Ausgabe 
25.2.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupifladt.

Zfalienifche Ehrung

-er Universität Giehen.

Don der Pressestelle der Landes-Universität wird uns mitgeteill:

Fräulein Dr. P a c i n i, Lektor für italienische Sprache an der Universität Gießen, überreichte Deiner Magnifizenz dem Herrn Rektor eine kunst­volle Plakette mit folgendem Schreiben:

Im Rainen der italienischen Regierung und im Auftrag des italienischen Generallonsu's in Frank­furt a. M. habe ich heute die ho)e Ehre, Eurer Dlagnifizen; das Bild der Göttin Roma zu über­reichen, das heilige Symbol eines Volkes, das in seinen ältesten kulturellen und politischen Tradi­tionen das Selüstbewuhtsein seines Wertes wie­dergefunden hat.

2eom, das sogar In den schwersten Jahren sei­ner Geschichte der ganzen Welt den Schatz seiner altüberlieferten Kultur bereitwillig öffnete, bringt heute, stolz auf seine national-kulturelle Wieder­geburt, selbst über Alpen und Meere den Ruhm seine- Ramens und das ewig leuchtende Licht je­nerhumanilas, der Gott keine Grenzen setzte."

Die wertvolle Plakette hat ihren Platz an be­vorzugter Stelle im Romanischen Seminar er­halten.

Spende für die Wrnternothilfe.

Don der Geschäftsstelle der Gießener Winternot- hil/e wird uns folgende neue Spende gemeldet:

Theodor Loos, Kirchenplatz 13, einen Posten Textilwaren als 3. Rate.

Wahlversammlung der NSDAP.

Die Ortsgruppe Gießen der RSDAP. hielt am Donnerstagabend im Cafe Leib eine Wahlkund- aebung ab. Aus Franksurt wurde zunächst die Rede des Reichskanzlers Hitler durch Laut­sprecher übertragen uno mit lebhaftem Beif..ll aus­genommen.

Sodann sprach Reichstagsabgeordneter Ober­lindober, München, üder das Thema:Mit Hiller aufwärts". In der Gegenwart müsse man sich desGestern" erinnern, jener Zeit, in der der zurückkehrende Soldat empfinden muhte, daß feine Tat schnell vergessen wurde, in der man den Weltfrieden gekommen glaubte, den Feind abgerüstet wähnte. Run aber müsse man erle­ben, daß der Feind in Waffen starre, während sich der Deutsche entmannt habe und unter dem Druck feindlicher Flugzeuge glaube, Erfüllungs- Politik treiben zu müssen. Jetzt aber sei die Ju­gend ausgestanden, um den Kampf zu führen ge­gen undeutsches Wesen. Das deutsche Doll, das vier Jahre lang die ungeheuersten Opfer an Gut und Blut Gebracht habe, sei nur dadurch nieder- ^uringen gewesen, daß man ihm undeutsches We­sen unter der FirmierungZeitgeist" aufdrängte und die Familie zu zerstören versuchte. In der Zeit schwersten moralischen Zusammenbruches hät­ten sich aber viele junge Menschen zusammen­gefunden, die unbeugsamen Willens an die Zu­kunft glaubten und eines Willens seien, wie er sich in Hitlers Rede dokumentierte. Aber zu sei­ner Freiheit müsse das Dolk auch selbst etwas tun. Es gelte herauszutreten aus unpolitischer Larcheit. Die zwei Millionen deutsche Tote im Weltkrieg seien erst dann wahrhaft geehrt, wenn die Gegenwärtigen die Derpflichtungen der Toten übernommen hätten.

Die Toten des Weltkrieges hätten verdient, daß man ihre Hinterbliebenen schütze. Seit der ülebernahme der Kanzlerschaft verlange man von Hitler, daß er in 14 Tagen daS Geschick des Dolles wende, das sei unmöglich. 14 Jahre habe Riedertracht geherrscht, und es gebe kein Gericht, um das wiedergutzumachen, was in 14 Jahren verdorben worden sei. In diesen Tagen sei nun begonnen worden, Wandel zu schaffen. Hitler hätte schon im Juli Kanzler des Reiches sein können, wenn nicht das «Zentrum dagegen ge­wesen wäre. Das Zentrum werde aber am 5. März bekennen müssen, ob es für oder gegen das deutsche Doll sei. Das Zentrum schwinge das Schwert gegen eine Regierung, die mehr Christen­tum geübt habe, als je eine Regierung zuvor. Kein Kultusminister habe es früher gewagt,

gegen asiatisches Antichristentum aufzutreten. Aust sei es Vorbehalten, die Verhältnisse zu ändern. Mit dem nationalen Teil des Zentrums werde man sich verständigen können, mit dem anderen aber nie. tz) zum 5. März werde man wieder viel Lüge über die RSDAP. ausschütten, aber die Partei werde ihren Kampf mit unbeug-' samem Willen fortführen. Im Osten habe sich eine Arbeiter- und Dauernrepublik iülSSR.) gebildet, in der deutsche Arbeiter ein Arbeiter­paradies vermuteten, und die den gleichen Zu­stand in Deutschland erhofften. Sie erwarteten aber vergeblich Desserung von sowfetrussi^chen Verhältnissen. Man werde dem Dolschewismus mit aller Energie entgegentreten, und die deutsche Jugend werde mit jenen Kräften fertigwerden. Die rote Flut müsse abgehalten werden, die gesamte Vol'straft müsse als lebendige Mauer dagegen aufstehen. Es komme die Stunde, wo

Wählerliste einsehens

Die Liste liegt bis einschl. Sonntag, 26. Februar, auf. Einzusehen in Gießen, Stadthaus Bergstraße, Zimmer 14, werktags von 8 bis 13 Uhr und 15 bis 13.31 Uhr, Samstags von 8 bis 13 Uhr, Sonntag von 9 bis 13 Uhr.

Wichtig für Insassen vom Arbeitsdienstlagern.

Die Insassen von Arbeitsdien st lagern, die sich bei der Gemeindebehörde ihres letzten Aufenthaltsorts abgemeldet haben und in der Gemeinde des Arbeitsdienstlagers nur als Fremde mit vorübergehendem Aufenthalt geführt werden, können sich in die Stimmliste der Ge­meinde des Arbeitsdienstlagers aufnehmen lassen, wennfic in der Stimmliste ihres letzten Aufent­haltsorts gestrichen sind. Die Insassen von Ar- beitsdiensttagern, die in der Stimmliste ihres letzten Aufenthaltsorts weitergesührt werden, müssen sich von der Gemeindebehörde dieses Orts einen Stimmschein ausstellen lassen, wenn sie am Wahltag nicht in der Lage sind, am letzten Aufenthaltsort ihr Wahlrecht auszuüben.

sich jeder zum Kampf stellen müsse, jeder müsse sich zu opfern vermögen, wie der Soldat des Weltkrieges. Die Jugend müsse im Geist der neuen deutschen Jugend in wehrhaftem Sinne er­logen werden. Das deutsche Volk müsse wieder deutsch werden, dann sei schon viel erreicht. Ziel sei, dem deutschen Dolle neue Lebenskraft und neuen Lebensraum zu geben, damit die Kinder einst ein Daterland haben. (Lebhafter Deifalll)

Bornotizen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird urs geschricbm: H.ute, 20.15 ÜIHr, allster Abonne­ment zu kleinen PreisenGroßes Zirkus-Ka­barett". Ende 22.30 Tlhr. Sonntag, 26. Fe­bruar, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten OperettenpreisenIm weihen Rößl". Vor- zugsgutscheine und Schülerkarten haben Gültig­keit. Anfang: 18.30 illjr; Ende: 21.30 Ahr. An- schließend um 22.15 Ahr mit vollkommen neuem Programm unter Wolfgang Kühnes künst­lerischer LeitungRachtkabarett" mit verstärktem Jazz-Orchester (Kapellmeister M o e h l). Ende nach 24 Ahr. Montag, 27. Februar, außer Abonnement einmalige Wiederholung desGro­ßen Zirlusiabaretts". Ende 22.30 Ahr. D enstag 2d. Februar, zum erstenmal der Schwank:Da stimmt was nicht" von Franz Arnold. Spiel­leitung: Heinrich Hub. 21.Vorstellung im Diens­tag-Abonnement. Don 20 bis 22.30 Ahr.

Eine WahloersammlungderEiser- nen Front findet heute, Samstag, 18 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten statt: Redner Philipp Scheidemann. Der Versammlung soll um 17 Uhr ein Wcrbemarsch durch die Stadt voraus­gehen.

Geschichten ans aller

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Felix der Bitter.

w. Neuyork.

Es ist kein Druckfehler, sondern traurige Wahr» hell Pat Sullivan, der amerikanische Zeichner, ist hier vor ein paar Tagen der tückischen Grippe erlegen. Er hat ein Alter von nur 43 Jahren er­reicht.

Sein Name, der den meisten Europäern vielleicht nichts sagen wird, ist unlöslich mit seiner Figur des stummen Filmes verknüpft, die noch lange, lange Zeit in Gedanken der ganzen Welt ihren Erzeu­ger überleben wird: Felix der Kater, jenes hold­selige Geschöpf aus den Bezirken des Trickfilmes.

Es gab eine Zeit, da konnte man nicht ein ein­ziges Mal ins Kino gehen, ohne im Vorprogramm Zeuge der verschiedenen tragischen amourosen Aben­teuer jenes Felix zu werden, die zum Glück nach kurzer Zeit unter phantastischen Umständen immer 0ut ausliefen. Das war auch weiter kein Wunder, denn Felix war nicht aus dem Leben entsprungen, nicht dem Leben entlehnt oder nachgebildet, sondern durch und durch ausgedacht. Und als Märchengestall hatte er ja gewissermaßen ein Anrecht darauf, daß es ihm ^zum Schluß" gut ging ...

Felix jedenfalls war lange Jahre hindurch eine geheime Lieblingsgestalt von uns allen. Wie alle ^ilmhelden, die einen gewissen Grad von Promi­nenz haben, würde er schnell Aum Begriff, zum Fetisch. Hunderttausende von Felixen aus Holz, mit einem langen, beweglichen Schwanz in Scharnieren kamen auf den Markt und beschützten manches Auto. Dann aber kam ein Tag da wandte sich die allgemeine Gunst von Felix ab. Man hatte ein geheimes Gebrechen an ihm entdeckt, das man ihm, dem gefeierten Star von gestern, heute auf einmal nicht verzeihen wollte. Felix, müssen Sie wissen, war stumm. U?d seine Nachfolgerin, Micky Maus, konnte nicht nur sprechen, sondern auch fingen und mit den Zahnen klappern ...

Felix ist bald darauf gestorben an gebroche­nem Herzen und mangelnder Rentabilität. Sein Erfinder Pat Sullivan hat ihn nur um wenige 2ahre überlebt. Wenn er jetzt auch das Zeitliche gesegnet hat, bann betrauern wir in ihm nicht nur Felix den Vater, sondern auch den Vater des Trick­zeichenfilmes im Großen, von dem er während

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seines jungen Lebens eine Quantität gezeichnet hat, die bestimmt, aneinander gelegt, von Neuyork bis Boston reichen würde ..

Tcr höfliche Einbrecher.

a. London.

Dcr Vater hob seinen Zeigefinger.Mein Sohn", so sprach er,vor allem eins: sei höflich. Richts in der Well macht sich besser bezahlt. Gib den Menschen keinen Anlaß zum Mißtrauen, sei freundlich, dann steht dir die Welt offen."

Dcr kleine Ereil hörte die Worte seines Da- ters. Sie gingen ihm durch und durch. Er schwor sich und ihm, sie nie in seinem Leben zu ver- gessen. Langsam wuchs er heran und erlernte, als es an der Zeit war, das ehrbare Handwerk dcs Fassadenkletterers.

Eines Rachts befand er sich auf einer dienst­lichen Tour. Er stand im Dunkeln unter dem Dallon eines Dürgcrhauses in Waysair, das verlockend aussah. Ein paar Klimmzüge, über­legte er sich, und das ganze wäre in wenigen Augenblicken gesch afft. Er gab sich einen Ruck, zog seine Aermel in die Höhe und begann, ge­schickt auswärtszutur rem

Tiefatmend stand er vor dem Fensterbrett des ersten Stocks. 2m Zimmer brannte noch Licht. Eine ältere Dame schickte sich gerade an, zu Dett zu gehen. Der Zufall wollte es, daß sie ge­rade in diesem Augenblick zum Fenster hinaus­schaute. Sie riß ihre Augen auf, als sie jenseits des Fensterrahmens eine dunlle Kontur bemerkte. Aber noch ehe sie einen gellenden Schrei aus- stoßen konnte, zog Cecll seine Mütze und sprach: Entschuldigen S e vielmals, gnädige Frau, es ist mir nicht aufgefallen, daß bei Ihnen noch Licht brannte. Ich wußte tatsächlich nicht, daß Eie gerade ins Dett gehen wollten. Wollen Sie mir bitte gütigst meine Zudringlichkeit vergeben."

Die Dame, sprach'os. teils vor Eck»ck über den ganzen Dorfall, te ls vor Acberr schunz we­gen der unerwarteten Höflichkeit des E-.^.cchers, ließ es dabei bewenden. Sie erstattete keine Anzeige. And es war eigentlich nur das beson­dere Pech Cecils, das ihn bei seinem Abstieg geradeswegs einer Polizeistreife in die Hände fallen ließ.

Seine Erklärung, er sei leidenschafllicher Hoch­tourist und hätte im flachen England nur eine kleine Hebung zu seinem Training abgehalten, wurde ihm leider nicht geglaubt. Aoer scynestttch gab der Amstand, daß bei ihm an diesem Abend nicht eine Spur von Diebesgut gefunden wurde, den Ausschlag. Das Gericht sprach ihn frei: es stellte sich auf den Standpunkt, daß Fassaden- Ilcttcrci nur dann strafbar sei, wenn der Klet­terer sie mit einem Diebstahl verbunden hätte.

So hat die weise Ermahnung seines Dakers dem höflichen Cecil im Leben etwas genützt ...

Um eine Fliege

(r) Amsterdam.

Wenn auch in der letzten Zeit bas Schicksal ber Sieben Provinzen" bas holländische Volk fast aus- schließlich in Atem hielt, jo hat darunter doch nicht bie übliche Berichterstattung der Preise aus ben Ko­lonien gelitten, wo ja auch noch andere Dinge pas­sieren, wie folgende Affäre, bie basSoerabaja- Handelsblad" meldet:

Da gerieten in einem Dorfe bei Soerakarta (Ja­va) zwei Eingeborene auf ber Straße plötzlich in einen Wortwechsel, ber halb in Tätlichkeiten aus­artete, und schließlich stach ber eine den anberen mit bem Messer tot.

Politische Meinungsoerschiebenheiten? Um einer Frau willen? Um eine Beleibigung zu rächen? Nichts von allebem. Wegen einer Fliege ...

Da gibt es nämlich auf Java unter ben Einge­borenen ein Spiel. Man hockt sich in die Sonne und [egt, jeder für sich, ein Geldstück auf den '.Ho­ben. Derjenige, auf besten Münze sich zuerst eine Fliege ober ein anderes Insekt niederläßt, darf bie Einlage des ober der anberen einstreichen.

Dieses Spiel hatten auch bie beiben Männer in diesem Falle gespielt. Zum Unglück jedoch setzten sich zwei Fliegen gleichzeitig auf beide Münzen, und dieser in ben Spielregeln nicht vorgesehene Zufall führte schließlich zu dem Morb.

Bei hinderte Tränen . .

(g) Paris.

In Frankreichs Derorbnungsblättern ist soeben ein neues Gesetz verkündet worden, bas von ber großen Qefsentlichkeit ganz unbeachtet blieb unb bennoch gerade zur rechten Zeit kam, um eine große Trä- ncnflut zu füllen. Gleichzeitig kann mitgeteilt wer­den, daß bas neue Gesetz zum ersten Male ange- manbt ist. Also es war bisher Sitte unb Gesetz, baß bie Kinder bis zu ihrem 25. Lebensjahr zum Standesamt in Frankreich mit ihren Eltern an­marschieren mußten. Ohne die Zustimmung der El­tern mar also, auch wenn das 21. Lebensjahr und damit bie Volljährigkeit erreicht war, eine Eheschlie­ßung unmöglich. Das Gesetz stammte noch von Na­poleon, ber der Auffassung war, daß man zum Heiraten gar nicht alt unb klug genug fein könne.

Um aber zu ber bewußten Geschichte zu kommen, Odette Chartier ist ein reizenbes Mädchen in St. Denis. Odette war in diesem Jahr zurrosifcre" gewählt worden. Dieserosibre" ist die alljährliche Wahl- und Tugendkönigin eines bestimmten Be- zirks, biesmal von St. Denis. Odette mußte sich also sehr gut geführt haben. Freilich ist mit der Wahl eine Bedingung verknüpft. Das tugenbfame Mädchen muß im Wahljahr heiraten, sofern es in den Genuß der Mitgift treten will, die in St. Denis von Dom Belloy und Fram-ieres ausgesetzt ist.

Die Zeiten sind schwer, und Mitgiften schneit es nicht vom Himmel. So schritt denn Odette bald nach

der Wahl am Arm ihres Armand dem Standesamt entgegen. Beide jung unb fröhlich. Die Freunde nicht minder gut gestimmt. Der Standesbeamte unb ber Sürgermeiitcr von St. Denis aber sahen mit scharfen Augen bas Paar an, kontrollierten bie Papiere unb bas Alter unb die Zustimmungen unb Zuckten bedauernd die Schultern. Ausgeschlossen eine Trauung wenn nicht die Zustimmung bes Vaters von Herrn Armand oorlag. Diese fehlte wirk lich. Die Braut Nel in eine wohltätige Ohnmacht. Der Bräutigam ließ ben Kopf hängen. Langsam schickte sich ber zum Trauerzug gewordene Freüdenzug an, nach Hause zu schleichen, als ein Hilfsschreiber ganz im Hintergründe einen Jubelschrei ausstieß.Es geht!" rief er,es gebt!* Er hatte, um sein eigenes Mitgefühl zu verbergen, im Gesetz- unb Verorb- nungsblatt geblättert, bas ber Briefträger eben ge­bracht hatte. Unb ba war er auf bie neue Verord­nung gestoßen. Es ging wirklich. Man holte bie Braut aus ihrer Ohnmacht unb ben Bräutigam von ber Straße zurück, traute sie, wünschte ihnen Glück unb entließ sie. Das Zustimmungsgejetz ist nämlich aufgehoben. Gibt es nicht manchmal ein Märchen im Alltag?

Ein Aßncnfchlotz für fitsten Lire.

(A. D.) R o m.

Das historische Kastell von Montemale bei Cu neo, italienisches Nationalbenkmal unb seit bem 12. Jahrhundert Feudalsitz der Grafen Saluzzo von Monterosso, kommt demnächst unter den Hammer. Der letzte Sproß dieses ruhmreichen Geschlechts, bas ein Herz im blauen Selbe im Wappen fuhrt, sucht sich von bem Schloß seiner Ahnen nebst dazugehöri gern mageren Weideland zu befreie;, weil cs ihm ein Einkommen von 30 Centesimi jährlich bringt. Deshalb sah sich Graf Manfred genötigt, fein Stammschloß abzudecken unb einen fchwunghalten Haube! mit Dachpfannen unb Sparren zu eröffnen. Die Bauern benutzten bie Ruine als Steinbruch, bie Vagabunben als Unterschlupf, und eis die Gläu­biger des Grafen den Wert des Schlosses von Sach­verständigen abschätzen ließen, setzten diese ihn aus ganze 10 Lire fest! Am Tage der Aultion fand sich trotz des lockenden Angebots kein einziger Käufer ein, so daß das Zioiltribunal von Cuneo sich ge­nötigt sah, den Auktionstermin auf ben 15. März festzusetzen. Wirb das historische .Kastell von Monte male nun einen Liebhaber finden? Die Bedingungen sind günstig: Der Auktionspreis beträgt sieben Lire, die Anzahlung ein Zehntel davon, also 70 Centesimi, und das Familiengespenst wird gratis mitgeliefert.

Preiswerte Lcihl^mp n flciäliifl?

(Avk) SB u b a p e ft.

Zeitgemäß-bequeme Ratenzahlungen reichen nicht mehr aus, bie Kaufkraft bes Publikums entsprechend zu steigern. Da tarn eine Budapester Lampenfabrik auf eine originelle Idee. Schließlich: Ohne Erleuch­tung mags ja gehen, aber ohne Beleuchtung kaum. Lampen muß der Mensch trotz aller Krise in feiner Wohnung Haden. Nun sollen junge Ehepaare, die sich den Kauf von neuen Beleuchtungskörpern vor­erst nicht leisten können, gegen eine minimale Miete Leihlampen" bekommen. Für nur 50 Heller (kaum 40 Pfennig!) monatlich werden Lampen aller Art imAbonnement" geliefert. Allenfalls ohne An­sprüche auf ein Eigentumsrecht, dafür ohne Raten Zahlung, nur gegen Leihgebühr. Die neuartige ,.Mehr-Licht"-Propaganda" der geschäftstüchtigen Fabrik soll einen durchschlagenden, einen wahrhaft leuchtenden Erfolg in Ungarn haben . .

Rundfunkprogramm.

Sonnkag, 26. Februar.

6.35 Uhr: von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Cho- ralblafen, veranstaltet von der Zentra.stelle für Kir­chenmusik dcr Evangelischen Landeskirche Franifurt (Main). 8.30: Evangelische Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Londeskiichr Franifurt a. M. 9.30: Stunde bes Chorgesangs. 10.30: WieOerholung der Rede des Herrn Reichskanzlers Adost Hiller vom 23. Februar in der Festhalle, Frankfurt a. M. 11.30: von Leipzig: Reichssendung Slanrate von Joh. Seb. Bach. 12: Mannheim: Unterhaltungskonzert. 13: Konzert. 14.10: Stunde des Landes. 15: Stunde dcr Jugend. 16: Schwäbische Volksmusik zusammengestellt von Gustav Garlich und Martin Lang. 16 55: von London: Konzert der B. B. C. Wireleß Military. 18: Heitere Balladen aus dem alten Wien von Franz Karl Ginzkey. 18.25:Von der Volksgemeinschaft und Freiheit des einzelnen", Gedanken zur Staatsform von Herbert Kanser. 18.50: Losung.Deutschland", eine Gemeinschaftssendung OstWcst. 19.35:Der Raub ber Sabinerinnen", ein luftiges Hörspiel. 20.50: Naß ober Trocken?, eine Faschingsidee bes Südwcst- funks. 22.20 bis 24: Faschingsabend.

Montag. 27. Februar.

7.30 Uhr: Frühlonzert auf Schallplatten. 12: Mit­tagskonzert I (Schallplatten). 13.30: Bach Saal in Düsseldorf: Mittagskonzert II bes Düsseldorfer Sym­phonie-Orchesters. 14: Mainz: Rosenmontagszug, Hörbericht. 16 20:Autorität und Freiheit", Vortrag von Dr. Leonore Kühn, Berlin. 17: Nachmittagskon­zert. 18.25:Der Himmcl im März unb April. Das unheimliche Kleine im unfaßbaren Großen", Vortrag von Professor Edm. Sittig. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19 30: Faschingskonzert bes Phil­harmonischen Orchesters Stuttgart. 20.30: Konfetti, eine bunte Faschingsfolge. 22.45: Tanzmusik ber Tanzkapelle ber Stuttgarter Philharmoniker. 24 bis 1: von Lonbon: Tanzmusik.

Dienstag, 28. Februar.

7.30 Uhr: Frühkonzert (Schallplatten). 10.10 bis 10.40 Uhr: Schu.funt: Das Forellen-Ouintett von Franz Schubert. 12: Mittagskonzert I bes Württem- bergijchen Tonkünstlerorchesters. 13.30: Mittagskon- zert II. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Nachmittag. 17: Nachmittagskonzert. 17.35 bis 18.15:Die Narren­fahrt ins Jahr 1933", eine Kölner Karneoalsfigung vor hunbert Jahren mit Musik, Gesang unb Tanz. 18.25:Gemeinverständliche Wissenschaft", Vortrag von Dr. Hermann von Müller, Breslau. 18.50: Trier: Die Verwitterung ber Bauten unb Denkmäler in Trier", Vortrag von Dr. Herzberg, Trier. 19.30: Cloclo", Operette in drei Akten, Musik von Franz Lehär. 21.30: Fasch ngs-Kehraus: Der große Wunjch- abenb bes Sübwcstfunks. 22.45 bis 24: Faschings- Kehraus.

Mittwoch, 1. März.

7.30 Uhr: Frühlonzcrt (Schallplatten). 10.20 bis 10.50: Schulfunk:Die Schleier fallen", Bilder aus der neuen Türkei; Leitung Manfred Marlo. 12: Mit- tagslonzerl I des Rundfunkorchesters. 13.30: Mittags- konzert II. 1515 bis 1615: Stunde der Jugend. 16.15: Zeitfunk: Schulkinder als Gäste der Stabt, ein Hörbericht aus ber stäbtischen Schulkinderspei­sung zu Frankfurt a. M. 17: Nachmittagskonzert des Rundfunkorch.fters. 18.25:Vereinigungsbestrebun- gen ber Kirchen", Vortrag von Pfarrer Rens Wallau.

18.50: Zeitfunk. 19.20: Feierstunde:Stirb unb Werde*. 20: Konzert des Rundfunkolchcsters. 21: Dichter, die wir kennen sollten, eine Folge von Ge­sprochen. Gefallene Dichter. 21.25: Johs. Brahms, ftammermufii. 22.35 bis 24 (ab 23 Deutschlandsender) Nachimusik bes Rundfunkorchesters.

Donnerstag, 2.

7.30 Uhr: Frühkonzert erwerbsloser Berufsmusiker. 9 bis 9.45: Schu.funt: Grenzland ist Notland, Grenz- lanb Schlesien. 12: Mittags.onzert I des Rundfunk Orchesters. 13.30: Mittags.onzert II. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Nachmittagskonzert. 18.25. Zum 10'chährigen Bestehen der Technischen Lehr­anstalten Offenbach a. M.:Eignung fürs Leben Kunst oder Handwerk". Gespräch zwischen Professor Dr. n. c. Hugo Eberhardt, zwei Mcisterschülern und Walter C. Hanitsch. 18.50:Das ßuftmeer Deut­sche Fliegerei im Jahre 1933", Vortrag von Max Geisenheyner. 19.20:Neues aus aller Welt", Vor­trag von Professor Dr. Walter Behrmann. 19.35: Wirbel der Notzeit: Bekenntnisse aus ber Krise. 20: von Berlin: Auf Veranlassung der N.ichsregierung Kundgebung im Sportpalast Berlin: Rede des Herrn Reichskanzlers Hitler. 21.15 (Deutschlandsender unb Kurzwellensender): Konzert bes Rundsun.orchisters: Symphonie Nr. II in Es=Dur op. 55 (Erolca) von L. van Beethoven. 22.15 bis 23 (Deutsch'anbsender bis 22.45): Unterhaltungskonzert bes Rundfunkorchesters.

Jreitag, 3.2Häq.

7.30 Uhr: Frühkonzert (Schallplatten). 12: Mit­tagskonzert des Rundfunkorchesters. 13.30: Mittags­konzert II. 17: Nachmittagskonzert:Eins ins an­dere . 18.25:Soll der Junge Kaufmann werden ?", Gespräch zwischen Arno Zacher unb H. Schmitt, Frankfurt a. M. 18.50: Vortrag von Herbert Kayser. 19.20: Selbstanzeige: Walter Bloem spricht über sein Hindetchurg-Buch. 19.30: Selten gehörte Arien. 19.50: Werktag: Die Woche unb bas Jahr, ein schwäbisch- alemannischer Bauernspiegel. 20 30: aus Zur ch, Genf und Lugano: Europäisches Konzert. 22 55: Neu­york:Worüber man in Amerika spricht", von Kurt G. Sell. 23.10: Nachtmusik.

Samstag, 4. IHärj.

7.30 Uhr: Frühkonzert (Schallplatten). 10.10 bis 10.40: Schulfunk: Musikalische Ballaben, Lsitung H. Rosbaub. 12: Konzert der Kapelle Carlo Ranfll. 13.15 bis 14 30: Mittagskonzert 11. 15.30 bis 16 30: Stunbe ber Jugend. 16.30: Besuch bei Frankfurts ältestem Bürger, Gespräch zwischen August Schnitz­spahn und Heinz Werner. 17: Nachmittagskonzert erwerbsloser Berussmusiker. 18.10: Stunde der Ar­beit:Können wir uns eine berufsständische Lohn­regelung Dorftellen?", Gespräch zwischen Professor Dr. Landauer und Kammersyndikus Spitz. 18 35: Der geplante Zusammenschluß ber südw.st^eutschen evangelischen Landeskirchen", Dreigespräch. 19: von Neuyork. Hörbericht über bie Parade und Feierlich­keiten anläßlich der Amtseinführung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin Roosevelt, von Kurt Sell. 19.30: Kammermusik. 20: non Königs­berg: Kundgebung im Haus der Technik: Rede des Herrn Reichskanzlers Hitler. 21.15: Freiburg:Der Zauberbaum", musikalischer Sckwank von Ehr. W. von Gluck. 23 bis 24: Aeltere Tänze, gespielt vom Rundfunkorchester.