, deren ausreichende Vermehrung zur Zeit nicht angängig ist, werden seit> langem über ihr Leistungsvermögen beansprucht und durch die häufige Notwendigkeit des Einsatzes außerhalb der Dienstorte ihrem eigentlichen Tätigkeitsgebiet oft zur Llnzeit entzogen. Auf die freiwillige Llnterstützung geeigneter, als Hilfs- p o l iz e i b e a m t e r zu verwendender Helfer kann daher rm Rotsalle nicht mehr verzichtet werden. Ausgabe der nur unter Führung der ordentlichen Polizei einzusetzenden Hilfspolizei wird insbesondere sein:
1. Die Entlastung der ordentlichen Polizei a\ durch Unterstützung bei dem Schutz politisch e r V e r s a m m l u n g e n und Auszüge sowie b) bei der Sicherung von lokalen und anderen Einrichtungen politischer Organisationen, c) bei Absperrungen und ilnterstühung der Landjägereistreifen.
2. Im Falle von Llnruhen oder eines anderen polizeilichen Rotstandes a) die allgemeine Unterstützung der ordentlichen Polizei, b) die Lleberuahme des Schuheslebens- wichtiger Betriebe sowie wichtiger int öffentlichen Eigentum stehender oder dem öffentlichen Rutzcn dienender Gebäude, Einrichtungen und Anlagen."
Ergänzend sei noch bemerkt, daß zu Hilfspolizei- bcamten nur ehrenhafte, wahlberechtigte. a u f nationalem Boden stehende Deutsche verpflichtet werden dürfen. Die Hilfspolizeibeamten führen einen polizeilichen Ausweis und tragen an ihrer eigenen Kleidung, die auch dieTlniform vonVerbänden sein kann, als Abzeichen eine Weiße, amtlich gestempelte Armbinde mit j)em Ausdruck: Hilfs- Polizei. Sie stehen unter Führung von Polizeioffizieren und haben während der Dauer ihres Dienstes die Befugnisse und Pflichten von planmäßigen Polizei- und Landjägereibeamten. Die Bestellung von Hilsspolizeibeamten bedarf — mit Ausnahme von Berlin, wo der Minister des Innern entscheidet — der Bestätigung des Regierungspräsidenten. e
Oie Brüder Rotter in Liechtenstein.
V a d u z , 24. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein bittet um Verbreitung folgender Mitteilung: Es wird den LiechtensteinischenBchörden in ausländischenBIät- tern der Vorwurf gemacht, daß d i e Berliner Theaterdirektoren Brüder Rotter (richtig Schaie) sich unbeanstandet in Liechtenstein aufhalten könnten, obwohl in Deutschland ein Strafverfahren gegen sie eingeleitet sei. Demgegenüber wird ausdrücklich feftgestellt, daß bisher eine Handhabe zu einem Eingreifen seitens Liechtensteins nicht vorliegt, weil von den deutschen Behörden kein Antrag auf Strafverfolgung bei den Liechtensteinischen Strafbehörden eingegangen ist. Sobald ein solcher vorliegt, werden sich die Liechtensteinischen Gerichte mit dem Fall Rotter gemäß den bestehenden Gesetzen befassen. 3n Liechtenstein gilt das österreichische Strafgesetzbuch vom Iahre 1853, das in § 36 auch öie Bestrafung der int Auslande begangenen Straft aten eigener Staatsbürger vorschreibt.
Atelierfest in München.
Von Käte Brandel-Elschner.
5m finstersten Schwabing, Gartenhaus, fünfter Stock. Das Atelier ist sehr geräumig, aber es hat auch drei Bewohner. Einer allein kann die enorme Miete von 33 Mark im Monat nicht aufbringen.
Zuerst wohnten nur Franz und Pepi dort. Doch sie bekamen immer Auseinandersetzungen wegen der Miete. Aus diesem Dilemma rettete sie der Schriftsteller Maurus Lcopoldinger, der aus hier nicht erwähnbaren Gründen plötzlich obdachlos geworden, als Dritter das Atelier bezog. Nun ist die Miet- fumme restlos durch drei teilbar. Jeder bleibt monatlich 11 Mark schuldig. Endlich herrscht Ordnung in den Finanzangelegenheiten.
Zu dem bevorstehenden Faschingsfest hatten die drei Freunde Einladungskarten verschickt, schöne bunte Kartenstückchen. „Die Räumlichkeiten werden auf Wunsch geheizt" stand darauf geschrieben. Was für Eingeweihte bedeutet: es sind einige Scheiter Holz mitzubringen!
Nach fieberhafter Tätigkeit prangte das Atelier in festlichem Schmuck. Die schrägen Fenster wurden mit schwarzem Papier überklebt, „denn es ist zu desillusionierend", hatte der Franzi gemeint, „wenn es mitten im schönsten Fest draußen anfängt, hell Zu werden!" An einer Schnur baumelten bunte Lampions, fabelhafte Gemälde auf —ismus be- deckten die Wände, die einzige Sitzgelegenheit, der Stolz des Hauses, ein Riesendiwan, nahm sich geradezu prunkvoll aus unter Decken und Kissen.
„Speisen und Getränke sind mitzubringen", ist ein alter Grundsatz bei internen Schwabinger Festen. Trotzdem taten die Gastgeber ein klebriges und stellten eine fast neue Kaffeemühle und einen Spirituskocher auf.
Während sich Maurus von oben bis unten schwarz angemalt hatte, der Franzi sich mühte, an sein kurzes Trainingshöschen grüne Pleureusen aus Seidenpapier zu nähen und der Pepi noch schimpfend im Malerkittel umherrannte, tarnen schon die ersten Gäste.
Die kleine Fanny erschien als Odaliske mit unten eingekräuselten, von ihrem Bruder ausgeliehenen Pyjamahosen. Sie langte sich einen Seidenschai von der Wand und band ihn zur Vervollständigung ihrer Maske als Schärpe um. Dann kümmerte sie sich energisch um die Heizung, denn im Ofen glimmte kläglich ein letztes Brikett.
Niemand versuchte hinter den neu erscheinenden Masken einen Sinn zu suchen. Wo die Kleidung nicht ausreichte, war Die Haut bemalt. Wozu war
man Künstler, wenn man nicht aus der Tischdecke seiner Wirtin das schönste Kostüm Herstellen konnte!
Die mitgebrachten Kalbshaxen und Regensburger, der Leberläs und die Ripperln wurden ausgetauscht, die Flaschen gemeinsam geleert. Das Grammophon spielte unerschütterlich dieselben Sachen, denn das ganze Repertoire bestand aus drei Platten, von denen bei einer die Kehrseite nicht mehr zu gebrauchen mar.
Die Kaffeemühle ging herum. Jeder arbeitete fein Teil. Als der „Mokka" seinen Duft verbreitete, zählte man 27 Gäste, und auch das war wieder eine gute Zahl, da genau neun Tassen da waren und so in drei Serien serviert werden konnte.
Man tanzte, man sang, man sonnte sich kinder- gläubig in den ewigen Künstlerträumen von Erfolg und Ruhm. Jeder versprach dem andern das Blaue vom Himmel, wenn ... wenn ich mein Buch anbringe, ... wenn ich das große Bild verkaufe, — wenn ich erst meine Villa habe — und den Mercedes. —
Wenn der Glaube nicht wäre, der unverbrüchliche Zukurftsglaube! Heute ist jeder überzeugt, daß gerade ihm das Glück hold fein wird, daß feine Arbeit ihn einmal doch herausreiben wird aus der Masse mittelmäßiger Bürger ...
Kulturgeschichte,in Pillen gedreht.
Don Peter Peppermim.
Die Idee der Iunggesellensteuer hat nicht etwa den Reiz der Neuheit. Friedrich Wilhelm I. von Preußen verhängte eine Iungfernfteucr, der jedes junge Mädchen über zwanzig Iahre so lange unterlag, bis es einen Mann gefunden hatte. Die Steuer war nicht unproduktiv: die Zahl der Eheschließungen und dec Geburten stieg tatsächlich.
Ein Rundfunkansager in Philadelphia lieh sich vor einiger Zeit seinen Strohhut hoch versichern. Der Grund dafür lag in der Tatsache, daß auf der Krempe dieses Panamahutes die Autogramme von Dempsey, Valentino, Hoover, Suzanne Leng- len und anderen Berühmtheiten verzeichnet waren.
In Bukarest gibt es ein Kopfmuseum, in dem sich etwa 40 Köpfe enthaupteter Banditen in Spiritus befinden.
Der Mäufeturm in Dingen: na, das ist ja wohl schan allgemein bekannt, daß er mit Mäusen gar nichts zu tun hatte. Vielmehr saßen dort die Zollbeamten, denn es war ein Mauthturm.
Mauth bedeutet Zoll. Mäuse gab es vi:ll richt auch darin, aber nach ihnen ist er bestimmt nicht genannt.
Ein Student in Amerika schrieb 600 Worte auf die Rückseite einer Briefmarke.
Der erste Elefant — ein indischer — wurde in Deutschland im Iahre 1443 gezeigt. Er wurde auf der Frankfurter Messe zur Schau gestellt. Es ist aber anscheinend fast ein Iahrhundert vergangen, bis derartige Schaustellungen häufiger wurden. Erst 1532 hören to t wieder von einem Exemplar auf der Breslauer Iohannismesse. 1607 taucht einer in Hamburg auf.
Ein sonderbares Testament tauchte im Iahre 1904 auf. Da starb in einer isländischen Kleinstadt ein altes Fräulein, das keine Erben hatte. Bei dec Testamentseröffnung stellte sich heraus, daß sie über eine halbe Million Mark besessen hatte, die sie ifj.ee Heimatstadt für den Bau einer Kirche zur V.rsügung stellte. Allerdings wat daran die Bedingung geknüpft, daß ih.4 Asche in den Mörtel gemischt werde, der zum Bau der Kirch n.nauern verwendet werden würde. Man soll das Geld tatsächlich genommen und die Bedingung erfüllt haben.
Die Haarnadel taucht in der deutschen Literatur aum ersten Male im Iahre R68 auf. In der damals erschienenen „Iungfernanatomie" von Amandus Sincerus heißt es:
„Das H car muß zimperlich von beidenSeiten hangen. Damit man nicht zu sehr sieht ihre Silberwangen. Da sieht man ohne Zahl ein Haussen Nadelspitzen An dem geputzten Kopfs fein aneinander sitzen: Ein ganzer Nadelbriefs der muß vrrstochen sehn, SechsStundenmüssenauckzumKopff-Gebindeseyn."
Die Ritterrüstung Gotzens von Berlichingen wird noch heute in der Burgruine Hornberg gezeigt.
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3n einer Dmterhaltungszeitschrift vom Iahre 1853 ist zu lesen, daß ein gewisser Stadtsekretär Wolff in Braunschweig zugleich auf Bestellungen Gelegenheitsgedichte lieferte. So z. B. einem Kaufmann für ein Transparent anläßlich einer Illumination zu Ehren des Herzogs, wo er dichtete:
..Das Haus der Welfen soll grünen und blüh'n! Hier ist ein großes Tuch-Magazin.
Durchlauchtigster Herzog! Belohne die Treu älnd reiß alle Tag ein Paar Hosen entzwei!"
Rangliste der Patienten.
Der englische Zahnarzt I a m e s teilt seine Besucher in drei Kategorien ein: 1. in Nervöse, denen man gut zuredcn muh, an denen man nur kurze Zeit arbeiten und die Maschine wenig benutzen soll, 2. in Hysterische, denen man mit Strenge entgegentreten muß und bei denen man nicht viel reden darf, 3. in Neugierige, denen man mit der größten Schweigsamkeit begegnen soll. Eine andere Einteilung hat Dr. E. Heinrich in der „Deutschen Zahnärztlichen Wochenschrift" vorgenommen. Er unterscheidet: 1. Gleichgültige, die nur dann zur Behandlung kommen, wenn die Schmerzen sie dazu zwingen. Sie machen meist nur unvollständige Angaben, und es ist schwer, aus ihnen herauszubekommen, was man wissen will: sie find im allgemeinen nicht ängstlich. 2. Gewissenhafte, die regelmäßig ihren Zahnarzt auf such :n, jede Veränderung an ihrem Gebiß bemerken, klare ausführliche Berichte geben, s'ch für alle Einzelheiten der Bebandlung interessieren und ihre Angst zu beherrschen^ verstehen. 3. Tatmenschen, meist besonders kräftige Erscheinungen, auch beim weiblichen Geschlecht die sich mitunter als recht feige erweisen, alles besser wissen wollen und kurze energische Antworten geben. 4. Aengftliche, die nur dann zur Behandlung kommen, wenn sie es vor Schmerzen nicht mehr aushalten. Ihre Krankheitsberichte sind in der Regel unklar, hastig und zeigen die große Angst, die sie haben ...
Zeitschriften.
— Alexander Kochs „Handarbeiten aller Art", Einzelhe't 18) Mk, V erielsahrspreis bei sechs- wöchentlichem Erscheinen 3,00 Mk. Verlagsanstalt Alexander Koch, Stuttgart. Eine Spitze — welch Traumgebilde von Duft und Phantasie! In Italiens alter Spitzenftadt Santa Margherita und in einer unter Leitung von Wenter Marini errichteten Schule in Cantu sind sie zu neuem Leben erblüht. In neuen Formen, neuen Mustern, ganz neu zusammengestellten Techniken (mitunter Verbindungen von Häkel-, Klöppel- iknd Räh- spitze) zeigt die Zeitschrift Kragengarnituren. Decken und Deckchen vielfältigster, reizvollster Art. Weniger geschulte Hände aber ftnden reiche Auswahl in schüchteren, wienerisch geschmackvollen Häkel- und Tüllarbeiten, oder auch in fürs Kinderzimmer bestimmten Kreuzsticharbeiten.


