Ausgabe 
25.2.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Potischeckkonto:

zrontiuri am Main liege. Dmf vnv versay: vrLHNsche Univerfitä1§-Vuch. und §1eindruckerei R. Eange in Glehen. Zchristleitung und Geschastzftelle: Zchusstrahe 7.

»«nähme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20u, mehr.

Chefredakteure

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den An­zeigenteil i. V.TH.Kümmel sämtlich in (Bugen.

Ericheini täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat m Bild DieScholle

Monats-Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RH 1.95 Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen van einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

§ernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gießen.

Nr. 48 Erstes Blatt (83. Jahrgang Samstag, 25 5ebruar|y33

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Klippen ringsum.

Deutschland steht in einem Wahlkampf, der von Tag zu Tag mit wachsender Erbitterung geführt wird. Zwar trennt uns nur noch eine Woche von der Entscheidung, trotzdem bedarf es eines ernsten Hinweises auf das sehr aufmerksame Echo, das unsere innerpolitischen Auseinandersetzungen grade in dem uns mißgünstig gesonnenen Ausland finden. Wir haben Nachbarn genug, die nichts sehnlicher wünschen, als einen blutigen Zusammenprall der bei uns jetzt um den künftigen Stur3 ringenden Kräfte und auf unsere sprichwörtliche Uneinigkeit Hoffnungen setzen, die sich niemals erfüUen dürfen. Der Reichskanzler hat als Führer Der national- sozlalistischen Bewegung von seinen Anhängern Zu­rückhaltung und Disziplin gefordert und tatsächlich könnte sich das ganze deutsche Volk keinen größeren nationalen Dienst leisten, als wenn es dem Ausland zeigt, daß troll aller parteipolitischer Gegensätze der Deutsche den deutschen achtet und jeder Volksgenosse an seiner Stelle die tiefe Verantwortung vor der Nation fühlt, nicht durch Vergrößerung unseres inneren Haders dazu beizutragen, daß Deutschland zum Spielball anderer Völker wird. Das gilt vor allem auch für die Auseinandersetzung zwischen Mit­gliedern der Reichsregierung und süddeutschen Län­dern, die bedenkliche Formen anzunehmcn droht. Das Gerede von der Mainlinie ist ein gefährliches Spiel, das man sich nicht einmal im Wahlkampf erlauben sollte. Wir haben in diesen Tagen als Nation sehr viel zu verlieren, können aber auch unendlich gewinnen, wenn die ernste na­tionale Pflicht, Disziplin zu bewahren, Gemeingut des ganzen Volkes und namentlich aller für die Führung des Wahlkampfes Verantwortlichen wird.

Wie notwendig ein solcher Appell ist, sollte jedem einleuchten, der in diesen erregten Tagen sich die Muße nimmt, auch einmal einen Blick über die Grenze zu tun und Deutschlands außenpolitische Lage auf sich wirken zu lassen, die jedem ernsten Daterlandsfreund gleichgültig zu welcher Partei­richtung er schwören mag, Alpdrücken genug ver­ursachen muß. Die H i r t e n b e r a e r Affäre ist noch immer nicht am Ende und die Kleine Entente scheint an ihrem Entschluß festhalten zu wollen, sie zu einem großen politischen Skandal aufzubauschen, in dem der neue Genfer Pakt wohl seine erste Feuerprobe bestehen soll. Grade das hatte England vermeiden wollen, als es sich dem diplomatischen Schritt Frankreichs in Wien anschloß. Es hat nun sehen müssen, daß es sich in der Wahl der Mittel gründlich vergriffen und damit dazu beigetragen hat, aus einer Bagatelle einen sehr ernsten politi­schen Zwischenfall zu machen, ohne indessen dadurch die Kleine Entente davon abzuhalten, den ganzen Fall noch einmal vor dem Forum des Völkerbunds- rgts in Genf breitzutreten. Wir entsinnen uns, daß Frankreich und England auf das Geschrei aus Prag hin einen Transport von alten österreichischen Ab- li'eferungswafsen ans privatem italienischem Besitz iy die österreichische Waffenfabrik Hirtenberg zu Zwecken der Reparatur zum Anlaß genommen hatten, durch ihre Gesandten in Wien der Bundes­regierung ein befristetes Ultimatum überreichen zu lassen, dessen Veröffentlichung sämtliche Beteiligten begreiflicherweise gescheut hatten, das dann aber doch von Rom aus der Welt bekanntgegeben wurde und nun nicht mehr geleugnet werden konnte. Seit vielen Jahren hot ein diplomatischer Schritt nicht mehr ein solches Aufsehen erregt. Und das mit Recht, denn was in den fünf Punkten dieses Ulti­matums einem trotz seiner politischen und wirtschaft­lichen Schwäche doch der Form nach immer noch souveränen Staat, dem Erben einer europäischen Großmacht von höchstem kulturellen Rang, geboten wurde, mag zwar unter Negervölkern üblich sein, aber in einem Europa, das seit vierzehn Jahren mit der Einrichtung des Völkerbundes beglückt ist, dessen Gründer eine Politik der Verständigung und des Friedens auf ihre Fahne geschrieben haben, war ein solch gewollt brüsker und verletzender Ton, wie sie die französisch-englische Note zeigt, sicht man von Poincarös Notenkrieg gegen Deutschland ab, bis­her nicht üblich. Es erübrigt sich, auf ihren Inhalt näher einzugehen. Ihre Absender haben inzwischen eingesehen, daß sie sich sogar einem solch ohnmächti­gen Gebilde wie Oesterreich gegenüber zu weit vor­gewagt haben, und sind unter dem Druck der erreg­ten Volksstimmung in Italien und Deutschland, um einige Pflöcke zurückgewichen. Ihre Gesandten haben dem österreichischen Bundeskanzler vorgeschlagen, die Angelegenheit für erledigt anzusehen, nachdem ihnen über die Art des Waffentransports Auf­klärung geworden war und der Bundeskanzler, mit Zustimmung des Nationalrats, eine Beantwortung der Note abgelehnt hatte. Das war natürlich ein Rückzug, denn wenn man schon in Paris und Lon­don geglaubt hatte, einen wehrlosen Staat wie ein .Hottentottenvolk behandeln zu können, und sich nach­her entschuldigen muß, datz die Note nicht so ge­meint gewesen sei, wie sie von der Oeffentlichkeit ausgenommen worden war, so gibt man damit eine diplomatische Schlappe zu.

Aber wie schon angedeutet, der Kleinen (Entenft, auf deren Betreiben die beiden Großmächte vor­geprellt waren, genügt dies noch nicht und ein Nach­spiel der Hirtenberger Affäre innerhalb der Ver­waltung der österreichischen Bundesbahnen wird ihnen neuen Stoff für eine Fortsetzung ihrer Aktion geben, die sich natürlich viel weniger gegen das machtpoiitisch unbedeutende Oesterreich richtete, das man damit allenfalls für einen engeren Anschluß un den neuen Donaublock gefügig machen wollte, als gegen Italien, was man in Rom ja auch schnell genug begriffen hatte und durch Veröffent­lichung des Ultimatums parierte. Den österrei­chischen Bundesbahnen nun geht es schlecht, es fehlt ihnen sogar an den für die Auszahlung der am l.März fälligen Gehälter erforderlichen Geldern, weshalb ein Str-ük der Bahnangestellten vor der

Der Völkerbundsenischeid im Mandschureikonflikt.

Hymans' Gchlußansprache.

Die Japaner verlassen den Taal.

Genf. 24. Febr. ($11.) Präsident Hymans erklärte nach der Abstimmung über den Bericht des Reunzehner-Ausschus es, daß nunmehr die Be­stimmungen des Artikels 15 Absatz 6 des Bölker- bundsvertrages in Kraft träten, der alle Mit- gliedsstaaten des Völkerbundes verpflichte, keinen Krieg gegen China zu füh­ren. Hymans wandte sich an den japanischen Ver­treter und betonte, er hoffe, daß Iapankeine Schritte ergreifen werde, die n i ch t w i e - dergutzumachende Tatsachen: schüfen.

Hierauf erwiderte Matsuoka. daß die ja­panische Legierung mit großer Enttäu­schung und tief st em Bedauern die An­nahme des Berichtes zur Kenntnis nehme. Ja­pan, das in Versailles an der Ausarbeitung des Völkerbundvcrtrages beigetragen habe, habe seit­dem stets auf das engste mit dem Völkerbünde zur Aufrechterhaltung des Friedens zusammen­gearbeitet. Japans Politik im Fernen Osten sei nur von dem Wunsche bestimmt, den Frieden und die Sicherheit zu sichern. Japan sei nunmehr ge­zwungen, anzunchmen, daß seine Auffassung über die Erreichung dieses Zieles von den Auffassun­gen der übrigen Völkerbundstaatcn a b w e i ch e. Damit sei die Grenze für die Zus am - menarbe'it Japans mit dem Völker- bund erreicht. Die japanische Regierung werde jedoch alles tun, um auch weiter den Frie­den im Fernen Osten zu sichern und die freund­schaftlichen Beziehungen zu allen Ländern auf- rechtzuerhalten. Die japanische Abordnung sehe sich jedoch angesichts der Abstimmung gezwungen, den Saal zu verlassen. Hierauf ver­lieh die japanische Abordnung den Sitzungssaal.

Oie Vollversammlung tagt in Permanenz.

Ein neuer 'Ausschuß soll die (Entwicklung verso gen.

Die außerordentli<he Vollversammlung beschloß, weiter mit dem japanisch-chinesischen 'Streitfall befaßt zu bleiben. Die Versammlung beschloß: 1. Die außerordentliche Dölkerbundsversammlung bleibt weiterhin in Permanenz und kann jeden Augenblick durch den Präsidenten ein- berufen werden. 2. Ein beratender Aus­schuß aus Vertretern der Mitglieder des Reun- zehnerausschusses unter Hinzuziehung der Aieder- lande und Kanadas wird mit der Aufgabe ge­bildet, die weitere Entwicklung der Lage im Fernen Osten zu verfolgen und der Völker­bundsversammlung sowie den einzelnen Mächten in der Durchführung ihrer Aufgabe behilflich zu sein und ein gemeinsames Vorgehen zu ermöglichen. Die Sowjetregierung und Amerika werden zur Teilnahme an diesem Ausschuß eingeladen. Durch die'es Vorgehen soll zunächst ein Druck auf die japanische Regierung ausgeübt und dem Völkerbund ermöglicht wer- den, im Falle eines weiteren japanischen Vor­marsches in der Provinz Jehol die sich dann zwangsgemäß ergebenden Sanktionsmaß- nahmen des Artikels 16 treffen.

Matsuoka verläßt Genf.

Genf, 24. Febr. (WTB.) Die japanische De­legation ist in der heutigen Rachmittagssihung der außerordentlichen Völkerbundsversammlung nicht mehr erschienen. Ein Teil der ja­panischen Vertretung, darunter der Führer der Delegation, Matsuoka, wird morgen Gens verlassen. Ob die Japaner noch an der Abrüstungskonferenz teilnehmen werden, steht noch nicht fest. An sich beschränkt sich ihre Absage vorläufig lediglich auf den chi- ncsich-japanischen Konflikt; auch eine Erklärung ihres Austrittes aus dem Völkerbund liegt bis jetzt noch nicht vor.

Der japanische Untergeneralsekretär Sugi- muta, der Leiter der politischen Abteilung des Völkerbundes, hat im Hinblick aus die Ereig­nisse des heutigen Tages dem Generalsekretär des Völkerbundes sein Rücktrittsgesuch ein- gereicht. Matsuoka wird sich zunächst nach Paris, Den Haag und London begeben und so­dann über Washington nach Tokio zurück­kehren.

ZaNanischer Vormarsch in Zehol.

Kailu nach Fliegerbombardemcnt besetzt.

Peking, 24. Febr. (TU.) Mandschurische Streitkräfte des Generals Tschanghaipeng mar- schirrten am Freitagnachmittag in die Stadt Kailu ein. Kailu ist einer der wichtigsten strategischen Punkte im Rordosten der Provinz Jehol. Der Einnahme ging einstarkesFlug- zeugbombardement voraus. Die angrei­fende Infanterie wurde von Tanks und Flugzeugenunter st uh t. Gleichzeitig tour-

ÄaljenmddieSirtenderLkrAffäre

Rom, 24. Febr. (WTB.) In der Kammer erwiderte der Unterstaatssekretär des Auswär­tigen, Suvich, auf eine Interpellation über die Hirtenberger Waffenangelegenheit u. a.: Diel Lärm um nichts! Alle Gewehre, Kriegsübcrreste, die den Hrsprungsfabriken zur Reparatur gesandt werden, verdienen nicht die Ehre all' dieses Alarmgeheuls wegen Verletzung der Verträge und Angriffe auf den Frieden. Rach Ansicht einiger Kreise müsse offenbar dem Gebiet der österreichischen Republik ausschließlich die DurchfuhrvonZügenmit den furchtbarsten und modernsten Kriegswafsen Vorbehalten blei­ben, die schon seit Jahren zu jenen Län­dern geleitet werden, von denen die Proteste kamen. Aus dem Inhalt der französisch- englischen Rote an Oesterreich geht hervor, daß Europa in zwei Gruppen von Staaten ge­teilt ist, jene, denen alles erlaubt ist und jenen, denen nichts erlaubt sein dürste. Diese Einteilung hat zu der unerhörtesten poli­tischen Entstellung geführt, da man glaubte, an die Staaten der zweiten Kategorie in einem Ton und in einer Form der internationalen Bezie-

den T s ch u s ch a n und T s ch j a n i n von den japanischen Truppen angegriffen. Alle diese Orte sind militärisch befestigt. Rach chinesischen An­gaben sind den japanischen Fliegerangriffen zahl­reiche Zivilpersonen zum Opfer gefallen. Die Kämpfe dauern noch an. General Tschang­haipeng, der Zlügeladjutant Kaiser Puyis und Leiter des Exekutivrates von Mandfchukuo ist zum ober st e n Befehlshaber der Streitkräfte ernannt worden, die die Expedition in Jehol durchfuhren sollen. Er verließ am Donnerstag Tungliau in Richtung auf die Grenze an der Spitze einer starken mongolischen Kaval­lerieabteilung. Bor seiner Abreise erklärte er der Presse, daß er die mandschukuoseindlichen Elemente aus Jehol hinauswerfen werde, und daß er es begrüße, hierbei von den japani­schen Truppen unter stützt zu werden, wie es das Dündnisprotokoll zwischen Japan und Mandfchukuo vorsehe.

China zum Widerstand entschlossen.

S ch a n y h a i, 24. Febr. (TU.) Der stellvertre­tende Präsident des Exekutivrates des Vollzugsaus­schusses T. D. S u n g begab sich nach Sangtschang, um mit General Tschiangkaischek die Lage in Nordchina zu besprechen. Er erklärte der Presse, daß es nur einen Weg gebe, um aus der gegenwärtigen Lage herauszukommen: Sich dem militärischen An­griff der Japaner zu widersetzen. Diel beachtet wurde in Nanking der erstmalige Zusammentritt des nationalen Verteidigungsrates, der aus Tschiangkaischek als Vorsitzenden, dem Kriegs­minister, dem Marineminister sowie verschiedenen Kabinettsmitgliedern und Mitgliedern der Kuomin­tang besteht.

Hungen herantreten zu können, die ein freier und souveräner Staat absolut nicht dulden kann. Italien ist, als es von der Rote erfuhr, rin­ge s ch r i t t e n , um die Rechte Oesterreichs zu verteidigen, die unter dem Druck der harten Bedingungen der Rote nicht aufgeopfert werden dürften.

Eine Erklärung Dr. GeefehlnerS.

Wien, 24. Febr. (ERB.) Generaldirektor Dr. Seefeh Iner hat sämtlichen Zeitungen eine Erklärung übersandt, in der er sich energisch gegen die Vorwürfe wendet, die man ihm im Zusammenhang mit der Hirtenberger Waffen- angelegenh^it gemacht hat. Dr. Seefehlner er­klärt, Ziel und Zweck der Besprechung mit Ra­tionalrat König sei gewesen, die ruhige Ab­wicklung von legalen Waffentrans­porten durch Oesterreich sicherzustellen. Gänz­lich unrichtig sei, daß er davon gesprochen habe, es könnte der Transport auch illegal oder den Instruktionen der Regierung zuwiderlaufend er­folgen. Es entspreche auch nicht den Tatsachen, daß er Rationalrat König irgendeinen Betrag angeboten hätte.

Das Nachspiel zu Hirtenberg.

Tür stand. Verhandlungen mit der Nationalbank über die Beschaffung eines Millionen-Kredits hatten bislang nicht zum Ziel geführt, weshalb der General­direktor der Bundesbahnen S e e f e h l n e r auf den Gedanken gekommen war, aus der Hirtenberger Waffenaffäre ein für die Bundesbahnen einträg- liches Geschäft zu machcm. Die in Hirtenberg noch lagernden Waffen solltenaus Versehen" nach Ungarn verschoben werden, die leeren Wagen darauf plombiert zurückkommen und als Waffentransport deklariert nach Italien weiterlaufen. Seefehlner hatte sich um die Mitwirkung der Eisenbahner­gewerkschaft bemüht, aber deren Obmann, der sozial­demokratische Abgeordnete König, hatte nichts eilige­res zu tun, als zum Bundeskanzler zu laufen, womit natürlich diese etwas seltsame Hilfsaktion für die leeren Kassen der Bundesbahnen ins Wasser fiel und der Generaldirektor Seefehlner von heute auf morgen den Laufpaß erhielt. Selbstverständlich wird die Kleine Entente nichts unversucht lassen, aus die­sem Nachspiel der Hirtenberger Affäre neuen Auf­trieb zu geben, um doch noch in Genf irgendwelche Kontrollmaßnahmen durchzusetzen, die ihren eigenen, bisher schon umfangreichen Waffentransporten von den Skodawerken im tschechischen Pilsen nach Ru­mänien und Südslavien das Monopol auf den öster­reichischen Bahnen sichern. Aber von diesem Zweck ist natürlich bei der ganzen Aktion mit keinem Wort die Rede. Alles geschieht nur zur Aufrechterhaltung der Verträge und Sicherung des Friedens. So dürfte also der Völkerbund, der sich eben erst aus der Zwick­mühle des Mandschureikonflikts mit feinem ei iftim» migen Votum gegen Japan herausgewunden hat, bald wieder eine Nuß zu knacken bekommen, die ihn unter Umständen in einen ernsten Konflikt mit Ita­lien, Ungarn und Deutschland bringen kann.

Das ist umso wahrscheinlicher, als sich gleichzeitig auf der Genfer Abrüstungskonferenz die Gegensätze weiter verschärft haben und von allen Seiten auf eine Entscheidung gedrängt wird. Die französische Politik in Genf beschränkt sich jetzt nicht mehr darauf, dem deutschen Grundsatz der Gleich­berechtigung die utopischen Sicherheitspläne Paul- Bvneours entgegenzustellen, sie sucht vielmehr neuer­dings der deutschen Forderung, der theoretischen

I Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung jetzt > auch praktischen Inhalt zu geben, dadurch aus dem Wege zu gehen, daß sie die Gleichheit der Heeresversassungen als Gleichberechtigung auslegt und sofort behandeln will, während die deutsche Delegation mit allem Nachdruck auf eine Vereinbarung über die Abschaffung der Angriffs­waffen und eine wirkliche Herabsetzung der Streit­kräfte, also einen Ausgleich zwischen schwer bemaff- ncten und bereits abgerüsteten Staaten hindrängt. Frankreich sucht durch diese Taktik die Erfüllung der deutschen Ansprüche erneut zu verschleppen und durch ein scheinbares Entgegenkommen in der Gleich­heit der Heeresversassungen die Verantwortung für ein Scheitern der Abrüstungskonferenz auf Deutsch­land abzuschieben. Diese Aussicht ist umso größer, als Deutschland durch das französische Manöver in die seltsame Lage versetzt worden ist, das ihm in Versailles ausgezwungene und gegen seinen Willen durchgefuhrte Heeressystem der kleinen Berufs­armee mit langer Ausbildungsdauer, das es stets als unzureichend für die Verteidigung seiner lan­gen, offen baliegenben Grenzen empfunden hat, nun verteidigen zu müssen gegen den französischen Plan der Einführung von ausschließlichen Milizheeren.

Es ist allerdings nicht minder befremdend, daß die Franzosen, die uns auf Rat ihres Generalstabs im Friedensdiktat die Form des Berufsheeres als un­gefährlichste vorgeschrieben hatten, nun plötzlich in ihr den Angriffscharakter sehen wollen und eine Aenderung des Heeressystems verlangen. Das hat natürlich feine guten Gründe. Paul-Boncourskon­struktiver Plan" sieht die Umwandlung der Berufs­heere und der auf der allgemeinen Wehrpflicht auf­gebauten Armeen mit mehrjähriger Dienstzeit in Milizen mit einer Gesamtdienstzeit von höchstens neun Monaten vor, wobei alle Angrinswasfen, also Kampfwagen, schwere Geschütze, Flugzeuge ausschließlich dem Völkerbund zur Verfügung zu stellen wären, der sie inneutralen Ländern" depo­nieren würde, um damit im Kriegsfälle feine aus den Kontingenten aller Mitgliedsstaaten gebildete Armee zu bewaffnen. Der französische Plan nimmt ausdrücklich aus seine sämtlichen Kolonialtruppen; das Millionenheer aus afrikanischem Boden, das in

wenigen Stunden im Mutterlande sein könnte und schon in den ersten Mobilmachungstagen in die riesigen Befestigungen der Ostgrenze einrucken würde, soll also zur Verschleierung der eigenllichen franzö- fischen Heeresmacht werden. Deutschland soll jedoch seine zwar gänzlich unzulänglich bewaffnete, aber vorzüglich ausgebildete Reichswehr, die den Fran­zosen in 14 Jahren nach Versailles als schlagkräftige Rahmenarmee auf dieNerven fällt, tauschen gegen eine kurzfristig ausgebildete Miliz, mit der Frankreich mit Hilfe seiner Kolonialarmee und der in Spanien, Belgien oder der Westschweiz schnell greifbar ein­gelagerten schweren Waffen des Völkerbundes ge­gebenenfalls mühelos fertig zu werden hofft.

Eine Miliz, wie sie der Plan Paul-Boncours nun als non plus ultra anpreist, besitzt als ausschließ­liches Derteidigungsmittel in (Europa nur die Schweiz. Jeder Eidgenosse, der im allgemeinen schon in schieß- und Sportvereinen auf feine Mi­litärzeit vorbereitet wird, ist nach einer nur zwei bis drei Monate währende», Ausbildung in der Re­krutenschule zwar zur Dienstleistung in der Miliz­armee und in der Landwehr verpflichtet, wird aber in der Regel nur zu Wiederholungskursen von je 11 oder 14 Tagen eingezogen, die aus ihm natür­lich nicht den vollwertigen Soldaten machen können, der über eine für den modernen Krieg notwendige technische Ausbildung und Die Einzelerziehung zu selbständigem Handeln im Gelände verfügt. Seine gesamte Ausrüstung und Bewaffnung hat der Schweizer Milizsoldat auch außerhalb der Dienst­zeit stets bei sich zu Hause, was, auf deutsche Ver­hältnisse übertragen, zu geradezu unvorstellbaren Zuständen führe nmüßke. Heber die äußere Schlag­kraft und den inneren Zusammenhalt einer solchen Milizarmee hat kein Geringerer als der bekannte Oberst Wille, Oberbefehlshaber des Schweizer Heeres während des Weltkrieges, folgendermaßen geurteilt:Die mobilisierten Truppen besaßen nicht den Grad militärischer Kriegsbereitschaft und Tüch­tigkeit, deren wir bedurft hätten, um einen feind­lichen Einfall aufzuhalten. Ein gütiges Geschick hat der Armee die Probe des kriegerischen Einsatzes er­spart. sie hätte den Wandlungen des Kriegsglücks nicht ftandgehalten." So hat denn auch keiner dec

i

i

r

i, c n c h n

ie i) it

it is c,

IN r- e* r- m it il- c- ä- er s- as ür

.er -er xi. n- is- r - e n f- en

ei- et- ach rch igs ber ige >en ab- uck

em sich

er- et»

mb .en. ach and ild,

rab jens IUM

cm örz: mm.