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23/12/1933 Zweites Blatt
 
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ZIMMER

UND KÜCHEN

H. Hochstätter

Am Brand

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bei

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Gießen (Goethestraße 69), den 23. Dezember 1933

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Nicht vergessenl

7750 D

07175

Selterswee 67.

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Im Namen der Hinterbliebenen:

Pfarrer DölL

Wieseck und Steinbach, am 23. Dezember 1933.

Kaiser-Natron

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 27. Dezember, nach­mittags 2 Uhr, von der Kapelle des Alten Friedhofes aus statt

Stets Eingang von Neuheiten!

Annahme von Bedarfsdeckungs­scheinen für die Ehestandshilfe I

J.B. Häuser

Am Oswaldsgarten Gießen. Ruf 2145/2146-

Im Namen der Angehörigen:

Johanna von Bentheim, geb. Pfaff

Geschäftsdrucksachen

Rechnungen Briefblätter

Briefumschläge Postkarten

Geschäftskarten bei Brühl, Sohulstraße 7

mir in die Augen und meinte:Ihr Deutschen seid doch komische Leute. Da fliegt so ein kleines Mäd­chen allein von Berlin nach Delhi und packt hier, als sei das das Selbstverständlichste von der Welt, ihren mitgebrachten Tannenbaum aus. Soll mich wundern, was Sie noch so im Laufe unseres wei­teren Fluges aus Ihren Koffern ausgrabenI"

straße, den Schulhof und, wie schon oben befürchtet, einige Klassenzimmer der Kinderzeit und verdienen es wirklich, bah Sie, lieber Leser, sich mit mir zu Weihnachten wieder einmal an die kleinen Wesen . mit der Uhrwerk- oder Eummibandseele freundlich erinnern!

Der Hampelmann mit dem vollendeten, von kei­nem Schauspieler je überbotenen Ausdruck der Freude in seinen Armen und Beinen, und der ge­schnitzte Bogel Strauß, der nur ein pendelndes Holzgewicht als Antrieb und den schönen Spruch als Motto hatte:Borne pickt er, hinten nickt er", der mit Kopf und Schwanz mächtig auf und nieder fuhr, ragten in meine Kinderzeit schon als Urväter­erbe hinein, wie gewiß noch in die heutigen Kind­heiten. So einfache Konstruktionen gehen wohl nie­mals völlig verloren wie die Spezialuhrwerke, die sofort verjchwin,den, wenn die eine Fabrik, die sie herstellte, einen neuen Schlager hat.

Da war die genial erfundene laufende Maus, die Arno Holz ersonnen haben soll. Sie bestand aus nichts als einer nach unten offenen grauen Blech­schale, dem Leib des Tieres. Ihr Bewegungsorgan war eine kleine Garnrolle, die mitten in der Maus an zwei seitlichen Gummibändern hing. Um die Rolle war eine Schnur aufgewickelt, die durch den Blechrücken gezogen und mit einem eingeknüpften Holzknopf am Hineinschlüpfen verhindert wurde. Zog man nun, während die Maus auf dem Boden saß, die Schnur am Knopf möglichst weit heraus, war zugleich die Holzrolle aufgezogen, der Gummi drehte sie schnell zurück, und die Maus lief davon.

Da war der kletternde Affe, der an einem ab­wechselnd stramm gezogenen und locker gelassenen Bindfaden mit unheimlicher Schnelligkeit hinauf­kletterte. Er hatte nur ein waagerechtes Scharnier in den Hüften. Ein Gummiband zwischen Brust und Oberschenkel klappte ihn nach oben wie ein Taschenmesser zusammen, sobald die Schnur locker war. Straffte man sie aber, mußten seine Arme durch die Art, wie sie um die Schnur griffen, mit hinauf. Beim nächsten Lockerlassen schnellten dann die Beine den Armen nach. So kam er geschwind zwischen den beiden die Schnur haltenden Händen seines jugendlichen Herrn hinauf. Und ragte der obere noch leere Teil der Strippe in der Hand des Besitzers über das Schul pust, so paßten gewiß vier, fünf Nachbarköpfe aufmerksamer auf den Augen­blick, wo der Affe über der Tischkante erscheinen würde, als auf die Vokabeln oder das Rechen­exempel!

Es waren fast immer Tiere, von denen die Phan­tasie dieser Spielsachenmacher lebte. Natürlich: Tiere gehören zum Kinde, sie sind einfach, klar in Wesen und Charakter und in ihren Bewegungen am sinnfälligsten nachahmbar. Nur der Radfahrer und der zwischen zwei sich in der festhaltenden Hand spannenden Hölzern durch sein leichtes Gewicht und das Gegenspiel eines Doppelfadens alle erdenklichen Reckübungen machende Turner stellte für das Kind es selbst bar, wie es sich schon vor sich sah:Wenn ich größer sein werde"

Ich denke insbesondere an die Tiere nicht ohne Wehmut zurück. Bei wieviel fröhlichem Schulunfug haben sie als gute Kameraden mitgeholfen! Und wie haben sie, wenn man sich an sie erinnert, jedes fast ein vergangenes Stück Leben in ihren kleinen Blechkrallen festgehalten! Ich sagte schon: den Weih­nachtsmarkt im Lustgarten und überhaupt das Ber­lin der achtziger und neunziger Jahre haben sie noch gekannt, in dem sie und ihre Verkäufer an den wichtigsten Verkehrsecken noch von keinen Autos gefährdet waren, wenn die winzigen Biester irgend­wo auf dem Damm der Leipziger Straße oder Unter den Linden herumliefen und die Vorüber­gehenden anlockten.

Sie kennen aber auch noch und sicher nicht nur bei mir die Wohnung, den Garten, die Spiel-

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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Jode unserer Heben Mutter sagen wir unseren herzlichsten Dank.

Kunst unb Wissenschaft.

Das Britische IHufeum kauft denCodex Sinaiticus.

Das Britische Museum hat sich, wie Macd 0 - nald im Unterhaus mittcilte, mit Zustimmung der englischen Regierung entschlossen, den berühm­tenCodex Sinai ticus ooe der russischen Regierung für 100 000 Pfund zu kaufen. Die englische Regierung steuert ein Pfund für jedes von der Öffentlichkeit gezeichnete Pfund zu dem Kaufe bei. DerCodex Sinaiticus ist eine der drei wertvollsten frühen griechischen Handschriften der Bibel aus dem vierten Jahrhundert. Von den beiden anderen Exemplaren befindet sich der Codex Alexandrinus bereits im Britischen Museum, wäh­rend der Codex Vaticanus im Besitze des Vatikans ist. Der Codex Sinaiticus wurde im Jahre 1844 von Konstantin Tischendorf im St. Katharinen- Kloster am Berge Sinai aufgefunden. Im Jahre 1869 wurde er vom russischen Zaren erworben und ist dann in die Hände der Räteregierung über« gegangen.

Unsere liebe, gute Tante

Frau Katharina Schieferstein

geb. Pfeiffer

ist gestern abend im 91. Lebensjahre sanft entschlafen

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Gott der Allmächtige, hat in seinem unerferschlichen Ratschluß am 14. Dezember

Karl August

unser aller Hoffnung, im Alter von 7 Tagen zu seiner Mutter Ottilie Gerlach, geb. Inderthal heimgeholt.

Für die überaus zahlreiche Anteilnahme, für die vielen Kranz­spenden bei dem Heimgange unserer unvergeßlichen b ntschlafenen sagen wir innigen Dank, insbesondere danken wir auch für die trost­reichen Worte am Grabe.

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Ich sehe noch manche dieser kleinen rätselhaften Stücke Levens vor mir, die eine Zeitlang in aller Hande waren, um dann dem nächsten Spielzeug Platz zu machen und zu verschwinden so zu ver­schwinden, daß man solch ein Zauberwerkchen mit den größten Mühen überhaupt nicht mehr aufzu- treibcn vermochte. Gleich mir werden manchem Leser, wenn ich ein paar dieser Straßenspielsachen nenne, alte Jahre und Weihnachtsfeste und vielleicht auch Gefühle wieder einfallen, welche wie die aus der Mode gekommenen Spielsachen nirgends mehr zu haben sind, und wenn man sie noch so sehr sucht und nach ihnen fragt.

Von den Uhrwerkspielen war das schönste, kaum je, nicht durch Jumbo übertroffene, der bockende Esel: ein Clown auf einem kleinen zweirädrigen Wagen, in dessen Deichsel der in allen Gliedern freibewegliche Esel eingehängt war. Wenn mau dies Meisterwerkchen ausgezogen und auf den Fußboden gesetzt hatte, lief der ungebärdige Esel mit dem Karren ein Stück vor, bäumte sich, schob das Ge­fährt rückwärts, zog wieder an und so fort. Seele unb Charakter des unter den Tieren ja nicht mehr so sehr häufigen Grauchens, das zur Zeit der Groß­väter die Getreidesäcke zur Mühle trug und die Mehlsäcke holte, waren so gut getroffen, als hätte es der Mechaniker eigens im Brehm studiert.

Und wie sinnreich einfach ^ar das ganze Geheim­nis am Wagen, unter dem > des Clowns unter­gebracht! Ein waagerechtes Rad, das auf seinem halben Umschwung eine Zahnradleiste trug, trieb in seinem gleichmäßigen Weiterdrehen bald das rechte, dann wieder das linke Rad, daß das Wägel­chen vor- und wieder zurückfahren mußte. Das scheinbare Bocken des Esels mar nur durch seine geschickte Aufhängung nebenbei bewirkt. (Sie sehen, lieber Leser, auch ich habe keine Mühe gescheut, ins Innere der Natur" vorzudringen!)

Fast mehr aber als die Uhrwerkspiele unter denen ich mich noch an einen vorzüglich Gleichgewicht haltenden Zweiradfahrer erinnere, einen hüpfenden Frosch, an mehrere sonstige blecherne Bewohner der Arche Noah gewannen das Herz der Kinder die zwar nicht mit so kluger Mechanik konstruierten aber noch viel genialer erfundenen Spielzeuge, deren Seele und Lebensnerv nur ein Gummiband mar; oder auch die Spannung von ein paar zusammen­geleimten Holzstäben, die Wärme der Hand wie bei dem in seinem alkoholgefüllten Glasrohr tan­zenden Teufel in Annäherung an das Uhrwerk eine einzelne Spiralfeder. So bei dem durch die Feder in feiner hölzernen Pluderhose hochspringen- denArabi Pascha" (heute würde man vielleicht einenKemal Pascha" daraus machen), oder bei dem Teufel, der aus der tückischen Streichholzschach­tel, die man arglos öffnete, grinsend herausfuhr.

Zücheriisch.

I rn E i s vergraben. Erlebnisse auf Sta­tionEismitte" der letzten Grönland-Expedition Alfred Wegeners. Don Johannes Georgi. Mit vielen Bildern Verlag des Blodigjchen Alpenkalen­ders Paul Müller, München 2 NW. 8. In künst­lerischem Leinenband 3,50 Mark. (615) Eine zeitgemäße Neuerscheinung beschreibt das Leben unb Treiben der Teilnehmer der letzten Grönlandexpedi­tion auf StationEismitte". Wir werden vertraut gemacht mit einem heroischen Erleben, indem wir hineingestellt werden in die Schicksals- unb Ge­fahrengemeinschaft ber Polarsonchor, die mit Wege­ner ins ewige Eis zogen. Dienst unb Pflicht über­winden das Schwere unb lösen die Aufgabe. Der Bericht von dem kühnen Forschungsunternehmen bringt Kunde davon, wie es Menschen zum ersten­mal in ber Geschichte ber Grönlanbforjchung ge­lungen ist, ein Jahr mitten in ber furchtbaren Schneewüste bes Jnlanbeises in 30ü0 Meter Höhe bei einer Temperatur bis zu 65 Grad Celsius unter Null auszuharren. Das Buch beschreibt bic vorbe­reitende und unterstützende Leistung der Kameraden Wegeners innerhalb ber Expedition. Es ist reich an Abenteuern unb Schwierigkeiten, von bemn wir uns kaum einen Begri'f ohne eine solche Darstel­lung machen könnten; barüber hinaus ist bas Werk eine Ehrenurkunbe ber beutschen Wissenschaft, der neue Erkenntnisse zu vermitteln das Ziel der Ex­pedition letzten Endes war. Die Geschichte dieser StationEismitte", wo Georgi unb seine Kame­raden Dr. Loewe unb Sorge mit einem Minimum von Heizmaterial und Proviant, ohne Winterhaus in einer selbstgegrabenen Firnhöhle überwinterten, wo sie trotz aller Gefahren die wissenschaftlichen Messungen keinen Tag aussetzten, bildet den Inhalt dieses Buches. Sie ist ein Beispiel ber Treue zum Führer und zur eigenen Lebensarbeit. Nicht uner­wähnt bleiben barf bie sorgfältige Ausstattung bes Buches sowie sein reichhaltiges bisher unveröffent­lichtes Bildmaterial.

Rt** zu & d)On tekgra- in der Staöf; ,en; doch mir rro'nben unb und |o= ? ^stehen ttunien mehr.

$ Moye dir ^machte. Da n mir; drav< w-f/i, /tfa' machen, unb 1 etwas Ma­die Delk. - Nacht. Um »rm laufen ie verdrann- ss«n jchchn. ach Delhi, Dal einmal nfl haben, in >arf.

bald aus den und ich übtt= unten in den l würde.

und Dick find mischend un- alt inzwischen zuerst. Unter Häuser und Häfen Mün­de Kinder.

Als ich Kind war, brachten mir zu Weihnachten ftets die größte Erfüllung meiner Wünsche nicht die Iteuren Dinge aus den eleganten Spielzeugläden, sondern die winzigen Tiere oder Menschlein, die man für wenig Geld von den Straßenhändlern kaufte. Ich glaube, es ist noch heute so; denn als ich ber kleinen Sigrid den Elefanten Jumbo von seiner belebten Ecke, roo er auf dem Trottoir herumspaziert mar, mitbrachte, griff ihr Händchen freudig nach llihrn.

Jumbo geht, wenn er auch nicht viel größer ist ein ausgewachsenes Kücken, wuchtig und schwer, läßt den gewichtigen Leib vom linken auf den rechten, wieder auf den linken Vorderfuß hinüber- schwanken, trampst weiter, stößt mit dem Kopf einen kleinen Wagen, rollt ein Fäßchen, zieht ein Scheit Holz, das zum mächtigen Balken wird, lebt! Er ist vielleicht zehn bis zwölf Zentimeter hoch. Aus zwei gestanzten, gepreßten, mit der Farbe be­druckten, mit kleinen Zungen unb Schlitzen zusam­mengebogenen Schalenhälften ist der Leid her gestellt, in dem ein Uhrwerk steckt, und ebenso jedes der Beine, die von den Rädern des Werkes täuschend ss bewegt werden wie beim lebenden Tier.

Gewiß hat ein technischer Verstand lange geson­nen, bis er mit einem verhältnismäßig einfachen Räderwerk die Bewegung der Gliedmaßen des Tie­res so nachahmen konnte, daß der Eindruck des Lebens enftanö, daß ein winziger Teil Leben darin wie im Kunstwerk festgehalten war.

Wenn ich mir bie Phantasie ber Konstrukloren vorstelle, muß ich immer an den alten Griechen Ptolemäus denken. Mit dem unrichtigen und un­tergeschobenen Mechanismus feinerNebenkreise" hat er ein anschauliches, mit großen Strecken der Wirklichkeit übereinstimmendes Bild der scheinbaren Bewegungen in unserem Planetensystem entwor­fen, das so wenig es mit dem tatsächlichen Laus der Sterne sich deckt , bis zu Kopernikus und Keppler die beste Erklärung der Vorgänge am Him­mel war. Vielleicht würde der alte Grieche heute mechanische Spielzeuge verfertigen.

Ich denke die Jahre zurück bis zu meiner Kind­heit, als noch an der Schloßfreiheit und im Lust­garten der Weihnachtsmarkt war und schon, wie heute, bie Straßenhändler in jedem Jahre das eine neueste Bewegungsspiel feilboten, das mehr, als was man in den Läden kaufen konnte, für die Kinder das Ereignis des Winters war. Es war allgemein wie eine Melodie, die alle singen. Es ging den schöneren und teureren Weihnachtsgeschenken weit vor. Sicher brachten es bald immer ein paar Jungen mit in die Klasse, wo es bann in den Hin­teren Bänken am Unterricht teilnahm ober sich we­nigstens burch den Unterricht nicht stören ließ.

soll aus Hrem Sohn und Ihrer Tochter werden?

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ine zum Weihnachten da unten. Und es ist ja auch tat-

sachlich nicht ganz einfach, in unsere deutsche tiefe °he Weihnachtsstimmung zu kommen, wenn man den rn»;« ganzen Tag daraus aufmerksam gemacht wird, daß 'n3 Sq. man ohne Tropenhelm einen Sonnenstich bekommt.

> "W alle Und trotzdem. Da stand er nun, mein kleiner 5 JPen! bie Tannenbaum, und der amerikanische Flieger sah