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25.2.1933 Frühausgabe
 
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185. Jahrgang

Samstag, 25 Februar 1933

6rid)emi lägltd), autzei Sonntags und 3«ieriags Beilagen: Die DDuftnerte (Bienener JamilienblätteT Heimat Bild Die Scholl,

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Volttilt Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyr ot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein nnbtür'>en2In. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (ßie ;en.

Mensch und Maschine.

Die Technokraten bilden in Amerika eine Art wissenschaftliche ^Bereinigung, die sich wirt­schaftspolitische Ziele gesetzt Hat. Mitglieder sind ebenso Prcfessoren der Ralurwissenschaft wie der Nationalökonomie und neben Wirtschaftsführern auch ganz unprominente Leute. Auf dem ameri­kanischen ftonlinent haben die Technokraten eine hitzige Diskussion für oder gegen d i e Ma­schine entfesselt. Sie selbst vertreten die Grund­lehre, dah man der Maschine jedes Recht ein­räumen und die gesamte Weltwirtschaft noch viel (tarier maschinell, planmäßig und damit rationell gestalten soll.Richt die Maschine ist schuld an dem Elend der Menschen sondern die Tatsache, dah man die unerhörte Kraft der Maschine nicht auszunutzen verstand und so den Riesen zu einem Golem werden lieh." Auch wir haben eine ganze Reihe von Technokraten, die sich auf den Standpunkt stellen, dah wir in der ganzen Welt mit einem vierstündigen Arbeitstag auskommen und dabei den Lebensstandard aller (Bölter um das Doppelte verbessern könnten, wenn eS gelänge, die Maschinenkraft sinngemäß auszunutzen. Denn, ganz primitiv gedacht, ent­steht durch die Maschinenarbeit ja kein Mangel, sondern ein Ueberfluh an Waren, und es käme nur darauf an, bei allgemeiner Verminderung der Arbeitszeit dieses Mehr an Leistung richtig zu verteilen.

Die schroffen Gegner der Technokraten und der Entwicklung des Maschinenwesens gehen zu­nächst von den tatsächlichen Verhältnissen aus. Diese Organisation der Maschinenarbeit, die sich auf dem Papier so schön ausnehme, sei eine Utopie und praktisch nicht zu verwirklichen. 05- wvhl die Maschine den Menschen verdrängt hat, kann fi: sich ihres Sieges nicht freuen. Schätzungs­weise stehen heute zwei Drittel aller Maschinen in Deutschlan'd still, die Anschafsungslosten aber vergrößern und erschwe» Ten unsere Schuldenlast in unvorstellbarem Maße. Rur die Rückkehr zur Handarbeit könne, meint man vielfach, die Fehlleistungen des Maschinen­zeitalters wieder ausgleichen und die Arbeits­losigkeit beheben.

Es ist kein Geheimnis, daß der Kampf, der zwischen Industrie und Landwirt­schaft durchgesochten wird, zum großen Teil ein Kampf um die Maschine ist. Die Industrie sagt: kein Mensch kann die Arbeit der Maschine auf­halten, die billiger und leistungsfähiger ist, das ist schon wegen der Konkurrenz des Auslandes nicht möglich. Die Landwirtschaft erklärt: wir können uns vom Ausland unabhängig machen, wir können durch inländische Maßnahmen, auch durch politischen Zwang, im großen Umfange wieder Menschenarbeit anstelle von Maschinen­arbeit sehen. In landwirtschaftlichen Kreisen weist man darauf hin, daß das Elend der Landwirt­schaft mit der Erfindung des Mäh­dreschers begann, durch die die Welt mit Getreide überschwemmt wurde. Und es fei über­all festzustellen, daß jene Länder, die sich am stärksten auf Maschinen umgestellt haben, auch an der Spitze der Weltwirtschaftskrise marschieren. Die deutsche Industrie bestreitet grundsätzlich natürlich die Rotwendigkeit, mit staatlichen Maß­nahmen gegen die Maschinen vorzugehen. Trotz­dem wird auch auf dieser Seite zugegeben, daß die Wirtschaft an der Maschinenentwicklung Kor­rekturen vornehmen müsse und durch Unrentabili­tät gezwungen auch vornehme. Es habe sich näm­lich herausgestellt, daß für zahlreiche Einzelbe­triebe, in denen Maschinenarbeit vorherrsche, die menschliche Arbeitskraft doch billiger und rentabler sei. Und dieser Rückzug von der Maschine finde in einem Umfange statt, von dem die Oefsentlichkeit gar keine Vorstellung habe.

Kaiser Wilhelm hat nun an einen der be­deutendsten Technokraten Amerikas, Gaffney, einen langen (Brief gerichtet, in dem er seine Ge­danken über die Arbeitslosigkeit und ihren Zu­sammenhang mit dem Siegeszug der Maschine niedergelegt hat. Der (Brief wird von einem Berliner Blatt im Wortlaut veröffentlicht. Es heißt darin, die Gründe der Arbeitslosigkeit seien nicht materieller Art, vielmehr sei das Arbeits­losenelend die größte seelische Rot, die seit Jahrtausenden über die Mensa.),): it gekommen ist. Diese Rot könne nur aus höchstem Verant­wortungsgefühl der zur Führung 'Berufenen be­hoben werden. Die These von der Herr­schaft der Technik vermag der Kaiser nicht

Der Reichskanzler spricht in München.

Süddeutschland und das Reich. - Es gibt keine Mainlinie. - Kein Krieg mit den Ländern, aber Einheit des Reichs.

München, 24. Febr. (TU.) Reichskanzler Hitler sprach am Freitagabend in den Mün» cyener Ausstellungshallen. Der Riesenbau, der 20 000 Personen fast, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die benachbarte frühere Lust- schifshalle war von vielen Tausenden gefüllt. Weitere Menschenmassen standen auf den die Ausstellungshallen umgebenden weiten Flächen. Der Reichskanzler führte u. a. folgendes aus: Am 30. Januar hat sich für das deutsche Volk eine geschichtliche Wende vollzogen. Ein ^jäh­riges Regiment des Unheils und des Unsegens für Deutschland soll und wird nun das Ende finden. Wenn heute die Träger dieses Systems vor der Ration sich plötzlich zum letzten Male erheben und uns als Antläger die Frage vor­legen wollen: Was wird euer Programm s e i n?" dann verkennen sie den Sinn dieser Zeit und verkennen ihre eigene Stellung. Ich könnte mit mehr Recht die Frage zurückgeben: Was war euer Programm? War das, was in Deutschland in diesen 14 Jahren geschehen ist, euer Programm, euer Wille? Wenn ja, dann gibt es keine Strafe für euch, die groß genug wäre. Wenn ihr aber sagt, daß das nicht pro­grammmäßig verlaufen fei, dann seid ihr zu- mindesten als Männer ebenfalls vor der Ge­schichte gerichtet. Diese Männer haben die einst blühende deutsche Wir.s haft vollkommen zugrunde gerichtet. Sie reden sich jetzt damit heraus, daß Deutschland doch den Krieg verloren habe. Mit erhobener Stimme fuhr der Redner fort: S i e wollten ja nicht, daß Deutsch­land den Krieg gewinnt, sie wollten nicht, denn sie sagten, dah nur, wenn Deutsch­land den Krieg verliert, Deutschland frei sei. (Stürmische RuseAufhängen!") Sie waren es ja, die unser Volk damals belogen und gesagt haben, daß niemals die Deutschen sieg­reich zurückkommen dürft eir, damit Freiheit nach Deutschland komme und soziale Wohlfahrt (lebhafte Pfuirufe). Jetzt wollen sie das nicht mehr wahr haben. Sie versuchen, sich durch Lügen von ihrer Schuld frei zu machen. Gegen dieses System sind wir aufgestanden als ganz kleine Schar, bis wir heute au Trägem der öffentlichen Macht geworden sind (lebhafter Beifall).

Entscheidend ist nicht das Pro­gramm. Entscheidend ist nur der menschlicheWille.das richtige Sehen, der große Mut, das ehrliche Wollen (Beifall.) Wir werben unerhörte Anstrengungen auf inncr- und außenpolitischem Gebiet machen impfen, aber dahinter muh die klare Erkenntnis einer Ration treten, die weih, dah ihr niemand f)el­fen wird, auher sie hilft sich selbst. In diejem Geist ist unsere Bewegung so groh geworden, dah man heute sagen kann, in ihr marschiert der gläubige Teil der deutschen Ration.

In seinen weiteren Ausführungen spielte der Reichskanzler auf die jüngsten Differenzen mit der Bayerischen Dolkspartei an. Er sagte dazu: Wenn die deutschen Länder leben wol­len, wenn sie ihre Schicksalskämpfe durchführen wollen, so können sie das nur, indem sie s i ch einfügen als Rute in das Ruten­bündel, um gemeinsam die Kraft der geein­ten Ration auch für sich einzusehen, wenn nicht Alldeutschland für sie eintritt. In dieser Stadt München haben wir unsere Bewegung ins Leben gerufen, die jetzt ganz Deutschland erfaßt hat. Wir haben damit für Ruhm und Ehre Bayerns mehr getan als diejenigen, die nur dauernd in Haß und in der Feindschaft gegen das andere Deutschland ihre einzige Le­bensaufgabe erblicken. Ich hänge an Mün­chen mit grenzenloser Liebe. Ich will diele Stadt daher auch nie verlassen (stürmischer Beifall). Es ist mein Wille, daß. wenn diese Bewegung einmal das ganze deutsche Volk wieder frei­gemacht haben wird, ihr Sitz aber immer in dieser Stadt bleiben wird.

Das soll ein Zeichen dafür sein, bah wir i m Süben beulsch fühlen unb an bem Deutschen Reich hängen unb an seiner Herrlich­keit. 3d) bin nach meiner Herkunft Bajuoare, aber ich fühle mich unzertrennlich oerbunben mit bem Glück des ganzen vaterlanbes. Ich meine, baß nur ein Wahnsinniger es unterneh­men kann, uns in bie Rolle eines Oesterreichs etwa hineinzubringen. Angesichts der Millio­nen, bie bieje Rebe hören, sage ich, wenn auch einer unb bet andere heute meint, eine Mainlinie anbrohen zu können, sie können überzeugt sein, Bayern unb Sübbeutsch- lanb haben bamit nichts zu tun. 3m Gegenteil, wenn bieje Frage austauchen sollte, bann wirb aus Ba;ern selbst ein solcher versuch zer­brochen unb zerschlagen werben (stürmischer Beifall).

Seit Bismarck ist jetzt zum erstenmal d i e Reichskanzlerwürde einem Bayern übertragen worden. Ich fühle mich um so mehr dafür verantwortlich, daß nicht unter der Kanzlerschaft eines Bayern die Einheit Deutsch­lands jemals zerfällt. Es ist gerade unsere Eh­renpflicht als Bayern, daß wir nunmehr d i e Einheit des Reiches wahren. Wir wol- l e n niemand den Kampf ansagen außer dem Marxismus. Ich werde den Kampf gegen diesen Marxismus forlführen, aber wenn jemand es für notwendig erachtet, sich rt»it dem Marxismus zu verbünden, dann möge er überzeugt fein, retten wird er den Marxismus

nicht, nur mit ihm zugrunde gehen. (Beifall.) 3 a) will keinen xrieg mit den Län - b c r n. Aber wenn man mir den Krieg ansagt, dann antworte ich den Herren: Ich habe jahre­lang in der Opposition gezeigt, daß ich mich nicht unterkriegen lassen, die Herren mögen überzeugt sein, daß ich als Träger der staatlichen Gewalt auch die Energie besitzen werde, die Einheit des Reiches in Schuh zu nehmen. (Stürmischer Bei­fall.)

Wenn andere sich unserer Arbeit an- schließen wollen, so würde ich meine Zustim­mung nicht versagen. Allerdings etwas müssen sie unterzeichnen: Wer mir in einem Atemzuge sagt, ich möchte mit Ihnen gehen, aber ich nehme mir heraus, auch mit dem Marxismus gehen zu können, dem muß ich antworten: Rein! (Beifall.)

Vor allem, ich lasse mich nicht durch Parteien tolerieren, ich wünsche, daß das deutsche Volk mich toleriert und nicht die Parteien. Dem deuljchen Volk will ich Rede und Antwort stehen, nicht den Parteien. Diesem deutschen Vc lk w.-l i-) dann nach vier Jah­ren mich wieder stellen und dann mag es mich kreu­zigen, wenn es glaubt, daß ich versagt hätte. Ich will meine Pflicht tun und den Kampf für das Volk fortschen. aber an das Volk richte ich die Mahnung: Stützen Sie das, was für Sie kämpft. Zusammen wollen wir dafür kümpsen, daß aus der jetzigen Rot, dem Elend, dem Jam­mer und der Verkommenheit wieder erstehen möge ein Deutsches Reich, auf das wir stc>lz zu sein vermögen, ein Reich, das uns gibt das tägliche Brot und damit den Frieden auf E"den. StÜrm'sch: Be'.fcllekandgebung n folgten d:r Rede.

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Dortmund, 24. Febr. (ERB. Eigene Mel­dung.' Die Kampsfront Schwarz-Weih-Rot ver­anstaltete heute in der Westfalenhalle in Dort­mund eine Wahlkundgebung, in der Vizekanzler von Papen seine erste große Rede im Wahl­kampf hielt. Eine taussndkopsige Menge füllte die riesige Halle. Stahlhelmabkei.ungen und Iugend- gruppen der Deutschnationalen Vollspartei eröff­neten die Kundgebung mit einem Fahneneinmarsch. Vizekanzler v. Papen wurde bei seinem Erschei­nen von der Versammlung stürmisch begrüßt.

Es ist mir eine besondere Ehre, führte er u. a. aus, heute in der Stunde des nationalen Auf- brrrches in meiner Heimat, auf der roten Erde, sprechen zu können. Am 30. Januar haben sich die Parteien der Rechten endlich die Hände gereicht.

Es geht heute nicht darum, sich zu Parteien unb ßntereisenprogrammen zu bekennen, son­dern darum, ob wir aus der Unfruchtbarkeit der letzten 3ahre herauswollen oder ob wir

in einer Staalskrise flecken bleiben wollen.

Als wir am 20. Juli den unmöglichen Dualis­mus zwischen Reich und Preußen beseitigten, trie­ben die Parteien ihre Anmaßung so weit, dem Reichsoberhaupt vorschreiben zu wollen, ob die von ihm getroffene Regelung legal sei oder nicht. Diese Anmaßung zeigt allein schon, wie Par « teidoktrinen alles andere überwu­chert haben.

Es ist eine bewußte und unwahre Entstellung, wenn man sagt, die Volksrechte seien in Gefahr. Was bedroht ist, sind die Pfründe einer Rutznieherschicht, die sich anmaßt, die Rechte des Volkes mit ihren Interessen zu ver­wechseln (Beifall). Wäre etwa eine Einschrän­kung des Wahlrechtes eine Beschränkung der Volksrechte? Wer glaubte noch, daß es ein Recht des Volkes ist, alle paar Monate zu wählen, daß man mit dem Stimmzettel des Listenwahl- rechtes Sinn und Zweck des politischen Wollens des deutschen Volkes feftftelkn könne? (Erneuter Beifall.)

Dir müssen zu neuen Formen unseres Staatslebens, zu einer Umgestaltung

unseres ganzen cssentlichen Lebens kommen. Ich sehe nicht ein, daß nicht auch gute Kräfte des Republitancrfums offen Lie Mängel des ösfentlichen Lebens zugeben und großzügige Vorschläge zur Besserung machen sollen. Unser Kampf gilt nicht der Linken, weil sie links sieht, sondern weil sie das deutsche Volk in dem Zustande erhalten will, den es sich in der Stunde des Zusammenbruches angepaßt Hal. Der R^rxismuS hat das deutsche Volk prole- tarisiert unb mit biesem Proletariat eine furchtbare Gefahr für bas geistige unb wirt­schaftliche Leben der Ration geschaffen. Es gilt, die P e r s ö n l i ch k e i t s k r ä f t e der Ra­tion wieder zur (Entfaltung zu bringen unb ben berechtigten Drang bes beutschen Arbelter- tums nach eigener Eristen; zu verstärken unb zu fördern. (Erneuter Beifall.)

Es sind dies Probleme von großer Tragweite, die Jahre des politischen Lebens ausfükken tpor* den. Eine Regierung, die verspricht, dah ihre Maßnahmen so oder so aussehen werden, wäre leichtfertig. Sie kann nur den Geist aufzeigen, aus dem an ihre Form herangegangen werden soll. Das Berufsbeamtentum ist stets die stärk st e Stütze des Staates gewesen. Der Begriff des p 0 k i t i s ch e n B e a m t e n, der 1919 geschaffen wurde, muh wieder aus dem deutschen Wörterbuch verschwinden.

Der Vizekanzler setzte sich dann mit dem Zentrum auseinander. Er erklärte, seit dem Juli 1932 habe die Zentrumspresse ihn mit namenloser Bitterkeit verfolgt. Der Ditzekanzker betonte unter starkem Beifall, daß es seine erste Aufgabe innerhalb des Zusammenschlusses der nationalen Front sei, den konservativen christlichen Teil in dieser Front nach Kräften zu fördern. Eine große christlich-konservative Be­wegung muß einen flauen Teil des deutschen Katholizismus in ihren Reihen sehen. Ich kämpfe in der vordersten Reihe der geistigen Revolution für eine religiöse und soziale Er­neuerung unseres Volkes. Weil ich weih, dah

anzuerkennen, denn es war der Geist des Menschen, der die Technik geschaffen hat. So werde auch dieser Geist Mittel und Wege finden, um der Ausartung der Technik, um einer Technokratie zum Segen des arbeitenden Men­schen wirksam zu begegnen. Die Kapazität der Maschinen hat in zunehmendem Mähe eine un­geheure Menge an menschlicher Arbeitskraft überflüssig gemacht. Abgesehen von ihrer sich ständig steigernden Leistungsfähigkeit hat die Maschine noch in den Zeiten, in denen allein wegen der geringer werdenden Absatzmöglich­keiten immer mehr Menschen arbeitslos wurden, eine Position nach der anderen erobert.

Angesichts dieser Umstände wird ohne weiteres klar, dah das Problem, welches die Arbeitslosig­keit stellt, durchaus nicht nur ein solches der Gegenwckrt, dah es nicht nur eine Frage ist, wie man die Arbeitslosen durch diese Zeit wirt­schaftlicher Depression hindurchbringt, sondern eine Frage der Wirtschaftsgestal­tung der Zukunft. Klar muß es ausgespro­chen werden, dah die große Masse der entlasse­nen industriellen Arbeiter keine Aussichten haben | dürfte, ihre industrielle Arbeit wieder aufzuneh- I men, well die Maschine den wesentlichen Teil der 1

entlassenen Arbeiter endgültig von seinem Ar­beitsplatz verdrängte. Es ist höchste sittliche Pflicht, allen diesen Arbeitern anderweit Ar­beit zu verschaffen und für sie und ihre Kinder eine neue Epoche beruflicher Betätigung cinju- leiten, die mit der bisherigen Arbeit gar n.chts oder kaum noch etwas zu tun haben wird.

Der Staat muh neue Arbeits - und Existenzmöglichkeiten finden, und glück­lich derjenige Staat, dem die Mittel zur Ver­fügung 'stehen, die von menschlicher Kultur noch nicht aufgeschlossen sind. Das Wesentliche bleibt aber die Arbeitsbeschaffung für die aus dem industriellen Arbe.tsprozeh Ausgeschlossenen i n - nerhalb des Heima11 andes selb'st; nur solche Arbeiten sind auf die Dauer volkswirt­schaftlich tragbar, die eine Rente bringen. Die besonderen Verhältnisse der einzelnen Länder werden au bestimmen haben, welche Arbeits- möglichkellen geschaffen werden können. Der Um­bau im Einsatz der menschlichen Arbeitskraft, der durch eine Verminderung industrieller Betäti­gung gekennzeichnet sein wird, muh systematisch durchgeführt werden. Die zu schaffenden neuen

Arbeitsmöglichleiten werden nach der gemeinsam erlebten Rot der Arbeitslosigkeit und dem un­befriedigten Hunger nach Leistung vielfach ein Gemeinschaftsgefühl dcr Menschen schaf­fen, das es fruchtbar zu machen gilt. Hier bietet sich gute Gelegenheit, den nur noch so selten begriffenen Geist der Selbstverwaltung des Fre'.herrn vom Stein zu betätigen, die be­ruflichen Beziehungen der Menschen zueinander, die innere Verbundenheit des Menschen zu sei­nem Werk zu fördern und ihn an der Verwal­tung dessen, was er geschaffen, weitestmöglich zu beteiligen.

Wenn es richtig ift, daß die Technik und im besonderen die Maschine unser wirtschaituches Leben bedroht, dann wird es nötig sein, der Maschine wieder den ihr gebührenden Platz a 1 s Hilfsmittel menschlicher Arbeits­kraft zuzuweisen. Wer gesehen hat, wie per- hängnisvoll sich behördliche Eingriffe in die Wirt- schäft ausgewirkt haben, dem ist tlar geworden, dah die Wirtschaft ehernen Gesetzen unterliegt, die von den Menschen nicht ungestraft angetastet werden können. Aber das Zusammenleben der

Menschen fordert eine Einordnung des Ein­zelnen und des Einzelbetriebes in die mensch­liche Gemeinschaft. Hier geht es nicht ohne einen gewissen Zwang. Warum soll der Eebra-. ch der Maschine, die heute unser ganzes Wirtschafls- leben bedroht, nicht ebenfalls durch gewisse Gesetze geregelt werden, damit ihre planlose un­organische Vermehrung und Betätigung, die so ungeheures Unheil anrichtete, aufhört? Hat die Maschine als ein Werte straffender Faktor denn das Recht, den ebenfalls Werte schassenden Faktor Mensch, der aus tiefem ethischem Emp­finden heraus schafft, zu verdrängen? Die Ant­wort daraus kann nur ein entscheidendes Rein sein. Die Frage über das Wie wird nach An­sicht des Kaisers nur auf Grund internationaler Vereinbarungen getroffen werden können. Mögen die Schwierigkeiten noch so groh sein, ihre Lö­sung ist des Schweißes der Edlen teert, tocil über allem die Forderung steht, dah dem leistungs­fähigen und Iciftungdtoiiligen Mens ch e n sein Recht auf Arbeit und Leistung wiedergegeben werde.

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