Ausgabe 
25.2.1933 Erstes Blatt
 
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üvrlgen europäischen Staaten das Schweizer Miliz« fnftem übernommen, wohl aber haben viele Mächte eine milizähnliche Organisation ihrem stehenden Heere angegliedert. Man denke an die faschi­stische Miliz neben dem Berufsheer in Italien, sehn­lich verfugen Polen, die Tschechoslowakei, Serbien über Sokol-Vereine mit milizähnlichem Charakter. England und Amerika haben neben ihrem B e - rufst, eer und einem ausgezeichneten System zur Wehrhostrnachung der Jugend eine Territorial­armee, her feder vom 18. bis 45. Lebensjahr ange- hört, aber nur zu kurzen Hebungen einberufen wird.

Man wird also auch von D e u t s ch l a n d nicht erwarten dürfen, daß es auf sein vorzüglich durchgebildeles Berufsheer verzichtet, um dafür ausschließlich kurz ausgebildete Milizen einzu- tauschen, die auf sich selbst gestellt, dem modernen Krieg unmöglich gewachsen sein können. Deutsch­land könnte sich also nur dann mit dem fran- zösischen Plan befreienden, wenn er die Vorteile eines kleinen Verufsheeres, wie sie unsere gegen­wärtige Reichswehr darstellt, mit den Vorteilen einer Volksmiliz vereinigen würde. Auch dann noch bleibt die Frage eines Ausgleichs der a u d - gebildeten Reserven offen, über die Frankreich und seine Vasallenstaaten in rund 15 Jahrgängen verfügen, dem Deutschland so gut wie nichts an die Seite zu stellen hat. Der Hinweis Pierre Cots, des französischen Luft­fahrtministers, auf die deutschen Wehr- verbände hätte eine bessere Entgegnung ver­dient, als sie Radolny zur Hand hatte. Die richtige Antwort wäre doch gewesen daß solche naturwüchsig, als Folge der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht entstandene wehrsport­liche Ausbildung der deutschen Jugend, abgesehen von der Parallele im gesamten Ausland, eben doch des entscheidenden militärischen Merkmals, der Waffe.nämlich, entbehre. And hier mußte auch von deutscher Seite angeknüpft wer­den, um der Konferenz die Anmöglichkeit einer Betrachtungsweise klar zu machen, die den Heeres- typ erörtert, aber neben Dienstzeit und Ausbil­dung den für den Angriffscharakter entscheidenden Gesichtspunkt der Waffen außer Acht läßt, weil es den Franzosen einfach nicht paßt, durch Erörterung dieser Frage des Kriegsmaterials einer wirklichen Abrüstung näherzukommen. Deutschlands Antrag, der dahin zielte, ist im Hauptausschuß a b g e l e h n t worden. Es steht nicht aut um die deutsche Sache in Genf und es wird großer Aufmerksamkeit und großen Ge­schicks bedürfen, um uns nicht aus einer mora­lischen und rechtlich günstigen Stellung heraus- bugsieren zu lassen, wozu Frankreich bereits alle Vorbereitungen trifft.

©er Reichskanzler bei seinen ältesten Mitkämpfern

Eine Gründungsfeier im HofbiävhauS.

München, 24. Febr. (ERB.) Gegen 20 Ahr traf Reichskanzler Hitler im Festsaal des Hof­bräuhauses in München ein, wo im Rahmen einer Gründungsfeier ein Empfang der 200 0 ältesten Mitglieder der na­tionalsozialistischen Freiheitsbe­wegung stattfand. Der Reichskanzler in der Uniform der SA. begrüßte seine alten Mit­kämpfer mit bewegten Worten. Die süddeutschen Herzen, führte er aus, haben sich jetzt verbunden mit dem nordischen Verstand zu gemeinsamen Handeln. Ich habe nur den einen Wunsch, daß meine engere Heimat, und das ist Bayern und München, ruhmvoll bestehen möge, auf daß jeder mit Stolz sagen könne, von uns aus ist die Rettung der deutschen Ration gegangen. Der Reichskanzler dankte dann allen für die Treue, die sie ihm gehalten, und gedachte in bewegten Worten besonders jener stillen Mitarbeiter, die ohne jemals genannt zu werden, stets ihre Pflicht getan.

Am 22.30 Ahr fand ein Fackelzug von der Theresienwiese aus statt. Die Straßen, die der Fackelzug durchzog, waren trotz der späten Stun­den mit Menschen umsäumt. Viele Häuser wa­ren beleuchtet oder beflaggt. Der Zug, aus etwa 14 000 Mann bestehend, marschierte zumBrau- nen Haus, wo der Reichskanzler den großen Balkon betreten hatte. Links und rechts von ihm nahmen Fackelträger Aufstellung. Die Spitze des Zuges bildete der Reitersturm und die Jäger»

Käuzchen im Walde.

Don Hans Brandenburg.

Die verstreuten und versteckten Jägerkanzeln schauen über die Wipfel des Waldrandes auf braunes Dorfrühlingsland hinab und auf ein Sil­berstückchen der Amperwindungen darin, auf den Kirchhof von Olching oder nach Bergkirchen auf dem Maisachrande, der sich bis zum Dachauer Schlohberg hinzieht, oder nach der anderen Seite über Emmering bis Fürstenfeldbruck. Cs ist dies hier oben eine Lichtung des waldigen Hügel­rückens, oder besser noch eine Halde. Den Boden bedeckt ein dicker, trockener, brauner Teppich aus welkem, vorjährigem Heidekraut, schwanke Dirk- chen stehen in ihm, einzeln und in Gruppen, noch nackt, nur im zarten Schleier des Astgewirrs, mit kerzenweihen. kerzenschlanlen Stämmchen. And weih liegen wie Wäschestücke letzte Schneeflocken zwischen den Büschen, Weidenbüschen verschiedener Arten, mit winzigen, silbernen Kätzchen besteckt oder mit dicken, gelbstäubenden Palmkätzchen und oft in Bündeltrieben zu-Dickichten versammelt.

Reben den gelben Birken dunkeln mit ihren Immergrünen Äadelwedeln kleinere und größere Fohren. Reben den starrenden Weidenkätzchen hängen die dünnen Rieselraupen der Hasel- und Erlenkähchen und hoch darüber im grauen Himmel die dickeren Kätzchenraupen der Schwarzpappel, die hier auch hochdringt Im graugrün blanken Panzer ihrer Rinde. Es ist also lockere Daumwelt da und dichtes Anterholz, natürliches Vogel- aehege und Wildgehege. Don droben träumt und spottet der noch schüchterne Gesang der Singdrossel, aus tieferen Gründen gurrt und lockt zärtlich die Waldtaube, und unten der Teppich ist überall mit Rehlosung besprenkelt.

Auf einer freistehenden Dirke sitzt ein kleiner Kauz. Ich weiß nicht, ob ich ihn für einen jün­geren Waldkauz halten soll oder für die Zwerg­eule deS Gebirgs so klein ist er. Er wiegt sich tote im Traum aus seinem schwachen Ast hin und her. Ich schüttle den Stamm, da streicht er wie schlaftrunken ab und sitzt gleich auf einer anderen nahen Birke wieder auf, aber nun viel tiefer und mir weit näher. Sieht er in Tagblindheit mich nicht? Ober scheut er den Menschen nicht? Run scheint et doch flüchten zu wollen: er hebt sich

flanbarte, dann folgten die Standarte 2 und der Gau Oberland. Besonders begrüßt wurde eine Abordnung des Frontkriegerbundes. In grau­grüner Uniform zog der Arbeitsdienst der RSDAP. vorbei. Den Abschluß bildeten die SS.-Standarten.

Kleine politische Nachrichten.

Die Kommissare des Reiches in Preußen haben beschlossen, den Landrat v. M o n b a r t in Zül- lichau zum Regierungspräsidenten in Kassel zu ernennen. *

Das Amt des Rundfunkkommissars des Reichspostministcrs ist endgültig dem Staatssekre­tär Dr.-Jng. n. c. Kruckow übertragen wor­den. Als dessen Rachfolger ist der Präsident des Reichspostzentralamtes, Dr.-Jng. h. c. Ohne- sorge zum Staatssekretär im Reichspostmini­sterium ernannt worden. Dr. Ohnesorge leitete während des Krieges die Telegraphendirektion des Großen Hauptquartiers.

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Zum Staatssekretär des Reichsarbeitsministe­riums ist Dr. Johannes Krohn, bisher Mini­sterialdirektor im Reichsarbeitsministerium, er­nannt worden Weiter ist der Ministerialrat im Reichsministerium für Ernährung und Landwirt­schaft Dr. Hans Engel zum Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium ernannt worden. Er übernimmt hier die Hauptabteilung für Sozial­versicherung und Wohlfahrtspflege.

*

Rechtsanwalt Lütgebrune, Göttingen, ist zum Kommissar zur besonderen Derwendung i n s preußische Dlinisterium des Innern berufen worden. Seine Tätigkeit ist ehrenamtlich.

Aus aller Well.

Reue Ritter de« Pour le m^rite.

In den Orden Pour le inSrite für Wissenschaft und Künste wurden nach dem Ableben der Ordensritter Georg D e h i o und Max S l e v o g t der Kunsthisto­riker Dr. Geora W ö l f f l i n in Zürich und der Bild­hauer Ernst Barlach in Güstrow (Mecklenburg) gewählt.

V-Zuglokomotloführer

während der Fahrt tot zusanimengebrochen.

Auf der Lokomotive eines von Berlin kom­menden O-Zugs brach kurz nach der Abfahrt von Deutsch-Eylau der Lokomotivführer auf dem Führerstand infolge eines Herzschlags tot zusammen. Der diensttuende Heizer sprang sofort hinzu und führte den Zug in langsamer Fahrt nach Osterode.

von einer Lawine überrascht und getötet

Auf der Staetzalp bei Lenzerheide (Kanton Graubünden) wurde eine Kolonne von sechs Ski­fahrern von einem sich losenden Schneebrett über­rascht. Drei von ihnen, zwei Herren und eine Dame, wurden von den Schneemassen zu- gedeckt. Während die beiden Herren nur etwa 40 bis 50 Zentimeter unter dem Schnee lagen und bald geborgen werden konnten, wurde die 24- jährige Marie Grashorn aus Hamburg erst nach zweistündigem Suchen und nach dem Ein­treffen von Bergführern gefunden. Die Verun­glückte lag l1/2 Meter tief im Schnee und war bereits t o t. Die ums Geben Gekommene war Vorsteherin eines Jugendheims in Hamburg und hatte sich seit einigen Tagen zu Studienzwecken in einer Jugendherberge in Valbella-Lenzerheide aufgehalten.

Dynamitanschlag auf den welland-kanal in USA. verhindert.

Die kanadische Polizei ist einem grohangelegten Anschlag auf die Spur gekommen, durch den der im vergangenen August eröffnete Weiland- Kanal, der den Erie-See mit dem Ontario-See verbindet, in die Luft gesprengt werden sollte. Die Polizei fand zwischen zwei Brücken, die über den Kanal führen, 39 Dynamitstücke, deren Ex­plosion den Kanal auf mehrere Kilometer voll­kommen dem Erdboden gleichgemacht und eine un­geheure Aeberschwemmung mit sich gebracht ha­ben würde.

vier Mörder ;um lobe verurteilt.

Das Schwurgericht In Münster (Westf.) verur­teilte den Elektriker B e i s e m a n n wegen M o r-

weich und schwankend fort, allein schon sucht er eine dritte Rast, diesmal in einer niedrigen Foh­rengablung und mir fast greifnahe. Sein Gefieder ist oben braun mit weißen Tupfen und unten grau mit dunklen Längsstreifen. Die Augen haben gelbe Ringe. Blickt er mich an oder an mir vor­bei oder nur nach innen? Er hat etwas nach innen Gewandtes wie ja schon der kleine Haken seines Schnabels. Das Gesichtchen ist flach und menschlich, wie das eines Aeffchens, und abgrün­diger Weisheit voll. So sitzt er, reglos wie ein Stein und schnittig wie ein Stein, hoch überm Menschenlande, kauernde Waldgestalt im ersten Frühlingshimmel...

Oas russische Ballett.

Wenn auch die Sowjet-Regierung sonst in allem die Aeberreste des zaristischen Regimes mit Stumpf und Stiel auszurotten sucht, so ist man doch im Bereich des Theaters konservativer verfahren, und besonders ist eins auch für die grimmigsten Revolutionäre in Rußland tabu: das russische Ballett, das unter dem Zaren eine unerreichte Blüte entfaltet hatte. Daß diese in allen andern Ländern verschollene oder verunstal­tete Kunst im heutigen Rußland noch im alten Glanze blüht, dafür gibt uns das sachverstän­digste Urteil die bekannte russische Tänzerin Lydia Lopokawa, die, seit vielen Jahren im Ausland gastierend, vor kurzem wieder ein Paar Wochen in Leningrad weilte und dort das Ballett bewunderte.Ich bin in der Kaiserlichen Ballett-Schule am Hofe des Zaren Rikolaus in Petersburg ausgebildet worden", berichtet sie, und wenn auch die Zaren verschwunden sind und alle Verhältnisse sich von Grund auf ver­ändert haben das Ballett ist unsterblich, ist tabu. Leningrad, kalt und hungernd, ist noch immer fein schönstes Heim. Ich komme in das Sowjet-Staatstheater, um »Die schlafende Schön­heit" zu sehen, das alte Ballett, in dem ich selbst getanzt habe, feit meinem neunten Jahr, zuerst als Page der Königin, der ihre Schleppe hält, zuletzt mit ®i agile ff als Fliederfee und auch als die Prinzessin. Ich betrete das Theater, und ich befinde mich in demselben Ge­bäude mit denselben blauen Teppichen und blauen

d e s in zwei Fällen zweimal zum Tode und wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus. 'Seife­mann hatte Itidz. im Münsterland bei einem Raubüberfall ein Landwirtsehepaar sowie eine auf dem Gutshof tätige Hausangestellte er­mordet.

Dom altmärkischen Schwurgericht in Stendal wurden die Arbeiter D e h n e r t und Brüning sowie die Ehefrau Müller wegen Mordes bzw. Anstiftung zum Morde zum Tode ver­urteilt. Dehnert, der Geliebte, und Brüning, der Bruder der Frau Müller, hatten in der Syl­vesternacht auf Anstiften der Frau Müller deren Ehemann erwürgt und an einem Baum auf­gehängt, um einen Selbstmord vorzutäuschen.

Seidenbespannungen wie ehemals, die sehr sauber und in gutem Zustand sind. Ich sitze in der Künstlerloge, und schon verfinstert sich der Raum, und ich höre die ersten wundervollen Tone der melodischen Musik Tschaikowskys von dem 100 Mann starken Orchester. Der Dorhang geht auf, und das alte Märchen umfängt mich mit seiner Schönheit, ganz wie am Hofe des Zaren, ein Traum von Seide und Licht, von Grazie und Musik. Ich erkenne die beiden, die den König und die Königin tanzen, wieder, denn sie waren mit mir auf der Schule. Die andern sind alle neu, aber es scheint mir, daß sie besser tanzen, als wir es einst taten. Dieschlafende Schönheit" ist erst 19 Jahre. Es ist eine außerordentliche Lei­stung, diese schwierige Aufgabe in so jugendlichem Alter zu losen; früher glaubte man, daß eine Tänzerin dazu nicht vor dem 25. Jahre reif sei. Aber dieses junge Geschöpf Dubinskaja ist ihr Rame leistet Dollendetes. Allmählich füllt sich die Bühne mit dem ganzen Ballettchor von 150 Mitgliedern. Die Kleinen, die noch die Schule besuchen, erfüllen mich mit besonderem Entzücken, denn in ihnen lebt ein Rachwuchs, der der Vergangenheit mehr als ebenbürtig ist. Das Publikum weiß diese einzigartige Technik und Schönheit zu würdigen; es wird nicht mehr so viel geklatscht wie zu unserer Zeit und man scheint kritischer, aber im ganzen ist die Aufnahme über­aus beifällig. In der Pause besuche ich meine alten Bekannten hinter der Szene. Aber sie haben jetzt nicht mehr viel zu sagen. Die Jungen haben sie verdrängt. Man stellt mich der Leiterin des Balletts, Frau L e w i t s ch , vor; sie ist sehr liebenswürdig und führt mich in das Foyer, wo das neue Bildnis der Pawlowa hängt. Ich bin gerührt. Die Pawlowa würde glücklich sein, wenn sie wüßte, daß man sich hier ihrer erinnert. Denn hier ist Rußland, eins der ärmsten Länder, aber noch immer mit dem besten Ballett der Welt, mit dem großartigsten Theater. Jedes Jahr werden hier zwei bis drei neue Balletts in fünf Akten herausgebracht, von denen -jedes 50 000 Mark kostet. Wenn auch das Leben schwer ist, so ist das Los der Künstler nicht unglücklich. Ihr Werk ist ihnen von solcher Wichtigkeit, ihre Einigkeit ist so groß, daß sie alles andere dar­über vergessen..."

Rheinkahn mit E8)00 Zentner Briketts gesunken.

Als der Rheinschjeppdampfer »Kannegießer V" auf der Bergfahrt ant Ort Niederheimbach vorbei­fuhr, erhielt fein im Anhang befindlicher Schlepp­kahnSamara" ein 2» 6. Der Kahn war auf Grund geraten und hatte sich mehrere Räume auf- gerissen. Der Kapitän brachte das beschädigte Schiff schnell In die Nähe des Ufers, während die Matro­sen den Kahn fluchtartig oerließen, da das Wasser schnell in alle Räume drang und mit dem Sinken gerechnet werden muht. Kurz vor dem Binger Loch konnte der Kahn ans Ufer gebracht werden, wo er in wenigen Minuten vollständig versank. Er hatte 6000 Zentner Briketts geladen. Seine Ber­gung wird wegen der überaus starken Strömung des Rheins sehr schwierig fein.

Das deutsche Buch im Jahre 1932.

Der Rückgang der Buchveröffentlichungen, der sich im Zusammenhang mit der Krise in den meisten Ländern vollzieht, hat bei uns im Jahre 1932 weiter angehalten. Wie Prof. Menz im Buchhändler-Börsenblatt über die jetzt bekannt ge­wordenen Ergebnisse der Statistik mitteilt, beträgt die Abnahme gegenüber 1931 fast 11 Prozent. 1932 wurden mehr als 2600 Einheiten weniger auf den Buchmarkt gebracht als im Dorjahr. Da­bei ist besonders hervorzuheben, daß sich der Rück­gang am stärksten bei den Reuauflagen bemerk­bar macht, wo er 17 Prozent beträgt. Die eigent­lichen Reuveröffentlichungen sind nur um 9 Pro­zent zurückgegangen. Daraus ergibt sich, daß der wirtschaftliche Erfolg der Derleger durchschnittlich bedeutend geringer war als sonst. Beträchtlich über dem Durchschnitt liegt der Rückgang bei den Schulbüchern und der pädagogischen Literatur. Das erklärt sich aus der unsicheren schulpoliti­schen Lage, zum Teil aber auch aus der großen Produktion der letzten Jahre. Auf dem Gebiet der Medizin übertraf der Rückgang ebenfalls den Durchschnitt, und dasselbe war bei der land- und forstwirtschaftlichen und bei der Sportliteratur der Fall. Dagegen weisen einen Zuwachs die Gebiete Rechtswissenschaft, Politik und Derwaltung sowie Sprach- und Literaturwissenschaft auf. Daß die Bücher immer billiger werden, ergibt sich aus dem durchschnittlichen Ladenpreis, der mit 5,8 Mk. wesentlich niedriger war als 1912 mit 6,12 Mk.

In England ist kein Rückgang zu verzeichnen, und dasselbe scheint in Frankreich der Fall zu sein. Doch war die Gesamterzeugung in England 1932 nur um 2 Prozent größer als im Vorjahr. Für die Erfolge des britischen Verlages ist bcz.ich- nend, daß die Reuauflagen um 4,7 Prozent zu­genommen hatten. Die Zunahme erstreckt sich in erster Linie auf die Unterhaltungs-Literatur, ein Zeichen dafür, daß die Leselust in England immer weiter ansteigt. Dagegen war in den Vereinig­ten Staaten die Bucherzeugung 1932 ebenfalls viel geringer als 1931; sie hat noch mehr als in Deutschland angenommen, nämlich um 12,5 Prozent, und auch hier blieben die Reuauflagen stark gegenüber den erstmaligen Reuerscheinungen zurück.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oie Stichwort-Sprache.

Ich kenne einen Mann, der während seines Dienstes und auch im Verkehr mit seinen An­gehörigen und Bekannten außerordentlich kurz an­gebunden war. Seine Unterhaltung mit anderen Menschen bestand eigentlich nur aus dem Ge­brauch von Abkürzungen und Sprachbrocken, die er hinwarf, es dem anderen überlassend, sich dar­aus selbst eine Antwort oder eine Mitteilung zu konstruieren. Dieser Mann wandelte sich ganz ge­waltig. als er nach langjähriger Dienstzeit in den Ruhestand getreten war, denn nun wurde er nicht nur redseliger, sondern auch im allgemeinen zugänglicher. Anscheinend sollte seine frühere kurz angebundene Redeweise bartun, wie überaus stark er beschäftigt und wie wenig Zeit ihm für den Umgang mit anderen Menschen verblieben sei. In der Gesamtheit betrachtet war er aber wegen dieser üblen Angewohnheit ein kurioser Kauz, der sich nur die Sympathien mancher Leute verscherzte.

Viele werden unter ihren Bekannten Menschen mit gleichen Umgangsformen haben. Wenn man sie wegen ihrer Unart des Stichwort-Verkehrs zur Rede stellen wollte, würden sie gewiß den durch Arbeit ungeheuer überlasteten Zeitgenossen mar­kieren. Im Grunde genommen ist ihr Verhalten aber nur als eine schlechte Angewohnheit zu be­zeichnen. Warum soll man auf eine Frage nicht auch eine gebührende erschöpfende Antwort geben können? Das kostet gewiß nicht mehr Anstren­gung als das abgekürzte Verfahren.

Keine Zeit! wird erwidert. Ach, wie man­cher Wichtigtuer konnte dieses Wort ganz ver­meiden. Mit welcher Ruhe könnte er in Wirklich­keit seine Pläne und Arbeiten überdenken und doch noch anderen ein paar freundliche Worte gönnen. So aber hastet er unnötigerweise durch die Straßen, schaut nicht rechts und links. Gar zu gern bringt er noch die dicke Aktenmappe mit nach Haus und stöhnt unter der Arbeitslast. Frau und Kinder daheim getrauen sich nur ganz leise durch die Räume zu gehen, Und wehe dem, der die Türe etwas fest zuschlägt! Keine Zeit!

Es gibt im Leben Augenblicke, in denen jeder sich einmal ruhigen und ausgiebig unterhalten möchte. Brockenartige Unterrcöungen aber sto­ßen ab, und ein Gespräch mit solchem Stichwort­mann wird zur Qual. Man soll gewiß Maß hal­ten mit seinen Fragen, aber man soll auch nur solche Antworten geben, die einer höflichen Frage entsprechen. Wer so denkt, hat immer Zeit für seinen Rächsten, jedes abgehackte Gespräch aber wirkt unangenehm, zum mindesten unhöflich.

Daten für SamStag, 25.Februar.

1634: der Generalissimus Albrecht Wenzel Euse­bius von Wallenstein, Herzog von Friedland, in Eger gestorben; 1848: Wilhelm 11., ehemaliger König von Württemberg, in Stuttgart geboren;

Daten für Sonntaq, 26. Februar.

1802: der französische Dichter Victor Hugo in Be- fan$on geboren; 1861: König Ferdinand von Bul­garien in Wien geboren; 1871: Unterzeichnung des Präliminarfriedens zu Versailles.

Gictzener Wochenmarktpreife.

* Gießen, 25. Febr. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110, Land- butter 100 bis 110, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund, Käse 5 bis 10, Eier, inlän­dische 10 Pf. das Stück, Wirsing, gelb, 10, grün 15 bis 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis

12, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 30, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30, Feldsalat 150, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Rüsse 40, Junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 25 bis 30, Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück, Kartoffeln 2,50 Mk. per Zentner.

Oer Haushalt 1933 der evangelischen Kirchenqemeinde.

Die Evangelische Gesamtgemeindevertretung be­schäftigte sich gestern nach Entgegennahme eines Berichts über die kirchlichen Ereignisse im Jahre 1932 mit der Beratung des Haushaltvoranschlags der evangelischen Gemeinde Gießen für 1933. Der Voranschlag schließt im ersten Teil in Einnahme und Ausgabe mit insgesamt 104 339,72 Mark ab, wäh­rend der zweite Teil, in dem nur Pfarrbesoldungs­kapitalien und die Pachten der PfarrbesoldunHS- güter verrechnet werden, mit 15 247,65 Mk. in Ein­nahme und Ausgabe ausgeglichen ift An lokaler Kirchensteuer werden, wie im Vorjahre, wieder 5t Prozent von der Einkommensteuer, 5 Pf. für je 100 Mark Steuerwerk des unbebauten Grundbe­sitzes und 10 Pf. für je 100 Mark Steuerwert des Anlage- und Gewerbekapitals erhoben. Auf dieser Grundlage wurde der Voranschlag nach mehrstün­diger gründlicher Beratung einstimmig genehmigt. Als erfreulich ist zu bezeichnen, daß der neue Haus­halt wieder auf der im .porigen Jahre gesenkten Steuerbasis von 5i Prozent aufgebaut werden konnte, nachdem sich diese Grundlage schon für den Haushalt 1932 als gut erwiesen und eine durchaus geordnete Finanzgebarung möglich gemacht hat.

Bornotizen.

Tageskalender für S amstag: Stadttheater, 20.15 bis 22.30 Uhr, Großes Zirkus- Kabarett. GDA., 20.30 Uhr,Hess. Hof", Monatsversammlung. DHD., 20 Uhr, Cafä Leib, Heiterer Aband. Gesangverein Heiter­keit,Liekügshöhe", Maskenball. Lichtspiel­haus. Bahnhofstraße:Morgenrot". Astoria- Lichtspiele. Seltersweg:Der Flüchtling".

T a g e s k a l e n d e r für Sonntag: Stadttheater, 18.30 bis 21.30 Uhr,3m weihen Rößl"; 22.15 bis nach 24 Uhr, Racht-Kabarett. Goethe-Bund, Reue Aula, 15 und 17 Uhr, Hänneschcn und die Wunderlampe"; 20 Uhr, Genoveva". Oberhessischer Kunstverein, Turm­haus am Drandplatz, 11 bis 13 Uhr, Ausstel­lung. Studentenheim, Leihgesterner Weg, 16.30 Uhr, Konzert der Gesangsschule Heermann. Obst- und Gartenbauverein, 15.30 Uhr, im Saale Faulstich, Hauptversammlung. Eisenbahn-Ver­ein, 14.30 Uhr,Aquarium", Hauptversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Morgenrot". Astoria-Lichtspie'e:Der Flüchtling".

Die Kampffront Schwarz-Weih- Rot veranstaltet Freitag, 3. März, 20.15 Uhr in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine öffent­liche Wahlkundgebung. Es werden sprechen: Pfr. Zeidler. Kassel und Dir. Lange-Hanau überDie Reichstagswahl am 5. März". (Siehe heutige Anzeige.)

"Zahlungsanmahnung. In einer Be­kanntmachung im heutigen Anzeigenteil werden durch die Stadtkasse Gießen die Schulgelder für