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Achern sah in den Park hinunter. Er konnte eS nicht fassen, daß Pia eines Tages hier schlank und leichtfüßig einhergehen könne. Er atmete tief und befreit. Wenn Lansing recht hätte! Wenn Pia geheilt wurde, dann waren die Vorwürfe, die ihn noch heute peinigten, verstummt.
Er drückte krampfhaft Lansings Hände.
„Doktor. wenn es Wahrheit würde, will ich Ihnen jede Summe zahlen."
Lansing lachte.
„Vicht so leichtsinnig. Achern! Wenn ich nun Ihr altes, schönes Achern verlangte als Lohn? Da würden Sie wohl doch nicht mitmachen? lind meine Kusine Edel erst recht nicht! Ich weih nur zu gut, wie Ihnen ums Herz ist. Ich habe früher einmal auf der Jagd einen Treiber angcschossen, ich war damals auch Gymnasiast. Ich habe Tag und Aacht nicht schlafen können. Ao, und bei dem Kerl war es nicht mal so schlimm, aber er schrie wie am Spieh, und man hat mich daheim wochenlang wie einen Paria verachtet. Erstens, weil ich als ein halber Mörder galt: zweitens weil man die hohen Ar'trechnungen, Pflegekosten und noch Schmerzensgeld bezahlen muhte. Sehen Sie, Achern, ich kenne das auch. Aber nun Schluß davon. Also, das gnädige Fraulein war so liebenswürdig, mich zum Mittagessen einzuladen. Da können wir alles Weitere ja noch eingehend besprechen. Ich möchte alles genau festschen, von großen Schreibereien bin ich kein Freund und Sie werden in den nächsten Wochen auch genügend abgelenkt sein."
Lansing lachte gutmütig. Achern aber sah stumm zu Boden, dann sagte er hastig:
„3<f> schließe mich der Einladung an, Lansing. Es ist noch eine volle Stunde Zeit bis dahin. Die können wir gemütlich verplaudern, denn Pia wird unterdessen mit der Mamsell und Frau Horlinger einige Aenderungen. bezüglich des Mittagessens besprechen wollen. Was ich fragen wollte: Sind Sie immer noch leidenschaftlicher Iäger?"
Ein leiser Spott lag in Achern- Worten.
Lansing drohte ihm scherzhaft.
«Ich? Aatürlich, Achern. Aber ohne die Passion. Treiber anzuschiehen. Ich treffe meist Blatt."
„Ola, dann will ich Sie nur heute gleich au meiner nächsten großen Iagd einladen. Der Wild- bestand im Achernschen Revier ist gut. Ein paar Kapitalhirsche sind abzuschießen."
Lansing freute sich sichtlich. Sein sonst so etnstes Gesicht war heute überhaupt merkwürdig hell, wie Achern erstaunt feststellte. Die Herren fanden dann noch mehr Gesprächsstoff, der sie beide interessierte, und so verging ihnen die Zeit bis zum Essen ziemlich schnell.
(Fortsetzung folgt.)
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mit Wehmut an ihr vorübergehen, aber der rasende Schmerz würde ihr erspart bleiben.
Sie hob den blonden Kopf, sah den Arzt prüfend an und fragte nach kurzem Lieberlegen:
„3d> fehle ober dann bei der Hochzeit meine« Pflegebruders. — wie hatten Sie sich das gedacht?"
Ein weicher Blick aus seinen Augen glitt über sie hin, dann sagte Doktor Lansing:
„Es würde mir leid tun. wenn diese Hochzeit ein Hindernis würde, denn gerade jetzt kann ich mich dem Studium Ihres Leidens am besten widmen."
Seine Stimme klang harmlos. Pia forschte in dem ernsten Männergesicht, doch s'.e sah nur ehrliches Interesse des Arztes. Da ging ein befreites Atmen durch ihre Brust. Ia, sie wollte fort. Der Grund ihres Fortbleibens war stichhaltig genug, wenn Doktor Lansing auch noch dem Schloßherrn erklärte, daß er nur jetzt sich so eingehend der Heilung widmen könne.
Sie reichte Lansing die Hand.
„Ich danke Ihnen, Herr Doktor, ich werde also kommen. Darf ich Frau Horlinger mitbringen? Ich bin sehr an sie gewöhnt."
Er nickte zustimmend.
„Selbstverständlich, gnädiges Fräulein. Es wird auch ein Zimmer für Ihre Begleiterin reserviert werden. Ist es Ihnen recht, wenn ich auch heute gleich noch mit Herrn von Achern spreche?"
Pia lächelte versonnen. Dann sagte sie:
„Ia, sagen S i e es ihm."
Lansing ging dann. Pia hatte ihn zum Mittagessen gebeten, was er dankend angenommen hatte. Drüben mußte er dann ein Weilchen warten, weil Achern gerade eine wichtige Besprechung mit einem Getreidehändler hatte. Lansings Gedanken gin-cn zu Pia zurück. Gr wußte ganz genau, daß sie nicht an einen Erfolg glaubte, daß sie seinen Vorschlag nur angenommen hatte, um Acherns Hochzeitstag entfliehen zu können, und er, Lansing, hatte das jo schließlich auch bezweckt. Er hatte selbstverständlich auch später Zeit, sich der Heilung des Leidens zu widmen, denn er hatte gute Assistenzärzte in seinem Sanatorium und der chirurgischen Abteilung, daß er sich selbst jederzeit einem besonderen Fall intensiv widmen konnte. Doch das brauchte weder Pia noch Achern zu wissen.
Sinnend ging Lansing auf und ab. Er glaubte nicht daran, daß mit Edelgarde ein großes Glück nach Achern kam. Sie hatte sich ja in letzter Zeit sehr zu ihrem Vorteil entwickelt, das machte wahrscheinlich doch die Liebe zu dem großen, schönen Achern, aber ob das alles von langer Dauer sein würde, bezweifelte er stark. Er wünschte ihr gewiß alles Gute, und auch Achern war ihm sehr sympathisch,^ doch e r kannte eben Edelgarde zu gut von früher her, als daß er hätte an ein Glück von Dauer glauben können.
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Onkel Augsten war ein geduldiges Objekt für Weiberlaunen und hatte em dickes Fell. Achern aber kam ihm doch ganz anders vor. Wenn der aus dem ersten Liebesrausch erwachte, dann konnte er vielleicht sehr unangenehm werden, Launen gegenüber, wie sie Edelgarde nun einmal angeboren waren und die sie jetzt ängstlich versteckt hielt.
Da wurde Lansing aus seinen Gedanken gerissen: Achern entlieh den Besucher. Er war augenscheinlich bester Laune und' kam nun mit ausgestreckter Hand auf Doktor Lansing zu.
„Morgen, lieber Lansing! Was verschafft mir die Freude. Sie heute in Achern zu sehen?"
Sie begrüßten sich mit einem festen Händedruck, dann öffnete Achern weit die Tür seines Arbeitszimmers. Unö dann saßen sich die Herren bei einer Zigarre und einer Flasche Wein gegenüber. Bon einigen Kleinigkeiten ging dann Lansing sofort zu dem Zweck seines Kommens über.
Achern sah ihn fassungslos an.
„Sie — Sie glauben da wirklich an einen Erfolg, lieber Lansing? Dann wäre doch viel versäumt worden. Dann hätte Pia früher auch schon geholfen werden können?"
Mit einem feinen Lächeln schüttelte Doktor Lansing den Kopf.
„Sie vergessen, lieber Achern, daß man früher schon das Menschenmögliche getan hat, daß aber inzwischen die ärztliche Wissenschaft bedeutend vorwärtsgeschritten ist, und daß man heute ein ganz anderes Verfahren anwenden kann."
„Sie sind also überzeugt, daß —“
„Verzeihung, Achern, .überzeugt' wäre Wohl zu viel gesagt. Doch ich hoffe, Fräulein Eichendorff mindestens eine ganz außergewöhnliche Erleichterung schaffen zu können — wenn ich sie nicht ganz von dem Gebrechen befreien kann. Daß gerade Sie Die Geschichte etwas aufregt, kann ich mir denken, nachdem ich weiß, daß Sie der unglückliche Schütze waren. '21a, wollen wir also das Beste hoffen."
Lansing sagte es ganz oberflächlich, heiter.
Achern aber kam erst jetzt zum Bewußtsein, daß dann Pia bei feiner Hochzeit fehlte. Er wußte nicht, was er sagen sollte. Einesteils war er froh, daß Pia geholfen werden sollte, auf der anderen Seite tat es ihm Weh, daß sie an seinem Hochzeitstage fern war. Er wußte^ daß sie ihm nur das Beste wünschte — merkwürdig, Wie fest er davon überzeugt war!
Er zwang sich zu ein paar Worten.
„Wie lange wird Pia von Achern fern bleiben müssen? Ich meine, wird sich die ganze Behandlung sehr in die Länge ziehen?"
Lansing zuckte die Schultern.
„Das kommt auf den Erfolg an. Es kann unter Umständen mit acht bis zehn Wochen abgemacht sein, eventuell aber auch ein halbes Iahr."
»So!"
Er lächelte nicht. Er sah sie nur an, griff nach ihrer Hand und streichelte die feinen Finger. Willenlos ließ sie es geschehen, well sie das Empfinden hatte, daß vor ihr ein Mensch saß, der es gut mit ihr meinte. Aach einer Weile sagte er:
„Gnädiges Fräulein, denken Sie doch, wenn Sie plötzlich nicht mehr vor allen zurückstehen müßten, wenn sich auch Ihnen die Freuden der Iugend auftun könnten, wenn Sie übermütig und glücklich sein dürften wie andere junge Mädchen. Ware das nicht schön? Kann Sie das nicht locken?"
Pia trank seine Worte in sich hinein. Iung und glücklich, nicht mehr ein Krüppel zu sein, — wäre denn das zu fassen?
Da schlug sie plötzlich beide Hände vor das zuckende Gesicht. Aein, es war zu spät, es hatte keinen Zweck mehr, denn in wenigen Wochen war Horrys Hochzeit! Und nicht imstande, ihr Empfinden zu verstecken, stöhnte sie:
„Es ist zu spät, viel zu spät!"
Da senkte Lansing den Kopf. Ieht hatte er die Bestätigung für das, was er gefürchtet hatte. Aber das war kein Grund für ihn, dem jungen Mädchen nicht mehr helfen zu wollen, selbst wenn die eigenen heißen Wünsche eine Erfüllung er-
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„Gnädiges Fräulein, darf ich damit rechnen, daß Sie im Laufe nächster Woche mein Sanatorium in 2. aufsuchen, um durch entsprechende Vorbereitungen der schwierigen Behandlung etwas entgegenzukommen?" fragte er, und seine gute Stimme berührte Pias Herz wohltuend. Es war, als streichle jemand dieses arme Herz, das so ängstlich und unter tausend Schmerzen seine Liebe vor cl en Manschen verbo g:n halten wo te. Mit gesenk.em Kopf und gcfaltc.cn Händen saß Pia vor Lansing. Schon wollte sie den Kopf schütteln, wollte ihm sagen, daß alle äleüerredung nichts helfe, sie sei von der Aussichtslosigkeit des Verfahrens überzeugt, als plötzlich ein anderer Gedanke sie durchfuhr. Lansing hatte schon von der nächsten Woche gesprochen. Lind in drei Wochen war Harrys Hochzeitstag! Wenn sie Lansing glauben ließ, daß sie an den Heilerfolg glaubte, dann würde sie schon nächste Woche fort tonnen von hier, dann brauchte sie nicht dabei zu fein, brauchte nicht zu sehen, wie Edelgarde Augsten Harrys Weib wurde. Der Tag, vor dem sie heimlich zitterte, würde in der Ferne nur
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