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Nr. 46 (Elftes Blatt
185. Jahrgang
Donnerstag, 25 Sebruar 1933
<Er|d)etni tAgltd), außer Sonntags und feiertags Beilagen. Die 3Duftnerte (Bienener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholle Monats Bezugspreis:
Mit 4 ‘Beilagen fRlt 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, zernfvrechanschlüsse
unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» nchien Anzeiger Liehen.
Pofifdfedfonto: franlfurt am Main 11686.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Thefredakteur
Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Lrnst Dlumschein undlürdenAn« zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich m (Biegen.
Lingam im europäischen Kreuzfeuer.
OieFreundschastzuItalienuudNeulschland.-NermagyarischeGchwuranderBahreApponyis
Don unserem d-Derichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Budape st, 21. Februar 1933.
Wann wird man in Europa dieses Volk verstehen, das da inmitten einer vom Herrgott gesegneten Erde lebt, zwischen Feldern, die im Herbst von Früchten strotzen, unter einer Sonne, die den feurigen Wein reisen läßt, an einem breiten Strom, den eine Legion von Meistern des Tones besungen! Dieses Volk, das ein Fremdling in Europa geblieben ist, seit den Tagen, da es auf schnellen Pferden herab- gestiegen in die weite Pußta!
Die Geschichte des Magyaren ist eine ein- zige Geschichte des Leides, llnb wäre nicht das Temperament, das ihn himmelhoch- jauchzen läßt, um gleich wieder zu Tode betrübt zu sein und umgekehrt, vielleicht hätte er sein Geschick gar nicht einmal ertragen, mehr als tausend Jahre lang. Aber sein Leid klingt mit der Weite der Pußta durch seine Lieder, und nicht umsonst sagt er von sich: »Weinend jubelt der Maghare...“
Sie standen in diesen Tagen wieder einmal im Angesicht eines nationalen Schmerzes, an der Bahre eines ihrer Größten, des greisen G r a - f e n Apponyi, den der Tirahn kannte und der späte Eniel, das Sinnbild des ungarischen Edelmannes, der treu zu seinem König hält, und von einer sanatischen Liebe zu seinem .Volke beseelt gewesen ist und zu der Erde, auf der dieses Volk liebt, und dec es gerade deshalb als eine sich nicht schließenwollende Wunde empfinden mußte, daß man diesen heiligen Voden raubte, zerriß, verstümmelte, daß man Ungarn durch das Friedensdiktat von Trianon an das Kreuz geschlagen.
Und während noch die Trauerklänge langsam vcchallten, rasselten die Säbel rings um das Land, wurde die Luft von Kriegs und Haßgeschrei erschüttert, standen die Rutz- nießer eines Friedens auf, den man als Frieden niemals anerkennen kann, erhoben die, die der magyarische Soldat in so und soviel Schlachten besiegte, die er im Kriege vor sich herlaufen sah, ihr Haupt unter dem Schuh ihres mächtigen französischen Protektors, wurde das Vand der Kleinen Entente aufs 'Heue geschmiedet, rief ein Franzose: „Haltet den Dieb!" Denn dieser Franzose zimmerte die Zwecklüge vom geheimen Vündnis zwischen Italien Ungarn und Deutschland. Und dann wurde die schamlose Hirtenberger Rote bekannt, mit man Oesterreich schlug und Ungarn meinte. Verdunkelte sich, mit einem Wort, der ganze politische Himmel Ungarns, und gerade da war einer der Vesten dahin- gegangen, Graf Albert Apponyi, der Haupt- delegierte seines Landes für den Völkerbund, der mit seiner überragenden Persönlichkeit auf den Tagungen dieses Gremiums die Angriffe der Vertreter eben dieser Kleinen Entente stets zurückgewiesen und als die stärkste, unüberwindbarste Phalanx gegenüber dem Cäsarenwahn der Siegerstaaten wirkte, die so gar keine Sieger gewesen sind.
Es besteht kein Geheimbündnis zwischen Ungarn und Italien, und Ungarn erhält keine Waffenlieferungen aus Dom. Wohl aber verbindet das italienische und das ungarische Volk seit den 48er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine überlieferte Freundschaft, die nach der Unterbrechung des Krieges und nach der nationalen Wiedergeburt der Apenninischen Halbinsel stärker wurde denn je. Keine Zeitungsartikel eines Lord Dothermere und keine ange- > botenen goldenen und silbernen Kugeln Frant- re.chs vermochten diese Freundschaft zu erschüttern. Man nahm danibar jede Hand, die sich einem in Europa entgegenstreckt«. Man wies niemand zurück, aber man ging bereits mit Italien 2lrm in Arm, da dieses Land mit den Ungarn, mit Albert Apponyi am sogenannten Ratstisch der Weit gegen Trianon aufgetreten war, gegen den sinnlosen, wahnwitzigen Raub ungarischer Erde, gegen die Tatsache, daß man, um nur das rumänische Beispiel zu erwähnen, mit einem Schnellzug in den frühen Dachmittagsstunden die neuungarische Grenze überschreitet, um in ununterbrochener Fahrt mit diesem selben Zug erst am nächsten Morgen die altungarische Grenze zu erreichen.
Und es verbindet eine innige Freundschaft den Magyaren mit dem Deutschen, mit dem er während des Weltkrieges Schulter an Schulter gerungen gegen eine Unzahl von Feinden. Freilich, diese Freundschaft ist ost in den Wirren der Nachkriegszeit getrübt worden, und daß sie schließlich auch bis in die jüngste Vergangenheit hinein nicht ungetrübt wiederhergestellt werden konnte, das lag nicht zuletzt an dem widrigen Geschick, daß Ungarn, ein 'hgrarftaat durch und durch, geradezu in Milch und Honig erstickt, nicht weiß, wo es hin soll mit feinem Fleisch, mit seinem Korn mit feinem Obst, mit feinem Wein, und Deutschland eine Landwirtschaft besitzt, die bereits am Rande eines Abgrundes schwebte, aus dessen Tiefe, wäre sie hinabgestürzt, wahrscheinlich kein Weg mehr nach oben geführt hätte. Diese elementaren Tatsachen haben sich in der letzten Zeit nicht grundsätzlich geändert. Der handelspolitische Gegensatz bleibt leider bestehen, doch trägt daran weder der Magyare, noch der Deutsche schuld. Es ist Schicksal,
wenn man so will. Aber ebenso Schicksal ist es, daß Ungarn und Deutschland heute die gl e ick en Feinde haben, und das ist wiederum Schicksals- gemeinschaft, die aneinanderketten muß, weit über materielle Gegensätze hinaus, auch wenn dieser „Materialismus" bisweilen Ausdruck von nationalen Lebensnotwendigkeiten darstellt.
Wie auckbie zwischenstaatliche Diplomatie arbeiten mag, der Magyare ist heute felfenf.ft davon überzeugt, daß eine Schicksalsgemeinschaft Deut,chiand, Ungarn und Italien aneinanberfettet, daß eine Legion von Feinden gegen diese drei Staaten aufmarschiert. Die Zweck.üge Frankreichs von dem Geheimnisbündnis zwischen Deutschland, Italien und Ungarn bestärkt hier noch mehr in dieser Ansicht, und die Hirtenberger Affäre hat die letzten Zweifel an der Richtigkeit der Anschauung für die deutsch - ungarisch - italienische Schicksalsgemeinschaft beseitigt. So ist die Stimmung in Ungarn, so denkt und fühlt man hier und schwort an der Bahre Ap- ponyis des Kämpfers gegen Trianon, nicht zu rasten und nicht zu ruhen, bis man das Unrecht wisber gutmachte. Denn man glaubt an einen Gott, man glaubt an feine Heimat, und man glaubt an die ewige galt- liche Gerechtigkeit und an die Wiederauferstehung Ungarns.
Oer Reichskanzler an Ungarn
Budapest, 22. Febr. (TU.) „Budapests Hirlap" veröffentlicht ein Interview seines Berliner Vertreters mit Reichskanzler Hitler. Der Kanzler sandte der „tapferen und ritterlichen ungarischen Nation" seinen (9ruß und seine guten Wünsche. Er wies auf die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Völker in der Geschichte, sowie das gemeinsame Geschick nach dem Weltkriege hin, woraus sich gemeinsame Interessen für die Zu- tun ft ergäben. Er werde danach trachten, die Freundschaft mit Ungarn zu pflegen und zu vertiefen. Der g e me infame Kampf in Genf bleibe unvergeßlich.
Auf die Frage, ob Ungarn auch in seinem wirtschaftlichen Kampf auf Hitlers Unterstützung rechnen könne, antwortete Hitler: ,Lch kann Ihnen versichern, daß Ungarn angesichts seiner alten traditionellen Freundschaft auf wirt,chaftuchem Gebiete von deutscher Seite auf die weitestgehende Unter ft üßung rechnen kann. Natürlich zwingt uns die heutige wirtschaftliche Lage zu vielfachen Maßnahmen. Ungarn aber ist als Agrarland in mancher Beziehung in einer günstigeren Lage als wir. Es werden aber bessere Zeiten kommen und sobald als Folge unserer Maßnahmen Deutschland wirtschaftlich wieder aufgerich- tet sein wird, werden wir auch für die Hilfe Ungarns sorgen."
Das »st ganz etwas anderes.
TschctNschc Waffcnicndungcn durch Lcsterretch.
Wien, 22. Febr. (WTB.) 3n einer Ver- fammlung der christlich-sozialen Vezirksorgani- sation Vrigittenau kam Heeresminister V a u - goin auf die Hirtenberger Angelegenheit zu sprechen. Oesterreichs 'Neutralität gel/.et.', entweder garkeine Wasfentransporle im Transitverkehr durchzulassen oder aber jedem Staat die Durchfuhr zu gestatten- Im Eisenbahntransit- verkehr aus der Tschechoslowakei nach Jugoslawien sei in den Jahren 1924 und 1923 sowie seit dem Jahre 1928 Kriegsmaterial in einer Gesamtmenge von weit über 2000 Waggonladungen gegangen, darunter 704 Geschütze, 5010 Maschinengewehre, 120 000 3n- fanteriegewehre und entsprechende Munition. An diesen gigantischen Mengen gemessen, gegen deren Durch'uhr von keinem der auswärtigen Staaten auch nur der gering st e Pro- t e st eingelegt worden sei, sei die ganze Hirtenberger Angelegenheit geradezu lächerlich.
Oer Reichskanzler fordert gleiches Recht
Oie Auslandsschulden. - Oie Arbeitsdienstpflicht. — Berufsarmee oder Miliz aber Wehrgleichhert. - Ein Hitler-Interview der Associated preß.
Berlin, 23. Febr. (WTB. - Funkspruch.) Reichskanzler Hitler gewährte dem Chefcorre- spondenten der Associated Preß ein Interview über wirtschaftliche Angelegenheiten. Der Reichskanzler sagte in Beantwortung einzelner Fragen u. a.: Sie fragen mich, ob ich noch an meinen im Dezember 1931 ausgesprochenen Standpunkt festhalte, daß private Auslandsschulden unter allen Tim ständen bezahlt werden müssen. Ich habe in dieser Frage immer den gleichen Standpunkt eingenommen und nehme i h n heute genau s o ein. Ich habe aber auch nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die Frage der Bezahlung von Schulden nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch des Könnens ist, daß vor allem nicht durch politische oder wirtschaftliche Maßnahmen ein Schuldner, von dem man Geld zu erhalten hat, vorher vernichtet werden darf.
Zu den Schutzmaßnahmen für die deutsche Landwirtschaft sagte der Reichskanzler, daß Deutschland sie nicht ergriffen habe, weil es etwa fremde Produkte von sich fernhalten wollte, sondern lediglich, weil der deutsche Bauer einfach untergehe, wenn ihm nicht wirksam geholfen werde.
Zur Frage der Miliz und des allgemeinen Arbeitsdienstes äußerte der Reichskanzler nur rein persönliche Gedanken. Als Rationalsozialist, so sagte Hitler u. a., sehe ich auch in der allgemeinen Arbeitspflicht ein Mittel, um zur Achtung vor der Arbeit zu erziehen. ilnfere jungen Leute werden lernen, daß die Arbeit den Menschen adelt.
3m 3ahre 1919 wurde von Deutschland aus die Anregung gegeben, uns eine Miliz zu genehmigen. Damals forderte man von uns die Einführung der Berufsarmee mit zwölfjähriger Dienstzeit. Deutschland besitzt daher keine irgendwie ins Gewicht fallende militärisch ausgebildete Reserven. 3eht redet man plötzlich von Abschaffung der Berufsarmee und Einführung der Miliz. 3d) ljabe die Empfindung, daß dies nur geschieht, um am eigentlichen fiern des Problems vorbeizukommen. Richt die Frage der wehrsystcme ist entscheidend, sondern d i e Frage der Gleichberechtigung. Die IDelf leidet darunter, daß durch den Friedensoer- frag von Versailles die 3dee vom zweierlei Recht verewigt werden soll. Die unmögliche Aufteilung der Rationen in Siegerstaaten und damit Lebensberechtigten und besiegten Rationen und damit Lebensminderberechtigten ist uner- t r ä g I i ch. An sich ist es uns ganz gleich, welche Mehrsysteme die anderen Rationen einzuführen gedenken; aber nicht gleich ist es ob ei n e Ration 100 000 Mann ohne Reserven besitzt und eine andere mit ihren Verbündeten für den Kriegsfall mehr als 12 Millionen. Und nicht gleich ist es, ob eine Ration vollständig technisch entwaffnet ist, während eine andere im Besitz der modern ft en Angriffswaffen eine mehr als zehnfach überlegene Stellung einnimmt.
Oer französische Senat gegen Herabsetzung der Heeresausgaben.
Paris, 23. Febr. (WTB.-Funkspruch.) Der Senat hat gegen den Wunsch der Regierung und auch im Gegensatz zur Kammer bei den Heeres- krediten nur eine symbolische Herabsetzung von 1 000 Franken vorgenom- men, und zwar mit 170 gegen 133 Stimmen.
In der Aussprache erklärte M i l l e r a n d , daß man gegenwärtig die Kredite für die nationale Verteidigung nicht herabsehen dürfe. Der Vorsitzende des Marineaus- s ch u f s e s machte Bedenken geltend gegen eine Herabsetzung der Kredite für die französische Flotte unter Hinweis auf die Flottenbautätigkeit in Frankreichs Rachbarländern Italien, Deutschland und England. Der Vorsitzende des Luftfahrtausschusses wies darauf hin, daß bei einem Kriege die Beherrschung der Luft für den Enderfolg ausschlaggebend sein werde. Er
machte auf die Anstrengungen Deutschlands und Italiens für ihr Flugwesen aufmerksam und bedauerte, daß Frankreichs Luftstreitkräfte nicht stärker seien als gegenwärtig. Der Vorsitzende des Heeresausschusses sprach sich gleichfalls gegen eine Kürzung der Heereskredite aus. Die Abrüstungskonferenz könne nach seiner Ansicht eine Herabsetzung ermöglichen, aber man könne nur abrüsten, wenn eine ständige Kontrolle bestehe.
Ministerpräsident und Kriegsminister D a l a - dier erklärte, von den vom Senat geforderten Kürzungen würden weder die französische Flotte noch die französische Luftfahrt betroffen. Italien gäbe anderthalb Milliarden für sein Flugwesen aus, Frankreich dagegen 24 Milliarden. Der Luftfahrtminister habe die französische Flugzeugindustrie um einen Reorganisationsvlan gebeten, durch den die Qualität des französischen
Flugzeugwesens gehoben werden solle. Dm übrigen tönne in der allgemeinen Lage keine Beunruhigung wegen der Sicherheit des Landes eintreten. Frankreich fei imstande, allen Eventualitä- tenRechnungzu tragen. Man habe, erklärte der Ministerpräsident weiter, von einer Verzichts- jolitit Frankreichs gesprochen, aber diese datiere chon vom Kriegsende her. Man habe die Deutschen mit ihren Waffen und ihrer Musik an der Spitze nach Hause marschieren lassen. In den Friedensverträgen habe Frankreich Opfer bringen müssen, die seine Freundschaften erhielten, Freundschaften, die morgen ebenso wertvoll fein würden, wie gestern. Die Ausgabe der Regierung fei, sich weiter um die Sicherung des Friedens zu bemühen, eine kontrollierte und garantierte A b - r ü ft u n g zu erstreben, bis dahin aber alle Maßnahmen zu ergreifen, die es Frankreich gestatteten, ein freies Volk zu bleiben.
Der GenserZwischensall beigelegt
Aussprache mit .v.cnbeijon.
Nadolny spricht heute als erster.
Genf, 23. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Debatte im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wird heute nachmittag fortgesetzt. Botschafter Nadolny hat noch gestern abend a n denPräsidentenHendersoneinSchrei- ben gerichtet, worin er seinem Bedauern darüber Ausdruck gibt, daß Henderson ihm gestern am Schluß der Sitzung nicht mehr die Möglichkeit gab, seinen Standpunkt zu dem deutschen Abänderungsantrag in der Frage der Vereinheitlichung der Heeressysteme nochmals darzulegen. Heute vormittag fand eineAussprache zwischen Henderson und Nadolny statt, in der der Z w i - schensall beigelegt wurde. Der Präsident der Abrüstungskonferenz bedauerte, daß er die Wortmeldung Nadolnys nicht beobachtet habe. Henderson wird dem deutschen Vertreter heute nachmittag als er st em das Wort erteilen.
Minister Göring zu den Vorfällen in 9tre?e(b.
Berlin, 22. Februar. (WTB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt u. a. mit: Zu den Bot gängen in Krefeld erklärt der Kommissar des Reiches für das preußische Innenministerium Reichsmi- nister Göring, daß er in einem Telegramm an die Zentrumspartei schärsste Untersuchung der bedauerlichen Vorfälle zugesichert hat, daß er ferner Maßnahmen getroffen hat, die in Zukunft solche Vorgänge zu verhindern geeignet sind und die sichere Durchführung der polizeilich genehmigten Versammlungen gewährleisten. Minister Göring gibt sodann bekannt, daß sich Gruppen von Provokateuren mit dem Ziele gebildet haben, innerhalb der NSDAP, und anderer Verbände Provokationen hervorzu- rufen, die Einigkeit der nationalen Verbände zu stören und Zusammenstöße mit der Polizei herbeizuführen. Hierdurch soll eine Herabsetzung des Ansehens der NSDAP, und des Stahlhelms erreicht werden. Es liegen ausreichend Beweise dafür vor, daß in letzter Zeit die Kommunisten in der Uniform der S A. ober anderer nationaler Verbände Terrorakte schon hervorgerufen haben. Das Ministerium des Innern hat jetzt einen Spezialdienst eingerichtet, der gegen diese Elemente bereits eingesetzt ist. Zugleich ist angeorbnet worben, baß bie Angehörigen ber nationalen Verbänbe, bie sich ben strengen unb klaren Befehlen ihrer Führer nicht fügen, rücksichtslos zur Verantwortung gezogen unb aus ihren Verbänben entfernt werben. Das Braunhemb ber SA. unb bas Felb- grau bes Stahlhelms finb Ehrenkleiber, bie zu einer vorbilblichen Disziplin beim Wieberaufbau bes beutschen Vaterlanbes verpflichten. Einen Aufruf in biefem Sinne hat Minister Göring an bie SS., SA. unb ben Stahlhelm gerichtet.
Im übrigen ersucht ber Minister, bie angebeuteten Vorfälle nicht von vornherein über bas objektive Maß hinaus aufzubauschen unb vor allem in ber Presse zum Anlaß zu nehmen, ben Kampf ber politischen Meinungen noch weiter zu vergiften unb baburd) bie öffentliche Ruhe unb Sicherheit zu stören. Er verlangt aber auch von ben in Opposition gegen bie nationale Regierung stehenben Parteien, baß sie ihrerseits nicht burch auf re igenbe provokatorische Reben gegen bie Regierung Vorfälle, wie bie Krefelber Hervorrufen, baß bie Sicherheit unb Drbnung in vollem Maße aufrechterhalten werben wirb unb baß b i e Störer, gleichviel woher sie kommen, rücksichtslos zur Verantwortun ggexogen werben. Dafür bürgt ber preußische Minister bes Innern in eigener Person.
Aufruf naüonalsozialistischer Kaiholiken.
B e r.l i n, 22. Febr. (ERB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht einen Aufruf ber 21 r - deitsgemeinschast katholischer Deutscher unb ber Katholischen Vereinigung für nationale Politik. Der Aufruf erinnen an das Runbschreiben bes Papstes vom 1. September 1928, in bem es heißt, baß bie Priester bestimmt feien, bie religiösen Interessen bes ganzen Volkes zu zu vertreten, sie bürsten nicht einer politischen Partei angeboren. Es müsse vermieden werben, baß die Würbe ihres Amtes in Parteikvnflikten geschmälert werbe, unb sagt bann weiter: .Heber, ber behauptet, wir nationale Katholiken ober allgemein bie national gesinnten Kreise unseres Volkes wollten euch die


