Ausgabe 
23.3.1933 Erstes Blatt
 
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brachten ein Gedicht zum Vortrag und legten einen Ftchtenkronz mit Schneeglöckchen und schwarzwciß- rotcc Schleife nieder. Eine Minute stillen Geden­kens war den Gefallenen gewidmet. Sodann mar­schierte man zum Saalbau Hengst. Eine große Zahl Männer und Frauen hatte sich angeschlossen. Lieder und Gedichtvorträge der oberen Klassen und des BeethovenschenDie Himmel rühmen", von Herrn Kruger gesungen, leiteten die Feier ein. Die Rede des Schulleiters Metzler gipfelte in der Forderung, sich in die nationale Front einzureihen und durch treueste Pflichterfüllung mitzuarbeiten an dem hohen Ziel unserer Führer Hindenburg und Hitler an der inneren und äuße­ren Befreiung unseres Volkes.

Kreis Wetzlar.

<t> K r o f d o r f. 22. März. Die hiesige Schule hielt am Tage der feierlichen Reichstagseröffnung im Mohschen Saale eine Feier ab, bei der die Kinder im Beisein zahlreicher Erwachsener die Rundfunkübertragung aus der Potsdamer Garni­sonkirche hörten. Mittags läuteten die Glocken, am Abend versammelten sich Hunderte von vater­ländisch gesinnten Männern und Frauen und die Jugend, sowie die auf nationalem Boden stehen­den Ortsvereine aufden Stühlen", um von hier, unter Borantritt der hiesigen Musikkapelle und der SA., in einem Fackelzug das Dorf zu durch­ziehen. An einem in hohen Flammen lodernden Reisighaufen endete der Zug. Die Menschen­menge, in der man neben den Vertretern der Be­hörden und neben dem Lehrerkollegium auch Aus­

wärtige sah, lauschte dem von der Kapelle into­nierten Choral:Großer Gott, wir loben dich" und anschließend einem Lied des GesangvereinsGer­mania". Dann sprach ein nationalsozialistischer Redner über die Bedeutung des Tages. Das Lied vom guten Kameraden, das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied beschlossen die stimmungs­volle Feier.

' Wrtzmar, 22. März. Anläßlich der Reichs- tagserösfnung sand gestern abend durch unseren Ort ein gewaltiger Fackelzug statt, an dem sich der größte Teil der Wißmarer Bevölkerung beteiligte: insbesondere schloßen sich an die ^Frei­willige Feucrw^h. m.t Trommlerkorps, derTurn- vereinGut Heil" und der Bauernverein. Die Gemeinde hatte genügend Holz zur Verfügung gestellt, so daß ein großes Feuer auf der Wiß­marer Anhöhe abgebrannt werden konnte. Die offizielle Ansprache wurde von Lehrer Schnorr in eindrucksvoller Weise gehalten, Rektor G ö r - n e r t sprach im Ramen der Schule einige Worte an die Eltern und Kinder. Die hiesigen Mit­glieder der RSDAP. haben eifrig zur Ver­schönerung der Feier sehr viel beigetragen. An­schließend sand noch eine schlichte Feier im Wolfschen Saale statt, bei welcher nochmals Lehrer Schnorr einige ermahnende Worte an die Wißmarer Bevölkerung richtete. Das Horst- Wessel- und das Deutschlandlied wurden gesun­gen. Für Wißmar war diese Feier ein voller Erfolg, der seinen Riederschlag darin fand, daß eine stattliche Zahl Einwohner der RSDAP. als Mitglieder beitraten. _________

Wirtschaft.

Berlin zuerst mott dann erholt.

Berlin, 23.März. (WTD. Funkspruch.) Ob­wohl die Kursverluste zu Beginn der heutigen Börse meist noch über die des gestrigen Frank­furter Abendvertehrs hinausgingen, war die An­fangsstimmung nicht einmal als schwach zu be­zeichnen. Dem herauskommenden Material stand auf niedrigerem Riveau nämlich auch schon wieder Kaufinteresse der Kundschaft gegenüber, und oas Realisationsbedürfnis war an sich nicht über­mäßig. 2m großen und ganzen scheint das Publi­kum doch an seinem Besitz festhalten zu wollen. Stärker gedrückt waren eigentlich nur die in den letzten Tagen bevorzugten Papiere. So ver­loren Bremer Wolle, Goldschmidt, Polyphon,

Lahmeyer und die Kaliwerte bis zu 4,50 Pro­zent. Letztere blieben von einer gemeldeten Ge­schäftsbelebung bei Salzdetfurth und von einer angeblichen Besserung der Absatzlage in der Kali­industrie unbeeinflußt. Ebenso profitierten Kunst» seideakticn nicht von der günstigen Entwicklung des deutschen Kunstseide-Außenhandels. Größere Glattstellungen erfolgten noch in Montanwerken, von denen die führenden Papiere bis zu 2,75 Prozent nachgaben. Rach Erledigung der Orders zur Anfangsnotiz setzte sich bei allerdings ruhi­gem Geschäft dann auch ziemlich allgemein eine Erholung durch, die ihren Ausgang von den Standardwerten (Farben, Siemens und Reichs­bank) nahm. Bei letzteren regte der günstige Abschluß der Golddiskontbank an. Auch die va­

riabel gehandelten Autowerke der Berliner Börse, | unter Führung von Bayern Motoren, fanden im I Verlaufe lebhafte Beachtung, wobei angebliche Pläne bei der Reuregelung der Kraftfahrzeug---- steuer, deutsche Wagen zu bevorzugen, einen Stimulus bildeten.

Auch am Rentenmarkt wurde es nach schwächerer Eröffnung wieder fester. Deutsche An­leihen konnten ihre Anfangsverluste teilweise wie­der ausholen. Auch Reichsschuldbuchforderungen waren im Verlaufe wieder ziemlich gut erholt. Reichsbahnvorzugsakticn tonnten die Parigrenze behaupten. Jndustrieobligvtionen büßten bis zu 1 Prozent ein. Am Markte der Goldpfandbriefe war das Geschäft ruhiger. Von Auslandsrenten fielen Lissabonner Stadtanleihe mit einem Verlust von V» Prozent auf. t

Am Geldmarkt erfuhren die Satze auch heute keine Veränderungen. Auf Grund weiterer Lllti- movorbereitungen hielt das Wechselangebot, aller­dings in erträglichen Grenzen, an. Eine gewisse Rachsrage war ebenfalls wieder vorhanden. Schatz­anweisungen und Reichswechsel hatten zu alten Bedingungen wieder nur geringes Geschäft.

Frankfurt schwächer.

F r a n k f u r t, 23. März. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse eröffnete im Anschluß an die Abendbörse mit weiteren kleinen Realisationen so­wohl der Kundschaft als auch der Kulisse. Die Ab­weichungen hielten sich dabei aber in engen Grenzen, zumal das herauskommende Angebot ziemlich schlank Aufnahme fand. Das Geschäft war recht klein. Die Kulisse bekundete auf Grund der wieder schwächeren Auslandsmeldungen und der mehr in den Vorder­grund getretenen innerpolitischen Lage einige Zu­rückhaltung, wenngleich man mit einer schnellen Lö­sung der momentanen Schwierigkeiten rechnet. Die Grundstimmung konnte man daher als recht wider- standsfähig bezeichnen. Bei Beginn der Börse betrugen die durchschnittlichen Rückgänge von 0,50 bis 1 ü. Sy Lediglich Kaliaktien, die gestern abend nicht zur Notiz kamen, lagen schwächer und zwar verloren Westeregeln 5 v. Sy, Aschersleben 4,50 v. Sy und Salzdetfurth 3,75 d. Sy Ferner waren einige in den letzten Tagen stark gestiegenen Spezialwerte wie Lahmeyer, Deutsche Erdöl, Zement Heidelberg, AG. für Verkehrswesen, Gelsenkirchen und Ilse Bergbau Genüsse von 2,50 bis 3 ö. Sy niedriger. Auch einige Montanwerke, so Klöcknerwerke, Man­nesmann und Rheinstahl, büßten bis zu 1 v. H. ein. IG. und die übrigen Chemiewerte verloren bis zu 1 v. H. Elektropapiere tendierten uneinheitlich bei kleinen Veränderungen. Lediglich Lechwerke Augs­

burg lagen mit plus 2,75 v. H. recht fest. Schiffahrts» aktien waren gehalten. An den übrigen Marktge­bieten hielten sich die Abweichungen in dem erwähn­ten Rahmen. Gut behauptet waren Süddeutsch« Zucker, Plku und Licht und Kraft. Nach den ersten Kursen wurde die Stimmung etwas fester. Anregend war die Erhöhung der Golddiskontbank-Dioidende. Die Kulisse schritt zu kleinen Rückkäufen, wöbet Reichsbank mit plus 2,50 o. Sy im Vordergrund stan­den und sich Hoffnungen auf eine unveränderte Di­vidende bemerkbar machen.

Am Rentenmarkt gaben Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen zunächst bis zu 0 50 o. Sy nach, später traten aber auch hier leichte Erhöhungen ein. Von Industrieobligationen verloren Stahloereinbonds 0,75 v. Sy, dagegen waren 6proz. Salzmannobligationen mit Plus-Plus-Zeichen erschienen.

Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuch­sorderungen eröffneten zunächst etwas schwächer, waren aber später wieder erholt, besonders Reu- besihanleihe, die um 1,25, auf 13 Prozent an­zog. Auch Schutzgebiete konnten sich über das Ri­veau von gestern erheben. Tagesgeld blieb mit 3,5 Prozent unverändert.

Franlsurter SchlachLvrehm?.rkt.

Frankfurt a. M., 23. März. Auftrieb: 143 Rinder, 953 Kälber, 104 Schafe, 638 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 39 bis 43 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 38, geringe Kälber 27 bis 31. Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Weidemast) 26 bis 29, mittlere Mast­lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 22 bis 25. Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebend­gewicht 35 bis 38, von etwa 160 bis 200 Pfund 34 bis 37 Mk. Marktverlouf: Kälber und Schafe geräumt: Schweine schleppend, ge­ringer Lieberstand.

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Gießen, den 6. März 1933.

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Gießen, den 14. März 1933.

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Gießen, den 20. März 1933.

I. A des Hessischen-Amtsgerichts Gießen: _____L e 0 , Ortsgerichtsvorsteher._______

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Im Konkurse über den Nachwß des Eisenbahnsekretärs i.R. Karl Müller XXII. und dessen Ehefrau Luise 2UüUer, geb. Loh. in Gießen soll eine Abschlagsoerteilung stattfinden. Die zur Zeit verfügbare Masse beträgt 1200 NM. Zu berücksichtigen sind 14 919,82 RM. Konkursforderungen, so daß eine Quote von 8 v. Sy zur Vertei­lung kommt. 2008D

Verteilungsverzeichnis ist auf der Ge­schäftsstelle des Amtsgerichts Gießen nie­dergelegt.

Gießen, den 23. März 1933.

Der Konkursverwalter:

E. Rothenberger, Rechtsanwalt Gießen, Bahnhofstraße 76.

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