Ausgabe 
23.1.1933 Erstes Blatt
 
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Gewerkschaftsführer bei Hindenburg.

Berichterstattung über die Arbeiternot. Vorschläge der Gewerkschaften.

Berlin, 21. Januar. (WTB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute als Ver­treter des Bundesvorstandes des Allgemei­nen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen Freien Ange- stelltenbundes die Herren Lei Part, Grahmann, Eggert und S t ä h r zur Ent­gegennahme eines Berichts über die Rotlage in der Arbeiterschaft Deutschlands und gleich­zeitig von Vorschlägen auf wirtschaftlichem, handelspolitischem und sozialem Gebiet. Der In­halt ihrer Darlegungen gipfelte in den nachfol­genden Vorschlägen:

1. (Eine großzügige Arbeitsbeschaffung durch die öffentliche Hand. Die bisherigen Maßnahmen müssen erheblich erweitert werden.

2. Durchführung einer der Produktionstechnik an- gepaßten Arbeitszeitverkürzung, die jedoch nicht zu weiteren (Einkommensminderungen führen darf.

3. Erhaltung und Steigerung der deutschen Aus- fuhr.

4. Wiederaufbau der Massenkaufkraft und der so-

Berlin, 22. Januar. (VDZ.) Wie das Nach­richtenbureau des VDZ. in parlamentarischen Kreisen erfährt, wird in dieser Woche der Reichstag neben seinen Ausschußarbeiten vor allem eine Reihe bedeutsamer Verhandlungen hinter den Kulissen" führen, die sich mit der Frage der Erweiterung oder Um- gestaltung der Reichsregierung be­schäftigen. In nationalsozialistischen Kreisen wird erklärt, daß Adolf Hitler auch in dieser Woche noch in Berlin bleiben, daß aber vermutlich von den Rationalsozialisten eine Ini­tiative in der Frage der Regierungsbesprechun- pcn nicht ausgehcn werde. Man nimmt deshalb in parlamentarischen Kreisen an, daß das Zen­trum mit den in Frage kommenden Fraktionen der Rationalsozialisten, der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei Fühlung nehmen wird. Es scheint, als ob diese Besprechungen bereits zu An­fang der Woche in Gang kommen werden, denn die Zentrumsfraktion des Reichstages ist bereits für den kommenden Donnerstagnachmittag einberufen worden. Die Zentrumsfraktion rechnet damit, daß in dieser Fraktionssitzung sich l a n g- wierige und grundsätzliche Ausein­andersetzungen über die Regierungsgestal­tung im Reiche ergeben werden, denn die Frak­tion hat schon jetzt verfügt, daß ihre Beratungen nicht am Donnerstag beendet, sondern am Freitag fortgesetzt werden sollen. Die Reihe der Frak­tionssitzungen wird schon am Montag, 23. Ja- nuar, durch den Zusammentritt der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion eröff­net. Am Dienstag, 2L Januar, wird auch die Bayerische Volkspartei eine Fraktions- fitzung veranstalten.

Sitzung des sozialdemokratischen Zrakiionsvorstandes.

Berlin, 21. Jan. (VDZ.) Wie das Nachrichten- bureau des VDZ. meldet, fand am Samstag im Reichstag eine Sitzung des Fraktionsoor- standes der SPD. statt. Heber das Ergebnis wird parteioffiztell mitgeteilt:

Der Fraktionsoorstand beschäftigte sich am Sams­tag mit der Lage, die durch die erneute V e r schleppung der Einber ufuna des Reichs­tags durch die Nationalsozialistische Partei ent­standen ist. Es wurde beschlossen, die Gesamt- fraktion für Montag, 30. Januar, ein- zuberufen."

Eine Rede Papens.

Magdebura, 21. Ian. (CNB.) Auf einer Reichsgründungsfeier des Stahlhelms sprach Reichskanzler a.D. von Papen. Seine Rede be­wegte sich in den Gedankenaangen seiner Ausfüh- rungen in Halle und Berlin. Papen wandte sich auch hier gegen den Vorwurf, er sein ein Knecht der Unternehmer und des Finanzkapi­tals.Dazu sage ich", so erklärte von Papen wört­lich,ich gehöre innerlich keiner deutschen Partei an. Mein Herz gehört einzig und allein meinem Lande. Ich hasse vor allem das inter­nationale anonyme Großkapital, das zwischen den Ländern hin- und hergeschoben wird." Die Konzern - und Trustbildungen", so erklärte er weiter,seien ein Krebsschaden für das allgemeine Wohl und reiffüreinegrunb- süßliche Reform. Ebenso hasse er die klassen- kämpferislye Front des Unternehmertums und der Gewerkschaften. Der neue Staat werde nur mit dem deutschen Hand- und Kopfarbeiter gemein­sam aufgebaut werden können. Keine Zeit sei zu verlieren, den Zusammenschluß des deut­schen Volkes zu vollziehen.

Göring gegen Schleicher.

Dresden, 22. Ian. (TU.) In einer Kund­gebung der Dresdener NSDAP, sprach am Sonn­tag Reichstagspräsident Göring. Er charakteri­sierte vor allem die Stellungnahme der NSDAP, zur Regierung Schleicher. Eine entscheidende Besserung unserer Lage, so führte er u. a. aus, könne niemals von einem materiellen System kommen. Statt eines Reichsbankneubaues solle man dem deutschen Volk lieber die Freiheit, statt Straßenbauten die Ehre und statt Wohlfahrt und Almosen das Recht auf Arbeit wieder geben.

wenn sich die lehlen fiabinette gerühmt hallen, das System bekämpft zu haben, fo fei dazu zu bemerken, daß dieses System noch nicht aus- gerottet fei

Bei jedem Regierungswechsel seien dem Volk riesige Versprechungen gemacht worden und jedesmal sei die Enttäuschung um so größer gewesen. Göring bezeichnete Brüning als den Kanzler der Jrrun- gen, Papen als den Kanzler der Wirrungen und Schleicher als den Kanzler der Mischungen und Beimischungen. Zum Siedlungs- und Arbeitsbe­schaffungsprogramm bemerkte Göring, man dürfe

zialen Leistungen mit dem Ziel der Schaffung eines umfaßfähigen Binnenmarktes.

Bei der später im Ausschuß des ADGD. fol­genden Erörterung des ThemasDie Gewerk­schaften im politischen Meinungskampf" erklärte der Vorsitzende Grahmann u. a., die Unter* redung der Führer des ADGB. mit dem Reichs­wehrminister v. Schleicher wenige Tage vor seiner Ernennung zum Reichskanzler habe nur den einen Zweck gehabt, die sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Forderungen der Gewerk­schaften zu vertreten. Um die Arbeiterschaft zu vertreten, würden die Gewerkschaften auf eine solche A r t der Fühlungnahme nie verzichten können. L e i p a r t fügte den Aus- führungen Grahmanns, um die Haltung der Ge­werkschaften zur gegenwärtigen Regierung zu charakterisieren, noch hinzu:

Die Gewerkschaften stehen zu jeder Regierung in Opposition, wie immer sie zusammengeseht ist.

Denn die Gewerkschaften werden noch für lange Zeit nur Forderungen an die Regierung zu richten haben!"

nichts Neues schaffen und dabei Bestehendes zu­grunde gehen lassen. Man müsse vor allen Dingen die notwendigen weltanschaulichen, wirtschaftlichen und außenpolitischen Voraussetzungen für die Sied­lung schaffen. Wen jetzt für die Behebung der Not des Volkes keine Mittel mehr vorhanden feien, fo fei darauf hinzuweisen, daß jahrelang Tribute in Höhe von Milliarden gezahlt worden seien. Göring verwahrte sich dann gegen den Vorwurf, als Reichs­tagspräsident den Parlamentarismus gerettet zu haben. Allerdings habe er den Kampf für die Achte des Volkes, gegen die Anmaßung einer Regierung ausgenommen. Die nationalsozialistische Bewegung

Prag. 22. Ian. (WTB.) Vor der Kaserne des in der Brünner Vorstadt C i d e n i z e statio­nierten Infanterieregiments Rr. 43 hatten sich heute etwa 50 junge Leute aus der Llmgebung Brünns angesammelt, die in die Kaserne einzudringen versuchten. Zwi­schen dem Militär und den Angreifern kam es zu einer Schießerei, bei der einer der Demon­stranten getötet und mehrere andere verwun­det wurden.

Lieber den Vorgang erfährt deS Tschechoslowa­kische Preßbüro von maßgebender Seite folgen­des : Ein Oberleutnant der Reserve, namens K o b z i n e k aus Königsfeld, der in Brünn durch sein exaltiertes und abenteuerliches Auftreten bekannt ist, trat in den letzten Tagen mit einigen faschistisch gesinnten Personen aus der Llmgebung von Brünn in Verbindung. Durch die Vorspiegelung, es handele sich um den Schutz einer faschistischen Versamm­lung, gelang es ihm, etwa 50 Personen zur Absahrt in zwei Autobussen nach Brünn zu be­wegen. Heute gegen 0.30 Llhr überredete Kob- zinek in einer Schlucht vor Brünn die Teil­nehmer an dieser Expedition, zu einem Angriff auf die Kaserne des Infanterieregiments Rr. 43 in dem Brünner Vorort Cidenize. Einige Teil­nehmer dieses Llnternehmens erkletterten die Hin­termauer der Kaserne, und es gelang ihnen, durch List die Wache am Haupttor zu ent­waffnen. Auf ein Alarm^eichen trat den Aben­teurern Militär und Polizei ent* geg en. Rach kurzem Geplänkel wurden die An­greifer unschädlich gemacht. Alle, die in die' Kaserne eingedrungen waren, wurden v e r h a f - t e t, die übrigen ergriffen nach den ersten Schüs­sen die Flucht. Während des Geplänkels wurde

Hochzeit in Stolberg.

Am Sonntag fand in Stolberg am Harz die Hochzeit des Fürsten Wolf Heinrich au Stolberg-Stolberg m t Fräulein Irma Er - fett, der Tochter eines Magdeburger Magi­stratsbeamten, statt. Von der Verwandtschaft des Fürsten nahm nur die Schwester, Prinzessin Imagina, an der Hochzeit teil. Die Häuser der Stadt waren während der Festtage mit Tannen­grün, Fahnen und Transparenten reich geschmückt. Am Samstagabend brachte die Cinwohnerschast von Stolberg und der ganzen Grafschaft dem jungen Paar einen Fackelzug dar, der auf dem Dose des Schlosses endete. Während der dort gewechselten Ansprachen wurde auf den Höhen der Llmgebung e.n Feuerwerk ab­gebrannt. 2n später Rachtstunde vereinigte sich die Bürgerschaft zu einem ilmtrunf, den der Bräutigam gespendet hatte. Sämtlichen Llnter- stühung-empiänzern Stolbergs wurde eineGeld- spende aüsbezahlt. Am Sonntag fand zunächst die standesamtliche Trauung und anschließend in der Schloßkapelle die Einsegnung des jungen Paares durch Domprediger Richter, Berlin, statt. Am Rachm ttag reiste das fürstliche Paar nach Suddeutschland ab.

Schwere Wasserrohrbrüche in Eharlottenburg.

In Eharlottenburg ereigneten sich mehrere schwere Wasserrohrbrüche. Das Wasser riß die Straßendecke auf und überschwemmte einen Teil der Berliner Straße und der an­liegenden Straßen derart, daß jeglicher Verkehr unmöglich wurde. Die Straßenbahn- und Auto- buslin en muhtm umg:leitet werden. Der Druck und die Stärke des herausströmenden Wassers liehen erst nach, als das Hauptrohr abgestellt werden konnte.

Der zweite VvG.-Rauber verhaftet.

Die Berliner Kriminalpolizei hat jetzt auch den zweiten der an der Beraubung des BVG.-Geld- transports im September o. I. beteiligten Räuber,

fei Deutschlands letztes Aufgebot. Wenn dies ver- nidjtet werde, würde der Bolschewismus herrschen.

wenn Hitler das große Ziel erstrebe, ein neues Deutschland zu schaffen, könne er nicht bei Pa- pen oder Schleicher als Vizekanzler eintreten.

Es gehe um das Letzte, deshalb müsse Hitler an die Front kommen und Schleicher ver­schwinden.

Seldte Über die Aufgabe unserer Zeit.

Frankfurt a.M., 22. Ian. (TL1.) Bei der am Sonntag begonnenen Schulungstagung des Stahlhelms, der auch Prinz Wilhelm von Preußen beiwohnte, sprach u. a. auch der Bun­desführer Franz Seldte. Er gedachte zunächst des 18. Januar und führte dann aus: Aus der heutigen Rot Der Deutschen gebe es nur Dann eine Rettung, wenn das deutsche Volk selbst diese Heilung wolle.

keine echte Führung dürfe den sozialen Zug verkennen, der durch die dculfche Welt unserer Zeit gehl. Schuf Bismarck den Staat, fo hätten wir die Ration zu schaffen. Das sei die Auf­gabe der Frontgeneration.

So wie Brandend -t'i das Herz Deutschlands sei, so sei das Frontsoldatentum das Herz des deut­schen Volkes. Wenn der Reich-Kanzler von Schleicher sich zur allgemeinen Ar­beit s d i e n st p f l i ch t als höchster deutscher Volksschule bekenne, so begrüße der Stahl­helm das und sage diesem deutschen Manne seinen herz'ichen Dank D^s Dr'tH'e Soldatentum sei unsterblich, unzerstörbar, wichtigstes und edel- stes Deutschs ßeuensgut. Immer stche als höch­stes Gut des deutschen Volkes opferbereit sein Soldatentum, sein Frontgeist, der Stahl­helmgeist. Der Stahlhelm, seine Art, sein Denken und sein Tun seien noch auf lange Zeit hinaus in Deutschland absolut notwendig.

Rur mit dem Geiste edelster Volksgemeinschaft gebe es eine neue deutsche Zukunft.

Rur aus diesem Geist könne das Deutschland eigener Prägung geschasien werden. Der Redner schloß mit einem Glückauf für das Entscheidungs- jahr 1933.

ein Angreifer in den Kops getroffen und ver­schied auf dem Transport ins Krankenhaus. Ferner wurden zwei Arbeitslose verwundet: einer erhielt einen Schuß ins Bein, das ihm amputiert werden mußte. Auf Seiten des Militärs gab es einen Schwer- und einen Leichtverwundeten.

2m Zusammenhang mit dem Lieberfall hat die DoliAeidirektion in Prag Haussuchungen bei früheren Mitgliedern der safchistischen Be­wegung, und zwar bei 70 Personen, u. a. auch bei dem Führer der tschechischen Faschisten, Ru­dolf G a j d a, vorgenommen. Cs wurde reichlich Material vorgefunden, das geprüft wird. Die Llntersuchung wird fortgesetzt.

Außerdem wurden bei zahlreichen Personen in der Umgebung Brünns, die der Teil­nahme an dem Lieberfall verdächtig sind, eben­falls Haussuchungen vorgenommen. Der Anstifter des Lieberfalls, der 30jährige Reserve- Oberleutnant Kobzinek, konnte bisher noch nicht verhaftet werden. Er sowie einer der Haupt­mittäter sind flüchtig und werden steckbrieflich verfolgt. Bisher, wurden 35 Teilnehmer an dem Angriff fest genommen.

Gajda verhaftet.

Prag, 23. Ian. (WTB. Funkspruch.) In S a st i n in der Slowakei wurde in der Rächt zum Montag der ehemalige General der tsche- choflowak.schen Wehrmacht, Rudolf G a j d a, der Führer der tschechoslowakischen Fa­schist enbewegung, im Zusammenhang mit dem gestrigen Brünner Putschversuch ver­haftet- Es liegt der begründete Verdacht vor, daß Gajda von dem Plane des Rädelsführers von Brünn, des Oberleutnants dec Reserve Wladislaus K o b z i n e k, gewußt hat.

nämlich den Kraftwagenführer Krebs, f e ft ge­nommen. Die Polizei war Krebs bereits seit einigen Tagen auf der Spur. Sie stellte fest, daß in der Sebastianstraße eine blaue Horchlirnousine gestohlen worden war und hatte Anhaltspunkte da­für, daß Krebs der Dieb war. Die Polizeibeamten sichteten verschiedentlich den gestohlenen Wagen. Das Netz zog sich bann immer enger um Krebs zusam­men. Als er nachts vor dem Hause Stealiher Str. 57 vorfuhr, um seine kranke Mutter zu besuchen, wurde er festgenommen Krebs hat bereits gestanden, an dem Raub beteiligt gewejen zu fein. Die Fahn­dung nach den drei noch flüchtigen Räubern wird fortgesetzt. Man nimmt an, daß auch sie sich noch in Berlin verborgen halten. Die in Haft befindliche Frau des Krebs ist freigelassen worden-

Kraftwagenführer nledergeschosfen und beraubt.

Ein dreister Raubüberfall wurde im Gel­senkirchener Stadtteil Horst-Süd verübt. Als der Kraftwagen einer Lebensmittelgroßhandlung vor der dortigen Zweigstelle hielt, sprangen plötzlich zwei Burschen mit dem Rufe .Hände hochl" auf den 'Kraftwagenführer und den Beifahrer zu. Einer der Räuber verletzte den Kraftwagen- sührer durch einen Bauchschuß lebensgefähr­lich. Die beiden Räuber und ein weiterer Helfers­helfer sprangen in den Kraftwagen und fuhren davon. In Buer liehen fie den Wagen, der be- triebsunsäh-'-' -'"worden war, im S'.ich und flohen über die Felder in den Fürstenberger Wald, nachdem sie sicy die in Dem Kraftwagen liegende Aktentasche mit etwa 3000 Mark Bargeld an­geeignet hatten. Die Suche der Polizei nach den Räubern blieb erfolglos.

Schwere Gcippe-Lpldemle auch in Frankreich.

Die Grippe-Epidemie, die nunmehr auch in Frankreich um sich greift, hat besonders in den nordfranzösischen Provinzen große Teile der Be­völkerung befallen. In den großen Verwaltun­gen, den Kasernen und den Schulen sind teil­weise über 60 v. H. der Angestellten» Soldaten

Sie Woche her parieiverhandluiMli.

Gibt das Zentrum den Anstoß?

Putschversuch in der Tschechoslowakei.

Sturm auf eine Kaserne in Brünn.

Aus aller Welt.

ober Schüler an Grippe erkrankt. In Ranch wurden die höheren Schulen vorläufig für eine Woche geschlossen.

(Ein furchtloses Brautpaar.

In London sand dieser Tage Die standesamt­liche Trauung von Montague R o r m a n n, dem 61jährigen Gouverneur der Bank von England, und Priscilla Werstborne, einem 33,ährigen Mitglied des Londoner Stadtrates, statt. Hm der großen Menschenmenge zu entgehen, die daS frischgebackene Ehepaar begrüßen wollte, ver­ließen Montague Ro-man und Frau das Stan­desamt über eine Hintertreppe, wobei sie ein Lei­chenschauhaus zu durchqueren hatten Die Ver­mählung Normans Hot in ganz England größtes Aufsehen erregt, da der Gouverneur allgemein als einewiger Junggeselle" galt.

Todessprung aus Sensationslust.

Ein junger Mann, der von der 72 Meter hohen Spitze des Turmes einer Eisenbahnbrücke in das Wasser des Königinhafens in Rotterdam sprang, um die kürzlich gemeldete gleichartige Leistung eines anderen jungen Mannes zu überbieten, büßte seine Tollkühnheit mit dem Tode. Der Körper überschlug sich nach dem Absprung mehrere Male und verschwand vor den Augen der entsetzten Zuschauermenge im Wasser, ohne wieder auhu- tauchen. Erst nach geraumer Zeit konnte der Leichnam des Verunglückten, der unter anderem einen Schädelbruch aufwies, geborgen wer­den. Trotz des unglücklichen Ausganges dieses Abenteuers versuchte darauf ein anderer junger Mann den Sprung auszuführen, um eine^B ette zu gewinnen. Er wurde von der Polizei aber an seinem Vorhaben gehindert und vom Turm herab­geholt.

Kunst und Wissenschaft.

John Galsworthy schwer erkrankt.

Der im vorigen Jahre mit dem Nobelpreis ausgezeichnete 65jährige engt schr Dichter John Galsworthy ist schwer erkrankt. Sein Zustand soll sehr bedenklich fein.

De tsch Auszeichnung für einen griechischen Dichter.

Der deutsche Gesandte in Athen, Dr. Eifen­lohr, besuchte dieser Tage den griechischen Dichter Kostis Palamas und überreichte ihm die Goethe-Medaille.

Aus der Provinpalhauptstadt.

Weltflieger von Gronau spricht in Gießen.

Wie wir zuverlässig^ hören, wird der Welt­flieger Wolfgang von Gronau, der am 10. Ro- vember vorigen Jahres von seinem großen Fluge um die Erde zurückkehrte, am Sonn­tag, 5. Februar, im hiesigen Stadttheater spre­chen. Vereine und Verbände seien besonder- aufmerksam gemacht, insbesondere mit dem Hin­weis darauf, bei der Disposition über Veran­staltungen auf den Besuch des Weltfliegers und seinen Vortrag soweit wie möglich Rücksicht zu nehmen.

Rückblick und Ausblick des »Hubertus-.

Die Jahreshauptversammlung des .Huber­tus", Verein weidgerechter Jäger. Sitz Gießen, fand, wie man uns berichtet, bei gutem Besuch am Samstag im Hotel .Hinden­burg" statt. Einleitend gab der 1. Vorsitzende, August Pascoe (Dutenhofen) einen Lieberblick über den Verlauf oes vergangenen Iagdjahres, das auf dem Gebiete der Riederjagd viele Ent­täuschungen brachte. Er erstattete sodann den Jahresbericht des Vorstandes über die Vereins­tätigkeit, der wiederum von reger und vielseitiger Arbeit für das Weidwerk im allgemeinen und die Interessen der Mitglieder im besonderen zu be­richten wußte. Reben der Belehrung und Be­ratung der Mitglieder durch zahlreiche Vorträge in den Monatsversammlunaen wurde die Aus­bildung im Schießen ebenfö wie die Zucht und Prüfung des deutschen Gebrauchshundes geför­dert. Mit allen maßgebenden Vereinen der hes­sischen Jägerei und der benachbarten preußischen Gebiete wurden freundschaftliche Beziehungen unterhalten, die zur Grundlage der Zusammen arbeit in wichtigen Fragen dienten. Auch den Behörden gegenüber konnte der Verein wieder­holt die Interessen der Jagd vertreten. Zwischen der Fach- und Lagespresse und dem Verein be­standen rege Beziehungen. Der Erfolg der Arbeit war, daß im Gegensatz zu dem heute üblichen Mitgliederschwund in anderen Vereinen die Mit­gliederzahl stieg.

Besonders wurde auf die außerordentlich vor­teilhafte Iagdhaftpflichtversicherung hingewiesen, die den Mitgliedern zur Verfügung steht, und vor allem an die nicht zwangsver­sicherten staatlichen Forstbeamten die dringende Mahnung gerichtet, von ihr Gebrauch zu machen, da ein unglücklicher Zufall auch den sichersten Schützen in die schwerste wirtschaftliche Rot brin­gen kann. Der vom Schatzmeister, Regierungsrat Freiherr Schenck von Schweinsberg, er­stattete Kassenbericht gab erfreulicherweise ein günstiges Bild, das eine Herabsetzung des Jahres­beitrages bei gleichen Leistungen gestattete. Mit der Entlastung des Vorstandes verband Fabri­kant Ludwig Rinn im (Hamen der Mitglieder den Dank für die uneigennützige und erfolgreiche Arbeit des Vorstandes.

Das Arbeitsprogramm für bad neue Jahr bewegt sich in bewährten Dahnen. Die Wahlen brachten keine Veränderungen. Sechs Mitglieder konnten für erfolgreiche Werbetätig­keit mit Prämien in Gestalt von Fasanen für ihre Reviere ausgezeichnet werden. Damit ver­band der Vorstand den Wunsch, daß das Aus­sehen von Fasanen auch darüber hinaus noch von anderen Mitgliedern durchgeführt werden möge. Das Verhalten gewisser Revierinhaber, die zwar für die Einbürgerung des Fasans selbst nichts tun, aber den Aufbau der Fasanenbestände durch Hennenabschutz zu .fordern" suchen, wurde ge­bührend aus der Versammlung heraus beleuchtet. Wegen der Beschickung der Kölner Ausstellung des Reichsjagdbundes und deren eventuellen ge­meinsamen Besuch machte der Vorstand seine Organisationsvorfchläge. Es wurden dann noch viele Fragen des Jagdschutzes, der Wildhege im Frühjahr, der Iagdwaffen u. a. besprochen.

Nach dem geschäftlichen Teil sprach Dr. Karl Rudolf Fischer vom Forstzoologischen Institut der Universität überVorkommen und Le­bensweise des Uhus und seine Ein­bürg e r u n g s o e r s u ch e in Deutschland, insbesondere im Vogelsberg". Im Rah­men des hochinteressanten Vortrags, der demnächst an anderer Stelle der Oeffentlichkeit zugänglich ge­macht werden wird, berichtete der Redner über das