Ausgabe 
24.4.1933 Frühausgabe
 
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müsse gewährleistet werden." Als ob Deutschland und andere Staaten nicht jahrelang unter immer erneuten Opfern bemüht gewesen wären, den be­scheidenen Teil an Freiheit wieder zu erlangen, -er ihm unter Mißachtung der Wilsonschen Grundsätze in Versailles genommen war. ^uch die dunklen Andeutungen über einen sich je.sits der Grenzen vorbereitenden Terror werden Europa nicht über den mangelnden Willen, auch anderen Gerechtigkeit und Lebensmöglichkeiten zu gönnen, hinwcgtäuschen. Für Deutschland wenigstens klin­gen solche Worte aus dem Munde eines Fran­zosen um so befremdender, als der rechts­widrige Einmarsch ins Ruhrgebiet von Terrorakten gegen die vaterländische Bevölkerung begleitet war.

Wenn der französische Ministerpräsident heute mit Befriedigung erklären kann, der französische Francs habe nichts von den Schwankungen der anderen Devisen zu befürchten, so wird man un­willkürlich an die Angriffe zurückdenken, mit denen zunächst gegen den österreichischen Schil­ling, dann die deutsche Mark und schließlich Pfund und Dollar vorgegangen wurde, um die Gefährdung dieser Währungen, ungeachtet der Rot, die die Länder damit traf, politisch aus­zunutzen.

Menn Frankreich weiter ankündigt, gegebenen- falls sich bei Verschärfung der Krise auf seine eigenen Grenzen und Kolonialgebiete zurückzu­ziehen, dann läßt es ganz und gar jeden pan­europäischen Geist vermissen, den es so gern und oft im Munde führt.

Da die französische Delegation in dieser Rede ihre Richtlinien für Genf erblicken wird, um dort, nach den Worten Daladiers,einer allmählichen gleichzeitigen streng kontrollierten Abrüstung" das Wort zu reden, dann werden die Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten, Frankreich werde nichts von seinen Interessen aufgeben, zweifellos das Land, das seit 14 Iahren seinen Willen Europa diktiert, mit ungeheurer Verantwortung für den Ausgang dieser Konferenz und damit für die Ruhe und Befriedung Europas belasten!

Der Ausbau des deutsch- italienischen Luftverkehrs.

Berlin, 22. April. (ERD.) Dor Vertretern der Presse berichtete Staatssekretär Milch über die Reise nach Rom, auf der er Reichsminister Göring begleitet hat. Staatssekretär Milch unterstrich die überaus herzliche Aufnahme, die Minister Göring und seine Begleiter überall in Rom gefunden haben.

Lieber die römischen Besprechungen berichtete Staatssekretär Milch, daß sie in erster Linie Luftverkehrsfragen gegolten haben.

Der gesamte deutsch-italienische Luftverkehr wird einer Revision unterzogen werden, und zwar in der Form, daß schon jetzt erhebliche Verbesse­rungen eintreten und die weitere Ausgestaltung für die Zukunft vereinbart wurde.

Die Schwierigkeiten im deutsch-italienischen Flug­verkehr liegen in der Lleberquerung der Alpen. Die Erfahrungen aus dem Versuchsdienst des letzten Winters berechtigen zu der Erwartung, daß ein regelmäßiger Flugdienst für das ganze Iahr durchgeführt werden kann. Vielleicht schon im nächsten Iahre wird ein Ron-Stop-Flug Berlin Rom durch­geführt. Vorher muh die Reisegeschwindigkeit auf mindestens 250 Kilometer erhöht werden.

Dir würden dann im deutsch-italienischen Flug­verkehr zwei Linien haben, nämlich die nach Venedig und die nach Rom, daneben besteht die dritte Strecke MünchenInnsbruckBozen Trient.

Weiter galten die Unterhaltungen der G le i ch- schaltun g des Wetterdienstes. Auch der italienische Wetterdienst wird entsprechend dem deutschen ausgebaut werden, so daß der deutsch-italienische Flugverkehr die bestgesichertste Strecke in ganz Europa werden wird.

Gorch Fock."

Oer Ersatz für das SegelschuischiffTliobe*.

Ich bin am 26. Juli, 9 Uhr vormittags, Anker auf gegangen. Der Wind war frisch." Mit diesen Worten begann am 3. Roveinber des vorigen Iah- res Kapitänleutnant R u h f u ß vor dem Kriegs­gericht in Kiel seine Schilderung von dem U n - tergang des Schulschiffs Riobe". Mitten hinein in den frischen Morgen fuhr dieses stolze Schiff mit vollen Segeln, an Bord der Rach­wuchs der deutschen Reichsmarine. Lind nur we­nige Stunden später sollte die schmuckeRiobe" in den Fluten des Meeres versinken und den größ­ten Teil seiner Besatzung mit sich in die Tiefe reihen. Roch sind allen die grausigen Einzelhei­ten dieser schweren Katastrophe, von der unsere Reichsmarine nach dem Kriege betroffen wurde, in wacher Erinnerung. Aber es wäre nicht deut­scher Geist, wollte man länger in Trauer ver­harren und untätig bleiben.

Wenige Wochen später wurde auf der Werft in Hamburg der ErsatzNiobe" auf Stapel gelegt, und dieses neue Schulschiff soll nun am 3. Mai vom Stapel laufen. Wenn es nunmehr fest­steht, daß dieses Nachfolgeschiff den Namen des deutschen Dichters von der Wasserkante, Gorch Fock, tragen wird, so werden alle guten Deutschen diese Wahl mit Freude gutheißen.

Wer war Gorch Fock? Ein Sohn aus aller nie­dersächsischer Seemannsfamilie, ein echter Sohn der Wasserkant. Gorch Fock, oder wie er richtig heißt, Johann Kienau, lebte mit seinen sechs Geschwi­stern als der älteste Sohn des Seefischers Heinrich Kienau auf der Elbinfel Finkenwerder. Seine er­sten seemännischen Prüfungen waren außerordent­lich schlecht ausgefallen, und sein jüngerer Bruder Jakob schrieb einmal:Der kleine schmächtige Jan wurde so seekrank, daß all seine Tapferkeit nicht dagegen aufkam." Eigentlich sollte er Lehrer wer­den. Wer der Tod hiell unbarmherzig eine reiche Ernte in der Familie und nahm sehr bald auch die Mutter mit ins Grab, so daß wirtschaftliche Not sich breit machte im Hause des Fislpers, der sein Brot schwer erkämpfen mußte.

Gleich nach feiner Entlassung aus der Schule wurde Johann Kienau in Geestemünde bei einem Onkel in die kaufmännische Lehre gesteckt. In die­ser ihm ganz wesensfremden Laufbahn kam er über Meiningen nach Bremen und von dort im Jahre 1904 nach Hamburg zu der Hamburg Amerika-Linie. In diese Jahre fallen die ersten schöpferischen Arbeiten des jungen Dichters. And

Die Aufrechterhaltung der Deutschen SMparter

Berlin, 23. Aprll. (TA., Der Zentral- vorstand der Deutschen Volkspar­tei, der Sonntag mittag im Reichstage tagte, hat die Aufrechterhaltung der DVP. mit Mehrheit beschlossen. An der Ta­gung nahmen 214 Vertreter aus fast allen Wahl­kreisen teil. Rach einer längeren Rede des Partei­führers D i n g e l d e h wurde folgende Entschlie­ßung angenommen:

Die DVP. wurde 1918 gegründet, um für Vaterland, Ordnung und deutsche Volksgemein­schaft gegen die Kräfte der marxistischen Revolu­tion zu kämpfen. Für dieses Ziel haben wir un­ablässig gestritten.

Wir erkennen freudig an, daß Reichskanzler

Adolf Hitler mit seiner gewaltigen Bewegung das vaterländische Bewußtsein im deutschen Volke neu belebt und den Gedanken der Reichs­einheit endlich verwirklicht hat. Deshalb fordert die Dvp. von allen ihren Mitgliedern die tätige Mithilfe am Werk des nationalen Aufbaues, das unter der Führung Adolf Hitlers begonnen hat.

Eine Auflösung der DVP. dient diesem Ziel nicht. Die Partei gründet ihr Daseinsrecht auf das Bekenntnis zu den unvergänglichen Gütern deutscher Geistes- und Gewis'ens'reiheit im Rah. men eines machtvollen nationalen Staates. Gerade beim geistigen und wirtschaftlichen Aufbau des neuen Deutschlands sind diese Anschauungen un­entbehrlich. Der Zentralvorstand erwartet von allen deutschen Frauen und Männern, die so den­ken, daß sie in der gemein f amen Kampf­front für den neuen nationalen Staat auch weiterhin in der Deutschen Volks­partei für dieses Ziel kämpfen."

Abg. Dinge.dey

führt in seiner Rede u. a. aus: Für den Stand­punkt der Partei sei immer der Dienst am Vater­lande richtunggebend gewesen. Wer der DVP. unter­stelle, daß der Sinn ihrer Politik darin bestehe, darauf zu hoffen, daß die jetzt verantwort­lichen Männer durch Fehler und Mißge­schicke scheiterten, der habe den tiefen vater­ländischen Sinn unserer politischen Arbeit nicht erfaßt. Nach unseren Ueberzeugungen sei ein großes Deutsches Reich aber nicht denkbar ohne die geistigen Güter der Glaubens- und Gewissensftei- ycit, der sittlichen Persönlichkeit, aller jener Ge­danken, für die die Partei ruhmreich gekämpft habe. Gerade diejenigen, die wie Dr. Hugo nie geglaubt hätten, durch ihren Abmarsch zur NSDAP, der nationalen Sache zu nützen, hätten wissen müssen, daß ein solcher Schritt, wenn er zu bejahen ge­wesen wäre, nur von Erfolg begleitet sein würde, wenn er von der ganzen Partei einmütig und ge­schlossen getan wurde. Heute müsse mit Bedauern festgestellt werden, daß ein solches Vorgehen keinem genutzt hat. Weder der Partei, noch dem Vater­lande. Man müsse sich vor dem Glauben hüten, daß eine Uniformierung des Denkens die Grundlage des staatlichen Lebens in Deutschland sein könne. Wolle man sich anmaßen, in das geistige oder sogar religiöse Leben mit Machtmitteln einzu­greifen, so trete das ein, was niemand wollen könne. Ob der Weg nach dem italienischen Beispiel zum Faschismus führen müsse, sei abzuwarten. Er, D i n g e l d e y , glaube es nicht. Mögen sich Wahl­kreisorganisationen auflösen, so sei damit noch nicht die Tatsache beseitigt, daß es ungezählte Menschen gebe, die so empfänden wie die DVP. Unter solchen Umständen könne er nicht die Verantwortung auf sich nehmen, die Fahne herunterzuholen.

In diesem Jahre will General Balbo wahr­scheinlich einen Flug um die Welt machen. Dabei wird er mit seinem Geschwader auch Berlin besuchen. Staatssekretär Milch gab der Erwartung Ausdruck, daß es bei dieser Ge- legenheit möglich sein werde, die italienische Gast­freundschaft zu erwidern.

Das Reichsgeseh über die Gtudenieuschasten.

Berlin, 22. Aprll. (WTB.) Das Re i chs ka- binett hat in seiner heutigen Sitzung das fol­gende Reichsgesetz über die Bildung von Studentenschaften an den wissen­schaftlichen Hochschulen verabschiedet.

Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz be­schlossen, das hiermit verkündet wird.

c . . * § 1.

Die bei einer wissenschaftlichen Hochschule voll eingeschriebenen Studenten deutscher Abstammung und Muttersprache bilden, unbeschadet ihrer Staats­angehörigkeit, die Studentenschaft dieser Hochschule.

§ 2.

Die Studentenschaft ist Glied der Hochschule und vertritt die Gesamtheit der Studenten. Sie hat mit- zuwirken, daß die Studenten ihre Pflichten gegen Volk, Staat und Hochschule erfüllen.

_ § 3.

Das Nähere über Aufbau und Arbeit der Stu­dentenschaften regeln die Studentenrechtsordnungen der Landesregierungen und die Satzungen der Hochschulen und der Studentenschaften.

Die Begründung.

In ber Begründung zu dem Gesetz heißt es: Die deutsche Hochschule wurzell im deutschen Volkstum. Sie dient dem deutschen Volke. Die Stu­denten sind als Glieder der Hochschule berufen, an den Aufgaben der Hochschule gegenüber der Volks­gesamtheit mitzuwirken. Um diese Mitarbeit zu er- möglichen und dauernd zu sichern, bedarf es einer geordneten Zusammenfassung derjenigen Studen­ten, die dem deutschen Volke durch Abstammung und Muttersprache angehören.

Die reichsgesetzliche Regelung der SDlaterie ist er­forderlich 1. um den Aufbau der Arbeit der Stu­dentenschaften diejenige feste und einheit­liche Grundlage zu geben, die dem überein­stimmenden Bedürfnis aller deutschen Hochschulen und deren Verhältnis zur Voltsgesamtheit sowie dem Zusammenschluß der einzelnen Stu­dentenschaften zur Deutschen Studentenschaft entspricht: 2. um der volksbürgerlichen Zusammensetzung der Studentenschaften den Nechtsboden zu geben.

Gleichschaltung der Justiz.

Erneuerung der Rechtsordnung unter Neichsgesichtspunkten.

Berlin, 22. April. (WTB.) Auf Anregung des Reichsjustizministers hat das R e i ch s k a b i - nett beschlossen, dem Herrn Reichspräsidenten die Ernennung eines Reichs ko mmissars für die Gleichschaltung der Justiz in den Ländern und für die Erneuerung der Rechtsordnung vorzuschlagen und hier­für den bayerischen Staatsminister der Justiz Dr. Frank zu benennen. Aufgabe des Reichs­kommissars soll es sein, die einheitliche Durch­führung der Reichsgesehe in den Ländern zu sichern. Der Reichskommissar soll ferner den beim Reichsjustizministerium zu b ldenden Gremien per­sönlich angehören, und zwar als stellvertretender Vorsitzender, die beauftragt werden, die Re­form der Gesetzgebung vörzubereiten. Da­bei handelt es sich zunächst um die Strafgesetz­reform, die Umgestaltung des Strafgerichtsver­fahrens und des Strafvollzuges und um eine Reihe weiterer Gesetzgebungsarbeiten, die seit längerer Zeit vorbereitet sind und mit Rücksicht auf die parlamentarischen Verhältnisse bisher nicht haben zum Abschluß gebracht werden können, wie das Aktiengeseh, die Vergleichsordnung, die Ge­setze über das Urheberrecht, den gewerblichen Rechtsschutz, die Zivilprozeßreform u. a. mehr.

Kunst und Wissenschaft.

Hindenburgs und Hillers Glückwünsche zum 75. Geburtslage von Professor Planck.

Der Reichspräsident hat dem Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Geheimem Regierungsrat Universi­tätsprofessor Dr. Max Planck, zu seinem 75. G e - b u r t s t a g e telegraphisch seine herzlichen Glück­wünsche übermittelt

Reichskanzler Adolf Hitler hat ebenfalls Pro­fessor Planck seine aufrichtigen Glückwünsche aus­gesprochen.

Hindenburgs Dankschreiben an Furtwängler.

Der Reichspräsident hat an den Dirigenten des Berliner Philharmonischen Orchesters, Pro­fessor Dr. Wilhelm Furtwängler, das nach­stehende Schreiben gerichtet:Sehr geehrter Herr Professor! Wie mir mitgeteilt wird, hat das gestrige von Ihnen geleitete Konzert des Phil­harmonischen Orchesters zu Gunsten der Op­fer von Reunkirchen, über das ich gern das Protektorat übernommen habe, einen vollen künstlerischen und auch finanziellen Erfolg gehabt Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen und allen Mit­gliedern des Philharmonischen Orchesters meinen aufrichtigen Dank auszufprechen für die opferfreu­dige Bereitwilligkeit, mit der Sie Ihre Kunst in den Dienst der Aächstenliebe gestellt haben. Meine besten Wünsche gelten dem weiteren Erfolg des bewährten Orchesters und seines hervorragenden Dirigenten.

Mit freundlichem Gruß (gez.)

von Hindenburg.

Aus aller Welt.

27. Deutscher Sängertag in Dortmund.

Unter stärkster Beteiligung aus allen deutschen Gauen begann die geschäftliche Tagung des 2 7. Deutschen Sängertages in Dortmund. Rektor Brauner (Berlin), der stellvertretende Vorsitzende des Bundes, eröffnete die Versammlung mit einer Würdigung der nationalen Erhebung. Mit heißem Herzen stelle sich die deutsche Sängerschaft in den Dienst der großen Volksbewegung. Einen Ehrennachruf widmete er dem abberufenen Führer des Bundes, Geheimrat Dr. H a m m e r s ch m i d t Anschließend wurde der Bericht des Hauptaus­schusses zur Kenntnis ^genommen und der Bericht des Revisionsführers Sachen (Breslau) über die Bundesrechnung 1932. Einzelheiten über die Ab­schlußrechnung, die mit 200 255 Mark in Einnahme und Ausgabe abschließt, gab Bankdirektor Scha­be i k o w. Die Sängerbundlotterie habe einen Rein­gewinn von 70 000 Mark abgeworfen, der sich bei. günstigem Ausfall eines noch schwebenden Prozesses um 20 000 Mark erhöhen kann. Rechtsanwalt Dr.' Hermann sprach über das 11. Deutsche Sänger­bundesfest in Frankfurt. Durch größere Sparsamkeit habe sich ein Ueberschuß von 157 252 M k. ermöglichen lassen. Nach dem Bericht der Kassen­prüfer wurde Entlastung erteilt. Die Beratung der Bundessatzungen ergab die Annahme der bereits in Goslar vorbereiteten Fassung. Dann sprach Dr. Metzger (Baden) über die geplante Urheber­rechtsreform. Schatzmeister Roth erörterte das 23er- tragsverhältnis zum Musikschutzverband. Auf Grund der Debatte wurde beschlossen, die Pauschalsumme von 115 000 Mark unter Protest vorläufig anzu­nehmen, aber unter Mitwirkung des Kampfbunbes für Deutsche Kultur Schritte zur Senkung einzu­leiten.

18 Monate Gefängnis für Verbreitung von Greuelnachrichlen.

In dem vorläufig letzten Gräuelpropaganda- prozeß in Moabit wurde der 36jährige polnische Staatsangehörige Oliner wegen Verbrei­tung von Greuelnachrichlen zu einem Icchr sechs Monaten Gefängnis verurtellt. Der Angeklagte hatte in einem Konfektionsgeschäft einem Kunden Greuelmärchen erzählt. Als Oliner nach einigen Tagen deswegen festgenommen wer­den sollte, versetzte er einem SA-Mann einen Fußtritt und versuchte zu flüchten. Er wurde aber bald darauf gestellt und zur Polizei ge­bracht.

wenn es mit seiner Arbeit nicht immer nach Wunsch ging, so ließ sich dieser junge Mensch von dem Bewußtsein seines eigenen Wertes nicht ab­bringen, wofür eine Randbemerkung in seinem Ta­gebuch ein treffliches Zeugnis ablegt:Die Zei­tung hat's nicht angenommen. De Oes!", wobei man wissen muß, daßOes" die plattdeutsche Dezeichirung für das deutlichereAas" ist.

Gorch Fock war ein Sohn der See. und so galt auch fein dichterisches Schaffen allein der See. Seine bekanntesten WerkeHein Goden­wind, de Admirol von Moskitonien" und vor allem das sehr bekannteSeefahrt i st not", das in keinem Bücherregal eines deutschen Iun- gen fehlen dürfte, stammen aus den letzten Iah- ren vor Kriegsausbruch.

Am 31. Mai 1916 starb Gorch Fock den See­mannstod in der größten aller Seeschlachten, in der Skagerrakschlacht, als Matrose des kleinen Kreu­zersWiesbaden". Das Meer gab feinen treuen Sohn wieder her, und einige Monate später wurde die Leiche des Dichters auf der schwedischen In­sel Stensholm an Land gespült, wo Gorch Fock in einem großen Seemannsgrab die letzte Ruhe fand. Seinen Rainen wird nun der ErsatzRiobe" tragen, ein Sinnbild der Liebe des deutschen See­manns zu seinem deutschen Land und seinem deut­schen Meer. Und als ein Gelübde treuer Hei­matliebe für alle die blauen Iungen, die nun die Planken des neuenGorch Fock" ihre Heimat nennen werden im Dienste am deutschen Volk und Vaterland.

Auf der Werft von Blohm & Voß, auf Hel- hng 6, nähert sich die stolze Dreimasterbark ver Vollendung. Beim Dau des Rumpfes wurde größte Sorgfalt angewandt und das Schiff wurde unter Berücksichtigung der modernsten Sicherheitsmaßnahmen konstruiert. Die neue Riobe" ist ein mächtiger Bau. Das Schiff ist 73 Meter lang. Die Breite beträgt 12 Meter, öie Wasserverdrängung 1500 Tonnen. Da es ein Schulschiff wird, ist es natürlich als Segler gebaut, denn nur am Segler lernt der künftige Offizier all das, was zur Führung eines Schiffes gehört. Da das Schiff aber nicht nur vom Wind abhängig fein soll, wurde ein Motor von 500 PS eingebaut. Damit wird das Schulschiff in der Lage fein, auch bei völliger Windstille 7 bis 8 Seemellen zu laufen. Die Inneneinrichtung des Schiffes wird unter größter Raumausnützung durch geführt, um für den Kommandanten und 242 Offiziere und Mannschaften Platz zu schaffen.

Das Glück im Papierkorb.

Don Hans Natonek.

Wenn ich mich recht lange besinne, rückblickend, ob ich mich während eines halben Menschenlebens mit irgendeiner guten Tat ausweisen könnte, fällt mir merlwürdiger weis e immer die gleiche Baga­telle ein, wiewohl ich vielleicht bedeutendere, prunkhaftere Zeugnisse eines gelegentlichen Gut­seins erbringen könnte.

Der alte Hunold ist einundsiebzig Iahre und oben in der Buchbinderei als Faktotum quasi tä­tig. Er will nicht pensioniert, er will beschäftigt fein, und da der Alte dem Hause über fünfzig Iahre treu gedient hat, tut man ihm den Willen. Er macht Botengänge, Keine Handreichungen und hat seine Beschäftigung, die keine ist. Es hat den Anschein, als wäre der Begriff Faktotum extra geschaffen, um eine überflüssige Tätigkeit milde zuzudecken. So eine leere, ausgediente Menschen­hülse, durch die immer noch ein Rinnsal von Pflicht und Arbeit sickert, hat etwas Rührendes.

Ueberdies ist der alte Hunold ein leidenschaft­licher Markensammler. Mitunter macht er sich ein Bewerbchen", d. h. er fingiert einen Anlaß, um sich im Verlag umzutun. Bei dieser Gelegenheit erhält er dann und wann von mir einige aus­ländische Briefmarken, die ich von den Umschlägen abgelöst habe. Aber ich bin dahintergekommen, daß er weniger auf die Briefmarken erpicht ist, als auf das Iagd- und Finderglück beim Kra­men in meinem Papierkorb. Dann und wann, wenn ich in mein Zimmer komme, finde ich ihn über den Briefabfall gebeugt, und seine runzligen Hände wühlen erregt, wie die eines Goldwäschers im Schlamm. Verlegen richtet er sich dann auf, erledigt seinBewerbchen" und schlurft aus dem Zimmer.

Die Ausbeute ist gar »u kläglich, da wir vor­wiegend Inlandkorrespondenz haben. Deshalb be­schließe ich, ein wenig nachzuhelfen. Ich kenne den Turnus, in dem der alte Hunold herunter- kommt, und habe mir ein paar exotische Briese verschafft, die ich in meinen Papierkorb mische. Es ist immer ein großer Tag für den alten Hu­nold: das Ablösen der Briefmarken: es geht halt nichts über selbstgefundene Briefmarken. Ich stelle mir das so ähnlich vor, wie einen Iäger, dem auch nur der selbstgeschossene Hase schmeckt. _2Ibcr meine Driefmarkenbeziehungen sinb sehr dünn, und also ist Hunolds Iagdgebiet, mein Pa- tnerforb, sehr schlecht bestellt. Da sah ich im Schaufenster einer Papierhandlung eine Menge

kleiner Pergamentbeutel, aus denen das bunte Gewimmel vieler Postwertzeichen leuchtete. Wie einfach, einem alten Mann ein Vergnügen zu bereiten! Ich kaufte das kleine Sortiment, schrieb mit verstellter Schrift ein paar Umschläge von ver­schiedener Farbe und Gestalt an was man alles denken muß! und praktizierte diese,Ausland- post" in den regulären Abfall des Papierkorbes.

Run konnte ich den alten Hunold häufig beim vergnügten Wühlen in den Papierschähen über­raschen. Er hat die Freude des Findens und ich die still beobachtende Lust, vergleichbar dem Ver­gnügen, mit dem ein Tierfreund im Winter die hungrigen Vögel das gestreute Futter aufpicken sieht.

Hunold wunderte sich zwar über die regen Aus- landbeziehungen, die die Firma mit einem Male unterhielt, aber er hat noch keinen Verdacht ge­schöpft, der Alte, wiewohl ich leichtfertigerweise die Russenmarke mit dem Zarenadler auf die Ku­verts gepappt habe.

Aber eines Tages kam der alte Hunold, zwin­kerte mich durchschauend von unten an, hob den Zeigefinger und sagte nichts weiter alsRa, Sie sind mir ja einer... Was für einer ich bin, hat er mir nicht gesagt. Und er zeigte mir einen Briefumschlag mit einerSitbergroschen-Sachsen" aus dem Jahre 1881. Da war es natürlich vorbei.

So unvollkommen und von Halbheiten strotzend, sind unsere wohlgemeinten, menschenfreundlichen Handlungen. Und trotzdem, wenn ich noch so weit zurückdenke: ich finde nichts Besseres, als einen kleinen Briefmarkenbeutel, aus dem ich meine bunte Saat in den Papierkorb streute, damit der alte Hunold, der nun schon lange dahin ist, sein Iagdglück habe. Rein, ich finde nichts Besseres.

Zeitschriften.

Erinnerungen an den Weltkrieg im Hochgebirge von Dr. Gunther Langes bringt die neue Num­mer der LeipzigerI l l u st r i e r t e n Zeitung" (Verlag I. I. Weber). Bilder und Text vermitteln ein packendes, echtes Bild aus einem Kampfgebiet, dessen Bedeutung und dessen Schwierigkeiten noch lange nicht genug gewürdigt worden sind. Außer­dem enthält das Heft einen ArtikelAdolf Hitler, der Führer" (zu seinem 44. Geburtstage). Zahlreiche Bilder aus dem Leben Hitlers und aus der Geschichte der von ihm geleiteten Bewegung begleiten die Le­bensgeschichte, die Erich Berger versaßt hat. Von den weiteren Beiträgen verdient der BildartikelAls Medizinmann in der Mongolei" von Sven Hedi» besondere Erwähnung.