Ausgabe 
23.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1

Der Weg zum gesunden Bauerntum

Li» mittclbäucrlichcBclriebtzform nimmt,u

-1®'r'l,n- 22- D-» Sn einer amlii^en

Derosfentlichung des Reichsnährstandes weist Her­mann Rasch darauf hin. daß nach den Eraebn'ssen der Volks- und Berufszählung am 16. Juni 1933 bie Reichsregierung sich mit ihrer Bauernpolitik aus ö*m r*£?.lf9<n Wege befindet. Die Regierung will möglichst nur m i t t e l b ä u e r l t ch e Höfe -wischen 5 und 125 Hektar bttom. ff« hat Pdj nun gezeigt, daß die Höfe bei dem Krankheits- Prozeß, den die Landwirtschaft In den letzten Iah- ren durchmachen mußte, die einzigen sind, die t h r - B e t r i e b s z a h l erhalten konnten, die darüber hinaus sogar eine Zunahmezu verzeich- nen haben. Wir hoben in Deutschland im oanzen etwa, über 3 Millionen land, und forstwirtlcha't- Iiche Betriebe Davon entfall-n rund 1.3t TliHio- ntn auf Betri-be mit einer ^läd)" bis 20 Hktar

""d ungefähr 46 v H. Gegenüber 1925 haben OU|e mittelbauerlichen Höse um r unb 60000 tu» wäbrend die Großbetriebe einen 8? » Rückgang auswcisen. Diese Bewegung greift m R-'msregierung auf. indem sie die Zahl der Großbetriebe bewußt vermindert. Erst durch mc WU,,JÜ?,UZP- in H,ine Bauernstellen hl! ÜunL2.? Ä 11 «r, Io schreibt Ra'ch, ro-rbcn Dir Möglichkeiten zur Grunbung eines starken bo­denverwurzelten Bauerntum» gegeben.

Das Handwerk fördert die vr vaie Sauwirtschaft

d k ! i n . 21. De». (TU ) Um eine Belebung ber prioaten Bauwirtschast herbeizuführen. ist unter Führung de, Reichsstandes des Deutschen Hand- werk» eine Treuhanbgesellschaft unter dem Warnen Irtubau -AD. für Baufinanzier un- gen Im Deutschen Reich- mit dem 61h in B rlm In, Leben gerufen worden Träger dieser Gesellschaft sind ber Reichsstand de» Deutschen Handwerks, die Baufachoerbande de» Handwerk» der Bund Deutscher Architekten, die berufsständischen Versicherungsanstalten be» Handwerk, und die Reichsoerbänd? ber Jnnungskrankenkasien. Das AK beträgt 500 000 Mark unb kommt lediglich al, Garantiekapital gegenüber den Geldgebern in Frage. Zur Erreichung ihre» Zweckes vermittelt bie Gesellschaft insbesondere 'Baubarleben unb Hypotheken unter gleichzeitiger Kontrolle ber sachgemäßen Verwendung dieser Mit- t e I al, Vertrauensorgan für Geldgeber. Bauherren und Bauhandwerker. Eine B'tätlgung al» Bau­unternehmer ist der ..Treubau- nicht gestattet

Vie beruf, st ändischen Versicherung,- a n st a l t e n , Jnnungskrankenkasien und andere so­ziale Einrichtungen de, Handwerk, haben sich ve- reiterklärt, wesentliche Mittel Ihrer gesetzlichen R- feroen unter Bürgschaft ber IreubonbiefeaMia'i i. erste Hgpotheken zur Verfügung zu stellen, um k mit aktiv In bie Belebung ber Bau wirtschaft und

wieber neu unb gewinnen über uns zauberische Gewalt Wir wissen heute: es ist wirklich § o n n e n- wende, unser Geschick hat wirklich eine Wendung nach der Lichtseite hin genommen. Eine neue »Weltzelt beginnt. Noch umhegt uns Dunkel

icht. Doch der Holzstog ist geschichtet. Unb wie sich bie Flamme einfrißt in bie Finsternis, so wirb deutscher Wille bie schwarzen schatten ver­zehren Ringsum in schweigen Der Wölb, dunkler Bruch, Moos. Wurzelgeäder .. Es raunt in den Fichten. Geheimes Leben webt Wir wissen: nie wirb bie beutsche Seele sterben. Hoch stehen bie Sterne. Wir heben den Blick. Gesetz des Schicksal» waltet Sturm braust. Geister Durchziehen bie Luft. Wir grüßen die Ahnen, eie werden mit uns fein. Licht flammt, aufsteigt der junge Tag Unsere Stirne leuchtet ihm entgegen Trotzig unb hell, so schreiten wir in bie Zukunft hinein. Es lacht uns das heldische Leben .. W>r wollen deutsche Weihnachten feiern ..

Wir sind Deutschland verhaftet Aber wir wissen: e, ist nicht allein in ber Welt. Deutschland ruht als Kind im Schoße der Menschheit und der tragenden Natur. Es ist für uns das Herzstück der Schöpfung, und aus feinem Boden wachst uns Kraft zu. Wir könnten nirgendwo anders leben. Aber neben Deutschland stehen andere Völker: Po­len unb Russen, Chinesen und Neger. Sie sinb nicht von unserer Art. Aber auch sie werben dauern. Deutschland ist für uns Vater- und Mutterland, heiliges Land. Aber die Schöpf un g I st grö­ßer. Es gab Menschen in eisgrauer Vorzeit, unb ei wird Geschlechter geben In nebelferner Zukunft. Vielleicht ist diese ganze Erde nur ein Staubkorn in einem beseelten All. Auch über unserem Volke steht ein h stieres Gesetz, ein schicksalhaftes Walten, ein göttlicher Plan. Und es fragt sich, ob mir die Sinn- Verwirklichung unseres nationalen Seins, die mir in diesem Jahre begehen, für uns allein haben roo,ren ober ob mir sie in Zufammenklang bringen wollen mit dem machtvollen Geschehen in der Welt Gottes, ob mir uns mit ber neuen Ordnung der Nation auf un» selbst gründen oder uns einfügen mollen In die ewige Ordnung des Schöpfers, ob mir her­risch ein eigenes Schicksal fordern ober uns mit un­serem Volke hineinstellen in den göttlichen Dienst. Grenzen wir uns ab im eigenen Raum, dann sind wir in Gefahr, bloßer Teil zu werden, zu erstarren und nicht mitzuschmlngen unb mitzufluten Im Gan- zen. Wo aber fassen mir bleses Ganze? Wo ist ber Sinn, ber alles trögt, formt unb feinem Ziele ent- gegentreibt? Für bie Christenheit bricht er hinburch in Christus, bem fleischgeworbenen Wort, in hem dos Göttliche auf Erden Gestalt gewinnt, von besten Fülle die Völker leben. Unb bas Wort ward Fleisch.

So geht die Enticheidung heute barum: können wir bie beutsche Vvlkwerbung in Verbindung brin­gen mit ber Fleischwerdung des ewigen Wortes? Können wir bie Weltstunbe, bie uns in biefem Jahre schlug, zusammenkling en lassen mit jenem Wort: als bie Zeit erfüllet mar? ... Mischt sich uns In da» Leuchten bes Flammenstoßes ein Schim­mer bes Sterns von Bethlehem? Es ist kein Zrnei- fei: über ein Jahrtausend lang haben unfere Väter bie Verschmelzung von Deutschtum unb Christentum vollzogen bie mit bem Verstände Dir*?itf)t über­haupt nicht zu durchdringen ist, bie mir aber als geschichtliche Tatsache einfach feststellen müssen. Deutscher Geist nahm bas göttliche Wort willig in ouf. beutsche» Seelentum vermählte sich mit ben Straften bes Evangeliums. Unb aus biefem Bunbe erblühte ein Leben von unsagbarer Zartheit unb Innigkeit. Davon zeugt unser beutsches Weihnachten. Und Jahr um Jahr, wenn es wi-herkehrt. soll-en wir: mir können uns von biefem Erbe n-cht lören. Wir können den Zwieklang nicht brechen. In h-efem b-utschen Schickfalsjahr weniger als je. Unb mit vf-roalt bränqt sich auf untere Lippe bas Wort: Ehre fei Gott in ber Höhe ...

Simons Besuch in Paris.

Krankreich scheut eine Duette Verständigung mit Deutschland und beharrt auf internationalen Berhand ungen. Gegen eine grundsähnche Reform des Völkerbundes

Paris. 22. De,}. (IU.) Außenminister Simon erschien in Begleitung des britischen Botschafters Lord Tyrrell und des ersten Sekretärs der Bot- schäft am Freitagvormittag im Quai d'Orsay zum Empfang bei Paul-Boncour. Die Diplo­mat! fchen Besprechungen wurden sofort aufgenom- men. Später erschien auch Ministerpräsident Chau- t e m p » , ber Generalsekretär des Quai d'Orsay. Alexis finger unb der Direktor der politischen Abteilung M a f f i g l1. Mittags wurden die Unter­handlungen durch ein Frühstück unterbro- chen. an dem außer 'Paul - Boncour auch der Innenminister Sarraut, der Luftfahrtmini, fier Pierre C o t unb ber Generalsekretär bes Väl- I ferbunbes, AvenoI. teilnahmen Kriegsminister D a I a b i e r war nicht erschienen. Die Besprechun­gen würben nach bem Frühstück wieder ausgenom­men. Uebcr den Meinungsaustausch wurde folgen­des offizielle dommuniqut veröffentlicht:

Sir John Simon, der nach Capri reist, um dort die weihnachlstage zu verbringen, hat feinen Aufenthalt in Paris dazu benutzt, dem Ministerpräsidenten und bem 21 ufjen- Minister einen Besuch abzu st allen, mit denen er in Gesellschaft verschiedener Mit­glieder de, französischen Kabinett» gefrühstückt hat. Die englischen und französischen Minister haben einen eingehenden freund­schaftlichen Meinungsaustausch über die aktuellen internationalen Aragen ge­pflogen. Sie haben insbesondere die Bet- ständigunsaussichten im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Arbeiten derAbrüstungskonseren; geprüft und anerkannt, daß es von Wichtigkeit wäre, b i e Autorilätbesvolkerbundesintakt zu halten."

In einem Bericht ber Agentur Havas wirb erklärt, bah erst nach ber Rückkehr Sir John Simons nach Lonbon die englische Regieruna ihre Stellungnahme gegenüber der verschiedenen schwe­benden internationalen Probleme, namentlich hin­sichtlich der Frage einer deutschen Aufrüstung, fest- legen könne. Man habe also nicht damit rechnen können, daß gestern wirkliche Entscheidungen ge­troffen wurden: immerhin habe die Aussprache eine vertiefte Prüfung des politischen Materials erlaubt. Die Aussprache habe in einer herzlichen Atmosvhäre stattgefunden, unb es sei ein offenkundiges 23 e rständnis Englands für d i e fran­zösischen Einsichten festzustellen. Hervor­zuheben sei eine Uebereinftimmung der englischen und französischen Ansichten hinsicht­lich de» Völkerbundes. Die englische Regie- runa stehe dankenswerterweise auf dem Stand- Suntt, daß die ins Auge gefaßten Reformen nicht ie Grundlagen der Genfer Jnstitu- tion ändern dürften. Dieser Gedanke der Wah­rung des Völkerbundes sei das Rüstzeug der fran­zösischen Außenpolitik.

Um zu vermeiden, daß das völkerbundsstatut und der Sellogg-Pakl geschwächt würden, habe Paul-Boncour, übrigens stark gestützt durch die Beratung des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, erklärt, daß die deutsche Anre­gung eines aus zehn Jahre be­schränkten 7! i ch t a n g r i f f s p a k t s für ihn nicht tragbar sei. Paul-Boncour habe seine Opposition gegen eine Aufrü- ftung Deutschland» kundgetan. Die Ziele ber Abrüstungskonferenz seien durch den Ver­sailler Vertrag selbst festgelegt worden: sie habe die Herabsetzung und Beschrän­kung der Weltrüstungen ;um Gegen- stand. Cs könne also nicht davon die Rede sein, zu einer erlaubten Erhöhung ber militäri­schen Streitkräfte einer abgerüsteten Ration ju gelangen. Ebenso werde es nicht möglich sein, diese» Problem innerhalb eines beschränkten Ausschußes zu regeln außerhalb des qualifizier- len internationalen Organismus. Die Abrü­stungskonferenz fei im Grunde genom­men nureinerweiterterDölkerbunds- au » schuß. Diese Achtung des Vorrechts der Genfer Institution leite auch die französische Re­gierung In der S a a r f r a g c. Frankreich stehe auf dem Standpunkt, daß bas Saargebiet ein internationales Gebiet sei unb ber * Verwaltung des Völkerbundes unterstehe und bah es mithin nicht vonFrankreichund Deutschtanb abhänge, über dieses Ge­biet zu verfügen. Rach Ansicht der französischen Regierung müße jede internationale Regelung In Genf herbeigeführt werben. Diese Stellung Jel In sich geschloßen unb logisch. E» scheine, daß Sir John Simon stark daburch beeinbruckt wor­ben sei.

Da» englische Reuterbüro meldet über die Panier Besprechungen, dasgreifbare Ergebnis" [ei gewesen, daß Großbritannien und Frankreich über bie Notwendigkeit des Bestandes des Völker­bundes einer Meinung feien. Simon habe sich mit

der französischen Politik in folgenden zwei Punkten einoer standen erklärt:

1. Die wesentlichen Grundsätze des Völker­bundes mußten aufrechterhalten werden:

2. ber Völkerbund fei das E n d z i e I. zu dem die jetziaen diplomatischen Verhandlungen hinführen müßten.

In der Darstellung des Reuterkorrespondenten heißt es weiter, bedeutsam fei ber Widerstand gegen den italienische Gedanken einer öurajgrcifeno.n Reform des Völkerbundes und die Anerkennung der Tatsache", daß zwischen Frankreich und

Deutschland in direkten Verhandlun­gen nidjts enbgültig geregelt werben tonne, da das Abrüstungsproblem unb die Saar« frage Angelegenheiten seien, bie die Mitglieder des Völkerbundes inihrerGefamtheit angingen. Ehautemps und Paul-Boncour hätten dem briti'chen Minister auseinanbergefeßt, daß nach ihrer Ansicht unter keinen Umstanden eine Aufrüstung ober eine Abrüstung ohneentsprechenbe S I cherheiten erfolgen bürfe. Sir John Simon habe sich im wesentlichen auf bie Rolle de. Zu- Hörer» beschränkt.

paul=5oncour kehrt zum Senser Verfahren zurück.

Oie Par fer Presse kündigt Ablehnung direkter Verhandlungen an.

Wie weit hat Simon sich sestgeieg«?

Berlin, 23. Dez. (CNB. Funkspruch.) Die gestrige Aussprache zwischen dem englischen Außen- minister und ben franzö,ischen Äabinettsmitgliebern hat für bie Entwickelung ber Abrüstungsfrage zwei­fellos eine ähnlich: Bedeutung gehabt wie die Zu­sammenkunft, die vor drei Monaten am gleichen Ort zwischen Sit John Simon und den Mitgliedern des damaligen Kabinetts Daladier stattgefunden hat. In beiden Fällen hatte Simon die Absicht, die französische Regierung für eine maßvolle und alle Einigungsmöglichkeiten o f äen haltende Politik zu gewinnen. Es stellte ich aber im Laufe des Septembers unb Oktobers icraus, baß er im Gegenteil für ben fran­zösischen (Bebanfen einer achtjährigen Probezeit gewonnen worben war.

lieber Das gestrige Ergebnis kann im Augenblick nur mit Sicherheit gesagt werben, baß bie Haltung, die Frankreich jetzt in der Abrüstungsfrage ein­nimmt, durch den englischen Außenminister i n keinem wesentlichen Punkte beein­flußt worben ist. Die Rücksicht auf bie angekün­digten Besuche Simons in Rom und Berlin ver­bietet es ben Teilnehmern ber gestrigen Aussprache, in ber Oeffentlichkeit von festen Vereinbarungen zu sprechen. Immerhin bebeutet bie Betonung ber Autorität bes Dölkerdunbes in bem offiziellen Kommunique mehr als eine Verfahrensfrage. Sie bebeutet auch nach Meinung ber englischen unb französischen Blätter eine Anerkennung ber französischen Haltung, wonach nur in Genf unter Beteiligung aller Bunbesmitgliebcr, b. h. unter maßgeblicher Mitwirkung ber Berbünbeten Frankreichs, Beschlüsse über bie Abrüstung gefaßt werben können. *

Paul-Boncour scheint bie Zustimmung Englanbszu biefer Politik baburch herbeigeführt zu haben, baß er wieber einmal mit einem selb- ftänbigen Vorgehen innerhalb des Völkerbundes drohte, wodurch England vor die Notwendigkeit einer Option zwischen Deutschland und Frankreich gestellt wor­ben wäre. Es bleibt abzuwarten, wie sich bie a n beren englischen Äabinettsmltglie» ber, bie in letzter Zeit eine sehrselbstänbige Linie in ber Abrüstungsfrage verfolgt haben, bie offenbar von Simon gemachten Zugestänbnisse an Frankreich aufnehmen werben.

Pariser Presseecho.

Paris, 23. Dez. (WTB -Funkspruch.)Motin- behauptet, es habe ben Anschein, bah 6ir ^oon Simon die Stellungnahme Frankreichs vollkom­men oerftanben habe. Er habe feinem Ber- hanölungspartner in sehr beruhigender Art geantwortet.Journal" zeigt eine ge­rade Skepsis und schreibt u. a.: Die Engländer hätten direkte Verhandlungen empfoh» I e n. Paul-Boncours Hauptarbeit dürfte mbeffen gewesen fein, den Engländern klar zu machen, wie bedenklich Deutschlands Haltung in der Abrüstung»- frage fei.Petit Parisien" glaube von einer sehr bedeutsamen Annäherung der französischen und englischen Auffassung sprechen zu können. In dem Kommunique würde kaum so klar auf eine Rückkehr nach Genf angefpielt werden, wenn ber englische Außenminister jetzt die Beibehaltung der militärähnlichen deutschen Verbcknde, eine mangel» ijafte Kontrolle und einen Nichtangriffspakt, der die englisch-italienische Garantie von Locarno sowie die entmihtarifierte Zone beseitigen würde, als für Frankreich annehmbares Sicherheitselement anfehen würde.

ImEcho de Paris" stellt Pertina^ fest, die fran­zösische Regierung fei jetzt allem Anschein nach ent­schlossen, die Angebote ab zulehnen, bie Hitler dem französischen Botschafter gemacht habe. Chautemps und Paul-Boncour seien wieder zum Genfer Verfahren zurückgekehrt. Sir John Simon habe gegenüber diesen franzö­sischen Hauptideen keine ganze deutliche 21uffaiftmg entwickelt. Es fei überhaupt unmöglich, bie eng­lische Politik zu befinieren. Sie bestehe nur In einem schmiegsamen Opportunismus". Sir John Simon empfehle Frankreich direkte Verhand­lungen mit Deutschland und erkläre, daß eine Rege­lung, gleichviel wie teuer oder wie günstig sie zustande komme, besser fei al» ber Bruch. Wenn Frankreich nach Genf zurückgehe, würde Sir John Simon ihm folgen, schon weil er verhindern möchte, daß Frankreich dort irgendwelche Fenster, scheiben einschlägt. Da» englische Kabinett könne es sich nicht leisten, bie Genfer Jbeale all zu offen preiszugeben. Denn immerhin seien biese Ideale noch stark genug, um eines Tages bei Wahlkämpfen ber englischen Regierung einen bösen Streich zu spielen.

Die Wahrheit über das Eaargebiet.

Eine Denkschrift der Deulschen Front an «en Völkerbund tlagt die Regierung«- kommission dauernder schwerer Uebergriffe und «inseitiger Beeinflussung an.

Saarbrücken, 22. Dez. <WIB.> Die 19 Ab. georbneten, bie im Canbesrat in ber Deutschen Front zusammengeschlossen sinb, haben an den Bölferbunosrat eine Denkschrift gerichtet, die ein eindrucksvolles Bild von den gegenwärtigen Ver­hältnissen im deutschen Saargebiet entrollt. Die Denkschrift betont, daß die Regierungskommission versuche, durch unmittelbare Eingriffe den Gang der Ereignisse zu beeinflussen, indem sie gegen die Beoölterungstetle, die sich zur Reichs­regierung bekennen, SteUung nehme und den geg­nerischen Teil begünstige. Die ständige Aufreizung und Herausforderung des überwieaenoen Teiles der Saarbevölkerung durch die marristifche Presse scheine die Regierungskommission geflissentlich zu übersehen. Der Präsident verbiete ausnahmslos jede national­sozialistische Kundgebung. Dem weitaus größten Teil der Saarbeoölferung mache er auf diese Weise jede politische Meinungsäußerung unmög- I i ch, während sich die Sozialdemokraten ungehin­derter Redefteiheit erfreuten. Seine Urteilsbildung pflege der Präsident in weitem Maße auf Mittei­lung aus sozialdemokratischen und kommunistischen Kreisen zu stützen. Die politische Betätigung deutscher (Emigranten im Saargebiet arte I unter Duldung unb Förderung des Präsidenten zu einem Mißbrauch des Asylrechts aus. Nicht nur dürf­ten sie in der ihnen zugänglichen saarländischen Presse ungehindert Angriffe gegen öle Reichsregierung richten, der Präsident gehe so weit, ihnen Posten in der zu seinem Resiort»

aehorigen Verwaltung mit Aufgaben de» politi­schen U e b e r w a ch u n g » - und Geheim» dienste» zu übertragen. Der Präsident zeige sich auch französischen Einflüssen in einem Maye ge­fügig, das ihn zu schweren Verstoßen gegen ole Pflichten feines Amte» verleitet.

Die Denkschrift geht bann barauf ein, baß aus bem Ressort be» Präsidenten Knor allein in der Zeit vom 8. bi» 28. November nicht weniger als sieben Verordnungen ergangen sind, gegen die In aller Form Einspruch beim Bölferbunbsrat ein­gelegt wird. Es liege auf ber Hanb, baß bei einer solchen Verwaltung»- unb Verordnungstätigkeit ber Regierungskommifsion unb ihre» Präsidenten Spannungen und Beunruhigung in die Bevölkerung hineingetragen werden. Verschärft werde die Lage durch gewisse Aeußerungen de» Präsidenten über die Frage der Hereinrufung militärischer Kräfte in» Saargebiet. E» fet ein unmöglicher Gedanke, eine Bölferbunbsr/gie» rung könne auch nur erwägen, bie Volksabstim­mung unter ben Bajonetten einer in» tereffierten Macht ftattfinben zu lasten. Mit ernster Sorge, so schließt bie Denkschrift, wenden wir uns an ben Völkerbunb, um feine Aufmerksam­keit auf biese Zustänbe unb bie Verwaltunqsmetho- ben bes Präsibenten ber Regierungskommission hin- zulenken, bie weber ben Interessen be» Saargebietes noch bem Ansehen ber BöHerbunbsregierung dienen können.

bie B-kämpsung der Arbeitslosigkeit einzugreifen. Vtr Reichsstand erwartet auch von sämtlichen Honbwerker. Organisationen, daß sie «inen Teil ihrer angesammelten Vermögen der Treubau für mündelsichere Hypotheken auf Neu- bnujen anoertraut. die Treubau garantiert den Zinsendienst. Bei genügender Aufklärung dürfte sehr bald auch Prtvatkapital den Weg zur Treu- bau suchen.

Oie Biubat an Horst Westet noch einmal vor Gericht

l®*rJl(ry S* Dez. (WTB.) Der Prozeß wegen vmterluttgen Ermordung be» naiionalfoualifti- chen Vorkämpfer» Horst Wessel wird in nach. Her Zelt noch einmal vor dem Landgericht Berlin aulgerollt werden. Der 31 Jahre alte Peter Stoll aitf kürzlich in völlig betrunkenem Zustande einen ---reit mit feiner Frau, der stch schließlich ^uch unter großem L-rm auf der Straße fnrtefile. XHl Oiejer Gelegenheit rief Frau Stoll in Zeugen­

gegenwart ihrem Manne zu, er wolle es wohl m i t ihr genau fo machen wie damals mit Had st Wessel. Durch die daraufhin sofort ein­geleiteten Ermittlungen wurde auch ein zweiter Mit» täter, der 26 Jahre alle Sally E p st e i n, oerhas- tet. Stoll und Epstein hatten in der Hauptsache die umgäbe, den fünf kommunistischen Verbrechern, die Horst Desfel in seinem möblierten Zimmer über- siklen. den Fluchtweg freizuhalten. Gegen beide wird die Staatsanwaltschat die Anklage wegen gemeinschaftlichen Totschlages erheben. Gechs Monate Gefängnis für ßirffiefer ^Bochum, 22. Dey (WTB.) Die hiesige Große erra'tammer verurteilte den früheren preußischen Wohsiahrtsminister Hirlsieser dem Antrag de» Staatsanwalts entsprechend wegen einfacher Bestechung zur Höchststrafe von sechs Mo- unten Gefängnis. Ihm wurde für die Dauer JS! drei Jahren die Befähigung abgesprochen, ein ottentllche» Amt zu bekleiden. Luch wurden 900 uRarf aus feiner »estechungssache dem Staate für

verfallen erklärt Der Angeklagte Mock würbe wegen handelsrechtlicher Untreue z u zwei Mo­naten Gefängnis unb 1000 Mark (9 e I b ft r a f e, ber Angeklagte Bergmann we­gen Beihilfe bazu zu einem Monat ® e f ä n g» n i s unb 500 Mark Geldstrafe, ber Angeklagte Decker wegen Beihilfe zu einem Monat Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe verurteilt.

Bolivien beschuldigt Paraguay tes Bruches des Waffenstillstandes. Genf. 22. Dez. (WTB) Der Vertreter Boli­vien» beim Völkerbund hat dem Generalsekretär de» Völkerbundes davon Kenntnis gegeben, daß trotz des abgefchlostenen Waffenstillstände» d i e paraguayanischen Truppen im Gran Chaco weiter oorrückten und damit Para- guay den Waffe n still ft and gebrochen habe. Der bolivianische Vertreter legte beim Völker­bundsrat Protest ein. da die gefloßenen Vereinba­rungen nicht eingehalten worben feien. Baraguap habe, so wird von bolivianischer Seite erklärt, durch