Ausgabe 
23.1.1933 Erstes Blatt
 
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Montag. 23.Zanuar 1935

183. Jahrgang

Nr. 19 Erstes Matt

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Chefredakteur Dt. Fr»edr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und ^ür "en An­zeigenteil i. D.Th.Kümmel fämtlich m Biegen.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Weitere Ausschreitungen int Reich.

Zusammenstöße auch in Köln und in Augsburg.

sich bei einem kommunistischenDemonstra- l i o n s z u g , der von der Polizei aufgelöst werden muhte, als Rädelsführer betätigt. Der dritte Tote, ein 27 Jahre alter Arbeiter, hatte pollzeibeamte tätlich angegriffen.

Ausschreitungen in Augsburg

Schleicher beim Reichspräsidenten.

verlin, 23. Jan. (1DIB.) Der Herr Reichs­präsident empfing heute vormittag Herrn Reichskanzler von Schleicher zum vortrog über die politische Lage und den Staad des Arbeitsbefchafsungsprogramms.

Wefiel-Gedenkfeier im Sportpalast.

B e r l i n, 22. Ian. (TU.) Am Sonntagabend fand |m Berliner Sportpalast eine Horst-Wessel- Gedenkfeier statt. Zwischen Hauptmann Röhm und Prinz August Wilhelm hatten die Mutter und die Schwester Wessels Plast genom­men. Minutenlange Heilrufe begrüßten Hitler, als er im Saale erschien. Nach dem Bortrag des Trauermarsches ausGötterdämmerung" ergriff der Führer der Berliner SA., Graf Helldorf, das Wort. Er führte aus, die Nationalsozialisten erfülle es mit besonderem Stolz, dah in der Zentrale des roten Berlin ihre Lieder und der Marschschritt der SA.-Kolonnen erschallt seien. Wenn es gelungen sei, schwere Verluste zu vermeiden, so sei das zu­nächst der eisernen Manneszucht der SA. zu ver­danken, außerdem aber auch der Berliner Schutz­polizei. Gras Helldorf sprach die Mahnung aus, den gefallenen SA. Mannern nachzueifern. w

Nach der Ouvertüre zu Richard WagnersRienzi ergriff Hitler das Wort. Es müsse etwas Gewal­tiges fein, so führte er u. a. aus, das ein Volk so aufwühle, wie wir es jetzt erlebten. Es gehe um die Generalreinigung des deutschen Lebens. Die Se= bensführung des deutschen Volkes sei bedroht durch die Lebenshaltung. Aus diesem Zwiespalt fei ein Ringen entstanden, an dem bald dos ganze deutsche Volk teilnehmen werde. Der Geist der Toten, die für die nationalsozialistische Idee gefallen seien, lebe ewig. Ohne sie, ohne ihr Opfer könne die Be­wegung nicht das fein, was sie fei. Der Kampf habe Opfer gefordert, der Kampf gehe weiter.

Schlägereien in der Nacht zum Moniaa

Berlin, 23. Jan. (ERB. Funkfpruch.) In Der Nacht zum Montag tarn es in vecichiedenen Stadtteilen Berlins zu Zusammenstößen zw ichcn Nationalsozialisten und Som- m uni ft en. 2m Tl»rden der Stadl entwickelte sich zw schen NSDAP.- und K ^D.-Anhängern eine Schlägerei. Füns Nationalsozialisten und sieben Kommunisten wurden festgenommen. 6m SA-Wann war am Kopf erheblich Der e.st worden.

In Reinickendorf wurden zwei NSDAP.» Angehörige von Kommunisten Überfällen und durch Messerstiche le cht verletzt.

3n Steglitz kam es gegen 2 Uhr morgens au einer Schlägerei zwischen uniformierten Natio­nalsozialisten und KPD -Leuten. Ein NSDAP.- Wann wurde leicht verletzt. Zwei Kommunisten und zwei NSDAP.-Leute wurden festgenommen.

Französischer Schwindel.

Paris, 22.Jan. (TU.) In Zusammenhang mit den Vorfällen anläßlich der nationalsozialistischen Kundgebung in Berlin am Sonntag gibt der Ber­liner Sonderberichterstatter desParis s o i r feinem Blatt eine sensationell aufgemachte ^Mel­dung, in der unter der UeberschriftBlutige Schlä- fereien in Berlin" von Hunderten von Ver-

e tz t e n und über 10 Toten die Rede ist. Der

Adolf Hitler bet der Gedentvedc am Grabe- Horst-Wessels

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Berichterstatter des Blattes hat ferner P h a n- t a f i e in einer Weife freien Lauf gelassen, daß man sich bei der Lektüre des Berichtes in die rus­sischen Revolutionsjahre verseht sieht. Barrika­denkämpfe wechseln mit Sturmangriffen auf das Karl-Liebknecht-Haus ab, aus dem abwech­selnd die Polizei von den Kommunisten und die Kommunisten von der Polizei vertrieben werden. DerRote Tag", so schließt bas- Blatt feine Aus­führungen, werde wahrscheinlich den Auftakt zu noch viel schlimmeren Ereignissen darstellen.

Kommunistische Unruhen in Köln

Köln, 22. 2an. (WTB.) 3n den heutigen Nachmittagsstunden rotteten sich in Köln an meh­reren Stellen kommunistischeingestellte E l e m e n t e zu unfriedlichen Kundgebungen zusammen. 3n wiederholten Fällen muhten Po­lizeibeamte gegen die Kundgeber einschrecken. Die Beamten wurden hierbei mit Steinen, Bri­ketts usw. beworsen und tätlich angegriffen.. Be­sonders harten Widerstand fanden die Beamten in Köln-Ehrenfeld, wo sich etwa 800 Personen angesammelt hatten. Zur Ab- wehr der Angriffe waren die Beamten gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, hierbei wurden zwei als radikale Kommunisten bekannte Personen erheblich und zwei weitere leicht verletzt. Die Verletzten wurden in Kran­kenanstalten übergeführt. Mehrere Polizerbeamte | wurden leicht verletzt.

Abends entstanden in der Altstadt nahe beim

Neumarkt abermals Tlnruhen, die diesmal einen noch ernsteren Charakter trugen. Da das Betreten des Viertels in der 11. Abend­stunde verboten wurde, waren Einzelheiten noch nicht zu erfahren. Fest steht, daß dreiSchwer- verletzte in ein Hospital geschafft worden sind. Gegenwärtig durchfahren Aeberfallwagen das Viertel, beleuchten mit Scheinwerfer die Häuser und fordern zum Schließen der Fenster aus, widrigenfalls geschossen würde. An den Straßen­ecken des von den Anruhen heimgesuchten Vier­tels stehen Rottentommunistischer Ele­mente.

Nach dem Polizeibericht wurde ein Heber- fallkommando, das die Ansammlung auf­lösen wollte, von der Menge beschossen. Die Beamten sahen sich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Hierbei wur­den vier Personen verletzt, die in das Bürger­hospital eingeliefert wurden.

Drei Todesopfer.

Köln, 23. 3an. (WTB. Funkspruch.) Bei den gestrigen kommunistischen Demonstra- klonen wurden im ganzen acht Teilnehmer ver­letzt. Drei von ihnen sind ihren schweren Ver­letzungen erlegen. Bei den Toten handelt es sich nm einen 20jährigen Schleifer, der durch einen Bauchschuß getötet wurde; er war Oester- reicher und lebte bei seinen Ettern in Köln. Der zweite durch einen Lungenschuh tätlich verletzte ist ein 30jätjriger Schuhmacher. Velde hatten

40 Festnahmen.

Augsburg, 23. Jan. (WTB. Funkspruch.) In der Wertach-Vorstadt versammelten sich am Sonntag trotz des Umzugsverbotes Kommunisten, die durch die Straßen zogen. Als den Deinonftranten Polizei entgegentrat, die die Menge mit Gummi­knüppeln zerstreuen wollte, kam es zu A n g r i f f e n auf die Polizei, so daß das Ueberfall- kommando alarmiert werden muhte, das die De­monstranten auseinandertrieb. Später sammelten sich immer wieder kleinere Trupps an. Erst in der Nacht konnte die Ruhe wieder vollständig hergestellt werden. Vierzig Personen wurden fest- genommen.

Landeskirchenwahlen in Thüringen.

Weimar, 23. Ian. (TU.) Am Sonntag fanden in Thüringen die Wahlen zum Landes­kirchentag statt. Während bisher im Landes­kirchentag der liberale Volkskirchenbund und der konservative Christliche Vvlksbund führ­ten, hat das neue Ergebnis eine grundlegende Veränderung gebracht. Die Gruppe der D e u t- fchen Christen, die weltanschaulich den N a - tionalsozialisten nahesteht, vereinigte von rund 228 000 abgegebenen Stimmen 67 700 Stimmen auf sich. Der Christliche Volksbund folgt mit rund 48 600 Stimmen, während der Volks- kirchenbund an dritter Stelle mit rund 44000 Stimmen steht. Der Einigungsbund für Refor­matorisches Christentum erhielt rund 39000Stimmen. Die religiösenSozialisten sind von 19 000 auf 27 500 Stimmen angewachsen. Die Wahlbeteiligung war bei den diesmaligen Wah­len wesentlich stärker, als früher. Diesmal wurden runb 228 000 Stimmen abgegeben gegenüber 186 000 beim letzten Wahlgang vor 6 Jahren. Die stärkere Wahlbeteiligung ist auf die P o l i t i f i e r u n g d e r Kirchenwahl zurückzuführen.

Die Mandate verteilen sich auf die einzelnen Gruppen wie folgt:

Mandate: 1926:

Thüringischer Volkskirchenbund 10

Christlicher Volksbund 11

Einigungsb. für ref. Kirchentum 8

Bund religiöser Sozialisten 7

Deutsche Christen 15

21

21

13

7

3

Zusammen 51 65

Meine politische Nachrichten.

An einem Herzschlag ft a r b in der vergangenen Nacht Dompropst Prof. Dr. Johannes Lin ne- b o r n in Paderborn Der Verstorbene war Mitglied des Preußischen Landtages und hat sich als solcher um das Zustandekommen des preußischen Konkor­dats besonders bemüht.

Wie die TU. erfährt, hat der kürzlich abgefetzte Führer der SA. - Gruppe Franken, Stegmann, feine Mols Hitler gegenüber abge­gebene Loyalitätserklärung zurückge­zogen. Er ist aus der NS DA P. ausge­treten und hat fick dem von einem großen Teil der fränkischen SA. gebildeten Freikorps Franken angefchlosfen. Adolf Hitler hat seiner­seits Stegmann aus der NSDAP, ausge­schlossen und erklärt, er und alle, die ihm (Steg­mann) folgten und damit aus der Partei ausschie­den, würden niemals wieder in die NSDAP, aus­genommen.

Berittene Polizei patrouilliert vor dem Karl-Liebtnecht-Haus,

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Polizisten mit Karabinern riegeln den Bülowplatz ab, 1

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