Ausgabe 
23.10.1933 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Montag, 23. Oktober 1933

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 248 Zweites Blatt

i:

Lokattennm an den Brandstätten im Reichstag

llbaum

Unterbliebenen;

ib. Lang.

>33.

y,3Uhr.

ir mein innigst- ager und Onkel

1 ii*f

rftte*- lalto.

der seine Kundschaft itt fürstlichen Häusern hatte, und der in seinem Sohn Johann Caspar Goethe höher hinaus wollte. Daraus wurde dann auch Seiner Römisch-Kaiserlichen Majestät Wirklicher Rat". Johann Wolfgang von Goethe als Künstler und Mensch ist nicht zu denken ohne diesen Ausstieg der Familie.

Wir sehen aber nicht nur deutschen Bürgerstolz der Vergangenheit in den Ahnentafeln. Wir sehen in ihnen auch Bilder deutscher Zerrissen­heit. Deutsche nahmen Kriegsdienste in fremden Staaten. Familien wurden aus neuen Boden ver­schlagen. Wieder nur ein Beispiel: Unter den Vor­fahren des Grafen Zeppelin befindet sich Susanna Mitz, die um 1660 Emanuel So ein, Rittmeister in schwedischen Diensten heiratete. Deren Tochter Ursula heiratete einen Schweizer Apotheker. Von den weiteren Nachkommen heiratete dann 1789 Henriette Madelaine Passavant den Baron d'Hogguer, einen französischen Feldmarschall, und Graf Zeppelin ritt dann als deren Nachkomme 1870 die erste große Patrouille als Reiteroffizier

besonders aufschlußreich.

Es sollten hier nur einige Beispiel angeführt werden, um zu zeigen, wie Ahnentafeln wirklich gelesen werden sollten. Familienkunde treiben, heißt Kraft aus dem Volkstum schöpfen, Familienkunde treiben, das heißt, daß jeder Einzelne sich seines Blutanteils an der Geschichte des deutschen Volkes bewußt wird, die Bindungen erkennt, die seine Sippe und ihn mit der Vergangenheit verknüpfen und die eine Verantwortung für die Zukunft be-

Rahmen viel entschiedener betrieben werden als bisher.

Dieses Streben nach Gemeinschaftsarbeit wird nach und nach alle Unterrichtsabteilungen durch­dringen und mit einem neuen lebendigeren Geiste erfüllen müssen. Denn nur auf diese Weise kann auch von der Seite des Künstlers her einer neuen Volksmusikkultur vorgearbeitet werden. Daß dann von der anderen Seite, vom Volke, noch Vieles zu tun bleibt, ist selbstverständlich. Denn nicht nur der Künstler, sondern auch das Volk muß künftig anders zur Musik erzogen werden. Die hier er­wachsenden Aufgaben müssen in der Volksschule und der höheren' Schule gelöst werden, jedoch wird voraussichtlich die Hochschule für Musik künftig auch hierbei nicht ganz ohne Einfluß bleiben. Wenn die bevorstehende Vereinigung der Akademie für Kir­chen- und Schulmusik mit ihr erfolgt sein wird, wird die Totalität der höheren musikalischen Er- ziehung in ihre Obhut gegeben sein. Bei der Er­ziehung der S ch u l m u s i k e r wird sie dann ihr Teil dazu beitragen können, daß auch bei der musi­kalischen Erziehung des Volkes in der Schule ein neuer Geist einkehrt, der uns dem Gesamtziel näher bringt.

um sich vor Bedrückungen zu retten, sich an den in Regensburg tagenden Reichstag gewandt, der ein treffliches Bild deutscher Zwietracht in eine evangelische und in eine katholische Hälfte zer­fiel. Die Abordnung gelangte gar nicht nach Regens­burg, sondern wurde gefangenaesetzt. Es folgte das Emigrationspatent des Erzbischofs von Regens­burg, das zur Folge hatte, daß Taufende das Land verließen. Planlos wanderten die Salzburger zu­nächst aus, bis Friedrich Wilhelm I. von Preußen ihnen sein Land öffnete.

Die Ahnenlisten verraten aber auch, wie und wo deutsche Kultur wuchs und wurde. Soldatenfami­lien gab es vor allem in Mecklenburg, in Pommern, in der Mark, in Niedersachsen und in Schlesien. Bayern ist reich an Malerfamilien, Schwaben an Familien von Aerzten. Musikalische Begabung schreibt Professor Günther besonders der dina- rischen Rasse zu. Im Norden gab es weniger Musik als im sangesfreudigen Süden. Es darf erinnert werden an den alten Satz: Frisia non cantat der Friese singt nicht. Aber in Nürnberg, da wurde gesungen. Wer sich in Ahnenlisten vertieft das Beispiel Goethes hat es ja schon gezeigt, der wird auch erkennen, daß geniale Menschen nicht gleich Meteoren plötzlich vom Sternenzelte fallen. Das Schicksal der Musikantenfamilie Bach ist hier

Hochfchulnacbrichten.

Die hessische Staatsregierung veröffentlichte mit dem Datum des 20. Oktober die Verfassung für die Technische Hochschule in Darmstadt, die sich im wesentlichen an die bereits veröffentlichte Verfassung für die Landesuniversität Gießen an- ^Der^ao. Professor für Hygiene und Bakteriologie an der Universität Frankfurt a. M., Dr. Hugo Braun, hat einen Ruf als Ordinarius für Bak- teriologie an die Universität Istanbul (Türkei) erhalten und angenommen.

Links- Das Gericht an der Stelle im Reichstag, an der van der Lubbe während des Verbrechens feine Kleidungsstücke niederlegte. Rechts: van der Lubbe (in der oberen Reihe stehend) wird in den Reichstags-Plenarsaal geführt.

tthcattf

kw,_ wenn ich ,0I mich verpflichte-

n seufzte:

üuguffe. Sie meinen es güÄ.

A mehr viel vvn der 6oft>/ W stellen, vertragen. Eg kW r wieder darum, daß man mit) net.

ehrte lebhaft ab.

rrtschung folgt.)

iritiM

o1.. j.tjnfl-

Don der Sippenkunde zur Volkskunde

Ahnentafeln als Geschichtsbilder.

Von Karl Brammer.

Lehr out eMU rckrkibtM,/'m,

*9nrbinei 5

flfflöC0MUh fiatfit:

j-udwiM-^

fähig oder nicht würdig erweist, den hohen Beruf des Künstlers auszuüben, wird vorn weiteren Stu­dium ausgeschlossen werden. Dem Künstler wird in der kommenden kulturellen Neuordnung weit mehr und in viel tieferem Sinne als bisher eine Füh - rerstellung zukommen, die nur dem wahrhaft Berufenen ausgeliefert werden darf.

Was nun die innere Umgestaltung der Ausbil­dung anlangt, so wird es unsere Hauptsorge sein müssen, die jungen werdenden Künstler schon früh­zeitig an den Gedanken und die Praxis des G e - meinfchaftsmufizierens heranzuführen. Die Ausbildung der persönlichen Anlagen, also die Ausbildung als Sänger, als Pianist, als Geiger usw. muß natürlich auch künftig im Mittelpunkt stehen, schon mit Rücksicht auf das Leistungsprinzip, von dem nichts abgehandelt werden darf. Aber die foliftifche Ausbildung darf künftig nicht mehr so einseitig betrieben werden, daß schon der junge Werdende und wieviel mehr dann der fertige Künstler! den Blick für das Ganze der Musik­kultur völlig verliert und nur noch die egoistischen Interessen seines Instrumentes im Auge hat Diese Isolierung des Solisten, an der unser Musikleben lange genug gekrankt hat, ist mit dem Gedanken einer Volksmusikkultur gänzlich unvereinbar: denn dieser will nicht nur das Volk und die Musik einen, sondern auch das Volk und den fünfter. Dieser Ge- meinschaftsgedanke wird also künftig in der Er­ziehung der Musiker eine bedeutende Rolle spielen müssen. ... , _ ..

Das Chorsingen ist eine ideale Form musi­kalischen Gemeinschaftsdienstes: es erzieht zur Diszi­plin, zur Unterordnung, es führt zum gemein- famen Erleben der größten Meisterwerke und fuhrt heraus aus der Podiumseitelkeit, der gerabe der junge Künstler so leicht verfällt. Deshalb ist bei­spielsweise von nun an die Mitwirkung im Ber­liner Hochschulchor für alle Hochschüler Pflicht, aus­genommen die noch in der Ausbildung begriffenen Gefangstudierenden, die später in einem Solisten- ^-cappella-Chor ihre chorische Erziehung erhalten werden. ... .

Für die Instrumentalisten ist von ähnlicher Wich­tigkeit die gemeinsame Arbeit in den Hochjchul- orchestern und in der Kammermusik. Das Kon- ze r t or chest e r soll zu einem Musikkörper erzo­gen, nicht in dem Sinne, daß es brillieren soll, sondern im Hinblick auf eine systematisch durchge­führte Orchesterdisziplin und Orchesterkultur. Die begabtesten Schüler werden zu einem K a mm e r - o r ch e st e r vereinigt werden, das sich dem Dienste an der vorklassischen Musik widmen soll. Daneben wird die Pflege der Kammermusik im kleineren

Oie Zerstörung einer Grabbe-Legende.

Bisher hat man nach der Darstellung der maß­gebenden Bibliographen geglaubt, daß der tragische Wendepunkt im Leben des genialen Dramatikers Grabbe, seine Entlassung aus dem Amt des Auditeurs bei der Fürstlich Lippischen Regierung, durch die Härte und Böswilligkeit der Beamten veranlaßt worden sei. Besonders spielte eine Unter­redung dabei eine Rolle, die Grabbe mit seinem Vorgesetzten, dem Regierungsrat v. Meyen, ge­habt haben sollte und bei der dieser sein ungeschick­tes Benehmen ausnutzte, um ihn zur Einreichung des Entlässungsgesuches zu veranlassen. Daß es sich dabei um eine Legende handelt, weist Dr. Alfred Bergmann in denPreußischen Jahrbüchern" aus den bisher unbenutzten Auditeurs-Akten des Lippischen Landesarchivs nach. Es zeigt sich, daß Grabbe, der durch seine unglücklichen Eheverhält­nisse und durch die Arbeit an seinemHannibal" immer mehr an der ordnungsgemäßen Erledigung feiner Amtsgeschäfte gehindert wurde, und eine immer größere Verwirrung einreißen ließ, aus freiem Willen dazu kam, zunächst einen halbjäh­rigen Urlaub zu beantragen und daß von Meyen ihn dabei in der sachlichsten und verständnisvollsten Art unterstützte, mit großer Geduld die Schwächen und Launen des Dichters ertrug und das Eigen-

Erziehung zur Volksmusik.

Von Professor Or. Zrih Stein, Direktor der siaatl. akad. Hochschule für Musik, Äerlin-Miarlottendurg.

. Zu den kulturellen Aufgaben, die sich der neue Staat gesetzt hat, gehört auch die organische Neu­bildung der Grundlagen und Formen, auf und in denen sich das musikalische Leben des Volkes voll­ziehen soll. An die Stelle der zum großen Teil überlebten Formen desKonzertbetriebes", wie sie sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet haben, soll allmählich eine breit gelagerte Volksmusik- tultur treten, an ber a 11 e Schichten des Volkes entweder tätig ober boch minbeftens oerftänbnis» voll empfangenb teilnehmen sollen. Dieses Hochziel, bas natürlich nicht von heute auf morgen zu er­reichen fein wirb, schafft u. a. auch oeränberte Vor­aussetzungen für ben Berufsmusiker unb Künstler, der einerseits seine führenbe Stellung im Ganzen der Musikkultur behalten soll, anbererfeits aber wesentlich anbere Blickpunkte als bisher finben muß, wenn er sich bem Organismus einer Volks- Musikkultur sinnvoll einorbnen will. Für bie staat­liche akabemische Hochschule für Musik, bie erste unb ridjtunggebenbe 2Iusbilbungsftätte bes Reiches, er­geben sich baraus neue erzieherische Aufgaben, bie im Laufe ber nächsten Jahre in einer Neugestaltung fcer Lehrpläne unb ber Unterrichtsformen ihren Liieberfchlag finben werben.

Es ist zuvörberft zu betonen, baß unabhängig »on ben neu eintretenoen Notwenbigkeiten nach wie tor bas Leistungsp inzip beherrschend im Storbergrunbe ber Erziehungsarbeit stehen wirb. Nach meiner Meinung sollen sogar bie Anforbe- rangen in Richtung auf bie Leistung noch weit riachbrücklicher vertreten werben, als es in ber letz­ten Zeit ber Fall war. Denn barin ist schon einer jener Gesichtspunkte zu erblicken, bie von bem Ziel einer Volksmusikkultur neu aufgeworfen werben. Diese Volkskultur soll alle Volksgenossen, soweit ie auch nur bescheibene Anlagen mitbringen, er- assen. Zum K ü n ft l e r b e r u f in biefer Kultur­gemeinschaft barf aber nur ber zugelassen werben, ler bie einbeutige Begabung unb auch bie mensch­liche Eignung bazu mitbringt. Deshalb wirb künftig schon bei ben Aufnahmeprüfungen eine schärfere Auslese wirksam werben, unb auch im Verlaufe der Ausbilbuna wirb jebe Gelegenheit wahrgenom­men werden, um die Entwicklung der künstlerischen Anlagen und der menschlichen Haltung der Studie­renden zu überprüfen. Wer sich dabei als nicht

In den letzten Monaten hat sich die Zahl ber­einigen Deutschen, bie F a m 11 i e n k u n b e unb Sippenforschung betreiben, gewaltig ge­steigert. Das ist ganz gewiß eine erfreuliche Fest- strllung, aber sie zwingt auch bazu, baß bie Be­deutung ber Familienkunde in ihrem wirklichen Wert erkannt werden muh. Vor allem dies: Es kommt nicht darauf an, einen Ahnenrekord zu brechen, die Jagd nach den alten Urkunden darf nie bie alleinige Triebfeber bes Forschens sein. Wichtiger ist bie Verarbeitung ber ge­wonnenen Erkenntnisse. Notwenbig ist, aus ben Feststellungen Typisches zu erkennen unb joroeit bas möglich ist, Lebensgesetze baraus abzu­leiten. Wer jetzt feubale Vorfahren sammeln würbe, wie man Reklamemarken sammelt, ist noch nicht xeif zur Sippenforschung. Nicht auf Verwanbt- fchasten mit Berühmtheit kommt es an, sonbern darauf, zu erkennen, wie jebe Sippe ihre A u f - gäbe im Werben bes Volkes erfüllte. Ahnentafeln sinb Ausschnitte aus ber Geschichte bes Volkes, fo wollen sie gelesen unb gewertet werben.

Wie sehr Blut- unb Nassenreinheit von Bebeutung für bie Geschichte bes Volkes sinb, das zeigt bie Geschichte ber Herrscherfamilien. Dr. Prinz von Isenburg hat in biesem Zusammen­hang auf ben häufigen Wechsel ber deutschen Herrscherfamilien hingewiesen.

So regierten die deutschen Kaiser- und Königs- familien bis zur Renaissance nur jeweils einige Generationen lang. In der Regel waren die ersten Herrscher von bedeutenden Anlagen, dann ließ die psychische und physische Gestaltungskraft nach. So begannen die Karolinger mit Pippin und Karl dem Großen und endeten mit Ludwig dem Kinde, die Sachsen mit Heinrich I. und schlossen mit Otto III., dessen Mutter Theophano von Byzanz jede Rassen- unb Bluteinheit zersprengte.

Die uneinheitliche Gestalt Friebrichs II. finbet Ihre Lösung in bem sizilischen Erbgut seiner Mutter Konstanze, ber Tochter bes Königs Roger II. von Sizilien unb ber Urenkelin bes Tankreb von Haute- Dille.

Der internationale Charakter bes späteren Habs­burger braucht uns bann nicht mehr zu rounbern, wenn wir hören, wieviel verschiedenen Stämmen und Rassen beispielsweise die acht Urgroßeltern Kaiser Maximilians I. angehört haben: Oesterreich, Visconti, Masowien, Litauen, Portugal, Lancaster, Mragonien und Kastilien.

Ahnentafeln vermitteln nicht nur historische Er­kenntnisse allein. Die Erkundungsmöglichkeiten mit Hilfe der Familienkunde werden heute auch von namhaften Soziologen und Volkswirtschaftlern an­erkannt. Die Familienkunde weist täglich und stünd- Glich nach, daß es zwar eine Auf- und Abbewegung im Leben des Volkes in allen Generationen gibt, aber keine fchickfalsgebundene Klaf - ^ sengegensätzlichkeit. Beispiele beweisen das. Ein Vorfahre des späteren Kriegsministers von Roon, Andreas W e s ch e l, entkam der Bartho­lomäusnacht in Paris und wurde schlichter Buch­drucker in Frankfurt der gegenwärtige Chef des Protokolls im Auswärtigen Amt, Graf Satten- doch, hatte als Vorfahren einen Hutkrämer, Wilh. Voß, der 1637 in Köln lebte. Das wird niemand ? als einen dunklen Punkt in der Ahnenlifte be- Vi werten, sondern nur als ein Zeichen der 53er- ' bunbenbeit aller Schichten.

Vom Aufsteigen bes Bürgertums in seiner besten Form berichtet Goethes Ahnentafel. Da ist ber : Stammvater Hans Goethe, ben ber Pastor von Berka noch einen rotzigen Bauern schilt, weil er ihm ben Zehnten verweigerte. Sein Sohn ist ein ehrbarer Hanbwerksmeister, Hans Christian Goethe, der neben bem Hammer bes Hufschmiebes auch fchon bie Feber zu führen wußte. Die nächste Generation sieht bann ben Damenschneiber Goethe,

gegen Frankreich.

So manche beutsche Ahnentafeln schilbern ein- brucksvoll bie Zeiten beutscher Not. Salzburgische Familien im befonberen können baoon erzählen. Im vorigen Jahre würbe im beutschen Osten bie Erinnerung an bie 1732 bort eingeroanberten Salz­burger wachgerufen, bie um ihres Glaubens willen . unu uu ihre schöne Heimat verlassen mußten. Sie hatten, | beuten.

Großzügige Arbeitsbeschaffung der Duoerusschen Eisenwerke. Auf eine Rundfrage der Handelskammer Wetzlar wegen der Beschäftigungsmöglichkeiten während des Winters hat die Leitung der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar am 20.Oktober fol­gende Antwort über ihr Arbeitsbeschaf« fungsprogramm erteilt:

Während alljährlich um diese Jahreszeit, be­dingt durch das Nachlassen der Bautätigkeit,_ Ar­beiterentlassungen größeren Stils bei uns üblich waren, haben wir uns in diesem Jahre entschlossen, im Vertrauen auf dasArbeitsbeschaffunasprogramm der öffentlichen Hand und um auch unsererseits dis Bestrebungen der Regierung auf Beseitigung der Arbeitslosigkeit nach Kräften zu unterstützen, die durch Neueinstellungen im Laufe dieses Jahres ganz wesentlich vermehrte Gesamt- belegschaft den Winter über in Arbeit zu halten. Am 1. Oktober d.J. beschäftigten mir 3966 Angestellte und Arbeiter, das ist gegenüber dem 1. Januar d. I. einMehrvonl052Per- sonen. Jnfoslge dieses Beschlusses rechnen wir bis zum 31. März n.J. mit einem Lagerzugang im Verkaufswerte von über 2 000 000 Mark. Werden somit erhebliche Mittel gebunden, so hoffen wir doch im Laufe des nächsten Jahres diese Bestände m den Verbrauch üb erführen zu können.

Weiterhin prüfen wir zur Zeit die Möglichkeit, die Jnstandhaltungsarbeiten auf un- seren Wer kenin erweitertem Umfange auch während ber Wintermonate zu betreiben, für welchen Zweck wir nicht unerhebliche Beträge, eben­falls im Interesse ber Arbeitsbeschaffung, auszu­geben gebenken."

Dekorateur-, Sattler- und Tapezier- Gewerbe im berussständischen Aufbau.

Frankfurt a. M., 20.Okt. Im Meistersaal bes Hanbwerkerhauses in Frankfurt a. M. tagte nach ber oorbilblid) verlaufenen Verbands-Hauptversamm­lung in Offenbach zum ersten Male ber Hessische und Hefsen-Nasfauische ßanbesoerbanb für bas Dekora­teur-, Sattler- unb Tapezier-Gewerbe. Die denkwür­dige Sitzung als Zeichen der Schaffung einer ein­heitlichen Front ber organisatorischen Glieberung des Dekorateur-, Sattler- unb Tapeziergewerbes in bem Rhein-Main-Wirtschaftsgebiet stand unter Leitung des 1. Verbanbsfuhrers, Sattlermeister Ludwig Gottwald (Reinheim).

In den Aussprachen kam übereinstimmend zum Ausdruck, baß in gemeinsamer Arbeit eine berufs- stänbische Vertretung geschaffen werden solle, die das gesamte Rhein-Main-Wirtschaftsgebiet umfaßt, um namentlich ben heffen-nafsauischen Innungen die Anschlußmöglichkeit an den Landesverband zu geben, zumal es nicht bem Wunsche bes Reichsstanbes bes beutschen Hanbwerks entspricht, daß Sonberoerbände neu gebilbet werben. Es galt bie Sattler-Innung Groß-Frankfurt in ben ßanbesoerbanb einzuführen unb ben Beitritt bes Lanbesverbanbes selbst zum Reichsverband für das Sattler- und Tapeziergewerbe zu vollziehen, worüber der Präsident des Reichsver- banbes seiner Freube besonderen Ausdruck verlieh.

Insbesondere wurde festgestellt, daß es nicht gelte, lediglich eine Organisation aufzuziehen, sondern daß im Vordergrund der ernstliche Wille steht, ben Mit­gliedern Arbeit zu bringen und ihre wirtschaftlichen Belange tatkräftig zu vertreten. Bereits im Verlauf der Sitzung wurde von dem Reichsverband ein Auf­trag zugesagt und dessen Ausführung in den Einzel- Hellen besprochen, um damit die ehrliche Absicht des Zufammenschlußgedankens unter praktischen Beweis zu stellen.

Neben den organisatorischen Fragen, wobei man insbesondere auch die Verschmelzung ber beiden Reichsfachoerbände forderte, wurden wichtige interne Berufsangelegenheiten behandelt, die durch die Teil­nahme des Reichsverbandspräfidenten an der Ans­prache eine tiefgründige Behandlung erfuhren. Aus- schnitte über die zukünftigen Aufgaben des Verban­des gab Geschäftsführer Schwerer (Darmstadt).

. h »3. Clt

tümlidje feiner Begabung mit in Rechnung fetzte. Grabbe war von Anfang an entschlossen, sein Amt nach Ablauf des Urlaubs nicht wieder anzutretenz er fühlte, daß das Höchste, was er befaß, fein Dichtertum, auf dem Spiele stand, und um dieses beftenteils zu retten, war er bereit, alles zu opfern, feinen bürgerlichen Beruf, Ehe und Heimat. Das Abschiedsgesuch, das er am 15. Februar 1834 an den Fürsten von Lippe richtete, lautete:Mein Fürst! Ich bitte um meinen Abschied. Ein schlechter Diener will ich nicht sein. Unff, mein Fürst, denken Sie gar nicht, ich vergäße je Ihrer Huld. Mehr darf ich nicht sagen."Der Bericht, den von Meyen dazu verfaßte, beginnt mit den Worten:Der Auditeur Grabbe ist krank an Leib und Seele und Rücksichten der Billigkeit scheinen es wo nicht zu fordern, doch zu entschuldigen, daß man seinen ge- mütskranken Zustand bei Beurteilung des höchsten Orts überreichten Abschiedsgesuch in Betracht ziehe." Grabbe erhielt bann zunächst einen Urlaub. Er dankt von Meyen dafür in einem Brief, in dem es heißt:Gereizt, ungesund bin ich, mein Geist ist aber kräftiger als je... Ich überlasse Ihnen alles, und glauben Sie, es geht mir wie Indien, Mee­ren. Je heiterer ich scheine, so tiefer ist der Urgrund und mein Schmerz." Interessant ist es, daß Grabbe, der sich auf Grund der Schlachtszenen in feinen Dichtungen für einen geborenen Soldaten und Feldherrn hielt, vorbehalten möchte, daß er nur noch beim Felddienst verwendet werde und mit den Truppen in den Krieg ziehen könne. Er wollte Det­mold verlassen, weil er fürchtete, dort als Mensch und vor allem als Dichter unrettbar zu versinken. Als ihm nach dem Urlaub die Entlassung bewilligt wurde, war er darüber glücklich und erleichtert. Von einer Ueberrumpelung durch die Regierung kann keine Rede sein, und wenn er selbst die Geschichte einer Unterredung mit vvn Menen erfand, so war das eine Mystifikation seiner Gattin,die tollste Tragikomödie, welche er je in Szene gesetzt hat".

lntm c fei. & U

6,1

»n bi, lug

Wi

Hoben- K. , "

leicht ein 'jU

nn oic in

»'!>«< y ,r Nnun, i,

'n. ounbm? fr1 W '"Wn Bingen * '*6Unb'«< fi/^,'2

?'r «tarn

lÄS

her PM» mV

WWWWM

E

tt

to ftw

R

M 1

N n

1