Aus der Provinzialhauptstadt.
Fahnenweihe des Sturmes 17/11/116 der SA.
Der Sturm 17 der Sil. Gießen beging am Samstag und Sonntag die Weihe feiner Fahnen. Sturm 17 besteht schon seit etwa Jahresfrist und vereinigt in sich eine Reihe älterer Kameraden, die gewissermaßen als Reserve Dienst tun und so aktiv in der nationalsozialistischen Bewegung stehen.
Der Fahnenweihe ging am Samstagabend zu- nächst ein großer militärischer Zapfenstreich voraus, der von der Kapelle des hiesigen Bataillons unter Leitung von Dbermufifmeifter Strauße, in Verbindung mit dem Standarten-Spielmannszug der SA.-Stanbarte 116 ausgeführt wurde. Kapelle und SA.-Mannfchaften marschierten gemeinsam von der Stadt Lich aus durch verschiedene Straßen der Stadt zum Dsroalbsgarten. Der große Zapfenstreich, zu dem neben der SA. auch Mitglieder des Gießener Schützenvereins aufmarschiert waren, halte eine stattliche Anzahl Zuschauer angelockt, die mit großer Ausmersamkeit den Klängen lauschte. Ein Vers des Deutschlandliedes, ein dreifaches „Sieg j)eil!" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, sowie der erste Vers des Horst-Wessel- Liedes beschlossen den würdigen Auftakt der Fest-
lichkeit.
Im Anschluß an den Zapfenstreich marschierte», die uniformierten Teilnehmer im Scheine der Fackeln und begleitet von vielen Menschen nach dem Cafe Leib, wo im überfüllten Saal ein Mili- tärtomert stattfand. Zum Vortrag gelangten neben schneidigen Märschen auch verschiedene schöne, alte deutsche Lieder. Obermusikmeister K r a u ß e dirigierte und bewies erneut seine großen Fähigkeiten. Scharführer Müller hielt zur Einleitung eine kurze Begrüßungsansprache, eine weitere Ansprache hielt Herr Soldan, der in seinen Ausführungen auf den klaren, zielbemußten Willen des Führers hinwies und u. a. auch über die Treue )ur Fahne sprach. Seine Ansprache wurde mit herzlichem Beifall ausgenommen. Das Horit-Wessel-Lieb, von den Teilnehmern begeistert gesungen, beschloß das
Äoiuert
Eine große Gemeinde vereinigte der Festabend der Fahnenweihe. Bereits lange vor Beginn war der Saal des Cafe Leib voll besetzt. Unter den zahlreichen Teilnehmern sah man neben der SS. und SA. auch den Stahlhelm und Angehörige der Reichswehr, sowie Mitglieder des Schützenvereins Gießen. Der Abend wurde eröffnet mit dem schneidigen 116er Marsch, der in bekannter flotter Weise von der Kapelle des Bataillons wiedergegeben wurde. Scharführer Müller begrüßte die leib nehmer und gab feiner Freude über die starke Beteiligung Ausdruck. Unter den Klängen eines Marsches marschierte sodann der Sturm 17 mit verhüllter Fahne ein. Die Fahnen der Stürme 11 und 12 wurden ebenfalls mit in den Saal gebracht. Standartenführer Enamann hielt sodann die Weihercde: Ucber Deutschland sollen hunderttausend Sturmfahnen wehen. Sie sollen solange wehen, bis es nichts anderes mehr gebe, als SA.- und Sturm- fahnen. Man wolle zur Weihe der Fahne des Sturmes 17 derer gedenken, die Gut und Blut für die Bewegung und das Vaterland opferten. Die Fahne solle Symbol fein für Treue und Kameradschaft. Der Sturm 17 erhalte nun feine Fahne und werde erneut den Schwur leisten und ihn halten, olange es Menschen gebe, die den nationalen und ozialen Gedanken in unserem Vaterlande nicht beireifen können. Sturm 17 müsse die Treue halten, clbst mit dem Einsatz des Letzten, des Lebens. Wer das Leben für die Fahne gebe, sterbe den schönsten Tod. Auch der Sturm 17 werde schwören, einzustehen für die Fahne, für die Bewegung und für die Zukunft des Vaterlandes. Mit den Worten „Wir schwören es!" gab der Sturm 17 auf die ge- senkte Fahne das Gelöbnis der Treue. Zum Schluß seiner Ansprache brachte der Standartenführer ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Führer und Reichs- taruler Adolf Hitler aus, in das die zahlreichen Teilnehmer der Feier lebhaft einstimmten. Der erste Vers des Deutfchlandliedes und das Horst-Wessel- Lied, gemeinsam gesungen, beschlossen den Weiheakt.
Eine besondere Rote erhielt die Feier durch die Mitwirkung des Banerschen Gesangvereins unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Pros. Dr. Temesoary. Lieder vaterländischen Geistes, eng dem Charakter der Feier angepaßt, wurden formvollendet zum Vortrag gebracht. Die Darbietungen lösten stärksten Beifall aus. So hörte man Zunächst „Ans Werk!" (Ioh. Händel) und „Mein Deutschland" (E. A. Mangold), Lieder, aus denen frische Ermunterung zum Ausbau des Vaterlandes und tiefe Liebe zur Heimat Hangen. Der Bund Deutscher Mädchen, Gießen, zeigte einige schöne deutsche Volkstänze, die in ihrer Originalität immer wieder gut gefallen. Frau Elfriede Fischer am Klavier gab den Aufführungen den Rhythmus. Mit zwei wetteren Liedern des Bauerfchen Gesangvereins („Vor Sonnenaufgang" und „Deutschland, Dir mein Vaterland") errangen die Sänger wiederum lebhaften Beifall, und sie mußten sich zu einer Wiederholung entschließen. Der Bund Deutscher Mädchen zeigte im weiteren Verlause des Abends noch einige Volkstänze, während die Kapelle der Reichswehr mit Märschen für Fansarentrompeten und Kesselpauken Beifallsstürme erntete. Lebende Bilder gefielen ebenfalls sehr gut Ein unterhaltsames Potpourri, in dem schöne alte Soldatenlieder vereinigt waren, beschloß die Feier. Bei einigen weiteren Musikoorlrägen blieb man noch geraume Zeit in kameradschaftlicher Unterhaltung beisammen.
Die Weihe der Fahne des Sturmes 17 nahm in allen Teilen einen würdigen Verlaus.
Daten für Montag, 24 vtpriL
1819: t>’r Dichter Klaus Groth in Heide geboren; — 1856: der französische Marschall Philippe Pstain in Cauchy ä la Four geboren; — 1891: Helmuth von Mollke gestorben.
tyornottücn.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 14,15 Uhr, „Das Berner Oberland".
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, als 29. Vorstellung im Dienstag - Abonnement, Wiederholung der Spiel- planneuljeit „Die vier Musketiere" von Sigmund Graff. Spielleitung: Oberspielleiter Peter Fassott. Gewöhnliche Preise. Spielbauer von 20 bis 22.30 Uhr. — Mittwoch, 26. April, 19.30 Uhr 27. Vorstellung im Mittwoch Abonnement mit einem Opern- gastspiel des Hessischen Landestheaters Darmstadt. Zur Aufführung gelangt die Oper „Fidelio" von Ludwig oan Beethoven. Inszenierung Ernst L e • g a l, musikalische Leitung Kapellmeister Dr. H a n s Schmidt- Isserstedt. Opernpreise. Vorzugs- und Rundfunkgutscheine haben Gültigkeit. Die Intendanz
macht nochmals auf die Abholbestimmungen betreffs oorbeftellter Starten aufmerksam.
•• Die Auszahlung der Militäroer- f o r gu n g s g e b ü b r n i f f e (Heeresrenten) für den Monat Mai erfolgt am Donnerstag, 27. April, die der Invaliden- und Unfallrenten am Samstag, 29. April
Cberbeffen.
Oie neuen (5emeinderäfe.
Landkreis Gietzen.
r. Lang-Göns, 21. April. Aach den neuen Bestimmungen besteht unser Gemeinderat aus neun Mitgliedern. Diese sind: Karl Wenzel, Landwirt; Karl Müller VII., Fuhrmann; Ernst Alfred A o m p f. Landwirt; Karl B e r g t, Förster; Heinrich K 1 öß, Derwaltungsbeamter, Willi Drücket, Elektrvmeister; Otto Dink, Arbeiter; Otto Bopf, Schlosser; Karl Müller IV., Landwirt. Sämtliche Mitglieder des neuen Gemeinderates gehören der ASDAP. an. Die SPD. hatte keine Liste eingereicht. Drei der Gemeinderäte, Karl Wenzel, Karl D e r g k und Karl Müller IV., gehörten seither schon zum Ortsvorstand.
------- Watzenbor n-S t e i n b e r g, 21. April. Für den neuen Gemeinderat ist nur ein Wahlvorschlag, und zwar feitenä der ASDAP. eingereicht worden. Es entfallen daher auf diesen Dorschlag sämtliche Sitze des neuen Gemeinde- ratS Er wird sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzen: 1. Ernst Häuser, Kaufmann 2. Otto Jung, Ingenieur; 3 Georg Heß II., Landwirt; 4. Theodor Philipp, Maurer; 5. Aichard Engel, Zimmermann; 6. Karl HirzI, Landwirt; 7. Hermann Sommer, Weißbinder; 8. Karl RinnI.. Landwirt; 9. Karl Andermann, Forstarbeiter; 10 Wilhelm Philipp, Sattler; 11. Theodor Hirz, Landwirt; 12. Karl Hirz III, Landwirt. In dem seitherigen Gemeinderat waren 8 Mitglieder der SPD und 4 Bürgerliche vertreten.
Kreis Schotten.
\r Gedern, 21. April. Der neue Gemeinderat unserer Stabt besteht aus 12 Mitgliedern. Davon sind 9 Angehörige der ASDAP., 3 Mitglieder der SPD. Gewählt sind: Von der NSDAP.: Maurermeister Hermann « t ö h r, Landwirt Karl Carl, Arbeiter Hermann Kämmerer, Kaufmann Heinrich Erck, Schlofsermeister Start Höbt, Landwirt Richard Birx, Elektromeister Alexander Reuß, Landwirt Karl Franz III., Schneider Karl Kauck; von der SPD, Lokomotivschlosser Johannes Rausch, Landwirt Wilhelm Junker II., Gärtner Robert R o f ch y.
Kreis Lauterbach.
& Lauterbach, 21. April. Auf Grund der neuen Bestimmungen besteht der Gemeinderat unserer Stadt künftig aus 12 Mitgliedern. Davon entfallen auf die NSDAP. 8, den Kampfblock Schwarz-Weiß-Rot 1 und die SPD. 3. Ge- wähll find: Von der NSDAP.: Färber Wilhelm Fink, Müller und Landwirt Ioh. Wacker, Post- inspektor Wilhelm Koch, Schlosser Fritz Scheer, Fabrikant Karl Neid Hardt, Gastwirt Albert Schaaf, Metzaermeister Hugo Knoll und Steinarbeiter Ioh. Keil; vom Kampfblock Schwarz- Weiß-Rot: Maurermeister Karl M e tz e n d o r f; von der SPD.: Schlosser Georg Schwarz, Maurer Ludwig Boos und Zimmermann Konrad Schäfer.
Generalversammlung der Spar» und Vorschußkasse Keffelbach.
O Kesselbach, 21. April. Die Spar- und Dorschußkasse Kesselbach hielt ihre Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1932 bei Mitglied Heinrich Schomber III. ab. Dor Eintritt in die Tagesordnung wurde der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder, insbesondere des langjährigen Aufsichtsratsmitgliedes Peter Decker gedacht.
Direktor Schmidt gab sodann einen Heber- blick über die Entwicklung der Wirtschaftslage unter besonderer Berücksichtigung der Geldinstitute.
Dem von dem Rechner Becker vorgetragenen Geschäftsbericht war im wesentlichen zu entnehmen. daß durch die wirtschaftliche Aotzeit auch die Kasse in Mitleidenschaft gezogen und eine stänkere Abhebung von Ersparnissen erfolgt sei, dem keine genügende Einzahlung gegenüberstand. Die Bllanzsumme hat sich deshalb gegenüber dem Dorjahre vermindert und beträgt 645 500,77 Mk. Hierbei muß berücksichtigt werden, daß auf die aufgewerteten Spareinlagen 26000 Mk. Rückzahlung geleistet wurden und von Auswertungs'chulo- nern nur 13000 Mk. eingingen. Die ausgeliehenen Gelder, in laufender Rechnung 271 000 Mk., Hypotheken 284 000 Mk., Schuldscheine 40 000 Mk. sind alle an den Mittelstand gegeben und verteilen sich auf 644 Kunden. Die offenen Reserven betragen 18 800 Mk., die Geschäftsanteile 29 224 Mk., die Zahl der Mitglieder 294 mit 299 Anteilen und 299 000 Mk. Haftsumme.
Der Dorschlag der Derwaltung, von dem Reingewinn 8 Prozent Dividende auf die eingezahlten Geschäftsanteile zu vergüten, 2500 Mk. den Reserven zu überweisen, den Rest auf neue Rechnung vorzutragen, wurde ohne Widerspruch genehmigt. Ebenso wurden der Jahresbericht, die Rechnung und Bilanz genehmigt und dem Dorstand Entlastung erteilt.
Ober-Revisor Hartmann, Gießen, sprach bann über die derzeitige Lage im Genossenschaftswesen, mit besonderer Berücksichtigung der Aot- verordnungen, insbesondere des Dollstreckungsschutzes.
Die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Winhauer. Schaaf II., und Schneider wurden wieder-, für das verstorbene Aufsichts- ratSmitglied Peter Becker Ob^rpoftschaffner Rühl neu gewählt.
Kreis Schotten.
D Laubach, 20. April. Die Reichsbahn beabsichtigt, im Wege des Freiwilligen Arbeitsdienstes zu beiden Seiten des unübersichtlichen Bahnüberganges am Rothenberg etwa 400 Kubikmeter Erd- und S t e i n m a f f e n abtrag € n zu lassen, damit in Zukunft die von Mücke kommenden Züge, ohne zu hasten, den Ueberaang passieren können. — Am Dienstagnachmittag fand im „Schützenhof", wie alljährlich, die H a u p t v e r - sammlung der Laubacher Ausschuß- g e f e H f d) a f t statt. Der letztjährige Hauptmann Christoph Högel I. gab zunächst, nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder, einen ein
gehenden Bericht über das gut verlaufene Ausschuß- fest 1932. Die vorgelegte Rechnung schloß mit einer Einnahme von 1451,91 Mark und mit einer Ausgabe von 1077,26 Mark ab. Der Ueberschuß wurde der Rücklage beigeschrieben. Infolge des guten Äaffenbeftanbes konnte der seitherige Iahresbestrag von 75 Pfennigen betbchalien werden. Die anschließende Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Zu in Hauptmann wurde einstimmig der Landwirt Friedrich Löwer gewähst. Weitere Vorstandsmitglieder (Hauptführer) wurden Christoph Högel I.» Heinrich Silh, Heinrich Kopp, Karl Kopp, Hermann Bohn, Ludwig Hohmann jr., Emil Hohmann, Bernhard Högel, August P a • 1 itsch, Karl Jockel, Karl Peter, Georg Franz, Georg T r ö 11 e r jr. Nach Schluß der Versammlung zogen die Mitglieder unter Vorantritt einer Musikkapelle zu den Wohnungen des seitheri- gen und neuen Hauptmanns, wobei Ansprachen auf die Stadt Laubach und das asthergebrachtc Aus fchußfeft gehalten wurden. Hiermit schloß der Auftakt zum „Ausschuß 1933", der vom 11. bis 13. Juni ftattfinbet.
Auch in Oarmstadt keine Rabatte und Zugaben mehr.
WER. Darmftabt, 21. April. Durch De- fchluß der beteiligten Handelsorganisationen und Filialunternehmungen mit dem Kampsbund des gewerblichen Mittelstandes sind ab 22. April die Rabatte und Zugaben ausgehoben worden.
Kirche und (Schule.
Landkreis (tficfccn.
)' Watzenborn-Steinberg. 19. April. Am zweiten Osterseiertage fand ün dicht besetzten Dotteshause die diesjährige Konfirmation »- feier statt. Eingesegnet wurden 15 Knaben und 12 Mädchen. Die Feier wurde verschönt durch Lieder des KirchengesangvereinS und Chöre der Konfirmanden.
Kreis Schotten.
ch Schotten, 20. April. Die Konfirmation der 34 zum Kirchspiel Schotten l gehörigen Konfirmanden (16 Knaben und 18 Mädchen) fand am zweiten Oftcrfeiertag in unsrer festlich geschmückten und dicht gefüllten Stadtkirche durch Dekan Widmann statt.
§ Ulrichstein, 20. April. Am zweiten Cftcr- feiertag wurden in unserer schön geschmückten Kirche 6 Kinder konfirmiert, 1 Knabe und 5 Mädchen. Schon zum drittenmal kehrt hier diese auffallend kleine Zahl von Konfirmanden wieder. 3m nächsten Jahr werden es etwa 20 Konfirmanden sein. 3m Filialort Feld- f rüden wird die Konfirmation am Sonntag nach Ostern gefeiert werden, dort sind es in diesem 3ahr 5 Kinder (im Dorjahr 7), 2 Knaben und 3 Mädchen
V Gedern, 20. April. Am zweiten Öfter- feiertag wurden hier 16 Konfirmanden (9 Knaben und 7 Mädchen) in feierlichem Gottesdienste eingefegnet.
Wallfahrt nach Stratford.
OasTlationalheiligtum am Avon. — Dem Andenken an Englands größten Dichter. Oie Shakespeare-Festspiele.
r-on unserem nach England entsandten Sonderberichterstatter Or. Werner G. Krug.
(Flachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Stratford on Avon, im April.
3edes 3ahr um die Osterzeit und den ganzen Sommer über ergießt sich ein ununterbrochener Strom von Fremden aus allen Teilen des Landes und der ganzen Welt in die Geburtsstadt des größten englischen Dichters, William Shakespeare. 3n der Grafschaft Warwick, einer der schönsten englischen Landschaften, eingeschlossen und umsäumt von grünenden, in schwellendem Frühlingsschmuck prangenden Hügeln und Tälern, von sastigem Weideland und fruchtbaren Aeckern; der Avon-Fluh, einer der schönsten in ganz England, flieht in vielen Windungen an dem Städtchen vorbei, das seit langem ein Wallfahrtsort ist für alle Kenner und Liebhaber der Werke des groben Engländers
Eine typische englische Landschaft bietet Stratford mit seinen engen winkligen Gäßchen, feinen schmucken Fachwerkhäusern einen reizvollen An blick, der noch erhöht wird durch die Erinnerungen an Englands größten Dichter, der hier geboren wurde, die letzten Jahre seines Lebens hier gc- wohnt hatte und hier auch seine letzte Ruhestätte fand. Auf Schritt und Tritt trifft man hier auf Erinnerungen an ihn, die Stadt scheint geschwän- gert von dem unsterblichen Geist des Dichters und der Werke, die er schuf.
Mitten in der Stabt liegt fein Geburtshaus, ein stattlicher Fachwerkbau, noch wohlerhalten und feit 1847 Nationaleigentum, kleine niedrige Fenster mit alten, verwitterten Butzenscheiben, ein Erker und ein kleines hölzernes Vordach über der Haustür geben einen anheimelnden Eindruck von diesem Haus, das der Ausgangspunkt wurde des größten Mannes, den England je gekannt. Das Gebäude, das heute noch einen stattlichen Eindruck macht, muß zu seiner Zeit geradezu durch seine Größe und Vornehmheit als Wohnsitz eines wohlhabenden Mannes aufgefallen sein. Das Innere besteht aus kleinen, vom Alter geschwärzten Räumen, mit kahlen, nackten Wänden, rohen Holz- Planken, großen, offenen Feuerplätzen. Leider hat man aus den Zimmern bis auf einige alte, geschnitzte und verschnörkelte Truhen und Stühle und den Pult, den der junge Shakespeare in der Schule benutzte, fast alle Möbel entfernt. Nur einige Glaskästen, angefüUt mit Reliquien werden gezeigt; darunter Briefe an Shakespeare, die Faksimilebilder seiner Eltern, Geschwister und 23er« wandten, Kaufakten von Grundstücken, die ersten Folio- und Quart-Ausgaben seiner Werke usw. Im ersten Stock sehen wir bas Geburtszimmer des Dichters. Hier steht auf einem kleinen Tisch eine Nachbildung ber Büste aus ber Dreifaltigkeitskirche. Ein hübscher Einfall ist im Garten durchgeführt: hier hat man alle Pflanzen, bie in Shakespeares Werken erwähnt finb, gezogen, soweit man sie erreichen konnte unb soweit sie sich in englischem Boben unb unter englischem Himmel erhalten.
Wie wäre es möglich, all die Erinnerungsstätten zu beschreiben, die hier auf Schritt und Tritt von Shakespeare unb seinen Zeitgenossen künden und die einen nachhaltigen Einblick gc- währen in die Seele des englischen Dolkes und in das Land, in die vielerlei Ereignisse, die eng mit diesem Ort verknüpft sind und die im besten Sinne des Wortes englische Tradition und englische Größe verkörpern. Es ist unmöglich, von dem Zauber dieser Stadt und von ber Landschaft. in die sie gebettet, nicht gefaßt zu werden. Es ist unmöglich, nicht von dem gleichen Gefühl der Bewunderung und der Ehrfurcht erfaßt zu werden, die jeden Besucher überkommt, der schwelgend all die Kostbarkeiten und Erinnerungsstätten in sich aufnimmt. So seien nur die wichtigsten Erinnerunasstätten gestreift, die hier von dem Leben und Schaffen eines der größten Dichter aller Zeiten zeugen. Leider hat menschlicher älnverstand und kleinlicher Egoismus zwei der teuersten Erinnerungen an Shakespeare zerstört: die Stelle, wo des heimgekehrten Shakespeare Wohnhaus stand, das dann auch sein Sterbehaus wurde, und ein alter, von Shakespeare selbst gepllanzter Maulbeerbaum. Rur die Grundfundamente und die einstigen ilmfafjungdmauem des Wohnhauses sind in un- üblamer Arbeit blohgelegt und ein Ableger diese- selben Maulbeerbaumes kündet heute noch von der Stelle, da Shakespeare so oft geweilt und seine unvergänglichen Werke geschrieben hat.
Abseits von Stratford, auf einem kleinen Hü- gel, inmitten von alten, verwitterten, bemoosten Grabsteinen, von uralten Linden und Buchen, durch deren Aeste ein linder Fruhlingswind kosend streicht, dicht an dem silberglänzenden, ruhig unb weihevoll dahinfließenden Avon, steht Holy Trinitv Church, die Heilige Dreifaltigkeitskirche, ein schmucker Dau in gotischem Stil, von dessen
mächtigen Quadern sich ein großer viereckiger Turm abhebt. Das Innere dieses Kirchleins birgt die Gebeine bes toten Dichters unb seiner Frau. Links vom Altar künbet ein mächtiger Steinsarko phog oon bes Dichters Ruhestätte, die besät ist mit Blumen unb Lorbeerkränzen, unb über der eine große Shakespeare-Büste steht. In ber gleichen Kirche wurde der junge Shakespeare auch getauft.
Außerhalb ber Stabt, am Ranbe des kleinen Dörfchens Shottery, liegt bas Geburtshaus von Shakespeares Frau, Anne Hathaway. Ein typisches, altenglisches Bauernhaus, langgestreckt, mit einem verwitterten Strohdach, an einen kleinen Abhang gelehnt, von Blumen mit prangendem Grün umgeben. Ein malerischer Anblick, die farbenprächtigen Beete, die Flieder unb Schlehdorn- Hecken, die Rosmarien- unb Rhobodendronsträu- chcr, ein Schatzkästlein, das es verständlich macht, marum Shakespeare so oft hierherkam, um feine Liebste zu besuchen. Das Innere des Bauernhauses mit feinen niedrigen Zimmern, nackten, kahlen Wänden, den winzig kleinen Fenstern, dem Stein-- fliesboben ober bei, ungehobelten Brettern, ver mittelt einen trefflichen Einblick in ein typisches englisches Bauernhaus. Küche, Wohn unb Schlafzimmer, Mansarden, Milchkammer, alles ist glän jenb erhalten unb angefüUt mit urallen Möbeln, bie feit Jahrhunderten in diesem Haus (tauben unb für Iahrhunberte von derselben Familie benutzt wurden, bis bas Haus im Jahre 1892 englisches Nationaleigentum wurde. Die bei den großen Dächer sind schwer mit Stroh gedeckt, unb gerabe daburch, sowie burch ihre brei hohen, roten Schornsteine aus Sanbftein geben sie dem alten Bauernhaus sein altertümliches, ländliches unb malerisches Aussehen.
Schwer kann man sich oon diesem ibyllischen Fleckchen Erde trennen unb ben Heimweg antreten, ber burch typisches englisches Weideland führt mir Weißdornhecken und uralten Linden, derselbe wohl, den der Dichter einst auf Freiersfüßen gewandelt ist
Welcher Kontrast dann das moderne Shake - f^)eare-Gedächtnis-Theater, bas an Stelle des 1926 abgebrannten alten Memorial Theatre errichtet wurde und am Avon-Fluß liegt, mit einem herrlichen Ausblick auf bie englische Land fchaft. Das modernste unb beft eingerichtete Theater ist es mit allen Raffinessen moberner Bühnenkunft unb moberner Dekoration versehen unb kann wäh- renb der Zeit vom Ostermontag bis Mitte Septem ber — so lange dauern bie F e st s p i e l e — täglich 1100 Zuschauer unterbringen. Zum ersten Mal wer den in diesem Jahr bie Festspiele in so großem Um fang durchgeführt, und wenn sie alle so vollkommen sind unb den Shakespeare-Geist widerspiegeln, wie am Abend der Eröffnungs-Vorstellung, wird dieses neue Theater bald zu einem Mekka jedes Liebhabers bester englischer Schauspielkunst unb Shakespeare- Stücke werben.
Ein Teil bes durch bas Feuer erhaltenen alten Memorial Buildings enthält bie in ihrer Art einzig bastehenbe Shakespeare-Bibliothek unb eine Kollektion von Shakespeare-Büsten unb -Porträts, sowie von Silbern der bekannten Shakespeare-Darsteller und Szenen aus Shakespeare- Stütfen. Die Bibliothek enthält — sowiel bekannt — alle Shakespeare-Ausgaben aller Länder, von Den ältesten Folien unb Quartos bis zu ben jüngsten llebersetzungen ins Suaheli und Secfana — zwei afrikanische Neger-Dialekte. Einen großen Raum nehmen auch dieOdeutschen Shake- speare-Uebersetzungen ein, angefangen von Sch 1 e - gel unb Tieck und Sofja, bis zu Stefan Georges, sowie bie Shakespeare-Forschungen deutscher Gelehrten, bie — wie ber Bibliothekar be» tonte — immer roieber von Shakespeare-Forschern zu Rate gezogen werben.
Tief unb nachhaltig finb die Eindrücke, die die Shakespeare-Erinnerungsstätten jedem Besucher vermitteln, tief und nachhaltig auch der Zauber, den diese herrliche Landschaft ausstrahlt und die es verständlich macht, mit welcher Sorgfalt und Liebe die Engländer dies ihr Nationalheiligtum pflegen und erhalten. Unvergeßlich wie die Erinnerung an Englands größten Sohn aber find auch die Werke, die in der ganzen Welt zu feinem Ruhm und zu feinem Verständnis beigetragen haben. Wenn dabei ber b e u tj ch e Anteil — schon rein zahlenmäßig — am stärksten in Augenschein tritt, so zeigt das, daß Deutschland die Größe Shakespeares längst erkannt hatte, als man ihn in England noch bespottete und anfeinbete, daß er zu einer Größe wurde, die in allen Teilen der Welt, besonders aber in dem gei- ftes- und wesensoerwandten deutschen Denken, ihren überragenden Platz eingenommen hat. So sind auch die Wallfahrten nach Shakespeares ©eburtsftabt Stratford eine Ehrfurchtsbezeugung ber ganzen Dell vor dem großen, überragenden Geist von Englands Nationaldichter.


