Nr. 197 Zweiter Blatt
GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 24. August (935
Die Werbung im neuen Staat
Von Or. Wilhelm Zischdick.
Die deutsche Wirtschaft wird wieder arbeiten. Die Zeit des unfruchtbaren Streites ist vorbei. Unfruchtbar war er, weil die Arbeitnehmerseite schrie: „Zahlt hohe Löhne, so hebt ihr die Kaufkraft und mit ihr die Produktion", und die Arbeitgeberseite entgegnete: „Hebt die Produktion, damit sie den Massen Arbeit und Kaufkraft gibt." Der Punkt, wo angefangen werden muhte, war für beide je ein Dogma. Heute weih man endlich wieder allgemein, dah die Wirtschaft e i n Kreislauf ist, und dah Einspritzungen nur dann helfen, wenn die Dosierung richtig ist, und wenn der Kranke Vertrauen hat, so dah alle Organe gemeinsam sich auf die Genesung einstellen. Die Letztere hat begonnen. Die nächstliegende Sorge aber ist nun auch die um den richtigen Kreislauf von Geld und Gut, um den Absatz der Produktion, also mit anderen Worten um die Reklatne. Auf diesem Gebiete ist eine gaiu besondere Aktivität zu erwarten. In den Krisenzeiten der Hoffnungslosigkeit hat die Reklame entweder resigniert geschwiegen oder verzweifelt gerast. Sie wird wieder plan* mäßige Arbeit leisten müssen.
Aber inzwischen ist unser gesamtes öffentliches Leben ein anderes geworden. Welche Verhältnisse findet die neue Reklame vor? Mit der wildgewordenen Richts-als-Zndividualwirtschaft ist es vorbei. Aber es ist doch nötig, sich einmal auf deren Reklametechnik zurückzubesinnen, die damit auch der Vergangenheit angehören dürfte. 3n dieser Zeit hätte sich am liebsten jeder Fabrikant für jedes Fabrikat in der Oeffentlichkeit ausgeschrien ohne Rücksicht auf irgend etwas. Man bemalte Giebel, machte Lichteffekte, expedierte Flugzeuge, setzte Schilder in die freie Ratur, schrieb an den Himmel usw. 3e nach der persönlichen Vildung des Unternehmers wurden Geschmacksgrenzen anerkannt, aber eigentlich stand jeder, der sich gegen diesen Rummel wehrte, in dem Verdacht, ein weltfremder Wirtschaftsfeind zu sein. Heute weih man, dah diese Art von wilder Reklame auch unwirtschaftlich, nämlich Geldverschwendung, ist.
Zunächst einmal bringt hemmungslose Reklame sich um die Wirkung, indem sie das Publikum abstumpst. Wenn wir heute durch die nächtlichen Straßen der Großstadt gehen, so haben wir unsere Freude an dem hübschen Gemisch von Violett, Orange, Grün und Rot in den Lichtschriften, die sich da tummeln, aber wer liest sie noch? Wem prägen sie sich noch ein? Wer hat nicht bei der einunddreißigsten die neunundzwanzigste schon vergessen? Der Effekt ist im großen und ganzen Der, daß zu der öffentlichen noch eine zweite, private Straßenbeleuchtung getreten ist, die wir gerne hinnehmen, die aber zum großen Teil einfach einer Vesteuerung der Wirtschaft gleichkommt.
Das zweite Leck der Reklameverschwendung besteht darin, daß Hemmungslosigkeit den Teil des Publikums, der etwas Geschmack besitzt, verärgert. Es ist nicht wahr, dah ärgerliche Reklame trotzdem zum Kausen anrcgc. Einen jener ungeschickten, taftlosen Reisenden, die mich „privat sprechen" wollen, um vorgelassen, mir ihre Musterkarte aus- zuoreiten, werfe ich hoch im Vogen hinaus. 3ch verbitte es mir, überrumpelt zu werden, und wenn das, was er anbietet, noch so gut ist. Vielleicht bestelle ich den Artikel gleich hinterher mit Postkarte direkt von der Firma, die ja nichts dasür zu können braucht, daß der einzelne Reisende diesmal ein so widerwärtiger Patron war. Aber Provisionsverdienste an meinem Auftrag soll nur der anständige, sachlich vorgehende Vertreter haben. Lind es gibt sicher Verbraucher die Menge, die sich sagen: „Rein, dieses Fabrikat, über dessen Plakate ich mich ärgerte, weil sie mich bis ins einsame Hochgebirge verfolgten, oder jenes, das ich immer wieder auf dem scheußlichen Giebel lese, der da oder dort das Stadtbild verhunzt, kaufe ich nun gerade nicht!" Lind das ist richtig so, denn in diesem Fall trifft die Schuld nicht einen einzelnes ungeschickten Vertreter, sondern der Reklamechef der Firma muß wissen, wo seine Reklame steht und wie sie wirkt. Dafür ist er da. __________
Oie Gräfin Hatzfeld.
Von Wilhelm Schäfer.
Man kann nicht sagen, dah die Fürsten Europas vor dem Advokatcnsohn aus Korsika mit Männerstolz gestanden hätten: und manche haben nicht verschmäht, die Anmut ihrer Frauen in heiklen Stunden vorzuschicken. Richt immer nur um einen Fußfall so zu tun, wie ihn die Gräfin Hatzfeld um ihren Mann aus freien Stücken tat.
Das war nun freilich auch kein Held, der den Derlinern nach der Schlacht bei 3ena als Gouverneur verkündete, dah Ruhe nun die erste Pflicht des Bürgers sei. Auch nahm er sich in Briefen kaum mehr in acht, unh weil er mit dem Fürsten von Hohenlohc°3ngelsitlgen glaubte, daß an der kaiserlichen Macht durch Konspirationen gerüttelt werden könnte, wie sie an den Höfen Europas bis dahin den Boden aller Ungunst bereitet hatte: so brachten seine aufgefangenen Briefe ihn eines Tages vor das Kriegsgericht, so dah er unvermutet fast zum Märtyrer preußischer Freiheit geworden wäre.
Das Todesurteil war schon Ausgesprochen, als sich die Gräfin — zur Audienz befohlen — im 3ammern um den Vater ihrer Kinder, noch ins Schloß begeben durfte. Cs war ein winterlicher Herbsttag, der Kaiser im Begriff, auszugehen und also schon in Hut und Degen, als sie ihm, aller Aengste voll, zu Füßen stürmte, nicht um Gerechtigkeit, nur um Erbarmen flehend. An solche Dinge täglich gewöhnt und durch die Kleinigkeiten schlechter 3ntriganten aufs übelste gereizt, ließ er sie wenig reden, nur vom Boden aufstehen und selber einen Brief von ihrem Gatten lesen, der — wie er ihr aufs kürzeste bedeutete — durchaus verhinderte daß an Begnadigung zu denken wäre. Da hielt'die arme Frau das glattgefaltete Papier in Händen, das ihrem Mann das Leben kosten sollte — indessen der Kaiser, wie ein böses Tier, an einem Handschuh knöpfend, hin- und wiederging — und weil die Tränen in den Augen sie hinderten, den Brief zu lesen, den ihre Finger fast zerrissen — so zierten sie — und weil der Kaiser nach seiner Gewohnheit am Kaminfeuer stehen blieb und mit den Händen auf dem Rücken den kleinen blauen Flämmchen zusah, die um den roten Brand aufzuckten, und eine Kohle platzte ab
Die Wahl unserer Beispiele zeigt bereits, wo das Hauptproblem liegt. Wie ein Vertreter richtig arbeitet, das zu lehren ist eine Sache der Ausbildung, es zu überwachen, Sache der Auftraggeber uäd der Etandesorganisation für reisende Kaufleute. Die Zeitungs- und die Drucksachenreklame haben den Vorzug, dah besonders die erstere gar nicht unangenehm aufdringlich sein kann. Wenn der Geschäftsmann 3nserate liest, so hat er sich darauf eingerichtet, ebenso, wie wenn er Sprechstunde für Offerten abhält. Da gibt es keine Ueberrumpelungsversuche. Da will er orientiert sein über das, was auf dem Markt ist. 3n hohem Grade eine öffentliche Angelegenheit aber ist alle sogenannte Auhenreklame, also diejenige, die nach Art und Anbringung dazu bestimmt und geeignet ist, von öffentlichen Wegen, Strahen oder Plätzen aus gesehen zu werden, wozu auch die Bahnkörper gehören. Da hat der Passant, der Erholungs» reisende oder wer es sei, einen Anspruch, davor geschützt zu werden, dah ihm dauernd Anpreisungen ins Ohr oder ins Auge gedrängt werden, die ihn entweder überhaupt nichts angehen, oder die er just in der Situation, in der er sich befindet, einfach nicht wissen will.
Es ist ganz selbstverständliche Pflicht, die Landschaftsverschandelung zu verhindern oder diejenige historischer Stadtbilder, ganz abgesehen davon, dah eine hemmungslose Aufstellung z. B. von Schildern, die für die öffentliche Sicherheit notwendigen Verkehrsschilder, Warnungstafeln usw. um ihre Wirksamkeit z. B. den Autofahrer um seine menschlich begrenzte Aufnahmefähigkeit dafür bringen kann. Die Wirtschaft weih das heute gairz genau, und sie weih auch, dah hier eine vernünftige Beschränkung nur den Wert ihrer Reklame erhöht. Sie beugt sich nicht allein dem berechtigten 3nteresse des Publikums und dem autoritären Polizeiinteresse, sondern sie vermeidet wirkungslose Fehlinvestitionen von Propagandakapital, wenn sie selber nach einer gesetzlichen Regelung der Auhen- r e k l a m e verlangt, mit der sich zuständige Staatsstellen bereits im Einvernehmen mit ihr beschäftigen. Das ist die kennzeichnende neue Situation auf diesem Gebiete. Auch hier sieht man ein, dah der hemmungslose Eigennutz keine die Wirtschaft fördernde, sondern im Gegenteil eine sie schädigende, nämlich einen unendlichen Leerlauf erzeugende Haltung ist.
Eine solche Regelung wird sicher im Publikum freudig begrüht werden. Sie wird zur Wirtschaftsfreundlichkeit dieses Publikums beträchtlich beitragen. Sie fällt aber andererseits auch insofern schwer ins Gewicht, als sie der Reklame treibenden Wirtschaft eine ganze Reihe von Vorteilen in den Schoß legen wird, die ohne Einmischung des Staates nicht zu erreichen waren. Da ist zunächst einmal eine der heutigen Staatsautorität mögliche einheitliche R e g e l u n g der Bestimmungen für das ganze Reich. Raturschuhgebiete, in denen überhaupt Auhenreklame verboten ist, werden festgelegt, Erholungsgebiete, Altstadtbezirke werden gegen Reusiedlungen abgegrenzt und in ihnen das Erlaubte verschieden aber einheitlich festgesetzt, für die Gröhe der Reklameschilder und für die Häufigkeit ihrer Anbringung gibt es Hormen, ästhetische Vorschriften über Farbgebung u. dgl. werden festgestellt u. s. f.. Während früher die Genehmigußg bezirklich geregelt und damit verschiedenen Auffassungen unterworfen war, wird in Zukunft nach grundlegenden Abmachungen mit einer Zentralstelle die technische Durchführung fast automatisch und reibungslos vor sich gehen. Also auch in dieser Hinsicht werden Mühen und Kosten gespart werden. Die Regelung der Gebühren und Steuern wird übersichtlich werden. An den entscheidenden Stellen werden hauptamtliche Sachverständige sitzen, was nicht möglich ist, wo in kleineren Verhältnissen diese Dinge von Beamten bearbeitet werden müssen, die ihnen nur einen Teil ihrer Arbeitskraft widmen können. Konflikte können durch geordnete Schiedsinstanzen beseitigt werden.
Der Wunsch der Wirtschaft in unserer Zeit, in der der Staat den Wert der Privatinitiative gegenüber der Fiskalwirtschaft erkannt hat, geht ferner dahin, dah z.D. kommunale Reklameunternehmen verschwin den und auch die Organisation der Auhenreklame wieder
und sprang im Bogen auf ihn zu, dah er den Fuß, der so viel Staaten zertreten hatte, dennoch zurückzog seiner Weichen Stiefel wegen: da sprang auch in den Kopf der kleinen Frau ein Funke, dah sie ganz ohne Hast, gleichmütig fast an den Kamin ging und behutsam das Papier ins Feuer legte, indessen sie noch nassen Auges und von der rasch entflammten Glut beleuchtet, mit einem Lächeln stiller Art dem Kaiser in das stumme Antlitz sah.
Der zuckte nicht mit einer Hand, versenkte nur sein Auge fast träumend und erstaunt in ihres — und weil er nicht an Diplomatentischen, sondern im freien Feld gewachsen war, wo dem das Spiel gehört, der es tollkühn gewinnt — so sagte er kein Wort, nahm nur mit sanfter Artigkeit ihre Hand, so klein wie seine, und kühte sie. So dah die Gräfin, erst drauhen zwischen den Gardisten erwachend, aus dem Traum der kühnen Handlung, nicht anders meinte, als dah er ihr tote einer Schwester fast gütig und auch ein wenig scherzhaft zugelächelt habe.
3m alten Oeutsch-Güdwest.
3n unserer alten Kolonie „Deutsch-Südwest", die unter dem Mandat der südafrikanischen Union steht, kämpsen 12000 Deutsche, die alle nach dem Kriege neu anfangen muhten, schwer um ihre t^istenz. Wie Rora von Steinmeister in der Leipziger „3llu- strirtenZeitung" erzählt, sind sie besonders schwer durch eine Reihe furchtbarer Dürrejahre betroffen worden. Monatelang fehlte jeder Regen, und nur im letzten Moment wurde noch der völlige Zusammenbruch der deutschen Siedler obgewendet. Die Mandatsregierung, die Eüdwest-Afrika als Absatzgebiet für ihre Erzeugniffe benutzt, erschwert den Südwestern den Absatz ihrer Landesprodukte und verteuert zugleich die notwendigsten überseeischen Einfuhrartikel. Durch Stillegung der Diamant- und Kupferminen seit dem Herbst 1932 ist die Kaufkraft noch mehr ge- sunken, und so ist das ganze Land verschuldet. Die Farmer müffen auf Kredit kaufen und ihnen fehlt jegliches Bargeld. Dies wird zur schwersten Sorge, wenn die Kinder schulpflichtig geworden sind, denn die Aufnahme in die oft viele Tagereisen entfernte deutsche Schule ist kostspielig. Die wenigsten Eltern tonnten den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen, wenn
ganz in die Hand der Privatwirtschaft zurück- kehrt. Die Behörde soll die Aussicht haben, ober sie soll nicht selbst Reklamegeschäfte betreiben. Wenn z. D. in Berlin mehrere der öffentlichen Hand gehörige Derkehrsunternehmun- gen der Wirtschaft Reklamemöglichkeiten anbieten, so sind deswegen nicht städtische Reklamegesellschaften nötig. Das Angebot kann durchaus über die Annoncenexpeditionen geleitet werden. Es zeigt sich hier, wie im Zuge der Reuentwicklung der Wirtschaft überhaupt, daß stärkere gemeinschaftliche Bindung keineswegs mit bureaukrati- scher Fesselung verbunden zu sein braucht, dah sie im Gegenteil zur Lösung hemmender Fesseln führen kann.
Besonders erfreulich ist ferner, dah die Ver
antwortung für eine auf gestellte Reklame nicht aufhören soll mit dem Moment, in dem der Aufsteller kein geschäftliches 3ntcreffc mehr an ihr hat. 3n dieser Hinsicht ist die hemmungslose Eigennuhwirtschaft immer kontrollbedürftig gewesen. 3n Amerika läßt man bekanntlich ein unbrauchbar gewordenes Auto cimach auf irgendeinem der „Friedhöfe" am Wege flehen, und uns ärgern allerorts die verwitterten Leichen ehemaliger Reklameschilder durch ihre gespenstische Blässe, die nicht einmal etwas von der malerischen Romantik sonstigen Verfalls aufkommen läßt. Eie sollen in Zukunft auf Kosten ihrer Aufsteller „beerdigt"" werden. Man wird Ratur und Müllhausen wieder unterscheiden können in frischem Hauch einer neuen Zeit.
Snttoufliinflimb Kampf derRSAO im Sau Hessen
Die Gau-RSDO. bittet um Veröffentlichung des nachstehenden Artikels.
Meine lieben NSBO-Kameraden!
Wenn wir aus dem Gau Hessen heute zum Landestreffen der NSBO. antreten, so erfüllt uns große Freude, dieses Treffen mitmachen zu können. Zugleich aber geht unser Blick rückwärts. Wir denken an die Tage, in denen wir unbekannt und geächtet den Tag ersehnten, der dem roten Terror ein Ende machte.
Diese Kampftage sind nicht vergessen. Vor mir liegen die Gau-Berichte, ansangend mit der Monatsmeldung vom August 1931. Sage und schreibe: 5 Betriebszellen mit 41 Mitgliedern. Kameraden, das war der Anfang! Kannst du verstehen, was es heißt, mit einem Tisch und zwei Stühlen, ohne Geld einen Kampf zu führen, gegen eine Organisation, deren Fundament auf Granit steht? Kannst du verstehen, welche Ausdauer und Zähigkeit nötig war, zumal infolge Rot und Elend alles Mitgliederwerben zu scheitern drohte?
Gau-Betriebszellenleiter Pg. Kern war beauftragt, diese Arbeit zu leisten. Unverdrossen immer und immer wieder ging er als Redner unter die Arbeiter. Sein heiliger Ernst, dem Arbeiter helfen zu müssen, trieb ihn. Es war nicht umsonst! Buchstäblich um jede einzelne Seele wurde gerungen. Neuaufnahmen: 41, 81, 101, so ging es Monat um Monat, uns viel zu langsam vorwärts. Wenige Parteigenossen, viel mehr Sympathisierende melde- ten sich. Wir freuten uns königlich über jeden einzelnen. Mancher „Klugschnacker" lächelt vielleicht heute und hätte zu jener Zeit die Flinte ins Korn geworfen, den Kampf für uns aussichtslos gehalten. Jedoch wir wußten: „Wenige Menschen, ersaßt von unserer Idee, bringen in ihre Umgebung dreifach viel Kämpfer!" Wir hatten Recht! Was organisatorisch in bezug auf Propaganda und Aufbauarbeit geleistet wurde, ist heute manchem NSBO.-Mann unbegreiflich. Trotz Geldnot setzte Propaganda durch „Arbeitertum" ein. Selbst hergestellte Flugzettel von OBW. verfehlten ihre Wirkung nicht. Im Gau wurde es in den Betrieben auf einmal lebendig. Man horchte auf! Der Gegner wurde unruhig und das anfängliche verächtliche Lachen verstummte. Man begann uns zu fürchten. Unsere inzwischen herausgegebene NSBO.-Zeitung wirkte in den Betrieben. Jeder Pfennig wurde für Werbung ausge- geben, so daß wir immer vor leeren Kassen standen, aber dennoch schuldenfrei waren. „Wenn nur der Sieg unser ist", das war die Losung! August 1932! Nach einem Jahr: 4511 Mitglieder, 204 Betriebszellen. Arbeitslosigkeit, Armut und Unterdrückung vermochten nicht den Vormarsch aufzuhalten. Kreisleiter waren ernannt, die Organisation hatte Fuß gefaßt. Wir waren dem Gegner „ein Stein des Anstoßes" geworden. 140 000 NSBO.-Zeitungen bzw. „Deutsche Arbeiter", 36 000 „Arbeitertum", 26 000 Broschüren, 28 000 Flugblätter und verschiedene Be- triebszellen-Zeitungen hatten ihre propagandistische Wirkung nicht verfehlt. Kreisleiter und OGBW. hatten gesorgt, daß alles an den rechten Mann kam. Und das alles ohne Zuwendungen von Geldmitteln seitens „Geldfürsten" bzw. Kapitalisten wie der Gegner immer so schön behauptet. Der Arbeitsmann war es, der sein Schicksal selbst in die Hand nahm! Er, ärmster Sohn des Volkes, hatte erkannt, daß er sich selbst befreien muß.
Dann kamen die vielen Tage des Streiks. RSDO.-Männer standen in vorderster Front. Es waren keine Streikbrecher. Irregeleitete Arbeiter stutzten. Eie kämpften mit sich und fanden den Weg zu uns. Anmeldung auf Anmeldung kam, der Sieg muhte unser werden. Es kamen die Tage, die Anforderungen an uns stellten, die ins unfaßbare gingen. 3n vielen Tagungen und Sitzungen mußte unser Pg. Kern auch seinen Kreisleitern, allen Amtswaltern wieder Anregungen geben. Es waren für uns immer Weihest unden, weil er es verstand, mit unbeugsamer Energie seine Amtswalter anzuspornen. So erstand ein Mitarbeiterstab, der alle Hemmnisse einfach überrannte. 3n jedem Kreis war reges Leben, größte Aktivität.
Die Revolution fand den Gau Hessen mit seiner RSDO. bereit zur Ernte. Ernte insofern, als vom Säemann im Schweiße seines Angesichts gesät wurde. Zur Ernte aber nicht in dem Sinn, die Früchte behaglich zu genießen, sondern so, daß der einfachste RSTO.-Mann sich bewußt ist, daß der Sieg verpflichtet!
Wir werden im Gau Hessen weiterkämpfen unter Hitlers Fahnen für deutschen Sozialismus, weil Blut und Kampf uns zusammenschweihte. Heil Hitler! Ri elfen.
Gonderzüge zum NGBO.-Treffen in Frankfurt.
Die Reichsbahndirektion Frankfurt am Main teilt uns mit:
Zum Gebietstreffen der NSBO. am 26. und 27. August in Frankfurt a. M. werden bestellte Sonderzüge als Verwaltungssonder- züge mit 75prozentiger Fahrpreisermäßigung gefahren. Für Anschlußstrecken bis zu 100 Kilometer gilt die gleiche Ermäßigung. Die Sonderzüge werden auch für den allgemeinen Verkehr freigegeben und können mit gewöhnlichen Fahrausweisen und Sonntagsrückfahrkarten benutzt werden. Die Sonntagsrückfahrkarten werden im Umkreis von 75 Kilometer um Frankfurt a. M. nach Frankfurt a. M. Hbf., Oft, Sud und West ausgegeben. Die Karten gelten zur H i n fahrt vom 26. August 0 Uhr bis 27. August 24 Uhr, zur Rück fahrt vom 26. August um 12 Uhr bis 28. August um 12 Uhr (Antritt der Rückfahrt).
Bisher sind folgende Sonderzüge vorgesehen:
Am Sonntag, 2 7. August, verkehrt ein Sonderzug um 10.29 Uhr von Gießen nach Frankfurt. Der Zug hält auf folgenden Stationen: 10.38 Uhr ab Großen-Linden, 10.44 Uhr ab Lang-Göns, 10.49 Uhr ab Kirch-Göns, 10.58 Uhr ab Butzbach, 11.14 Uhr ab Friedberg und kommt um 11.45 Uhr in Frankfurt-Süd an. Der gleiche Sonderzug fährt in der Rächt zum Montag zurück und verläßt um 0.50 Uhr den Bahnhof Frankfurt-Süd. Der Zug trifft um 2.06 Uhr in Butzbach, 2.15 Uhr in Kirch-Göns, 2.20 Uhr in Lang-Göns, 2.25 Uhr in Großen-Linden und um 2.34 Uhr in Gießen ein. Die Teilnehmer, die aus den Landorten den Sonderzug benutzen, haben Gelegenheit, die Fahrt um 2.38 Uhr fortzusehen. Der Zug trifft dann 2.47 Uhr in Lollar, 2.54 Uhr in Dau bringen, 2.56 Uhr in Mainzlar, 3.05 Uhr in Treis a. d. Lda., 3.10 Uhr in Allendorf a. d. Lda., 3.18 Uhr in Londorf, 3.26 Uhr in Odenhausen,
nicht die deutsche Heimat durch Freistellen und vielseitige Unterstützung der deutschen Schülerheime helfen würde. Man hat in Deutschland erkannt, daß die Erziehung des deutschen Rachwuchses in lieber* fee unbedingt notwendig ist, wenn man nicht beste deutsche Kraft im fremden Volkstum untergehen lasten will. „Deutsche Schulen, Schülerheime und Kindergärten, deutsche Hauslehrerinnen und vor allem tüchtige deutsche Hausfrauen und Mütter arbeiten Hand in Hand, die junge Generation heranzubilden", schreibt die Verfasserin. „Es ist eine Freude, wenn man durch dies große Land reift, zu sehen, wie bewußt deutsch es auch noch heute ist, trotz 15jähriger Fremdherrschaft. Selbst die Reger sprechen alle ein gutes Deutsch. Erschüttert beobachtet man, wie entbehrungsreich und primitiv das Leben der Afrika- Deutschen sich gestaltet, wie alles das an Bequemlich- feit und Erleichterung des täglichen Daseins fehlt, was uns zu Hause als selbstverständlich erscheint. 3d) denke dabei vor allem an des Wohnen im Lehm- Haus, dessen Wellblechdach weder von der Tageshitze noch vor den bitterkalten Rachtfrösten schützt, an den häufigen Wassermangel, an die Unmöglichkeit, die notwendigsten Kleinigkeiten zu laufen; ganz abgesehen von der großen Einsamkeit und der schweren Arbeit. Aber das Ziel ist schön: Freier Mann auf eigenem Boden zu sein, Ausbau-Arbeit zu leisten. „Wir wollen alles entbehren, alles ertragen", sagen die Südwester-Deutschen, „wenn wir nur durchhalten können, bis wir wieder deutsch werden. Aber 3hr in der Heimat müßt Euch tatkräftig für uns einsehen, lange dürft Ihr nicht mehr damit zögern"
Don seltsamen Hüten.
3n früheren Epochen unserer Kulturgeschichte hat man im Hut die Krönung der menschlichen Kraft erblicken wollen, wie ja die Krone das Symbol der höchsten Macht war. Bis ins 17. Jahrhundert hinein legte man den Hut sogar im Zimmer nicht ab, wenn man sich zu Gesellschaften oder feierlichen Veranstaltungen versammelte, und sehr viel Erfindungsgabe ist angewendet worden, um diesen Kopfschmuck kostbar und mannigfaltig zu gestalten. Die seltsamsten Gebilde sind auf diefe Weise entstanden. Wie eine englische Wochenschrift erzählt, hat vor dem Kriege einmal der Besitzer eines Gasthauses in Marienbad eine Belohnung von 1600 Mark für I die Wiedererlangung eines merkwürdigen Hutes •
ausgefetzt: dieser war aus einer Menge von Strohhalmen geflochten, durch die zu verschiedenen Zeiten gekrönte Häupter und andere Fürstlichkeiten, die Marienbad besuchten, den Brunnen geschlürft hatten. Den größten Hut der Welt behauptet ein Fabrikant aus der englischen Strohhutstadt Luton verfertigt zu haben. Für diesen Hut wurden 400 Meter „Jumbo-Geflecht verwendet, und vier erfahrene Arbeiter stellten dieses Kunstwerk her. Der teuerste Hut befindet sich im Ralional-Museum zu Washington. Es ist ein mexikanischer Sombrero, ein breitlräm- piger Filzhut, der 6000 Mark gekostet hat: der Wert erhöht sick) aber noch beträchtlich dadurch, daß dieser Hut dem General Grant bei seinem Besuch in Mexiko als Ehrengeschenk überreicht und von dem großen Mann lange Zeit getragen wurde. Auch „sprechende Hüte" hat es gegeben, so war früher in den Londoner Straßen ein ehrwürdiger Herr eine bekannte Erscheinung, der einen hohen Hut trug, auf dessen breitem Band ein Bibeltext zu lefen war. Ein Pfarrer bediente sich seines Hutes dazu, um seine Gemeinde bereits am Samstag auf den Text der Sonntagspredigt hinzuweisen, indem er ein Vlatt Papier, auf dem die Bibelstelle verzeichnet war, um seine Kopfbedeckung wickelte- Ein exzentrischer Bewohner Liverpools hatte seinen Zylinder- Hut in einen kleinen Raucher-Laden umgewandelt. Um stets alles Rötige für seine Leidenschaft bei sich zu tragen, hatte et sich feinen Hut so einrichten lassen, daß er ein Dutzend Zigarren, ein Päckchen Zigaretten, Tabak, eine Pfeife, eine Zigarettenspitze und Streichhölzer aufnehmen konnte. Einmal entzündeten sich die Streichhölzer zufällig zur größten Bestürzung des Trägers und zum Erstaunen der Umstehenden, die einen echten Fall von „Selbstzün- dung" vor sich zu haben glaubten. Damit ihm fo etwas nicht passieren könne, hatte ein sehr vorsichtiger Herr aus Rorfolk seinen Hut mit einem kleinen Wasserbehälter versehen lassen: wenn er an einem Faden zog, ergoß sich der Inhalt über feine werte Person. Richt minder erfinderisch war ein Arzt, der sehr große Stücke auf eine stets gleichmäßige Erwärmung des Gehirns hielt: er hatte in seinen Zylinder eine Metallkammer einbauen lassen, die im Sommer Eis und im Winter heißes Wasssk enthielt: ein kleines, aus dem Innern des Hutes herausragendes Thermometer zeigte ihm die 3nnen- temperatur an-..


