Ausgabe 
23.12.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 301 Erstes Blaff

183. Jahrgang

Samstag, 23. Dezember 1933

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Siebener Anzeiger

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Dr Friedr Wilh. Lange. Berantroortlid) für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil i. B.TH.Kümmel sämtlich in (Bienen

Weihnachisglocken über deutschem Land.

Fest des Lichts.

Don Walter von Molo.

Die Weihnacht ist ein Ruhepunkt im schweren Dasein, das wir nach Geboten, die über uns herr­schen, zu führen haben. Weihnachten zeigt uns den Kern, das Wichtigste unseres Seins, das wir nicht um des Erwerbes willen von Gut und Geld erhiel­ten und erhalten, das stets durchstriffen wird, um sich von der Wiege zum Grabe zu läutern, um die Ruhe des Herzens zu erreichen, die das Kind von Geburt an in sich trägt, die ihm die Härte des Le­benskampfes, der Streit der Meinungen rauben, die wieder erreicht zu haben des Alters höchster Gewinn und Sinn ist.

Weihnachten ist das Fest der Kindlichkeit in uns. Seien wir aufrichtig: wir find und bleiben alle stets Kinder. Erfährt es nicht der Mann, das Wort wird sehr äußerlich oft als tiefer Gegensatz zum kind­lichen Wesen gebraucht, als Gymnasiast, daß er trotz derSie"°Ansprache das gleiche Kind blieb, wie er es vordem war, als er noch von jedermann mit dem schönen WorteDu" angesprochen wurde. Und wie kindlich rein ist derreife" Mann im Zu­stand feiner ersten Liebe? Mit welcher lieber» raschung erkennt der junge Vater sich und sein Fühlen und Denken im eigenen Kinde wieder, dem er sich oft, solange er theoretisch sprach, bevor es !geboren und Mensch geworden war, überlegen ge- ühlt hatte: es ist die gleiche bitter süße Erfahrung, ie er an sich machte, als er als Fertigstudierter in den praktischen Beruf eintrat und entdeckte, daß er doch noch der gleiche ewig Unfertige sei, der stets gezwungen ist, das Lernen tmmmer wieder neu zu beginnen; dieses Jrnrnerwiebererkennen des an­geborenen Kernes und Segen des Gemütes ist der Menschheit Schwierigkeit und Liebeswertigkeit. Groß und Klein fühlt um die Weihnachtszeit ge­heimnisvolles Herzgepoche in sich, es ist die uralte, ewige Sehnsucht der Menschheit nach Glück, Ruhe, Freude, Friede und Licht, nach engem Zusammen­schluß in Liebe. Kinder waren wir, Kinder bleiben wir immer im tiefsten Grunde unseres Selbst. Wenn der Dust der Weihnachtstanne die Räume .inseres Heims geheimnisvoll durchstreicht, dann lächelt alt und jung, dann wird überall in Heimlichkeit ge­arbeitet und gewerkt; hoher Wellengang erroar- tungsvoller Freude, die Wonne, seinen lieben Räch- sten einige ihrer Wünsche erfüllen zu können, reinigt die Luft von Alltagskümmernissen; im ärmsten Hause wird gebacken und gespart, um das Fest mit allen möglichen Genüssen der Seele und des Ma­gens begehen zu können. Allem diesem wohnt tiefe Bedeutung inne.

Wie die große Weihnachtsscheuerei, das äußerliche Reinemachen, in diesen Tagen als würdige Vorbe­reitung empfunden wird, so durchstrahlt auch an diesen Tagen vor dem Fest das Geheimnis des Christkindes unser Sein.

Wir lassen uns die Legende nicht rauben, daß das Christkind allabendlich vor den Fenstern flat­tert, daß es die Weihnachtszettel mit den Wünschen, die wir vors Fenster legten, abholt, daß es das Christkind und nicht das Geschäft ist, das unsere Wünsche erfüllt Wir leugnen, solange es geht, daß wir kaufen und bezahlen; das Wunder soll wirken und weben: als erstes und wichtigstes das, daß wir urplötzlich alle das Wunder wieder erleben wollen und können.

Wir sind so in der Weihnachtszeit Selbstbeglücker und Selbstbelohnsr, aufschlußreicher als sonst, da wir ja auch nur allen Segen aus uns selbst, durch unser Handeln erreichen. Wenn uns der Jubel der Kinder umklingt, wenn wir ihre strahlenden Augen sehen, wenn uns die dankbaren Körperchen an der Brust liegen, wenn uns die Aermchen umhalsen und die Worte des Glücks gestammelt werden, dann weitet sich unsere Brust, wir sehen über Raum und Zeit die Schönheit des Lebens. Wir sehen und erleben unsere eigene, zeitlich und öffentlich ver­gangene Kindheit, wir sind bann völlig eins mit unseren Kindern, wie wir es immer wären und fein sollten, wenn wir nur mehr Zeit hätten, deren Freude wir als die weitergegebene Kraft unserer Jugend erleben, als vorhandene Reinheit in uns, die sich bloß in ihrem Ausdruck veränderte, die unseren Elfern die gleiche Dankbarkeit und Selig­keit entgegentrug, wie sie uns jetzt von unseren Kindern widerfährt, wie sie diesen von ihren .Kin­dern im rasch fließenden Zeitenlauf dargeoracht werden wird.

Das größte Fest brs Menschenherzens ist Weih­nachten, ein wahrhaftes Einssein aller Menschen, die guten Willens sind, und welcher Mensch, auch der aus Verirrung härteste, wollte nicht guten Wil­lens sein, da dies doch die einzige Möglichkeit dauernder Seelenruhe ist? Man muß den Menschen nur dazu erziehen! Erziehen durch bas eigene Bei­spiel, burch eigenes unbekümmertes Gutsein, bas bem anberen Mut macht, auch aus sich herauszu­gehen.

Dieses befreienbe Zueinanbersinben, bie Möglich­keit dazu zeigt uns die Stimmung des Weihnachts­festes in unserem Hause. Erfüllt wird in der Heili­gen Nacht das Fest, dem unsere geheimste Sehn­sucht zustrebt, die deutsche Sehnsucht: Die Erde soll vollkommen" sein! Dieses Wunder vermögen wir am Heiligen Abend zu erfüllen. In den Weihnachts- ftunben ruhen durch den einheitlichen Willen, durch die Gabe unserer gleichen Seelen,'wie auf höchsten Befehl, Kampf und Streit. Dem Germanen ist die weihevolle Nacht von jeher die Zeit der völligen

Einigung gewesen, im Zeichen der gnadenspenden- den Nacht waren die deutschen Stämme, so verschie­den sie sich auch sonst empfinden mögen, um die deutsche Vielfalt uns und anderen Menschen zu schenken, stets sichtbar ein einiges großes Volk.

Wie in den Familien Friede und Eintracht am Weihnachtsabend herrschen, so soll auch in der Ge­samtheit unseres Volkes, in allen Ständen und Schichten wenigstens an diesem Tage als bas Ziel unseres Wollens zwischen allen bie Liebe unb das gegenseitige Verstehen Brücken schlagen, als Wahr­zeichen dafür, daß die Liebe die Möglichkeit gibt, daß sich ein Volk gegenseitig versteht, daß nur aus solcher nationaler unb sozialer Einigung, in ber sich jeber burchsetzt unb boch auf bie anberen, um

sprünglich ein Fest ber Seelen ber Abgeschiebenen, bie in biefen Tagen zur Erbe, zum sichtbaren Le­ben nieberstiegen, bie uns in biefen Tagen stumm berebt mahnen, baß nichts Wertvolles stirbt, baß wir bie Sitten ber Väter erhalten, bewahren unb weiterführen müssen, baß sich im Leben alles wen- bet, wie bie Sonne auch in biefen kurzen unb kal­ten Tagen ber Selbsteinkehr sich roieber ber Erbe zuzuwenben beginnt, um ben neuen Frühling vor- zubereiten: Wintersonnenwenbe!

Ein Fest ber Hoffnung ist bie Weihnachtszeit, in ber unser Glücksguell am fühlbarsten sprubelt, bie unversiegbare Quelle aufrechten Seins, aus ber unsere ehrwürbigen Volkslieder unb unsere natio­nalen Hoffnungen bie Gewißheit schöpfen, baß bie

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ber Gesamtheit willen Rücksicht nimmt, bie so heiß ersehnte unb so brennenb nötige Einigung unb ba= mit ein wahrhaft menschliches Dasein ohne Haß und Egoismus erreichbar ist.

Für die Christnacht unb bas Christfest büßen burch unseren Willen bie Versuchungen ber bunt- len Triebe, bie wir höllisch nennen, ihre entletzliche Macht ein, unsere Augen roenben sich ab von ihnen, sie sehen einerseits in das reiche Leden unseres Jchs, in bem sich bas ganze Chaos bes Daseins vorfinbet, wie burch einen magischen Hohlspiegel gesammelt, plötzlich georbnet und beherrscht vom Allerhöchsten, das der Einzelne und die Gesamtheit haben, vom erhebendsten und erhabensten Gefühl, der Gefühle der Göttlichkeit. Fast ungläubig tastet ber verwun­derte Blick aus ber liefe ins Gegenwärtige zurück unb empor, er finbet in ber Glückstimmung ber Seinen bie Bestätigung: Ja, Liebe ist möglich, sie ist bas einzige Band, bas uns mit bem Himmel oerbinbet, wir finb fähig, uns über ben Alltag, über Haß unb Neib, über Gier und kurzsichtige Brutalität au erheben, wir müssen nicht ben teuf­lischen Sendboten unb ber Verzweiflung ausgelie­fert sein, sie finb nur mächtig über uns, solange wir bie Siegerkraft bes einigen Geistes nicht in uns erkennen, ber über alles herrscht, bem nichts auf bie Dauer zu wiberstehen vermag, weil ber Geist unsterblich, allgegenwärtig unb allmächtig ist, ber Herr über ben Tob. Die bauernbe Hebesieg- lichkeit unseres innersten Wesens, unserer seelischen Kraft, bie wir ererbten, bie wir weitervererben unb weitervererben müssen, bannt bas Licht in ber Fin­sternis scheint.

In ber Weihnachtsnacht finb wir, durch Erinne­rungen verbunden, unseren teueren Toten näher als je, das uralte Julsest ber Oemanen war ur»

Liebe als Ziel ber Sinn bes Kampfes ist. baß wir daher verpflichtet finb, ben Kampf zu führen, bis sich der Friebe ber heiligen Weihnachtszeit über alle Tage bes Jahres verbreitet, bis das Leben zum Dauerfefte geworben ist. Das Christfest ist ber Be­weis, baß unsere Sehnsucht erfüllt werben kann, wenn wir wollen; es ist bes Christfestes erhabe­ner Sinn, baß wir in seiner Feier erkennen: Das Ziel zu erreichen ist so schön, baß kein Opfer zu hoch ist!

In seinem Mahnen für bas fommenbe neue Jahr liegt ber Weihnacht Wert, bie uns für wenige Stunben wahrhaft erlöst zeigt, bie uns treibt, bie Kreuzigung durch neueinsetzende Blindheit unb Blickenge auf bas geringste Maß zu beschränken, mit aller Kraft bafür zu sorgen, bah wir uns burch bie uns innewohnenbe Seelenkraft selbst erlösen unb zu gemeinsamer Arbeit einen. Der Lichterbaum hat sich aus heibnischen Zeiten auf uns vererbt, aus Zeiten, in benen auch bie Menschen auf ihre Art unb gemäß ihrer Entwicklungsstufe unb Weltbe­trachtung bas Hohe über unb in ben Dingen such­ten unb verehrten, nichts anberes tuen wir in ber Einheit alles Seins: Eins finb bie künstlichen Tren­nungen, bie nur bie verfchiebenen Wege bezeichnen, auf benen ber Mensch auswärts strebt unb abwärts irrt im suchenben Spiralengang seines Tastens nach bem Geburtstaae des (Enbqültigen, Hellen, sei es nun Himmel, Wissen, Freiheit, Macht unb Ehre, Nation ober Sonne unb Urkraft genannt, es ist ber Drang zum Lichte, ber sich in ben Flämmchen bes Weihnachtsbaumes unb in unseren Herzen entzünbet.

Erlebt bie beutsche Weihnacht in aller Tiefe unb Wunberkraft, sie ist ein Besitz, ben uns niemanb rauben kann!

Deutsche Weihnachten.

Don Lic. Dr. Phil. Heinrich Adolph, a. o. Professor der Theologie an der Landes«

Universität Gießen.

Unb das Wort warb Fleisch ... In biesem Jo- hanneswort brückt sich ber Glaube ber Christenheit aus, baß in Christus ber Weltsinn, ber ewige Grund aller Dinge sichtbar geworden unb in bie Geschichte eingegangen sei. Das Leben ist von grauenhafter Tiefe. Abgründe klaffen auf, bämo* nische Mächte brauen im Urgeschoß des Seins, Süchte schießen hoch, unb in menschlichen Herzen lobern Leibenschaften, Gier unb böser Wille. Wohl strahlt auch bie Sonne bes Genies, wohl gebiert die Kraft bes Blutes Helbentat unb hohen Sinn, wohl keimt aus mütterlichem Herzen Liebe unb Ge­duld. Aber so sehr Gedanken ber Weisen bieje Erbe erhellen, so sehr bohrenber Fleiß unb schürfende Denkkraft bie Mächte ber Natur zu bänbigen schei­nen, so sehr Träume ber Dichter aufschießen ins Dunkel ber Nacht unb bie Finsternis magisch er­hellen: ber Ranb unseres Daseins bleibt in Schat­ten gehüllt. Unsere Existenz ruht auf einem zwei­felhaften Grunbe. Wir finb vom Nichts umdroht, und aus den Hintergründen bes Daseins gähnt uns das Schweigen der Jahrmillionen an.

In dieser durch und durch doppelsinnigen Welt, in der Sinn unb Unsinn seltsam vermischt finb, jebe Gestaltung schon bei ihrer Geburt von ber Ver­gänglichkeit angenagt wirb unb der Tob als Herr­scher ben letzten Machtspruch spricht: in bieser frag« roürbigen, schöpferischen, helbischen, bämonisch burch- witterten unb graboerfallenen Welt gibt es für bie Christenheit nur eine Gewißheit: das Wort ward Fleisch. In Christus bricht ber göttliche Urfinn ber Wirklichkeit burch unb gewinnt Gestalt, in ihm offenbart sich bie Grundvernunft aller Dinge, in ihm leuchtet ein breiter Flammenstreifen aus ber Ewigkeit erlösend herein. Alles andere ist unzu­länglich. Alles Denken der Weifen strandet an der Unendlichkeit ber Welt, alles erhellenbe Sinnen ber Dichter durchbringt nicht bie schicksalsschwarze Nacht, aller heroische Aufschwung erreicht nicht bas unbebingte Ziel: in Christus ist Halt, fester Boden, unbedingte Sicherheit. In ihm enthüllt sich das Göttliche selbst in seiner Weisheit unb roirfenben Liebesgewalt. Wir tun einen Blick in das Herz ber Welt. Unb alles, was Weise erdacht, Dichter er­schaut, Liebende ersonnen und Kämpfer vollbracht, schließt sich zusammen unb runbet sich in ber Kern­gestalt der Weltgeschichte, in ber Kraftmitte bes menschgewordenen Wortes, in ber Fülle bes Chri- ftus. Das Wort warb Fleisch. Gewiß in Knechts­gestalt, gewiß in Ohnmacht, gewiß in ber ganzen zeitgeschichtlichen Bebingtheit bes Lebens Jesu von Nazareth. Aber wenn alles schwankt unb unsicher wirb: biete Gestalt bleibt wie ein Block, ber nicht wankt, wie ein Fels, der nicht splittert, wie Basalt, Hochgetrieben aus bem Urgrunb ... Es war eine ungeheuere Stunbe, als Christus geboren wurde: We Zeit war erfüllt, die Tiefe gebar, Gott selber sprach: das Wort warb Fleisch . .

Auch wir Deutsche haben in biesem Jahr das Wunder einer unerhörten Sinn-Verwirklichung er­lebt. Wir haben erfahren, wie sich die Geburt unseres Volkes vollzog, und aus dem Chaos wie mit Zauberschlag die Gestalt unserer Nation hervorsprang. Es war, als habe sich der Schöp- fungsgrund selber geregt, als seien die lang ver­schütteten Kräfte ber Tiefe enblich wie mit vulka­nischer Gewalt burchgebrochen. als habe bie Sehn­sucht von Jahrtausenden Erfüllung gefunben. Das war ja das Verhängnis, das über unserer Ge­schichte ftanb: bas beutsche Volk konnte bie Sinn- form seines Seins nicht finben. Es war grob im Geist, trieb Machtpolitik und meisterte die Wirt­schaft, aber es fanb nicht ben Weg zu sich s e l b st. Bruder ftanb gegen ©ruber,' im blassen Raum ber Theorien würbe viel erwogen, aber es kam nicht zu blutvoller völkischer Gestaltung. Deutsches Leben quälte sich in fremden Formen. Es zappelte in ben Matchen ber westlichen Demokratie, die ihm nicht gemäß war. es lag in mißratener Ungestalt. So sehr sich bie Besten mühten unb ran­gen, so wohlmeinenb taufenb Pläne waren: es kam nicht zur Volkwerbung, es wuchs keine lebenbiqe Nation. Bis bann bas Wunder geschah, bis ber Kristallisationsprozeß gelang, unb nun als herrliches Gebilbe vor uns steht, was wir kaum nach geglaubt: deutsches Volk. Wohl mag ber Schöpiungsakt schmerzvoll gewesen sein, wohl mag bie Glut nicht alle Schlacken ausgebrannt haben unb mancher Ueberreft bes Alten in peinvoller Starrheit stehn. Unb doch: bas Werk ist gelungen. Deutschland ist da. über Klassenhaß und Parteienhader hinweg wölbt sich groß unb leuchtend diebeutsche N a - t i o n. Sie ist zu sich nach Hause gekommen. Das Wort ber Schöpfung, bas zu ihr gesprochen war, hat Gestalt gewonnen Zeit ist erfüllt, Geburt ist vollbracht. Sinn ist verleiblicht, Wort ward Fleisch.

So können wir deutsche Weihnachten feiern wie nie zuvor. Und wir wollen es tun aus überqueUenbem Herzen. Wir wollen hinabsteigen in bie Wurzelgründe ber Deutfd)beit, aus benen heraus sich das' Wunder der Geburt vollzog. Wir wollen Anschluß suchen bei ben Kräften bes Ur­sprungs, bie in unserem Blute wirken, unseren Geist durchtränken unb unser Schicksal weben. Und ge- rabe an Weihnachten, bem beutschen Fest, finden wir uns zurück. Die Zeichen der Vorzeit werben