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24.2.1933 Frühausgabe
 
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Neuer Akt -er Hirtenberger Waffenaffäre.

Ter föeiiernlöirctiov der österreichischen Bundcübahncn beurlaubt.

Wlen, 32. Febr. (WTB.) Der Generaldirektor der Oesterrclchischen Bundesbahnen Seefehl - ner ist mit foforjier Wirkung beurlaubt worden. Amtlich wird dazu mitgeteilt, daß der Bundeskanzler gestern abend in Erfahrung ge­bracht habe, der Generaldirektor habe mit Änge- stelltenvertrctern Besprechungen wegen eines Transports von den in Hirtenberg bef in blichen Waffen in einer den Absichten der Regierung nicht ent­sprechenden Richtung geführt. DerBun- d.ökanzler habe in Konsequenz seiner In der Was- fenangelegenheit abgegebenen Erklärung dieS dem Hand.lSmlnistcr miigeleilt, der im Einvernehmen mit ihm und dem Präsidenten der Bundesbahnen die sofortlgeDeurlaubung deS General­direktors verfügt hat.

DaSRcue Wiener Extrablatt" behauptet, Ge­neraldirektor Scefchlner habe versucht, von den Gewerkschaften gegen eine Bergütung von 150vco Schilling d i e Z u st i m in u n g zu er­langen, daß die noch in Hirtenberg lagernden Waffen nach Ungarn abtransportiert werden sollten- und zwar sollten die mit den Ge­wehren beladenen Waggons unter der De­klarierungleere Waggons" laufen: gleichzeitig sollten dann leere Waggons mit d e r D e k l a r i e r u n gW a s f e n nachIta- l i e n" abrollen. AIS dann der Bundeskanzler von dic scm Bersuch des Generaldirektors Kenntnis er­halten habe, habe er ihn sofort vom Dienst ent­hoben.

Bon sozialdemokratischer Seite wird mitgeteilt, das; der Führer der svzialdernokra- tschm Gew.rlschaften Abgeordneter König den sozialdemolratischen Partcivorstand über das Bor­gehen Scefchlners unterrichtete. Der Parteivor- sland habe sich sogleich zum Bundeskanzler begeben und ihn über den Fall unterrichtet.

Die Kleine Cniente Witt sich nicht beruhigen.

Die Hirtcnberger Afsäre soll vor den te bundörat.

Gens, 23. Scbr. (IU.) Der Staubige Rat der fl leinen (Entente, dem die drei Außenminister an­geboren, veröffentlicht eine amtliche Verlautbarung, in der die Gerüchte über einen Abschluß der Hirtenberger Waffenangelegenheit als unzu­treffend bezeichnet werden. Die Mächte bet Meinen (Entente hätten grundsätzlich beschlossen, den Ja ll vor ben Völkerbunbvrat zu bringen. Diebrel Regierungen warten zunächst bie offizielle Mitteilung der englischen unb französischen Regierung über bie Regelung ber Angelegenheit ab unb würben erst danach bie endgültige (Entscheidung über bie An­rufung bc» Völkerbunbvratea treffen.

Ungar ne Kurs.

{für glcichbercchtistte Zusammenarbeit hn Donatlbctten.

Budapeft, 23. Febr (WTB.) Im Abgeord- netenhaus erklärte Ministerpräsibent Gömbös, Ungarn dürfe nur eine dufter ft vorsichtige unb ruhige Politik betreiben. Seine Nom- re i s c habe die zwischen Ungarn und Italien be­stehende Freundschaft für eine wirtschaftliche Zu­sammenarbeit realisiert. Wie der Abschluß des Handelsvertrags mit Oesterreich und des Wa- renaustauschabkommens mit der Tschechoslo­wakei, so zeige auch die Beendigung der handels­politischen Verhandlungen mit Frankreich ben Erfolg der ungarischen Außenpolitik. Von einer Trübung des Verhältnisses zu Frankreich könne keine Rede sein.

Die friedliche Revision der Friedens- vertrage sei der einzige Weg, der zur Sicherung des Friedens sühren konnte. Auch die ehemaligen

Tiorbfeemorgen.

13 on Joachim Mngelnatz.

Wungl Wung!" bellen ferne Kanonen.

Aus der Brücke des kleinen Vorpostenbootea, das in ber glanzlosen Helle knapp vor Sonnenaufgang vor Anker hin unb her schwebt, lehnt gegen das Ruderhaus ein dicker, steifer Wachtmantel. Klobige Fausthandschuhe ragen aus ihm heraus und auf­fallend selbständige Stiefel und ein rotes, nebel- feuchtes Matrofengefichi. Abgesehen von den beiden Augen in diesem Gesicht schläft der Wachtmantel samt Drum und Dran, innerhalb der Grenzen fei­ner Dienstpflicht nach Vermögen. Aber eben diefe Augeill Rastlos und unermüdlich kreisen ihre Blicke, ben Strahlen der Leuchtboje gleich, welche dort draußen ihr treues Einsiedlerleben vertroßt.

Die ruhige Stunde entfaltet ihre eigene Pracht. Des Meeres mattgraues Gewand bewegt sich in sanslen Tälern und Hügeln, als atmeten darunter tausend Lungen. Und die Strömung führt stetig unterschiedliche, sremde Dinge auf Reifen links unb rechts an dem Dampfer vorbei, der wie ein ange- kettetes Ungetüm mißtrauisch und schwerfällig an seiner Fessel ruckt.

Heute nach lagelangem, gigantischem Wüten gibt sich die See wieder mild unb gütig. Sie seht einen erfchövsteu Papierstreifen barmherzig auf die An- kerketie des Wachlbootes ab. Und ber mübe Zettel klammert sich um bie kalten Stettengücbcr unb meint in blauen Strähnen Worte einer Mutter ins Was- jci: dieser großen, grausamen Zeit. Ich ...

Nacht, daß Gott unserem tapferen unb ... dich ... lebten Sohn erhalten möge. i»el ... unb innig um- ar .. alten schwerbesorgten--.*

Gleichmütig streifen bie Blicke des Postens bas Meer und [ein Treiben, gleichmütig den ernsten Himmel, wo schon sacht die Morgenröte erblüht. Sie hasten wohl einen Moment fragend an einem Maste, ber hinter dem weiten Kugelstück ans ber Rorbsee auftaucht, bis ein buntes Tuch ihnen zü­rnst: Wir finb es, Landsleute! Dann irren sie mit befriedigtem, aus (Elfer nahezu verachtungsvollem Ausdruck weiter. Sie bleiben ein andermal vor einem verankerten Panzerkreuzer flehen, dessen Scheinwerfer zu zwinkern anfängt, und lauschen ein Weilchen ben Neuigkeiten, welche ein unsicht­barer Bote burch die Luft aus dem Osten gebracht hat. Viertausend Russen gefangen. Schützenoraben gestürmt. Luftgefecht zwischen Fliegern. Lauter Nachrichten, die auf den Brückenausguck nur flüch­tigen Eindruck machen. Was dessen Augen suchen, hartnäckig, mit grimmer Sehnsucht suchen, sind Lich-

Gegner hätten elnsehen müssen, daß Ungarn, vor allem bei der Grenzziehung, schwersles Un­recht angetan worben sei. Der an sich richtige Gebanke einer Zusammenarbeit im Do­na u b e d e n setze voraus, baß Ungarn a l s gleichberechtigt anerkannt werben müsse. Der in Genf abgeschlossene Pakt der Kleinen Entente habe nach seinen bisherigen Informa­tionen nur wirtschaftlichen Charakter. Vor Veröffentlichung das Textes könne man jedoch nicht endgültig Stellung nehmen. Auf eine sozial­demokratische Interpellation wegen dar Hirten- b e r g o r Angelegenheit erklärte Außenmi­nister Kanya, er hatte es für unzweckmäßig, diese Frage weiter zu erörtern, ba sie ja bereits ihre Lösung gesunden habe.

Ein neuer presseerlaß Reichskommiffar Görings. Berlin. 23. Febr. (WTB.) Amtlich. Reichs- kommisfar Göring hat an die Oberpräsidenten unb Regierungspräsidenten einen neuen Erlaß gerichtet in dem es heißt: Zu meinem Bedauern Hape ich feststellen muffen, daß die Handhabung der Berordnung gegen Ausschreitungen der Presse nicht mit der Strenge ange­wandt wird, wie eS angesichts der sich täg­lich steigernden Hetze der regierungsfeindlichen Parteien und Verbände erforderlich wäre. Och habe leider feststellen müssen, daß gegen den Herrn Reichskanzler und bie Mitglieder der Regierung beschimpfende und verächtllchmachende Flugschriften und periodische Druckschriften in den Verkehr gelangt sind und geduldet werden, ob­wohl alle Voraussetzungen für die polizeiliche Beschlagnahme undVer- botsmaßnahmen gegeben sind. Ich er­warte nunmehr von allen Polizeibehörden, daß der Beobachtung der Presse und der Herstellung und Verteilung von Flugvlättern eine größere Aufmerksamkeit zugewandt und m i t Schärfe und unnachsichtig vorgegan- g e n wird, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Ich werde Beamte, die es hier an dem not­wendigen Dien st eifer fehlen lassen, dienst strafrechtlich belangen.

Personalveränderung bei der Krefelder Polizei.

K r e f e l d, 23. Febr. (WTB.) Wie das Krefel­der Polizeipräsidium mitteilt, ist Regierungsrat Boß, der ständige Vertreter des Polizeipräsi­denten, mit sofortiger Wirkung an die Regierung in Schncidemühl v e r se tz t worden. Polizeimajor Enke ist bis auf weiteres beut* la u b t worden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspräsident hat eine Notver­ordnung unterzeichnet, durch die die Voraus­setzungen für die Durchführung des bereits bekannt gegebenen Programms ber Reichsregierung zur verstärkten Pflege des (Betreibemart- t e s geschaffen werben. Außerbein enthält bie Not­verordnung Bestimmungen zur Forderung der Ver­wendung von Inlänoifchem Käse und Vor­schriften zur Regelung der Hopfen andaufläche.

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Gegenüber Gerüchten, wonach die Reichsregie­rung eine allgemeine Kürzung der Be- amtengehälter vornehmen wolle, wird amt­lich erklärt, daß diese Gerüchte vollkommen aus der Luft gegriffen find. Gegen die Verbreiter derartiger Gerüchte werde mit Schärfe vorgegangen werden.

Wie amtlich mitgeteilt wird, entbehren bie Ge­rüchte, baß bie staatliche Anerkennung ber Stubentenschaft in Preußen In wenigen Ta­gen bevorstehe, ber tatsächlichen Grundlagen. Da­gegen ist Reichskommissar Rust entschlossen, das be­reits vorliegende Studentenrecht so frühzeitig zu erlassen, daß die Studenten der preußischen Hoch­schulen es zu Beginn des Somme r f em e ft e r s vorfinden. Mit dem Erlaß der neuen Satzung wird die staatliche Anerkennung der Studen­tenschaft ohne weiteres verbunden sein.

Der Reichskommissar für daS preußische In­nenministerium hat die Verfügung des Berliner Polizeipräsidenten vom 15. Februar, durch die derVorwärts" erneut bis zum 2 2. Februar verboten wurde, aufgehoben.

Reichswehrminister von Blomberg besuchte bei seinem Aufenthalt In München die bayerische Staatsregierung, wo er In Abwesenheit des Ministerpräsidenten, der sich zu einer Wahl­kundgebung nach Spever begeben hat, von In­nenminister Dr. Stütze! empfangen wurde. Danach begab sich der Reichswehrminister zu Kardinal Dr. v. Faulhaber, zum protestan­tischen Kirchenpräsibenten, Dr. Veit, und zum Münchener Oberbürgermeister Dr. Scharnagl.

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In der Angelegenheit der Ermordung des Bürgermeisters Käst en in Staßfurt wird von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt: Der Oberstaatsanwalt hat die Entlassung des der Tat beschuldigten SchülersMatthes aus der

Untersuchungshaft verfügt und die Aufhebung deS richterlichen Haftbefehls veranlaßt, da dessen Voraussetzungen nicht mehr vorliegen. Die iln* tersuchung nimmt ihren Fortgang.

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Die beiden KreuzerEmden" undLeip- z i g" sind aus Wilhelmshaven zu einer At­lant i k f a h r t ausgelaufen. Wahrend Kreuzer Leipzig" bereits am 2. März zurückcehrt, wird dieEmden" zum 15. März wieder in Wil­helmshaven erwartet.

Das brasilianische Kriegsgeschwader auf dem Amazonas hat Befehl erkalten, sich nach den an Peru unb Columbien angrenzenden brasilianischen Gewässern zu begeben, um die Innehaltung der brasilianischen Ä e u t r a l i t ä t zu erzwingen. Die brasilianische Regierung hat eine Untersuchung über die Kämpfe bei Tarapaca einleiten lassen, die sich unter Verletzung der Neutralität in brasilianischen Gewässern ab­spielten. t

Aus aller Welt.

(Ein neues Muster deutscher Schiffsbautechnik.

Die Hapag gab einem größeren Kreis von Journalisten Gelegenheit, ihr neues Motor­schiff für den Westindiendienst, dieC a r i b i a" kurz vor der ersten Ausreise zu besichtigen. Schiffneubauten sind heute eine Seltenheit ge­worben. lieber denSeltenheitswert" hinaus aber bedeutet dieser jüngste Zuwachs der Hapag» Flotte ein Ereignis. Die Beiucher, die der Vor­sitzende des Aufsichtsrates, Marius B o e g e r, als Hausherr willkommen hieß, lernten in der Caribia" ein Motorschiff kennen, das sowohl technisch als raumlünstlerisch als Meisterwerk und Musterbeispiel deutschen Schiffbaues anzu- fprechen ist. Die äußere Form ist rassig und wohlgegl.edert. Die Onnenräume ube.raschen auch denjenigen, der neuere Bauten zum Vergleich heranzuziehen vermag. Die Fahrgastzahlen be­tragen für die 1. Klasse 159 feste Betten, für die 2. Klasse 103, für die Touristenklasse 110.

3m Kleinflugzeug nach Afrika gestartet.

Auf dem Flugplatz Oberwlesenfeld bei München startete lautMünchener Telegrammzeitung" Der Sportsmann Karl Schwabe auf einer Klemm- Maschine mit Siemensmotor au einem Flug nadj Afrika, ber zuerst über Wien unb bann nach Konstantinopel unb Kairo führt, von wo ber Flie­ger Die Route nilaufwärts zu ben ehemals beutfchen Kolonien verfolgt unb bann auf ber Westroute über Gibraltar roieber zurückkehren wirb. Der Flug ist als reiner Sportflug gedacht.

Die Verhaftung des Raubmörders Schulte.

Zu der bereits gemeldeten Festnahme deS Raubmörders August Schulte in Gronau er­fahren wir noch folgende Einzelheiten: Am Mitt­wochnachmittag teilte ein Fahrradhändler einem Kriminalbeamten der Hilfsdienststelle Gronau mit, daß am Abend vorher eine Person (Schulte) ihm eine Belohnung versprochen habe, wenn man ihn an die Grenze führen wolle. Dort habe er dann verlangt, auf Schleichwegen über die grüne Grenze" gebracht zu werden. Sein Füh­rer brachte ihn nun zu einem andern Mann. Mit beiden veranstaltete Schulte zunächst ein Zech­gelage. Seine beiden Zechgenossen brachten ihn in der Rächt gegen 2 iU)r zu einem Bahn­arbeiter, bei dem sich Schulte bis Wittwochmittag verborgen halten sollte, um dann über diegrüne Grenze" geschasst zu werden. Auf diese Angaben hin umstellten Beamte der Grenzdienststelle das Haus und konnten so den Raubmörder ohne Widerstand s e st n e h m e n. 2n Gronau erregte die Festnahme des Dortmunder Raubmörders großes Aussehen. Tausende von Menschen ftan- oen vor dem Rathaus, um den Raubmörder zu sehen. Vier Beamte der Dortmunder Mordkom­mission holten Schulte am Mittwochabend in Gronau mit einem Kraftwagen ab und brachten ihn gefesselt nach Dortmund. Befragt, ob er wisse, weshalb er verhaftet sei, spielte Schulte

den gänzlich Ahnungslosen und gab iro­nisch der Vermutung Ausdruck, daß es sich viel­leicht um Zigaretten- oder Denzoldiebslähle han­dele. Es steht einwandfrei fest, daß der Fest­genommene der Raubmörder Schulte ist, da man die in der Personalbeschreibung angegebenen Rarben am Oberschenkel als untrügliches Kenn­zeichen feiner Identität festgestellt hat.

Zwei Hamburger Touristen von einer Lawine verschüttet.

Don einer Lawine würben in ber Nahe von (öuttal (Kärnten) zwei Wintergäste aus Hamburg, ber Versicherungsbeamte Runge unb bie Kon­toristin Hilbebranbt, verschüttet. Dem Mann gelang es, sich selbst herausAuarbeiten. Er stürzte aber Dann über einen Steilyang töb 11ch ab. Die Leiche würbe geborgen. Die Suche nach ber Begleiterin wirb fortgesetzt.

Schwere Schneestürme in Dalmatien.

Seit einigen Tagen wüten im Rordwesten Jugoslawiens, vor allem an der dalmatischen Küste, schwere Schnee stürme, die Den Verkehr zu Wasser und zu Lande außerordent­lich behindern. Im Gebirge liegt der Schnee an manchen Stellen bis zu vier Meter hoch. Auf der Eisenbahnstrecke von Agram nach Spa- lato ist ein Zug eingeschneit. Auch die Kusten- schifsahrt hat unter den schweren Winterstürmen sehr zu leiden. Der DampferDubrovnik, der den Küstendienst zwischen Spalato und Triest ver­sieht, mußte kurz nach seiner Ausfahrt in den Hasen von Spalato zurücllehren. Ein anderes Schiff konnte den Hasen nicht erreichen. In den meisten Orten richtete der Sturm schweren Scha­den an. Der DampferTsetina", der ebenfalls' der kleinen Küstenschiffahrt dient, scheiterte an der dalmatischen Küste. Passagiere und Be­satzung konnten gerettet werden. Man will ver­suchen, das Schiff wieder flott zu machen, obwohl es schwer beschädigt ist. In der Rähe des Dorfes Bodovalj in Banat Wrbas (Teil des früheren Bosnien) wurde unter Schneemassen verschüttet die Leiche eines 26jährigen jungen Mannes gefunden, den man als den deutschen Globe­trotter Gerhard ©tonet identifizieren konnte. Heber 250 Tote beim Schanghaier Explosionsunglück.

Die mit den Ausräumungsarbeicen in der in­folge einer Explosion niedergebrannten Gummiwarenfabrik beschäftigten Arbeiter und Feuerwehrleute haben bis jetzt die Leichen von 98 Arbeiterinnen geborgen. Unter den Trümmern sollen mindestens noch 160 Arbeiter und Arbei­terinnen begraben liegen.

Fünf Fischer auf einem (Eisfeld ins Meer getrieben.

3n den letzten Nächten suchten ungewöhnlich starke Stürme Schweden uni) besonders beide Küsten des Bottnischen Meeres heim. An der finnischen Küste wurden wahrere große Eisfelder abgetrieben. Auf einem befin)en sich fünf Fischer, die bisher verschollen ,md.

ter unb Flaggen von besonderer Farbe oder Zu- knnmenftcllung, sind bestimmte Gegenstände unb Zeichen im Wasser, in ber Luft unb an Dem mehr unb mehr zurückweichenben Horizont, finb unter an- berem Jene inzwischen verstummten, fernen Kanonen.

Bis in bie Stille, welche die Brücke umträumt, reicht das Verhallen von Zitbermuslk. Unten, von der dienstbereiten Maschine, spielt ein Heizer ein Lied feiner Heimat, ein schwermütiges Lied aus den bayerischen Bergen.

Nun richtet sich ber Qualm über bem Schornstein zu einer fchwarzon, wirbelnden Säule in die Hohe unb streut feine, warme Ascheteilchen über bie Brücke unb ben Posten, ber sich alsbald In schweren churrenben Tritten zu rühren beginnt. Im Vorher- chlff unter Deck melden schrille Pfeisensignale eine chleppende Kommanbostimme an, bie nach verschie­denen Richtungen brei-oiermal wleberholt:Reise, Reise! Ucberall gurrt Hängematten!" Dann er­wachen andere Tone und Geräusche: langes Gäh- neu, mürrisches Brummen und Schelten, das sich verdichtet zu einem undeutlichen Durcheinander- reden. Etwas spater Öffnet sich eine Luke und läßt einen nackten Mann unb einen Schwall vielartigen Gelächters an Deck schlüpfen. Der Nackte schwingt ein Messer in der Faust, fein Gesicht ist bis an die buschigen Stirnhaare mit Wolken von Seifenschaum bedeckt, außerdem trägt er eine Briefmarke auf dem Hinterteil. Fröstelnd läuft er auf Holzpantoffeln klapp, klapp über die Eisenplatten, um im Heiz­raum zu verschwinden. Vlad) ihm steigen andere, nur mit Hosen unb Schuhwerk bekleidete Männer, Seife unb Handtuch in Händen, au» der Versenkung unb schaffen schleunigst Holzpützen herbei. Der Pumpfchwengel kreischt unb quietscht. Die Seeleute beugen sich pruftenb über bie Eimer unb ziehen sich bald wieder zurück, unter Deck. Dort, in dem labat- dunstenden Raume, zwischen Stiefeln, Blechteller, Oelrocken unb Hängematten, welche ausgestopften Seehunden ähneln, hebt jetzt Caruso, ber weitge- feierte Caruso, einen Gesang an. Kafseekessel über- klappern seinLache Bajazzo!" Die Schiffsglocke schlägt. Eine allseitig abgcblcnbete Laterne schnurrt am Mast herab. Vor der Küche tanzt der Koch mit einem Tiegel einen salonberechtigten Tango und pröbltjHurra, Jungens, morgen geht's auf Ur-

Auch bie See regt sich munterer, trägt ihr Straub- gut rascher dahin und stößt es gelegentlich im 'Dor- oel heilig gegen den Bug oder die Bordwände des Dampfers. Jetzt schleppt sie etwas Rundes, Graues daher. Etwas Rundes, Graues. Dio Blicke non der Brücke spießen es auf unb lassen es nur un­willig noch einmal los, um ein in ziemlicher (Ent­

fernung passierenbes Unterseeboot zu fixieren, auf Dem jemand mit roten Fähnchen herüberwinkt. Der plumpe Wachtmantel wird erstaunlich behend, er­greift ebenfalls zwei Fähnchen, klettert gefchwinb auf das Rderhaus und gibt seinerseits Zeichen nach dem Uboot hin. In der Sprache der roten Fähn­chen entwickelt sich ein kurzer Dialog. Ein hinzu- gerufener Maat setzt ein Doppelglas an und kon­trolliert.

Vorpostenboot! Borpostenboot! Hör zu!" ruft das Tauchboot.

Ich bin ganz Ohr!" erwidert das Wachlboot.

Wir haben", beridjtet das vorbeifahrende Schiff, einen Kohlendampfer gekapert

Ich verstehe!" wirft das Wachtschiff ein, und das Uboot spricht weiter:Wir wurden verfolgt. Achten Sie auf treibende Mi"

Zzank! Hier wurde das Gespräch unterbrochen durch einen furchtbaren Ton. Es klang ja, wie klang es? '23lelleld)t fo, als habe die ungeheure, dröhende Stimme eines Dämonen kurz unb scharf das WortZank" ausgefprodjen.

Dem Uboot-Matrnsen entfallen die Fähnchen. Er sieht statt des Dampfers einen mächtigen, zackigen Eisberg oder ein vieltürmiges, gläsernes schloß gotischen Stils, das aus dem Wasser empor- geschossen ist und etwa eine halbe Minute in der Luft steht.

Eine Minute, die einmalige Umdrehung eines Sekundenzeigers, mekhe ber Sehnsucht ober Gefahr fo lange Dauert, wie blitzartig vergeht sie ber 33er- luunberung, dem Staunen.

Es ist wleber verschwunden, das Schloß, zurück- gesunken.Hart steuerbord!" schreit der Signal- haft,hart Steuerbord!" schreien andere Leute des Uboote». Und dieses dreht bei. Eine flache, mit einem Türmchen versehene Stablschlene, schlitzt es in äußerster Fabrt die fid) bäumenden Wogen. Aber es findet sich nichts mehr von bem 'Borpoften­boot. Nur Kohlenstaub unb Oelflecke schaukeln auf der Stelle, wo das Wachtschiff vor Anker lag, aus dem Wasser in gewissen leichthin aber rhythmisch geriffenen Schlangenlinien, wie sie auf den Vorsatz- papieren alter Bucher zu finden sind; eine Menge toter Fische treibt umher. Auf einmal geht ein blendendes Flimmern über bie See, schillern die Oelflecke unb bie toten Fischleiber Heller unb bunter in Farben bes Regenbogen».

Wärmend unb tröstend, mit all ihrem Zauder, steigt die enthüllte Sonne auf. Es ist dieselbe Sonne, weld)e über Nelson, über Kolumbus ge­strahlt, welche die Wikinger begleitet hat, die Sonne Homers.

Wie der Kanuri sagt...

Sprichwörter aus 0cm kameruner Hinterland.

Rings um den Tschadsee, dem großen See im Hinterlande unserer einstigen Kolonie Kamerun, haust das Regervolk der Kanuri. Wie alle Völ­ker aus Erden, verfügen auch sie über einen Schatz an Sprichwörtern, die gerade bei ihnen deshalb so interessant sind, weil sie in den schlichten Bil­dern, die aus ihrer einförmigen und einfachen Umwelt gegriffen, feine Beobachtungsgabe offen­baren.

So sagen die Kanuri:Lecke deine Lippen erst ab, bann rede." Wer könnte wohl Moltkcs Wahl­spruchErst wägen, dann wagen" mit anderen Worten treffender ausdrücken?

Oder:Halte die Spitze deiner Lanze voraus, wenn du gehst." Wir sagen:Vorsicht ist die Mutter der Weisheit."

Probiere, einen leeren Sack zum Stehen zu bringen, einen ganzen Tag lang, wir wollen sehen, ob er steht." Dieser köstliche Vergleich hat den Sinn unseres:Wo nichts ist, ist nichts."

Fürden Balken im eigenen und den Splitter im fremden Auge" ein Vergleich, der nur in seiner zweiten Hälfte, und dann noch in den allerseltensten Fällen zutrifft, hat der Kanuri fol­gendes Bild:Du bist wie eine Lampe, du er­hellst den ganzen Raum, nur unter dir ist es dunkel."

Ein Haar kann das ganze Gsfen verderben", sagt er und meint:Kleine Ursachen, große Wir­kungen".

Da der Kanuri in seinen Hütten keine Tür hat, so kann er auch nicht damit einem anderenins Haus fallen".Man muß es machen wie die Katze beim Fressen, die erst am Rande ableckt", sagt er daher.

Ebenso gut beobachtet ist:Wenn einer einen Leguan (eine große eßbare Eidechse) verfolat, so werden beide voll Schmutz, der Gejagte uno der Jager." Wir haben kein Sprichwort dafür unb können den Sinn nur frei übersetzen mit:Wer Pech anfaßt, besudelt sich."

Wie plastisch sind die beiden Sprichwörter: Stich einen Hirsch nicht mit einer Radel" laß es nie am nötigen Ernst und Rachdruck an einer Sache fehlen unddu sollst keine Läuse auf einen Stock aufreihen" kümmere dich nicht um geringe Dinge.

Jeder ist sich selbst der nächste", sagen wir. Der Kanuri drückt daS so aus:Wer kratzt, kratzt seinen Körper."