englischen Leutnant Valllie - Stewart in dem berühmten Srasorth - Hochländer - Regiment; der Offizier steht im Mittelpunkt der jetzt eröffneten Kriegsgerichtsverhandlung, die die Sensation der Londoner Presse bildet. Briefe aus Berlin, unterzeichnet ,Marie Luise", und Mitteilungen des Leutnants an einen gewissen »Otto Waldemar Obst" in Berlin, die verlesen wurden, erhöhen das Interesse der Oefsentlichkeit an dem Prozeß. Richt weniger als zehn Anklagen werden gegen den Leutnant vorgebracht, deren jede eine Verurteilung zu 14 Jahren Gefängnis nach sich ziehen kann. So wird er bes^rutdigt, in Berlin oder anderswo 1932 in Verbindung mit Otto Waldemar Obst Angaben über Organisation, Tanks, Panzerwagen, Panzerzugausrüstung, Gewehrmodelle und Organisation von Tankbrigaden des englischen Heeres gemacht zu haben. Weiter soll er in oder bei dem englische Truppenübungsplatz Aldershot Informationen über moderne Kriegsausrüstung,
Ausbildung von Tankbataillonen gesammelt und an Otto Waldemar Obst aus Berlin Informationen übermittelt haben, die für den Gegner nützlich sein können. Der Klage zufolge enthielt ein Brief der ,Marie Luise" zehn Fünfpfundnoten. Im Besitz des Leutnants wurden laut Anklage auch die vergrößerten Photographien eines Heerestanks gefunden. Bei einem Teil der Verhandlungen dürfte wahrscheinlich die Oeffent» lichkeit ausgeschlossen werden.
TcrZcichnerPaulSimmel tot aufgefundcn.
Berlin, 23 März. (CRB. Funkspruch.) In seiner Charlottenburger Wohnung wurde heute morgen der bekannte Karikaturist und Kunstmaler Paul Simmel tot aufgefunden. Man vermutet, daß er in einem Zustande feelisch^e Depression Selbstmord begangen hat, indem er Schlafmittel in größerer Menge zu sich nahm.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Speisezettel unter der Lupe.
Aus acht Lehrbüchern über vernunftgemäße Ernährung habe ich eriannt, daß es ebenso lustig w:e I töricht ist, sich auf irgendeine Kost fcstzulegen. Die Lehren der einzelnen Speisezettel-Apostel werden nur deshalb so leidenschaftlich oertündet. weil es sich immer um ein reines Geschäft handelt. Man betrache nur das von den einzelnen Lehren empfohlene Frühstück.
Einer empfiehlt schwarzen Kaffee, dazu hundert Gramm Weizenbrot mit Sirup und Butter. Ein anderer jagt, daß Kaffee und Tee unweigerlich den baldigen Tod herbeiführen und empfiehlt ein Schleim- füppchen, sieben halbe Walnüsse und eine Banane. Das ist kein Witz, sondern eine Tatsache.
Ein Dritter jagt, daß Weißbrot am Morgen lebensgefährlich ist, und daß lediglich gerostetes Schwarzbrot gegessen werden darf. Er gestattet zum Frühstück auch Fleisch, Eier, Fisch oder Käse, die Eiweißstoffe enthalten.
Ein Bierter wiederum warnt dringend vor allen Eiweißstoffen im Hinblick auf drohende Gicht und beschwort die Menschheit, die von ihm hergcstcllten Frühstückskeks zu verzehren, in denen die notwendigen Säuren und der stärkehaltige Aufbauzucker wohlberechnet vorhanden seien.
Ein anderer wieder, dessen Lehren und Bücher viel beachtet werden, schreibt folgendes Frühstück vor: Zwei weichgekochte Eier werden mit je einem Eßlöffel Kleie, Milch und Honig verrührt. Bei diesem Brei hat man sicher das Gefühl, einen Tennisball zu verschlucken, aber der Erfinder verspricht dafür ein langes Leben und milde Verdauung.
Mit diesen Kleinigkeiten hat sich der Unfug aber keineswegs ausgerast.
Fetzt kommen die Kalorien an die Reihe: Ein Kind im Alter von 6 bis 8 Jahren muß täglich 1493 Kalorien zugeführt bekommen, während ein Möbelpacker, wie es heißt, 3929 dieser Einheiten schlucken muß. Dps wird in den Ernährungsbüchern nun in einer Form vorgeschrieben, die bei Nichtbefolgung vorzeitiges Dahinsiechen androht.
Da haben drei Feigen 100 Kalorien; eine Kartoffel gleichfalls 100; wobei die Größe dieser Feldfrucht anscheinend keine Nolle spielt; eine Banane 75; sieben halbe Walnüsse 100, ein Ei 75, 100 Gramm Schellfisch 73; 100 Gramm Gans 489 und 250 Gramm Butter 779. Es können auch 778 fein.
Der ganze Unfug ist aber aus der Behandlung des Durstes ersichtiich: Ein Glas Wasser wird da ?um Ausgangspunkt und zu umfassenden Studien ür verschiedene Ratschläge gemacht.
Nur wenige sagen, daß man ein Glas Wasser trinken soll, wenn man das Gefühl hat, eines trinken au wollen, — also, wenn man durstig ist. Das ist alsch. Man soll nicht trinken, wenn man durstig ist, andern eine halbe Stunde vor dem Essen. Andere inben das lebensgefährlich und ordnen an. eine Viertelstunde nach dem Essen zu trinken! Andere empfehlen mindestens zwei Liter Wasser im Tag, aber gekocht, bitte sehr! Und ein ganz Schlauer stebt aus dem Standpunkt, daß man nicht trinken soll, wenn man durstig ist, sondern immer eine halbe Stunde vorher!
Alle diese Geschäftemacherei wird aufhören, wenn die Menschen durch Arbeit und Brot wieder richtig -ihren Hunger stillen können
Es kommt weniger darauf an, daß der Möbelpacker 3929 Kalorien erhält, als daß er Möbel zu packen hat und daß ihm feine Frau nach getaner Arbeit ein gutes und kräftiges Essen auf den Tisch stellen kann. M.
Ausdehnung des Verbots über das betäubungslo^e Schlachten.
In den unter dem 20. März erlassenen Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über das Schlachten von Tieren vom 17. März 1933 wird vom Minister des Innern bestimmt:
Das Betäuben ist durchzuführen: 1. bei Pferden. Großvieh und Schweinen vermittels Ku- gelschuh- oder Bolzenschuh-Apparats oder auf elektrischem Wege. Eine Betäubung durch Kcpf- fchlag oder Genickstich ist ab 1. April 1933 verboten; 2. bei Kleinvieh (Kälber. Schafe, Ziegen) kann neben den genannten Apparaten auch der Kopsschlag in Anw n.ung k.m.nen un e: der Voraussetzung, daß derfeloe fachmännis^) ausgeführt wird. Das Verbot betäubungslosen Schlachtens wird auch auf Geflügel jeglicher Art ausgedehnt. Diese Vorschriften beziehen sich auf alle gewerblichen und auf alle Hausschlachtungen. Ausnahmen können nicht gestattet werden.
Verbilligte Sommerreisen ab -1. Mai.
Die Reichsbahn beabsichtigt auch in diesem Jahr wieder die Einführung der verbilligten Urlaubskarten mit großzügigen und weitgehenden Erleichterungen. Die Entscheidung fällt wahrscheinlich noch im Laufe dieser Woche, spätestens in der Sitzung des Verwaltungsrates am 27. und 28. März. Man Plant und rechnet, der „Deutschen Zeitung" zufolge, bestimmt mit der Einführung der Urlaubskarten mit 20 v. H. Fahrpreisermäßigung vom 1. Mai bis 31. Oktober. Die Geltungsdauer (zwei Monate) soll unverändert bleiben, dagegen wird die Sperrfrist aus sieben Tage herabgesetzt werden. Außerdem soll eine Fahrtunterbrechung auf der Hinreise gestattet werden.
Gietzcner ^ochenmarttpreifc.
* Gießen, 23. März. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110 Pfennig das Pfund, Landbutter 100, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 15, (grün) 20 bis 25, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut, Gelbe Rüben, je 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Anter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 18, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50,
Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3. Aepsel 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Obslmus 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Rüsse 40; Tauben 40 bis 50 Pfennig das Stück. Käse 5 bis 10, Eier 7, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 20 bis 25, Endivien 10 bis 2o, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30.
Taici^ für tonne siaq, 23. März
1918; Litauen erklärt sich als selbständigen Staat; — 1924: der Kolonialpolitiker Joachim Graf von Pfeil in Friedersdorf gestorben; — 1929: der Komponist Anton Beer-Waibrunn in München gestorben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Technische Rothilfe e. V., 20.15 Ahr, Studentenheim, Leihgesterner Weg^ öffentliche Werbeversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Rebell". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: »Scamvolo, ein Kind der Straße".
— Aus dem S t a d t t h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, von 20 bis 23 Ahr, erste Wiederholung der Operette „Glückliche Reise" von Künnecke. Spielleitung: Paul W r e d e- 24. Vorstellung im Freitag- Abonnement. Operettenpreise. — Sonntag zum letztenmal die Operettenrevue „Im weißen Rößl" zu Leinen Operettenpreisen. Anwiderruflich letzte Aufführung! — Das Schauspiel „Vor Sonnenuntergang" von Gerhart Hauptmann wird am Dienst g, '28. März, zur nächsten Aufführung kommen. — Als nächste Reuinszenierung kommt am Freitag. 31. März, das Schauspiel „Die Räuber" von Schiller unter Peter F a s s o t s Spielleitung zur Aufführung.
— Der Deutsch-Oe st erreichische Al- penverein, Sektion Oberhessen, veranstaltet am Samstag, 25. März, 20.30 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums einen Lichtbilder-Vvrtrag. Regierungsrat Dr. G r e t s ch m a n n - Darmstadt wird über seine Erlebnisse in den Bergen sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
— E i n häusliches Schülerkonzert zum Besten der Anstalt Bethel veranstaltet Frl. Amalie Holzapfel am Samstag, 25. Htärz, 16 Uhr, und am Sonntag, 26. März, 11 Uhr, im Hause Frankfurter Straße 12. Zur Aufführung gelangen Werke von Bach, Beethoven, Mendelssohn, Chopin, Schuhmann, Reger u|ro. Auf dif heutige Anzeige fei be- fonders aufmerkfam gemacht.
•• Letzte '„R öhl"-Ausführung im Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wie überall an allen Bühnen, an denen die Operettenrevue „Im weißen Rößl" zur Aufführung kam und dieses Stück zum Schlager der Spielzeit wurde, gibt es doch auch für diese Beliebtheit einen Abschied. Die Intendanz muß ber irrigen Meinung Vieler Theaterfreunde cnigec^ntretcn, daß noch einige Aufführungen folgen würden. Da die von der Firma Iosef Blecker, Münster i. W., gelieferte kostürnliche Ausstattung unbedingt zurück- gesandt werden muß, ist die „Rößl"-Aufsührung um Sonntag, 26. Marz, 18.30 Ahr, unwiderruflich zum letztenmal.
** Beurlaubung des Oberstaats- a n w a l t s D r. M a y. Wie aus Dürmstadt berichtet wird, ist der Oberstaatsanwalt in Darrn- staot Dr. May auf fein Rachsuchen vom Iustiz- m.nisterium beurlaubt worden.
*• Weitere Beurlauoungen bei der Polizei. Der Etaatslommissar für das Polizeiwesen in Hessen hat mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres beurlaubt: Polizeioberleutnant Stock, Pclizeioberwachtrneister Arzt, Polizeioberwachtmeister Hillenbrand, Po.i.eiooer- Wachtmeister Häuser, Poli^eiwacytmeiste^ Krämer I., sämtlich in Offenbach, Polizeioberleutnant Knieriem in Darmstadt, Gendar- meriefommiffar Köhler, Polizeilo.nmissar Hau, Polizeioberwa^tmeister Ernst Münk in Gießen, Gendarmerie-Hauptwacytmeister Busch in Reiskirchen, Gendarmerie Hauptwachtmeister Halbgewachs und Polizeiyauptwacht- meitler O b st e r in Worms.
** Gießener Frühjahrsmesse. Vom Sonntag, 2ö. März, bis einschließlich Sonntag, 2. April, findet au* Oswaldsgarten die diesjährige Frühjahrsmesse statt. Der Frühjcchrsmarct ist auch in diesem Iahre als Schau- und Verlausr- markt beabsichtigt. Der Unterhaltung werden wieder zahlreiche Schaugeschäfte, Auto-Leibstfahrer, Karussells, Steile Wand, Hippodrom, Hexenschaukel, Lachtempel, Affenschau, Kasperltheater und vieles anderes mehr dienen. Marklzeit ist von 14 bis 22 Ahr, an Sonntagen von 14 bis 22.30 Ahr. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.
** Schwerer Verkehrsunfall. In der Rähe der Iohannesburg auf der Marburger Straße ereignete sich gestern gegen 20.30 Ahr ein schwerer Verkehrsunfall. Der 30s5hrige Reisevertreter Emil Fichtner, wohnhaft in Gießen, Licher Straße, der sich auf der Fahrt von Lollar nach Gießen befand, fuhr beim Aeberholen eines Autos mit seinem Kleincraftwagen so heftig gegen einen Daum, daß der Wagen fast völlig zerstört wurde. Fichtner erlitt dabei eine schwere Bauchve.letzung und e.ne Ko,.fVerletzung, die seine sofortige Aeberführung in die Chirurgische Klinik nötig machten. Rach der ersten ärztlichen Hilfeleistung wurde der Verunglückte in einem Privatkraftwagen nach der Klinik gebracht und noch in der Rächt einet Operation unterworfen. Der Zustand des "t>eöauem8toerten Mannes ist ernst.
•* Weidmannsheil. Fabrikant Iulius R a 11 m a n n in Gießen schoß gestern abend die erste Schnepfe im Gießener Siadiwald.
•• Schont b i e Hecken? Verkohlter Rasen und Brandplatten in vem mit Hecken umsäumten Feldrain machen den naturliebenden Wanderer stutz.g. Das Rborennen der Weg- und Ackergehölze kann vom Standpunkt des Vogelschutzes aus nicht genug mißbilligt werden. Zahlreichen Buschbrutern, wie Grasmücken, Weidenlaub- vögeln, Rohrsängern, Amse.n, Hansl.ngen, Gimpeln und Rachtigallen wird die Ristgelegenheit in unserem ohnehin schon heckenarmen Lande bedeutend verringert und erschwert. Die Folge davon ist ein Abwandern der nützlichen Heckensingvögel und ein damit verbundenes starres Zunehmen schädlicher Raupen, wie des Ringelspinners, Daumweihlings und der Gespinstmotte. Die Aufforderung: „Schont die Hecken!" sollte auch wegen der mit dem Abbrennen verbundenen Gefahr eines Wald- oder Heidebrandes beachtet und erfüllt werden.
** „Die Erbtante lammt". Auf Beran- laffung des Union-Brikett vertreibenden Handels fand gestern abend im Cafe Leib eine Reklame-Veranstaltung für Union-Brikett statt. Zunächst hörte man von einer Hausfrau das Notwendigste über rationelle Küchenführung, über Kohlenverbrauch, über die richtige Auswertung des Feuerungsmaterials ufro. Gleichzeitig bereitete die Vortragende auf den zur Verfügung stehenden Herden einige Gerichte, Kuchen wurden gebacken und fo eine glückliche Verbindung von Theorie und Praxis geschaffen, die die zahlreichen Zuhörerinnen mit großer Aufmerksamkeit folgen ließ. Schließlich gelangte ein kleines Theaterstück jur Ausführung, das nur von zwei leiblichen und einigen imaginären Personen (im Telefon) gespielt wurde. Die lustige Handlung, die einige ulkige Verwechslungen und viel Situationskomik brachte, diente indirekt der Reklame, und so konnte man auch während des Theaterstückes einiges über die praktische Verwendung der Union-Briketts, über richtige Feuerung und andere einschlägige Dinge
hören. Die Verteilung von Kostproben regte die Stimmung an. Zum Schluß fand die Verlosung eines Zimmerofens und einer An johl Trostpreise statt. Die Preise wurden zum Teil sofort verteitt.
Oie deutsche Bauwirtschast im Jahre 1932.
Rach einer Veröffentlichung der Deutschen Dau- und Bodcnbank AG.. Berlin, und der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG.. Berlin, wird ausgeführt, daß die seit längerem beobachteten Etrukturwandlungen auf dem Gebiete des Wohnungsbaues sich im Iahre 1932 verschärft haben. Die Schrumpfung der Bauproduktion hot sich in schnellerem Tempo als in dev industriellen Gesamterzeugung vol.zogen. Gegenüber 11 Prozent im Iahre 1920 umfaßte der Wert der Bauproduktion im Iahre 1932 kaum mehr als 6 Prozent der Industrieerzeugung. Der absolute Wert der baugewerblichcn Produktion habe sich im Iahre 1929 von 8.9 Milliarden auf etwa 4 Milliarden im Iahre 1931 und schätzungsweise 2.1 Milliarden Mark im Iahre darauf vermindert. Der Tiefbau konnte sich unter dem Einfluß von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit 900 Millionen Mark annähernd den Vorjahresstand behaupten. Im Wohnungsbau hat sich der Rückgang noch schneller als in der Gesamtproduktion vollzogen. Ein beträchtlicher Wohnungsbedarf hatte demgegenüber infolge der Massenarbeitslosigkeit nicht die entsprechende Rachfrage zur Folge. Insgesamt wird die Zahl der in Deutschland 1932 errichteten Wohnungen auf etwa 120 000 geschätzt gegen 251 701 im Iahre 1931 und einer durchschnittlichen Iahresleistung von wenig über 330 000 in den Jahren von 1923 b.s 1930. Die Zahl der Tauerlaubnisse fiel um 56,7 Prozent, die der Daub:ginne um 42 Prozent und die der Bauvollendungen um 45,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Oberhessen.
Neue Ehrung
des hessischen Staatspräsidenten.
WER. Butzbach, 22. März. Rachdem die Stadt Butzbach vor kurzem den neuen hessischen Staatspräsidenten Dr. Werner zum Ehrenbürger ernannt hat, beschloß jetzt der Lehrkörper der hiesigen Weidig-Oberrealschule, in dankbarer Anerkennung des langjährigen Wirkens von Professor Dr. Werner als Lehrer an dieser Anstalt, ihn dadurch zu ehren, daß die Schule künftig Weidig-Werner-Schule benannt werden soll. Staatspräsident Dr. Werner, der eine Abordnung des Lehrkörpers der Schule unter Führung von Oberstudiendirektor Dr. B i n z e l empfing, die ihm diesen Beschluß des Lehrkörpers vortrug und um seine Zustimmung bat, hat sein Einverständnis zu dieser Ambenennung gegeben.
HilsSpolizei-Verpflichtung in Grünberg.
+ ® r ü n b e r g , 22. März. Hier fand am Dienstagnachmittag die Verpflichtung der SA. als Hilfspolizei statt. Zu diesem Zwecke war die SA. auf dem Marktplatz angetreten. Es erschien der Staatskommissar für das Polizeiwesen, Dr. B e st, in dessen Begleitung sich u. a. Regierungsrat Grein vom Kreisamt Gießen und der Kreisleiter der RSDAP. Abg. Dr. Harth, besanden. Rach einer Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Hilfspolizei hinwies und die Verordnung über ihre Einrichtung bekannt gab, nahm er die Verpflichtung der SA. durch Handschlag vor. Mit einem Hinweis auf die Bedeutung des Tages von Potsdam schloß er mit einem Sieg Heilt auf den Führer des neuen Reiches.
Niddaer Dank.
△ TU i b b a, 21. März. Die diesjährige Gene- ralbcrfammiung der Riddaer Dank wurde in der ..Krone" abgehalten. Aus dem von Danlvor- stand Hermann o e u m erstatteten Iahresbericht I war ein Geschäftsumsah von 14 Millionen, statt 17 Millionen im Vorjahr, zu ersehen. Die Ar- fachen dieses Rückgangs liegen in der allgemeinen Abnahme des Geldverkehrs infolge der Defla- tionserscheinungen im Sommer, sowie in der Herabsetzung des Zinsfußes. Verluste hat die Dank nicht erlitten. Der Reingewinn betrug 6797 Mark gegen 13 747 Mark im vorigen Iahre. Einen bedeutenden Ausgabeposten des Instituts bilden die Stevern, die wieder 1800 Mark mehr erforderten. Die Versammlung genehmigte die Rechnung und beschloß, den Reingewinn wie folgt zu verwenden. Den Aktionären an Dividende 7 Proz. mit 2876,60 Mark, Aeberweisung zum Aufwertungsstock 500 Mark, desgleichen zum Reservefonds 2000 Mark; Zuwendung dem Verein Krankenpflege hier 100 Mark und dem Gewerbeverein Ridda für die Gewerbeschule 100 Mark. Abschreibung auf Immobilien 367,42 Mark und den Rest mit 853,30 Mk. auf neue Rechnung zu übertragen. Rach den g.schlichen Destimmungen muhte der seitherige AuFichtsrat in Gesamtheit zurücktreten, er wurde aber mit großer Mehrheit wiedergewählt.
Landkreis Gießen.
z. Rödgen, 21. März. Die Gesangsab- teilung des Turnvereins 18 62 zuWie- seck gab am Sonntagnachmittag in Wagners Saalbau ein Konzert. Die Sangerschar, etwa 40 Männer, brachten in der Hauptsache Volkslieder von Silcher, Hanemann, Zöllner, Moldenauer u. a., aber auch einige Kunstchore zu Gehör. Die Lieder wurden trefflich wiedergegeben und zeugten von guter Schulung. Das Programm wurde bereichert durch ein Streichquartett der Herren Otto Dender, (1. Violine); Rudolf Loh (2. Violine), Karl Rabenau (Viola), Dr. Hillenchrand (Cello); das u. a. eine Beet- hovensche Komposition meisterhaft interpretierte. In der Pause begrüßte der Vereinsvorsitzende. Herr Säubert, die Zuhörer und richtete Worte der Anerkennung und Dankbarkeit an den Dereinsdirigenten Karl E tz e l m ü 11 e r von hier, dem zu Ehren dieses Konzert veranstaltet worden sei. Die Veranstaltung fand einen feinsinnigen Abschluß mit Haydns Variationen über das Deutschlandlied.
< Burkhardsfelden, 21. März. Am Samstag fand in der Gastwirtschaft von Hinter Wwe. die Generalversammlung der Spar-, Kredit-, Bezugs - und Absatz-Genossenschaft Burkhardsfelden statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Chr. Arnold IV., gedachte zunächst der Verdienste des verstorbenen Mitbegründers und erstmaligen Rechners Heinrich Becker. Direktor A l b a ch X. erstattete den
Geschäftsbericht und gab die Iahresrechnung und die Bilanz für 1932 bekannt, die einen Gesamtumsatz von 268 548 Mk. auswies. Der Reingewinn beträgt 745,78 Mk.. der nach Verteilung einer lOprozentigen Dividende den Reserven überwiesen wurde. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres 107. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die Ersatzwahl zum Vorstand ergab die Wiederwahl des seitherigen Direktor- Hch. Alb ach X. Von den ausscheidenden Aufsichtsratsmitgliedern. Hch. G o t t w a l z und Karl Haas 1., wurde ersterer wiedergewählt. An Stelle von K. Haas I. wurde Wilh. Dal- ser VIII. von Oppenrod gewählt. Zum Schlüsse referierten Bürgermeister Albach und Genossen- schaftsrechner L a u n s p a ch über Sleuergutscheine.
4- Reiskirchen. 21. März. Die durch den Wegzug des früheren Feuerwehrkommandanten notwendig gewordene Reuwahl fand dieser Tage statt. Die Wahl fiel auf Herrn Heinrich Damm.
Kreis Büdingen.
WSR. Büdingen. 22. März. In dem benachbarten Ort Mittelgründau, in dem die Kommunisten zahlreiche Angehörige hatten, wurde jetzt der dortige Kommunistenführer Pfannmüller, der beim Erscheinen der Gendarmerie anfänglich die Flucht ergriff, aber doch nach kurzer Verfolgung gefaßt werden konnte, verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Bei dem Verhafteten wurde belastendes Material gefunden.
Wettervoraussage.
Das umfangreiche Hochdruckgebiet mit feinem Kern über der Ostsee wird zunächst das schöne Wetter erhalten. An feiner Südseite flieht kontinentale Luft nach Deutschland, so daß bei überwiegend hei» terem Himmel die Temperaturgegenfätze zwischen Tag und Nacht bestehen bleiben. Tiefdruckstörungen im Westen, wie auch über dem Balkan dürften jedoch mit der Zeit die Hochdruckwetterlaye gefährden und zu Dunst- und Wolkenbildungen fuhren.
Aussichten für Freitag: Äeist heiter und trocken, nachts noch kalt, tagsüber weitere Erwärmung.
Aussichten für Samstag: Stellenweise Dunstbildung und leicht bewölkt, trocken.
ttircbfiche Jiochncbfen.
Evangelische Gemeinden.
Freitag, den 24. März.
Kapelle des Allen Friedhofs. 18 Uhr: Passions» andacht; Pfr. Lenz. — Pelruskapelle. 20: Passions» andacht; Psarrassistent Knell.
katholische Gemeinden.
Freitag, den 24. März.
' Gießen. 20.15 Uhr: Fastenpredigt.
Samstag, den 25. März.
Gießen. 9.30 Uhr: Gelegenheit, bei einem fremden Priester zu beichten.
Israelitische Gemeinden.
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 25. März. Vorabend 6.30 Uhr; morgens 9; abends 6.55 und 7.35 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschask. Sabbatfeier den 25. März. Freitag abend 6 20 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 7.35. — Wochentags: morgens 7; abends 6 Uhr.________
Seim Kaffeekochen ist die Hauptsache eine gute stasseewürzel Darum nehme man immer
Mühlen


