Ausgabe 
23.12.1933 Viertes Blatt
 
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Nr. 3M fünftes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenl

Samstag, 23. Dezember 1953

ü

I

brachte in Vertretung des zu seinem Bedauern am Erscheinen verhinderten Bataillonskommandeurs, Major von Wachter, in einer kurzen An­sprache zum Ausdruck, wie gern das Bataillon den Kleinen diese Feierstunde bereitet hat, und wie sehr man sich beim Bataillon darüber freut, daß man nicht immer nur als die bewaffnete Macht in Er­scheinung treten muß, sondern auch einmal Ge­legenheit hätte, mit Werken der helfenden Tat den Kampf unseres Führers gegen die Not deut­scher Volksgenossen zu unterstützen. Aus den Wor­ten des Adjutanten hörte man heraus,

daß unser Bataillon sich mit Freude und aller Bereitwilligkeit dieser schönen Aufgabe gewid­met hat, um auch auf diesem Wege seine innige Verbundenheit mit allen deutschen Volksgenossen zum Ausdruck zu bringen.

Weihnachtsgedichte werden in Gegenwart des Weihnachtsmannes aufgesagt; die Dame links ist die Gattin des Bataillonskommandeurs, Frau von Wachter.

Der Weihnachtsmann in der Kaserne.

Unser Gießener Bataillon bereitet mehr als 100 Kindern eine Weihnachtsfeier.

Freudig bewegte Kinder vor dem Kasernenposten. (Aufnahmen: Photo-Pfaff, Gießen.)

Der Bataillonsadjutant, Oberleutnant Breithaupt, inmitten der kleinen Gäste.

Raumes stand der geschmückte Tannenbaum mit seinen Lichtem, auf den Tischen leuchteten Kerzen, und auf der Konsole rund um den Raum herum hatten ebenfalls zahlreiche brennende Kerzen ihren Platz und verhalfen wirkungsvoll zu dem ganzen Zauber der weihnachtlichen Stimmung, die für der­artige Feiern eine wesentliche Voraussetzung des Gelingens ist. Die Herrichtung der Feier stand unter der besonderen Obhut des Bataillonsadjutanten, Oberleutnants B r e i t h a u p t, der sich mit viel Liebe und Sorgfalt dieses Kinderfestes annahm und am Schlüsse der Feierstunde die freudige Ge­nugtuung haben konnte, daß

diese Tal der christlichen Nächstenliebe unseres Bataillons überall nur dankbare Herzen ge­funden hatte.

Die NS. - Dolkswohlfahrt hatte dem Ba­taillon 100 Kinder zur Bescherung namhaft gemacht. Es hatten sich aber auf dem Wege zur Kaserne unversehens noch einige andere Kinder dem Zuge angeschlossen, so daß bei der Ankunft in der Neuen Kaserne 107 Kinder vorhanden waren, die sich auf die Begegnung mit dem Weihnachts­mann in der Kaserne freuten. Der unerwarrete Zuwachs bereitete der Leitung der Feier aber keine unüberwindliche Schwierigkeit bk es ja beim Militär überhaupt nicht gibt; im handumrehen mar auch für die 7 weiteren Gäste alles Erforder­liche zur Stelle, und so konnte denn die Erwartung aller Kinder in vollem Ausmaße erfüllt werden.

Einige Angehörige der Bataillonskapelle sorgten für schöne Weihnachtsmusik, die Kinder stimmten unsere alten schönen Weihnachtslieder an, die von den Er- wachsenen frohbewegt mitgesungen wurden.

während alledem liehen sich die kleinen den in der Valaillonsküche ganz ausgezeichnet ^berei­teten Wilchkakao ebenso vortrefflich schmecken wie das leckere und reizvolle Gebäck, das noch vor dem Beginn der Kakaoschlacht von den Kindern nicht nur liebevoll beäugelt, sondern auch herz­

haft-griffbereit attackiert und soweit verzehrt wurde, bis der gefüllte Wagen Einhalt gebot.

Nachdem sich die Kleinen Kakao und Gebäck ausge­zeichnet hatten schmecken lassen, standen sie vor der Tatsache, daß auf ihrem Teller noch recht ansehn, liehe Vorräte der Vertilgung harrten. Aber auch für die Lösung dieser Frage hatte die Leitung der Weih­nachtsfeier in vorsorglicher Weise Rat geschaffen: unter jedem Kuchenteller lag nämlich eine große weiße Tüte, deren Sinn und Zweck die kleine Gästeschar alsbald erfaßt hatte und in die sie alles das, was nicht auf dem Kakao- und Kuchenschlacht- feld vertilgt wurde, fein säuberlich hineinpackte, um es mit heim zur Mutter zu nehmen.

Allenthalben sah man freudeblihende Kinder­augen, eifrig schnabulierende Buben und Wäd- chen, die mit ganzem Herzen bei der schönen ,

Sache waren.

Aber die Freude wurde noch erhöht, als ein eis­grauer Weihnachtsmann bei der kleinen Fest­gesellschaft erschien und die Grüße vom Christkind­lein mit allerlei angenehmen Sächelchen überbrachte Wie aufmerksam lauschte die kleine Schar diesem Weihnachtsmann, der seine Ausgabe (trotz unmit­telbar bevorstehender Weihnachtsurlaubsfahrt) in liebevollster Weise erfüllte! Auf sein Geheiß wurden schöne alte Weihnachtslieder gesungen, und be­herzte Buben und Mädels sagten reizende Weih- nachtsgedichtchen und Sprüchlein auf. Zwischen dem Weihnachtsmann und der kleinen Gesellschaft war im Nu ein herzinniger Ton vorhanden, der die Kinder zu froher Begeisterung brachte. Dazu trug nicht wenig die Tatsache bei,

daß jedes Kind neben reichlicher Bewirtung mit Liakao und Kuchen von dem Gastgeber, dem Ba­taillon, auch noch eine Cervelatwurst für den elterlichen haushalt und für sich selbst eine Theaterkarte zum Besuche der Weihnachts­märchen-Aufführung im Stadttheater erhielt.

Als der Weihnachtsmann diese Gaben herausbrachte, war die Freude noch größer als bisher schon, und die herzliche Dankbarkeit äußerte sich m zunehmender Fröhlichkeit der Stimmung. Dazu trug das flotte Musizieren der Kapelle nicht wenig bei, ebenso der traute Klang der Weihnachtslieder.

Der Adjutant, Oberleutnant Breithaupt,

Gestern nachmittag war die Neue Kaserne, in der sonst der strenge militärische Dienst das Leit­motiv aller Tage ist, die Stätte einer stimmungs­vollen Feierstunde, in deren Mittelpunkt die Heran­wachsende Generation stand: in den Räumen des Unteroffizierkasinos wurde eine Weihnachts­feier begangen, die unser Gießener Bataillon den Kindern hilfsbedürftiger Volksgenossen bereitete.

Das Unteroffizierkasino war in trauter, weih­nachtlicher Weise geschmückt. Auf den weißgedeckten Tischen standen die Gedecke für 10 7 Kinder in schöner Weise hergerichtet. Neben jeder Tasse für den Kakao stand ein mit Weihnachtsgebäck reichlich ausgestatteter Teller, auf dem auch der deutsche Weihnachtsapfel nidjt fehlte. Inmitten des großen

Die Ansprache des Adjutanten fand in dreimaligen Sieg-Heil-Rufen auf unser deutsches Vaterland, den Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hin­denburg und den Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler ihren Ausklang.

In fröhlichster Stimmung und dankerfüllten Her­zens zogen die Kleinen nach gut einftündiger Feier mit ihren Weihnachtspaketchen davon, um zu Haufe Zeugnis dafür abzulegen, daß ihnen der Weih­nachtsmann in der Kaserne eine schöne Feier be­reitet hatte, die ihnen die Stunde bei den Soldaten in dankbarer Erinnerung erhalten wird. Aber auch den Erwachsenen und insbesondere den Angehörigen unseres Bataillons wird diese Feierstunde ein wert­voller Gewinn sein, denn sie konnten bei dieser Gelegenheit erkennen, daß unserer Wehrmacht er­freulicherweise jetzt wieder die herzliche Zuneigung der jungen Generation sicher ist. Dem Batail­lon gebührt für die Veranstaltung dieser Feier besonderer Dank und volle Anerkennung derer, denen der Wiederaufbau unseres Volkes auch auf diesem Wege Herzenssache ist.

Hessische Heimatkunft imDeutschen Heimatwerk- in Berlin.

Das Staatspresseamt teilt mit: Auf der ersten Ausstellung desDeutschen Heimatwerkes" in Ber­lin kommt die hessische Volkskunst in reichem Mage zur Geltung. Nirgends im ganzen deutschen Gebiet ist soviel bezeichnendes, bodenständiges Handwerk vorhanden, wie in Hessen. Die hessische Volkskunst zeigt sich vor allem in der Töpferei, der Leinen­weberei und in der Elfenbeinschnitzerei. Die Krüge, Schüsseln und Näpfe der hessischen Bauerntopfereien weisen ungeahnten Reichtum an Formen und Far- b"n auf, da jeder Töpfer fest an den Ueberlieferun- gen seiner Werkstatt festhält. Bis in die fernste Vor- zeit zurllckreichende Muster zeigt die oberhes- sische Leinenweberei. Aus dem Drechsler- Handwerk ist vor hundert Jahren im Odenwald die Elfenbeinschnitzerei hervorgegangen, die jetzt von Erbach aus die ganze Welt mit der Elfenbemkette und der Elfenbeinrose versorgt. Die Leitung der Erbacher Elfenbeinfachschule versucht neuerdings in ihrer Aufbauarbeit mit großem Erfolg dem reinen Volkstum wieder Geltung zu verschaffen. Damit wird der Erbacher Schnitzer auch wieder seine Be- deutung als Gestalter unseres eigenen Volkstums gewinnen. Erlesene Erzeugnisse all dieser heimischen Handwerkskunst weist die Ausstellung desDeut­schen Heimatwerkes" auf. Sie tragt so em gutes Stück mit dazu bei, daß deutsches Handwerk und heimische Volkskunst wieder eine Angelegenheit des ganzen Volkes werde, und zeigt gleichzeitig, roie stolz wir auf unsere engere Heimat sein können.

Hitler schasst Arbeit!

weitere bewilligte Wahnahmen im Arbeits­beschaffungsprogramm :

Tagewerke

auf der

Maßnahme: Baustelle:

wiefendränage Gemeinde Schweig­hausen 1000

Dränage Gemeinde Holzappel 900

Acker- und Wiesendränage Gemeinde

Gutenacker 2600

Ausführung einer Acker- und Wiesen­dränage Gemeinde Vremberg 1000

Ausführung einer Acker- und Wiesen­dränage Gemeinde Marienberg 1760

Ausbau von Vorflutern und Entwässe­rung von wiesen Gemeinde Holz- Hausen 12ö0

Planetenkugeln der farbigen Glasbälle schweben. Da ist die blaue Venus, die von einem magischen Lamettabande umschlungen wird, lieber ihr hängt der Mars tiefrot von beschworenem Blut, und glüht aus einem feinen Gewölk von Rauch aus Tannennadeln, die leise in einer langgedrehten Flamme knistern. Der grüne Neptun schwimmt fern durch das Gebüsche! der Zweige und steigt herauf zwischen dem dritten und vierten Kreise der Aeste. Silberne Monde ziehen ihre geheimnisvollen Bahnen.

Es steigen höchst seltsame Tiere durch das Geäst. Das Eichhorn klimmt mit funkelndem Horn zum gelben Jupiter hoch, und durch den leeren Saturn­ring springt ein meerblaues Pferd mit flatternder Mähne, während vor einem Zauberstab aus be­maltem Holz die Otter den platten Kopf mit sieden­dem Gift bereit hält, hier und dort hängen die uralten großen Zauberzeichen: Stäbchen, Dreiecke und Kringel.

Alle Geschöpfe und Kräfte der Welt haben sich in der Tanne zusammengefunden und bewegen sich zwi­schen Spitze und Wurzeln aus und nieder. Ein gro­ßes und geheimes Gesetz herrscht in dem Baum des Lebens. Der Gott erscheint sreundlich unter seinen Kindern und steigt auf den runden Treppen des Ge­ästes hoch. Er hat einen langen weißen Bart, einen dicken Pelz, und in einem gewaltigen Sack tragt er die verborgensten Mächte bei sich. Jedes Kind kann ihn verstehen und begreift, wer er ist, der Bärtige, der so uralt ist wie die Sterne und die Quellen unten an den Wurzeln des Baumes

Die Glaskugeln klingen leise. Die Nadeln fangen in der Kerzenhitze an zu springen und offnen ihre aromatischen Zellen, aus denen die schweren und satten Gerüche des Oels hervorspruhen. Es düstet aus dem grünen Bezirk der Welt; es bricht überall hervor von Gewölk, Glanz und Gestalt. Der runde tragende Stamm des Baumes öffnet sich und das gelbe harz quillt herbor.

Die Gerüche des verglühten Wachses vermischen sich mit den Düften her Kuchen aus Honig und Mehl, mit den Geistern des Harzes und der Nadeln. Die Luft füllt sich und wird reif und vollkommen.

Der Mann in der Ecke bläst den Rauch des Ta- baks in den Raum, durch den die unsichtbaren Ge- walten großer Mächte ziehen. Er blickt in die Welt des Baumes und nickt. Es kreist von Säften, die von hüben und drüben fließen. Es ist ein sonder­bares und glückliches Kommen und Gehen in dieser würzigen Luft, in die alle Kräfte einen Tropfen ihres Wesens vergossen haben. In jedem dieser

Oer Mann und der Baum.

Don Franz Schauwecker (GOS.).

Es ist in dieser Geschichte, welche nur bedingt eine Geschichte ist, ziemlich gleichgültig, wie der beißt, der sie erlebt hat. Das Wichtige ist, daß er ein Deutscher ist.

Da er ein Deutscher ist, so geht es ihm nicht bemerkenswert gut in dieser Zeit. Er schlägt sich mit Verantwortung und ohne Gewinn hindurch durch das wuchernde Gestrüpp, schleppt einen klei­nen Weihnachtsbaum drei Treppen hoch in sein Iunggesellenzimmer und feiert da oben allein das große Fest des Baumes.

Es ist niemand da. Er ist ganz allein mit dem Baum. _

Eine weiche Stimmung überkommt ihn plötzlich. Er fühlt mit einem Male, daß dies ein Fest des Kindes und der Familie ist. Er denkt an zu Hause. Er sieht sich als Kind fast hilflos vor dem brennen­den Weibnachtsbaum stehen. Der Duft der Kerzen, der Nadeln, der Pfefferkuchen, der Anblick der Ge­schenke, vor allem einer großen Burg und eines lang ersehnten Märchenbuches macht verwirrt. Das alte Weihnachtslied, das die Mutter auf dem Kla- vier spielt, läßt ihn die Worte vergessen, daß er nicht mitsingen kann, dis er sich allmählich hinein, findet ... gnadenbringende Weihnachtszeit..." hilft der Vater ein, und da weiß er Bescheid. Der Weihnachtsmann aus Tragant, der vor Alter ganz fahl geworden ist, h-ngt regungslos unten im Baum. Schon die Großmutter hat ihn von ihrer Mutter geerbt; es ist ein altes Familienstück, eine geheiligte Weihnachtstradition in der Familie. Wie viel Weihnachten hat der merkwürdige Weihnachts- mann schon erlebt!

Jedes Jahr kommt em neuer Baum. Immer »ft es eine andre Tanne, und immer ist es dieselbe Tanne Der gleiche Duft zieht durch das Zimmer, das immer warm ist von dem gleichen lebendigen Licht der zitternden Flammen mit ihren runden Höfen aus Licht. . . . t

Er putzt den Baum eigenhändig aus und setzt zum Schluß den Silberstern oben auf die Spitze^ Als es dunkel wird, zündet er die Kerzen an und setzt sich in eine Ecke, von der aus er die schim- mernbe Tanne betrachtet.

Der Baum.steigt in grünen Pyramidenstufen aus einem breiten Horizont in immer kleineren Ringen empor. Jeder der dichten Nadelkreise tragt flim­mernde Flammensterne, zwischen denen die blanken

Tropfen ist das ganze Meer enthalten, und nun strömt es seine starken Beschwörungen aus, einen im Kleinen ungeheuren Zauber, welcher heute in tausend Zimmern ersteht.

Er feiert im dritten Stock das Tannenbaumfest der Deutschen, und er fühlt, daß es eine geweihte Nacht ist.

Als er die letzte Tabakswolke in die Luft geblasen hat, steht er auf und öffnet bas Fenster. Die Straße liegt verlassen da. Es friert. Alle Geräusche sind fern, aber klar. Aus einigen Fenstern funkeln die Lichterbäume.

lieber den Dächern glänzen die Sterne. Die gro­ßen Mächte kreisen da oben durch die unendlichen Räume.

Er wendet sich in fein Zimmer zurück, und die Kälte hängt kristallen in den Falten seines Rockes. Langsam gießt er den Punsch in den alten Familien­becher, und indem er sich aus dem Fenster weit in die Sternennacht hinausbeugt, trinkt er in langen tiefen Zügen den glühendheißen Trank aus.

Berühmte Zwerge.

Zwerge sind in jedem Variöt^-Prograrnrn eine gern gesehene Abwechselung. Die Anteilnahme des großen Publikums an allem Ungewöhnlichen erstreckt sich ja besonders auf diese winzigen Wesen. Früher waren die Zwerge nicht auf den Vari6t6-Beruf an­gewiesen, sondern sie lebten an den Höfen der Kai­ser und Könige, meist von der besonderen Herrscher­gunst umstrahlt. Schon die Pharaonen hatten ihre Hofzwerge und ebenso die römischen Cäsaren. Der erste berühmte Zwerg der Weltgeschichte war Lu­cius, der Hofzwerg des Kaisers Augustus. Er wog nur 17 Pfund, hatte aber eine tiefe und laute Stimme, die zu feiner Zierlichkeit einen komischen Gegensatz bildete. Die Nichte des Augustus, Julia, hatte in ihrem Gefolge ein Zwergenpaar, Conopas und Andromache, Mann und Frau, die etwas über 60 Zentimeter groß waren. Berühmt geworden find vor allem die Zwerge des spanischen Königs Philipp IV., die sein Hofmaler Velasquez in ihren grotesken Kleidungen und Stellungen gemalt und dem ihre Mißgestalt Stoff zu den unvergäng­lichsten Kunstwerken geboten hat. Es gab Zeiten, in denen man nicht die zierlichen und graziösen Zwerge sondern gerade die verunstalteten Gnomen liebte, wie z. B. im Barock, wo ein wahrer Kult mit Mißge- bürten getrieben wurde und die Hofzwerge der Für­sten und großen Damen gar nicht häßlich genug fein konnten. Einen besonderen Ruf hatte in jener Zeit

der englische Zwerg Geckar, der einen gewaltigen bis zu seinen Füßen reichenden Bart aufwies. Die­serBart-Zwerg" ist von dem Gelehrten Platerus in einem eigenen Werk geschildert worden. Das Rokoko liebte mehr jene niedlichen und zierlichen Figürchen, die sich wie lebendes Meißener Porzel­lan darstellten. Von diesen menschlichen Puppen, die an den Höfen des 18. Jahrhunderts gefeiert und verhätschelt wurden, werden die wunderlichsten Dinge erzählt. So soll z. B. der berühmte Hofzwerg des Königs Stanislaus Leszynfky, Nikolaus Kley, so klein gewesen sein, daß er auf einem Teller zur Taufe in die Kirche getragen wurde, und als er drei Jahre alt war, maßen feine Schuhe nicht mehr als 3/2 Zentimeter. Ein beliebtes Spiel des Rokoko war es, aus Atrappen solche Zwerge plötzlich und unvermittelt heraussteigen zu lassen. Als der einzige Engländer, der jemals in Englandauf einer Tafel serviert wurde", wird der Zwerg Jeffery Hudson gepriesen, den der Herzog von Buckingham feiner Gemahlin zum Geschenk machte. Er setzte ihr bei einem Festmahl eine ziemlich große Wildpastete vor, als Karl I. bei ihm zu Tische war. Während man die Pastete der Herzogin anbot, wurde plötzlich die Kruste von innen ausgeschnitten, und heraus sprang der kleine Jeffery bis an die Zähne bewaffnet, mit seinem Schwert mächtig um sich schlagend.

Zeitschriften.

Das Dezember- und Weihnachtsheft der Deutschen Zeitschrift" (Callwey, München), bringt eine Reihe wertvoller Aufsätze aus verschiede­nen Kunst- und Kulturgebieten und ist diesmal be­sonders reich an dichterischen Gaben. Isolde K u r z ist zu ihrem 80. Geburtstage eine Betrachtung ihres Lebenswerkes von Fritz Endres gewidmet. Eine Er­zählung der Dichterin begleitet den Aufsatz. Von Ernst Wiechert wird eine ernst besinnliche Erzählung Der Todeskandidat" beigesteuert, und der kürzlich verstorbene Josef hvfmiller ist mit einer heiteren BauerngeschichteDer Peterl" vertreten. Ulrich Christoffel bringt einen fesselnden Aufsatz über den Dom zu Bamberg. Beachtung verdient auch Der Bei­trag Josef Dünningers überDie Christianisierung der Germanen", in dem nicht von Der äußeren Aus­breitung des Christentums auf germanischem Boden die Rede ist, sondern einzig und allein von dem in­neren Vorgang, der sich im germanischen Menschen vollzog, als er den Weg zum Christentum beschritt. Literatur-, Film- und Schallplattenberichte beschlie­ßen Daß reichhaltige heft.