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23/12/1933 Zweites Blatt
 
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B518

"Uixmnes Geheimnis

Roman von Klothilde von Stegmann llrheberrechltschuh: Fünf-Türme-Verlag Hakle (Saale) 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er konnte nur hoffen, daß Poonne nun wenigstens so viel Rücksicht auf ihn nahm, daß sie ihre Zimmer bei Frau von Merten aufgab. Er selbst konnte es Frau von Merten doch unmöglich antun, wieder aus­zuziehen.

Wenn aber Pvonne blieb? Welch unerträgliche Lage! Vielleicht, daß er doch Doktor Millers Rat befolgte und um Urlaub ein kam? Der Skeptiker Doktor Miller hotte doch recht behalten.2Iber er durste sich Miller gegenüber nichts anmerken lassen, er hätte zum Schaden nur den Spott gehabt. Ein Klopfen riß ihn aus seinem Nachdenken. Wal­burg kam mit einem Aktenstück herein:

,r$)err Legationsrat haben die Akten Filmober­prüfstelle .Ostfront verlangt? Sitzung in zwölf Tagen, zehn Uhr, Zimmer 212. Die Akten find Herrn Legationsrat zugeschrieben. Vertretung noch nicht be­stimmt.-

Seeburg dankte kurz, und Walburg verließ das Zimmer. Er ging aber nicht gleich wieder in sein Bureau zurück, sondern an einen der Telephonauto­maten links vom Eingang. Er hatte Millers Auf­trag, ihn immer auf dem Laufenden zu halten, nicht vergessen. Aber sein Anruf bei Doktor Miller war vergeblich. Der Krirninaldirektor war nicht im Bu­reau. Run gut, man mußte bann eben nachmittags noch einmal anrufen. Denn mit dem Herrn Lega­tionsrat von Seeburg war sicher etwas Besonderes los. Der alte Krause hatte ohne Zweifel richtig ge­sehen. und Doktor Miller wollte doch von jeder auffallenden Tatsache sofort unterrichtet sein.

Gerade wollte Walburg die Telephonzelle ver­lassen, als Malesius eilig die Treppe herunterkam und auf die Nebenzelle zuging. Walburg prallte zurück. Wenn Malesius ihn jetzt erwischen würde, hatte es ein Donnerwetter gegeben! Also duckte er sich, um abzuwarten, bis er ungestört wieder nach oben gehen konnte!Wie undicht doch die Zellen sind", mußte er denken. Deutlich hörte er Malesius Westend 14 096 verlangen. Hoffentlich dauerte das Gespräch nicht lange Man würde sonst sein Fehlen bemerken. e

Malesius telephonierte doch sicher wieder mit irgendeiner Freundin. Aber nein, diesmal hatte er 'hm unrecht getan.Herr von Holtay zu Haus?" hörte er Malesius fragen. Holtay, so ähnlich hatte doch früher einmal irgendein Dichter geheißen? Na, das schien ja kein Dichter zu fein, mit dem der sprach. Aha, also wieder das alte Lied: hatte abermals ge­spielt, der Malesius. Deutlich hörte Walburg:

Sie müssen mir aus der Patsche helfen, Herr von Holtay! Wie? Aber ich bitte Sie, es gab doch nichts zu berichten? Ich hab schon wie ein Luchs aufgepaßt Sie können es mir glauben. Nein, heute habe ich ihn noch nicht gesehen. Nein, Sie haben recht, man soll keine Namen nennen. So, etwas In- teressantes? Ja, natürlich kann ich Sie aufsuchen.

Gleich nach dem Dienst. Aber ich kann mich doch darauf verlassen, Herr von Holtay, daß ich die Dreitausend gleich bar mitnehmen kann? Ich muß bis heute abend den Betrag bezahlt haben. Besten Dank! Ich wußte ja, daß Sie mich nicht im Stich lassen werden. Also, ich ioll nicht zu Ihnen kommen, sondern gegen achtzehn Uhr in der Halle des .Espla nabe1 fein? cd)un, das liegt ja noch bequemer für mich. Ich bin pünktlich da. Aber nicht vergessen: drei Mille in bar, Herr von Holtay! Auf Wieder- sehen!"

Walburg hörte, wie die Tür zur Nebenzelle zu- geworfen wurde. Langsam erhob er sich aus seiner gebückten Stellung. Da bog eben Malesius um die Ecke. Jetzt konnte man auch wieder in sein Bureau. Der Pförtner drohte ihm lächelnd mit dem Finger.

Mal wieder Glück gehabt, junger Mann? Den Anpfiff hätte ich nicht haben mögen, wenn der Sie gesehen hätte. Sie hatten auch Zeit gehabt bis zum Abend, um Ihr Mädel anzurusen. Na, verdrücken Sie sich mal! Da kommt das Auto des Herrn Staatssekretärs.-

Als Walburg mittags und abends von neuem ver­suchte, Doktor Miller zu erreichen, bekam er immer wieder den Bescheid.Herr Kriminaldirektor ist noch nicht zurück."

Da beschloß Walburg, selbst einmal zuzusehen, ob er herausbekommen konnte, was hinter Malesius' Geldverlegenheit steckte. Und wer dieser dumme Kerl, der Holtay, war, der da jo bereitwillig dreitausend Mark ausspuckte: vielleicht war es Unsinn. Aber wenn er Doktor Miller doch etwas berichten könnte, was dem nützlich war, bann wäre bas ein Erfolg. Und vielleicht gab ihm Doktor Miller bann auch ein paar andere Aufträge, bei denen er einmal beweisen konnte, daß er zum Detektiv taugte!

Kurz vor achtzehn Uhr bezog Franz Walburg also seinen Posten beimEsplanade". Aber das hatte er sich doch vergnüglicher oorgeftellt. Bei schönem Wet­ter mochte so etwas ja ganz nett sein. Aber bei dem Regenguß, der jetzt herunterkam, schienen Beobach­tungen fast unmöglich. Unmittelbar an der Eingangs­tür desEsplanade" fiel er zu sehr auf, und auf der anderen Straßenseite konnte er wegen der vor- überfaufenben Autos nichts sehen. Da kam ihm ein rettender Gedanke. Schnell entschlossen trat er an den Zeitungshändler heran. Der alte Mann schien. sich in der Nässe gar nicht behaglich zu fühlen, trotz' Regenschirm und Lederpelerine.

Na, Vater, für Sie ist bas Wetter wohl ooch nischt!"

Brummig erwiberte der Alte:

Del macht keenen Spaß. Kaufen tut keener was, und ick hol' mir wieder mein Reißen! Aber wenn ich jetzt hier weggehe, bann steht morgen ein anderer auf bem Platz, und der Junge, der mich sonst bei solchem Wetter ablöst, ist ooch krank."

Na, Alterchen, da werd' ich Sie vertreten! Sie krieaen sogar noch en Taler zu, und Konkurrenz mach' ich auch nicht."

Was bist du denn für 'ne putzige Kruke willst dich in bem Regen hinstellen und mir noch 'nen Taler zugeben? Zeitungshändler biste ooch nicht, sonst wärste auf die Idee nich gekommen noch was zuzuzahlen. Biste Geheimer? Ober was willste eigentlich?"

Walburg lachte:Komm hier einen Augenblick weg. Geheimer bin ich nicht Liebhaberdetektiv. Nu gib mir mal deine Pelerine und deine Zeitungs­

lasche. Kannst drüben im Trockenen aufpaffen, daß ich dir nicht ausrucke. Hier ist der Taler; nimm mal meinen Hut und gib mir deine Mütze. Sieht besser aus. Das suhlst bu denn an meinen Taschen herum?"

Der Alte lachte.Drolliger Kerl biste nee, Schießeisen haste nich bei dir. Aber mach' keine Dummheiten! Ich pass' hier auf. Hier, Wechselgeld. Und Trinkgeld wird geteilt"

Gleich daraus stand Franz Walburg, die Pelerine hochgeschlagen, die Mütze tief ins Gesicht gebrückt, dicht am Haupteingang desEsplanade" Hotels und rief mit monotoner Stimme die Abendzeitungen aus. Er war innerlich vergnügt. Da war er auf einen feinen Trick gekommen. Jetzt konnte er alles gut ichen. Fast hätte ihn fein Erschrecken verraten, als plötzlich Malesius vor ihm stand und kurz und be­fehlend sich ein Abendblatt von ihm geben ließ. Wenn der ihn nicht erkannt hatte!, dachte Franz Walburg vergnügt, bann schien feine Maske ja echt zu fein. Uebrigens, bas Geschäft ging ganz gut. Der Regen ließ auch nach. Da konnte ber Alte feinen Platz ruhig bald roieber einnehmen.

Wenn er nur wüßte, was er nun weiter tun sollte! Daß Malesius hierher kommen würbe, das hatte er doch schließlich schon vorher gewußt. In die Halle hinein konnte er nicht. Zeitungsverkäufer ließen sie nicht herein, bas hatte er eben schon probiert. Wenn er in feiner gewöhnlichen Äleibung kam, bann mußte Malesius ihn ja erkennen.

Walburgs zuversichtliche Stimmung schlug um. Doktor Miller hatte doch recht gehabt, so einfach war ber Beruf nicht, wie er es sich gebacht hatte. Aber Glück muß ber Mensch haben! Da kam Malesius ja schon wieder heraus. Doch diesmal war er nicht allein zwei Herren und eine Dame waren mit ihm, und was für eine Dame! Donnerwetter, war die schön und elegant! Mechanisch rief Walburg wieder seine Zeitungen aus. Der eine von den Herren schien ein Ausländer zu sein. Jetzt sagte Malesius --- die vier schienen auf ein Auto zu war­ten zu bem anbern Herrn:

Bitte, Herr von Holtay, hier steht's im Abend­blatt!"

Aha.', dachte Walburg: Holtay? Das war der Mann mit den dreitausend Mark. Na, ber mußte viel Gelb übrig haben, wenn er bem Malesius was pumpte. So, bas Gesicht hatte er sich fest einge­prägt. Richtig, ber anbere war ein Ausländer, schien französisch zu sein, was ber sprach. Auch bie Frau antwortete nicht beutsch. Was bie für eine helle Stimme hatte! Iebes Wort hätte man bis hierher verstehen müssen ...Abenbblätter, Abenbausga- ben ..." Da, jetzt fiel ihr ein Hanbschuh herunter. Ob er es wagte? Ach was, ber Malesius hatte ihn vorher auch nicht erkannt! Mütze tief ins Gesicht, (prang Walburg rasch zu unb hob ben Hanb­schuh auf.

Ah, Mabame Dumont ...!"

Der Auslänber nahm ihm den Hanbschuh ab, brückte ein Gelbstück in seine Hanb ... rasch zurück jetzt, ehe Malesius auf ihn aufmerksam würbe ... Äbenbausgabe, Abendblätter, letzte Ausgabe .. . Madame ... bas hieß doch Frau wie hatte er gesagt? Madame Dumont? ... Ob das wohl wichtig war für Doktor Miller? So, jetzt waren bie vier weg im Auto. Zwecklos, hier noch weiter zu stehen. Vom Potsdamer Platz aus würbe er an Doktor Miller telephonieren.

Da kam auch schon ber Alte herübergehumpelt:

Hofs ein feines Trinkgeld gegeben? Was haste denn gefunden? Hast bu jetzt genug?"

Franz Walburg lachte übermütig:

..Masienhast! Macht mir nur Spaß, wenn', regnet, oo! Komm!" Sieber zog er ben alten Zeitung». Händler in den Torweg nebenan.

- Hier, die Zeitungen sind fast alle. Hier hast bu deine Tasche, nimm die Mütze. So, nun gib meine« Hut her. Hier ist das Geld."

Eifrig zählte der Alte noch.

So, nun müssen wir teilen", sagte er. Dalbura winkte lachend ob.

Nebenbeschäftigung verboten, steht im Paragraph Adolfs man. Wünsch' weiter gutes Ge-

!" Schon eilte er bem Potsdamer Platz zu. Der .Hop7n9Sl)änb,er fQl) il,m nad? und schüttelte ben

Verrückter Bengel! Was der wohl gewollt habe, mag? Nicht mal das Trinkgeld hatte er behalteir neme Puppe war das, die was verloren hatte. Mir kann's recht fein. Abendausgabe..."

13. Kapitel.

Eine gute Idee", sagte Perlain zu Holtay,bei dem schönen Wetter noch eine Stunde ins Freie zu fahren. Wannfee sagten Sie! Hat dieser Ort auch historische Bedeutung wie Potsdam?" Franz von Malesius übernahm die Antwort:

Nein, Herr Direktor Perlain! Mit ber preußi­schen Geschichte ist ber Wannsee allenfalls durch Kleists Grab verknüpft. Sie wissen vielleicht: »Der zerbrochene Krug', »Die Hermannsschlacht und jo weiter."

Mit einem leichten Schaudern fragte Pvonne:

Hermannsschlacht'?! Ist das nicht bie schrecklich« Sache, wo biefe deutsche Frau Thusnelda, glaub« ich ihren Anbeter bem Bären vorwerfen läßt?"

Ein leicht ironisches Lächeln zuckte um die Mund­winkel von Malesius'.

Sie haben ein gutes Gebächtnis, Mademoiselle Dumont.

Und mit einem spöttischen Unterton fügte Herr von Holtay hinzu:

Die Deutschen haben eine andere Auffassung^ von Galanterie als die berückenden Frauen Ihrer Nation."

Mit einem Blick auf die Straße unterbrach sich Holtay unb roanbte sich an Franz von Malesius:

Sie wollten doch hier in dieser Gegend noch schnell die geschäftliche Angelegenheit erlebigen, Herr von Malesius, über bie wir telephonisch sprachen? Lassen Sie uns nicht lange warten, sonst wird uns Herr Wassiljew ungeduldig. Er erwartet uns im Schwedischen Pavillon.

Malesius tastete nach seiner Brieftasche, als ob er sich überzeugen wollte, daß ber Briefumschlag, in bem Holtay ihm bie brei Tausendmarkscheine über­reicht hatte, noch ba wäre. Dann stieg er schnell aus:

Ich bin in zwei Minuten roieber bei Ihnen, meine Herrschaften! Ich werbe mich um so mehr beeilen, als ich ja weiß, baß ber arme Wassiljew in ftänbiger Angst lebt, von einem Kollegen erkannt zu werben."

Kaum war Malesius fort, als sich Perlain lebhaft an Holtay roanbte:

Glauben Sie, baß biefer Herr in ber Filmange­legenheit wirklich etwas für uns tun kann?"

(Fortsetzung folgt.)

Meine Sprechstunden finden wie früher statt: Werktags 13.30-14.30

Mittwoch und Samstag 14.30-16.30

Reg.-Medizinalrat

Dr.med.WillielmTrautmann

Facharzt für innere und Lungenkrankheiten (Tuberkulose) Gießen, MoltkestraBe 6, Fernruf 4264

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Volksbad Gießen

Samstag, den 23, und Samstag, den 30. d. M, ist das Städtische Volksbad bis 21 Uhr geöffnet!

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Gießen, den 21. Dezember 1933.

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Erklärung.

Als Proießbeoollmächtigter der iVrau (hnmo Leebold, öerw. -t, geb. -vaas in «ließen, SelterSroeg 19, bringe ich öic nachnebende gerichtliche Entscheidung zur öffentlichen Kenntnis:

H. R. «. 198.

... ^emäß 88 142 Abi. wird die Löschung der

Nir veinnct) Leebold in Gießen eingetragenen Prokura von Uint» wegen angeordnet.

Die Beteiligten werben hiervon benachrichtigt und ihnen gleichzeitig eine «rnft von 1 Woche gefetzt tut Geltendmachung eines etwaigen Widerwruchs.

_ , , _ (Gründe:

, einstweilige Verfügung des Landgerichts Gießen A-Ä.I vom 8. November 1933 ist in Lachen I. C. 67, 33 (ftrau (rrnrno Leebold in Ziehen gegen ihren Ehemann »rno Leebold daselbst) dem i>riv Leebold legstche Verfügung über das im vaus Seltersweg 19 ,u Gießen betriebene Leu tat en en- und Feinkostgeschäft sowie da» ebenda befindliche i.okalLchwabS Weinstube" verboten. Unter daS Werbet mllt auch die Verfügung über die Firma des üiefcbäfti. iro^ ordnungs- und fristgemäßer Zustellung der Verfügung 1 at .tob Leebold durch Antrag vom 22. November 1933 einen ^fünften bestellt. Tiefe Bestellung war ibm verboten und ttt deshalb die eingetragene Prokura zu löschen, nachdem oeni .Negntergertcht die ergangene einstweilige Berftigtm- durch Borlage zur Kenntnis gebracht rft s7739V

Gteben, den 22. Dezember 1933.

Hessisches Amtsgericht.

.'alenborter, Zustizmsvektor als Rechtavsteger.

die Abschrift:

ge;. Krüger, Rechtsanwalt.