Nr.7l Srübausgabe
183. Jahrgang
8reitag,24-Mär.zlyZ3
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Gietzener Anzeiger
GeMal-Anzeiger für Oberheffen
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Chefredakteur
Dr. Frtedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und 'Ür den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Giegen.
Oer Reichstag stimmt mit gewaltiger Mehrheit dem Ermächtigungsgesetz zu.
Oer Reichskanzler erläutert Ausgaben und Ziele der nationalen Negierung. — Kamps um die seelische Gesundung d? ^deutschen Volkes. — Versaffungsresorm im Ginne der Gleichschaltung von Reich und Ländern. — Wirtschafisbelebung ÖufviT"’ Förderung der Privatinitiative.- Gparsamkeit in der Verwaltung.— Fnedensbererischafi zu allen Völkern, aber Anerkennü'n^ der deutschen Lebensrechte.
Berlin, 23. März. (DDZ.) Saal und Tribünen sind bis auf den letzten Platz beseht. Gleichzeitig haben sich auch in der Diplomatenloge einige Besucher, zum Teil mit ihren Damen, eingefunden, darunter der englische Botschafter. Der ReichslanzlerAfooifHitler wird bei seinem Eintritt in den Saal von seinen Parteifreunden durch Erheben von den Sitzen begrüßt. Er nimmt seinen Abgeordnetenplah ein, während am Regierungstisch die Minister v. Neurath und Graf Schwerin v. Krosigk sitzen.
Reichstagspräsivent Göring eröffnet die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er anläßlich des heutigen Geburtstags von Dietrich ©dort dieses Dichters der nationalen Freiheitsbewegung gedenkt. Die Mitglieder der nationalsozialistischen Fraktion und der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot erheben sich bei dieser Ansprache von den Sitzen. Präsident Göring schließt seine Gedentworte mit einem Bers aus Dietrich Edarts Lied: „Deutschland erwache!"
Als erster Gegenstand steht aus der Tagesordnung die von den Regierungsparteien beantragte Geschäftsordnungsänderung, die im Ausschuß angenommen wurde.
Der chlerstatter Abg. Stöhr (Rats.) weist darauf hin. daß die Ausschußmehrheit den sozialdemokratischen Antrag auf Haftentlassung der in Schutzhaft befindlichen sozial- dcmLkrat.schen Reichslagsabgeordneten , a b gelehnt habe. Die Ausschußmehrheit meint, daß es unzwedmätzig sei, diese Herren des Schuhes zu berauben, der ihnen durch die Verhängung der Schutzhast widerfährt. (Beifall und Heiterkeit red).s.) Dabei wird durchaus individuell verfahren, so ist die sozialdemokratische Abgeordnete Frau Agnes inzwischen bereits aus der Haft entlassen worden. Obstruktionsmaßnah- men, wie sie die Rationalsozialisten und die Deutschnationalen in der Vergangenheit durchführten, se.cn damals eine sittliche Rot- Wendigkeit gewesen. Heute, unter den völlig veränderten Umständen, würde jedoch eine Obstruktion gegen die Absichten der Reichsregierung als eine grobe Pslichtwidrigkeit betrachtet werden müssen, gegen die die schärfsten Maßnahmen notwendig sind. (Zustimmung rechts.) D.e Geschäfisordnungsänderung will die ordnungsmäßige Wahrnehmung der Gesch.fte sich rn. die im Interesse des deutschen Dolles durchgeführt werden müssen. Die Behauptung der uppol.tion, daß die Gesches.sordnungsande- rung verfassungswidrig sei, ist von der Aus- schuhmehrheit als falsch zurüdgewiesen worden.
Der Antrag wird hierauf mit den Stimmen des Degierungsblods und der beiden katholischen Parte en angenommen.
Der Antrag auf Haftentlassung der sozialdemokratischen Abgeordneten wird mit den Stimmen des Regierungsblods bei Stimmenthaltung der katholischen Parteien abgelehnt.
Oie Regierungserklärung.
Es folgt die Entgegennahme einerEr- flärung der Reichsregierung Reichs- kanzler Hitler, in brauner Parteiunisorm. wird mit einem dreifachen Heilrus und dem Faschisten- gruh begrüßt. Er führte etwa aus:
Männer und Frauen des Deutschen Reichstags! 2m Einvernehmen mit der Reichsregierung haben die Rationalsozialisten und die DRVP. Ihnen durch einen Initiativantrag ein Gesetz zur Behebung der Rot von Volk und Reich zur Beschlußfassung unterbreitet. Die Gründe für diesen außerordentlichen Vorgang sind folgende: Im Rovember 19 18 rissen marxistische Organisationen durch eine Revolution die vollziehende Gewalt an sich. Die Monarchen wurden entthront, die Reichs- und Landesbehörden abgesetzl und damit die Verfassung gebrochen. Das Gelingen der Revolution im materiellen Sinne sicherte die Attentäter vor dem Zugriff der Justiz. Die moralische Legitimierung suchten sie in der Behauptung, Deutschland bzw. seine Regierung trüge d i e Schuld am Ausgang des Krieges. Diese Behauptung war wissentlich und sachlich falsch. In der Folge führte aber diese im Interesse unserer damaligen Feinde liegende unwahre Anschuldigung zu schwerster Unterbrüdung des gesamten deutschen Volks. Unter Bruch der uns in den 14 Punkten Wilsons gemachten Zusicherungen begann für Deutschland, d. h. für das schaffende deutsche Volk, eine Zeit grenzenlo- |en Unglücks
Alle die von den Männern des November 1918 gemachten Versprechungen erwiesen sich, wenn ichon nicht als bewußte Irreführung, so doch vis nicht minver verdammenswerte Illusiionen. Die Errungenschaften der Revolution waren nur für kleinste Teile unseres Volkes angenehm,
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Reichskanzler Adolf Hitler am Rednerpult. — Auf der Regierungsbank von rechts nach links: Bize- kanzler von Papen, Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, Reichsinnenminister Dr. F r i ck. In der 'weiten Reihe rechts: Reichswirtschaftsminister Huaenberg.
für die überwiegende Mehrzahl aber, soweit sie sich durch redliche Arbeit das tägliche Brot verdienen muhte, unendlich traurige.
Unser Volk hat in dieser Zeit auf allen Gebieten einen Verfall erlitten, der vorher kaum vorstellbar war. Abgesehen von natürlichen Schwankungen, führte die Linie der Entwidlung konstant nach unten. Diese deprimierende Erkenntnis war mit eine der Ursachen der allgemeinen Verzweiflung. Sie förderte die Einsicht von der Rotwendigkeit einer gründlichen Abkehr von den Ideen, Organisationen und Männern, in denen man mit Recht die tiefere Ursache des Verfalls zu erkennen glaubte. Die nationalsozialistischeBewegung vermochte daher trotz brutclster Unterdrüdung immer mehr geistig und willensmäßig die Menschen zum Abwehrkampf zu erfassen. Sie hat im Verein mit den anderen nationalen Verbänden nunmehr innerhalb weniger Wochen die seit dem Rovember 1918 herrschende Macht beseitigt und in einer Revolution die öffentliche Gewalt in bie Hänbe ber nationalen Führung gelegt. Am 5. März hat bas beutsche Volk biefem Akt feine Zustimmung erteilt.
Das Programm des Wiederaufbaues von Volk und Reich ergibt sich aus der Gröhe der Rot unseres politischen, moralischen und wirtschaftlichen Lebens. Erfüllt von der Veberzeugung, daß der Zusammenbruch seine Ursachen in inneren Schäden des Voltes hatte, ist es das Ziel der Rigierung, diejenigen Gebrechen aus unserem völkischen Leben zu beseitigen, die auch für die Zukunft jeden tatsächlichen Wiederaufstieg verhindern würden.
Der durch die müi,mi)ä)e Irrlehre systematisch herbeigeführte Zerfall der Ration in weltanschaulich unvereinbare Gegensätze bedeutet die Vernichtung der Basis eines möglichen Gemeinschaftslebens, die Auslösung aller Grundlagen unserer Gesellschaftsordnung. Ausgehend vom Liberalismus des vergangenen Jahrhunderts als Schrittmacher der Sozialdemokratie endet diese Entwidlung der Destruktion naturgesetzlich im kommunistischen Chaos.
In dieser letzten Definition des Marxismus erfolgte Die Proklamierung der perma -- nentenRevolutiongegenalleGru n fotogen unseres seitherigen Gemeinschaftslebens als Appell an die primitivsten Instinkte. Sie führte zu einer Verbindung zwischen einer politischen Idee und den Handlungen wirklicher Verbrecher, die in ihrer letzten Wirkung jede Kultur vernichten muß. Straßenraub, Plünderung von Geschäften, Brandstiftung, Eisenbahnfrevel, Attentate, alle diese Verbrechen erhalten
als politische Betätigung der kommunistischen Idee ihre moralische Sanktion. Allein die Methoden des individualistischen und Massenterrors haben uns im Laufe weniger Jahre über 300 Tote und 10 OOODerletzte gekostet. Die Brandstiftung imReichstag als Überstürzter Versuch einer groß angelegten Aktion ist ein Beispiel dessen, was Europa von einem Sieg dieser teuflischen Lehre zu erwarten hätte. Wenn eine bestimmte Presse außerhalb Deutschlands versucht, die nationale Erhebung Deutschlands mit dieser Schandtat zu identifizieren, so kann mich das nur in meinem Beschluß stärken, nichts unversucht zu lasten, um in kürzester Zeit dieses Verbrechen durch die öffentliche Hinrichtung des schuldigen Brandstifters und feiner Komplizen zu sühnen. (Stürmischer Beifall bei Öen Rationalsozialisten.)
Ls wird die oberste Ausgabe der nationalen Regierung sein, diese Erscheinungen nicht nur im Interesse Deutschlands, fonöttn auch in dem des übrigen Europas restlos zu beseitigen. Dabei handelt es sich jedoch für die Regierung nicht nur um die negative Bekämpfung des Kommunismus, sondern vor ollem um die positive Aufgabe der Gewinnung des deutschen Arbeiters für den nationalen Staat. (Stürmischer Beifall rechts und in der Mitte.) Nur die Herstellung einer wirklichen Volksgemeinschaft vermag allein diese zersetzenden Tendenzen schon im Keime zu erftiden.
Durch die Erwirkung einer solchen weltanschaulichen Volksgemeinschaft brauchen unsere Beziehungen zu den anderen Völkern nicht zu leiden. Die Beseitigung des Kommunismus in Deutschland ist allein eine innerdeutsche Angelegenheit, an der die übrige Welt nur insofern interessiert sein mag. als der Ausbruch des kommunistischen Chaos in Deutschland zu furchtbaren Folgen für das übrige Ausland führen könnte. (Lebhafte Zustimmung rechts.)
Cs ist die Pflicht der nationalen Regierung, den Körperschaft führt es, wenn sogar im Die Woh.fayrt ber Mommanen unö der Länder ist ja auch gleichermaßen abhängig von der Kraft des Reiches. Länder und Kommunen bedürfen des Schutzes eines starken Reiches. Die Reichsregierung beabsichtigt nicht, durch das Ermächtigungsgesetz die Länder aufzuheben, wohl aber wird Jie die Weisungen treffen, die geeignet sind, auf immer eine Gleichmäßigkeit der politischen Intentionen imReich und in den Ländern zu gewährleisten. Dadurch wird das kulturelle und das wirtschaftliche Eigenleben der Länder nicht vergewaltigt werden.
Zu einer völligen Entwertung der gesetzgeben
den Körperschaften führt es. wenn sogar im Rahmen der normalen Legislaturperiode von vier Jahren das Voll gezwungen ist, an die zwanzig Male zur Wahlurnezu gehen. Hier wird die Reichsregierung einen Weg finden, um innerhalb der Legislaturperiode durch eine einmalige Willenskundgebung des Volkes im ganzen Reichsgebiet die Verhältnisse in den gesetzgebenden Körperschaften festzustellen. (Sehr richtig! rechts.)
Die Regierung der nationalen Revolution sieht es dabei als ihre Pflicht an, die Elemente von der Einflußnahme auf die Gestaltung des Lebens der Ration festzuhalten, die bewußt und mit Absicht dieses Leben der Ration negieren. Theoretische Gleichheit vor dem Gesetz kann nicht dazu führen, grundsätzliche verächici des Gesetzes zu tolerieren und ihnen die Ration auszuliefern. Die Gleichheit vor dem Recht wird aber allen zu- gebilligt, die mit für die Ration eintreten, und die der Regierung ihre Unterstützung nicht versagen.
Cs wird zu den höchsten Aufgaben der Regierung gehören, die geistigen Führer der Vernichtungstendenzen zur Verantwortung zu ziehen, die verführten Millionen Volksgenossen aber zu retten. Die nationale Regierung sieht im Hinblid auf Die jetzt im Volke herrschende Rot die Frage einer monarchistischen Restauration a 1 s undiskutabel an, schon wegen dieser jetzt herrschenden Rotlage des Volks. Sie würde den Versuch einer Lösung dieses Problems aus eigene Faust in einzelnen Ländern als Angriff auf die Reichseinheit betrachten und demgemäß ihr Verhalten einrichten. (Stürmischer Beifall bei den Rationalsozialisten.)
Gleichlaufend mit der politischen Entgiftung des öffentlichen Lebens wird die Reichsregierung eine durchgreifende moralische Sanierung an unserem Volkskörper vornehmen. Theater, Film, Rundfunk, Presse sind die Hilfsmittel für diese Aus- gäbe. Die Kunst hat jetzt die Aufgabe, Ausdruck des eftimmenden Zeitgeistes zu sein, des aufkommenden Heroismus. Blut und Raffe stehen jetzt beherrschend im Vordergrund. Dabei ist es selbstverständlich, daß die Traditionen der Vergangenheit zu pflegen sind. In der politischen und moralischen Entgiftung des Öffentlichen Lebens wird zugleich ein Bedürfnis religiösen Lebens gesichert. (Beifall rechts.) Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtige Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren. Sie erwartet aber und hofft, daß ihre Arbeit in der sittlichen und moralischen Erneuerung des deutschen Volks auch bei den Konfessio - nen die gleiche erforderliche Beachtung findet. Sie wird allen anderen Konfessionen in objektiver Gerechtigkeit gegen» übertreten. Sie kann aber nicht dulden, daß die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession ober Rasse eine Entbindung von allgemein gesetzlichen Verpflichtungen (ein könnte oder gar ein Freibrief für straflose Begehung oder Tolerierung von Verbrechen. In den Schulen wird das Mitwirkungsrecht der Konfessionen gesichert und gewährleistet werden.
Unser Rechtsleben muß in erster Linie der Erhaltung der Volksgemeinschaft dienen. Der U n« absetzbarkeit der Richter auf der einen Seite muß die Tatsache gegenübergestellt werden, daß im Mittelpunkt des Rechts nicht das Individuum, sondern das Volk steht. Landes- und Hochverrat sollen künftig mit barbarischer Rücksichtslosigkeit unterdrückt werden. (Stürmischer, minutenlang anhaltender Beifall bei den Nationalsozialisten und Deutschnationalen.) Der Boden der Existenz der Justiz kann kein anderer fein als der Boden der Existenz ber Ration. Deshalb muß aber auch bie Justiz bie Einrichtungen unb bie Persönlichkeiten schützen, bie verantwortlich sind für bas Schicksal bet Ration.
Auf den Gebieten des w i r l s ch a f k l i ch e n Lebens wird vornehmste Aufgabe all’ un eres Handelns fein. Das Volk lebt nicht für die Wirtschaft. und die Wirtschaft existiert nicht für das Kapital, sondern das Kapital dient 6er Wirtschaft und bie Wirtschaft o e m Volk. (Stürmischer Beifall bei den Nationalsozialisten.) Grundsätzlich wird die Regierung die Belebung der wirtschaftlichen Interessen oes Volkes nicht über den Umweg einer staatlich ; u organisierenden Wirt- schastsbürokratic betreiben, sondern durch stärkste Förderung der privat-


