Ausgabe 
24.8.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 197 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, 24.August 1955

Erfchelni lügUch, auha Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustriert« Giehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl»

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An. zeigenteil i. V.TH.Kümmel sämtlich in Giehen.

Irlands Weg zur Raüon.

Die Sünden der britischen Herrschaft. Der Kampf um eine neue Wirtschastsstruktur. Vor großen Zukunstsaufgaben.

Bon unserem ^-Korrespondenten.

London, August 1933.

Es gibt Länder, deren lesen und Erscheinung klar wird aus den Lebensäußerungen des Tages, ohne daß es nötig erscheint, sich näher mit ihrer Geschichte zu befassen. Bei Irland ist eine solche Betrachtungsweise unmöglich, nur an Hand der irischen Geschichte kommt man zur einzig klaren Erkenntnis über dieses Volk. Nichts ging ihm verloren von den Erinnerungen an jene Zeit, da es unter britischer Herrschaft stand und alle Gefühle des Hasses gegen ihren Unter» drücker sind bis aus den heutigen Tag in den Iren lebendig geblieben. Umgekehrt findet man auch heute noch in England eine gefühlsmäßige Einstellung gegen Irland, die die Gegensätze zwischen diesen beiden so nahe benachbarten Län­dern als unüberbrückbar erscheinen läßt. Nie hat es der Stolz des Engländers überwinden können, daß er die Iren nicht vollkommen in die Knie zwang, ja. daß er sehen mußte, wie seine ersten Konquistadoren vollkommen irischem Einfluß erlagen und daß sich heute aus der anglo»irischen Gentry den Nachfolgern jener Konquistadoren die besten Kämpfer gegen Großbritannien rekrutieren. Diese Einstellung er­schwert naturgemäß sehr die Verständigung über die bestehenden (Streitfragen zwischen diesen beiden Ländern.

Ne'ch stärker aber sind die objektiv feststellbaren Auswirkungen der britischen Herrschaft auf allen Gebieten des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, re­ligiösen und politischen Lebens, die dem Land sein heutiges Gepräge geben. Dor allem in der wirtschaftlichen Struktur der Insel hat die britische Herrschaft tiefe Spuren hinterlassen. Die Landnot, die Zustände in den Slums, den Elendsvierteln der irischen Großstädte, die dünne Desiedlung her fruchtbarsten Landstriche und die Emigration find Erscheinungen, die lediglich auf Las Schuldkonto der britischen Kolonisationspoli­tik zu schreiben sind. Dies wird einem nirgends stärker bewußt als vor demTreaty Stone , der am User des breiten Shannon in Limerick steht. Hier vollzog sich am 16. Oktober 1691. dem Tage, da Sarsfield nach wochenlangem, hartnäckigen Widerstand vor der Uebcrmacht der Truppen Kö­nig Wilhelms 111. kapitulieren mußte, dasEnde der irischen Selbständigkeit und damit der Beginn der Emigration. Der Dertragvon L i meri ck ist das Gegenstück zum Edikt von Nan­tes, mit dem Unterschied, daß er von der eng­lischen Krone nur abgeschlossen wurde, um den kriegerischen Widerstand zu brechen, und daß er Gebrochen wurde, sobald die führende Aristo- ratie und die letzten Truppen das Land ver­lassen hatten, um unter den Fahnen des französi­schen Königtums auf dem Kontinent gegen Groß­britannien toeiterzukäinpsen. Die Religions­freiheit für die Katholiken, die im Vertrage garantiert worden war, wurde niemals eingehal­ten; ja, Strafgesetze wurden erlassen, die die Ka­tholiken, d. h. also die große Mehrheit der irischen Bevölkerung vom Handel, von den akademischen Berufen, den Beamtenstellen ausschlossen und ihnen den Besitz eines Pferdes, einer Waffe oder eigenen Bodens verboten.

Jener 16. Oktober lebt immer als schwarzer Tag in der Erinnerung der Iren fort. Machte er doch Irland unbewohnbar für die Iren, war es ihm doch zu danken, daß die Besten der Nation auf fremder Erde und in fremdem Sold verbluteten. Die englischen Beherrscher aber belegten die fruchtbarsten Ländereien mit Beschlag, sie wur­den nicht kolonisiert, sondern durch extensive Wirt­schaft immer mehr entvölkert. Die Iren, die als ent­rechtete Landarbeiter oder als kleine Pächter hier zurückblieben falls sie evangelisch wurden wur­den zur Trägheit und Teilnahmslosigkeit geradezu erzogen, denn wenn jemand fleißig und gut sein Stückchen Land bestellte, so lief er Gefahr, daß es ihm eines Tage- von einem englischen Lord ge­nommen wurde. Nur in der Verwahrlosung seines Ackers sah er ein Mittel, nicht eines Tages vertrie­ben zu werden. Das erklärt auch, wieso Hungers­nöte in dem Ausmaß wie im 19. Jahrhundert mög­lich waren, die die Bevölkerung von 8 auf 4 Mil­lionen herunterdrückte

Wenn d e Balera heute die weitere Bezahlung der Abfindungssummen für den Landrückkauf, der 1885 begann, verweigert, so leitet er das Recht dazu aus der Geschichte des englischen Landbesitzes in Irland ab Er zieht auch noch andere Lehren aus der Geschichte, um die wirtschaftliche Umgestaltung des Landes durchzuführen. Noch ist die Lösung jenes Problems nicht gefunden, das in der Zurückführung des arbeitslosen Proletariats aus den Slums aufs Land bestände. An Boden fehlt es in Irland nicht, aber es ist ein Erziehungsmoment, das ungeheure Ausdauer erfordert, jene Menschen, die jahrhun­dertelang jeder regelmäßigen Arbeit entwöhnt wur­den, wieder zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft zu machen. Nur die bewußte Führung durch Generatio­nen hindurch wird jenen Wandel herbeiführen kön­nen, der aus anglisierten Iren wieder richtige Galen werden läßt. Die Wiedererweckung der g ä - 1 ischen Sprache in diesen anglisierten Land­strichen wird jetzt als ein erster Schritt unternom­men, der dem Volk die Kräfte wieder bewußt zu machen hat, die noch im Stamme jener Iren, die sich niemals unterwarfen, vorhanden sind.

Das Verbot der irischen Blauhemden.

London, 23. Aug. (WTB.) Zu dem Verbot der irischen Blauhemden und der Einsetzung eines Sondergerichtshofes berichtet der Daily Telegraph daß die fünf Mitglieder des Sondergerichlshofes bereits dem von der Regierung Cosgraoe im Ok­tober 1931 eingesetzten Gerichtshof angehört hätten, der seinerzeit Anhänger der irischen republikanischen Armee abzuurteilen hatte Als General O ' Dusfy oon dem Verbot seiner Organisation hörte, sagte er nur:Die Nationalgarde wartet auf d a s U r t e i! d e s V o 1 k e s". Die Bekanntmachung

der Regierung hat die Atmosphäre in Dublin heute nacht völlig geändert. Das Gesetz zur Aufrechterhal­tung der öffentlichen Sicherheit wird nun ernsthaft angewandt und, da es s o viele ftrengc B e - st i m m u n g e n enthält, ist man sich allgemein der Gefahren bewußt, die jede Handlung, die die Regie­rung als ein Berschen ansehen könnte, nach sich ziehen würde.

Der Justizminister Buttledge gab gestern im Senat eine eingehende Begründung für die Maß­nahmen der Negierung. Er sagte, die Regierung habe genügend Informationen, aus denen heroor- gche, daß die Nationalgarde schwer bewaffnet sei und Waffen in den Freistaat einführe

Die Revolte der französischen Nußschiffer.

Unser Bild zeigt die Schiffsbarrikade an der Mündung der Oise in die Seine. Die Mehrzahl der fran­zösischen Flußschiffer befindet sich in einem Streik. Um ihren arbeitswilligen Kollegen die Durchfahrt zu verwehren, errichteten sie aus ihren Kähnen eine Barrikade über die Oise an der Mündung in die Seine. Erst nach stundenlangen Verhandlungen und schließlichen Plänkeleien gelang es der Polizei, den Widerstand der Schisser zu brechen.

Oer französische Kanalschifferftreik dehnt sich aus.

Paris, 23. Aug. (TU.) Der französische Kanalschifferstreik dehnt sich immer weiter aus. Bei Reims haben die Streikenden auf dem Seitenkanal der Aisne und auf dem Verbin­dungskanal zwischen Aisne und Marne ihre Schleppkähne quer über das Wasser gelegt, um die Verbindung zu unterbrechen. Zu Störungen der Ord­nung ist es nicht gekommen, da rechtzeitig Polizei­kräfte eingesetzt wurden. Bei Paris wird der Ver­

kehr infolge strenger Ueberwachung aufrechterhal­ten. An den Ufern der Seine sieht man Patrouillen zu Pferd und zu Fuß und auf dem Fluß mit Ma­rinesoldaten besetzte Schlepper. In Eons, dem Ort der am Dienstag gemeldeten Wasser schlacht, hat der Streikausschuß die Kaufleute aufgefordert, aus Sympathie ihre Läden zu schließen. In der Mündung der Oise haben die Streikenden wieder eine neue Sperrkette über den Fluß gelegt. Es dürfte also dort wahrscheinlich wieder eine kleine Wasserschlacht bevorstehen.

An die Emigranten.

OerTemps"warnt die politischen Flüchtlinge vorMißbrauch derGassfreuntssckaft

Paris, 23. Aug. (TU.) Der dem Quai d'Orsay nahestehendeTemps" erteilt den von Frankreich aufgenommenen politischen Flüchtlingen eine deut liche Warnung, die ihnen bereitwilligst gewährte Gastfreundschaft nicht zu mißbrauchen Das Blatt schreibt u. a.:

Es versteht sich oon selbst, daß unsere Gast freundschaft in keinem Falle und unter keinem Borwand ben bestehenden R c - gierungen zum Nachteil gereichen darf. Die Aufnahme eines Berfehmten bedeutet nicht, daß er gegen die öffentliche Gewalt des Landes Stellung nehmen kann, aus dem die Flüchtlinge ausgewiesen worden sind oder aus dem sie sich selbst verbannt haben. Die außenpolitischen Bezie­hungen der Republik sind eine Sache.^ihre Mission als Land des Asyls ist eine andere Sache. Jede Verwechslung in dieser Hinsicht würde nur Nachteile und Gefahren mit sich bringen, die die nationale Vernunft Frankreichs bisher er­sparte. Wenn sich aber unser Land, in dem im Zei­chen der Demokratie stabile politische Derhältnisie herrschen, bereitfindet, auf das Beste in der Welt denen als Zuflucht zu bienen, bie sich mit Dikta­turen nicht abfinben, so versteht es sich von selbst, baß biefe Rolle für Frankreich roeber^eine Belastung noch bie Gefahr einer Sto­rung bes sozialen unb moralischen Gleichgewichts mit s i ch bringen barf. Wenn es unser Berbienst ist, baß wir ben Verfem­ten Unterkunft bieten, so muß biefes Berbienst von benen, bie baoon Vorteile haben, auch aner­kannt werben. Ihre erste Pflicht muß es sein, burch Achtung ber französischen Jbee unb Unter-

werfung unter bie republikanische Orbnung bie Wohlfahrten zu vergelten, bie sie diesen beiden ver­danken. Es ist recht unnormal, daß auf der gegenwärtigen Tagung der Soziali­st i j ch e n Internationale deutsche oder ita­lienische Marxisten in Paris kalt lächelnd über ben Umftu'rj in Frankreich unb über ben Sturz ber Demokratie verhanbeln unter bem Dorwanb, daß sie nicht mehr bas Recht haben, bei s i ch barüber zu reben. Unsere Gäste, bie sich auf bas Naturrecht berufen, haben bie un= bebingte moralische Pflicht, sich an bas fran­zösische Recht zu halten. Die Mehrzahl ver­steht dieses übrigens sehr gut. Hoffen wir, baß es alle verstehen werben."

Hetzreden auf dem Pariser Gozialiffenkongreß

Paris, 23. Aug. (CNB.) Der Führer der französischen Sozialisten Leon Blum hielt auf dem internationalen Sozialistcnkongreß eine große politische Nede. Sie brachte weder über den in­ternationalen Sozialismus noch über die Spal« tungserscheinungen innerhalb ber französischen Sozialistischen Partei Neues, fontern beschränkte sich auf eine Kampfansage an den Kapi­talismus und den Faschismus, insbe­sondere an das nationalsozialistische Deutschland. Hervorgehoben zu werden ver­dient das Eingeständnis, daß die sozialistische Be­wegung in der Welt zurückgehe. Der nationa­len Tendenz innerhalb der sozialistischen Par­tei Frankreichs, vertreten durch Nenaudel,

Marquet und andere, tritt Blum mit der Er­klärung entgegen, daß gerade in der heutigen Zeit der Internationalismus stärker gepslegt und die nationale Politik mehr denn je vom internationa­len Geist durchdrungen werden müf c. Eine Kom­promißlösung zwischen Kapitalismus und Sozialismus sei kategorisch abzulehnen. Blum tritt für den Boykott sämtlicher fa­schistischen Negierungen ein. Der Schluß ber Sitzung brachte noch eine Hetzrebe bes schwe­dischen Delegierten Bougt gegen das national­sozialistische Deutschland und eine nicht minder hes- tige Kampfansage von Aufhäuser. dem ehe­maligen Vorsitzenden des Afa-Buntes

Dtauen erklärt das memel- ländische Kirchenabkommen für erloschen.

Memel. 23. Aug. (WTB.) Das am Zl.Iuli 1925 zwischen dem Direktorium des Memel- gebietes einerseits und dem Evangelischen Oberkirchenrat in Berlin für die Evange­lische Kirche der Altpreuhischen Union andererseits geschlossene Abkommen betreffend die Evangelische Kirche des Memel- gebietes ist jetzt von der litauischen Ne­gierung a ls erlös chen bez eichnet wor­den. obwohl in dem Kirchenabkommen weder eine Kündigung noch eine Außerkraftsetzung vor­gesehen ist. In einem Schreiben des Gouverneurs an den Vorsitzenden des Konsistoriums des Memelgebietes wird u. a. mitgeteilt:

Der litauische Vertreter in Berlin sei beauf­tragt worden, den Vorsitzenden des Evangelischen Oberkirchenrates der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union davon in Kenntnis zu setzen. Weiter wird der Vorsitzende ersucht, die erforder­lichen Schritte zu tun, die Angelegenheiten der Evangelischen Kirche des Memelgebietes zu regeln, insbesondere in der Hinsicht, daß eine Mit­wirkung von öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder Dehörden. die sich außerhalb der litauischen Grenze befinden, nicht in Frage kommt.

Die litauische Regierung verlangt also von ber Evangelischen Kirche des Memelgebietes, baß sie bie in bem Kirchenabkommen ausdrücklich festgelegte Verbinbung mit Deutschlanb aufqibt. Dieses Ziel verfolgte schon 1924 bas litauische Direk­torium Gai 1 ius, mußte aber einen vollen Rück­zug antreten. Inzwischen ist schon ber erste Schritt gegen Mitglieber ber Evangelischen Kirche erfolgt. Drei M11g 1 iebern ber Synobe bes Me­melgebietes, Konsiftorialrat Reibies, Justizrat Hoffmann unb Besitzer Buttgereit ist vom Gouvernement bas Visum für eine Reise nach Königsberg verweigert worben. Die brei Herren wollten an ber bort heute be- ainnenben O st preußischen Provinzial- Iynobe teilnehmen, wozu sie auch nach bem Kir­chenabkommen berechtigt sinb.

Bauernsiedlung im Offen.

Der ostprcutzische Großgrundbesitz stellt Land zur Verfügung.

Königsberg. 23. Aug. (TU.) Der oft» preußische Großgrundbesitz trat am Dienstag in Königsberg zu einer Sitzung zusammen, in der folgender Beschluß gefaßt tourte:

Die heute versammelten Vertreter des altein­gesessenen Großgrundbesitzes ter Provinz, in Sonderheit die der Fideikommisse, die in alter Tradition und treuer Pflichterfüllung ihren Königen mit Blut und Gut dienten, stehen voll überzeugt hinter demRettungstoerk un­teres Reichskanzlers Adolf Hitler. Nachdem die Neubildung des Bauerntums von ber Reichsregierung begonnen würbe, werben wir freudigen Herzens hieran Mitarbeiten und falls e s an Land fehlt, dieses, soweit es an uns liegt, zur Verfügung stellen. In Fort­führung alter Ueberlieferung wissen wir, daß Besitz verpflichtet und nur der mit dem Boden Dcrto achsene Land st and nach den Worten unseres Kanzlers das Fundament des nationalsozialistischen Staates nach Innen und Außen sein wird. Für bie Crwei te- rung des Bauernstandes kommen in erster Linie neben den nachgeborenen oft- preußischen Bauernsoh nen unsere a lt - eingesessenen ßanbar beiter, unsere treuesten Mitarbeiter in Krieg unb Frieden in Frage.

Mussolini im Manövergelände.

Mailand, 23. Aug. (TU.) Im großen Hauptquartier der italienischen großen Manöver inGaressio in den ligurischen Seealpen ist am Dienstagabend auch der König, begleitet vom Unterstaatssekretär Daistrocci, eingetroffen. Mussolini ist am Dienstag am Steuer seines Automobils in das Manövergelände hinausgefah­ren, too er sich ununterbrochen über 15 Stunden aufhielt. Er stattete den Führern ter einzelnen Formationen seinen Besuch ab und begab sich bann in das eigentliche Kampffeld, too er von den Soldaten und Offizieren, mit denen er im Freien ein einfaches Mahl einnahm, be­geistert begrüßt tourte. Am 1. Manövertage nahm Mussolini persönlich an den Truppenübun­gen teil und führte ein Schützenbatail- l o n (Bersaglieri). Das Manöver begann mit einer Fühlungnahme ter Infanterie, wobei die Blauen die Noten zurückdrängten und die Kaval­lerie ein bedeutendes Umfassungsmanöver aus- suhrte. Die zum ersten Male eingesetzte fa­schistische Miliz konnte gut vorrücken.