Ausgabe 
24.6.1933 Frühausgabe
 
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Die berliner Reise des ungarischen Ministerpräsidenten.

Erne amtliche Erläuterung.

Berlin, 23. Juni. (ERB.) von unierrich - le ter Seile wird milgeleilt: Anläßlich der Reise des ungarischen Ministerpräsidenten nach Deutschland sind von einer Reihe deutscher und ausländischer Zeitungen politische Kombinationen aufgetaucht, die geeignet sind, den Besuch des Mi­nisterpräsidenten in einem an deren Licht er­scheinen zu lassen, als sie den Tatsachen ent­spricht. Politisch kann die Reise des ungarischen Regierungschefs nur als Bekräftigung der bestehenden Freundfchaftsbeziehun- g e n gelten zu dem Zweck, über die Auffassungen in Berlin Informationen einzuholen.

Das viel aktuellere Thema der Berliner Bespre­chungen waren die w i r t s ch a f t s f r a g e n , die für Ungarn als reinem Agrarland das wichtigste Problem darstellen. Die ersten praktischen Schritte zur Lösung der Schwierigkeiten wurden durch das Außenpolitische Amt der RSDAP. insofern getan, als es den Leiter der Außenhandelsableilung pg. O a i h nach Budapest entsandte und in Besprechun­gen mit den maßgebenden ungarischen Stellen über wirtschaftsfragen eintrelen ließ. Den weiteren Schritt zum Ausbau der deutsch-ungarischen Han­delsbeziehungen bedeutet die Reise des Minister­präsidenten. Es verlautet, daß bei den Besprechungen ein weite st gehendes Einverständnis dahin erzielt worden ist, den Rahmen für den deutsch-ungarischen Kompensationsvertrag möglichst zu erweitern.

Oie Neugliederung des Stahlhelm.

Eine Verfügung des Stabschefs Röhm.

Berlin, 23. Sunt (EBB.) Wie die NSK. rneldet, hat Stabschef Röhm folgende Verfü­gung erlassen:

Der Jungstahlhelm tritt gemäß Verfü­gung des Führers vom 21. Juni 1933 unter den Befehl der Ober st en S2l. - Füh­rung. Lieber die Form und den Gang der Ein­gliederungen ergehen besondere Weisungen. Der Führer erwartet, daß die Kameraden des Stahl­helms, die sich in unsere Front eingliedern, a l s vollwertige Mitkämpfer in unsere Reihen treten. Was zurückliegt, ist abge­schlossen. Die Soldaten marschieren nunmehr unter neuer Parole zu gemeinsamem Kampf­willen verbunden nach vorwärts. Ich ver­biete die Fortsetzung irgendwelcher Aktionen usw. gegen den Stahlhelm und wünsche, daß den zu uns tretenden Kame­raden die Hand gereicht wird.

(gez.) Röhm.

Reichsminister Hugenberg an seine Freunde.

Berlin, 23. Juni. (TLl.) Reichsminister Dr. Hugenberg übermittelt der Oeffentlichkeit fol­gende Erklärung:

Es kommen in diesen Tagen von den Freunden im Lande soviele An­fragen an mich, daß es mir unmöglich ist, sie im einzelnen zu beantworten. Daher bitte ich, noch kurze Zeit Geduld zu haben. Wenn es sich um Entscheidungen handelt, die von schwerster Bedeutung für Volk und'Land sein können, ist Llebereilung am wenig st en angebracht. Ich bin gewiß: Niemand wird in diesen Tagen an der Lleberzeugung irre werden, daß zwischen unseren Freunden im Lande und mir unzerreißbare Bande bestehen.

gez.: Dr. A. Hugenberg."

Selbstauslösung der Oeuischnationalen

Front in Oldenburg.

Oldenburg, 23. Juni. (WTB.) Der Lan- desverbandsführer der Deutschnationalen Front im Lande Oldenburg, Landtagsabgeordneter

Oer germanischeZohannistag.

Zum Fest der deutschen Jugend.

Von Or. p. Schirrmeister.

Welch ein seltsames Ding ist es doch um den Volksglauben vom Johannistag! Die Zwerge feiern ihre Hochzeiten, die Ottern versammeln sich und huldigen dem Otternkönig mit dem wunder­tätigen Goldkrönlein; die Hexen treiben chr Un­wesen und müssen für das ganze Jahr gebannt werden,- Schätze erblühen. Berge öffnen sich und enthüllen Höhlen mit Lebenslichtern: die Geister­kirche auf dem Ochsenkopf erscheint mit ihren Reich­tümern: um Mitternacht blüht das Farnkraut und trägt glückbringenden Samen, aber Eberesche und Birke müssen ihre Knospen den Hexen opfern: Wassermann und Nixe sind zu sehen, der tote Sta­rost von Seekath erscheint, Jen aus dem Glambeck- see kommt an das Ufer und schaufelt sein Gold um; König Olaf Tryggveson, der im Jahre 1000 bei Wusterhausen auf Rügen in die See sprang, klagt um seine tote Liebste; die Pferde auf der kurischen Nehrung können um die Mittagsstunde sprechen; über Mecklenburg fliegt ein Geisterkrebs und ver­ursacht Krebsschaden, allen Barfußgehenden setzt er sich unter die Fußsohlen; der fliegende Skorpion über der Mark Brandenburg sendet Dürre auf die Fluren herab; der Neckar verlangt von den Roten­burgern ein Laib Brot zum Opfer; die steinerne Ahnes, ein Fels bei Reichenhall, jauchzt. Und über­all, überall entflammen die Johannisfeuer! Die Nürnberger Buben stecken den Bürgern Mai- bäume vor die Tür und heischen stumpfe Besen für das Feuer; in Oberbayern löscht man den Herd und entzündet ihn neu mit einem segenbringenden Scheit vom Johannisfeuer; in Oesterreich und Schlesien taucht man Holunderblüten in Pfann­kuchenteig und backt sie am flammenden Holzstoß; in Württemberg und im Aargau kocht man Erbsen am Feuer und heilt damit alle Quetschungen und Beulen. . .

An diesem einen Tag im Jahr ist der Deutsche wieder allen Wundern der Natur aufgeschlossen, er fühlt sich mit ihrem Leben so eng verbunden wie seine Vorfahren. Alle Märchen und Sagen, die sich an den Johannistag knüpfen, haben ihren Ursprung im Glauben der Germanen st ämme. Die Edda" erzählt: Baldur, der Gott des Lichtes, war gefeit cjegen Verletzungen, denn feine Mutter, die Götterkönigin Frigg, hatte allen Dingen auf

Frau Zoddin z» 15 Ähren Zuchthaus verurteilt.

Das Schwurgericht beim Landgericht I Berlin verurteilte nach einstündiger Beratung die 26jährige Ehefrau Martha Boddin wegen versuchten Tot- schlags in einem Falle und versuchten Mordes in zwei weiteren Fällen zu 15 Jahren Zucht­haus. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden der Angeklagten auf die Dauer von zehn Jahren ab­erkannt. Ferner wird auf Zulässigkeit der Polizei­aufsicht erkannt. Die Angeklagte nahm das Urteil weinend auf.

In der Begründung führte der Vor­sitzende u. a. aus, das Gericht habe die Lleber- zeugung gewonnen, daß die Angeklagte vor, bei und nach der Tat mit voller Lieberlegung ge­handelt hat. Die Strafe, die das Gesetz zulasse, sei viel zu gering für diesen Fall. Die Todesstrafe wäre hier eine angemessene Sühne gewesen. Auf die Frage, ob sie das Urteil an­nehmen wolle, erklärte die Angeklagte schluch­zend, daß sie sich das noch überlegen wolle.

Das Plädoyer des Staatsanwaltes.

Staatsanwaltschaftsrat Münze! hatte in seinem Plädoyer u. a. ausgeführt, daß der Angel­punkt des Prozesses und des Llrteils das Wesen, die Persönlichkeit und der Charakter der Frau Boddin sei. Die Angeklagte könne nur verurteilt werden, wenn sie keine Geisteskranke, sondern wenn sie zurechnungsfähig sei. Sie könne die Strafe, die sie wegen ihrer teuflischen Taten verdiene, erhalten, wenn sie mit kalter klarer LIebcrlegung gemordet habe. Das sentimentale Heulen, das ganze Theater, das die Angeklagte vorgespielt habe, sei lediglich die äußere Ku­

lisse. Hinter diesem Schafspelz verberge sich eine ganz grausame raffinierte, rücksichtslose und hart­näckige Frau, die durchaus wisse, was sie wolle. Richt aus Liebe zu dem Kind habe die Ange­klagte gemordet, sondern aus Liebe zu sich selbst, um die 4000 Mark Versicherung zu be­kommen. Die Angeklagte habe dem Kinde eine Eiswaffel gekauft und vorher Steck- und Räh- nadeln höchst kunstvoll mit einem schwarzen Faden zusammengewickelt. Dann habe sie dem Kinde die Eiswaffel in die Hand gedrückt und das Kind die Stecknadeln mit verschlucken lassen. Als das Kind Schmerzen bekommen hätte, habe diese liebende Mutter es gezwungen, die Radeln hinunterzuschlucken. Wenn man sich dieses Bild vor Augen halte, dann gebe es niemanden, der nicht bedauere, daß es für eine Frau wie Frau Boddin nicht mehr die P r ü g e l st r a f e gebe.

Der Verteidiger habe auf die Minderwertig­keit der Angeklagten hingewiescn. Das Deutsche Reich sei kein Erholungsheim für Minderwertige und Asoziale. Das deutsche Volk und die Oef­fentlichkeit würden es nicht verstehen, wenn man jemanden deshalb mit Glacehandschuhen anfasse, weil sie minderwertig oder erblich belastet sei. Wir wollen Frau Boddin bestrafen, weil sie ge­mordet hat. Wir bestrafen sie gerade deshalb, weil sie minderwertig ist. Die Minderwer­tigkeit ist keine Strafmilderung, son­dern ein Strafverschärfungsgrund.

Rachdem dann der Staatsanwalt gegen Frau Boddin 15 Jahre Zuchthaus beantragt hatte, rief er der Angeklagten noch zu:Sie haben drei­fach den Tod verdient, eine Strafe, die das Gesetz bei versuchtem Mord verbietet. 15 Jahre Zuchthaus find für Sie noch viel zu milde."

Dunnemann, hat folgende Anordnung er­lassen: Hiermit löse ich den Landesver­band Oldenburg der Deuts ^natio­nalen Front mit allen seinen Llnter- organisationen auf. Gleichzeitig entbinde ich alle bisherigen Mitglieder von ihren der Par­tei gegenüber eingegangenen Verpflichtungen.

Zn Hast genommen.

Karlsruhe, 23. Juni. (TU.) Auf Anordnung des badischen Innenministers wurde nach amtlicher Mitteilung der frühere hessische Mini st er L e u s ch n e r (Soz.), der sich in (9 e n f in einer gegen die Interessen des deutschen Staates gerichte­ten Art und Weise gegenüber der deutschen Abord­nung benommen hat, in Freiburg fe st ge­nommen und in Schutzhaft gebracht. Ferner wurde der badische Reichstagsabgeordnete E r s i n g (Ztr.) in Karlsruhe feftgenommen und i n Schutzhaft gebracht. Ihm wird oorgeworfen, er habe sich bemüht, die Gegner der nationalen Re­gierung unter gemeinsamer Parole <ju sammeln und zu einer Oppositionsstellung gegenüber der Regie­rung zu veranlassen. In B e r l i n wurde der frühere sozialdemokratische Reichstagspräsident Paul L ö b e am Freitagabend von der Polizei i n H a f t ge­nommen.

Oer preußische Kultusminister an die Kirchenkonferenz in Eisenach.

V e r l i n. 23. Juni. (VTB.) Slaatsminisler Rust hat an die Kirchenkonserenz in Eisenach folgendes Telegramm gerichtet:

An die Vertreter der Evangelischen Landeskirche der Altpreußischen Union auf der Kirchenkonferenz in Eisenach. Rachdem die Evangelische Landeskirche der Altpreuhischen Union den Rechtsboden verlassen hat, weise ich ihre Vertreter in Eise­nach nachdrücklichst daraus hin, daß sie rechts­gültig nicht handeln können.

Aus aller Welt.

Entfernung

von Grabdenkmälern marxistischer Revolutionäre.

In Liebereinstimmung des Antrags der Münche­ner nationalsozialistischen Stadtratsfraktion und mit Zuschriften, die aus der Bevölkerung Münchens an das Stadtratsdirektorium gerichtet wurden, be­

schloß der Hauptausschuß des Stadtrates einstim­mig, die Grabdenkmäler der marxistischen Revo­lutionäre Kurt Eisner auf dem Ostfriedhof und Gustav Landauer im Waldfriedhof sofort entfernen zu lassen. Die beiden Aschenurnen sollen der israelitischen Kultusgemeinde zur Ver­fügung gestellt werden. Der Antrag wird damit begründet, daß die Absicht bestehen solle, vor allem das Denkmal Kurt Eisners in die Luft zu sprengen.

herzlicher Empfang eines schwedischen Panzerschiffes in Wilhelmshaven.

Das schwedische PanzerschiffFylgia" ist in den Kriegshasen von Wilhelmshaven einge­laufen. Leider hatte das regnerische Wetter die Be­völkerung zu einem gewissen Teil davon abgehalten, den Kreuzer so zu empfangen, wie es vorgesehen war. Immerhin zeugt es von dem guten Geist der Bevölkerung, daß trotz des strömenden Regens viele Tausende an der Schleuse waren, um das Schiff willkommen zu heißen. Nach dem Salut der deut­schen Batterien wurde vom schwedischen Panzerschiff der Salut von 15 Schuß für den Wilhelmshavener Slationschef erwiesen. In langsamer Fahrt näherte sich das Kriegsschiff der Schleuse, wo eine Fahnen­abordnung des Marinesturms der SA. angetreten war, und Tausende von Wilhelmhavenern zum Empfang bereitstanden. Es spielte die Kapelle der 2. Marineartillerieabteilung. Später erfolgten die üblichen Besuche und Gegenbesuche.

Anschluß der Dcukfchen Frauenkulkur an die Deutsche Frauenfcont.

Auf der Tagung des Verbandes Deutsche Frauenkultur in Würzburg, wurde im Bei­sein von etwa 250 Vertreterinnen der Anschluß des Verbandes an die Deutsche Frauenfront beschlossen. Frau Anna Sophie Rust, die Frau des preußischen Kultusministers hat -en Ehrenvorfitz des Verbandes Deutscher Frauenkultur übernom­men.

Folgenschwere Explosion in Indianapolis. Zahlreiche Gasvergiftungen.

Vor einem Warenhaus in Indianapolis (LISA.) ereignete sich eine Chlorgas-Explosion. 25 Personen erlitten Gasvergiftungen und mußten ins Krankenhaus eingeliefert wer­den. Das Gas strömte auf die Straße, wo unter den Passanten große Aufregung entstand. .Unter dem SchreckensrufGas" verließen die Menschen

fluchtartig die gefährdeten Stratzenzüge. Cs han­delte sich um die Explosion eines größeren Gas- zhlinders. Eine Firma benutzte das Gas zur Wasserreinigung. Da der Zylinder angeblich undicht geworden war, sollte er ins Wasser ver­senkt werden. Als man ihn mit Lastwagen ab­transportieren wollte, erfolgte die Explosion. Die ersten Schutzleute, die an die Unfallstelle eilten, sanken ohnmächtig zu Boden. Ueberall er­tönten Rufe nach Gasmasken. Sämtliche Polizei­reserven, die Feuerwehren und die Rettungs­stationen des Stadtviertels wurden alarmiert. Als die Rettungsmannschaften eintrafen, wehte ihnen das gelbe Gas entgegen. Alle Blumen in der Nachbarschaft verwelkten, alle Metallteile wurden schwarz. Auf dem Straßenpflaster lagen die zahlreichen vergifteten Personen. Die Ret­tungsmannschaften suchten nach Bergung der Ver­unglückten sämtliche Häuser des dichtbevölkerten Stadtteiles ab. Dabei wurden noch drei wei­tere gasvergiftete Frauen gefunden. Um weiteres Unglück zu verhüten, wurden schließlich alle Straßenzüge in der Nähe der Un­glücksstelle geräumt.

hohe Zuchthausstrafe für einen Landesverräter.

Das Reichsgericht in Leipzig verurteilte wegen Verrats militärischer Geheimnisse zum Schaden Deutschlands einen ehemaligen Feld­webel aus Bremen zu neun Jahren Zucht­haus, zehn Jahren Ehrenrechtsverlust und Aus­stoßung aus dem Heer?. Die von dem Angeklag­ten empfangenen 300 Mk. wurden als dem Reich verfallen erklärt. Die Oeffentlichkeit war aus Gründen der Staatssicherheit für die gesamte Dauer der Verhandlung sowie während der Ver­kündung der Urteilsgründe ausgeschlossen. Dem Prozeß, wohnte ein militärischer Sachverständiger des Reichswehrministeriums bei, auch waren meh­rere höhere Reichswehroffiziere als Zeugen zur Beweisaufnahme erschienen.

BerlinKopenhagen in 72 Minuten.

Zum Kopenhagener Flugtag ent­sandte die Deutsche Lufthansa auf dänischen Wunsch das zur Zeit in der Erprobung befind­liche Post- und Verkehrsflugzeug Heinsel biE 70. Dieses schnell st eVerkehrsflugzeugder Welt legte die etwa 400 Kilometer lange Strecke Berlin-Kopenhagen in einer Stunde zwölf Minu­ten zurück. Das bedeutet eine Durchschnittsge­schwindigkeit von rund 360 Kilometer in der Stunde.

Kunst und Wissenschaft.

Das RS.-Reichssymphanieorchester in Frankfurt.

Am 1. Juli wird das NS.-Reichssymphonieorche- ster unter Leitung seines Kapellmeisters Franz Adam in der Frankfurter Festhalle ein großes Konzert mit klassischem Programm geben. Reichs, statthalter Sprenger wird eine Ansprache hal­ten. Dazu teilt der Gaupropagandaleiter der NSDAP. Müller-Scheid u. a. folgendes mit: Das NS.-Reichssymphonieorchester steht unter dem besonderen Schutz des Führers, der wünscht, daß der Kapellmeister Franz Adam mit seinen 80 Mu­sikern in allen größeren Städten Deutschlands zur Geltung kommt. Ueberall wo Kapellmeister Adam auftrat, erregten seine genialen Darbietungen ele­mentare Stürme des Beifalls. Durch die Gaupro­pagandaleitung wird der riesige Raum der Festhalle in einer Weise ausgeschmück't, wie dies bis heute noch niemals geschehen ist. Dadurch wird dem Rie­senorchester ein Rahmen gegeben, Der für die Dar­bietungen eine ungeheure Steigerung bedeutet. Während der einzelnen Stücke wird die ganze Halle verdunkelt. Don vier sechs Meter hohen Leuchttür­men wird das Podium mit den Musikern erhellt. Viele hundert Fahnen verwandeln die Halle in einen farbigen Festraum. Noch niemals konnte in Frank­furt ein so großes Orchester in einem Raum von solchen Ausmaßen, im Rahmen einer so überwäl­tigenden Kundgebung zur Geltung kommen. Die einzelnen Konzertveranstaltungen des NS.-Reichs- symphonieorchesters waren ein sich von Konzert zu Konzert steigernder Siegeszug, der am 1. Juli in Frankfurt einen leuchtenden Höhepunkt erreichen wird. Voraussichtlich spielen die Musiker in den von Adolf Hitler persönlich entworfenen Uniformen (braune Smokings mit weinroten Aufschlägen). Da­durch würde die Farbenpracht des Saales eine neue, ganz eigenartige Note erhalten."

dem Erdboden einen Eid abgenommen, daß sie Baldur nicht schaden wollten. Nur die unscheinbare Mistel hatte tfrigg übersehen. Das merkte Loki, der Gott der Finsternis; er schnitzte aus dem Mistel­zweig einen Pfeil, legte ihn dem blinden H ö d u r, Baldurs Bruder, auf den Bogen, damit dieser an­geblich zum Scherz auf den ja unverwundbaren Baldur schießen sollte. Hödur schoß Baldur stürzte tot zu Boden! Die Finsternis hatte nun wie­der Macht über das Licht gewonnen: die Tage wur­den also von nun an kürzer, man näherte sich dem Winter. Dieser Vorgang, die Umkehr des Sonnen­wagens vom höchsten Punkt des Himmels, findet in vielen Johannisbräuchen seinen sinnbildlichen Ausdruck: Ein mit Stroh umkränztes Rad wird brennend von einem Hügel ins Tal gerollt; ober es werden runde, pechgetränkte Holzscheiben bren­nend mit einem Haselstock durch die Luft geschleu­dert.

Und doch war die Sonnenwende kein Trauertag für den Germanen. Baldur wird ja verjüngt aufer­stehen; überdies hat er die Menschen reich beschenkt, die Ernte steht auf den Feldern und wird bald zur Einbringung reif fein. Mit Sang und Tanz, mit Freude und Ausgelassenheit soll er dafür gelobt werden.

Bei allen Völkerstämmen arischer Rasse finden sich dieselben Johannisbräuche. Es wird nun zwar er­wähnt, daß auch in Marokko und anderen Gegen­den Nord-Afrikas bei der überwiegend semitischen Bevölkerung Sonnenwendfeiern am 24. Juni üblich seien. Mit Recht haben aber die Forscher darauf hingewiesen, daß einst Nordafrika von den Van­dalen beherrscht wurde, also von einem rein germa­nischen Völkerstamm, der durch die Völkerwande- rung so weit nach Süden verschlagen wurde und dessen Spuren noch jetzt im semitischen Dölkergemisch dort zu finden sind. Die Vandalen haben das erste Sonnenwendfeuer auf den Bergen Marokkos ent- zündet. Auf den germanischen Ursprung des nord- afrikanischen Sonnwendfestes deutet auch sein Name Ansara" hin, der sich sprachlich auf dieÄsen" oberAnsen", die Bezeichnung des germanischen Göttergeschlechts, zurückführen läßt.

Seltsam ist es, wie sich später die christliche Lehre mit den germanischen Bräuchen in der Volksüber­lieferung zu einem einheitlichen Ganzen verschmol­zen hat. Johannes der Täufer war (nach Lukas I, 36) ein halbes Jahr älter als der Heiland; sein Geburtstag fiel also auf den 24. Juni. An seinen Namen knüpfen sich alle Bräuche der Johan-

nisnacht, und häufig wird Johannes selbst herbei- Zitiert: In Schenkendorf (Schlesien) erscheint der Hans" in der Johannisnacht mit dem Kopf unter dem Arm, ganz grün angezogen; in Braunschweig wird eine Strohpuppe, derJohanich" zum Schluß des Festes begraben; und in Reichenbach wirft man eine solche Puppe gar ins Wasser.

Ein so echt deutsches Fest wie das der Johannis­nacht mußte in allen Vorkämpfern des Deutschtums begeisterte Freunde und Forscher finden. Vor allem der Freiheitskämpfer Ernst Moritz Arndt hat es auf seinen Reisen durch Schweden, durch Oesterreich, durch Italien nie versäumt, am Johannistag um- herzustreifen und alles getreulich aufzuzeichnen, was ihm an Seltsamkeiten berichtet wurde. Seine humorige Schilderung, wie man in der Johannis- nacht Schätze heben kann, dürfen wir uns nicht entgehen lassen: Wer nach den Geistern und Schätzen der irdischen Welt lüstern ist, muß in der tiefen Mitternachtsstunde ganz nackt und rückwärts schreitend hinstolpern, wo er Haselstauden weiß. Bei dieser seltsamen und gräulichen Wanderung darf er nicht fallen, sich nicht umsehen, nicht spre­chen noch sich räuspern. Entfährt ihm dergleichen, so mag er nur aus der Stelle wieder umkehren! Wenn er nun glaubt angelangt zu sein, muß er wie ein Blinder hinter sich grappeln, ob er eine lange und ganz gerade Haselrute ohne Knoten, oben mit einer Gabel von zwei ebenso glatten und geraden Sprossen herausfühlen mag. Er darf aber vorher nimmer die Büsche daraus angesehen haben, ja ihnen nicht einmal nahegekommen sein. Und mit einer solchen Rute muß er noch in der gleichen Geisterstunde dreimal an der Stelle hinter sich schlagen, wo er einen Schatz vergraben glaubt.

Und daß auch unser größter Dichter, Goethe, die alten Bräuche und Märchen um die Johannis­nacht schätzte, zeigt fein Spruch gegen das Verbot des Johannisfeuers in Schwaben:

Johannisfeuer fei unverwehrt. Die Freude nie verloren:

Besen werden immer stumpf gekehrt, Und Jungens immer geboren.

Briefianben-Rekorde.

Vrieftaubew-Wettrennen sind in manchen Län­dern ein sehr beliebter und weit verbreiteter Sport. Bei den Leistungen, die diese beflügeltenRen­ner" erzielen, ist natürlich die Windfrage von gro­ßer Bedeutung. Auf kürzeren Strecken von etwa

100 Kilometer kann die Taube bei einem gün­stigen Wind eine Geschwindigkeit von 2000 Meter in der Minute erreichen. Wenn aber die Luft­strömung dem Vogel nicht hilfreich zur Seite steht, dann ist schon die Geschwindigkeit von 1000 Meter in der Minute eine gute Leistung. Die Rekordflie­ger über treffen aber solche durchschnittlichen Ge­schwindigkeiten außerordentlich; sie vollbringen dann auf langen Strecken dasselbe, was sonst Tau­ben nur in kurzen Entfernungen erreichen. So flog eine französische Taube bei einem Rennen, das von der Gesellschaft der Brieftauben-Züchter in Nantes veranstaltet wurde, eine Strecke von 680 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindig­keit von 1600 Meter in der Minute. Ein Vogel, der in Rom abgelaffen wurde, flog im Jahre 1913 in Rekordgeschwindigkeit über eine Strecke von 1660 Kilometer nach feiner Heimstätte in Derby. Bei einem solchen weiten Flug ist die Brieftaube nur am Tage unterwegs. Des Nachts sucht sie sich einen möglichst sicheren Linterschlupf, aber schon am frühesten Morgen mit den ersten Strah­len des jungen Lichtes erwacht sie, nimmt einen raschen Trunk, vielleicht auch ein Bad im Wasser, tpenn es sich darbietet, doch keine Nahrung, son­dern macht sich sofort auf den Weg, um die Hei­mat so rasch wie möglich zu erreichen. Die Mehr­zahl der Brieftaubenzüchter sind Leute mit be­schränkten Mitteln, die für ihre Tauben nicht viel ausgeben können. Aber es gibtRekordrenner", die sehr hohe Preise erzielen. So wurde für eine berühmte Zucht von 104 Brieftauben eine Summe von 75 000 Mark bezahlt.

OaöHonorar".

In einer Villa in Los Angeles waren eines Abends die beiden Schwestern Smith damit be­schäftigt, ein schwieriges Kreuzworträtsel zu lö­sen. Nachdem sie aber feststellen mußten, daß die Zahl der leeren Felder nicht kleiner werden wollte, vertagten sie angesichts der fortgeschrittenen Nachtstunde die Endlösung auf den nächsten Tag. Als sie am nächsten Morgen herunterkamen, fan­den sie die offenstehenden Felder des Kreuzwort­rätsels ausgefüllt. Wie sich herausstellte, hatte ein Einbrecher, der der Villa einen nächtlichen Be­such abstattete, der Versuchung nicht widerstehen können, das Rätsel zu lösen. Für die Arbeit hatte er sich mit einer auf dem Tisch liegenden Börse, die 32 Dollars enthielt, bezahlt gemacht.