Fürsorge die Stellung zu erkämpfen, die ihnen im Hinblick auf ihre Leistungen und Opfer gebührt. Sie bekennt sich zu den großen vaterländischen Aufgaben der Gegenwart. die u. a. im Kampfe gegen das Versailler Diktat und die Kriegsschuldlüge, sowie in oem Eintreten für die Wehrfreiheit und für die Bildung einer wahren Volksgemeinschaft bestehen. Staatspräsident Werners Anl- wort aus die Aentrumserkiarung.
Darmstadt. 23. März. (WER.) Zu der gestrigen Veröffentlichung der hessischen Zentrumspartei mit der Lleberschrift „Die Haltung des Zentrums in Hessen" teilt Staatspräsident Dr. Werner folgendes mit: „Der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Ministerialrat Hoffmann, hatte kurz vor der Wahl des Staatspräsidenten eine Rücksprache mit mir. Bei dieser Rücksprache habe ich ihm zu manchen Punkten meine persönliche Ansicht geäußert. Ich bemerkte ausdrücklich Herrn Ministerialrat Hoffmann gegenüber, daß ich nur meine persönliche Ansicht äußern könne, daß aber die politisch verbindliche Erklärung für die ASDAP. nur von dem Herrn Gau- l e i t e r abgegeben werden könne. Es ist also nicht richtig, daß der Führer des hessischen Zentrums in wichtigen Punkten b e st i m m t e Zusicherungen seitens der RSDAP. bekommen hätte. Cs war kurz vor Eintritt in die Tagesordnung im Plenarsaal eine kurze .Unterredung zwischen dem Abgeordneten Hoffmann vom Zentrum und den Abgeordneten Dr. Müller und Claß von der NSDAP. Bei dieser kurzen Unterredung wurden Personal- fragen besprochen. Die dabei von dem Herrn Abgeordneten Hofsmann vorgetragenen Wünsche wurden dem auf der Tribüne anwesenden Gauleiter überbracht. 3m Auftrage des Gauleiters teilte der Abgeordnete Claß dem Herrn Abgeordneten Hoffmann mit, daß es bei der getroffenen Anordnung verbleiben müsse. Eine Erfüllung der Wünsche bleibe Vorbehalten. Unmittelbare Verhandlungen zwischen dem Herrn Gauleiter und dem Herrn Abgeordneten Hoffmann fanden nicht statt."
Die Zentrumsfraktion des Hessischen Landtags legt Wert auf die Mitteilung, daß sie der gestrigen Veröffentlichung gänzlich fern stehe.
Ein zweites Konzentrationslager für Kommunisten.
Stuttgart, 23. März. (WTD.) Auf dem Trup^.i.übungsplah Heuberg wurde ein geschlossenes Konzentrationslager für politische Schutzhäftlinge errichtet und in Benutzung genommen. Das Lager vermag zunächst etwa 1500 Gefangene aufzunehmen und bietet die Möglichkeit, aus dem ganzen Lande alle Ruhe und Ordnung gefährdenden Elemente laufend bis auf weiteres zu entfernen, sicherzustellen und damit die örtlichen Polizeibehörden zu entlasten. Die Beaufsichtigung des Lagers wird durch ein starkes Aufgebot von Hilfspolizei unter Schuhpolizeileitung durchgeführt. Die Gefangenen sind gemeinschaftlich untergebracht und dürfen zu geeigneten Arbeiten herangezogen werden.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reicysinnenministers den Rittmeister a. D. v. D e u f v i l l e . Landesführer des Stahlhelms für Baden und Württemberg, zum geschäftsführenden Präsidenten des R e i ch s k u r a t o r i u m s für Iugendertüchtigung bestellt.
*
Der Reichsverkehrsminister hat den Herzog von Koburg und Gotba zum Kommissar für den Kraftverkehr bei dem Reichsver- kehrsministerium ernannt und ihm den Dorsitz eines Arbeitsausschusses des Beirates für das Straft» Verkehrswesen übertragen. Aufgabe dieses Sonderausschusses soll es sein, die Reichsregierung bei der Motorisierung Deutschlands zu unterstützen.
*
Der Umbau der Kraftfahrzeug- steuerwirdvoml. Maiabin Kraft treten. Da die gegenwärtige Regelung der Kraftfahrzeugsteuer am 31. März abläuft, ist damit zu rechnen, daß sie bis zum 3 0. April verlängert wird.
•
Der Reichspostminister hat angeordnet, daß a n den Dien st mützen der Postbeamten an Stelle des bisherigen Adlerschildes die schwarz» weißrote Reichskokarde anzubringen ist.
*
Der Landrat des Untertaunuskreises, Dr. Pollack in Bad Schmalbach, gegen den vor einigen Tagen Bauern des Kreises eine Demonstration veranstalteten, ist vom Regierungspräsioen- ten gemäß seinem Antrag beurlaubt worden. Regierungsrat Freiherr Löw von und zu Steinfurth von der Regierung in Wiesbaden übernimmt bis auf weiteres die Vertretung des Landrats.
Zn Eilenburg besetzten SA.» und SS.-Mann- schaften das Rathaus. Oberbürgermeister Dr. B c ° li a n wird sofort einen längeren Krantheitsurlaub antreten und sich a m l.D 11 o b e r pensionieren lassen. Dr. Belian, der der DNVP. nahestand, hat sich als Präsident des Reichs st ädie- b u n d e s einen Namen gemacht. Der Rücktritt Bs» lians wurde von den Nationalsozialisten damit begründet, daß Belian nicht mehr das Vertrauen der Einwohnerschaft der Stadt Eilenburg besitze.
*
Der Bundesvorstand des Deutschen Beamtenbundes hat beschlossen, in Anbetracht der politischen Lage dem Bundesausschuß die Ab- h ltung eines außerordentlichen Bundes» t a g e s au einem möglichst nahen Zeitpunkt zur Vornahme von Neuwahlen vorzuschlagen. Bundesvorsitzender Flügel ist auf seinen Wunsch bis auf weiteres von den Amtsgeschäften e n t b u n » den worden. Die Geschäftsführung übernehmen die stellvertretenden Vorsitzenden Oberpostsekretär Schneider und Stadtrat a. D. Ehrmann.
Der Dor st and der Deutschen Turner- schäft faßte eine Entschließung, in der er alle Vereine Der DT. auffordert, sich mit aller Kraft der nationalen Erhebung des deutschen Volkes und ihren
Führern zur Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. *
Wie die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände bekannt gibt, begrüßen die in der Vereinigung zusammengeschlos- senen Unternehmer das Bekenntnis der Regierung zum sozialen Frieden und zur Beseitigung des unsere Volksgemeinschaft zerreißenden Klafsen- kampfes. Sie stellen sich der Regierung mit allen ihren Kräften zur Mitarbeit an dem Ziele zur Verfügung, durch harmonische Zusammenarbeit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine neue Kräfte uelle zur Wiederaufrichtung von Volk und Wirtschaft zu erschließen.
*
Die Spihenverbände der deutschen A e r z t e, der Verband der Aerzte Deutschlands (Hartmann-Bund) und der Deutsche Aerztever- einsbund, haben an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler Telegramme gerichtet, die das freudige Bekenntnis zu hingebendem Dienst für Volk und Vaterland zum Ausdruck bringen. Der entschlossene Wille der Reichsregierung, eine wahre Volksgemeinschaft aller Stände, Berufe und Klassen aufzubauen, wird freudig begrüßt, mit dem Gelöbnis treuester Pflichterfüllung als Diener der Volksgesundheit stellt sich der Verband in den Dienst der großen vaterländischen Ausgaben.
Aus aller Welt.
Hintze 31112 Zähren Zuchthaus verurteilt.
Das Schwurgericht verurteilte unter atemloser Spannung des Zuhörerraumes den Bankier Ivllh. Hintze, entsprechend dem Anträge des Staatsanwalts. wegen Totschlags an feiner Frau, der Kammersängerin Gertrud Bindernagel, zu zwnls Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte nahm den Spruch ruhig auf.
14 Arbeiter von einer Lawine verschüttet.
In einem 2000 Meter hoch gelegenen Dorf des französischen Departements Savoyen wurden zwei Baracken, in denen sich 14 Arbeiter befanden, von einer Lawine verschüttet. Bisher sind vier Arbeiter verletzt geborgen worden.
Hauptmann Cembourn siedelt nach Frankreich über.
Der frühere dänische Hauptmann Lembourn von der Garnison in Tondern, der seinerzeit vom deutschen Reichsgericht wegen Spionage zugunsten Frankreichs zu fünf Jahren Zuchthaus bzw Festung verurteilt und nach Verbüßung von 4'/r 3ahren entlassen wurde, wird jetzt Dänemark, wo er aus dem Heere ausgestoßen worden ist, verlassen und nach Frankreich übersiedeln.
Macdonald beuchtet überfeine Romreise
London, 23. März. (WTB.) 3n der heutigen Sitzung des Unterhauses, an der auch Botschafter v. Hcesch teilnahm, sprach Macdonald ausführlich über seine in Rom und Paris geführten Besprechungen. Der Prem.ermm.ster betonte, er und Sir 3ohn Simon seien nach Genf gegangen, weil alle Berichte darauf hinbeuteten, daß ernste Gefahr eines sofortigen Zusammenbruches der Abrüstungskonferenz bestand. Macdonald erklärte, sie hätten festgestellt, daß sich die Konferenz etwas zu sehr inEinzelheitenverloren habe. Die Konferenz könne nicht bis in alle Ewigkeit weitergehen. Eile tue not. Es dürfe sich jedoch n'cht um eine Quacksalberlösung handeln.
ID i r f i n b — so betonte Macdonald — verpflichtet. Deutschland» die Gleich- berechtigung zu geben; denn die Zeiten sind vorbei, wo durch eine Kombination irgendwelcher Mächte ein europäisches Volk durch Verpflichtungen gebunden werden kann, die es für unvereinbar m i t seiner Selbst- achtnng und feiner Ehre ansieht.
Macdonald beschäftigte sich dann mit dem Plan Mussolinis. Er wisse, daß die Mitglieder des Unterhauses durch eine Mitteilung beunruhigt seien, die englischen Minister hätten auf "sie eine oder andere Weise Tanganyika dem Reichskanzler angeboten. Kein Wort sei daran wahr. Tanganyika sei niemals in Rom erwähnt worden. Es habe sich überhaupt nur um Erörterungen allgemeiner Art gehandelt, und er und Sir 3ohn Simon seien weder um Zustimmung, noch um Ablehnung ersucht worden. Sie seien lediglich gebeten worden, die Angelegenheit weiter zu prüfen. Auf unserem Wege durch Paris, fuhr Macdonald fort, unterrichteten wir die französischen Minister über unsere Besprechungen, und sie gaben öffentlich ihrem Wunsche nach loyaler Zusammenarbeit im Interesse des Friedens zwischen den vier europäischen Mächten, die permanente Mitglieder des Völkerbundes sind, Ausdruck. Macdonald erklärte:
Ich sehe dem Ergebnis mit großen Hoffnungen entgegen, aber ich sage, wenn irgendwelche der vier Mächte sofort ohne Prüfung und Erwägung die Gedanken ab lehn en sollten, über die wir in Rom unterrichtet wurden, oder ihnen so lange Hindernisse in den Weg legen sollten, bis die Gemüter ungeduldig geworden sind, und der Plan zur traurigen Gruppe verpaßter Gelegen- beiten gehört, oder wenn sie unter dem Anschein. ihn anzunehmen, ihn für eigene eigennützige Zwecke verwenden sollten, die Verantwortung für die Folgen unermeßlich sein wird.
Macdonald erwähnte dann, daß durch die englischen Vorschläge der Artikel 19 des
Völkerbunds st at utes berührt würde. Er sagte, daß dieser Artikel zwei Ausgaben habe: Einmal die Achtung vor den Dertragsverpflich- tungen zu stützen, zum anderen die Revision von Verträgen ins Auge zu fassen, sobald sie durch Konfliktgefahr unhaltbar geworden seien. Diesen Artikel dürfe man nicht einschlafen lassen. Er sei mit ein Grund für den Wunsch Mussolinis gewesen, Macdonald und Simon in Rom zu empfangen. Der Mufsoliniplan sehe eine Erklärung vor, daß die vier Westmächte sich der Ergreifung von Gewalt zur Lösung unmittelbarer politischer Meinungsverschiedenheiten enthalten sollten. Der Plan lege fest, daß die Zusammenarbeit sich innerhalb de s R a h m e n w e r k e s d e s Völkerbundes halten solle. Die Länge der erstmaligen Laufzeit des Vertrages sei auf zehn Jahre vorgesehen. Macdonald zollte der Menschlichkeit der Absichten Mussolinis und seiner Regierung hohe Anerkennung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die von ihnen gesuchten Mittel der Zusammenarbeit gefunden werden, einer Zusammenarbeit in einer Gestalt und in einem Geiste, die die Sympathie und die Unterstützung auch Amerikas nach sich ziehen würde.
Debatte.
Chnrchi l hetzt grget Te tscklatd
Zn der Debatte erklärte der Vertreter der 21 r • beiteropposition, der Premier hätte nicht nach Rom oder Gens zu gehen brauchen, um die Schwierigkeiten der Abrüstungskonferenz festzustel- len. Die Arbeiteropposition wünsche die Abrüstung beschleunigt zu sehen, aber sie messe doch der Weltwirtschaftskonferenz erhöhte Bedeutung zu, weil diese Konferenz die Gründe des Militarismus und der Diktatur beseitigen könne. Der Vertreter der Samuel-Liberalen zollte Macdonald dankbare Anerkennung für die Anstrengungen, die er für die Sache des Friedens unternommen habe. Wenn man auch Deutschlands Forderungen nach Gleichberechtigung freiwillig erfülle, so sollte man doch verhindern, daß es seine Rüstungen in einem stärkeren Maße vermehrt als andere Länder.
Ueberaus scharfe Angriffe richtete dann Churchill gegen die Außenpolitik des Premierministers. Er oerstieg sich zu der Behauptung, daß Macdonalds ungebührliches Bestehen auf Abrüstung in gewisser Weise d i e Beziehungen zwischen den Großmächten verschlechtert hätte. Churchill hielt es für angebracht, in abfälligem Ton und unter völliger Verdrehung und Entstellung der Tatsachen die nationale Erhebung in Deutschland zu schildern und erklärte, es sei unzeitgemäß, in einem solchen Augenblick von Frankreichzu oerlanaen, sein Heer zu halbieren, während Deutschland seine Armee verdoppelt. Solange Frankreich bewaffnet und Deutschland unzureichend gerüstet sei, bestehe k e i n e Notwendigkeit, daß England in Ausführung von Locarno in den Krieg ziehen müsse.
Aus der provmzialhaupistadt.
Oie Haustochter.
Don Elly Petersen.
„Junges Mädchen aus guter Familie sucht Stellung als Haustochter mit Familienanschluß. Am liebsten in Großstadt. Taschengeld erwünscht. Offerten an Derghild Wettström. Friesack."
Und nun kommen die Antworten. Und die zukünftige „Haustochter" wählt.
Sie will Taschengeld, will in ein Haus, wo ein Dienstmädchen für gröbere Arbeiten gehalten wird, in ein Haus mit anregendem Verkehr — will auf gut Deutsch Gastrolle in einer fremden Familie geben, wo sie die Eltern nichts kostet, wo sie ein eigenes Zimmer und eigenes Geld bekommt — und wo sie recht wenig zu arbeiten hat.
Ach, wie viele junge Mädchen wollen auf diese Weise als Haustochter hinaus!
Und die Eltern denken: Warum soll sie's nicht probieren?! Viel neue Kleidung wird nicht nötig sein, und Geschenke — Weihnachten und Geburtstag — wird das Kind auch bekommen. Und was sie alles lernen wird! Kochen, Backen und Einmachen! Sicherlich wird die Mutter später kein Mädchen mehr brauchen, wenn die Tochter wieder heimkehrt. Oder sie wird, wenn sie heiratet, die Tüchtigkeit selbst sein. Und seines Benehmen lernt sie in einer fremden Familie. Und gesellschaftlichen Anschluß hat sie auch. Welche Möglichkeiten! Welche Aussichten!
Und die Tochter wählt. Kaufmann L. hat keine Frau mehr, sucht Haustochter mit Familienanschluß. Derghild lächelt. „Rein!" — Frau S. ist den ganzen Tag über im Geschäft, wünscht zur Leitung der Küche und Beaufsichtigung dreier Kinder im Alter von vier bis neun Jahren Hausierter. Zugeherin und Hilfe bei der Wäsche wird gestellt. „Rein!" Berghilds Träume verfliegen. Aber da: Frau Kunstmaler F., wohnt von der 1 Großstadt nur eine halbe Stunde entfernt im
Landhaus. Ist Witwe und wünscht Haustochter, die etwas kochen kann, um mit ihr allein den Haushalt, fünf Zimmer und Küche, zu versorgen und ihr vierjähriges Kind. Dazu in den Sommermonaten den Garten. Reger Familienanschluß wird geboten und nach dreimonatiger zufriedenstellender Lehrzeit Taschengeld. Anregender Verkehr im Hause, Einführung in Kunstgeschichte, Radio, Warmwasserheizung und -Versorgung, elektrische Küche.
Warmwasserversorgung! Also im Schlafzimmer Waschtisch mit warmem und kaltem laufenden Wasser! Elektrische Küche. — Da kocht sich ja alles von selbst. Keine Feuerung, kein Schmutz! Berg- hild kann ihre gepflegten Hände, ihre polierten Rägel behalten! Und sie nimmt nach weiterer Korrespondenz glückstrahlend die Stelle als Haustochter nahe Großstadt mit elektrischer Küche und Warmwasserversorgung an.
Aach drei Monaten ist sie wieder zu Hause. Aachdem sie ohne Wissen der Eltern die letzten vier Wochen in einer Arztfamilie bei drei Kindern in der Großstadt war.
Run hilft sie lieber der Mutter . . .
„Haustochter gesucht. Gebildetes, junges Mäd* chen, das etwas kochen kann und mit mir allein den Haushalt führen will. Enger Familienanschluß."
Bei Frau E. wird ein Zimmer neu tapeziert. Einige Sessel werden hell bezogen. Ein geblümter Lampenschirm wird genäht. Denn die Haustochter soll es nett bekommen. Diesen Ausgaben unterwirft sich Frau N. gerne. Denn, wie sie bei der nächsten Tee-Einladung erzählt: was wird sie durch die Haustochter alles sparen. „Wissen Sie, der Aerger mit dem Dienstmädchen ist vorbei. Mit einem gebildeten Mädchen tut man sich viel leichter. Zch entlasse das meine zum Ersten. Auch die Waschfrau und die Flicknäherin brauchen nicht mehr zu kommen. Das mache
ich jetzt alles mit Fräulein Lore zusammen. Zch freue mich ja so auf das Mädchen. Ich lerne sie eine Woche an, dann muß sie selbständig sein. Dann aebe ich nur noch Rezepte. Und sie muß kochen." ... Und Fräulein Lore kommt. Fräulein Lore aus gutem Bürgerhaus. Fräulein Lore mit großem Koffer und schönem Kleidchen. Fräulein Lore mit Bubikopf, Puderdöschen usw. Fräulein Lore, die Tanztees liebt und den freien Nachmittag.
Vier Wochen macht es Frau N Spaß, Fräulein Lore anzuweisen, sie macht sie auch bekannt bet Verwandten, bei dem ganzen Freundeskreis, lieber* allhin nimmt Frau N. ihr Fräulein Lore mit. Fräulein Lore sieht sich alles und alle interessiert an. Nur die Arbeit selbst interessiert sie nicht. Und als Frau N. nach dem ersten Monat ihrer früheren Beschäftigung nachgeht und die Küche und die Wirtschaft Fräulein Lore überläßt, wie sie sie früher dem bezahlten Dienstmädchen überlassen hatte, ist die Herrlichkeit zu Ende. Und Fräulein Lore verläßt mit dem großen Koffer und den schgnen Kleidern bitterböse die Stellung. Gelernt hat sie bei Frau N. gar nichts.
Richt jede Hausfrau kann Haustöchter aufnehmen. Dazu gehört Geduld und Verständnis für junge Menschen. Und dazu gehört die Gabe, die Liebe des jungen Mädchens zu erringen. Rur wenn solch fremdes Kind sich im fremden Hause, dem sie vertrauensvoll übergeben wurde, ganz wohl fühlt, wenn sie Achtung vor der Herrin hat, die sie als zweite Mutter betrachten muß, nur dann kann sich ein frohes Miteinanderarbeiten entwickeln. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft wird der Wunsch ent'^hen. der Vorgesetzten das Leben zu erleichtern. Da n wird die Haustochter durch die Liebe, bur^j die Achtung zu ihrer Lehrmeisterin auch die Arbeit an sich lieben lernen«
Rur solche Frauen, die alles das aufzubringen vermögen und die selbst von der Küche, viel von der Hauswirtschaft verstehen, werden Freude an ihren Haustöchtern erleben.
Und ihr Haustöchter! Ihr müßt euch ander- einstellen! Ein Vergnügen ist es niemals, in ein fremdes Haus zu kommen, für Fremde Arbeit zu leisten. Da muß zuerst vieles überwunden werden, und viele Enttäuschungen stehen euch bevor. Aber auch viele Freuden, wenn ihr in die rechten Hände kommt! Und wenn ihr euer „Ich" einmal solange der Arbeit, des reinen Lernens wegen ausschalten könnt. Von hier aus beginnt dann euer Aufstieg, eure Entwicklung. Da sagt keine zu nachsichtig» Mutter: „Das kannst du ja doch nicht!" Sondern die neue Mutter glaubt an euch und an euer Können. Und dieser Glaube wird euch Kraft geben!
Sonntagsrückfahrkarten zur Zrü 'jahrs-Werbewoche in Gießen.
Der Verkehrsverein Gießen oeranftaltet in Gemeinschaft mit der Stadt Gießen in der Zeit vom 26. März bis 2. April einfchl. eine Frühjahrs-Werbe- woche, verbunden mit Ausstellungen deutscher landwirtschaftlicher, gärtnerischer und gewerblicher Erzeugnisse, einen Pferdemarkt, reitsportlichen Aufführungen des Gießener Reiteroereins und der ländlichen Reitervereine und einer großen Schau- und Warenmesse. Die reitsportlichen Veranstaltungen und der Pferdemarkt finden am 29. März statt. Die übrigen Veranstaltungen dauern ununterbrochen wäh- renb der vorgenannten Zeit.
Um den an der Veranstaltung interessierten Kreisen den Besuch der Ausstellung zu erleichtern, werden von den Bahnhöfen der Strecken Gießen—Friedberg (H), Gießen—Marburg—Cölbe, Gießen—Herborn (Dillkr.), Gießen—Nidda, Gießen—Burg- und Nieder-Gemünden, Wetzlar-Weilburg, Wetzlar- Lollar, Albshausen—Brandoberndorf, Stockhausen (Lahn)—Deilstein (Dillkr.), Hungen—Mücke (Hess.), Hungen—Wölfersheim Södel, Grünberg (Oberh.)— Lollar, Niederwalgern—Wommelshausen und Gillingen (Oberh.)—Ruppertsburg Sonntagsrückfahrkarten mit jeweils eintägiger Gel. tungsdauer (0 bis 24 Uhr — soätester Antritts» Zeitpunkt für die Rückfahrt —) für die Zeit vom 2 6. März bis 2. 21 p r i l einschließlich nach Gießen ausgegeben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Frei tag: Stadtth ater, 20 bis 23 Uhr, „Glückliche Reise". — Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule, 20 Uhr, Iohannessaal, Familienabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Rebell". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Scampolo, ein Kind der Straße".
— Di e F r ei w il l i ge G a i lsch e Feuerwehr hält am morgigen Samstag, 20.15 Uhr bei Kamerad S i e ck, Hammstrahe, ihre ordentliche Hauptversammlung ab. In der Versammlung wird man sich mit dem Jahres- und dem Kassenbericht, der Vorstandswahl und der Auszeichnung von Kameraden der Wehr beschäftigen.
— Der Deutsche Pfadfinderbund, Horst Gießen, veranstaltet am morgigen Samstagabend im Cas6 Leib einen Jungenabend, der ein vielseitiges Programm aufzuweisen hat. Die Besucher werden einige angenehme Stunden erleben können. (Siehe heutige Anzeige.)
Daten für Hrei ag, 24. März.
1844: der dänische Bildhauer Albert Thorwaldsen in Kopenhagen gestorben. — 1882: der amerikanische Dichter Henry Wadsworth Longfellow in Cambridge bei Boston gestorben: — 1905: der französische Schriftsteller Jules Verne in Amiens gestorben.
*
** Straßenbahn-Verkehr nach dem Neuen Friedhof. Vom kommenden Sonntag ab wird der Straßenbahn-Verkehr zum Neuen Friedhof an Sonn- und Feiertagen bis 17.30 Uhr durchgeführt. Auf die heutige Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.
** Arbeitsruhe am Nationalfeier- t a g. Wie uns noch mitgeteilt wird, hatte auch dis Leitung der Zigarrenfabriken von Johann Balthasar Noll in Gießen ihren Angestellten und Arbeitern die Möglichkeit gegeben, durch Radioapparate in den Bureauräumen die Feierlichkeiten bei der Reichs» tagseröffnuna am 21. März miterleben zu können. Zu diesem Zwecke wurde der Betrieb kurz nach 11 Uhr geschlossen. Die Belegschaft hatte am Nachmittag arbeitsfrei ohne Lohnausfall. 2luch in sämtlichen Zweigfabriken der Firma wurden, soweit Apparate zur Verfügung waren, die Feierlichkeiten in die Fabrikräume übertragen.
** Forstpersonalie. Der Förster Karl Kopp zu Breungeshain wurde vom 1. April in gleicher Diensteigenschaft in die Försterei Bernsburg des Forstamtes Eudorf zu Alsfeld versetzt.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bi» 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen
Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten.


