"i s- In Mtpreußen und einigen Kirchen bleibt auf diese Leise die Union erhalten! Dies hat zweifellos eine große Bedeutung für eine Aufrechterhaltung des Zusammenhanges mit deutschen Kir- chen außerhalb des Reichs. In innerkirchlicher Hin-- flcht kann man zweifelhaft sein. Es zeigt sich mit aller Deutlichkeit, daß die heutige Generation, insbesondere die theologische Jugend, wieder hinaus- geht aus ein bestimmtes festes Bekenntnis. Und das Ut gut so! Nichts schadet einer Kirche mehr als der tomnopnnFt, daß es auf das feste Bekenntnis nicht so sehr ankomme. Es kann nun aber nicht ausblei- ben, daß in der jetzt entstehenden Reichskirche die ■tfrage des Bekenntnisses doch in irgendeiner Weise $U-« ^^ich^'.dung kommen muß. Hier wird auch die wissenschaftliche Theologie an den Universitäten ein gewichtiges Wort mitzureden haben.
Run mögen jetzt die Dinge aber gehen wie sie wollen: eine wirklich einheitliche evangelische Reichskirche bleibt das unverrück- bare Ziel. Wir müssen eine innerlich festgeschlossene, üon allen Rudimenten der alten Kleinstaaterei erlöste deutsche evangelische Reichskirche aufstellen können. Es ist daher auch unerläßlich, daß eine Spitze geschaffen wird, die dem äußeren Ansehen nach keinem englischen und schwedischen Erzbischof, aber auch keinem Kardinal nachsteht. Die deutsche Einheit, um die jahrhundertelang gefochten worden ist, muß jetzt erreicht werden. Und wenn die volle kirchliche Einheit jetzt noch nicht errungen werden kann, dann bleibt sie das Kampfziel für die jetzt Heranwachsende junge Generation des deutschen Protestantismus.
Vor der Ernennung des HeichöbischofS
B e r l i n , 24. Mai. (VDZ. Funkspruch.) Von zu- ständiger kirchlicher Seite wird mitgeteilt, daß die deutschen evangelischen Kirchen über die Person des Reichsbischoss der neuen deutschen evangelischen Kirche einig geworden sind. Die Kirchen werden die Ernennung vollziehen, lieber die Persönlichkeit des evangelischen Bischofs ist eine Verlautbarung in kurzer Zeit zu erwarten. 3m Laufe des Rachmittags ' wird der Reichskanzler die Vertreter der evangelischen Kirche zur Berichterstattung über die Reuregelung der Kirchenangelegenheiten empfangen, und zwar den Präsidenten des Kirchen- Hundes vr. v. K a p p l e r, Landesbischof M a h rare n s, Dr. Hesse und den Beauftragten des Reichskanzlers für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche, Dehrkreispfarrer Müller.
Die Gaarregierung will vorbeugen.
Eigenartige Anträge in Genf.
Genf. 23. Mai. (TU.) Die Saarregierung hat beim Völkerbundsrat beantragt, sämtlichen Beamten des Saargebietes ohne Unterschied der Nationalität und des Ursprunges ihre Beamtenrechte für die Gegenwart und Zukunft uneingeschränkt zu sichern und jede Abänderung ihrer Beamtenrechte für die Zukunft auszuschließen. Die Saarregierung begründet den eigenartigen Antrag mit dem Hinweis auf das neue deutsche Deamtengesetz vom 7. April 1933. Don den 12 299 Beamten des Saargebietes bestehen die .Hälfte aus den vom Reich und der Reichsbahn zur Verfügung gestellten Beamten, die andere Hälfte sei von der Saarregierung ernannt, hierzu gehöre auch ein kleiner Teil nichtdeutscher Beamter. Hinsichtlich dieser zweiten Gruppe von Beamten bestehen jedoch keinerlei rechtliche Verpflichtungen der deutschen Regierung. Durch das neue deutsche Beamtengesetz werde der Ausschluß der nichtarischen und politisch unzuverlässigen Beamten möglich, somit seien die von der Saarregierung angestellten Beamten bei der Rückgliede- rung des Saargebietes an Deutschland gefährdet. Das Schreiben nimmt in NNWN
Ein oaterländischerRoman vonHansVietzKe
Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau.
6. Fortsetzung. Rachdruck verboten!
Hauptmann Döllnitz hat dem alten Tobias sofort Auftrag gegeben, sein Pferd bereit zu halten.
Dann kommt das Schwerste: Abschied!
Fragen bestürmen ihn, Marias verängstigte Züge machen chm die Flucht schwerer, als er solche Dinge seit Jahr und Tag zu nehmen gewohnt ist.
„Ich muß noch in dieser Stunde reifen. Es sind Ereignisse eingetreten, über die ich im Interesse der Sicherheit meiner Mission schweigen muß."
Die Baronesse ahnt mit dem Gefühl der Frau kommendes Unheil. Aber Bitten sind nutzlos bei Döllnitz. Sie kennt ihn und weiß, daß es vergebliches Bemühen wäre, seinen einmal gefaßten Entschluß umzustoßen.
Döllnitz reicht dem Baron die Hand. „Ich reise auf direktem Wege nach Berlin. Sollten Depeschen aus Petersburg in den nächsten Tagen noch für mich hier eintreffen, möchte ich Sie bitten, den Kurier sofort nachkommen zu lassen." Des Hauptmanns Gestalt ist ganz Entschlossenheit. „Und nun, Herr Baron, leben Sie wohl und — auf Wiedersehen!"
Bor dem Seitenportal wartet, den Blicken der Wachtposten entzogen, Karl von Löbau mit dem Braunen. Der alte Tobias hat die Satteltaschen vorsorglich mit Proviant gefüllt.
Maria hat Döllnitz bis zum Ende des Berghanges begleitet. Karl prüft noch einmal Sattelgurt und Zaumzeug und reicht dem Hauptmann die Pistolen.
Run wechseln sie den letzten Gruß. „Leben Sie wohl, Maria — wir werden uns wiedersehen!"
Zwei Menschen, die dos Schicksal füreinander bestimmt hat, nehmen Abschied. Zwei Herzen müssen tapfer sein in diesem Augenblick, vielleicht ist es der letzte im Leben...
„Reiten Sie mit Gott — Hauptmann!" Ein letzter Händedruck.
Döllnitz gibt dem Braunen die Sporen und sprengt der Straße zu. Roch lange winkt Marias Hand dem Reiter nach. Döllnitz hat sich noch einmal, in vollem Galopp, im Sattel umgewandt und mit sieghaft gerecktem Arm die bangende Frauengestalt gemahnt: Sei tapfer — ich komme wieder!
Maria geht in sich gekehrt zurück. Bis der Zuruf ihres Bruders, der oben vom Hang noch lange dem Hauptmann nachgeschaut hat, sie aus ihren Gedan- ken reißt.
„Mir scheint, Schwester, du bist verliebt?"
Maria sieht lächelnd, trotz aller Schwermut, die in ihr ist, zu ihrem Bruder auf. Ja — Karl, du hast recht! Welche Frau sollte Döllnitz, diesen furchtlosen, ritterlichen Mann nicht lieben?"
einer verschleierten Weise auffaUend scharf gegen die nationalsozialistische Propaganda im Saargebiet Stellung und verlangt vom Völkerbunds- rat, daß er durch die ausdrückliche Garantie der Deamtenrechte Beruhigung schaffe.
Der Antrag der Saarregierung hat in Genf starke Aufmerksamkeit erregt. Da aus ihm unumwunden die Auffassung der unvermeidlichen Rückkehr des Saargebiets zu Deutschland hervorgeht und die Saarregierung jehtschonvorbeugende Maßnahme n zu treffen sucht, um bei der Rückkehr des Saargebietes an Deutschland die von ihr angestellten, teils sogar nichtdeutschen Beamten vor Entlassungen zu schützen.
Oie Gaar-Regierung verbietet Gchlageter-Feiern und VOA.-Tagung.
Saarbrücken, 24. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Die Regierungskommission des Saargebietes hat beschlossen, weder Schlageterfeiern zuzulassen, noch das Ausziehen von Flaggen aus Anlaß dieses Tages zu gestatten. Sie hat ferner dem VDA. mitgeteilt, daß sie der für Pfing - ft en 1934 geplanten großen Tagung d e s VDA. die Genehmigung versagen müsse, da für eine solche Tagung kein öffentliches Interesse bestehe. Die Politik der Saarregierung geht offenbar dahin, das Saargebiet b i s zur Abstimmung von jeder Kundgebung fernzuhalten, die dem Gefühl der engen Verbundenheit zwischen Saargebiet und Reich Ausdruck geben könnte. Man befürchtet, daß dieser Politik auch noch andere in der nächsten Zeit geplante Veranstaltungen, darunter auch eine Tagung d e s deutschen Sängerbundes, zum Opfer fallen wird.
Pierponf Morgan vor dem Bankausschuß des amerikanischen Senats. Washington, 23. Mai. (Reuter.) Die Untersuchungen des amerikanischen Senats über Bankan- legenheiten haben mit der Zeugenaussage des Königs der amerikanischen Bankwelt Pierpont Morgan begonnen. Seit Monaten haben die Untersuchungen der Aktiven der Firma durch die Beamten des vdc- natsausschusses die öffentliche Meinung in Spannung gehalten. Morgan hat für sich und die Mitglieder seines Hauses für die Dauer der Verhandlungen fast den Gesamtraum eines fünfstöckigen Hotels gemietet. Morgan erklärte, daß sich die Einlagen seiner Bank auf K Milliarde Dollar beliefen. Ihre Aktiven hätten am 31. 12. 32 324 728 000 Dollar betragen gegen 703 909 000 zu Anfang des Jahres 1931. Er gab zu, daß er kir 1931/32 keine Einkommenssteuer g e z ay k t habe. Damals habe er allein an einer einzigen Finanztransaktion ein en Verluftvon21MillionenDollar erlitten. Ferner feien große Beträge, die er ausgeliehen habe, feit langem überfällig.
Umbau der Umsatzsteuer.
Berlin, 23.Mai. (TU.) Die nächste Kabi- nettssihung der Reichsregierung findet am Freitag statt. Boraussichtlich wird über den geplanten Umbau der Umsatzsteuer gesprochen werden. Es ist eine Ermäßigung der Umsatzsteuer für die Landwirtschaft und eine Erhöhung der Umsatzsteuer für die Warenhäuser geplant. Bei großen Umsätzen wird voraussichtlich eine Berdoppelung der zur Zeit geltenden Umsatzsteuer eintreten, während für die Landwirtschaft eine Halbierung der Umsatzsteuer von 2 v. H. auf 1 v. H. in Aussicht genommen ist. Es muß allerdings noch eine genaue Erläuterung des Begriffs „W arenhäuser" abgewartet werden.
6.
Noch bevor das Jahr 1812, das Jahr größter Leiden das Preußens Geschichte je gesehen hat, zu Ende ging, zog sich unaufhaltsam das Netz über dem Geschick Frankreichs — vom deutschen Osten her — zusammen.
Hier stand Yorck mit einem Hilfskorps von zwanzigtausend Mann, von Petersburg kam der diplomatische Druck der unentwegten Tätigkeit des Freiherrn vom Stein am russischen Hofe.
Der Staatskanzler von Hardenberg, Haupt und Leiter der preußischen Regierungsgeschäfte, in insgeheim an die deutsche Ostgrenze gereift, um Stein von Schritten zurückzuhalten, bei deren bloßem Gedanken der Berliner Hof in hellste Aufregung geriet.
In einer Köblerhütte auf preußischem Boden, dicht an der russischen Grenze, treffen sich Hardenberg und Stein.
Draußen wartet der ergebene Diener des Freiherrn mit dem Schlitten. Spähend suchen seine Augen den Horizont ab: Wenn französische Gendarmen hier seines Herrn habhaft werden, hat er sein Leben verwirkt.
Hardenberg hört in mühsam verhaltener Erregung die Anklage Steins. Er hat sich die Unterredung anders oorgestellt. Er wird nach dieser Attacke des Freiherrn unweigerlich in die Verteidigung statt zum Angriff übergehen müssen.
„Seine Majestät haben Anno sieben in mir einen widerspenstigen, ungehorsamen Staatsdiener zu sehen geruht", sagt mit schneidender Stimme Stein, „der, auf sein Genie und sein Talent pochend, weit entfernt ist, das Beste des Staates vor Augen zu haben. Acht Monate darauf hatte Seine Majestät die Ansicht geändert und berief mich, wie Sie wissen, Herr Minister, in mein Amt zurück! Vom Kranken- bett aus diktierte ich Seiner Majestät ohne Zögern meine Zusage: In einem Augenblick des allgemeinen Unglücks wäre es sehr unmoralisch, seine eigene Person nicht dem Wohle des Ganzen unterzuordnenI"
Stein wendet sich mit einem Ruck. Seine ma fige Gestalt steht statuenhaft vor Hardenberg.
„Als mich Napoleon für vogelfrei erklärte, habe ich die Geschicke unseres preußischen Vaterlandes nach bestem Wissen mit denen des russischen Hofes zu verbinden gesucht. Heute kann ich die Frucht von Jahren zähester Arbeit ernten. Ich habe Sie, Herr Minister, hierher gebeten in zwölfter Stunde! Wenn man mich auf preußischem Boden entdeckt, habe ich mein Leben verwirkt. Es gilt mir gering, wenn ich mit seinem Einsatz die Freiheit der Nation erkaufen kann!"
Steins Stimme wird gedämpft. Seine Worte kommen langsam, betont, in heiligem Ernst:
»Herr von Hardenberg! Sie vermögen viel in dieser Stunde. Es geht um das Letzte! Machen Sie sich frei von allen Zauderern und Schwachen, setzen Sie mein Werk fort, in starkem Glauben für das Heil der Nation: Lassen Sie endlich den Anschluß an Rußland zur Tat werden! Die Geschichte wird Ihnen das nie vergessen, denn—Sie werden Preußen reUenl"
Oie deutsche Einheitskurzschrist bleibt.
Berlin, 23. Mai. (WTB.) Die Behörden des Reiches und der Länder werden zur Zeit mit einer großen Zahl von Eingaben über Kurzschrift in Anspruch genommen. Dazu ist zu bemerken, daß für die Reichsregierung keine Beranlassung besteht, den gegenwärtigen Zu st and zu ändern. Die deutsche Einheitskurzschriit hat sich durchaus bewährt. Es ist daher von der Reichsregierung beabsichtigt, ihre Einführung in den Schulunterricht und in das Bebördenwesen noch stärker als bisher zu fördern.
Kleine politische Rachrichten.
Wie der „Völk. Beob." meldet, hat der Reichskanzler von den ihm von der Gothaer F e u e r v e r s i ch e r u n g s b a n k und der Gothaer Lebensversicherungsbank aus Anlaß der Feier des Tages der nationalen Arbeit zur Verfügung gestellten 50 000 Mark die Summe von 40 000 Mark dem Reichsstatthalter in Thüringen S a u ck e l überwiesen mit der Bitte, das Geld für notleidende Thüringer Gemeinden und Kreise zu verwenden.
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Beim Verlassen der Marinegarnison Kiel richtete der Reichskanzler folgendes Telegramm an den Reichswehrminister und den Chef der Marineleitung: „Mit stolzer Freude habe ich zwei Tage den llebungen der Flotte beigewohnt. Ich danke der Reichsmarine und wünsche ihr E r st a r k u n g und erfolgreiche Weiterarbeit. Der Reichskanzler."
Wettervoraussage.
Der hohe Druck, der sich von der Biskaya in nordöstlicher Richtung bis über Skandinavien erstreckt, wirkt sich vorerst noch auf die Weiterentwicklung der Wetterlage aus. Die tagsüber ftattfindende fräf- tige Erwärmung läßt jedoch das Barometer immer mehr zurückgehen, so daß der Hochdruckeinfluß ab- geschwächt wird und späterhin Störungstätigkeit zur Geltung kommen kann. So naht über dem Nordatlantik ein neues lief heran, wodurch Zufuhr warmer Ozeanluft in Aussicht steht, anderseits entwickelt sich ein neues Fallgebiet über Polen, durch dessen Rückseite kühle Luft nach Deutschland fließt. Das Zusammentreffen der verschiedenen Luftmassen dürste zeitweise zum Auszug von Bewölkung und stellenweise auch zu Gewitterstörungen führen, ohne daß dabei die Witterung einen unfreundlichen Charakter annimmt.
Aussichten für Donnerstag: Noch aufheiternd und warm, doch zeitweise bewölkt mit Neigung zu Gewitterstörungen.
Aussichten für Freitag: Lokale Gewitterstörungen, im ganzen aber warmes und zeitweise auch aufheiterndes Wetter.
Lufttemperaturen am 23. Mai: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 12 Grad: am 24. Mai: morgens 11,3 Grad. Maximum 21,8 Grad, Minimum 3,5 Grad. Sonnenscheindauer 14'/, Stunden. Crdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 23. Mai abends 25,6 Grad, am 24. Mai morgens 15,3 Grad Celsius.
Heutige Wasserwärme der Lahn: 19 Grad Celsius.
Aus der Provinzialhauptstadt.
3a, weil :
dern brauchen, sondern unfern Weg erleuchtet haben vom ewigen Licht. Der Dichter Conrad ger» dinand Meyer läßt den gefangenen Huh von diesem Ziel so sprechen:
Oas Land der Seele.
Von Superintendent Lic. Äorrniann.
Himmelfahrt, das Maienfest, das Frühlingsfest, nimmt uns jedes 3ahr aufs neue mit seinem Glanz und seinem Licht gefangen. Cs scheint das hellste aller christlichen Feste zu sein, weil es auf dem Höhepunkt der Raturherrlichkeit gefeiert wird. Aber es scheint nur so. Ratur und Geisteswelt sind eben Gegensätze. Darum ist auch Himmelfahrt, dieses lichte Maienfest, seinem tiefsten Wesen nach umgeben von Dunkelheit. Wie sollte es anders sein? Handelt es sich doch bei Himmelfahrt um das Fest der Seele und um das Land der Seele. Und weil die Seele unfaßbar und das Land der Seele unbekannt ist, muh auch das Fest, das von diesen geheimnisvollen Dingen redet, eingehüllt sein vom Dunkel des Geheimnisses. 3a, Dunkelheiten für den Verstand und Dunkelheiten für das Gefühl offenbart uns dieser Tag mehr als genug und zeigt uns dadurch, daß unser irdisches Wesen nicht ausreicht, das Dunkel der Ewigkeit zu lichten.
Aber das Himmelfahrtsfest braucht nicht im Dunkel zu enden. 3m Gegenteil: Es will uns gerade oas ewige Licht der rechten Erkenntnis über das Land der Seele bringen. Darum ruft es uns zu: „Suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes " (Kol. 3,1.)
Damit ist zunächst das Ziel unseres Lebens genannt. Richt diese Erde und vor allem nicht dieser Erdenstaub kann die Heimat der Seele sein. 3hr Ziel ist jene neue Welt, die uns der Bote aus der Ewigkeit 3esus Christus offenbart hat, die Welt Gottes. Und nun ist unsere Aufgabe, dieses Ziel fest ins Auge zu fassen. 3eder Vogel, der durch die Luft fliegt, kennt sein Ziel. 3eder Wanderer, der ein Land durchquert, strebt einem Ziele zu. 11 nb wir Wanderer durch dieses- Leben müssen auch ein festes Ziel haben, damit, wenn die Schatten länger werden, wir nicht im Dunkeln zu wan-
„Es kommt die Zeit zu feiern, es kommt die große Ruh'. Dort lenkt ein Zug von Reihern dem ewgen Lenze zu. Sie kennen ihre Wege, sie wissen Tag und Stege. Was, meine Seele, fürchtest du?" , ein ewiges Ziel muß unser Leben haben, unser Leben durch unsere Seele ein Stück
Unsterblichkeit, ein Stück von Gott ist. Aber gewiß dieses Zieles wird nur die Seele, die ihren Erretter und Erlöser 3esus Christaaufnimmt als den großen Gottesboten aus der Ewigkeit. Darum bleibt des Dichters Wort über das heutige Fest Wahrheit:
^Dieses größte Wunder der nur recht ermißt, • in dessen Herze selbst der Himmel ist.
Laß Christi Lichtgestalt ins Herze ein
und seine Himmelfahrt wird Wahrheit sein."
Es braucht eigentlich nicht mehr gesagt zu werden, daß die rechten Jünger dieses Jesus von Nazareth nun erst recht brauchbar werden für diese Welt. Einst wies er seine Jünger, die mit ihm Himmelfahrt erlebten, vom Berge der Himmelfahrt in die Arbeit an dieser Welt. Er verlangt auch heute dasselbe von uns, seinen Jüngern. Christen, die nur zum Himmel aufschauen und darüber diese Erde vergessen, sind nicht wert ihres Ehrennamens. Aber Christen mit der Ewigkeit im Herzen, jedoch mit den Füßen fest auf dieser Welt, dies Leben meisternd, diese Welt erfüllend mit dem Geiste Jesu, dem Geist des Glaubens und der Liebe, schaffen etwas in dieser Zeit zur Ehre ihres Herrn und zum Segen ihrer Mitmenschen.
Das vermögen wir alle, .wenn wir das Land der Seele genau kennen. Nicht als ob wir Einzelheiten über die Ewigkeit wüßten — das ist auch nicht nötig,
Hardenberg, gekränkt in Ehrgeiz und Machtgefühl, entgegnet, sich erhebend, als wolle er eine für ihn überflüssige und nutzlose Unterhandlung abbrechen, eisig:
„lieber mich und meine Arbeit, die ich zur Erreichung der Freiheit unseres Volkes geleistet habe und noch zu leisten gedenke, Herr Baron vom Stein, wird die Nachwelt ihr Urteil sprechen!"
Jäh donnert die Stimme Steins in Zorn und Verzweiflung:
„Alles Blut, das von nun an fließt, komme über Sie! Sagen Sie Ihrem König: Wer nicht für uns ist, der ist wider uns! Wir werden zu kämpfen willen!"
Ekel und Verachtung loht empor aus tiefster Seele.
„Die Trümmer des Franzosenheeres haben Sie ohne einen Schuß Pulver über die Weichsel gelassen — Napoleon wird ein neues Heer aufstellen. Sinnlose Opfer müssen wir bringen, es zu vernichten! Aber ich sage Ihnen: Das Maß ist voll! Das preußische Hilfskorps unter General Yorck."
Hardenberg, aufs äußerste gereizt, fällt Stein ins Wort: „Mußten wir stellen, Herr Baron! Wir hätten unser Land völliger Zerstörung preisgegeben!"
„Der Einsatz ich hoch — Preußen im Solde Frank- reiths!"
„Wir haben diese Zusammenkunft nicht vereinbart, Herr vom Stein, um uns Dinge zu sagen, die hinlänglich bekannt sind. Wollen Sie mir bitte..."
In höchster Erregung unterbricht Stein:
„Gut, Herr von Hardenberg! Ich sage Ihnen nochmals: Es ist Ihre erhabenste Pflicht, Seine Majestät davon zu überzeugen, daß es Zeit ist, zu marschieren! ... Heben Sie sich Ihre diplomatischen Aktionen für später auf — jetzt haben die Waffen das Wort! Jetzt — oder nie! Und was General Yorck und sein Freikorps betrifft — ich garantiere für nichts!"
Da wird die Tür der Hütte aufgeriffen. Der Diener des Freiherrn stürzt atemlos herein.
„Herr Baron — wir müssen fliehen--fran
zösische Gendarmes!"
Hastig greift Stein nach der Pelzmütze auf dem Tisch und sagt kurz, voll zu Hardenberg gewendet:
„Ich hoffe, Herr Minister, wir haben uns verstanden!"
Dann wendet er sich und geht mit raschem Schritt hinaus.
Der Diplomat Hardenberg hat diese Partie als verloren zu betrachten. Er wird jetzt handeln müssen Was wird der Berliner Hof zu dieser aufgezwungenen Geste sagen?
Als der Minister mit sorgenvollen Gedanken die Hütte verläßt, preschen französische Reiter an ihm vorüber, aus die russische Grenze zu.
Fern rast der Schlitten mit dem geretteten Frei- Herrn davon. In ohnmächtiger Wut schicken die Gendarmen dem fliehenden Gefährt Pistolenschüsse nach deren Knall dumpf über die eisige Fläche hallt.
Die Ereignisse jagen sich. Die Entscheidung steht auf des Messers Schneide. Der glimmende Funke im Osten wird zur lodernden Flamme, deren Schein bald ganz Eurova überstrahlen wird.
An einem trüben Wintermittag, es ist der 29. Dezember 1812, trifft der russische Unterhändler, Oberst von Clausewitz, nach scharfem Ritt vor dem preußi- schen Hauptquartier in Tauroggen ein.
Der Offizier, von oben bis unten mit Dreck und Schlamm der grundlosen Landstraßen bedeckt, läßt sich dem General Yorck melden.
Eine Flut von heftigen Verwünschungen regnet auf den russischen Unterhändler herab. Yorck, gallig und finster, herrscht den Offizier an:
„Bleibt mir vom Leibe — ich will nichts mehr mit Euch zu tun haben! Eure verdammten Kosaken haben einen Boten Marschall Macdonalds durchgelas» sen, der mir den Befehl bringt, auf Piktupöhnen zu marschieren, um mich dort mit den Franzosen zu vereinigen. Nun hat aller Zweifel ein Ende: Eure Truppen kommen nicht an — Ihr seid zu schwach! Ich muß marschieren und verbitte mir jetzt alle weiteren Verhandlungen, die mir den Kopf kosten würden!"
Der General beginnt mit großen Schritten in der düsteren Stube auf und ab zu laufen, als fei niemand anwesend.
Oberft von Clausewitz hat strikten Befehl, seinen Auftrag auszuführen. Mit dem Mute der Verzweif- lung nimmt er das Wort:
„(Eure Exzellenz — ich bitte gehorsamst, die Briefe des russischen Hauptquartiers vorlegen zu dürfen!"
Yorck mißt ihn mit finsterem Blick, den der Oberst ruhig begegnet. Dann wird seine Stimme drängen- " der.
„Eure Exzellenz werden mich doch nicht in die Verlegenheit setzen wollen, abzureisen, ohne meinen Auftrag ausgerichtet zu haben!"
Der General läßt Licht bringen und befiehlt feinen Chef des Generalstabes, Oberst Roeder, zu sich. Man liest die Briefe. Nach einem Augenblick verschlossenen Nachdenkens tritt Yorck rasch auf Oberst Clausewitz zu.
„Sie sind Preuße, Clausewitz! Glauben Sie, daß der Brief des Generals d'Auvray ehrlich ist, und daß sich die Wittgensteinschen Truppen.am 31. wirklich auf den genannten Punkten befinden werden? Können Sie mir Ihr Ehrenwort darauf geben?"
Der Offizier antwortet ohne zweifelndes lieber- legen:
„(Eure Exzellenz — ich verbürge mich für die Ehrlichkeit des Briefes nach der Kenntnis, die ich persönlich von General d'Auvray und den übrigen Männern des Wittgensteinschen Hauptquartiers habe. Daß diese Dispositionen auf das präziseste ausgeführt werden, darf ich annehmen, aber nicht verbürgen — (Eure Exzellenz wissen, daß man im Kriege mit dem besten Willen oft hinter der Linie Zurückbleiben muß, die man sich gezogen hat."
(Fortsetzung folgt)


